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Byzantinisches Reich



Das Byzantinische Reich (verkürzt auch nur Byzanz) bezeichnet, nach dem ursprünglichen Namen seiner Hauptstadt Byzanz (Konstantinopel), das aus hellenistischer Kultur, dem Römischen Staatswesen und der (im kulturellen Ursprung jüdischen) Christlichen Religion entstandene Kaiserreich im östlichen Mittelmeerraum. Das Reich entwickelte sich aus dem östlichen Teil des Römischen Reiches (Oströmisches Reich, Ostrom). Während das Westreich im Jahr 476 endgültig unterging, bestand das Byzantinische Reich bis zur Eroberung seiner Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453. Das Byzantinische Reich sah sich Zeit seines Bestehens als unmittelbares und einzig legitimes Weiterbestehen des Römischen Kaiserreiches. In diesem Sinne beanspruchte der byzantinische Kaiser das Supremat über alle christlichen Staaten des Mittelalters.

Table of contents
1 Das Wesen von Byzanz
2 Grundriss der byzantinischen Geschichte
3 Das kulturelle Fortwirken von Byzanz
4 Zeittafel
5 Literatur
6 Siehe auch
7 Weblinks

Das Wesen von Byzanz

Die Byzantiner -- und die Griechen bis ins 19. Jahrhundert hinein -- betrachteten und bezeichneten sich selbst als Römer ("Rhômaioi"), das Wort Griechen ("Hellênes") wurde fast nur für die vorchristlichen, heidnischen griechischen Kulturen und Staaten verwendet. Die heute üblichen Bezeichnungen Byzantiner und Byzantinisches Reich sind modernen Ursprungs. Zeitgenossen sprachen immer von Basileia tôn Rhômaiôn (Königreich der Römer) oder Rhômaikê Autokratia (Römisches Kaiserreich). Nach ihrem Selbstverständnis waren sie nicht die Nachfolger des Römischen Reiches - sie waren das Römische Reich an sich. Dies war staatsrechtlich auch der Fall, zumal Byzanz in einem intakten, an die Spätantike erinnernden Zustand existierte (es hatte ja keinen Bruch wie im Westen gegeben), der sich erst nach und nach veränderte und zu einer Gräzisierung des Staates unter Herakleios führte. Allerdings war bereits vorher die allgemein vorherrschende nationale Identität des oströmischen Reiches griechisch. Griechisch war nicht nur die Amtssprache (seit Herakleios, vorher war es Latein), sondern auch die Sprache der Kirche, der Literatur und aller Handelsgeschäfte. Das byzantinische Reich war zwar ein multi-ethnischer Staat, der außer Griechen auch Armenier, Juden, Ägypter, Syrer, Illyrer und Slawen einschloss, aber die meisten Gebiete, über die er sich erstreckte, waren seit Jahrhunderten hellenisiert, also dem griechischen Kulturkreis angeschlossen. Hier lagen bedeutende Zentren des Hellenismus wie Konstantinopel, Antiochia, Ephesus, Thessalonike und Alexandria, und hier bildete sich auch die griechisch-orthodoxe Form des Christentums heraus. Die neben der Hauptstadt wirtschaftlich und militärisch bedeutsamsten Gebiete waren die orientalischen Provinzen des Reiches. Als diese verloren gingen, spielte Kleinasien ein wichtige Rolle. Als auch dies an Invasoren fiel (teilweise im 11. und endgültig im 14. Jahrhundert), begann bereits der Abstieg von der Welt- zur Regionalmacht und schließlich zum Kleinstaat.

Das Byzantinische Reich besaß - im Gegensatz zu den meisten anderen Reichen des Mittelalters - eine straff organisierte Bürokratie, deren Zentrum Konstantinopel war. Es verfügte über Beamte und ein gutes Finanzwesen, über staatliche Monopole und eine stehende Armee. Kein Reich westlich von China konnte etwa über so große Summen verfügen wie Byzanz. Der Kaiser wiederum herrschte de facto uneingeschränkt über Reich und Kirche - und dennoch war in keinem anderen Staat (in diesem Fall kann man wirklich von einem Staat sprechen) eine so große Durchlässigkeit der Aristokratie gegeben wie in Byzanz, welches eine Mischung aus römischem Staatswesen, griechischer Kultur und christlichem Glauben darstellte (nach G. Ostrogorsky) und sich immer noch dem Gedanken der antiken Universalmacht verpflichtet fühlte. Nur Byzanz, so die zeitgenössische Vorstellung, war die Wiege des wahren Glaubens und der Zivilisation; in der Tat war das kulturelle Niveau in Byzanz ungleich höher als in den anderen Reichen des Mittelalters, eingeschlossen des islamischen Bereichs.

In weiten Teilen wissen wir nur wenig über das "Neue Rom". Relativ wenige Aktenstücke sind uns überliefert, und in Teilen schweigt auch die byzantinische Geschichtsschreibung, die mit Prokop und Michael Psellos über einige ganz hervorragende Vertreter verfügte. Wenn uns daher für einige Zeiträume nur kirchliche Quellen zur Verfügung stehen, so darf dies nicht zu der Annahme verleiten, Byzanz wäre ein theokratischer Staat gewesen. Gewiss, die Religion war bestimmend, aber die Quellenlage ist in Teilen (besonders für die Periode vom 7.-9. Jahrhundert) zu dürftig, um ein klares Bild zu erhalten. Erst in späterer Zeit bessert sich die Quellenlage etwas.

Die ältere westeuropäische Forschungsmeinung sah in Byzanz oft nur eine dekadente, halb orientalische Despotie (so etwa Edward Gibbon). Dieses Bild wurde längst verworfen (Bury, Mango, Lilie u.a.). Es wird inzwischen immer darauf hingewiesen, dass Byzanz als der Vermittler von kulturellen Werten und dem Wissen der Antike Unschätzbares geleistet hat. Es war zudem der "Schutzschild" Europas über viele Jahrhunderte hinweg, erst vor den Persern und Steppenvölkern, später vor dem Islam. Erst nach der verheerenden Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 konnte das Byzantinische Reich diese Funktion nicht mehr wahrnehmen.

Grundriss der byzantinischen Geschichte

Der spätrömische und frühbyzantinische Staat

Die Wurzeln des Byzantinischen Reiches liegen in der römischen Spätantike. Der römische Kaiser Konstantin der Große baute die bis dahin eher kleine altgriechische Kolonialstadt Byzanz im Jahr 330 um, nannte sie Konstantinopel (heute heißt sie Istanbul) und machte sie zur Hauptstadt des Römischen Reiches. Sie blieb auch unter den nachfolgenden Kaisern Verwaltungszentrum, wenn sich auch gerade in der Frühzeit nicht alle Kaiser dort längere Zeit aufhielten. So verbrachte Valens und Julian II auch längere Zeit im Osten des Reiches (Antiochia). Nach dem Tod des Kaisers Theodosius I 395 wurde das Reich in eine östliche und eine westliche Hälfte unter seinen beiden Söhnen Honorius und Arcadius aufgeteilt. Solche Reichsteilungen hatte es schon früher gegeben, aber diesmal war sie endgültig: Arcadius, der in Konstantinopel residierte, gilt daher als erster Kaiser des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches.

Im späten 4. Jahrhundert, zur Zeit der beginnenden Völkerwanderung war zunächst die östliche Reichshälfte Ziel germanischer Stämme, wie der West- und der Ostgoten. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts richteten sich deren Angriffe aber zunehmend auf das ökonomisch und militärisch schwächere Westreich. Allerdings musste sich Ostrom gerade den Angriffen der Sassaniden erwehren, des einzigen Konkurrenten Roms in der Zivilisation westlich von China. 410 wurde Rom zum ersten Mal von den Westgoten erobert. Ostrom versuchte allerdings gerade gegen die Wandalen das Westreich zu unterstützen (die erfolglose Flottenexpedition von 467 wurde von Ostrom getragen). Allerdings hatte das Reich unter Kaiser Leo I schwer mit dem Problem der germanischen Hilfstruppen zu kämpfen. Meistens handelte es sich ab der Mitte des 5. Jahrhunderts bei dem amtierenden Magister militum um einen Germanen. Doch konnte das Problem zum Ende des 5. Jahrhunderts durch die Heranziehung der Isaurier in den Militärdienst gelöst werden, die ein Gegengewicht zu den Germanen bildeten. Während der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus im Jahr 476 von dem germanischen König Odoaker abgesetzt wurde, erstarkte das Ostreich zusehends. Kaiser Anastasius I stärkte die Finanzkraft des Reiches.

Im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I eroberten die beiden byzantinischen Feldherren Belisar und Narses sogar große Teile der weströmischen Provinzen - Italien, Nordafrika (Africa) und Teile von Spanien - zurück und stellten damit das Römische Reich für kurze Zeit fast in seiner alten Größe wieder her. Während der Regierungszeit Justinians, in den 530er Jahren, wurde auch die Hagia Sophia erbaut, für lange Zeit die größte Kirche der Christenheit. Es war die entscheidende Übergangszeit vom spätantiken Staat zum byzantinischen.

Justinian hinterließ seinen Nachfolgern jedoch leere Kassen, und sie waren nicht imstande, mit den neuen Angreifern fertig zu werden, die ab der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts an den Grenzen auftraten. Die Langobarden besetzten Italien, die Slawen überrannten große Teile des Balkans und die Neuperser oder Sassaniden erlangten die Herrschaft über die meisten östlichen Provinzen. Bis 619 hatten sie sogar Ägypten und Syrien, und somit die reichsten byzantnischen Provinzen erobert. Sie wurden zwar durch Kaiser Herakleios zurückerobert, der das Sassanidenreich 629 vernichtend schlug. Nach dieser Anstrengung jedoch waren die Kräfte des Reichs erschöpft. Der plötzlichen Expansion der von ihrem neuen, muslimischen Glauben angetriebenen Araber hatte es nichts mehr entgegen zu setzen. In der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 unterlagen die Byzantiner einem Heer des 2. Kalifen Omar und der ganze Süden des Reichs, einschließlich Syriens und Palästinas gingen verloren (siehe auch Islamische Expansion).

Was das Reich an Gebieten verlor, gewann es an Gleichförmigkeit. Die südlichen Provinzen unterschieden sich erheblich vom Norden in der Kultur und gehörten seit dem 5. Jahrhundert mehrheitlich den orientalisch-orthodoxen, monophysitischen Kirchen an, die mit der griechisch-orthodoxen Kirche der nördlichen Provinzen im Streit lagen. Dieser Streit war einer der Gründe für die baldige Akzeptanz der neuen muslimischen Herren Syriens. Der Norden gelangte so aber zu größerer Geschlossenheit und höherer Kampfbereitschaft. Zur Zeit des Herakleios wurde das Reich in ein System von Militärprovinzen, so genannten Themen aufgeteilt (die Datierung ist allerdings umstritten; die neuere Forschung geht von einem späteren Zeitpunkt aus), um den ständigen Angriffen und dem Sinken des städtischen Lebens außerhalb der Hauptstadt zu begegnen, während Konstantinopel wuchs und die größte Stadt der Welt wurde. Mehrfache Versuche, Konstantinopel zu erobern - unter anderem durch die Araber und die Rus - schlugen alle fehl angesichts der überlegenen byzantinischen Flotte und ihres Monopols, der geheimnisumwitterten brandstiftenden Waffe, des griechischen Feuers. Danach begann das Reich sich zu erholen.

Die mittelbyzantinische Epoche - Zwischen Abwehr und Hegemonie

Mehrmals belagerten die Araber Konstantinopel, zuletzt 717-18. Byzanz verlor die Seeherrschaft und konnte mit Mühe Kleinasien halten, wo es immer wieder zu arabischen Überfällen (Razzien) kam. Das gesamte 8. Jahrhundert war von diesen Abwehrkämpfen geprägt, in dem die Initiative fast ausschließlich bei den Feinden von Byzanz lag. Auf dem Balkan befand sich Byzanz ebenfalls in der Defensive, konnte aber Griechenland nach und nach von den Slawen zurück gewinnen. Dafür erwuchs dem Reich ein neuer Gegner, nämlich in Gestalt der Bulgaren, die erfolgreich eine eigene Staatsbildung anstrebten.

Der militärisch erfolgreiche Kaiser Leo III der Isaurier entfachte 730 den Bilderstreit, der zu einem während eines Jahrhunderts immer wieder aufflackernden Bürgerkrieg führte. Anfang des 9. Jahrhunderts erholte sich das Reich, wenn es auch vorerst gegen die Bulgaren nichts ausrichten konnte, die sich erfolgreich behaupteten.

Auf die Krisenzeit des 8. Jahrhunderts, folgten im 9. und vor allem im 10. Jahrhundert einige bedeutende Erfolge. Unter Nikephoros II. Phokas wurde Kreta von den Arabern zurückerobert. Johannes I. Tzimiskes weitete den byzantinischen Einfluss bis nach Syrien und Palästina aus, während die Bulgaren nieder gehalten wurden. Byzanz schien wieder auf dem Weg zur Hegemonialmacht zu sein.

Das Reich erreichte seinen Höhepunkt unter den Makedonischenen Kaisern des 10 und frühen 11. Jahrhunderts. Durch die im Jahre 987 vollzogene Heirat der Schwester von Kaiser Basileios II mit dem russischen Großfürsten Wladimir breitete sich der orthodoxe Glaube allmählich in Russland aus. Die russische Kirche unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel. Basileos II. eroberte in jahrelangen Kämpfen das donaubulgarische Reich, was ihm den Beinamen Bulgaroktonos ("Bulgarentöter") einbrachte. Im Jahre 1018 wurde Donaubulgarien byzantinische Provinz, was einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte des Byzantinischen Reiches darstellte.

Wie Rom zuvor, fiel es trotzdem bald in eine Periode von Schwierigkeiten, die in hohem Grade durch das Wachstum des Landadels verursacht wurden, der das Themensystem untergrub. Mit seinen alten Feinden, dem Heiligen Römischen Reich und dem Abbasidenkalifat konfrontiert, hätte es sich vielleicht erholen können, aber um die gleiche Zeit erschienen neue Eindringlinge auf der Szene, die wenig Grund hatten sein Ansehen zu respektieren - die Normannen, die Italien eroberten und die Seldschuken, die hauptsächlich an Ägypten interessiert waren, aber auch Raubzüge nach Kleinasien, dem wichtigsten Rekrutierungsgebiet für die byzantinische Armee, unternahmen. Mit der Niederlage von Kaiser Romanos IV 1071 bei Mantzikert gegen Alp Arslan, dem seldschukischen Sultan, waren die meisten dieser Provinzen verloren.

Die Zeit der Komnenenkaiser - Erneutes Aufbäumen

Die letzten Jahrhunderte der byzantinischen Geschichte wurden durch einen Usurpator, Alexios I. Komnenos, geprägt, der anfing, die Armee auf Basis eines Feudalsystems (Pronoia) wieder herzustellen. Es gelangen ihm bedeutende Fortschritte gegen die Seldschuken und auf dem Balkan gegen die Petschenegen. Sein Aufruf um westliche Hilfe brachte ungewollt den ersten Kreuzzug hervor, der ihm half Nicäa und die Westküste Kleinasiens zurück zu erobern. Allerdings hatte der Kreuzzug (auf dem es bereits zu Spannungen zwischen den Kreuzfahrern und den Byzantinern gekommen war) schwerwiegende Folgen, denn die späteren Kreuzzüge entwickelten sich zunehmend feindselig. Alexios gewährte venezischen Händlern Zugang zu vielen byzantinischen Häfen, doch die Republik Venedig -- paradoxerweise einst selbst ein Vorposten byzantinischer Kultur im Westen -- wurde zu einer ernsten Bedrohung für das Reich. Unter den anderen Komnenekaisern gelang es, die byzantinische Stellung in Kleinasien und auf dem Balkan zu festigen. Allerdings erlitt Kaiser Manuel II Komnenos 1176 bei Myriokephalon in Kleinasien eine vernichtende Niederlage, deren Folgen erst nach und nach zu Tage traten.

Das Reich wurde unter den nachfolgenden Angeloi-Kaisern von schweren inneren Krisen erschüttert, die schließlich dazu führten, dass sich Alexios IV an die Kreuzfahrer wandte und sie dazu bewegte, für ihn und seinen Vater den Thron zu kämpfen. Als die erhoffte Bezahlung ausblieb, kam es zur Katastrophe der Eroberung von 1204. Unter dem Einfluss Venedigs eroberte der vierte Kreuzzug 1204 Konstantinopel, gründete das kurzlebige Lateinische Kaiserreich und schwächte die byzantinische Macht dauerhaft.

Verfall und Untergang

Das byzantinische Restreich zerfiel bald darauf in drei Nachfolgestaaten: Nicäa, wo Kaiser Theodor I Lascaris im Exil die byzantinische Tradition aufrecht erhielt, Epirus und Trapezunt. Dem ersteren gelang die Rückeroberung Konstantinopels (1261) und sie besiegten unter der Palaiologendynastie Epirus und erneuerten so das Reich, richteten ihre Aufmerksamkeit jedoch auf Europa, als Asien die Hauptsorge war. So vernachlässigten die Palaiologen die alte Grenzverteidigung in Kleinasien, was den Türken zum Vorteil gereichte. Für eine Weile überlebte das Reich, weil die Muslime zu zerstritten waren, um anzugreifen, aber schließlich überrannten die Osmanen im 14. Jahrhundert das ganze kleinasiatische und europäische Gebiet des Reiches bis auf eine Handvoll Hafenstädte. Byzanz wurde zu einem Kleinstaat. Mehrmals ersuchte es im Westen um Hilfe und bot dafür sogar die Kirchenunion an, was jedoch am Widerstand der byzantinischen Bevölkerung scheiterte. Konstantinopel wurde schnell zum Ziel der osmanischen Expansionspolitik und fiel nach einem ersten, erfolglosen Angriff im Jahre 1422 am 29. Mai 1453 nach knapp zweimonatiger Belagerung an Mehmed II. Die Stadt wurde geplündert, die Bevölkerung versklavt oder getötet. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI, fiel während der Kämpfe um die Stadt.

Der 29. Mai gilt auch heute noch bei den Griechen als Unglückstag; es begann die lange türkische Fremdherrschaft, während der nur die Religion als bindende Kraft blieb. Bis 1461 wurden auch die restlichen Städte - wie Trapezunt und Mistra - ebenfalls erobert. Das Byzantinische Reich, welches eines der langlebigsten der Weltgeschichte gewesen ist, war damit untergegangen.

Die Anfangs- und Enddaten der Unabhängigkeit der Hauptstadt, 395 und 1453, waren die ursprünglichen zeitlichen Grenzen des Mittelalters.

Das kulturelle Fortwirken von Byzanz

Das byzantinische Reich führte die Kultur und das Wissen der Antike bis ins späte Mittelalter fort und gab es nach seiner Eroberung an die islamische Welt weiter. Byzantinische Flüchtlinge brachten die alten Schriften der griechischen Philosophen in die italienischen Städte und lösten dort - zusammen mit dem etwa gleichzeitig erfundenen Buchdruck - die Renaissance aus. Am längsten bestand die byzantinische Kultur auf dem damals noch venezianischen Kreta fort, das erst 1669 von den Osmanen erobert werden konnte.

Bis heute wirkt die byzantinische Kultur fort in der östlich-orthodoxen Kirche. Durch byzantinische Missionsarbeit verbreitete sich das orthodoxee Christentum bei vielen slawischen Völkern und ist bis in die Gegenwart die vorherrschende Konfession in Osteuropa und Griechenland, wie auch in Teilen von Südosteuropa und Kaukasien, sowie bei den meisten arabischen Christen. Die byzantinische Kultur und Denkweise hat alle orthodoxen Völker tief geprägt.

Die slawischen Reiche auf dem Balkan und am Schwarzen Meer übernahmen neben der Orthodoxen Kirche auch profane byzantinische Bräuche. Vor allem Russland sollte das Erbe des Byzantinischen Reiches fortführen. Schon im 9. Jahrhundert kamen die Rus mit Byzanz in Kontakt, und in Folge entwickelten sich - trotz immer wiederkehrender Versuche von Seiten der Rus Konstantinopel zu erobern - intensive wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und der Kiewer Rus, die 988 zum Übertritt der Rus zum orthodoxen Glauben führten. In den folgenden Jahrhunderten wurden auf ostslawischem Gebiet zahlreiche prachtvolle Kirchen nach byzantinischem Vorbild gebaut, byzantinische Priester und Mönche brachten die kyrillische Schrift mit und machten die Russen mit rudimentärer griechischer Philosophie vertraut. Die russische Architektur und Kunst hat neben skandinavischen und slawischen vor allem byzantinische Wurzeln.

Nach dem Untergang des Byzantinischen Reichs übernahm dann das russische Moskowiterreich in vielen Teilen byzantinisches Zeremoniell. Der Patriarch von Moskau errang bald eine ähnlich prominente Stellung innerhalb der orthodoxen Kirche, wie vormals der Patriarch von Konstantinopel. Moskau sah sich bald als Drittes Rom in der Nachfolge Konstantinopels. Iwan III, Herrscher des Großfürstentums Moskau, heiratete die Nichte von Konstantin XI und übernahm den byzantinischen Doppeladler als Wappentier. Iwan IV, genannt "der Schreckliche", war der erste moskowitische Herrscher, der sich schließlich offiziell zum Zaren (Caesar) krönen ließ.

Die beinah kontinuierlich betriebene panslawistische Hegemonialpolitikpolitik Russlands kann in diesem Sinne als Fortwirken des römisch-byzantinischen Gedanken eines universalen Kaiserreichs interpretiert werden. Die russische Außenpolitik richtete sich vor allem gegen das Osmanische Reich und hatte bis in das 20. Jahrhundert hinein die Rückeroberung Konstantinopels für die orthodoxe Christenheit zum Ziel.

Zeittafel

Literatur

Allgemein sei auf die Byzantinische Zeitschrift als erste Informationsquelle hingewiesen.

Siehe auch

Weblinks


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