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Geschichte Perus



Table of contents
1 Urzeit
2 Vorkoloniale Kulturen
3 Kolonialzeit
4 Unabhängigkeitszeit

Urzeit

Der archäologischen Theorie nach wanderten bereits um 40.000 v. Chr. über die damals trockene Beringstrasse Stämme vom asiatischen Kontinent ein und besiedelten den amerikanischen Kontinent. Die Einwanderung in Südamerika erfolgte demnach etwa 20.000 bis 10.000 v. Chr. Jedenfalls stammen aus diesem Zeitraum die Höhlenmalereien in der Gegend um die Stadt Ayacucho und den Lauricocha-Höhlen an der Quelle des Rio Marañón, die 1957 gefunden wurden. Etwa 4.000 v. Chr. begann der erste kultivierte Anbau von Kürbissen und Bohnen. In denselben Zeitrahmen fällt die Züchtung von Lamas.

Vorkoloniale Kulturen

Die Stadt Caral wurde 1996 entdeckt und ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent. Die Stufenpyramide wurde 2001 auf das Jahr 2627 v. Chr datiert. Gefunden wurden Häuser für zumindest 3000 Menschen, Amphitheater und Tempelanlagen. Künstliche Bewässerungssysteme sorgten für Fruchtbarkeit inmitten des Wüstengebietes. Weitere Funde beweisen, dass die Bevölkerung Handel mit den Küsten- und Amazonasgebieten trieben.

Die früheste, heute noch erkennbare Hochkultur, war die der Chavin, die etwa 800 v. Chr bis 300 v. Chr existierte. Die Motive zur Olmeken-Kultur, Raubkatze, Vogel und Schlange, legen eine Verbindung nahe. Die bis heute erhaltenen Ruinen sind Anziehungspunkt für den Tourismus im Norden Perus. In denselben Zeitrahmen fällt die Paracas-Kultur in der Gegend um die Hauptstadt Lima. Bis heute weiß niemand, ob eine eigene Kultur existierte oder die Toten wegen der trockenen, konservierenden Luft von weit her herangeschafft wurden.

Um den Titicacasee entwickelte sich ab dem 1. Jahrhundert v. Chr bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Ob es tatsächlich ein Tiahuanaco-Reich gegeben hat ist nicht geklärt. Die Spuren dieser Kultur sind aber in Peru, Bolivien und dem Norden Chiles zu bemerken. Im engen Zusammenhang dürfte die Wari-Kultur stehen, die viel später um die Stadt Ayacucho existiert hat.

Zwischen 300 v. Chr und 600 n. Chr. fällt die Nazca-Kultur, die geheimnisvolle Linien in den Küstenboden scharrten und bereits Bewässerungskanäle kannten. Benannt wurde diese Kultur nach der nahe gelegenen Stadt Nazca, etwa 500 km südlich von Lima.

Ab dem 1. Jahrhundert existierte im Norden die Mochica-Kultur, die im Wüstenstreifen an der Pazifikküste eine ertragreiche Landwirtschaft mit ausgeklügelten Bewässerungssystemen betrieb. Sowohl die Keramik als auch die Metallverarbeitung waren hoch entwickelt. Neben Gold und Silber wurde auch Kupfer verarbeitet. Die Mochica hatten mehrere Fürstentümer, die Kultur verschwand aber im 7. Jahrhundert, vermutlich infolge eines El Niño-Ereignisses.

Danach entwickelten sich die Chimus in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um Trujillo. Ihre Fähigkeiten im Kunsthandwerk waren weniger ausgeprägt als bei den Mochica. Sie legten mehr Wert auf Massenproduktion und Nutzgegenstände.

Am Ostrand der Anden lebten von 800 bis 1600 die Chachapoyas. Von ihnen ist nur sehr wenig bekannt. Berühmt sind die Felsengräber, die sie an hohen Steilklippen hinterlassen haben. Im 16. Jahrhundert verschwanden die Chachapoyas spurlos.

Die bekannteste Kultur (ca. 1200 - 1532) ist die der Inka, deren militärischen und organisatorischen Fähigkeiten ein riesiges Reich geschaffen hatte. Dieses Reich war bei der Ankunft der Spanier allerdings zutiefst gespalten - es herrschte Bürgerkrieg zwischen den Brüdern Atahualpa (Sitz in Quito) und Huascar. Das Reich fand durch die Eroberung von Francisco Pizarro ein Ende.

Kolonialzeit

Im April
1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen Küste, nahm den Inka-Herrscher Atahualpa gefangen und ließ ihn am 29. August 1533 hinrichten. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne nennenswerten Widerstand übergeben wurde. Er setzte den jüngeren Bruder Huáscars, Manco Cápac II als Inka ein, der 1536 einen knapp gescheiterten Aufstand wagte. Pizarro hatte für die spanische Krone damit das Inkareich erobert und König Karl I., auch bekannt als deutsch-römischer Kaiser Karl V konnte von sich behaupten: "In meinem Reich geht die Sonne niemals unter." Pizarro gründete am 18. Januar 1535 die heutige Hauptstadt Lima. Nach Zwistigkeiten mit seinem Kampfgefährten Almagro, den er 1538 hinrichten ließ, wurde er am 26. Juni 1541 in seinem Palast in Lima ermordet.

Die Spanier gründen 1543 das Vizekönigreich Peru mit Lima als Hauptstadt, dass Neu-Granada, die heutigen Länder Ecuador, Kolumbien und Venezuela, sowie Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay umfasste. Wegen des Reichtums an Edelmetallen (vor allem die Silberminen von Potosi) war das Vizekönigreich für die spanische Krone von großer Bedeutung. Im Jahr 1570 wurde die Inquisition eingeführt. Wegen eines angeblichen Indioaufstandes ließ der Vizekönig den eingesetzten Inka Túpac Amaru, der Sohn von Manco Cápac II., am 24. September 1572 hinrichten.

Das folgende Jahrhundert war gekennzeichnet durch den totalen Niedergang der Indianer. Ihre Anzahl sank durch Infektionskrankheiten und Frondienste von geschätzten 10 bis 15 Millionen auf etwa 800.000. Mit den Eroberern kamen auch andere Völker in das neue Vizekönigreich. Portugiesen und Italiener versuchten für ihre Länder einen Handel aufzubauen. Sie waren dabei so erfolgreich, dass der Vizekönig um seinen Reichtum fürchtete und die Inquisition auf den Plan rief, der sie bis 1635 zum Opfer fielen. Damit war der Handel wieder in spanischer Hand.

Lima wurde von den Spaniern zur Prachtstadt ausgebaut und als Stadt der Könige bezeichnet. Im ganzen Land wurden 50.000 Kirchen und 400 Klöster errichtet, die durch die Mitwirkung indianischer Steinmetze und Künstler einen eigenen Stil erhielten. Durch den enormen Bedarf an Kunstwerken mussten auch die Indianer in die Geheimnisse von Pinsel und Palette eingeweiht werden.

Das Gebiet der heutigen Länder Ecuador, Kolumbien und Venezuela wurde 1739 vom Vizekönigreich Peru herausgelöst und als Vizekönigreich Neu-Granada konstituiert. Ebenso verfuhr man mit dem Gebiet des heutigen Bolivien, Chile, Argentinien und Paraguay 1776 und schuf das neue Vizekönigreich des Río de la Plata. Die Autorität des spanischen Vizekönigs verfiel mehr und mehr. 1780 erhob sich der Indianer José Condorcanqui gegen die fremde Herrschaft und ernannte sich unter dem Namen Tupac Amaru II. selbst zum Inkakaiser. Neun Monate lang wurde La Paz belagert bevor der Aufstand niedergeschlagen wurde. Ein weiterer Aufstand erfolgte im Jahr 1814 und wurde ebenfalls blutig beendet. Überall im Land gärte und brodelte es gegen die Spanier bis Hilfe von den benachbarten Ländern eintraf.

Unabhängigkeitszeit

Ab 1809 bildeten sich überall in Südamerika Unabhängigkeitsbewegungen, deren bedeutendste Führer der Argentinier José de San Martín, der Venezolaner Simón Bolívar und José de Sucre waren. Zwischen 1817 und 1825 führten sie zahlreiche Schlachten gegen die Spanier. Aus Chile wurden sie von Lord Cochrane tatkräftig unterstützt und besiegten in der entscheidenden Schlacht von Ayacucho die Spanier. 1824 wurde Peru unabhängig. Nach dem Rückzug von San Martín aus der Politik wurde Simón Bolívar zum Diktator ernannt. 1825 trennt sich als selbstständige Republik Bolivien von Peru ab.

In der nachfolgenden Zeit wurden Präsidenten willkürlich ein- und abgesetzt. Rebellionen und Bürgerkriege verhinderten die Entwicklung eines modernen Staates. Nach außen hin gab es ständig Differenzen und Kriege mit den Nachbarstaaten. Der bolivianische Diktator Andrés Santa Cruz marschierte 1836 in Lima ein und vereinigte die beiden Länder. Diese Vereinigung zerbrach beim Sturz von Santa Cruz 1839 bei einem Konflikt mit Chile. Mit Spanien geriet Peru 1866 in kriegerische Auseinandersetzungen. Im Salpeterkrieg (1879 bis 1884) verbündete sich das Land mit Bolivien gegen Chile. Nach der Niederlage verlor Bolivien seinen Meerzugang und das salpeterreiche Atacamagebiet und Peru die südlichen Provinzen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen sich drei Gruppen gegenüber: Die Militärs, die Oligarchie und die 1924 gegründete Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA). Die APRA war eine Massenbewegung, die die Interessen der sozialen Unterschicht (vorwiegend Indios) vertrat und gegenüber der herrschenden Oberschicht durchzusetzen versuchte. In verbissenen parlamentarischen und außerparlamentarischen Kleinkriegen bekämpften sie sich und stellten abwechselnd die Präsidenten. Im Chacokrieg gegen Ecuador 1941 bis 1942 eroberte Peru Teile des Amazonasgebietes.

Nach 1945 war neben der inneren Konsolidierung zur Demokratie die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA das Hauptproblem. Die verschiedenen Koalitionen und ihre Politik verwässerten notwendige Reformen um der Opposition keinen Anlass zu geben. Als die USA die Wirtschaftshilfe einstellte und ein Bestechungsskandal zugunsten einer amerikanischen Erdölgesellschaft aufgedeckt wurde, putschte das Militär gegen Präsident Belaúnde Terry am 3. Oktober 1968 und übernahm die Macht. Die Militärjunta versuchte ein sozialistisches System zu stabilisieren. Der verarmten indianischen Bevölkerung sollte durch Boden- und Wirtschaftreformen geholfen werden. Dabei wurden die Ländereien neu eingeteilt oder in Genossenschaften umgewandelt. Erdbeben, schlechte Ernten und Misswirtschaft führten zu einem wirtschaftlichen Chaos.

1979 liessen die Militärs eine neue Verfassung ausarbeiten und am 18. Mai 1980 fanden die ersten freien Wahlen statt. Belaúnde Terry wurde am 28. Juli 1980 als Präsident der Republik Peru für 5 Jahre in das Amt eingeführt. Die verstaatlichten Unternehmen, Banken, Zeitungen und Fischereibetriebe wurden in Privatbesitz übergeben.

Ab 1982 begann die linksgerichtete Guerilla-Gruppe Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) mit wachsender Aktivität einen blutigen Krieg gegen die Staatsgewalt. Über die Provinz Ayacucho wurde der Ausnahmezustand verhängt. Die Gruppe brachte ein Viertel des Landes unter seine Kontrolle. In abgelegenen Regionen des Berglandes kam es zu zahlreichen Massakern an der Landbevölkerung. Sowohl die Guerillas, wie auch das Militär bestrafte damit die Zusammenarbeit der Dorfbewohner mit dem jeweils anderen Gegner.

Zwischen 1985 und 1990 führte die Misswirtschaft unter Präsident Alán García Pérez zu einer Hyperinflation. Betroffen über die Korruption, der zunehmenden Bedrohung durch den Sendero Luminoso und der wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes wählte die Bevölkerung den unbekannten Alberto Fujimori 1990 zum Präsidenten. Ihm gelang es die Inflation innerhalb von zwei Jahren von 7500% auf 140% zu senken und zahlreiche wirtschaftliche Reformen durchzusetzen. Staatsbetriebe wurden wieder privatisiert. Er schuf günstige Bedingungen für ausländische Investoren.

Am 5. April 1992 löste Fujimori nach einem vom Militär gebilligten Staatsstreich das Parlament auf und die Verfassung außer Kraft. Er ließ eine neue, auf ihn zugeschnittene Verfassung ausarbeiten, die am 29. Dezember 1993 in Kraft trat. 1995 wurde Fujimori neuerlich Präsident. Noch im selben Jahr am 9. April überfielen linksgerichtete Rebellen die Residenz des japanischen Botschafters in Lima und nahmen die Personen als Geiseln. Eliteeinheiten der Armee stürmten am 22. April 1997 die Residenz und befreiten 71 der 72 Geiseln.

Die Wiederwahl Fujimoris zum Präsidenten im Jahr 2000 führte zu heftigen Protesten im ganzen Land. Seiner Partei wurde Wahlbetrug vorgeworfen. Nach einem zusätzlichen Bestechungsskandal ließ er Neuwahlen ausrufen, bei denen er zwar antrat, aber kurz vorher aus dem Land flüchtete und sich nach Japan absetzte.

Alejandro Toledo gewann im Juli 2001 die Wahlen zur Präsidentschaft. Er ist das erste Staatsoberhaupt indianischer Herkunft. Toledo versuchte die vergangenen Gesetzesverletzungen aufzurollen und unabhängige Gerichte einzusetzen. Seine Popularität beim Volk hat während der letzten Jahre abgenommen, nicht zuletzt weil Skandale und Korruption zum Vorschein gekommen sind. Im Mai 2003 streikten Bauern und Lehrer und errichteten landesweit Straßenblockaden. Toledo rief den Ausnahmezustand aus und beauftragte die Armee die Ordnung in den 12 Departments des Landes wiederherzustellen. Seither wurde der Ausnahmezustand nur in wenigen Bereichen zurückgenommen.




     
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