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Vertrag von Tordesillas



Der Vertrag von Tordesillas kam 1494 auf Betreiben von Papst Alexander VI zwischen den damals vorherrschenden Seemächten Portugal und Spanien zustande. Er sollte eine bewaffnete Konfrontation zwischen diesen beiden damals bedeutendsten katholischen Mächten verhindern, indem er die Welt in eine portugiesische und eine spanische Hälfte aufteilte.

Portugal wollte damit die Kontrolle des Seeweges nach Indien entlang der afrikanischen Küste behalten, speziell ging es darum, den einträglichen Gewürzhandel im pazifischen Raum zu sichern und die Afrika-Route von spanischen Einflüssen freizuhalten. Spanien dagegen wollte sich die Kontrolle und die Rechte über die erst kürzlich von Christoph Columbus entdeckten Länder im Westen (das für Indien gehaltene Amerika) sichern.

Bereits 1481 wurden in der päpstlichen Bulle Aeterni regis alle Gebiete südlich der Kanarischen Inseln den Portugiesen zugesprochen. Im Mai 1493 legte Papst Alexander VI. (Rodrigo Borgia) in der Bulle Inter caetera eine Trennlinie fest, die bei 100 Leguas (ca. 480km) westlich der Kapverdischen Inseln in Nord-Süd Richtung von Pol zu Pol durch den Atlantischen Ozean verlief. Alle Territorien, die westlich dieser bei etwa 38°W verlaufenden Linie lagen (Amerika), wurden den spanischen Königen und ihren Erben zugesprochen, alle Gebiete östlich davon (Afrika und Asien) fielen an die Portugiesen. Dagegen erhob der portugiesische König Johann II Einspruch. In zähen Verhandlungen gelang es den Portugiesen unter ihrem Verhandlungsführer, dem Geographen, Astronomen und Seefahrer Duarte Pacheco Pereira, diese Linie auf 370 spanische Leguas (ca. 1770 km) westlich der Kapverdischen Inseln zu verschieben. Diese neue Grenzlinie entsprach einer Länge von 46° 37' West, die es den Portugiesen später erlaubte, die östlich dieser Linie gelegenen Gebiete Brasiliens zu kolonisieren. Der Vertrag von Tordesillas wurde am 7. Juni 1494 abgeschlossen, und sehr zügig am 2. Juli von Spanien und am 5. September von Portugal ratifiziert.

Einige Historiker vermuten, dass den Portugiesen wahrscheinlich Teile des brasilianischen Küstenverlaufes bekannt gewesen waren, und sie deshalb so beharrlich auf die Verlegung der vereinbarten Trennungslinie weiter nach Westen bestanden. Die Hauptmeinung der Forscher geht jedoch weiterhin von der Unkenntnis des brasilianischen Küstenverlaufes aus, da bisher keine gegenteiligen Beweise vorgelegt werden konnten.

Der Wortlaut des Vertrages wurde entsprechend der jeweiligen Interessen unterschiedlich interpretiert. Ein wichtiger Streitpunkt war, ob der Messpunkt auf der östlichsten oder der westlichsten der Kapverdischen Inseln lag (ca. 60 Leguas bzw. 290 km Unterschied). Darüber hinaus hatte die spanische Legua eine andere Länge als die portugiesische, die wiederum in eine alte und eine neue Legua unterteilt werden konnte.

Beide Mächte beanspruchten z.B. die Molukken (wichtige Gewürzinseln) als in ihrem Bereich gelegen. Nach neuen Verhandlungen wurde im Vertrag von Zaragossa 1529 festgelegt, dass die Trennlinie 297,5 Leguas westlich der Molukken verlaufe.

Darüber hinaus versteht es sich fast von selbst, dass die anderen großen Seemächte wie England, Frankreich oder Holland diesen Vertrag nicht anerkannten.

1750 wurde die inzwischen durch die Realitäten ohnehin gegenstandslos gewordene Demarkationslinie durch einen neuen Vertrag, den Vertrag von Madrid, aufgehoben.

Siehe auch: Geschichte Portugals, Zeittafel der Geschichte Portugals, Geschichte Spaniens




     
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