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Geschichte Paraguays



Table of contents
1 Spanische Kolonialzeit (15 bis 18. Jahrhundert)
2 Verheerende Kriege (1800 bis 1950)
3 Neuzeit (seit 1950)

Spanische Kolonialzeit (15 bis 18. Jahrhundert)

1537 gründen Spanier am Río Paraguay (bedeutet auf Guaraní Papageienfluss) die Stadt Nuestra Señora Santa María de la Asunción, die heutige Hauptstadt Paraguays. Jesuiten beginnen im Auftrag der spanischen Krone mit der Christianisierung der Guaraní-Indianer.

1543 wird das Gebiet des heutigen Paraguay dem spanischen Vizekönigreich Perú angegliedert. Gouverneur der Kolonie wird Domingo Martínez de Irala, der die Verschmelzung zwischen spanischen Einwanderern und den Guaraní fördert. Er selbst geht mit "gutem Beispiel" voran, nimmt sich 70 Guaraní-Frauen, mit denen er unzählige Kinder in die Welt setzt. Die aus diesen Verbindungen hervorgehenden Mestizen zählen sich selbst zur weißen Oberschicht und unterdrücken die Guaraní zunehmend.

1604 wird die erste von später rund 30 "Jesuitenreduktionen" gegründet. Dies sind Dorfgemeinschaften für bis zu 10.000 Guaraní, zu denen Mestizen und weiße Siedler keinen Zugang haben. Offiziell untersteht dieser "Jesuitenstaat" zwar der spanischen Oberherrschaft, besitzt jedoch eine eigene Verwaltung und ist nach außen hermetisch abgeriegelt. Die Guaranì sind ein fleissiges Bauernvolk, das das Land kennt, und so produzieren sie bald große landwirtschaftliche Überschüsse. Dieser Erfolg ist den spanischen Kolonialherren ein Dorn im Auge, die deshalb nichts gegen Übergriffe von Sklavenjägern unternehmen. Die Konflikte zwischen Jesuiten und Kolonisten spitzen sich immer mehr zu, bis 1767 die Reduktionen geschlossen und die Jesuiten auf Befehl des spanischen Königs aus Mittel- und Südamerika vetrieben werden.

1776 wird Paraguay dem neu gegründeten spanischen Vizekönigreich des Río de la Plata (mit dem heutigen Argentinien und Bolivien) angegliedert.

Verheerende Kriege (1800 bis 1950)

Im Zuge der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen erklärt auch Paraguay am 14. Mai 1811 seine Unabhängigkeit von Spanien und Argentinien. Diese wird am 25. August 1813 durch Spanien anerkannt. Ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangener Kongreß ruft die Republik aus (República del Paraguay). An die Regierungsspitze kommen José Gaspar Rodríguez de Francia und Fulgenico Yegros.

1814 wird die Regierungsform in eine Präsidialrepublik umgewandelt, und Gaspar Rodríguez de Francia übernimmt die alleinige Macht in Paraguay. Zur Bildung einer "Einheitsrasse" erläßt er ein Gesetz, das den weißen Siedlern eine Heirat mit einer/einem Guaraní vorschreibt. Obwohl er das Land bis zu seinem Tode im Jahre 1840 mit eiserner Faust regiert und die Grenzen zu den Nachbarländern schließt, erreicht Paraguay in den nächsten drei Jahrzehnten einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung (überwiegend Agrarwirtschaft).

1844 übernimmt Carlos Antionio López, ein Neffe von Ex-Diktator Francia, die Macht in Paraguay. Er baut eine schlagkräftige Armee auf und öffnet die Grenzen zu den Nachbarländern. Dies führt zu einem weiteren Wirtschaftswachstum des Landes. Nach seinem Tod 1862 übernimmt sein Sohn Francisco Solano López die Macht in Paraguay. Einwanderungen werden gefördert, Paraguay wird zu einem der wirtschaftlich erfolgreichsten und stärksten Länder Lateinamerikas.

Obwohl nach dem Friedensschluss eine liberale Verfassung verabschiedet wird, bleibt die politische Lage instabil. Wechselnde Diktaturen und häufige Staatstreiche sowie teilweise bürgerkriegsähnliche Unruhen zwischen den konservativen "Colorados" (Rote) und den liberalen "Azules" (Blaue) verhindern einen effektiven Wiederaufbau des Landes. Dennoch kommt es gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder zu verstärkter Einwanderung insbesonderer deutschstämmiger Siedler.

Am 15. August 1912 wird Eduardo Schaerer Staats- und Regierungschef Paraguays (bis 1916). Ihm gelingt es, die innenpolitische Lage zu stabilisieren und den Aufbau der brachliegenden Wirtschaft einzuleiten.

In den 20er Jahren wandern Mennoniten aus Russland, Kanada und Mexiko ein und gründen vor allem im unwirtlichen Gran Chaco erfolgreiche Kolonien. Im so genannten Chacokrieg (1932 - 1935) gegen Bolivien gewinnt Paraguay zwar einen großen Teil des Gran Chaco-Gebietes, in dem irrtümlich reiche Erdölvorkommen vermutet werden, hat jedoch erneut zahlreiche Tote zu beklagen.

1939 wird General José Felix Estigarribia neuer Machthaber in Paraguay. Er führt verschiedene Wirtschafts- und Sozialreformen durch. Die innenpolitischen Unruhen verschärfen sich erneut. Präsident José Felix Estigarribia reagiert 1940 mit der Verabschiedung einer neuen Verfasung, die den Präsidenten zum Staats- und Regierungschef sowie zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person macht.

1947 bricht unter Präsident Higinio Moríngo der bisher letzte große Bürgerkrieg aus. Die Rebellen (Kommunisten und Liberale) werden jedoch von den Regierungstruppen geschlagen und fliehen nach Brasilien und Argentinien.

Neuzeit (seit 1950)

Im Mai 1954 putscht sich General Alfredo Stroessner, Sohn eines Bayern und einer Indianerin, an die Macht. Er stürzt Präsident Federico Chaves und regiert das Land bis 1989 trotz einer demokratischen Verfassung mit diktatorischer Härte. Aufgrund seines strikt antikommunistischen Kurses wird er trotz vielfacher Menschenrechtsverletzungen lange Zeit von verschiedenen westlichen Regierungen unterstützt.

Aufgrund eines Abkommens mit Japan siedeln sich 1959 etwa 8.000 Japaner in Paraguay an. Sie erhalten von der Regierung Land und beginnen mit dem Anbau von Obst und Gemüse. Ab 1968 werden rund 10.000 weitere Mennoniten, vor allem Wolgadeutsche, zur Besiedelung und Kultivierung des kargen Chaco-Gebietes nach Paraguay geholt.

1976 beginnen Brasilien und Paraguay gemeinsam mit dem Bau des Groß-Wasserkraftwerkes Itaipú am Fluss Paraná, das 1984 in Betrieb genommen wird.

1989 wird Diktator Alfredo Stroessner nach 35 Jahren durch einen Militärputsch gestürzt und des Landes verwiesen. Der Anführer der Putschisten, General Andrés Rodríguez, wird neuer Präsident Paraguays. Er hebt die Medienzensur auf und läßt die Oppositionsparteien wieder zu. Es dauert aber bis 1992, bevor eine neue demokratische Verfassung proklamiert wird (u.a. unterbindet sie die unmittelbare Wiederwahl des Präsidenten).

Am 9. Mai 1993 geht die Colorado-Partei bei den ersten demokratischen Wahlen seit der Gründung des Staates als Sieger hervor und Juan Carlos Wasmosy Monti wird neuer Staats- und Regierungschef Paraguays.

1995 gründen Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay den "Gemeinsamen Markt des Südens" (MERCOSUR/"Mercado Común del Cono Sur"), der u. a. den schrittweisen Abbau der Zölle zwischen den Mitgliedern vorsieht. Verwaltungssitz der Organisation ist Montevideo (Uruguay).

Im Mai 1996 kommt es zu einem landesweiten Generalstreik mit blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Oppositionsparteien sowie die Gewerkschaften fordern nachdrücklich den Rücktritt von Präsident Juan Carlos Wasmosy Monti, gegen den ein Korruptionsverfahren läuft, sowie vorgezogene Neuwahlen. Ein Putschversuch von General Lino César Oviedo Silva schlägt fehl, Oviedo wird zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Aus den regulären Neuwahlen 1998 geht der neue Führer der Colorado-Partei, Raúl Cubas Grau, mit rund 54 Prozent der Stimmen als Sieger hervor. Drei Tage nach seinem Amtsantritt beschwört Staatspräsident Raúl Cubas Grau mit der Begnadigung und Freilassung von Ex-General Lino César Oviedo Silva eine schwere innenpolitische Krise herauf. Die Oppositionsparteien (Wosmosy-Anhänger) bezeichnen das Vorgehen von Cubas, dessen neue Regierung überwiegend aus Oviedo-Anhängern besteht, als verfassungswidrig und drohen ihm mit der Einleitung eines Amtsenthebungsverfahren.

Im März 1999 wird Vizepräsident Luis Maria Argaña in Asunción auf dem Weg zu seinem Büro im Stadtzentrum von zwei vermummten Männern auf offener Straße erschossen. Argaña galt als einer der erbittertsten innerparteilichen Gegner von Staatspräsident Raúl Cubas Grau. Unmittelbar nach dem Mord brechen in der paraguayischen Hauptstadt schwere Unruhen aus. Es kommt zu Straßenschlachten zwischen den Anhängern Argañas und Cubas bzw. Oviedas sowie zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Wenige Tage später spricht sich das paraguayanische Abgeordnetenhaus mit großer Mehrheit für ein Absetzungsverfahren gegen Präsident Raúl Cubas Grau wegen Amtsmißbrauchs aus. Darüber hinaus werden er und der ehemalige Heereschef Lino César Oviedo Silva von der Opposition beschuldigt, in das Attentat gegen Vizepräsident Luis Maria Argaña verwickelt zu sein. Nach dem Rücktritt des Präsidenten wird Senatspräsident Luís Ángel González Macchi als Übergangspräsident vereidigt. Ex-Heereschef Lino César Oviedo Silva setzt sich nach Argentinien ab und wird in der Nähe von Buenos Aires festgenommen. Oviedo beantragt in Argentinien politisches Asyl.

Der Generalstaatsanwalt erläßt auch gegen Raúl Cubas Grau Haftbefehl. Dieser entzieht sich einer Festnahme mit der Flucht in die Botschaft Brasiliens in Asunción. Seiner Bitte um politisches Asyl wird nachgekommen, und man fliegt ihn nach Brasilien aus.

Unter Präsident Carlos Saúl Menem lehnt Argentinien das Gesuch Paraguays auf Auslieferung von Lino César Oviedo Silva ab. Daraufhin zieht Paraguay seinen Botschafter aus Buenos Aires ab, worauf Argentinien wiederum ebenfalls mit dem Rückruf seines Botschafters aus Asunción reagiert. Am 7. Dezember 1999, wenige Tage vor Amtsantritt des neuen argentinischen Präsidenten Fernando de la Rúa, setzt sich der Oviedo aus seinem argentinischen Exil ab, da de la Rúa sich bereits für seine Auslieferung an Paraguay ausgesprochen hatte. Nach Bekanntwerden der Flucht Oviedos stellt Paraguay einen internationalen Haftbefehl.

Im Mai 2000 wird ein Putschversuch von Anhängern des paraguayanischen Ex-Heereschefs Oviedo Silva von regierungstreuen Truppen niedergeschlagen. Die Regierung in Asunción verhängt einen zweimonatigen Ausnahmezustand. Oviedo Silva wird im Juni von brasilianischen Sicherheitskräften festgenommen. Bei der Direktwahl des paraguayischen Vizepräsidenten im August 2000 erringt der Oppositions-Kandidat César Franco Gómez mit knapp 48 Prozent kaum 100.000 Stimmen mehr als sein Kontrahent von der regierenden Colorado-Partei, Félix Argaña, ein Sohn des im Vorjahr ermordeten Vizepräsidenten Luis Maria Argaña.

Ende 2001 leht das Oberste Gericht Brasiliens das Auslieferungsgesuch Paraguays für Oviedo Silva ab. Oviedo wird auf freien Fuß gesetzt. Drei Monate später wird in Asunción Ex-Staatspräsident Raúl Cubas Grau festgenommen, nachdem er "aus Heimweh" illegal aus seinem dreijährigen Exil in Brasilien nach Paraguay zurückgekehrt war.




     
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