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Friedrich Ebert



''Dieser Artikel befasst sich mit dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Über seinen Sohn, der SED-Funktionär in der DDR war, siehe: Friedrich Ebert (Sohn).

Friedrich Ebert (* 4. Februar 1871 in Heidelberg, † 28. Februar 1925 in Berlin) war der erste Reichspräsident der Weimarer Republik.

Leben und politische Laufbahn

Ebert wurde am 4. Februar 1871 in Heidelberg geboren und erlernte zunächst das Sattler-Handwerk. 1889 in die SPD eingetreten wurde er zwei Jahre lang zum ständigen Umzug gezwungen, da er auf einer schwarzen Liste der Polizei stand. 1893 wird er Lokalredakteur der „Bremer Bürgerzeitung“ (die Zeitung der Sozialdemokraten in Bremen). Da er aber nicht über genügend finanzielle Mitte verfügt, um eine Familie zu gründen, gibt er die Anstellung bereits nach einem Jahr auf und pachtet eine Gastwirtschaft, in der er außerdem sozialpolitischer und gewerkschaftlicher Arbeit nachgeht.

Erste parlamentarische Erfahrung konnte er ab 1900 in der Frankfurter Bürgerschaft sammeln. 1912 zog er, nach einem großem Wahlerfolg für die SPD (27,7% der Stimmen), in den Reichstag ein, dem er bis 1918 angehörte. Im Jahre 1904 wurde er zum Präsident des Parteitages der SPD ernannt, neun Jahre später, am 20. September 1913, wird er nach dem Tode August Bebels zusammen mit Hugo Haase mit 433 von 473 Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt.

Am 9. November 1918 wurde er von Reichskanzler Prinz Max von Baden verfassungswidrig zum letzten Reichskanzler des Deutschen Reiches ernannt. Um seine noch schwache Machtbasis zu stärken, geht er ein Bündnis mit der USPD ein, mit der er am 10. November 1918 den Rat der Volksbeauftragten bildet. Den Vorsitz teilt er sich mit Hugo Haas. Um die Ausrufung einer Republik nach sowjetischem Vorbild zu verhindern und so schnell wie möglich eine verfassunggebende Nationalversammlung einzuberufen, kooperiert er außerdem mit der Obersten Heeresleitung. Den Niedergang der Monarchie, deren Fortbestand er als Grundlage für ein nach innen stabiles Reich hält, konnte er allerdings nicht verhindern.

Nachdem der Partei- und Fraktionsvorsitzende Hugo Haas aufgrund seiner strikten Ablehnung der Bewilligung der Kriegskredite zurücktritt, wird Ebert am 11. Januar 1916 außerdem zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Am 29. Dezember trat die USPD aus dem Rat der Volksbeauftragten aus, da die Gegensätze zwischen den unabhängigen Sozialdemokraten und der SPD zu groß wurden: Während Friedrich Ebert sich für eine Nationalversammlung einsetzte, die aus allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen hervorgeht, beabsichtigte die USPD so bald wie möglich eine sozialistische Republik (Räterepublik) zu errichten.

Von der seit dem 6. Februar tagenden Nationalversammlung wurde Ebert am 11. Februar 1919 zum Reichspräsident gewählt. Am 27. Oktober 1922 verlängerte der Reichstag seine Amtszeit mit verfassungsändernder Mehrheit bis 1925, ohne die eigentlich von der Verfassung vorgesehene Wahl durch das Volk.

Am 28. Februar 1925 starb Friedrich Ebert im Alter von nur 54 Jahren an einer verschleppten Blinddarmentzündung in Berlin; er wurde in Heidelberg beerdigt. Verantwortlich für seinen Tod wird auch eine hemmungslose Hetze rechtsextremer Journalisten gemacht. Die kaiserlich geprägte Justiz verurteilte die persönliche Herabwürdigung des Staatsoberhauptes mit Nachsicht.

Die 1925 gegründete sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung ist nach ihm benannt. Ebert galt bei gleichzeitig tiefer sozialdemokratischer Verwurzelung nicht als Befürworter von Klassenkampf oder Diktatur des Proletariats. Besonders umstritten war sein Entschluss, Freikorps einzusetzen, um die Revolten der frühen Weimarer Republik niederzuschlagen, bei denen Hunderte ehemaliger Sozialdemokraten sowie Kommunisten (unter ihnen die ehemaligen SPD-Mitglieder Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht) ums Leben kamen.1923 - im Jahr der Hyperinflation - verfügte er die Reichsexekution gegen die Volksfrontregierungen (gebildet aus SPD und KPD) in Sachsen und Thüringen.

In seinen späteren Jahren erwarb er sich so den Ruf der wichtigsten Stütze der jungen Republik. Aus der Sicht der deutschen Linken wird sein Bild durch sein Verhalten während dem Umbruch 1918/1919 negativ geprägt, wobei ihm Verrat an sozialistischen Idealen und Paktieren mit den "alten Kräften" (vor allem im Militär) vorgeworfen wird. Dem kann entgegengehalten werden, dass die Linke jenseits der SPD am Ende des Kaiserreichs Gewaltlösungen suchte, ohne das Ergebnis demokratischer Wahlen abzuwarten, die die Regierung unter Eberts Führung schon für den 19. Januar 1919 ausschrieb. Seine Anhänger sehen in Ebert ein Vorbild für demokratische Tugenden. Persönlich vollkommen integer und bei der Reaktion verhasst, hat sich der Sozialdemokrat Ebert vorbildlich im Dienst an Vaterland und Republik bewährt, denen er letztendlich sein Leben geopfert hat.

Weblinks

Reichskanzler der Weimarer Republik
Friedrich Ebert (als Volksbeauftragter) | Philipp Scheidemann | Gustav Bauer | Hermann Müller | Konstantin Fehrenbach | Joseph Wirth | Wilhelm Cuno | Gustav Stresemann | Wilhelm Marx | Hans Luther | Wilhelm Marx | Hermann Müller | Heinrich Brüning | Franz von Papen | Kurt von Schleicher | Adolf Hitler




     
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