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Erster Weltkrieg



Der Erste Weltkrieg war ein Krieg, der von 1914 bis 1918 in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien wütete und über neun Millionen Menschenleben forderte. Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn auf der einen Seite und den Entente-Mächten Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen. Hinzu kam durch den deutschen Einmarsch Belgien, das Opfer des Schlieffenplans wurde. Im Verlauf des Krieges wurden die Mittelmächte durch das Osmanische Reich und Bulgarien verstärkt, während auf alliierter Seite Staaten wie Italien, Portugal, Rumänien und die USA in den Krieg eintraten. Im Ersten Weltkrieg entluden sich die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien mit insgesamt 1,35 Milliarden Einwohnern, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Aufgrund der Verwerfungen, die er weltweit auslöste, und der Folgen die stellenweise noch heute spürbar sind, gilt der erste Weltkrieg bei vielen Historikern als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

Der Krieg begann am 4. August 1914 mit dem Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien. Manche Nachbetrachter sehen dies als Resultat der in Europa weit verbreiteten Ansicht, ein militärischer Konflikt sei nicht vermeidbar oder gar wünschenswert gewesen. Der Verlauf des Ersten Weltkrieges machte die Unfähigkeit der europäischen Führungsschichten deutlich, militärische Neuerungen und soziale Spannungen zu erkennen oder zu akzeptieren (vgl. auch Kriegsschulddebatte).

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, der mit einem massiven Maschineneinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Die Fronten bewegten sich dennoch kaum; im endlosen Stellungskrieg rieben sich die Truppen gegenseitig auf. Insbesondere auf den Feldern von Verdun und in Flandern fielen auf beiden Seiten Millionen von Soldaten, ohne dass sich an der militärischen Lage etwas geändert hätte. Auch deswegen stellt sich der Erste Weltkrieg als ein Krieg dar, der an Grauen alles bis dahin Bekannte übertraf.

Table of contents
1 Politische Ausgangssituation (Zeitalter des Imperialismus)
2 Kriegsziele
3 Chronologischer Verlauf
4 Kriegsfolgen
5 Militärische Besonderheiten
6 Wirtschaftliches Umfeld
7 Der Erste Weltkrieg in der historischen Forschung
8 Zitate
9 Literatur
10 Weblinks

Politische Ausgangssituation (Zeitalter des Imperialismus)

Mittel- und Osteuropa

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts gab es in Mittel- und Osteuropa wesentlich weniger Staaten als heute. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn und Russland teilten sich das Gebiet im Wesentlichen untereinander auf.

Im Südosten Europas lag das ebenfalls Großmachtspolitik treibende Osmanische Reich. Kleinere Staaten gab es nur auf dem Balkan, der in den Jahrzehnten zuvor wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen Völker und dem Aneinandergrenzen der expansiven europäischen Mächte und des osmanischen Reiches in dieser Region ein ständiger Unruheherd gewesen war. Im Deutschen Reich, Russland und Österreich-Ungarn, die sämtlich monarchisch regiert wurden und nur mehr oder weniger machtlose Parlamente hatten, gab es zahlreiche ethnische Minderheiten, die zumeist nach nationaler Unabhängigkeit strebten.

Im 19. Jahrhundert waren unter anderem in Ungarn und Polen entsprechende nationalistische Aufstände unterdrückt worden. Besonders im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn brodelte es erheblich zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Zudem stand das österreichisch-ungarische Kaiserreich im krassen Gegensatz zum russischen Zarenreich, das sich als Sprecher der "slawischen Völker unter Wiener Herrschaft" sah und als Schutzmacht des (unabhängigen) Königreichs Serbien auftrat.

Ideologisch wurde dieser Nationalismus mit einem Panslawismus begründet. Aber auch die deutschen Bevölkerungsgruppen im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn versuchten, sich gegen die anderen nationalgesinnten Bevölkerungsteile zu behaupten und sich gegenseitig in Stellung zu bringen.

Westeuropa

Die westeuropäischen Staaten, aber auch (in geringerem Ausmaß) das Deutsche Reich, hatten weite Teile der Welt unter sich in Kolonien aufgeteilt (siehe Kolonialismus). Großbritannien, das über besonders viele Kolonien in Afrika und Asien verfügte, war die führende Seemacht, die sich seit Beginn des Jahrhunderts durch das reichsdeutsche Flottenbauprogramm herausgefordert fühlte. Letzteres führte aus Sicht einiger Historiker zum Anwachsen der Spannungen im Jahrzehnt vor dem Ausbruch des Krieges.

Blockstrukturen

In Europa hatten sich zwei Blöcke herausgebildet. Auf der einen Seite die Mittelmächte Deutsches Reich und Österreich-Ungarn (verbündet mit Italien, das sich aber zunächst aus dem Krieg heraushalten wollte und dem Osmanischen Reich). Auf der anderen Seite stand der russisch-französische Zweibund, der durch jeweilige Ententen mit England zur Triple-Entente verbunden war.

Alle drei Staaten waren in Konflikt mit dem Deutschen Reich geraten: In Frankreich verspürten die französischen Nationalisten noch immer Rachegelüste wegen ihrer Niederlage von 1870/1871 im Deutsch-Französischen Krieg. Großbritannien, das sich als Weltmacht sah, fühlte sich herausgefordert unter anderem wegen der deutschen Flottenbaupolitik bzw. der so genannten "Kanonenbootpolitik" vor Marokko. Die Beziehungen des russischen Zarenreiches zum Deutschen Reich hatten sich seit langer Zeit verschlechtert. Dies war insbesondere seit dem Berliner Kongress von 1878 der Fall, nachdem der deutsche Kaiser verstärkt auf ein Bündnis mit Österreich-Ungarn gesetzt hatte. Der 1887 zwischen dem Deutschen Reich und Russland abgeschlossene Rückversicherungsvertrag wurde 1890 nicht erneuert.

Militärische Ausgangslage

Die Entente war bei Beginn des Krieges in einer besseren Ausgangslage als die verbündeten Mittelmächte. Sie verfügte über mehr Soldaten (auch aus ihren Kolonien), größere Rohstoffreserven und hatte größere Reserven an Kriegsmaterial. Auch an Waffentypen, insbesondere schwerer Artillerie, mangelte es den westlichen Alliierten nicht. Aufgrund ungenügender Vorbereitung konnte die Entente ihre personelle und materielle Überlegenheit zu Beginn des Kriegs jedoch nicht entfalten.

Dagegen waren die verbündeten Mittelmächte, insbesondere das Deutsche Reich, wesentlich besser auf einen eventuellen Krieg vorbereitet. Ihre Armeen waren besser organisiert und Bewaffnung und Kampfmoral waren teilweise besser und ausgeprägter als bei der Entente. Die für den Transport der Truppen und den Nachschub erforderliche Logistik war vorhanden und wurde zudem durch ein gut funktionierendes Eisenbahnnetz unterstützt.

Dennoch war keiner der Blöcke auf einen langen Krieg eingestellt, beispielsweise war Winterbekleidung für die Soldaten nicht vorgesehen. Die Führungen gingen davon aus, einen kurzen Krieg führen und diesen noch 1914 erfolgreich beenden zu können.

Kriegsziele

Österreich-Ungarn

Österreich-Ungarn nahm für sich in Anspruch, um seine Interessen auf dem Balkan und um seine Existenz schlechthin zu kämpfen, die es an den Flanken insbesondere durch Russland bedroht sah. Durch den Krieg traten Differenzen zwischen den österreichisch-ungarischen Volksgruppen zeitweilig in den Hintergrund. Österreich-Ungarn strebte nicht nur die Eingliederung Serbiens, sondern auch Montenegros und Rumäniens oder Polens an. Entgegen den nationalistischen Tendenzen der damaligen Zeit hielt Österreich-Ungarn an der universalen Idee vom Kaisertum und somit am Vielvölkerstaat fest.

In den ersten Kriegswochen, vor den schweren Niederlagen in Galizien und Serbien, erlaubten sich die österreichischen Staatsmänner in ihren Vorstellungen genaue territoriale Ziele. Einige Wochen später verdrängte jedoch (für einige Zeit) das Überlebensmotiv geplante Erwerbungen.

Wie bei keiner anderen Großmacht standen bei der Monarchie auch "negative" Kriegsziele im Vordergrund: die Behauptung des Trentino, des Küstenlandes mit Triest und Dalmatiens sowie der albanischen Küste gegen Italien, die Abwehr der rumänischen Ansprüche auf Siebenbürgen und die Bukowina, die Zurückweisung der großserbischen und südslawischen Bestrebungen in Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Kroatien und Slawonien, die Verteidigung gegen die panslawistischen Pläne Russlands in Galizien und Böhmen und nicht zuletzt der Widerstand gegen die deutschen Hegemonialbestrebungen.

Auch die herrschenden Kreise der Monarchie wollten erobern und mussten nicht von äußeren Kräften zur Eroberung animiert werden. Aber die Hauptbestrebungen der österreichisch-ungarischen Monarchie bildeten die Aufrechterhaltung ihres Bestandes, d.h. ihre 'Integrität'. Dass die Wahrung dieser 'Integrität' auch Expansionsbestrebungen deckte, zeigen viele Denkschriften. Die Monarchie tendierte unbestreitbar unter dem Einfluss äußerer Einwirkungen und innerer Bestrebungen immer mehr in Richtung dieser weit gefassten Interpretation der Integrität.

Insgesamt lässt sich sagen, das offizielle Kriegsziel Österreich-Ungarns war die Erhaltung der Integrität der Monarchie. Inoffiziell versuchte die Monarchie allerdings ihre Stellung als Großmacht durch Einflussnahme bzw. Annexionen in Serbien, Montenegro, Albanien, Rumänien, Polen und der Ukraine zu stärken. Dennoch war in der Praxis, durch das prekäre Gleichgewicht des Habsburgerreiches, der Erwerb slawischer oder rumänischer Gebiete nicht oder nur in beschränktem Umfange möglich, ohne die Vorrangstellung der Deutschen und Ungarn im Staatsverband zu schwächen.

Zu Beginn des Krieges versuchte man durch Verfolgen weitgespannter Kriegsziele alle externen Bedrohungen für die Monarchie zu beseitigen und ihren Großmachtstatus für alle Zeiten zu sichern. Die komplexe innere Struktur der Monarchie machte es aber schwer alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Dadurch waren die imperialistischen Bestrebungen der Habsburgermonarchie mit besonderen Problemen belastet und trugen darum auch Züge, die bei anderen Ländern nicht zu sehen waren. In Österreich-Ungarn bedingte die Erörterung der Kriegsziele und deren territorialer Aspekt, mehr als in jedem anderen Staat, auch die Frage nach den sich daraus notwendigerweise ergebenden inneren, verfassungs- und nationalitätenrechtlichen Folgen.

Die österreichischen Staatsmänner waren sich zwar bewußt, dass die Gewinne von den zweifelhaften militärischen Erfolgen abhingen, was sie allerdings nicht daran hinderte, bei der Aufstellung der Kriegsziele auch ihre Wunschträume in die Pläne einzubauen. Auf den Sitzungen des gemeinsamen Ministerrates wurde zwar immer wieder betont, dass die Kriegsziele vom Verlauf der militärischen Operationen abhingen, dennoch ließen sich die Teilnehmer immer wieder verleiten, die Bärenhaut im vorhinein zu teilen.

Deutsches Reich

Im Deutschen Reich überwog bei Ausbruch des Krieges noch der allgemeine Konsens über den Verteidigungscharakter des Krieges. Kurz darauf schossen, ausgelöst durch die raschen Erfolge der Armee im Westfeldzug, Annexionsprojekte, zum Teil ganz phantastischer Natur, aus dem Boden. Dabei traten die vorwiegend kommerziell bestimmten, auf die überseeischen, kolonialen und vorderasiatischen Gebiete fixierten Vorkriegsziele des deutschen Imperialismus zurück, hinter einer Konzentrierung auf eine europäische Machterweiterung, um die bedrohte europäische Mittellage des Deutschen Reiches zu durchbrechen.

Kanzler Bethmann Hollweg hatte am 9. September 1914 in seinem "Septemberprogramm" die Kriegsziele festgelegt. Deutschland wollte seine seit der Reichseinigung stark gewachsene Machtstellung sichern und seine Ansprüche auf eine Weltpolitik geltend machen.

Kriegsziele waren im Einzelnen:

  1. Militärisch-politische und wirtschaftliche Kontrolle Belgiens durch Annexion von Lüttich-Antwerpen, der flandrischen Küste und des Erzbeckens von Briey.
  2. Eine wirtschaftliche Einheit Mitteleuropas unter Einschluss von Pufferstaaten (beispielsweise Polen) und wirtschaftspolitische Einflusssphären (z.B. Rumänien)
  3. Vergrößerung des Kolonialbesitzes
  4. Beseitigung der englischen Vorherrschaft durch Aufstände von Marokko bis Indien.
  5. Sonderfrieden mit Russland.
Das Septemberprogramm des Kanzlers spiegelte in Anknüpfung an Überlegungen der Industrie und Bankenwelt der Vorkriegsjahre die Ideen der führenden Kreise Deutschlands in Politik, Wirtschaft und Militär wider. Namentlich die Industrie erhoffte sich von friedensvertraglichen Regelungen weitgehende Wettbewerbsprivilegien durch Eingriffe in die Autonomie der betroffenen Länder. Das Programm ist das Ergebnis der Zusammenfassung vieler Programme und Konzepte über das zukünftige Europa. Bethmann Hollweg war der Rezipient unzähliger Kriegszielprogramme vieler Interessensgruppen, der sie auf praktikable Form in politisch erreichbare Ziele reduzierte.

Frankreich

Frankreich wollte Revanche für die von den Franzosen als schmerzhaft empfundene Niederlage von 1871 nehmen und Elsass-Lothringen zurückerobern. Frankreich wollte darüber hinaus die durch den Deutsch-Französischen Krieg eingeleitete Vormachtstellung des Deutschen Reiches auf dem europäischen Festland beseitigen, welche die französische Nation zuvor seit dem 17. Jahrhundert innegehabt hatte.

Das wichtigste, fast absolute Kriegsziel der Nation tauchte bereits in den ersten Kriegstagen auf: die Rückgewinnung Elsaß-Lothringens. Diese Forderung blieb vom Anfang bis zum Ende des Krieges, quer durch das politische Spektrum, ein unverrückbares Kriegsziel. Als nach dem Sieg an der Marne beschlossen wurde, den Krieg bis zum Ende der "Hegemonie des preußischen Militarismus" fortzuführen, traten bald auch weitere Ziele an die Öffentlichkeit, vom Saarbecken, über linksrheinische Gebiete, in manchen Kreisen bis hin zur Infragestellung der Reichseinheit, oder zumindest ihrer Schwächung im föderativen Sinne. Führend in dieser Frage war die extreme national-royalistische "Action française", während die republikanische "Ligue des patriotes" eine Kampagne lancierte, die auf eine Umgestaltung des Rheinufers in einen Pufferstaat unter französischer Dominanz, oder sogar offene Annexion abzielte. Im Herbst 1915 zeichneten sich schließlich jene französischen Kriegsziele ab, die in den kommenden Jahren immer wieder, mit unterschiedlicher offizieller Unterstützung, kaum verändert auftauchten. Die Rückkehr von Elsaß-Lothringen in den Grenzen von 1814 oder sogar 1790, also mit dem Saargebiet, die Zurückdrängung Deutschlands an den Rhein, durch Annexion oder Neutralisation des Rheinlandes, wobei sich die Regierung völlig freie Hand ließ, sowie eine wirtschaftliche und militärische Angliederung Belgiens und Luxemburgs an Frankreich.

Die überseeischen Kriegsziele Frankreichs manifestierten sich, durch die Konzentration auf die Westfront, hauptsächlich bei den Vereinbarungen mit den Alliierten über den Nahen und Mittleren Osten und Westafrika.

Für die Russland, im März 1915 im "Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen", zugesprochenen Gebiete forderte Delcassé vorerst Kilikien und Syrien als Interessenszonen. Dem Comité de l'Asie Française war das jedoch zu wenig, es rief offen nach einer Annexion Kilikiens und Syriens, inklusive Palästina. Die Regierung folgte dieser Forderung und bekam im Oktober Kilikien und Syrien mit dem Libanon von Großbritannien zuerkannt. Palästina sollte internationalisiert werden. Die kolonialen Kriegsziele waren auch weniger Bestrebungen der Regierung, sondern der Kolonialpartei und ihren Sympathisanten im Außen- und Kolonialministerium. Die Regierung, durch die Westfront voll in Anspruch genommen, diskutierte koloniale Fragen nicht einmal, weswegen der Kolonialminister bis 1918 in dieser Frage dominierte.

Priorität für viele Kolonialisten hatte ein geschlossenes französisches Westafrika, inklusive der deutschen und britischen Enklaven. Auch im Orient war Großbritannien mehr Konkurrent als der eigentliche Kriegsgegner, das Osmanische Reich.

Zum Leidwesen der Kolonialisten hörte Clémenceau aber wenig auf die Kolonialpartei und ihre Leute im Quai d'Orsay, sondern trat Lloyd George in der anglo-französischen Deklaration vom 7. November 1918 die Ansprüche auf Palästina und Mossul ab; - möglicherweise, um britische Unterstützung bei den französischen Ambitionen auf die linksrheinischen Gebiete zu erhalten.

Die anderen Hauptgründe, warum die französische Kolonialpartei ihre Kriegsziele nicht voll durchsetzen konnte, waren das Mandatsprinzip des Völkerbundes in Afrika, die Tatsache, dass Großbritannien die militärische Macht in den fraglichen Gebieten inne hatte und die Mäßigung der Kolonialisten, vor allem in der Sprache, bedingt durch Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker. Hatten kolonialistische Beamte lange Zeit die kolonialen Kriegsziele bestimmt, konnte sich Clémenceau zuletzt doch durchsetzen.

Die günstige Kriegslage im Sommer 1916, insbesondere der als entscheidend bewertete Kriegseintritt Rumäniens, bewirkte bei der Regierung Briand ein Aufgeben der bisherigen Zurückhaltung. Diskussionen und Untersuchungen in bezug auf die Friedensbedingungen setzten ein und führten schließlich zu einem umfangreichen Forderungsprogramm.

Auf Verlangen Präsident Poincarés entwarf zuerst Generalstabschef Joffre im August 1916 einen Plan der wünschenswerten Friedensbedingungen; - mit Annexion des saarländischen Kohlebeckens, der Bildung von drei oder vier linksrheinischen Staaten mit Brückenköpfen am rechten Rheinufer bei Straßburg und Germersheim, sowie einer Verkleinerung Preußens zugunsten der anderen deutschen Staaten. Dieser Generalstabsplan wurde im Oktober 1916 überarbeitet und verschärft, wobei eine dreißigjährige Okkupation des Rheinlandes und eine Teilung Deutschlands in neun unabhängige Staaten vorgesehen war. Dieses extreme Konzept sollte aber erst nach Kriegsende wieder auftauchen.

Das Kriegszielprogramm der Regierung Briand, im November 1916 von Paul Cambon, Botschafter in London, und seinem Bruder ausgearbeitet, war deutlich moderater. Danach sollte der deutsche Nationalstaat bestehen bleiben, Frankreich "zumindest" die Grenze von 1790, also Elsaß-Lothringen mit dem Saarland, erhalten. Einer mit großen Schwierigkeiten verbundenen Okkupation des Rheinlandes wird die Errichtung zweier neutraler, unabhängiger Pufferstaaten unter französischem Schutz vorgezogen. Belgien, aber nicht Luxemburg, wird im Gegensatz zum Generalstabsmemorandum in Unabhängigkeit belassen. Manchen Regierungsmitgliedern ging das Cambon-Memorandum zu weit, andere wollten wiederum keinen Verzicht auf Annexionen im Rheinland. Ministerpräsident Briand stand aber hinter dem Programm, weshalb es im Jänner 1917, in revidierter Form, zum offiziellen Regierungsprogramm wurde. Die revidierte Form bezog sich jedoch in erster Linie auf die Verwendung subtilerer Formulierungen. So wurde das "zumindest" beim Anspruch auf die 1790er-Grenze weggelassen oder die Bezeichnung "Pufferstaaten" durch "Neutralität" und "provisorische Okkupation" ersetzt.

Alles Sonstige sollte inter-alliierten Verhandlungen vorbehalten bleiben, was Frankreich freie Hand sicherte. Jedenfalls waren alle der Meinung, ein System von Pufferstaaten würde spätere Annexionen erleichtern. Das Dokument war gedacht als Diskussionsgrundlage mit Großbritannien, ohne legislative Sanktion, und war daher möglichst unverbindlich gehalten, vage vor allem in Bezug auf die, von Großbritannien abgelehnte, Annexion des Rheinlandes.

Aus diesem Grunde wurde das spektakulärste Kapitel in der Geschichte der französischen Kriegsziele auch ohne Wissen Großbritanniens geschrieben; - die Mission des Kolonialministers Doumergue in Petrograd (12.2.1917). Das Angebot Doumergues an Russland zur freien Festsetzung seiner Westgrenze war der Versuch, einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reiche zu verhindern. Am 14. Februar 1917 sicherte Russland seinerseits den Franzosen Unterstützung bei ihren Forderungen zu. Frankreich wurde Elsaß-Lothringen im Umfang des früheren Herzogtums Lothringen (mit dem Saarbecken) zugestanden, die nicht annektierten linksrheinischen Gebiete "sollen ein autonomes und neutrales Staatswesen" unter französischem Schutz bilden, das besetzt bleibt, bis alle Friedensbedingungen erfüllt sind.

Wenige Wochen später wurde die Abmachung durch die erste russische Revolution allerdings hinfällig, und die französische Kriegszielpolitik geriet, zusammen mit der gesamten Politik wegen der unsicheren Kriegslage, bedingt durch ein mögliches Ausscheiden Russlands, in eine tiefe Krise. Das zaristische Russland war schließlich die einzige Großmacht gewesen, die Briands Pläne im Saarland und am Rhein unterstützt hatte. Kollabierte das Zarenreich, kollabierten, schien es vorerst, auch Frankreichs Rheinpläne.

Der den gescheiterten Briand ersetzende Ministerpräsident Ribot leitete eine neue Phase der französischen Kriegszielpolitik ein. Da durch das drohende Ausscheiden Russlands nun der Ausgang des Kampfes selbst in Frage gestellt wurde, trat die Frage der Kriegsziele natürlich in den Hintergrund; - offiziell wurde nur mehr an Elsaß-Lothringen festgehalten.

Die Regierung Ribot wies den "Geist der Eroberung" weit von sich und verlangte neben Elsaß-Lothringen "nur" notwendige "Sicherheitsgarantien". Als die Erfolge des deutschen U-Bootkrieges und die Meutereien im französischen Heer im Frühjahr 1918 die Kriegslage für die Alliierten zusätzlich verschlimmern, sieht sich Ribot von den französischen Sozialisten gedrängt, die Kriegsziele noch mehr zurückzuschrauben. Er entbindet Russland seiner Zusagen bezüglich der neuen französischen Ostgrenze, an die sich die neue russische Regierung ohnehin nicht gebunden fühlte, und beteuert, die Rückgabe Elsaß-Lothringens sei keinesfalls eine Annexion und die notwendigen "Garantien" solle man doch nicht im "Geiste der Eroberung" sehen.

Später meint Ribot "die Stunde ist noch nicht gekommen, um über alle Friedensbedingungen zu diskutieren", und weist jegliche Annexionsbestrebungen zurück. Gleichzeitig lässt er aber die Möglichkeit unabhängiger Rheinstaaten offen und predigt weiterhin die Niederwerfung des "preußischen Militarismus". Ribot hielt also an der Rheinlandpolitik, ebenso wie an der Gesamtheit der französischen Ziele fest, die Veränderung betraf lediglich die äußere Form der Kriegsziele, nicht ihren Inhalt.

Erst im Jänner 1918 erhielt Frankreich die endgültige offizielle Unterstützung in der Hauptkriegszielfrage Elsaß-Lothringen; - Lloyd George und Präsident Wilson forderten öffentlich die Auslöschung des Unrechts von 1871. Bis Kriegsende konzentriert sich die Regierung Clémenceau darauf, das Recht Frankreichs auf die Provinzen, ohne jegliche Abstimmung, zu zementieren, während die anderen Fragen diskret im Hintergrund blieben, was aber keinesfalls ein Abgehen von weiteren Zielen bedeutete. So kam es, dass selbst nach Ende des Krieges die französischen Kriegsziele noch halbfertig und unklar waren, obwohl nach der sicheren Erlangung Elsaß-Lothringens die Rheingrenze eindeutig das Hauptziel Clémenceaus und aller politischen Führer war.

Langlebigstes und wichtigstes Konzept zur Schwächung Deutschlands war der Versuch der Loslösung der Rheinlande von Deutschland, durch Annexion oder Neutralisation. Es ist nicht richtig, dass Frankreich mit seinen Absichten in Versailles gescheitert ist, konnte es doch, trotz aller Konzessionen an seine Alliierten, einen guten Teil seiner Ziele durchsetzen. Zwar musste das Land auf offene Annexionen im Saar- und Rheinland verzichten, hatte jedoch durch die Besetzung dieser Gebiete alle Möglichkeiten den Vertrag, wie 1923 bei der Ruhrbesetzung, "nachzubessern". Dass die Okkupation letztlich scheiterte, lag jedenfalls nicht am mangelnden Durchsetzungsvermögen der Grande Nation in Versailles.

Allerdings ist anzunehmen, dass bei einem Nichtausscheiden Russlands die "annexionistischen Mächte" Frankreich und Russland ihren Frieden diktiert, also ihre Kriegsziele weitgehend durchgesetzt und Deutschland auf das Gebiet zwischen Rhein und unterer Weichsel bzw. Oder beschränkt, hätten. Die Forderungen an die Besiegten hätten von vornherein anders gelautet, denn der Einfluss der liberal-gemäßigt gesinnten angelsächsischen Mächte wäre auf der Friedenskonferenz weit weniger zum Tragen gekommen. Frankreich und sein großer kontinentaler Verbündeter hätten die neue Karte Europas weitgehend unter sich ausgemacht. So aber musste sich Frankreich, da es seine westlichen Alliierten benötigte, um Deutschland auch nach dem Kriege dauerhaft niederzuhalten, von vornherein bescheiden, um sich nicht britischen und amerikanischen Einwänden beugen zu müssen, die ja das bereits "kosmetisch behandelte" und reduzierte Programm Frankreichs kritisierten und einzuschränken trachteten. Man könnte daher, leicht überspitzt, formulieren, Deutschland verdankt das Rheinland der russischen Revolution.

Russland

Russland konzentrierte seine internationalen Interessen nach dem verlorenen Krieg 1904/05 gegen Japan auf den Balkan, als dessen natürliche Schutzmacht es sich sah. Dabei kam es unweigerlich zu starken Spannungen mit Österreich-Ungarn. Das Selbstverständnis Russlands als Erbe der byzantinisch-orthodoxen Kultur und die traditionelle Feindschaft gegen das Osmanische Reich kamen in den russischen Kriegszielen ebenfalls zum Ausdruck. Nach dem osmanischen Kriegseintritt erhoffte man sich auf russischer Seite den Gewinn Konstantinopels und der Meerengen zwischen der Ägäis und dem Schwarzen Meer.Die russischen Kriegsziele umfaßten neben dem alten Ziel der Meerengen, aber auch Galizien, vor allem den "(klein)russisch" besiedelten Ostteil, und aus strategischen Gründen, das ins russische Gebiet hineinragende Ostpreußen. Im weiteren Sinne spielte sicher auch die Idee des Panslawismus, einer Zusammenfassung aller Slawen in einem Kontinentalblock, eine Rolle.

In der ersten Siegeszuversicht erstellte der russische Außenminister Sazonov am 14. September 1914 ein 13-Punkte-Programm, das in manchen Aspekten als Gegenpart zum Septemberprogramm Bethmann-Hollwegs anzusehen ist. Dies sit auch bekannt als "12-Punkte-Programm", weil bei den ersten Veröffentlichungen Punkt 13, über die Reparationen, elimimiert worden war.

Sazonov sah in erster Linie territoriale Abtretungen Deutschlands, angeblich auf der Basis des Nationalitätenprinzips, vor. Russland würde den Unterlauf des Njemen (Memelland) und den östlichen Teil Galiziens annektieren sowie dem Königreich Polen das östliche Posen, (Ober-) Schlesien und Westgalizien angliedern. Weitere Bestimmungen waren die oft genannten Fixpunkte alliierter Kriegszielprogramme: Elsaß-Lothringen, vielleicht das Rheinland und die Pfalz an Frankreich, ein Gebietszuwachs für Belgien bei Aachen, Schleswig-Holstein zurück an Dänemark und die Wiederherstellung Hannovers.

Österreich würde eine "Dreifache Monarchie" bilden, bestehend aus den Königreichen Böhmen (Böhmen und Mähren; - Mähren wurde dabei für das Gebiet der Slowaken gehalten, was die Unklarheit russischer Vorstellungen von Zentraleuropa zeigt), Ungarn und Österreich (Alpenländer), wobei sich Ungarn mit Rumänien über Siebenbürgen einigen müßte. Serbien erhielte Bosnien-Herzegowina, Dalmatien und Nordalbanien, Griechenland hingegen Südalbanien, Bulgarien einen Teil Mazedoniens, England, Frankreich und Japan die deutschen Kolonien. Die Meerengen blieben, noch vor dem türkischen Kriegseintritt, zumindest offiziell unerwähnt. Sazonovs Programm war die erste umfassende Kriegszielerklärung der russischen Regierung und Russland war damit die erste Ententemacht, die ihren Alliierten eine Liste mit Kriegszielen vorlegte

Großbritannien

Großbritannien wollte sich der wachsenden Wirtschaftskraft Deutschlands entledigen und die starke deutsche Flotte ausschalten, da es seine Machtstellung durch das seit der Reichseinigung aufstrebende Deutschland bedroht sah. Die deutsche Invasion Belgiens war der offizielle Grund für Großbritanniens Kriegseintritt; - die Wiederherstellung Belgiens bleibt in den ersten Kriegsjahren daher auch das einzige erklärte wichtige Kriegsziel. Zum Ziel der Befreiung Belgiens trat aber schon früh die Formel der "Zerschlagung des preußischen Militarismus", zur Wahrung des europäischen Gleichgewichts, das durch die deutsche Besetzung Belgiens und der Kanalküste bedroht schien.

Direkte territoriale Ziele auf dem europäischen Kontinent hatte Großbritannien jedenfalls zu keiner Zeit, auch außerhalb Europas habe Großbritannien, laut Premier Asquith, schon jetzt gerade so viel Land wie "we are able to hold". Dennoch mußten etwaige Interessen gegenüber Frankreich, Russland und den anderen Verbündeten gewahrt bleiben, was im Klartext Erwerbungen von deutschen und türkischen Besitzungen in Afrika und Vorderasien bedeutete.

Territoriale Belange wurden offiziell immer, wohl um peinliche Implikationen zu vermeiden, als sekundär angesehen. Nach dem Ausscheiden des zaristischen Verbündeten konnte der Krieg propagandistisch hervorragend als Kreuzzug der Demokratie gegen Tyrannei und Despotismus geführt werden. Aber Ende 1916 wollte die englische Öffentlichkeit schließlich konkret wissen, wofür ihre Soldaten kämpfen und sterben sollten, was die Formulierung der Kriegsziele dringend machte. Am 20. März 1917 bezeichnete Lloyd George die Beseitigung der reaktionären Militärregierungen und die Etablierung von "populären" Regierungen, als Basis des internationalen Friedens, als wahre Kriegsziele. Gegen Ende des Jahres einigte sich das Kabinett auf erste provisorische Kriegsziele. Es unterstützte französische Aspirationen auf Elsaß-Lothringen, italienische Forderungen, entgegen dem Vertrag von London, nur auf Basis des Nationalitätenprinzips, sowie die Restauration Belgiens, Serbiens und Rumäniens. Später kamen, neben der Forderung nach Unabhängigkeit Polens und der Völker der Donaumonarchie, auch eigene Expansionswünsche in Form von Forderungen nach Selbstbestimmung für die deutschen Kolonien, um den Deutschen die Grundlage für ihr Mittelafrika zu entziehen und den schon okkupierten arabischen Teilen der Türkei unter "British rule" zu Tage.

Das Sykes-Picot Abkommen vom 3. Jänner 1916 regelte die Interessenszonen Großbritanniens und Frankreichs im Nahen Osten. Großbritannien erhielt das südliche Mesopotamien, während Palästina internationalisiert werden sollte. Die deutschen Kolonien in Afrika und Übersee sollten keinesfalls zurückgegeben werden, was auch die an der Eroberung beteiligten Japaner und britischen Dominions kaum zugelassen hätten. Es stellte sich heraus, dass die "war aims of the British Empire" nicht ausschließlich auf den Interessen des Vereinigten Königreiches basierten, da Australien, Neuseeland und Südafrika ihre Eroberungen deutscher Kolonien behalten wollten.

Eine im Jänner 1917 vorgelegte Denkschrift des "Foreign Office" betrachtete die deutschen Kolonien als die für die Deutschen handgreiflichsten Resultate der "Weltpolitik" des Kaisers. Der Hauptzweck dieser Kolonien war, aus englischer Sicht, die Vorbereitung von Angriffen auf fremde Kolonien. Die Wegnahme der deutschen Kolonien sei die Vorbedingung für das wichtige britische Kriegsziel: das Ende der deutschen Seemacht und Seepolitik. Oberstes Kriegsziel müsse es sein zu verhindern, dass Deutschland Weltmacht werde. Es solle seine Energien auf den Kontinent, auf das 1870 Erreichte, beschränken, während England die Vorherrschaft zur See und ein überseeisches Reich, aber keine kontinentalen Bestrebungen haben solle.

Neben der Tendenz zur Schwächung Deutschlands gab es in der britischen Politik also auch eine Gegenbewegung, die alte Wurzeln besaß. Die "balance of power" des Nachkriegseuropa erfordere ein starkes Deutschland, als Gegengewicht zu Frankreich und Russland. Diese Komponente der britischen Kriegszielpolitik sollte bei der Friedenskonferenz in Versailles noch eine wichtige Rolle spielen. Die alten Rivalitäten mit Frankreich und Russland waren zwar durch den Konflikt mit Deutschland überdeckt, aber dennoch latent vorhanden. Es war klar, dass nach dem Krieg die Konflikte wieder ausbrechen würden, weshalb sich jede Großmacht ihre neue Ausgangsposition früh sichern musste. Für England, das keine direkten realisierbaren Erwerbungen auf dem Kontinent in Aussicht hatte, war die Beibehaltung eines auf dem Land militärisch starken Deutschland geopolitisch lebensnotwendig. Die im Weltkrieg existierende Koalition wurde von England nicht für sehr dauerhaft gehalten, Deutschland hielten die Briten sogar für einen möglichen Alliierten der Zukunft, wofür es stark und wohlgesinnt zu halten sei; - eine Denkart, die Russland oder Frankreich, nicht nur während des Krieges, fremd war.

Ende August 1918 wurde Lloyd Georges Deutschlandpolitik zunehmend härter, Balfour wollte die Kohlenreviere im Ruhrgebiet und Schlesien vom Reich abspalten, sogar die lang vergessene Abtretung Schleswig-Holsteins an Dänemark, tauchte wieder auf. Im November, als das englische Hauptkriegsziel, die deutsche Vorherrschaft auf dem Kontinent zu brechen, bereits erreicht war, wurde aus den schon beschriebenen Gleichgewichtsgründen kein "second Alsace-Lorraine" angestrebt.

Der Wegfall Russlands aus der Kriegskoalition machte das "balance of power"-Konzept Großbritanniens einfacher aber zugleich auch schwieriger. Der russische Druck auf den deutschen Osten fiel nun weg und ein System von neuen Staaten mußte die Bindung deutscher Kräfte im Osten übernehmen. Da diese neuen Staaten nie die Macht des alten russischen Reiches entwickeln konnten, wurde der zuvor erwogene Anschluss Österreichs an Deutschland von den Briten, als nicht mehr zweckdienlich, verworfen. Im Westen war die Situation anders; - umfangreiche Annexionswünsche Frankreichs im Rheinland, wenn auch in verdeckter Form, drohten eine Hegemonie der Franzosen einzuleiten, die England durch Milderung der Friedensbedingungen für Deutschland zu verhindern suchte.

Italien

Auch Italien betrieb seit der nationalen Einigung, die 1870 abgeschlossen worden war, eine expansionistische Politik, die unter anderem auf italienisch besiedelte Gebiete unter österreichisch-ungarischer Herrschaft zielte. Auch die Unterzeichnung des Dreibund-Vertrags mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich im Jahre 1882 konnte die daraus resultierenden Spannungen nicht beseitigen. Zudem war es 1911/12 zu einem Krieg mit dem Osmanischen Reich gekommen, der mit der faktischen Annexion Libyens und der Dodekanes durch Italien endete. Durch Nachgeben Russlands auf italienisches Drängen nach Erwerbung slawischer Gebiete an der Adria, kam schließlich der Geheimvertrag von London am 26. April 1915 zustande, dem am 23. Mai 1915 die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn folgte.

Der Vertrag von London spiegelt die Kriegsziele Italiens genau und verlässlich wider, das ja durch seine günstige Verhandlungsposition praktisch alle Anliegen durchsetzen konnte. Italien erhält das Trentino, Südtirol bis zum Brenner, die Stadt und das Gebiet von Triest, die Grafschaften Görz und Gradiska, ganz Istrien, die istrischen und einige kleinere Inseln, aber nicht Fiume. Ferner erhält Italien die Provinz Dalmatien ab Lissarik und Trebinje im Norden, bis Kap Planka im Süden, also etwa von Zara bis vor Split, mitsamt den vorgelagerten Inseln, sowie Lissa und Lagosta. Zuletzt erwirbt Italien noch den strategisch bedeutsamen albanischen Hafen Valona mit umfangreichem Hinterland. Auch würde bei einer etwaigen Teilung der Türkei eine noch festzusetzende Region an der Südküste Kleinasiens an Italien gehen. Dass die Vereinbarung insbesondere in bezug auf Dalmatien in Versailles nicht zur Gänze verwirklicht wurde, lag am Widerstand der Serben bzw. Südslawen und der, durch den Vertrag nicht gebundenen, US-Amerikaner.

Osmanisches Reich

Das Osmanische Reich hatte seine jahrhundertelange Großmachtstellung faktisch längst verloren. Durch den Kriegseintritt auf der Seite der Mittelmächte erhofften sich die Osmanen die Wiedergewinnung der Vormacht im Schwarzmeerraum zum Nachteil von Russland, mit dem das Osmanische Reich seit Jahrhunderten verfeindet war.

Der Weltkrieg war für das Osmanische Reich anfangs der Versuch, seine Unabhängigkeit und Kraft wiederzugewinnen. Tatsächlich schaffte die Türkei, trotz ihrer wirtschaftlichen und militärischen Rückständigkeit und ihrer unmodernen, ineffizienten inneren Strukturen, im Krieg eine Selbständigkeit zu erlangen, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Türken machten klar, dass sie Herren im eigenen Haus waren, sie erlangten in einem Bündnis auf absoluter Gleichheit, vor allem in internen Belangen, volle Selbständigkeit; - auch gegenüber Deutschland.

Das Osmanische Reich nahm den Weltkrieg aber gleichzeitig zum Anlass, um mit Hilfe panislamischer und pantürkischer Losungen seine Position zu kräftigen, seine Macht zu erweitern, Einflußzonen zu schaffen, verlorene Gebiete zurückzuerobern, ja sogar neue Territorien zu erwerben. Die osmanischen Revolutionierungsaktionen stehen in bezug auf ihre Weitgestreutheit - sie erstreckten sich von Tunis bis Turkestan und Nordwestindien - denen des deutschen Bundesgenossen kaum nach.

Das Hauptziel der osmanischen Hoffnungen, Wünsche und Träume wurde der islamisch-türkische Osten. Ein islamischer Dreibund Türkei-Persien-Afghanistan sollte das Bindeglied nach Indien und nach Russisch-Turkestan sein.

Der politische Turanismus der Jungtürken war ein Traum, weil sie die Macht des Osmanischen Reiches bedeutend überschätzten und vor allem die Tatsache übersahen, dass den verschiedenen Türkvölkern ein einheitliches Nationalbewußtsein fehlte.

Für die Türkei hatten die Kriege der letzten Jahrhunderte fast alle mit oft riesigen Gebietsverlusten geendet. Auch im Weltkrieg hatte sie, als einzige der vier Verbündeten, große Gebiete verloren. Um ihre Stellung, vor allem bei Friedensverhandlungen zu wahren, glaubte sie Gebietserwerbungen zu brauchen. Schneller und leichter als die Rückeroberung ihrer arabischen Gebietsteile von den Briten schien die Einverleibung der von Russland nicht oder kaum mehr verteidigten Gebiete Kaukasiens und Zentralasiens zu sein. Außerdem erschien die Eingliederung verwandter Völker im Osten lohnender als die Rückeroberung der aufständischen arabischen Gebiete.

Auf lange Sicht war der Bestand des Reiches auch ohne Krieg zweifelhaft. Der Türkei fehlten die meisten notwendigen Voraussetzungen für ihren inneren Zusammenhalt: eine gemeinsame Rasse, Religion, Sprache, Kultur, Geographie und Wirtschaft.

Die Türkei jagte in Asien wie das Deutsche Reich phantastischen Plänen nach, die auf größtenteils irrealen Voraussetzungen beruhten. Enver Pascha und die anderen türkischen Führer überbeanspruchten die Ressourcen ihres Landes bei der Verfolgung ihrer zahlreichen Expansionsziele maßlos. Das türkische Vordringen in den Kaukasus, im Namen des Pan-Turanismus, erscheint heute als der Amoklauf des zusammenbrechenden Osmanischen Reiches.

Serbien

In Serbien war Grundlage aller Kriegszielprogramme die Idee von der Vereinigung aller Südslawen. Meistens reichten die serbischen Ansprüche über eine Vereinigung mit Kroaten und Slowenen, bei Unabhängigkeit von Bulgarien und Montenegro, oder sogar nur einem Großserbien, mit Abrundung des serbischen Gebietes und Zugang zur Adria, nicht hinaus.

Aber schon die serbische Kriegsproklamation vom 4. August 1914 sprach vom "Jammer von Millionen unserer Brüder ..., welcher aus Bosnien und Herzegowina, aus dem Banat, der Backa, Kroatien, Slawonien, Srem und von unserem Meer, aus dem felsigen Dalmatien, zu uns drang"; die Proklamation nannte also das nationale Befreiungsziel der Serben, die Vereinigung aller Serben, Kroaten und Slowenen.

Ministerpräsident Pasic legte am 21. September Sazonov umfangreiche Kriegsziele vor: Bosnien, die Herzegowina, Dalmatien, die Backa, das Banat, Görz mit Umgebung und Istrien. Letzteres war er bereit, mit Italien, bei dessen etwaigem Kriegseintritt, zu teilen. Eine Woche später, als Pasic von den italienischen Forderungen erfuhr, wollte er auf ganz Istrien verzichten, warnte aber davor, Italien Dalmatien zuzugestehen, weil dann die Serbokroaten der Monarchie auf der Seite Österreich-Ungarns stehen würden.

Eine russisch-südslawische Denkschrift (vom kroatischen Abgeordneten Supilo) vom Dezember 1914 äußerte schon detailliertere Vorstellungen über den kommenden südslawischen Staat. Dieser Staat hätte 260.000 km2 umfaßt, bestehend aus den südlichen Teilen Kärntens und der Steiermark, dem Krain, dem gesamten Kronland Küstenland (mit Triest), Dalmatien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slawonien mit Fiume, das südliche Ungarn (ein wenig nördlich der Mur, südlich von Pécs und Szegedin), sogar Montenegro und das damalige Serbien; von den 14 Millionen Einwohnern wären 12,7 Millionen Südslawen. Im Februar 1915 versprach der bitische Außenminister Grey Serbien, Bosnien, die Herzegowina und einen Zugang zur Adria, im Mai zog man sogar eine Föderation mit Kroatien in Betracht. Das britische Foreign Office und Premierminister Grey sagten Supilo persönlich sogar zu, dass bei serbischer Zustimmung, Bosnien, der Herzegowina, Süddalmatien, Slawonien und Kroatien erlaubt werde, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen (1.9.1915). Der Einfluß der südslawischen Exilpolitiker innerhalb der Bevölkerung daheim, lag allerdings bis ins letzte Kriegsjahr fast bei Null.

Montenegro, das schon vor 1914 um enge militärische, diplomatische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem serbischen Bruderstaat bemüht war, sollte spätestens, als König NIkola I. den Mittelmächten einen Sonderfrieden anbot, mit Serbien vereinigt werden.

Dennoch waren die frühen Kriegsziele der serbischen Verantwortlichen viel eher großserbisch, als südslawisch motiviert. Ihre großserbischen Ambitionen wurden bei den westlichen Verbündeten, da viele der angestrebten Gebiete nur eine serbische Minderheit besaßen, mit einem jugoslawischen Mäntelchen umgeben. Erst nach der Vernichtung Serbiens, Ende 1915, gewann die Idee der südslawischen Einheit an Attraktivität.

Um dem Druck Italiens beim Vertrag von London nachzugeben, wurde die russische Unterstützung serbischer Wünsche in Istrien, Triest und Dalmatien aber zeitweilig aufgegeben. Der § 5 im Vertrag von London billigte Serbien lediglich zu: Kroatien, die Adriaküste Ungarisch-Kroatiens, ohne Dalmatien, sowie die Küste südlich des Kap Planka bis zur Drina in Nordalbanien.

Dass die Serben die Abmachung von Anfang an bekämpften (und im wichtigsten Teil, bei Dalmatien, auch Erfolg hatten), ist nicht verwunderlich. Unter den Serben, die den Weltkrieg als "Ringen im Augenblick, da es begann, zu einem Kampf für die Befreiung und Einigung aller unserer unfreien Brüder, der Serben, Kroaten und Slowenen" propagierten, gab es aber auch offen großserbische Tendenzen. Vor allem nach Ausscheiden des großen Bruders, des zaristischen Russlands, aus dem Kampf und der Vernachlässigung des kleinen serbischen Verbündeten und der eher nebensächlichen Salonikifront durch die Westalliierten gaben sich viele mit Montenegro, der Vojvodina, Bosnien-Herzegowina und Süddalmatien als Teile Großserbiens zufrieden. Gleichzeitig machte die provisorische Regierung Russlands deutlich, dass nicht Großserbien, sondern nur eine jugoslawische Lösung unter demokratischem Vorzeichen ihre Unterstützung finden würde.

Der serbische Ministerpräsident Pasic mußte sich der Entwicklung anpassen und so wurde, mit der Deklaration von Korfu, am 2O. Juli 1917 die Verwirklichung des südslawischen Staates durch einen Kompromiß, der das Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Völker vorsah, eingeleitet. Am 1. Dezember 1918 wurde schlußendlich der "einheitliche Staat der Serben, Kroaten und Slowenen" aus den Gebieten der österreichisch-ungarischen Monarchie, Serbiens und Montenegros gebildet.

Bulgarien

Bulgarien erstrebte seit seiner vollständigen Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich im Jahre 1908 die Einverleibung Makedoniens, das von nationalistischen Bulgaren als Teil der bulgarischen Nation betrachtet wurde. Die Mittelmächte sicherten Bulgarien im September 1915 den serbisch beherrschten Teil Makedoniens zu, weshalb Bulgarien am 14. Oktober 1915 auf ihrer Seite in den Krieg eintrat. Im späteren Verlauf des Krieges forderte Bulgarien auch noch die rumänische Dobrudscha und türkische Gebiete an der Marica sowie weitere serbisch und albanisch besiedelte Gebiete des besetzten Serbiens.

Rumänien

Zu den Kriegszielen Rumäniens zählte die Annexion Siebenbürgens, der Bukowina und des Banats, bei denen es sich um mehrheitlich rumänisch besiedelte Gebiete unter österreichisch-ungarischer Herrschaft handelte. In einem Vertrag mit den Alliierten ließ sich Rumänien diese Gebiete zusichern und erklärte Österreich-Ungarn am 27. August 1916 den Krieg.

Frühere Verhandlungen Rumäniens mit der Donaumonarchie um die Abtretung Siebenbürgens scheiterten an der strikten Ablehnung Ungarns. Die Abtretung der Bukowina durch Cisleithanien genügte den Rumänen freilich nicht. Den rumänischen Forderungen nach der Bukowina bis zum Pruth und dem Banat setzte Russland vorerst Widerstand entgegen. Nach der schweren Niederlage bei Gorlice gab Sazonov dann im Laufe des Julis 1915 seinen Widerstand gegen die rumänischen Forderungen auf, aber der rumänische Ministerpräsident Bratianu wollte nach der Eroberung Polens durch die Mittelmächte wieder einmal abwarten.

Nach den ersten großen Erfolgen der russischen Brussilow-Offensive, die vor allem Rumäniens potentiellen Hauptgegner, die österreichisch-ungarische Monarchie, betrafen, unterzeichnete der Balkanstaat am 17. August 1916 einen Bündnisvertrag mit der Entente.

Darin wurde Rumänien fast die ganze Bukowina (südlich des Pruth), Siebenbürgen und das Temesvarer Banat zugesichert, was einer Verdoppelung seiner Fläche und Bevölkerung entsprochen hätte. Der Umstand, dass außer Serbien keiner seiner direkten Nachbarn zu den endgültigen Siegern zählte, sicherte dem Balkanstaat letztlich eine Ausdehnung nach allen Seiten. Nicht nur die versprochenen Gebiete in Ungarn, sondern auch die gesamte Bukowina mit ihrem nördlichen, ukrainisch besiedelten Teil, sowie das gesamte Bessarabien und die von Bulgarien zurückerhaltene Dobrudscha verwandelten den Nationalstaat Rumänien in einen Nationalitätenstaat. Der Vertrag von Trianon verdoppelte das Territorium Rumäniens und vergrößerte seine Bevölkerung von 7,2 auf 18 Millionen, den Anteil der Minderheiten von 8 auf 30 %.

Chronologischer Verlauf

Kriegsbeginn (Julikrise)

Innerhalb der Führungsschichten gab es unzweifelhaft Revanchegelüste. Jedoch war aufgrund der europäischen Bündnissysteme abzusehen, dass der nächste Krieg große Teile des Kontinents erfassen würde. Außerdem verblasste der Schrecken des Kriegs, da seit der letzten militärischen Auseinandersetzung zwischen zwei europäischen Großmächten 43 Jahre vergangen waren.

In dieser Situation löste der Mord am österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo (damals österreich-ungarisches Gebiet) am 28. Juni 1914 durch den serbischen Attentäter Gavrilo Princip eine Kettenreaktion aus, die einen Monat in Anspruch nahm und in einem europäischen Krieg endete. Die Julikrise ist geprägt von Drohungen, halbherzigen diplomatischen Vermittlungsversuchen und politischen Fehleinschätzungen.

Drei Wochen nach dem Mord setzte Österreich-Ungarn Serbien durch Außenminister Graf Berchtold ein Ultimatum (23. Juli 1914) mit einer Frist von 48 Stunden. Bis zu diesem Zeitpunkt war die europäische Stimmungslage eher gegen die Serben gerichtet, die als "blutrünstiger Haufen" gesehen wurden. Außerdem wurde vermutet, dass die serbische Führung hinter dem Attentat steckte. Das Ultimatum forderte nicht nur die Bekämpfung von gegen Österreich-Ungarn agierenden Organisationen, sondern umfasste zudem Bedingungen, welche die serbische Souveränität bei ihrer Erfüllung eingeschränkt hätten. Innerhalb der 48 Stunden ging die serbische Regierung auf fast alle Punkte ein, verwahrte sich jedoch gegen eine Einschränkung der Souveränität Serbiens und beschloss die Teilmobilmachung der Armee. Trotz dieser Zugeständnisse Serbiens erklärte Österreich-Ungarn die Antwort für "unbefriedigend" und brach die diplomatischen Beziehungen zu Serbien nach Ablauf des Ultimatums am 25. Juli ab, und ordnete ebenfalls die Teilmobilmachung an. Die österreichischen Ziele sahen zunächst einen lokalen Krieg um die Vorherrschaft auf dem Balkan vor, zumal die Hauptstadt Belgrad nur unweit der österreichisch-ungarischen Grenze liegt. In dieser Situation wurde aus Berlin Rückendeckung in Form der bereits am 6. Juli zugesicherten "Blankovollmacht" gegeben, da das Bündnis zwischen Wien und Berlin nur defensiven Charakter hatte. Die anderen europäischen Staaten interpretierten diese Treueerklärung insofern falsch, als dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass in diesem Falle Österreich die treibende Kraft hinter den Ereignissen war. Die Blankovollmacht sah ein deutsches Eingreifen im Falle eines russischen Eingreifens vor. Am 25. Juli beschloss Russland auf dem Kronrat von Krasnoje Selo, Serbien militärisch zu unterstützen. Gleichzeitig wurde sowohl von russischer, als auch von englischer und deutscher Seite eine Botschafterkonferenz vorgeschlagen. Dieser Vorschlag blieb jedoch unbeachtet. Ein weiteres entscheidendes Missverständnis war, dass man im deutschen Reich die Angelegenheit für einen lokalen Österreich-Serbischen Konflikt hielt, während man in den übrigen Staaten eine deutsche Kriegstreiberei für gegeben hinnahm.

Die deutsche Rückendeckung war entscheidend für die Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli. Am 29. Juli erfolgte die Teilmobilmachung der russischen Armee. Der Befehlshaber der Mobilisierungsabteilung der russischen Armee, Sergej Dobrorolski, äußerte rückblickend, dass der Krieg bereits seit dem 25. Juli für den russischen Generalstab beschlossene Sache gewesen sei. Den russischen Militärs war bekannt, dass Deutschland im Falle einer Generalmobilmachung Russlands ebenfalls seine Truppen mobilisieren würde, worauf sie auch konsequent abzielten. Als Zar Nikolaus II am Morgen des 30. Juli die Generalmobilmachung der russischen Armee billigte, war ihm zunächst nicht bewusst, dass dieser Vorgang einer indirekten Kriegserklärung gleichkommt. Noch am selben Tag wollte der Zar die Generalmobilmachung rückgängig machen, wurde jedoch von dem Generalstab der russischen Armee davon abgehalten.

Das Deutsche Reich forderte in einem Ultimatum die sofortige Rücknahme der russischen Mobilmachung. Nachdem diese ausblieb, machte das Reich ebenfalls mobil und erklärte Russland den Krieg, woraufhin Frankreich in Erwartung eines deutschen Angriffes ebenfalls mobil machte.

Daraufhin setzte das deutsche Oberkommando den Aufmarschplan, eine modifizierte Version des Schlieffenplans in Kraft, der als einzige Siegchance für den drohenden Zweifrontenkrieg gesehen wurde. Dieser setzte auf Geschwindigkeit, um die langsame russische Mobilmachung für einen schnellen Schlag gegen Frankreich auszunutzen. Nachdem das neutrale Belgien die Durchmarschgenehmigung verweigerte, verletzte das Reich die belgische Neutralität für den Angriff gegen Frankreich. Für die liberale Regierung in London war dies der Anlass, in den Krieg einzutreten.

Gerade das Verhalten Deutschlands war Ausgangspunkt für die viel diskutierte Kriegsschuldfrage im Vertrag von Versailles. Dieser Punkt wird auch heute noch diskutiert, wobei mittlerweile die Ansicht vorherrscht, dass Inkompetenz und mangelnde Verhandlungsbereitschaft nicht nur in der deutschen Führungsschicht Europa in diesen Krieg stürzte, zumal die gleichen Aktionen auf beiden Seiten ganz unterschiedlich bewertet worden sind. Insbesondere in Deutschland und Russland ging die politische Führung zu sehr auf die kriegsorientierten Forderungen der Militärs ein, was fatale Folgen hatte.

Zu Beginn des Krieges standen sich 118 Millionen Menschen der Mittelmächte und 278 Millionen Menschen der Entente Cordiale gegenüber.

Kriegsjahr 1914

Der deutschen Kriegsführung war klar, dass sie in einem Zwei-Fronten-Krieg kaum überleben konnte. Daher versuchte sie, den schon vor dem Krieg ausgearbeiteten Schlieffen-Plan (Generalfeldmarschall Alfred von Schlieffen war zwischen 1891 und 1905 Generalstabschef), umzusetzen. Dieser Plan sah vor, dass Deutschland mit aller Kraft Frankreich erobern, im Osten aber die Stellungen nur halten solle. Dazu sollte das starke französische Verteidigungssystem im Norden mit einer weit ausgreifenden Bewegung durch das neutrale Belgien umgangen und schnellstmöglich gegen Paris vorgegangen werden. Am 4. August begannen deutsche Truppen den Überfall auf Belgien, wobei es bereits am selben Tag im Dorf Battice zu gewaltsamen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung kam. Nachdem die deutschen Soldaten von Freischärlern und bewaffneten Zivilisten angegriffen wurden, wurde Vergeltung an der Zivilbevölkerung verübt. Dieses harte Vorgehen war prinzipiell durch die damalige Landkriegsordnung gestattet, die den Krieg auf militärische Einheiten begrenzen wollte und deshalb diese Strafmaßnahmen vorsah.

Während der Mobilmachung wurde ein handstreichartiger Überfall auf die belgische Stadt Lüttich geplant und ausgeführt. Die Stadt fiel schnell in die Hände der Angreifer, während der Gürtel von 12 Forts unbesetzt blieb. Erst nach dem Heranschaffen schwerster Artillerie (der Dicken Berta) war es möglich, die Festungen zu besetzen. Der Höhepunkt der Kämpfe war die Beschießung und Fall von Fort Loncin.

Nach der Verletzung der belgischen Neutralität erklärte Großbritannien dem deutschen Kaiserreich den Krieg. Die britische Kriegserklärung gegen das Deutsche Reich trat am 04. August, nach Ablauf eines vorausgehenden Ultimatums Großbritanniens um 24:00 Uhr in Kraft. Die unangefochtene britische Seeherrschaft ermöglichte es, sofort 100.000 Mann nach Frankreich zu schicken.

Am 18. August begann daraufhin die deutsche Großoffensive zur Umfassung der alliierten Armeen, dabei stieß man sehr schnell nach Brüssel vor. Am 20. August befahl der französische General Joffre, eine Gegenoffensive einzuleiten, wodurch sich eine mehrtägige Schlacht zwischen den Vogesen und der Schelde entwickelte. Trotz dieser unerwarteten Aktionen der Franzosen glaubte die Oberste Heeresleitung (OHL) an einen raschen Vorstoß nach Paris.

Am 4. September gelang es den Deutschen, die Marne zu überschreiten, woraufhin es zwei Tage später zu der für beide Seiten äußerst verlustreichen Marneschlacht kam. Kurz danach gab die OHL den Schlieffen-Plan auf, da es den Truppen nicht gelungen war, weit genug vorzustoßen, um Paris abzuschneiden. Als sich die deutschen Truppen für die Alliierten überraschend von der Marne zurückzogen, reichten die französischen Munitionsvorräte nur noch für zwei Tage.

Gegen Ende September nahmen die Bewegungen auf beiden Seiten ab, das Kräfteverhältnis war ausgeglichen, und ein Stellungskrieg bahnte sich an. Dies hing unter anderem auch damit zusammen, dass die Munitionsvorräte, speziell für die Artillerie, nicht rasch genug aufgefüllt werden konnten. Es zeigte sich sehr schnell, dass der Munitionsverbrauch weit über die Kapazitäten hinausging. Lediglich in Belgien hatte der Vorstoß noch nicht an Schnelligkeit verloren. Bis zum November waren Antwerpen, Brügge und andere bedeutende belgische Städte in deutscher Hand. Schweren Widerstand boten die Alliierten jedoch in Ypern, weshalb der am 14. September zum Chef des Generalstabs ernannte General von Falkenhayn die Angriffe einstellen musste. Am 10. November kam es bei Ypern wiederholt zu verlustreichen Kämpfen, was die OHL mit dem irreführenden Bericht kommentierte, bei Langemarck hätten junge deutsche Regimenter unter dem Gesang "Deutschland, Deutschland über alles" die vordersten gegnerischen Stellungen eingenommen. Obwohl Ypern weitaus näher am tatsächlichen Schlachtgeschehen lag, wählte man die Stadt Langemarck offenbar aufgrund ihres deutsch klingenden Namens. Der Bericht der OHL löste einen Mythos aus, der bis in die NS-Zeit hinein existierte und den angeblichen Opfertod einer jungen, gebildeten deutschen Generation verherrlichte. Mit den Kämpfen bei Ypern endete der Bewegungskrieg. An der deutschen Westfront entstand nun ein ausgedehntes System aus Schützengräben.

Da die Russen unerwartet schwere Angriffe gegen Deutschland führten, war die Lage an der Ostfront für die Mittelmächte zunächst schlecht. Die Deutschen waren aufgrund des Schlieffenplans an ihrer Ostfront defensiv eingestellt, was sich jedoch aufgrund einer gewaltigen russischen Offensive im Nordosten als Fehler erwies. Kurz nach Kriegsbeginn waren zwei russische Armeen in Ostpreußen eingefallen und standen somit auf Reichsgebiet. Als Folge dessen wurden die Truppen verstärkt und die alten Befehlshaber durch Generalmajor Erich Ludendorff und Generaloberst von Paul von Hindenburg ersetzt. Ihnen war es zu verdanken, dass sich die Lage an der Ostfront schnell änderte, besonders der Sieg in der Schlacht bei Tannenberg vom 26.-31. August war für Deutschland ein großer Erfolg. Dabei gelang deutschen Truppen die Einschließung und Bekämpfung der russischen Narew-Armee. Vom 6.-15. September folgte die Schlacht bei den Masurischen Seen, die mit der Niederlage der russischen Njemen-Armee endete. Die russischen Truppen räumten daraufhin einen großen Teil Ostpreußens. Russische Truppen hatten kurz nach Kriegsbeginn auch das zu Österreich-Ungarn gehörende Galizien besetzt. Das österreichisch-ungarische Heer musste sich nach einem Vorstoß auf die galizische Stadt Lemberg aufgrund der erdrückenden russischen Übermacht im September zu den Karpaten zurückziehen. Am 1. November wurde Generaloberst von Hindenburg zum Oberbefehlshaber Ost des deutschen Heeres ernannt. Am 11. November begann eine deutsche Gegenoffensive an der Ostfront, welche die russischen Verbände bis östlich von Lodz zurückdrängte. Vom 5.-17. Dezember gelang es österreichisch-ungarischen Truppen, einen russischen Vorstoß auf Krakau aufzuhalten. Danach begann auch im Osten der Übergang zu einem Stellungskrieg. Vom Dezember 1914 bis zum April 1915 tobte die Winterschlacht in den Karpaten, in der sich die Mittelmächte gegen Russland behaupten konnten.

Die Regierung des Osmanischen Reichs versuchte zunächst, sich in einer "bewaffneten Neutralität" aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Den herrschenden Jungtürken war klar, dass man sich an eine Großmacht anlehnen müsste, um militärisch überhaupt standhalten zu können. Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zum Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das allerdings im Kabinett umstritten war. Im Oktober 1914 beschossen die Osmanischen Türken mit zwei vom Deutschen Reich erworbenen Kriegsschiffen russische Küstenstädte. Daraufhin erklärten Anfang November Frankreich, Großbritannien und Russland dem Osmanischen Reich den Krieg, das sich nun auf der Seite der Mittelmächte befand. Bereits am 23. November gelang es britischen Truppen, die osmanische Stadt Basra am Persischen Golf einzunehmen.

Außerhalb von Europa kam es besonders in Afrika zu teils schweren Kämpfen. Die von allen Seiten umzingelte Kolonie Togo wurde sofort eingenommen. Um Kamerun stand es genau so schlecht, bis zum Ende des Jahres 1914 zogen sich die deutschen Truppen in den Dschungel zurück, wo sich ein zermürbender Kleinkrieg entwickelte. Deutsch-Südwestafrika wurde von der südafrikanischen Union angegriffen. Bis zum Jahresende bestand keine Möglichkeit mehr, das Gebiet zu halten. Einzig Deutsch-Ostafrika verteidigte sich unter Paul von Lettow-Vorbeck verbissen. Dank der deutschen Strategie von Rückzügen und Guerilla-Taktiken konnte sich die Kolonie bis zum Kriegsende halten.

Die deutschen Kolonien im Pazifik wurden auf Grund eines japanischen Ultimatums kampflos übergeben. Einzig der Pachthafen Kiautschou wurde erbittert verteidigt, bis Material und Munition aufgebraucht waren.

Kriegsjahr 1915

Im Januar 1915 kam es im Kaukasus zu ersten größeren Kampfhandlungen zwischen osmanischen und russischen Truppen. Dabei musste das Osmanische Reich eine schwere Niederlage hinnehmen. Dies nahm man auf osmanischer Seite zum Anlass, dem Volk der Armenier Kooperation mit den Russen zu unterstellen. Es kam zu Verfolgungen der Armenier durch osmanische Truppen, die schätzungsweise 1 Million armenische Todesopfer forderten. Zahlreiche Armenier wurden in Wüstengebiete deportiert. Der erste große Völkermord des 20. Jahrhunderts wird bis heute in der Türkei tabuisiert.

Das deutsche Heer siegte vom 2.-27. Februar mit Hilfe der neu eingetroffenen 10. Armee in der Winterschlacht in Masuren über die Russen. Die russischen Truppen zogen sich daraufhin endgültig aus Ostpreußen zurück.

An der Westfront kam es im Februar und im März zu der so genannten Winterschlacht in der Champagne, bei der die Alliierten erstmals massives Trommelfeuer einsetzten. Diese Taktik war jedoch nicht sehr erfolgreich, da sich die Deutschen schnell auf einen Angriff der Infanterie einstellten und die Angreifer mit Sperrfeuer und MG-Salven niederstreckten.

Wenig später begannen die Deutschen mit der Entwicklung einer der furchtbarsten Waffen des Ersten Weltkriegs, dem Giftgas. Für den so genannten Blasenangriff wurde Chlorgas verwendet, das sehr schwer ist, und sich somit in die Gräben senkte. Der erste Angriff war mehr als Experiment gedacht und fand am 22. April in Ypern statt. Die Wirkung war verheerend, 15.000 aus Algerien stammende französische Soldaten flohen oder wurden getötet, so dass die Deutschen ohne Probleme vorrücken konnten. Dennoch nutzte die OHL die Gunst der Stunde nicht, worauf die Alliierten die Front wieder schließen konnten. Es ist historisch nicht endgültig geklärt, welche Kriegspartei tatsächlich zuerst Gas als Kampfmittel eingesetzt hat.

Am 25. April begann die Dardanellen-Operation der Alliierten auf der Halbinsel Gallipoli mit dem Ziel, nach Konstantinopel durchzubrechen. Alliierte Truppen hatten zuvor unter Missachtung der griechischen Neutralität die Insel Lemnos besetzt, um sie als Ausgangspunkt für Angriffe gegen das Osmanische Reich zu nutzen. Die zerklüfteten Felsen von Gallipoli boten zwar einen guten Unterschlupf, aber bei den Angriffen waren sie den Briten, Australiern und Neuseeländern wenig hilfreich. Auch war der türkische Widerstand unerwartet hart, weshalb die Operation bis zum 9. Januar 1916 mit einer umfassenden amphibischen Evakuierung abgebrochen werden musste. (siehe Schlacht von Gallipoli)

An der deutschen Ostfront kam es vom 2.-7. Mai östlich von Krakau bei Gorlice und Tarnów zu einer Schlacht, in der den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen ein tiefer Einbruch in die russischen Stellungen gelang. Als Folge der Schlacht gewannen die Mittelmächte die Kontrolle über Galizien zurück.

Am 7. Mai versenkte ein deutsches Unterseeboot das britische Passagierschiff Lusitania vor der südirischen Küste, was schwere Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und den USA auslöste. Dabei soll dem deutschen Unterseeboot die Position der Lusitania durch gegnerische Funksignale übermittelt worden sein.

Am 9. Mai versuchten die Franzosen einen Durchbruch im Artois mit der Lorettoschlacht, die jedoch ohne Erfolg blieb und Mitte Juni abgebrochen wurde.

Am 23. Mai erklärte Italien nach der Zusicherung von österreichisch-ungarischen Gebieten durch Frankreich und Großbritannien den Mittelmächten den Krieg und griff Österreich am Isonzo-Fluss an. Damit befand sich Österreich-Ungarn ab sofort in einem Drei-Frontenkrieg, was den Druck auf die Mittelmächte erheblich erhöhte. Bis 1917 versuchten die italienischen Truppen in elf Offensiven vergeblich die österreichischen Stellungen zu stürmen, da diese die Höhe des Gebirges wirkungsvoll zur Verteidigung nutzten. Die Kämpfe gingen als "Krieg in Schnee und Eis" in die Geschichte ein und forderten etwa 2 Mio. Tote und Verletzte. Zahlreiche Soldaten wurden dabei durch gezielt ausgelöste Lawinen getötet.

Anfang Juli starteten die Mittelmächte eine Großoffensive an ihrer Ostfront. Bis zum September gelang ihnen dabei die Einnahme wichtiger Städte wie Warschau, Brest-Litowsk und Wilna. Die Mittelmächte drückten die russische Front teilweise um mehrere hundert Kilometer ein. In der Schlacht bei Tarnopol hielt die russische Armee den Vorstoß auf. Im selben Monat übernahm Zar Nikolaus II. persönlich den Oberbefehl über das russische Heer. Trotz der großen russischen Gebietsverluste strebte er keinen von den Mittelmächten erhofften Separatfrieden an.

Verstärkung erhielten die Mittelmächte am 14. Oktober 1915 durch den Kriegseintritt Bulgariens. Bereits am 6. September hatte sich Bulgarien zu einer Zusammenarbeit mit den Mittelmächten bereit erklärt, die durch einen Angriff auf Serbien eine Landverbindung zum Osmanischen Reich herstellen wollten. Im Oktober begann die Offensive gegen Serbien, in deren Folge die Mittelmächte im November auf dem Amselfeld einen Sieg über die serbische Armee errangen. Bis zum Dezember 1915 besetzten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen Serbien.

Zu den letzten größeren Kampfhandlungen an der Westfront des Kriegsjahres 1915 kam es von September bis November in der Champagne. Diese Herbstschlacht endete ergebnislos.

Ende November unternahmen britische Truppen vom Persischen Golf aus einen Vorstoß nach Mesopotamien. Bei Kut el-Amara wurden sie jedoch von der osmanischen Armee eingeschlossen und mussten im April 1916 kapitulieren.

Kriegsjahr 1916

Der im Oktober 1915 erfolgreich begonnene Balkanfeldzug der Mittelmächte endete im Februar 1916 nach der vollständigen Besetzung Montenegros und Albaniens durch das österreichisch-ungarische Heer.

Nachdem sich das deutsche Heer im Vorjahr an seiner Westfront eher defensiv verhalten hatte, beschloss die Oberste Heeresleitung unter Erich von Falkenhayn zu Beginn des Jahres 1916, Verdun anzugreifen. Falkenhayn wollte die französische Armee dazu bringen, für die Verteidigung ihrer stärksten und somit moralisch wichtigen Festung große Truppenverbände aufzubieten, um sie dann im Kampf gegen die deutlich größere deutsche Armee "ausbluten" zu lassen. Die deutsche Armee führte nun gewaltige Mengen an Geschützen, Munition und Truppen in das Gebiet nördlich der Maas. Mitte Februar herrschte im Angriffsgebiet auf deutscher Seite eine nie zuvor gekannte Konzentration an Kriegsgerät.

Am 21. Februar begann die Schlacht um Verdun mit einem gewaltigen, über achtstündigen Trommelfeuer aus 1.500 Geschützrohren, welches das Zeitalter der Materialschlachten einleitete. Dabei wurden die meisten französischen Vorposten ausgelöscht. Kurz danach griffen acht deutsche Divisionen auf voller Frontbreite an und zerschlugen die letzten gegnerischen Einheiten, worauf die Moral der Franzosen erheblich sank. Am 25. Februar wurde das wichtige Fort Douaumont von deutschen Truppen erobert. Kurz danach entschlossen sich die Alliierten, dass die Festung Verdun unbedingt gehalten werden sollte. Mit der Verteidigung der Stadt wurde General Pétain beauftragt. Durch den guten Nachschub über die Straße von Bar-le-Duc nach Verdun gelang es den Franzosen, bis Anfang April dem Gegner ebenbürtig zu werden.

Am 20. Mai wurde die Höhe "Toter Mann" ("Dead Mans Hill" oder "Morte Homme") von den Deutschen eingenommen, jedoch nicht sehr lange gehalten. Die Höhe gilt wegen der unglaublich brutal geführten Kämpfe als Symbol für die "Hölle von Verdun". Am 2. Juni erfolgte die Erstürmung von Fort Vaux durch deutsche Truppen. Im Juli entbrannten heftige Kämpfe um Fort Thiaumont, das innerhalb kurzer Zeit mehrere Male den Besitzer wechselte, bis es endgültig unter deutsche Kontrolle geriet.

Ein deutscher Student berichtete über das Schlachtgeschehen wenige Monate vor seinem Tod bei einem Sturmangriff auf ein Fort vor Verdun: "7.30 Uhr Gas mit den größten Kalibern. 7.30 bis 8 Uhr 38,5 bis 42-Zentimeter-Granaten. Erde bis zum Himmel. Die Schlucht eine riesige Dampfwolke, turmhoch flogen die Trümmer. Dorf FI. ist eine Rauchwolke. Gegenüber unserer Stellung scheint die Welt unterzugehen. Raus aus den Gräben! Kein Quadratmeter, der nicht zerwühlt ist. Die Maschinengewehre rasseln, das Infanteriefeuer rollt. Ein Höllenlärm. Da stürzt einer, dort wieder einer. Leutnant U., unser derzeitiger Kompanieführer, steht auf – da – spritzen Fetzen seiner Generalstabskarte, er krampft die Hände vor die Brust und fällt vorne über. Nach wenigen Minuten ist er tot."

Die Schlacht vor Verdun wurde bei den deutschen Soldaten schnell als "Maas-Mühle" und "Blutpumpe" bekannt. Auf einem Gebiet von wenigen Dutzend Quadratkilometern explodierten mehrere Millionen Granaten, die das Schlachtfeld mehrfach durchpflügten. Das umkämpfte Gebiet war übersät von Granattrichtern, Leichen und verschossener Munition. Bis heute hat sich die dortige Vegetation nicht vollständig erholt.

Durch die erbitterten Kämpfe vor Verdun wurde die französische Armee stark geschwächt, so dass ihre britischen Verbündeten im Frühsommer eine Großoffensive am Fluss Somme begannen. Der Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Frankreich, Douglas Haig, griff das auch von Falkenhayn betriebene Konzept der Abnutzungsschlacht auf. Die von ihm geplante Offensive an der Somme sollte nicht nur die französische Armee entlasten, sondern auch die völlige materielle und personelle Erschöpfung der Deutschen herbeiführen. Nach achttägiger, ununterbrochener Artillerievorbereitung durch über 1400 Geschütze, bei der etwa anderthalb Millionen Granaten verschossen wurden, begann am 1. Juli 1916 der Angriff auf die deutschen Stellung an der Somme. Trotz des schweren Geschützfeuers waren zahlreiche deutsche Unterstände intakt geblieben, so dass die deutschen Soldaten dem englischen Angriff mit MG-Feuer begegnen konnten. Allein am ersten Tag der Somme-Schlacht starben 20.000 britische Soldaten. Viele britische Einheiten verloren über die Hälfte ihrer Soldaten, darunter auch ein nordirisches Freiwilligenregiment. Trotz dieser enormen Verluste ließ Haig die Offensive weiterführen. Aufgrund der Somme-Schlacht und einer russischen Offensive an der Ostfront musste das deutsche Heer Truppen vor Verdun abziehen und den Angriff auf die Stadt am 21. Juli abbrechen.

Noch im Herbst ging die geschwächte französische Armee in einem militärischen Kraftakt zur Gegenoffensive über. Am 24. Oktober nahmen französische Truppen die Forts Douaumont und Thiaumont ein. Weitere französische Offensiven zwangen die Deutschen dazu, am 2. Dezember Fort Vaux zu räumen. Das Fort wurde nach seiner Räumung von deutschen Pionieren gesprengt. Bis zum 16. Dezember eroberten die Franzosen fast sämtliche Gebiete zurück, welche die Deutschen bei ihrer Offensive im Frühjahr eingenommen hatten.

Währenddessen hatte sich auch der Kampf an der Somme zu einer gewaltigen Materialschlacht entwickelt. In monatelangen, verlustreichen Kämpfen gelang es britischen und französischen Truppen, die deutsche Front um einige Kilometer einzudrücken. Die Verluste waren jedoch dermaßen hoch, das die Somme-Schlacht Ende November 1916 abgebrochen wurde.

Die Schlacht vor Verdun forderte insgesamt über 400.000 Menschenleben. Zudem wurden mehr als 800.000 Soldaten verletzt. Aufgrund des Verlaufs der Schlacht wurde Erich von Falkenhayn als Generalstabschef des deutschen Heeres im August 1916 von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg abgelöst.

Die Schlacht an der Somme forderte noch mehr Todesopfer als der Kampf um Verdun. Über eine Million britische, deutsche und französische Soldaten wurden in der Schlacht verwundet oder getötet. Während der Somme-Schlacht hatte die britische Armee erstmals in geringer Zahl Panzer eingesetzt, die jedoch mehrfach auf dem Weg zur Front mit technischen Defekten stehen geblieben waren. Da die Somme-Schlacht den Alliierten bei gewaltigen Verlusten nur geringe Gebietsgewinne brachte, wurde der französische Oberbefehlshaber Joffre am 3. Dezember durch General Nivelle ersetzt.

Auch an den anderen Kriegschauplätzen kam es 1916 zu schweren Kämpfen. Von Mai bis Juni führte die österreichisch-ungarische Armee eine Offensive gegen die italienischen Stellungen, die nach geringen Anfangserfolgen aufgrund der Lage an der Ostfront abgebrochen werden musste. Die italienische Armee unternahm von Juni bis November mehrere Großangriffe am Isonzo. Dabei eroberten die Italiener die Stadt Görz, doch blieben weitere Erfolge der italienischen Armee aus. Im Juni begann die russische Armee die nach dem zuständigen General benannte Brussilow-Offensive, bei der Russland aufgrund des Mangels an Kriegsgerät vor allem auf seine große Masse an Soldaten setzte. Das russische Heer eroberte größere Gebiete in Wolhynien und Galizien, konnte jedoch von den österreich-ungarischen Truppen mit deutscher Hilfe im August aufgehalten werden. Aufgrund der hohen Verluste wurde die gesunkene Moral des russischen Heeres immer deutlicher. Die zweite Brussilow-Offensive, die von September bis Oktober geführt wurde, scheiterte ebenso wie die dritte Offensive von Oktober bis Dezember. Am 5. November wurde das zuvor russische Polen von den Mittelmächten zum unabhängigen Königreich proklamiert. Die dabei von den Mittelmächten erhoffte militärische Unterstützung durch die Polen blieb jedoch aus.

Am 27. August 1916 trat Rumänien auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein. Rumänische Truppen fielen im österreichisch-ungarischen Siebenbürgen ein, doch erfolgte bereits Ende August eine Gegenoffensive der Mittelmächte. Innerhalb kurzer Zeit eroberten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen einen Großteil Rumäniens. Am 6. Dezember nahmen die Mittelmächte die rumänische Hauptstadt Bukarest ein. Die Rumänen konnten mit russischer Hilfe lediglich den Nordosten ihres Landes halten. Nach dem Sieg über Rumänien richteten die Mittelmächte am 12. Dezember mit Hilfe der USA ein Friedensangebot an die Alliierten, das diese am 30. Dezember ablehnten.

Kriegsjahr 1917

Im März 1917 zogen sich die an der Somme stationierten deutschen Truppen in die stark ausgebaute Siegfriedstellung zurück, wobei sie einen Teil des von ihnen freigegebenen Gebietes verminten.

Im selben Monat unternahmen die Briten einen Vorstoß nach Bagdad, wobei ihnen die Einnahme der Stadt gelang.

Vor dem Hintergrund der Kriegsbelastungen und aufgrund des starken Nahrungsmangels kam es am 8. März (23. Februar nach russischem Kalender) in St. Petersburg zu Massendemonstrationen, die sich zur Februarrevolution ausweiteten. Es bildeten sich in Petersburg Arbeiter- und Soldatenräte, während eine provisorische bürgerliche Regierung unter Fürst Lwow errichtet wurde. Am 15. März dankte Zar Nikolaus II. ab. Neben der parlamentarischen Regierung stand als zweite Gewalt der oberste Arbeiter- und Soldatenrat von Petersburg. Zur Enttäuschung großer Teile der russischen Bevölkerung entschied sich die provisorische Regierung zur Weiterführung des Krieges. Aus diesem Grunde ermöglichte die OHL im April einer im schweizer Exil lebenden Gruppe von Russen um Lenin, mit dem Zug nach Russland zu kommen. Der Zug fuhr über Berlin, wo er mit 40 Millionen Goldmark (entspricht mehr als sieben Tonnen Gold) beladen wurde. Am 16. April traf Lenin in Sankt Petersburg ein, wo er zur sozialistischen Revolution aufrief.

Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg. Anlass war die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Reich, der auch viele zivile Opfer forderte. Außerdem flog die Zimmermann-Depesche auf, in der das Deutsche Reich Mexiko aufforderte die USA anzugreifen. Im Dezember 1917 folgte die Kriegserklärung der USA an Österreich-Ungarn.

Ungeachtet der gewaltigen Verluste im vorangegangenen Kriegsjahr starteten die Alliierten auch im Jahre 1917 mehrere Großangriffe auf die deutsche Westfront. Diesmal wählte der britische Oberbefehlshaber Haig die nordfranzösische Stadt Arras als Ziel einer Offensive, während die französische Armee an der Aisne und in der Champagne die deutschen Stellungen angriff. An der Aisne setzten die Franzosen noch mehr Soldaten und Kriegsgerät ein, als bei ihrer Gegenoffensive vor Verdun 1916. Die Offensiven der Alliierten begannen im April und mussten bereits im Mai nach hohen Verlusten abgebrochen werden. Das deutsche Heer war dazu übergegangen, die Schützengräben weitaus tiefer und dichter zu staffeln als zuvor. Zudem setzten die Deutschen mobile Reserve-Divisionen ein, die mit großer Schnelligkeit an hart umkämpfte Frontabschnitte herangeführt wurden.

Als Folge der verlustreichen Offensiven kam es in der französischen Armee zu Meutereien, von denen zeitweilig bis zu 16 Korps erfasst wurden. Deshalb wurde der französische Oberbefehlshaber Nivelle durch General Pétain abgelöst, der die Verteidigung Verduns organisiert hatte. Durch den Übergang zu einer strikten Defensivhaltung konnte Pétain die Ordnung in der französischen Armee wiederherstellen. Gegen meuternde Soldaten wurde mit äußerster Härte vorgegangen. In Frankreich wurden 1917 mehrere Hundert Soldaten hingerichtet oder dazu gezwungen, sich in das so genannte Niemandsland (der Bereich zwischen den Schützengräben) zu begeben, was den sicheren Tod durch Geschützfeuer bedeutete. Obwohl deutsche Verbände weitergemeldet hatten, dass der französische Widerstand an größeren Frontabschnitten praktisch nicht mehr existierte, nutzte die deutsche Heeresleitung die Meutereien in der französischen Armee nicht aus.

Trotz der verlustreichen Kämpfe im Frühjahr starteten die Briten im Mai 1917 eine Großoffensive in Flandern. Wie mehrfach zuvor setzte man dabei auf den massiven Einsatz von Kriegsgerät und Infanterie auf großer Breite. Die Flandernschlacht, die durch die widrigen Geländebedingungen geprägt war, dauerte mehrere Monate und brachte den Briten geringe Gebietsgewinne bei hohen Verlusten. Sie musste im Herbst 1917 abgebrochen werden.

Am 27. Juni 1917 trat Griechenland auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein. Das neutrale Griechenland stand bereits seit 1916 unter Druck, da britische und französische Schiffe die griechische Küste blockierten. Nach einem Ultimatum des französischen Oberkommissars Jonnart dankte im Juni 1917 der griechische König Konstantin ab. Es folgte die Bildung einer neuen, den Alliierten wohlgesonnenen Regierung unter Ministerpräsident Venizelos, welche den Mittelmächten den Krieg erklärte.

Die Alliierten drängten zu ihrer Entlastung Russland zur Durchführung einer Offensive, die von dem russischen Kriegsminister Kerenski geplant wurde und am 30. Juni begann. Nach Anfangserfolgen lief sich die Offensive am 11. Juli fest. Bereits am 19. Juli gingen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen bei Tarnopol zum Gegenangriff über. Dabei gelang ihnen die Rückeroberung von Galizien und der Bukowina. In Russland selbst kam es am 17. Juli zu einem Putschversuch der Bolschewiki, der durch das Militär zerschlagen wurde. Lenin floh daraufhin nach Finnland, während Fürst Lwow am 21. Juli von dem aus einer gemäßigten sozialistischen Partei stammenden Kerenskij als Ministerpräsident der provisorischen Regierung abgelöst wurde. Trotz der militärischen Misserfolge und der kritischen Situation im Inneren beharrte Kerenskij auf einer Weiterführung des Krieges. Im September eroberten deutsche Truppen die Stadt Riga und im Oktober die baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon, woraufhin der militärische Widerstand der russischen Armee nahezu zusammenbrach.

Im Oktober 1917 gelang österreichischen Truppen und der bayerischen Division Edelweiß nach Plänen des damals noch jungen Leutnants Erwin Rommel ein tiefer Einbruch in die italienischen Stellungen. Die Italiener mussten sich bis an die Piave zurückziehen und konnten ihre Front nur durch britische und französische Unterstützung stabilisieren.

Anfang November eskalierte die Situation in Russland. Durch die von dem inzwischen aus Finnland zurückgekehrten Lenin geführte Oktoberrevolution vom 6 bis 7. November wurde die provisorische Regierung gestürzt und die Macht von den Bolschewiki übernommen. Bereits am 8. November wird von den neuen russischen Machthabern das Dekret über die Beendigung des Krieges erlassen, wodurch sich für die Mittelmächte eine starke militärische Entlastung an ihrer Ostfront anbahnte.

Im Gegensatz zu der sich Ende 1917 verändernden Situation im Osten kam es in Frankreich nach wie vor zu schweren Kämpfen. Am 20. November unternahm die britische Armee nach kurzer Artillerievorbereitung einen Überraschungsangriff auf die deutschen Stellungen bei Cambrai und setzte dabei mehrere hundert Panzer ein. Dabei gelang den Briten ein tiefer Einbruch in die deutsche Front, so dass die deutsche Armee alle verfügbaren Reserven heranführte. Wenige Tage nach Beginn der Schlacht gingen die Deutschen zum Gegenangriff über, wobei sie erstmals in großem Umfang Sturmtruppen an der Westfront einsetzten. Am 3. Dezember endete die Panzerschlacht von Cambrai mit annähernd unveränderten Fronten. Insgesamt waren über 80.000 britische und deutsche Soldaten verwundet oder getötet worden. Aus taktischer Sicht hatte die Schlacht großen Einfluss auf das weitere Kriegsgeschehen. Ein nach kurzem Geschützfeuer schnell vorgetragener Angriff mit Panzern und Sturmtruppen schien einen Durchbruch in dem völlig statischen Grabenkrieg möglich zu machen.

Bei dem britischen Angriff auf das von den Osmanen kontrollierte Palästina handelte es sich um die letzte größere Offensive des Kriegsjahres 1917. Der Angriff endete am 10. Dezember mit der Eroberung Jerusalems durch britische Truppen.

Am 15. Dezember wurde ein Waffenstillstand zwischen den Mittelmächten und Russland vereinbart und eine Woche später in Brest-Litowsk die zunächst ergebnislosen Friedensverhandlungen eröffnet.

Kriegsjahr 1918

Aufgrund der zähen Friedensverhandlungen mit Russland rückten die Mittelmächte Anfang 1918 weiter auf russischem Territorium vor und schlossen am 9. Februar 1918 einen Sonderfrieden mit der Ukraine. Deshalb ließ Lenin trotz der harten Bestimmungen am 3. März den Friedensvertrag von Brest-Litowsk unterzeichnen. Russland schied unter dem Verlust von etwa 25 Prozent seines europäischen Territoriums aus dem Krieg aus. Selbst die Ukraine wurde unter deutsche Kontrolle gestellt, wovon man sich erhöhte Rohstoff- und Getreideversorgung erhoffte. Durch das Ausscheiden Russlands wurde es der deutschen Heeresleitung ermöglicht, etwa 1 Million Soldaten an die Westfront zu verlegen. Dadurch erlangten die Mittelmächte an der Westfront die personelle Überlegenheit. Diese Überlegenheit konnte aufgrund des Eintreffens immer größerer amerikanischer Verbände in Frankreich nur von kurzer Dauer sein, weshalb sich die OHL erstmals seit 1916 zu einer Großoffensive an der Westfront entschloss. Die deutsche Armee plante einen Angriff auf einen Frontabschnitt, wo britische und französische Stellungen aufeinander trafen.

Am frühen Morgen des 21. März 1918 begann die deutsche Frühjahrsoffensive mit einem mehrstündigen Trommelfeuer aus mehreren Tausend Geschützen. Deutsche Sturmtruppen erzielten einen tiefen Einbruch in die alliierte Front, die sich an mehreren Abschnitten nahezu auflöste. Innerhalb weniger Tage rückte das deutsche Heer mehrere Kilometer vor. Aufgrund ihres schnellen Vorrückens traten in der deutschen Armee große logistische Probleme auf. Da das deutsche Heer nur über eine geringe Anzahl an Kraftfahrzeugen verfügte, konnten die vorstoßenden Truppen nicht ausreichend mit Munition und Nahrung versorgt werden, so dass die Offensive teilweise unterbrochen werden musste. Die Übernahme eines längeren alliierten Frontabschnittes durch amerikanische Soldaten ermöglichte es den Franzosen, den deutschen Vorstoß allmählich zu stoppen. Am 3. Juni endete die deutsche Frühjahrsoffensive an der Marne.

Durch die immer stärker gewordene personelle und materielle Unterstützung durch die Amerikaner konnten die Alliierten bereits im Juli zwischen Marne und Aisne zur Gegenoffensive übergehen. Diese Offensive gipfelte in der Panzerschlacht bei Amiens am 8. August, bei der die Deutschen eine schwere Niederlage hinnehmen mussten. Auf deutscher Seite sprach man vom "schwarzen Tag des deutschen Heeres". Um die größten Lücken zu schließen, ging man auf deutscher Seite im Sommer 1918 dazu über, auch Siebzehnjährige zum Kriegsdienst heranzuziehen. Bereits am 14. August stufte die OHL die militärische Lage als aussichtslos ein. Die Deutschen Truppen mussten sich nun mehrfach zurückziehen, bis sie nur noch einen geringen Teil Nordostfrankreichs besetzt hielten. Dabei gelang den Alliierten bis zuletzt kein entscheidender Durchbruch, was der so genannten Dolchstoßlegende nach dem Krieg zu einem Auftrieb verhalf.

Im September brach der Widerstand der bulgarischen Armee nach einem Durchbruch der Alliierten in die mazedonische Front komplett zusammen. Vor diesem Hintergrund verlangten Hindenburg und Ludendorff ultimativ die Ausarbeitung eines Waffenstillstandsangebots durch politische Vertreter des Reiches. Am 4. Oktober unterbreitete die Reichsregierung dem amerikanischen Präsidenten ein derartiges Angebot. Die USA forderten daraufhin die Räumung der von den Deutschen besetzten Gebiete und die Entsendung von demokratischen Vertretern für die angestrebten Waffenstillstandsverhandlungen.

Im Oktober 1918 löste sich der österreichisch-ungarische Vielvölkerstaat auf. Am 28. Oktober wurden die österreichisch-ungarischen Truppen an der italienischen Front entscheidend geschlagen. Am selben Tag wurde die Gründung der Tschechoslowakei beschlossen, während am darauf folgenden Tag Jugoslawien gegründet wurde. Am 1. November bildete sich eine unabhängige Regierung in Ungarn. Am 3. November trat der Waffenstillstand mit den Alliierten in Kraft. Acht Tage später dankte Kaiser Karl I. ab und verzichtete auf jegliche Beteiligung an der neuen österreichischen Regierung.

Die Einführung eines parlamentarischen Regierungssystems im Deutschen Reich am 28. Oktober konnte die innere Krise nicht beseitigen. Am 29. Oktober wollte die deutsche Admiralität die deutsche Flotte zu einer Entscheidungsschlacht auslaufen lassen. Daraufhin kam es in Wilhelmshaven zu schweren Meutereien, die gemeinsam mit einem Matrosenaufstand in Kiel die Novemberrevolution auslösten. Anfang November wurden in zahlreichen deutschen Städten Arbeiter- und Soldatenräte gegründet. Kurt Eisner rief in München den Freistaat Bayern aus. Hier folgte im Frühjahr 1919 die Münchner Räterepublik. Die Revolution erfasste am 9. November auch Berlin, wo Reichskanzler Prinz Maximilian von Baden aus Sorge vor einem radikalen politischen Umsturz eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt gab und die Reichskanzlerschaft auf den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert, übertrug. Am Nachmittag desselben Tages rief Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus. Karl Liebknecht vom Spartakusbund proklamiert die Freie Sozialistische Republik Deutschland. Sowohl der Kaiser als auch sämtliche deutsche Fürsten dankten ab. Kaiser Wilhelm II ging am 10. November ins niederländische Exil.

Ab 7. November verhandelten der französische Marschall Foch und vier deutsche Politiker unter Führung von Matthias Erzberger (Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei) in einem Salonwagen im Wald von Compiègne über den Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Deutschen Reich. Am 11. November unterzeichneten die beiden Parteien den Waffenstillstandsvertrag. Dieser sah unter anderem die Bedingungen für die Räumung der von der deutschen Armee besetzten Gebiete und des linken Rheinufers vor. Zudem wurde der Friedensvertrag von Brest-Litowsk aufgehoben.

Kriegsfolgen

Verluste

Der Erste Weltkrieg forderte fast 10 Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete. Von den 13,1 Millionen Deutschen, die man im Verlauf des Krieges eingezogen hatte, starben über 1,8 Millionen. Bis zum Ausscheiden Russlands aus dem Krieg hatte man dort etwa 15 Millionen Männer zum Kriegsdienst herangezogen, von denen 1,7 Millionen fielen. Von den knapp 8,5 Millionen eingezogenen Franzosen überlebten 1,4 Millionen den Krieg nicht. Die britische Armee hatte insgesamt etwa acht Millionen Soldaten eingesetzt, von denen 950.000 nicht aus dem Krieg zurückkehrten. Österreich-Ungarn musste 1,2 Millionen Todesopfer hinnehmen, während es auf italienischer Seite fast eine halbe Million waren. Unter den Verwundeten befanden sich zahlreiche, mitunter bis zur Unkenntlichkeit entstellte Invaliden. Die besonders schwer umkämpften Gebiete in Nordfrankreich waren im Krieg größtenteils zerstört worden. Der Wiederaufbau wurde auf etwa 100 Milliarden Francs geschätzt. Der Krieg hatte alle beteiligten Mächte insgesamt über eine Billion Goldmark gekostet.

Politische Folgen

Am 18. Januar 1919 begann die Friedenskonferenz, die am 28. Juni unter starkem Druck der Alliierten zur Unterzeichnung des Versailler Vertrags durch die deutsche Delegation führte. Aufgrund der Bestimmungen des Vertrages von Versailles musste das Deutsche Reich Elsass-Lothringen an Frankreich, Posen und Westpreußen an Polen abtreten; das Memelgebiet wurde unter französische Verwaltung gestellt und 1923 durch Litauen besetzt. Zudem musste das so genannte Hultschiner Ländchen an die neugegründete Tschechoslowakei abgetreten werden. Danzig wurde zur Freien Stadt unter Kontrolle des neugegründeten Völkerbundes erklärt. Die ehemaligen deutschen Kolonien wurden zu "Mandatsgebieten" des Völkerbundes unter britischer und französischer Kontrolle erklärt. In Eupen-Malmedy-St.Vith (anschließend belgisch), Nordschleswig (der nördliche Teil anschließend dänisch), Teilen Ostpreußens (deutsch bleibend) und in Oberschlesien (zwischen Deutschland und Polen geteilt, obwohl 60 Prozent für den Verbleib beim Deutschen Reich votierten) wurden bis 1921 Volksabstimmungen über den Verbleib beim Deutschen Reich angesetzt. Im belgischen Abstimmungsgebiet wurden Wähler in großem Stil eingeschüchtert und von der Wahl abgehalten. Das Saargebiet wurde für 15 Jahre der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt, wobei Frankreich die Wirtschaftshoheit übernahm. Wahlen im Memelland erbrachten hohe Stimmenanteile (etwa 80 Prozent) für die deutschen Parteien.

Das Deutsche Reich wurde zur Abrüstung verpflichtet und durfte nur noch ein Berufsheer mit einer maximalen Stärke von 100.000 Soldaten unterhalten. Das Heer durfte weder schwere Artillerie noch Panzer besitzen. Im Westen des Deutschen Reiches wurde eine entmilitarisierte Zone geschaffen, deren Grenze etwa 50 Kilometer östlich des Rheins verlief. An den Grenzen des Deutschen Reiches wurden Zonen bestimmt, in denen keine Befestigungen errichtet oder verändert werden durften. Mehrere Flüsse wurden durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags internationalisiert.

Durch den von vielen Deutschen als besonders ungerecht betrachteten Artikel 231 des Vertrages wurde dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die alleinige Schuld am Krieg unterstellt, wodurch die Alliierten die Zahlung von Reparationen begründeten. Anfangs wurden Reparationen in Höhe von 269 Milliarden Goldmark festgelegt, welche in 42 Jahresraten ausgezahlt werden sollten, die Forderungen und Regelungen zu den Reparationszahlungen änderten sich mehrfach (siehe: Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg). Zudem musste das Deutsche Reich zahlreiche Sachlieferungen leisten. Die Bestimmungen des Versailler Vertrags reichten nicht aus, um die Großmachtstellung Deutschlands dauerhaft zu beseitigen. Trotzdem waren sie hart genug, um das Verhältnis Deutschlands zu den Alliierten schwer zu belasten. Der in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft als aufdiktierter Frieden eingestufte Versailler Vertrag verhalf nationalistischen Kreisen im Reich zu einem starken Zulauf. Der Vertrag wurde von den USA nicht unterzeichnet. Sie schlossen am 25. August 1921 mit dem Berliner Vertrag einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich, der einige der härtesten Bestimmungen ausklammerte. Marschall Foch kommentierte den Versailler Vertrag mit den Worten: "Das ist kein Frieden. Das ist ein zwanzigjähriger Waffenstillstand."

Am 10. September 1919 wurde der Friedensvertrag der Alliierten mit Österreich in St. Germain bei Paris unterzeichnet. Österreich musste Südtirol an Italien abtreten, sowie das Gebiet um Triest. Hinzu kamen Gebietsabtretungen an das neu gegründete Jugoslawien. Österreich musste die Unabhängigkeit Ungarns, der Tschechoslowakei, Jugoslawiens und Polens anerkennen. Ein Anschluss an das Deutsche Reich wurde Österreich untersagt, zudem wurde eine Umbenennung des Staates in "Deutsch-Österreich" verboten. Auch in Österreich wurde die Wehrpflicht verboten. Die maximale Stärke des österreichischen Heeres wurde bei 30.000 Soldaten angesetzt.

Im Pariser Vorortvertrag von Neuilly mit Bulgarien, der am 27. November 1919 unterzeichnet wurde, begrenzte man die Stärke des bulgarischen Heeres auf 20.000 Soldaten. Bulgarien musste mehrere kleinere Gebiete im Westen an Jugoslawien abtreten. Außerdem fiel der bulgarisch beherrschte Teil Thrakiens an Griechenland.

Am 4. Juni 1920 wurde im Pariser Vorort Trianon der Friedensvertrag mit Ungarn unterzeichnet. Die ungarischen Teile der Slowakei mussten an die Tschechoslowakei abgetreten werden, während Slawonien und der Banat an Jugoslawien fielen. Außerdem musste Ungarn das Burgenland an Österreich und Siebenbürgen an Rumänien abtreten. Das ungarische Berufsheer wurde auf 35.000 Soldaten begrenzt.

Der letzte Pariser Vorortvertrag wurde am 10. August 1920 in Sèvres unterzeichnet. In dem Vertrag wurde die Internationalisierung der türkischen Meerengen festgelegt. Die Türkei musste Ost-Thrakien und die Stadt Smyrna mitsamt Umgebung an Griechenland abtreten, sowie sämtliche unter türkischer Kontrolle befindliche Ägäis-Inseln bis auf die Dodekanes, die an Italien fiel. Kilikien und Syrien gerieten unter französische Kontrolle, während Zypern, Ägypten, Palästina und der Irak unter britische Verwaltung kamen. Kurdistan wurde der Autonomiestatus zugesprochen, während Armenien unabhängig wurde. Die türkische Heeresstärke wurde auf 50.000 Soldaten begrenzt. Der Vertrag von Sèvres wurde von der türkischen Nationalversammlung nicht bestätigt. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Griechenland, die bis 1922 zur Räumung Ost-Thrakiens und Smyrnas durch die Griechen führten. 1921 wurde der Abzug der Franzosen aus Kilikien vertraglich herbeigeführt, während Armenien zwischen der Sowjetunion und der Türkei aufgeteilt wurde. In der Folgezeit wurden Tausende Armenier Opfer von Verfolgungen durch die Türken. Im Frieden von Lausanne wurden am 24. Juli 1923 die türkischen Gebietserwerbungen bestätigt, zudem verzichteten die Alliierten auf Reparationsforderungen.

Der Erste Weltkrieg als militärhistorische Zäsur

Der Erste Weltkrieg mit seinen Materialschlachten führte einen starken Mentalitätswechsel herbei. In militaristischen Kreisen kam nach dem Krieg das Idealbild des Soldaten auf, der vollständig abgehärtet, emotionslos und grenzenlos belastbar ist. Dieser wird in keiner Weise mehr durch seine Persönlichkeit, sondern durch seinen markanten Helm repräsentiert. Diese Vorstellungen veranlassten einen im Dezember 1918 gegründeten Bund ehemaliger Frontsoldaten dazu, sich nach dem Stahlhelm zu benennen. Das Ideal vom bedingungslos harten, rücksichtslosen Soldaten wurde insbesondere von den Nationalsozialisten aufgegriffen.

Der Erste Weltkrieg als Epochenzäsur

Mit dem Ersten Weltkrieg ging eine Epoche zu Ende – das lange 19.  Jahrhundert wie es oft genannt wird, das mit der Französischen Revolution (1789) begonnen hatte und gemeinhin als das "bürgerliche" Zeitalter apostrophiert wird. Dies war bereits den Zeitgenossen bewusst. Der britische Außenminister Sir Edward Grey meinte, dass in Europa die Lichter ausgingen; Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sprach in düsterer Vorahnung von einem "Sprung ins Dunkle".

Der Erste Weltkrieg war – wie es der amerikanische Diplomat und Historiker George F. Kennan ausdrückte – die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Er war vor allem ein Ereignis, das sich fatal auf die weitere Geschichte Europas auswirkte: Oktoberrevolution, Stalinismus, Faschismus, Nationalsozialismus und schließlich der Zweite Weltkrieg sind ohne die Erschütterungen des 1. Weltkriegs nicht denkbar. Einige Historiker fassen die Jahre von 1914 bis 1945 als zweiten Dreißigjährigen Krieg zusammen und beschreiben die Zeit der Weltkriege als Katastrophenzeit der deutschen Geschichte.

Mit dem Ersten Weltkrieg endete eine Epoche unbedingten und optimistischen Fortschrittsglaubens, eine große Desillusionierung durch die mörderische Realität der Materialschlachten und Grabenkämpfe setzte ein. Die Ordnung des 19. Jahrhunderts geriet aus den Fugen: parlamentarisch-demokratische Republiken lösten die liberal-konstitutionelle Regierungsform mit stark autokratischen Zügen besonders im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn ab. Letztere zerfiel in mehrere neue Staaten. Die republikanische Staatsform löste in Europa endgültig die monarchische ab. Diesen Republiken blieben jedoch die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen sowie die politischen Konzepte der Vorkriegszeit, um ihnen zu begegnen, erhalten. Alsbald brach sich die Krise der bürgerlichen Gesellschaft Bahn und sie wurden durch den Aufstieg großer faschistischer und kommunistischer Massenbewegungen bedroht, die in diktatorische und totalitäre Regime mündeten. Die bürgerlich dominierte Stände- und Klassen-Gesellschaft wandelte sich in Teilen zur Massengesellschaft.

Der Zusammenbruch der Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und in der Türkei und der daraus folgende soziale und politische Umbruch mündete vor dem Hintergrund weiterhin schlechter Wirtschaftskonjunkturen zum Teil in äußerst instabile Regierungssysteme in den Nachfolgestaaten vor allem Ostmitteleuropas.

Die USA wurden durch ihr Eingreifen in den Ersten Weltkrieg zur dominierenden Weltmacht. Staaten wie Großbritannien und Frankreich gerieten in wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA. Der Erste Weltkrieg leitete das Ende der europäischen Vormachtstellung ein - auch durch die allmähliche Emanzipation der Völker Afrikas und Asiens vom Kolonialismus. Die eurozentrische Weltordnung wurde abgelöst durch eine zunehmende Polarisierung zweier Supermächte.

Militärische Besonderheiten

Grabenkrieg

Ansätze zur Führung eines Grabenkrieges hatte es bereits im Amerikanischen Bürgerkrieg und insbesondere im Russisch-Japanischen Krieg gegeben. Im Ersten Weltkrieg erlangte diese Art der Kriegsführung ihre volle Entfaltung. Seit dem Winter 1914 bestand die deutsche Westfront von der Nordsee bis zur Schweiz aus einem komplexen System von Schützengräben. Diese Schützengräben wurden von den Frontsoldaten ausgehoben und durch mehrere Reservegräben ergänzt. Über Laufgräben wurden die Truppen an die Front geführt. Die Gräben waren meist etwa zwei Meter tief und einen Meter breit und wurden nach Möglichkeit mit Holz, Reisigbündeln oder Steinen verkleidet. Um vor Artilleriebeschuss geschützt zu sein, grub man in die Grabenwände Schächte, an deren Ende man einen größeren Hohlraum aushob. Die so entstandenen Unterstände wurden oftmals durch Holzpfähle oder Beton verstärkt und konnten sich äußerst tief unter der Erde befinden, was insbesondere auf deutscher Seite der Fall war. Ergänzt wurde das Grabensystem durch massive Blockhäuser und MG-Nester. Vor dem Graben legte man ausgedehnte Stacheldrahtverhaue an, die manchmal elektrisch geladen waren. An manchen Frontabschnitten lagen die Gräben von Alliierten und Mittelmächten nur wenige Meter auseinander, so dass es dort häufig zu Handgranatenkämpfen kam. Das Gelände zwischen den Gräben wurde als Niemandsland bezeichnet. Manchmal wurden auch Stollen in Richtung der feindlichen Stellungen ausgehoben, um diese mit Hilfe einer Sprengladung zu zerstören (Minenkrieg).

Ein Angriff auf einen gut ausgebauten Schützengraben war stets äußerst verlustreich. Artillerie und Maschinengewehre richteten schwere Verluste unter den heranstürmenden gegnerischen Truppen an, die oftmals durch das unwegsame Gelände und durch Stacheldrahthindernisse behindert wurden. Selbst mehrtägiges Trommelfeuer mit schweren Geschützen konnte einen Schützengraben nicht unwirksam machen. Auch wenn der Graben selbst oftmals beschädigt und teilweise abgetragen wurde, blieben viele Stacheldrahtverhaue und Unterstände intakt, so dass die Angreifer auf schweren Widerstand stießen. Selbst wenn der vorderste Graben erstürmt werden konnte, stellten mehrere Reihen von Reservegräben ein unüberwindbares Hindernis dar. Verluste von weit über 50 Prozent waren bei einem Sturmangriff keine Seltenheit. Zudem mussten die Soldaten stets mit dem Einsatz von Giftgas, Flammenwerfern und Panzern rechnen. Aufgrund der gewaltigen psychischen Belastungen durch den Grabenkrieg betranken sich viele Soldaten vor einem Angriff. Viele Verwundete und Tote mussten im Niemandsland liegen gelassen werden, weshalb an umkämpften Frontabschnitten insbesondere im Sommer ein starker Leichengestank herrschte. Durch den massiven Einsatz von schweren Geschützen wurde der Himmel über einem Schlachtfeld oftmals durch Rauch verdunkelt. Die Frontsoldaten mussten aufgrund eines Sperrfeuers oftmals tagelang in einem Unterstand bleiben, bis sie abgelöst werden konnten. An manchen Stellen war das Grabensystem so unübersichtlich, das einige Soldaten in feindliche Stellungen und somit in Gefangenschaft gerieten. Da der Grabenkrieg für Fronten sorgte, die über Monate oder sogar Jahre nahezu unverändert blieben, konnten die Armeen ungestört zahlreiche schwere Geschützbatterien an diversen Frontabschnitten postieren. Der massive Einsatz schwerer Geschütze auf geringer Fläche ließ die Zahl der Toten und Verletzten stark anwachsen. Insbesondere die häufige Verwendung von Splittergeschossen führte zu äußerst entstellenden Verletzungen. Besonders gefürchtet waren schwere Gesichtsverletzungen. Soldaten mit einer derartigen Verwundung waren als "Kriegszermalmte" und "Menschen ohne Gesicht" bekannt.

Da die Schlachten des Ersten Weltkrieges auf wenigen Dutzend Quadratkilometern stattfanden und dabei tausende von Geschützen eingesetzt wurden, glichen die betroffenen Frontabschnitte einer Kraterlandschaft. Auf einige Forts vor Verdun wurden 1916 mehrere Millionen Geschützgranaten abgefeuert. In Gegenden wie Flandern kam die Entstehung einer ausgedehnten Schlammlandschaft hinzu, die jedes Vorrücken stark erschwerte. Die frühen Panzer des Ersten Weltkriegs hatten große Probleme bei der Überwindung von Granattrichtern und Schlamm. Zudem konnte ein vor dem eigentlichen Schützengraben ausgehobener breiter Graben ein unüberwindbares Hindernis für einen Panzer darstellen. Auch mit einem Feldgeschütz oder einem Flammenwerfer konnte ein Panzer zerstört werden. Der größte Nutzen der frühen Panzer lag darin, das sie ausgedehnte Stacheldrahthindernisse leicht beseitigen konnten und der Infanterie somit einen schnellen Sturmangriff ermöglichten.

Ging die Infanterie bei den Großoffensiven an der Westfront bis Ende 1917 nach langem Geschützfeuer auf einem breiten Abschnitt vor, änderte sich spätestens seit der Schlacht von Cambrai die Taktik. Insbesondere auf deutscher Seite ging man dazu über, Sturmtruppen unter dem Schutz eines Sperrfeuers in einen schmalen feindlichen Grabenabschnitt eindringen zu lassen, um dort einen schnellen Durchbruch zu erzielen (vgl. Feuerwalze). Auch die Alliierten setzten seit dem Herbst 1917 auf überraschende Angriffe nach kurzem Geschützfeuer, wobei man die Infanterie unter dem Schutz von Panzern vorrücken ließ. Im Sommer 1918 wurde die Westfront wieder elastisch. Anstatt einen Schützengraben auszuheben, suchten viele Soldaten in Granattrichtern Deckung. Die Heere beschränkten sich zu diesem Zeitpunkt in erster Linie auf MG-Trupps und ihnen beigeordnete Soldaten. Der Übergang zu einem Bewegungskrieg war durch das zuletzt erdrückende Übergewicht der Alliierten an Soldaten und Kriegsgerät ermöglicht worden.

Entgegen der Propaganda aller beteiligten Regierungen konnte keine Seiten einen schnellen Sieg erreichen, im Gegenteil, gegen Ende des Jahres 1914 wurden die Landgewinne immer geringer. Im Stellungskrieg von Flandern kam es an Weihnachten 1914 zu der wohl umfangreichsten Fraternisierung in der Kriegsgeschichte. Auf hunderten von Kilometern Frontabschnitt legte die Frontsoldaten oft spontan die Waffen nieder und trafen sich mit den Gegnern im Niemandsland. Obwohl diese Verbrüderung von den Offiziersstäben rasch unterdrückt wurde, herrschte an einigen Frontabschnitten noch bis in den Januar 1915 hinein eine inoffizielle Waffenruhe. Solche Verbrüderungen wurden in späteren Kriegsjahren zu einer absoluten Ausnahme. Lediglich an der deutschen Ostfront kam es seit 1917 zu derartigen Ereignissen, da die Kampfbereitschaft unter den russischen Soldaten stark gesunken war. Das sich anbahnende Zeitalter der Materialschlachten, das am 21. Februar 1916 mit der deutschen Offensive vor Verdun endgültig begann, führte auch zu einer Veränderung der Kampfmentalität. Trotzdem gibt es bis zum Ende des Kriegs vereinzelte Berichte über einen inoffiziellen Waffenstillstand an manchen Frontabschnitten. Der seit 1915 immer massiver werdende Einsatz von Kriegsmaterial machte persönliche Gesten über die Gräben hinweg nahezu unmöglich.

Der unpersönliche Charakter des Grabenkrieges im Zeitalter der Materialschlachten wird durch die Schätzung belegt, dass über 90 Prozent der Todesopfer des Ersten Weltkrieges durch Maschinengewehre oder Geschütze getötet wurden. Trotzdem kam es bei der Erstürmung eines Grabens immer wieder zu grausamen Nahkämpfen, die mit Schanzspaten und Bajonetten ausgetragen wurden.

Luftkrieg

Die wenig robusten Flugzeuge zu Beginn des Krieges wurden hauptsächlich zur Fernaufklärung eingesetzt. Doch bereits in diesem Zeitraum erfüllten sie eine wichtige, von den Generälen unterschätzte, Aufgabe.

Als die Briten in Frankreich ankamen, brachten sie gerade einmal 48 Aufklärungsmaschinen mit. Sie erkundeten jeden Tag das Gebiet und meldeten die Feindbewegungen an das Oberkommando. Ihnen war es besonders zu verdanken, dass General Joffre die Offensive an der Marne einleitete.

Das deutsche Heer wollte bei seinem Vormarsch Paris westlich umgehen. Als es plötzlich nach Südosten abdrehte, und dabei eine große Lücke zwischen den einzelnen Armeen hinterließ, wurde dies zuerst von den Fliegern der Royal Flying Corps (RFC) bemerkt. Sie gaben die Nachricht an die französische Kommandokette weiter, die daraufhin den Gegenangriff an der Marne einleiten konnte.

Auf diesem Wege gewann die Luftaufklärung zunehmend an Bedeutung. Als der Stellungskrieg einsetzte, wurden die Flieger auch zu Artilleriekoordinierung eingesetzt, weswegen erste Methoden zu ihrer Bekämpfung entwickelt worden.

Der französische Luftfahrtpionier Roland Garros war der Erste, der ein echtes Jagdflugzeug entwickelte. Er montierte ein Maschinengewehr an der Spitze seines Flugzeugs. Um den Propeller nicht zu beschädigen, verstärkte er ihn mit Stahlplatten. Im Frühjahr 1915 machte er 18 Tage lang über Flandern Jagd auf die Deutschen, bis er bei einer seiner Missionen abgeschossen wurde.

Wenig später baute der Niederländer Anton Herman Gerard Fokker ein Unterbrechergetriebe in sein Fokker E.III ein. Das MG setzte immer dann sein Feuer aus, wenn es den Propeller getroffen hätte. Die ersten erfolgreichen Piloten dieser Maschinen waren Max Immelmann und Oswald Boelcke, die den Ruf der Fokkergeißel begründeten. Bis Anfang 1916 dominierten die Deutschen im Himmel über der Westfront.

Angriffe durch Bombenabwürfe kamen zuerst eher selten vor, wurden aber im Laufe des Krieges verstärkt. Die ersten Bomben wurden von einem deutschen Zeppelin am 24. August 1914 über Antwerpen abgeworfen. Im Dezember desselben Jahres griff man auch die britische Insel an. Die Engländer wiederum konzentrieren sich bei ihren Angriffen auf die Industrie Westdeutschlands und die Zeppelinwerke am Bodensee. Der Erste Weltkrieg war die erste militärische Auseinandersetzung, in der Bomber eingesetzt wurden. Bei diesen handelte es sich um besonders große und stabile Doppeldecker, die Fliegerbomben mit einem Gewicht von teilweise über einer halben Tonne mit sich führten.

Der Erste Weltkrieg war zudem der erste Krieg, in dem frühe Flugzeugträger zum Einsatz kamen. Dazu bauten US-Amerikaner und Briten mehrere ihrer Kriegsschiffe um. Diese frühen Modelle waren nur für den Einsatz von Wasserflugzeugen geeignet, die vom Deck starteten und in der Nähe des Flugzeugträgers landeten, um mit einem Kran an Bord befördert zu werden. Die vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs beschleunigte Entwicklung von Flugzeugträgern sollte sich während des Zweiten Weltkriegs bei den Kämpfen im Pazifik als entscheidend herausstellen.

Bis 1917 wurden immer wieder schwere Angriffe auf London geflogen, worauf einige Industrien den Betrieb sogar stilllegen mussten. Danach wurden die Luftschiffe, welche eine zu große Angriffsfläche boten und zu unbeweglich waren, zunehmend durch Großflugzeuge abgelöst.

Ab 1916 verloren die Deutschen ihre Lufthoheit wieder. Die Alliierten hatten sich neu organisiert und flogen nun mit einigen robusten Flugzeugen (z. B. Nieuport 11) sehr erfolgreiche Angriffe. Die Deutschen reagierten. Oswald Boelcke bildete einige der besten Flieger aus und vermittelte ihnen sein Kampfwissen (niedergeschrieben in der Dicta Boelcke). Die deutschen Jagdstaffeln (kurz JASTA), insbesondere die JASTA 11, brachten den Alliierten schwere Verluste bei.

Nach dem Tod Boelckes wurde Anfang 1917 die JASTA 11 von Manfred von Richthofen geleitet. Er sorgte mit seinen Piloten für den blutigen April, in dem die Alliierten 443 Flieger verloren. Richthofen selber schoss in dieser Zeit 20 Flugzeuge ab, sein Bruder Lothar brachte es auf 15 Abschüsse. Ein anderer Pilot, Kurt Wolf, erlangte in diesem April 22 Luftsiege.

Als 1918 die Amerikaner eintrafen, wendete sich das Blatt. Die Amerikaner waren zwar unerfahren. Die Überlegenheit an der Masse von Flugzeugen konnten die Deutschen jedoch nicht ausgleichen. Ab Sommer 1918 mussten die kaiserlichen Piloten ihr Glück mit Sturzangriffen probieren, da sie sonst keine Chance gegen die alliierten Geschwader hatten. Daraufhin ließ man mehrere Staffeln übereinander fliegen, wodurch die Deutschen weiterhin bedrängt wurden.

Am 21. April 1918 wurde Manfred von Richthofen abgeschossen. Er war mit 80 bestätigten Luftsiegen der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkriegs. Durch den Verlust ihres Idols und durch zunehmende Nachschubschwierigkeiten, verstärkte sich der Druck auf die kaiserlichen Jagdstaffeln.

Zum Kriegsausgang konnten die Luftstreitkräfte wenig beitragen. Der Krieg wurde am Boden entschieden (siehe Artikel Luftkrieg für weitere Informationen).

Seekrieg

Auf den Weltmeeren standen sich zum Anfang des Krieges hauptsächlich die kaiserliche Flotte Deutschlands und die Grand Fleet Großbritanniens gegenüber. Aufgrund der Übermacht britischer Schiffe konnten die Deutschen 1914 nicht in die Offensive gehen, weswegen besonders die alliierte Schifffahrt im Ärmelkanal ohne große Störungen erfolgen konnte. Defensiv war besonders Helgoland mit einer starken Küstenverteidigung ausgestattet und sicherte somit die Deutsche Bucht.

Aufgrund der Zurückhaltung der Mittelmächte, die dem Krieg auf den Schlachtfeldern Frankreichs vorerst größere Beachtung schenkten, konnten die Briten ungestört die Seeherrschaft über die Nordsee erringen und eine Seeblockade in der Nordsee einleiten. Das Ziel der Blockade war es, Deutschland von allen Zufahrten des Seewegs zu trennen. Weiterhin konnte durch die Kontrolle des Seeraums auch das britische Expeditionskorps ungestört übersetzen.

Das erste Gefecht fand am 28. August 1914 vor Helgoland statt. Deutsche Torpedoboote unter dem Schutz leichter Kreuzer führten regelmäßige nächtliche Aufklärungsunternehmungen durch. Diese Regelmäßigkeit ermöglichte es den Briten, dem deutschen Verband eine Falle zu stellen. Diese erfuhren jedoch von dem Plan und bauten ihrerseits eine Falle auf. Beide Seiten hatten jedoch organisatorische Probleme, und da die Unterstützungskräfte wegen der Flut nicht aus der Jade auslaufen konnten, verlor die Hochseeflotte drei Leichte Kreuzer und ein Torpedoboot, die zur "Ködergruppe" gehörten. Als die schweren deutschen Einheiten auf dem Schlachtfeld erschienen, waren die Briten verschwunden.

Um das Ungleichgewicht der Kräfte zu kompensieren, leiteten die Deutschen den U-Boot Krieg ein. Nach anfänglichen Misserfolgen deutscher U-Boote, gelang es der U-9 am 22. September 1914 drei britische Kreuzer zu versenken. Nachdem man die Wirksamkeit der Unterseeboote erkannt hatte, entschloss man sich auch Handelsschiffe zu attackieren, um die Briten von ihrem überlebenswichtigen Nachschub abzuschneiden.

Im Überseekrieg erlitt das deutsche Pazifikgeschwader in der Schlacht bei den Falklandinseln eine schwere Niederlage. Als das deutsche Geschwader unter der Leitung von Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee am 1. November in der Bucht von Coronel zwei englische Kreuzer versenken konnte, entschieden sich die Briten einen Verband in Richtung Falkland zu schicken, da sie befürchteten, von Spee könnte den Hafen Stanley auf den Inseln angreifen.

Als von Spee am 8. Dezember den Hafen erreichte, wurde er von einer britischen Übermacht überrascht. In der nachfolgenden Schlacht versenkten die Briten die "Großen Kreuzer" Scharnhorst und Gneisenau. Die verbliebenen deutschen Schiffe konnten zwar vorerst entkommen, wurden aber weniger später aufgespürt und ebenfalls vernichtet. 1915 verschlechterte sich die Lage Deutschlands. Im Gefecht auf der Doggerbank erlitt es am 24. Januar eine weitere Niederlage gegen die Briten. Sämtliche Versuche, die alliierte Seeblockade zu schwächen, schlugen fehl und immer mehr deutsche Schiffe wurden versenkt oder nach schwerer Beschädigung freiwillig aufgegeben.

Aufgrund dieser Fehlschläge erfolgte am 4. Februar der Beginn des uneingeschränkten U-Bootkrieges, in dem neben alliierten auch neutrale Schiffe angegriffen werden konnten. Am 7. Mai versenkte die U-20 die Lusitania, was eine internationale Protestwelle auslöste.

Die Lusitania war ein bewaffneter Hilfskreuzer, der Waffen und Munition von Amerika nach Europa bringen sollte. Zur Tarnung deklarierte man das Schiff als Passagierdampfer, der unter anderem auch US-Amerikaner beförderte. Obwohl die deutsche Regierung eine Meldung herausgab, in der man vor Reisen nach Großbritannien warnte, waren über 200 Amerikaner an Bord der Lusitania, als diese am 1. Mai 1915 den Hafen von New York verließ. Die Briten wussten, dass der Tod von US-Bürgern den Kriegseintritt der USA bewirken würde. So wurde der Kreuzer Juno vom Geleitschutz der Lusitania abgezogen, und der Kapitän des Schiffes nicht über die Tätigkeiten deutscher U-Boote unterrichtet.

Als die Briten schließlich noch die Route änderten, und die Lusitania nicht wie geplant nach Liverpool, sondern nach Queenstown fuhr, steuerte das Schiff ahnungslos auf die U-20 zu. Am 7. Mai versenkte die U-20 das Transportschiff, wobei über 1.100 Passagiere starben. Zwischen den USA und dem Deutschen Reich verschärfte sich der Ton. Schließlich drohte Amerika sogar mit einem Eintritt in den Krieg.

Aus Angst um einen amerikanischen Kriegseintritt beendete die deutsche Admiralität Anfang 1916 den Handelskrieg und konzentrierte sich auf die Vernichtung alliierter Kriegsschiffe. Am 31. Mai und 1. Juni kam es zur Skagerrakschlacht, in der 258 Schiffe beteiligt waren. Das Ziel der Deutschen war es, mit ihrer Hochseeflotte die Briten entscheidend zu schwächen. Letztlich endete die bisher größte Seeschlacht der Weltgeschichte mit einem Unentschieden und Deutschland setzte wieder alle Hoffnungen auf den uneingeschränkten U-Bootkrieg.

Im Kriegsjahr 1917 führte diese Strategie zwar zu gewaltigen Verlusten unter alliierten und neutralen Handelsschiffen, eine kriegsentscheidende Wendung, wie von den deutschen Führung erwartet, konnte jedoch nicht erreicht werden. Stattdessen trat die USA in den Krieg ein. Zur selben Zeit führten die Entente-Mächte das Konvoisystem ein. Dadurch war es den Booten nicht mehr so leicht möglich, unbewaffnete Handelsschiffe aufzuspüren. Ein Großteil der deutschen U-Boote wurde vernichtet.

Im Mai 1918 eröffneten die Deutschen eine weitere U-Boot-Offensive, wodurch unter den Amerikanern einige Verluste zu beklagen waren. Besonders die U-Boote vor der Ostküste Nordamerikas waren eine große Gefahr für Handelsschiffe und Truppentransporter. Doch letzten Endes war durch den Seekrieg keine kriegsentscheidende Wirkung zu erwarten. Ein großer Teil der U-Boot-Besatzungen war gefallen und die Industrie sah sich außer Stande die zunehmenden Verluste an Booten auszugleichen. Als sich ein Ende des Krieges anbahnte, sollte am 28. Oktober noch einmal ein Großangriff auf die britische Marine stattfinden, worauf der Matrosenaufstand von Kiel losbrach und der Seekrieg somit sein Ende fand.

Giftgas

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, in dem Giftgas eingesetzt wurde. Der Krieg an der Westfront hatte sich schnell zum Stellungskrieg entwickelt. Geländegewinne waren kaum möglich, da beide Seiten sich in ihren Schützengräben gut eingegraben hatten. Aus militärstrategischer Sicht erforderte diese Situation den Einsatz einer Flächenwaffe, mit der man den Feind von oben beharken konnte. Die klassische Waffe dafür war natürlich die Artillerie. Besonders für die Deutschen ergab sich jedoch das Problem, dass die Sprengstoffproduktion zu keinem Zeitpunkt mit dem Bedarf der Militärs Schritt halten konnte, da es an Rohstoffen mangelte; vor allem an Nitrat, das damals aus Chile über den Atlantik - und damit mitten durch vom Feind kontrolliertes Gebiet - importiert werden musste. Erst später konnte der Nitratmangel durch das Haber-Bosch-Verfahren, mit dem Ammoniak synthetisiert werden konnte, gelindert werden.

In dieser Situation entstand die Idee, statt Sprenggranaten giftige Chemikalien zu verschießen. Eigentlich galt der Einsatz von Gift als unmilitärisch und war laut Haager Landkriegsordnung verboten, aber bei der Entwicklung neuer Kriegswaffen waren ethische Bedenken während des Ersten Weltkrieges meistens kaum vorhanden. Man fing an, nach geeigneten Stoffen zu suchen. Bis Kriegsende hatte man 3.000 verschiedene Substanzen auf ihre Brauchbarkeit als Waffe geprüft.

Erste Versuche

Die ersten, die dann chemische Waffen im weitesten Sinne einsetzten, waren die Franzosen. Die Pariser Polizei hatte vor dem Krieg Tränengas-Munition entwickelt, die bis dahin ungenutzt lagerte. Diese Munition holte man jetzt hervor und probierte sie an der Front aus. Die Patronen waren mit 19 ml Bromessigsäureethylester (ein recht schwaches Tränengas) gefüllt. Sehr bald stellte sich heraus, dass das zu wenig war. Die Munition war für den Einsatz in geschlossenen Räumen entwickelt worden, unter freiem Himmel verdünnte sich der Stoff so sehr, dass dadurch niemand kampfunfähig zu machen war.

Auch die Deutschen starteten ihre ersten Versuche. Zunächst wurden ebenfalls nicht-tödliche Chemiewaffen eingesetzt. Am 27. Oktober 1914 verschossen die Deutschen bei Neuve-Chapelle zum ersten Mal Granaten, die mit Dianisidinchlorsulfonat gefüllt waren, einem feinkristallinen Pulver, das die Schleimhäute von Augen und Nase reizte. Der Erfolg blieb auch hier aus, da sich die verwendeten Stoffe beim Abschuss durch die entstehende Hitze zersetzten.

Dieses Problem hatte man den ganzen Krieg durch: Die Chemikalie musste ausreichend giftig sein, aber auch genügend hitzebeständig. Während der Experimente mit Kampfgasen kam man schon früh auf Xylylbromid, das recht giftig und hitzefest war, trotzdem versagte es beim ersten Einsatz an der Ostfront: Es war Januar 1915 und man hatte nicht bedacht, dass Xylylbromid bei tiefen Temperaturen kaum in den gasförmigen Zustand übergeht. Auch hier war also die Konzentration zu gering, um dem Feind ernsthaft zu schaden.

Chlorgase und Blasverfahren

Da man mit durch die Artillerie verschossenem Giftgas augenscheinlich Probleme hatte, erfand man etwas Neues: Man nahm nun Chlorgas, das sehr billig zu erhalten war, da es ein Abfallprodukt der chemischen Industrie war. Um den Stoff zum Feind zu bringen, entwickelte Fritz Haber das Habersche Blasverfahren, mit dem das Chlorgas (schwerer als Luft und daher in Bodennähe konzentriert) nicht verschossen, sondern aus Behältern bei entsprechender Windrichtung in die französischen Schützengräben geblasen wurde.

Zum ersten Mal hatte ein Gaseinsatz durchschlagenden "Erfolg": Am 22. April 1915 fielen in Ypern (Belgien) 5.000 Menschen einem deutschen Chlorgaseinsatz zum Opfer, 15.000 weitere erlitten Vergiftungen. Dieses Datum wird heute als Beginn der chemischen Kriegsführung angesehen.

Gegenmaßnahmen, Phosgen und Senfgas

Die nächste Stufe des Gaskrieges wurde von den Franzosen eingeleitet. Sie verschossen Ende Februar 1916 als erste Granaten mit Phosgen. Auf die Wirkung (und vor allem die Spätfolgen) dieses Kampfstoffs gehen die meisten Gastoten des Ersten Weltkriegs zurück. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Gasmasken erfunden. Nach einigen Monaten hatten beide Seiten ihre Soldaten flächendeckend mit Gasmasken ausgerüstet. Die Chemiker reagierten darauf mit einer neuen Entwicklung: Senfgas war ein Kontaktgift und führte zunächst zu schweren Verätzungen der Haut und schließlich zum Tod. Als "Testgelände" verwendeten die Deutschen wieder das Schlachtfeld bei Ypern, im Juli 1917. Seine schädlichste Wirkung entfaltet Senfgas aber an den Augen und in den Atmungsorganen, während die Verätzungen der Haut von den Betroffenen in vielen Fällen überlebt wurden. Senfgas war auf deutscher Seite aufgrund der Markierung auf den Granaten auch als "Gelbkreuz" bekannt.

Die genaue Anzahl der im Ersten Weltkrieg durch Kampfgas Vergifteten und Toten ist nur schwer festzustellen, zumal ein Großteil der Soldaten erst nach dem Krieg an den Spätfolgen verstarb: Schätzungen gehen von ca. 496.000 Vergifteten und 17.000 Toten aus, wobei die Zahl der Toten wahrscheinlich noch höher angesetzt werden muss.

Gebirgskrieg

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, welcher auch im Hochgebirge im Winter weitergeführt wurde. An der Südfront zwischen Österreich und Italien war der Krieg zu einem Stellungskrieg im Hochgebirge ausgeartet.

Vom Stilfser Joch an der Grenze zur Schweiz wurde eine 600 km lange Grenze bis zu den Julischen Alpen gebildet. Während im Osten der Südgrenze die Isonzoschlachten tobten, welche den Materialschlachten an der Westfront um nichts nachstanden, hatte sich insbesondere in den Dolomiten eine bis dahin unbekannte Art von Stellungskrieg entwickelt: die topographischen Bedingungen des Krieges waren eine Novität.

In Tirol wurden nach der Kriegserklärung durch Italien 1915 die Standschützen mobilisiert und an die Südgrenze gebracht, weil sich die Landesschützen in Galizien befanden. Sie kamen in den Karnischen Alpen ebenso zum Einsatz wie in den Dolomiten, rund um den Gardasee und am Ortler und standen den italienischen Alpini gegenüber und hielten die italienischen Soldaten auf, bis die Verstärkung der Landesschützen und Kaiserjäger eingetroffen war.

Handelte es sich im Sommer schon um unwirtliches Gebiet, so war im Winter nicht der Gegner, sondern der Schnee der größte Feind. Die Stellungen mussten von bis zu 12 Metern Schnee freigehalten werden; von der Außenwelt abgeschnittene Stellungen gehörten zum Normalzustand.

Am heftigsten tobte der Kampf im Gebiet der Drei Zinnen und um den Paternkofel - in diesen Kämpfen fiel auch der bekannte Südtiroler Bergsteiger Sepp Innerkofler.

Das Gelände brachte mit sich, dass jeweils die eine Kriegspartei einen Gipfel besetzt hielt, während die andere versuchte, den Gipfel zu erstürmen. Weil dies zumeist nicht möglich war, begann man damit, kilometerlange Stollen durch das Gestein zu treiben, um ohne Feindeinwirkung bis zum Gipfel vordringen zu können. Manchmal wurden die Stollen auch mit Sprengstoff gefüllt und ganze Berggipfel zum Einsturz gebracht. Noch heute zeugen viele Stollen vom Kampf.

Für die Versorgung und vor allem dem Waffentransport kamen in großem Ausmaß Seilbahnen zum Einsatz, außerdem wurden Klettersteige entwickelt, die Versorgungen über Leitern und entlang von Stahlseilen ermöglichten.

In den Gletschergebieten wurden Stollen durch das Gletschereis getrieben, um Zugriff auf die gegnerischen Lager ohne Feindeinsicht zu erhalten.

Der Stellungskrieg im Hochgebirge musste auf ausgebildete Bergsteiger und Bergführer bauen und führte seinerseits zu einer rasanten Fortentwicklung der Alpinismustechnik.

Wirtschaftliches Umfeld

Deutsches Reich

(Für eine detailliertere Abhandlung siehe: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte im Ersten Weltkrieg)

Der Erste Weltkrieg unterschied sich in vielerlei Hinsicht von früheren europäischen Kriegen. Für das Deutsche Reich lag einer der Unterschiede darin, dass zum ersten Mal ein Krieg, der außerhalb der heimatlichen Region, sogar außerhalb des Staates geführt wurde, in seinen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen ganz unmittelbar und in unerwarteter Intensität auf die heimatliche Region und auf den Staat durchschlug.

Die durch den Krieg bedingten Engpässe und Veränderungen machten sich sehr schnell bemerkbar. Neben der in dieser Größenordnung noch nicht dagewesenen Mobilmachung von Soldaten gehörte dazu auch das Problem der Finanzierbarkeit des Krieges. Die Kriegsausgaben des Reiches betrugen 1915 24 Milliarden, d. h. das zehnfache der Steuereinnahmen des letzten Friedenshaushalts.

Da aus unterschiedlichen Gründen, unter anderem wegen der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens, die Kriegsfinanzierung nicht durch Steuern, sondern durch Kreditaufnahmen erfolgen sollte, kam es von Anfang an zu massiven Eingriffen in die Finanzwirtschaft. Zudem zog dieses Vorgehen natürlich alle negativen Folgen nach sich, die man von einer auf Schulden basierenden Volkswirtschaft kennt.

Die Maßnahmen waren anfänglich noch unter der Voraussetzung getroffen worden, dass der Krieg – entsprechend den Erfahrungen von 1866 und 1870/71 – in wenigen Monaten beendet sein würde. Von dieser Überlegung ging ja auch die Armee aus. Man erwartete von der vorhandenen deutschen Rüstungsindustrie eine ausreichende Versorgung. Erst der Munitionsmangel Anfang November 1914, als nur noch Munition für sechs Tage zur Verfügung stand, zeigte die rüstungswirtschaftlichen Engpässe in aller Deutlichkeit auf.

Im Verlauf des Krieges blieben ja sowohl die schnellen militärischen Fortschritte und damit auch die Möglichkeit der Beschlagnahme von Rohstoffen im Feindesland aus. Zudem stürzte die englische Seeblockade die stark importabhängige deutsche Wirtschaft in größte Verlegenheit.

Auf Initiative namentlich von Walther Rathenau und Wichard von Moellendorff von der AEG wurde noch im August 1914 die Kriegsrohstoffabteilung (KRA) ins Leben gerufen. Diese Stelle, bis 1915 unter der Leitung Rathenaus, stand für eine enge Verzahnung von Privatwirtschaft und Staat, allerdings stieß sie schon seit ihrer Gründung auf heftiger Ablehnung von Teilen der Privatwirtschaft. Ihre Hauptaufgabe sah sie in der Versorgung der Privatwirtschaft mit den benötigten Rohstoffen, die daher zentral bewirtschaftet werden mussten. Zudem entstanden "Kriegsgesellschaften", die deren Zahl im Laufe des Krieges auf über hundert stieg. Diese waren ähnlich wie Aktiengesellschaften organisiert.

Im Frühsommer 1916 kam es zu einer massiven militärischen, politischen und wirtschaftlichen Krise, weil die Kriegskosten ins Gigantische stiegen: Mehr als 1/10 des Jahresvolkseinkommens 1913 wird zu dieser Zeit in einem Monat verpulvert. Ab der 5. Kriegsanleihe (September/Oktober 1916) können die Zeichnungsergebnisse nicht mehr mit dem Geldbedarf Schritt halten (zum Deckungsgrad durch die Kriegsanleihen vgl. Tabelle im Artikel Deutsche_Inflation_1914_bis_1923). Darauf wurde das Hindenburg-Programm verkündet, das drastische Maßnahmen zur Steigerung der Wirtschaftskraft verlangte, sowie das "Kriegsamt" neu geschaffen. Die Folgen des Hindenburg-Programms waren aber nicht nur für die Wirtschaft spürbar, sondern auch für die Soldaten und Arbeiter. Denn zur Steigerung der Produktion war es unumgänglich, aus den Armeen eine Fülle von Facharbeitern herauszuziehen. Der Einsatz von Frauen in der Industrie stieg weiter an. Ein allgemeiner Arbeitszwang wurde eingeführt, Kriegsgefangene und (vielfach belgische) Zwangsarbeiter wurden in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Nicht "kriegswichtige" Betriebe litten unter dem Entzug der für die Rüstungsindustrie benötigen Rohstoffe und Arbeitskräfte.

Der Erste Weltkrieg in der historischen Forschung

Während in Deutschland in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein umfangreiches apologetisches Schrifttum zur Abwehr der "Kriegsschuldlüge" (s. dazu: Kriegsschulddebatte) entstand, hielten Historiker der Siegerstaaten weitgehend an der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands und seiner Verbündeten fest. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Ansicht des britischen Premiers David Lloyd George durch, nach der die Völker Europas "in den Weltkrieg hineingeschlittert" seien. Erst die Arbeiten des Hamburger Historikers Fritz Fischer stellten dieses Geschichtsbild in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts vehement in Frage. Vor allem mit seinem Buch Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18 löste Fischer einen ersten "Historikerstreit" aus, der Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit jahrelang beherrschte. Gestützt auf umfangreiches Quellenmaterial (vor allem des Archivs des Auswärtigen Amtes) vertrat Fischer darin die These, dass Deutschland bewusst auf einen Krieg hingearbeitet habe, um die eigene Überlegenheit auszuspielen, bevor die Übermacht der Gegner zu groß würde. Mittlerweile hat sich eine vermittelnde Position durchgesetzt, nach der die deutsche Führung zwar nicht bewusst nach der Weltmacht gestrebt habe, aber einen großen Krieg in ihr Kalkül einbezogen habe. Der Anteil des Deutschen Reiches an der Kriegsschuld muss aber im Kontext mit den anderen europäischen Großmächten betrachtet werden. So wurde auch in Frankreich ein Krieg in Kauf genommen, um dem Deutschen Reich nicht nur das Elsass, sondern auch die Vormachtstellung auf dem europäischen Festland wieder zu entreißen. Die Ermordung des bekannten Kriegsgegners Jean Jaurès am 31. Juli 1914 war Ausdruck einer am Vorabend des Krieges in Teilen der französischen Gesellschaft herrschenden Stimmung.

Die jüngste Forschung konzentriert sich darauf wie der Krieg im Alltag der Menschen erfahren wurde. Regionalgeschichtliche Forschungen konnten auch die Annahme einer allgemeinen Kriegsbegeisterung im August 1914 widerlegen.

Zitate

"Und endlich ist kein anderer Krieg für Preussen-Deutschland mehr möglich, als ein Weltkrieg, und zwar ein Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei Europa so kahl fressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreissigjährigen Krieges zusammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet; Hungersnot, Seuchen, allgemeine, durch akute Not hervorgerufene Verwilderung der Heere wie der Volksmassen; rettungslose Verwirrung unseres künstlichen Getriebes in Handel, Industrie und Kredit, endend im allgemeinen Bankrott; Zusammenbruch der alten Staaten und ihrer tragenden Staatsweisheit, derart, dass die Kronen zu Dutzenden über das Strassenpflaster rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt; absolute Unmöglichkeit, vorherzusehen, wie das alles enden und wer als Sieger aus dem Kampf hervorgehen wird; nur ein Resultat absolut sicher: die allgemeine Erschöpfung und die Herstellung der Bedingungen des schliesslichen Siegs der Arbeiterklasse."

Literatur

Weblinks


Beurteilung:
 Exzellenter Artikel




     
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