WEB LEXIKON: Ein Blick zurück
Hauptseite | Aktueller Wikipedia-Artikel

Geschichte Südamerikas



Table of contents
1 Vor- und Frühgeschichte Südamerikas
2 Präkolumbische Zeit
3 Kolonialzeit
4 Entkolonialisierung
5 Geschichte der Nationalstaaten
6 Weblinks

Vor- und Frühgeschichte Südamerikas

Der archäologischen Theorie nach wanderten bereits um 40.000 v. Chr. über die damals trockene Beringstraße Stämme vom asiatischen Kontinent ein und besiedelten den amerikanischen Kontinent. Andere Vermutungen sagen, dass eine Einwanderung auch über den Seeweg erfolgte. Dies könnte von Sibirien aus über den Nordpazifik nach Nordamerika oder durch polynesische Seefahrer über den Stillen Ozean nach Südamerika geschehen sein. Auch Einwanderer aus Europa werden in manchen Theorien in Erwägung gezogen. Alle diese Thesen sind nicht bewiesen. Die Einwanderung erfolgte vermutlich in verschiedenen Wellen.

In Südamerika tauchen die ersten Spuren einer Bevölkerung zwischen 20.000 und 10.000 v. Chr. auf. Steinwerkzeuge und Klingen lassen sich in diesen Zeitraum einordnen. Höhlenmalereien in der Gegend um die Stadt Ayacucho in Peru und in den Lauricocha-Höhlen an der Quelle des Río Marañón stammen ebenfalls aus diesem Zeitraum. Der erste kultivierte Anbau von Kürbissen und Bohnen und die Züchtung von Lamas wird auf etwa 4.000 v. Chr. datiert.

Präkolumbische Zeit

Die ältesten Keramiken fand man in Ecuador im Guayas-Becken. Sie werden der Valdívia-Kultur zugeordnet und auf das 4. Jahrtausend v. Chr datiert. Diese älteste amerikanische Kultur brachte bereits eine städtische Organisation mit Kulten, Riten und Opfergaben hervor, zu einer Zeit in der sich auf der anderen Seite der Welt die Sumer-Kultur entwickelte und in Ägypten die geschichtlichen Aufzeichnungen begannen.

Die Stadt Caral wurde 1996 entdeckt und ist die älteste bekannte Stadt auf dem amerikanischen Kontinent. Die Stufenpyramide wurde 2001 auf das Jahr 2627 v. Chr datiert. Gefunden wurden Häuser für zumindest 3000 Menschen, Amphitheater und Tempelanlagen. Künstliche Bewässerungssysteme sorgten für Fruchtbarkeit inmitten des Wüstengebietes. Weitere Funde beweisen, dass die Bevölkerung Handel mit den Küsten- und Amazonasgebieten trieben.

Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr entwickelten sich einzelne lokale Kulturen in ganz Südamerika. An der Küste Ecuadors entstand um 1600 v. Chr die Machalilla-Kultur. Sie führten in den Anden die weit verbreiteten Keramikgefässe mit Henkel ein, die noch bei den Chavín, Mochica und Chimú zu finden sind.

Die nachfolgende Chorrera-Kultur stellten um die Zeit von 1200 bis 500 v. Chr Keramiken in Menschen- und Tiergestalt her. Ihre Häuser wurden um einen großen Platz gruppiert und auf künstlichen Aufschüttungen erbaut. Mit den Chavín trieben sie einen regen Handel.

Zwischen 1000 v. Chr und 500 v. Chr wanderten die Arawaken den Orinoco entlang, bis sie sich am Delta niederließen. Sie kannten keine Keramik, verfügten über Kanus und lebten von Fischfang, der Jagd und vom Anbau von Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Kürbisse und Maniok. Bereits bekannt waren auch Erdnüsse, Pfeffer, Ananas, Tabak und Baumwolle. Nach der Entdeckung durch die Spanier fielen sie binnen eines Jahrhunderts Seuchen zum Opfer.

Die früheste, heute noch erkennbare Hochkultur, war die der Chavín, die etwa 800 v. Chr bis 300 v. Chr existierte. Die Motive zur Olmeken-Kultur, Raubkatze, Vogel und Schlange, legen eine Verbindung nahe. Die bis heute erhaltenen Ruinen sind Anziehungspunkt für den Tourismus im Norden Perus. In den selben Zeitrahmen fällt die Paracas-Kultur in der Gegend um die peruanische Hauptstadt Lima. Bis heute weiß niemand, ob eine eigene Kultur existierte oder die Toten wegen der trockenen, konservierenden Luft von weit her herangeschafft wurden.

In Kolumbien existierte die Herrera-Kultur im Hochland von Bogotá und die Calima-Kultur an der Westseite der Anden. Ihr Zeitraum wird etwa zwischen dem 4. Jahrhundert v. Chr bis 2. Jahrhundert n. Chr. eingeschätzt.

Ab dem 4. Jahrhundert wurden umfangreiche Grabanlagen von der San Agustín-Kultur angelegt und bis zum 7. Jahrhundert Geländeverformungen, vermutlich zu rituellen Gründen, durchgeführt. Die Wurzel der Kultur reichen bis zum 7. Jahrtausend v. Chr zurück. Handel wurde sowohl mit den Küsten- als auch den Amazonasbewohnern geführt.

Um den Titicacasee entwickelte sich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Ob es tatsächlich ein Tiahuanaco-Reich gegeben hat, ist nicht geklärt. Die Spuren dieser Kultur sind aber in Peru, Bolivien und dem Norden Chiles zu bemerken. Im engen Zusammenhang dürfte die Wari-Kultur stehen, die viel später um die Stadt Ayacucho existiert hat.

Zwischen 300 v. Chr und 600 n. Chr. fällt die Nazca-Kultur, die geheimnisvolle Linien in den Küstenboden scharrten und bereits Bewässerungskanäle kannten. Benannt wurde diese Kultur nach der nahegelegenen Stadt Nazca, etwa 500 km südlich von Lima.

Ab dem 1. Jahrhundert existierte im Norden die Mochica-Kultur, die im Wüstenstreifen an der Pazifikküste eine ertragreiche Landwirtschaft mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen betrieb. Sowohl die Keramik als auch die Metallverarbeitung waren hoch entwickelt. Neben Gold und Silber wurde auch Kupfer verarbeitet. Die Mochica hatten mehrere Fürstentümer, die Kultur verschwand aber im 7. Jahrhundert, vermutlich infolge eines El Niño-Ereignisses.

Danach entwickelten sich die Chimus in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um Trujillo in Peru. Ihre Fähigkeiten im Kunsthandwerk waren weniger ausgeprägt als bei den Mochica. Sie legten mehr Wert auf Massenproduktion und Nutzgegenstände.

Am Ostrand der Anden lebten von 800 bis 1600 die Chachapoyas. Von ihnen ist nur sehr wenig bekannt. Das kriegerische Volk war hochgewachsen, hellhäutig und blond. Die Überbleibsel ihrer Kultur sind völlig untypisch für südamerikanische Andenvölker. Berühmt sind die Felsengräber, die sie an hohen Steilklippen hinterlassen haben. Im 16. Jahrhundert verschwanden die Chachapoyas spurlos.

Ab etwa 1200 bis 1532 herrschten die Inka über große Teile Südamerikas und schufen eine riesiges Reich. Durch die Ankunft der spanischen Eroberer wurde dem ein jähes Ende gesetzt.

Kolonialzeit

Eroberung

Bereits 1494 wurde Südamerika im Vertrag von Tordesillas von Papst Alexander VI zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Der östliche Teil, große Teile des heutigen Brasilien, wurde Portugal zugesprochen. Panama und der Rest des Kontinents fiel an Spanien. Die spanische Eroberung erfolgte von Mittelamerika und aus der Karibik, auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland El Dorado. Die Geschichte und Besiedelung des portugiesischen Teiles befindet sich in der Geschichte Brasiliens.

Die ersten Siedlungen der spanischen Einwanderer entstanden bereits um 1520 im heutigen Venezuela, Kolumbien und Argentinien. Angetrieben durch die reichen Goldquellen in Mexiko, erkundete Francisco Pizarro von Panama aus die Pazifikküste Südamerikas für die spanische Krone, auf der Suche nach Reichtümern. Dabei gelangte er im Jahr 1526 ins heutige Ecuador und Peru. In den beiden Jahren 1532/1533 verstand er es die Wirren des Bruderkrieges zwischen den Inka Huáscar und Atahualpa auszunutzen und unterwarf das riesige Inkareich. Zu Hilfe kamen ihm dabei die von den Einwanderern mitgebrachten Krankheiten, die auf die ursprüngliche Bevölkerung verheerende Folgen hatten.

Verwaltung

Bis etwa 1500 war Christoph Kolumbus oberste Autorität in der Neuen Welt. Erst mit der Stabilisierung des riesigen Reiches und der Gründung des Vizekönigreiches Neuspanien (Mexiko und Venezuela) und des Vizekönigreiches Peru (spanischer Teil von Südamerika und Panama) im Jahr 1543, mit Lima als Hauptstadt, gab es zwei Vertreter des Königs auf dem Kontinent. Der Vizekönig von Peru galt wegen der Silbervorkommen in Potosi als höhergestellt. Das Reich wurde in Provinzen eingeteilt, dem jeweils ein Gouverneur mit administrativen und richterlichen Befugnissen vorstand.

In Europa wurden eigene Institutionen für die Verwaltung der überseeischen Gebiete eingerichtet. Sie entwarfen Gesetze und übernahmen politische Aufgaben. Im Cedulario Indiano, der damals wichtigsten Referenz über die Gesetze in den neuen Gebieten, stehen etwa 3.500 Gesetze.

Ein wichtiges Mittel zur Kolonialisierung war die Gründung von Städten. Sie dienten der Festigung von Machtansprüchen. Zuerst nur gegenüber der indianischen Bevölkerung gedacht, dienten sie später auch gegenüber den Ansprüchen anderer europäischen Mächte. Jede Gründung wurde genau kontrolliert. Verwaltet wurden sie von einem Stadtrat, der sich aus zwei Stadtrichtern und Ratsmännern zusammensetzte. Darüber hinaus setzte der spanische König jeweils eine Person ein, die ihm direkt unterstellt war und die Aufgabe hatte, Ordnung und königliche Autorität herzustellen.

1717 lösten sich Ecuador, Kolumbien und Venezuela aus dem Vizekönigreich Peru und bildeten das Vizekönigreich Neugranada. Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay folgten 1776 diesem Beispiel und schafften das neue Vizekönigreich des Río de la Plata.

Bevölkerungsveränderung

Erst die Inka, mit ihrer straff organisierten Infrastruktur, hatten es den Spaniern möglich gemacht, binnen kurzer Zeit das riesige Reich unter ihre Herrschaft zu bringen und die Verhältnisse nach ihren Interessen umzuformen. Kleinere Kulturen, deren Formen auf Verwandtschaftsregeln basierten, wie es sie etwa im südlichen Chile und in Argentinien gab, konnten infolge fehlender zentralistischer politischer Organisation nie unter die Kontrolle des Kolonialregimes gebracht werden. Im Gegenzug kam es aber zur Aneignung von Agrartechniken, Anbaupflanzen und vor allem des Pferdes bei den indianischen Stämmen.

Bei den vielen unterschiedlichen Völkern im Amazonasbereich begrenzte sich der Kontakt auch wegen der dünnen Besiedlung eher auf Handels- und Missionszweck. In den Steppen und Savannen Paraguays, Nordargentiniens und im östlichen Teil Boliviens lebten nomadische Jäger und Sammler in Gruppen mit kaum mehr als 100 Personen. Der Kolonialisierung stand hier mehr die Verdrängung und die Ausrottung durch Krankheiten gegenüber.

Nach der spanischen Eroberung war der Bevölkerungrückgang der Indianer dramatisch hoch. Die Gründe dafür lagen an den eingeschleppten Krankheiten, den kriegerischen Ereignissen, den Todesfällen durch die Sklaverei der Indios und an der Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Durch den großflächigen Anbau von Zuckerrohr blieb kein Platz für die ursprünglichen Produkte. Die Anbauflächen verminderten sich durch die eingeführten Weidetiere und zugleich erhöhte sich dadurch die Bodenerosion. Der Arbeitskräftemangel führte zur Einfuhr von schwarzen Sklaven aus Afrika.

Durch die Vermischung der verschiedenen Rassen bildete sich schließlich eine Art Klassengesellschaft, an deren oberster Stelle die spanischen Einwanderer, gefolgt von ihren Nachfahren, den Kreolen, standen. Die unterste und ärmste Schicht setzte sich aus Indios und Schwarzen zusammen.

Auswirkungen der spanischen Großmachtpolitik

Aufgrund der zahlreichen militärischen Unternehmungen benötigte das Mutterland enorme finanzielle Mittel, die die amerikanischen Besitzungen in Form von Gütern, Gold und Silber lieferten. Die spanischen Könige wurden dadurch unabhängiger von den Ständen im eigenen Land, was den Habsburgern durchaus entgegenkam. Karl V verbrauchte alleine für seinen Tunis-Feldzug knapp 3 Milliarden Dukaten, die die neue Welt aufbringen musste. Die Nachfolger folgten seinem Beispiel. Ab dem 17. Jahrhundert nahmen die Geldlieferungen aus der neuen Welt ständig ab, was einherging mit dem Niedergang Spaniens als Hegemonialmacht in Europa.

Die Kolonialisierung Südamerikas ging zu Kosten der dortigen Bevölkerung unter Verlust von Menschen und Kulturen, während in Europa die Großmachtpolitik Spaniens nie ohne die Mittel aus der neuen Welt möglich gewesen wäre.

Entkolonialisierung

Angeregt durch die Französische Revolution und die Unabhängigkeit der britischen Kolonien in Nordamerika entwickelte sich die Auflehnung gegen das spanische Mutterland. Die Forderung nach Unabhängigkeit wurde 1809 in Quito und 1811 in Caracas artikuliert, aber von Spanien abgelehnt. Darauffolgende Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. 1813 siegten Aufständische in Caracas unter dem Anführer Simón Bolívar.

Im Süden erkämpfte bereits 1816 das Heer der Vereinigten Provinzen unter dem Anführer José de San Martín die Unabhängigkeit Argentiniens. José de San Martín verbündete sich mit dem chilenischen Freiheitskämpfer Bernardo O'Higgins. Durch zahlreiche Schlachten in den Jahren 1817/1818 erreichten sie die Unabhängigkeit Chiles. 1819 besiegte die Armee unter Simón Bolívar die Spanier in der Schlacht von Boyaca und befreite damit Kolumbien. Die Unabhängigkeit Ecuadors wurde 1822 in der Schlacht am Pichincha durchgesetzt. Die Heere von San Martín und Simón Bolívar vereinigten sich und gewannen die letzte große Entscheidungsschlacht bei Ayacucho in Peru am 9. Dezember 1824. Mit dieser Schlacht war der Rückzug der Spanier vom südamerikanischen Kontinent besiegelt.

Nach der Loslösung vom Mutterland Spanien versuchte Simón Bolívar eine Konföderation Großkolumbien zu schaffen. Das Bündnis umfasste die Staaten Venezuela, Kolumbien und Ecuador. Kurzzeitig schlossen sich Peru und Bolivien dem Bündnis an. Aber bereits 1832 zerfiel die Konföderation endgültig und es bildeten sich die heutigen Nationalstaaten.

Geschichte der Nationalstaaten

Weblinks

Siehe auch: Südamerika, Portal Südamerika



     
Das Web Lexikon "Ein Blick zurück" bietet die Moeglichkeit auf einfache Art und Weise in den "alten" Wikipedia-Beiträgen zu blättern. Das Lexikon spiegelt den Stand der freien Wikipedia-Enzyklopädie vom August 2004 wider. Sie finden hier in rund 120.000 Artikel aus dieser Zeit Informationen, Erklärungen, Definitionen, Empfehlungen, Beschreibungen, Auskünfte und Bilder. Ebenso kommen Begriffserklärung, Zusammenfassung, Theorie, Information, Beschreibung, Erklärung, Definition und Geschichte nicht zu kurz. Ein Lexikon das Auskunft, Bericht, Hinweis, Bedeutung, Bild, Aufklärung, Darstellung und Schilderung zu unterschiedlichsten Themen kompakt auf einer Seite bietet.
Impressum ^ nach oben ^