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Christentumsgeschichte



Die Christentumsgeschichte befasst sich mit der weltweiten Geschichte aller christlichen Richtungen.

Der Ausdruck Kirchengeschichte bezeichnet die Geschichte der christlichen Kirche. Kirchengeschichte ist oft aus der Sicht einer bestimmten Kirche verfasst, u.a.:

Die Dogmengeschichte oder auch die Geschichte der christlichen Theologie befassen sich speziell mit der Entwicklung der christlichen Lehren und Dogmen.

Table of contents
1 Überblick
2 Altertum
3 Mittelalter
4 Reformationen
5 Neuzeit
6 Weblinks
7 Literatur
8 Siehe auch

Überblick

Das Christentum entstand als jüdische Sekte und breitete sich trotz teilweise heftiger Verfolgungen innerhalb des römischen Reichs aus, wo es nach 300 Jahren etwa 10% der Bevölkerung umfasste, wobei die Schwerpunkte theologisch und bevölkerungsmässig in Kleinasien und Nordafrika waren. Nachdem es im vierten Jahrhundert im römischen Reich erst akzeptiert und dann Staatsreligion wurde, breitete es sich innerhalb der römisch-griechischen Kultur so stark aus, dass es außerhalb des römischen Reichs mit diesem identifiziert wurde. Am ende der Antike umfasste seine Ausdehnung die des römischen Reichs und einiger angrenzender Gebiete wie Armenien oder Äthiopien.

Die weitgehende Christianisierung des römischen Reichs führte jedoch nicht zu einer christlichen Einheitskultur. Neben der Reichskirche mit einem lateinischen Schwerpunkt in Rom und einem griechischen in Konstantinopel gab es, insbesondere im vorderen Orient und Ägypten, verschiedene monophysitische Kirchen und die Assyrische Kirche des Ostens, die alle in der lokalen Sprache und Kultur fest verankert waren und blieben.

Vom 6. bis 10. Jahrhundert erlebte das Christentum die schwersten Rückschläge in seiner Geschichte. Das römische Reich zerbröckelte unter dem germanischen Ansturm. Die ursprünglichen christlichen Kernlande, der vordere Orient und Nordafrika, wurden vom Islam überrannt, ebenso Sizilien und Spanien. Eine Expansion der Westkirche, insbesondere im Frankenreich, wurde gefolgt vom absoluten Tiefpunkt des römischen Papsttums im neunten und zehnten Jahrhundert. Die östlichen Ableger der Assyrischen Kirche, die bis nach China gelangt war, gingen fast alle im Mongolensturm unter.

Diesem Niedergang folgte ein erstaunlicher Aufschwung. Im Westen gingen von Wandermönchen und Klöstern Erneuerungsbewegungen aus, die nach und nach das ganze westliche Europa christianisierten und unter der römischen Kirche einigten und Spanien und Sizilien zurückgewannen. Von Konstantinopel aus wurden der Balkan und das europäische Russland christianisiert und es entwickelten sich neue Patriarchate. Die Assyrische Kirche breitete sich wieder als Minderheitsreligion entlang der Seidenstrasse bis zur chinesischen Küste aus.

Im Spätmittelalter folgten weitere Rückschläge: Konstantinopel wurde von den Türken überrannt, die bis vor Wien gelangten. In Asien verschwanden die christlichen Niederlassungen bis auf wenige Reste in Indien. Im Westen war das Papsttum im westlichen grossen Schisma wieder auf einem organisatorischen und moralischen Tiefpunkt und wurde gerade im Kernland Italien teilweise vom Humanismus verdrängt.

Im 16. Jahrhundert kam es zu den protestantischen Reformationen und parallel dazu zu einer tiefgehenden Reform der katholischen Kirche. Gleichzeitig breitete sich das Christentum durch die Mönchsorden, die den spanischen und portugiesischen Entdeckern folgten, in Lateinamerika und entlang den Küsten von Afrika und Asien weiter aus, als je zuvor. Dieser katholischen Verbreitung folgte im 17. und 18. Jahrhundert eine ähnliche weltweite Verbreitung des Protestantismus durch die Holländer und Engländer und durch Auswanderer, die protestantischen Minderheitskonfessionen angehörten. Die russisch-orthodoxe Kirche expandierte nach Nordasien, insbesondere Sibirien und Japan.

Die Zeit der Aufklärung brachte einerseits einen Wegfall des bisherigen christlichen Konsens in Europa, wo jetzt auch andere Weltanschauungen Platz fanden, andererseits aber auch eine Revitalisierung des Christentums im Pietismus, Methodismus und den Erweckungsbewegungen in Amerika, die alle das Glaubensleben des Einzelnen intensivierten. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Protestantismus in ganz Nordamerika, war die dominierende Religion in Australien, expandierte in Lateinamerika und hatte Missionen in fast jedem afrikanischen und asiatischen Land. Gleichzeitig kam es in Europa zu neuen theologischen Entwicklungen. Die katholische Kirche erfuhr politische Rückschläge, insbesondere durch die französische Revolution, festigte jedoch gerade dadurch ihre innere Organisation und Einheit. Emigranten verbreiteten sie verstärkt in Nordamerika, Missionare in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Im 20. Jahrhundert verlegte sich der Schwerpunkt des Christentums erneut. Kernlande der protestantischen Kirchen waren jetzt die Vereinigten Staaten. Um 1965 waren die Christen hälftig auf westliche und nichtwestliche Länder verteilt, und in den folgenden Jahrzehnten wurden die Christen der Dritten Welt zur Mehrheit. Besonderen Aufschwung hatten dort nicht die traditionellen sondern neue, lokale Kirchen der charismatischen Richtung.

Altertum

Urchristentum

Als
Urchristentum oder apostolisches Zeitalter bezeichnet man die ersten Jahrzehnte des Christentums. Einige Kirchen wurden in dieser Zeit noch von Aposteln und ihren direkten Schülern geleitet, z.B. die Gemeinde in Jerusalem von Jakobus dem Gerechten, die Gemeinde in Ephesus vom Apostel Johannes und die Gemeinde in Alexandria von Johannes Markus.

Das Christentum verbreitete sich nach Antiochia, wo die Anhänger der neuen Religion zuerst Christen genannt wurden (Apg 11,26), dann nach Zypern, Kleinasien, Nordafrika, Griechenland und Rom. Die einzelnen Kirchen waren durch Briefe und reisende Missionare miteinander verbunden.

In dieser Zeit fand die graduelle Abspaltung des Christentums vom Judentum statt, mit einem scharfen Schnitt nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 69, und parallel dazu kam es zu den Auseinandersetzungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen, bei denen es im wesentlichen darum ging, wie weit nichtjüdische Christen ans jüdische Gesetz gebunden sind. Diese Auseinandersetzungen fanden eine erste Lösung im Apostelkonzil.

Ebenso entstanden in dieser Zeit die Briefe, Evangelien und übrigen Schriften des Neuen Testaments und kamen nach und nach in den liturgischen Gebrauch parallel zu den von Anfang an verwendeten Schriften des Alten Testaments.

Frühe Kirche

Apostolische Väter

Die
Apostolischen Väter sind die frühen Kirchenväter, die noch direkten Kontakt zu Aposteln hatten oder von diesen stark beeinflusst wurden.

Die Quellen bezüglich dieser Zeit sind ziemlich begrenzt. Relativ wenige Texte und Biografien sind erhalten.

In dieser Zeit entwickelt die Kirche sich zur Bischofskirche, wobei die Bischöfe damals Vorsteher einer örtlichen Gemeinde waren. Die Schriften des Neuen Testaments zirkulierten in verschiedenen Sammlungen in den Gemeinden.

Das Christentum wurde nach und nach vom römischen Staat als eigenständige nichtjüdische Gruppe wahrgenommen. Es kam zu Christenverfolgungen unter Domitian (81-96) und Trajan (98-117).

Christenverfolgung

Zu den ersten Christenverfolgungen und Märtyrern kam es bei quasi innerjüdischen Auseinandersetzungen mit Tempelpriestern und Pharisäern (Stephanus, Jakobus der Ältere, Jakobus der Gerechte, dann auch im römischen Reich (Simon Petrus, Paulus von Tarsus) unter Nero.

In die Zeit der apostolischen Väter fiel die Christenverfolgung unter Trajan ( 98-117), der z.B. Ignatius von Antiochia zum Opfer fiel.

Aus der Zeit von Trajan ist dessen Korrespondenz mit Plinius dem Älteren erhalten, aus der hervorgeht, dass der römische Staat zwar nicht von sich aus systematisch nach Christen suchte, jedoch Leute, die als Christen angeklagt wurden, vor die Wahl stellte, dem Kaiser zu opfern oder hingerichtet zu werden. Daraus resultierte für die Christen eine permanente Rechtsunsicherheit, die sie vom Wohlwollen nichtchristlicher Nachbarn abhängig machte.

Während den folgenden Jahrzehnten kam es weitverbreitet zu lokalen Christenverfolgungen, teilweise durch die Behörden, teilweise direkt durch die Bevölkerung. Bei solchen lokalen Christenverfolgungen kamen Polykarp von Smyrna 155 in Kleinasien und Justin der Märtyrer in Rom als Märtyrer ums Leben. Unter Mark Aurel kam es in der Folge von einigen Naturkatastrophen 177 in Lyon und Viennes zu massiven Verfolgungen.

Nach dem Tod von Mark Aurel 185 lebten die Christen in relativem Frieden bis zu den Christenverfolgungen unter Decius (249-253) und Valerian (253-260). Diese fanden, im Gegensatz zu früher, im ganzen Reich statt und zielten darauf, das Christentum auszurotten. Verbreitet war die Anwendung von Folter, um Christen zum Abfall zu bewegen. Insbesondere Bischöfe und Priester wurden getötet, Eigentum von Christen wurde konfisziert, christliche Schriften wurden zerstört.

Die massivsten Christenverfolgungen fanden anfangs des vierten Jahrhunderts unter Diokletian statt. Besonders im Osten des Reichs, in Kleinasien, Syrien und Palästina, verliefen sie sehr blutig.

Apologeten

Als Reaktion auf die Verfolgungen und auf sarkastische Schriften heidnischer Schriftsteller (Celsus) traten im 2. Jahrhundert Apologeten auf, die in ihren Schriften den christlichen Glauben verteidigten. Zu den bedeutendsten gehörten in der Mitte des 2. Jahrhunderts Justin der Märtyrer, Tatian und Athenagoras und anfangs des 3. Jahrhunderts Origenes und Tertullian.

Theologische Auseinandersetzungen im 2. Jahrhundert

Die bedeutendste Auseinandersetzung des jungen Christentums im zweiten Jahrhundert war die mit der Gnosis, einer um die Zeitenwende entstandenen und im römischen Reich weit verbreiteten synkretistischen Geistesbewegung, die in sich eine reiche Palette philosophischer und kultischer Überlieferungen vereinte und auch christliche Überlieferungen in sich aufnahm, so dass auch eine christliche Variante der Gnosis entstand, von der einige Schriften überliefert sind, z.B. das Thomasevangelium. Gegenüber der von der Gnosis vertretenen Geheimlehre, die nur Eingeweihten zugänglich ist, vertraten Kirchenväter die Apostolische Nachfolge, in der die gleiche Lehre gepredigt wurde, die auch die Apostel gepredigt hatten.

Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts gründete Marcion seine eigene Kirche, die ebenfalls teilweise gnostische Ideen beinhaltete und eine radikale Distanzierung von der jüdischen Tradition vertrat. Marcion anerkannte nur wenige der neutestamentlichen Schriften, in erster Linie die Paulusbriefe.

Ebenfalls um die Mitte des zweiten Jahrhunderts trat in Phrygien Montanus auf, der Gründer des Montanismus, einer ekstatischen Endzeit-Bewegung mit charismatischen Zügen, strenger Kirchenzucht, Askese und Eheverbot.

In der Reaktion auf Marcions Reduktion der neutestamentlichen Schriften und die neu legendenhaften oder gnostisch beeinflussten Schriften, entstanden verschiedene Listen von Schriften, die in den miteinander in Kommunion stehenden christlichen Gemeinden offizielle liturgische Verwendung fanden. Aus diesen Listen entwickelt sich im Verlauf der nächsten zweihundert Jahre nach und nach der neutestamentliche Kanon.

Eine weitere Reaktion der apostolischen Tradition gegen die verschiedenartigen Interpretationen des Neuen Testaments war die Entstehung von "Symbolen" (Taufbekenntnissen), in denen der christliche Glaube in Kurzform zusammengefasst wurde. Eines der frühesten erhaltenen Bekenntnisse ist das Altrömisches Glaubensbekenntnis.

Kirchenväter

Vom letzten Viertel des zweiten Jahrhunderts an traten die ersten bedeutenden Kirchenväter auf: Irenäus von Lyon, in Gallien, Tertullian in Afrika. In Alexandria entstand unter Pantaenus und Clemens von Alexandria die erste christliche theologische Schule, die durch Origenes für ihre allegorische Bibelauslegung berühmt wurde.

Cyprian verteidigte die allgemeine, inklusive Kirche gegen Novatian, der eine rigorose Exkommunikation von Sündern und Abgefallenen vertrat.

Theologische Fragen im dritten Jahrhundert

Nach den Verfolgungen von Decius sah sich die Kirche mit der Frage konfrontiert, wie sie mit den Christen umgehen sollte, die unter dem Druck der Verfolgung abgefallen waren - und allgemeiner mit Christen, die nach der Taufe schwer gesündigt hatten. Diese Frage der Ekklesiologie sollte insbesondere den Westen während der nächsten 150 Jahre beschäftigen. Eine Fraktion unter Novatian gehörte zu den ersten Gruppen, die um der Reinheit der Kirche willen eine rigorose Exkommunikationspraxis forderten, eine Haltung, die auch von den Donatisten vertreten wurde. Im Gegensatz dazu vertraten im dritten Jahrhundert Cyprian und im späten vierten Jahrhundert Augustinus von Hippo eine Kirche, die sich, wie ihr Gründer Jesus Christus, den Sündern zuwenden solle.

Die zweite Frage, die im dritten Jahrhundert von verschiedener Seite diskutiert wurde, betraf die Christologie, insbesondere das Verhältnis von Jesus Christus zu Gott dem Vater. Sabellius war der prominenteste Vertreter des modalistischen Monarchianismus, der die Sicht vertrat, dass sich der eine Gott nacheinander als Schöpfer, Jesus Christus und Heiliger Geist offenbarte. Im Gegensatz dazu vertraten z.B. Paul von Samosata und nach ihm Lukian von Antiochia, der seinerseits der Lehrer von Arius und Eusebius von Nikomedia war, das andere Extrem des dynamischen Monarchianismus, der Jesus Christus ganz als Menschen sah, der bei seiner Taufe von Gott adoptiert worden war. Beide Lehren wurden von Bischofssynoden verurteilt. Die christologischen Streitigkeiten gingen jedoch bis ins sechste Jahrhundert weiter.

In der Bibelauslegung entwickelten sich zwei unterschiedliche Schulen, die Antiochenische Schule, die sich unter Berücksichtigung von Feinheiten des Wortschatzes und der Grammatik auf die Erforschung des tatsächlichen Schriftsinns konzentrierte, und die Alexandrinische Schule, die in der Nachfolge von Origenes den Schwerpunkt in der allegorischen Bibelauslegung hatte. Der Gegensatz zwischen Antiochia und Alexandria sollte sich später auch in der Politik und in der Dogmatik weiter auswirken.

In der Liturgie sind z.B. bei Hippolytus Formulierungen überliefert, die bis heute in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und lutherischen Liturgie in Gebrauch sind, z.B. der Anfang der Eucharistie:

Der Herr sei mit euch
und mit deinem Geist!
Die Herzen in die Höhe!
Wir erheben sie zum Herren.
Lasset uns Dank sagen dem Herren, unserm Gott.
Das ist würdig und recht.

Reichskirche im römischen Reich

Kirche und Staat

Die schlimmste Christenverfolgung unter Diokletian (311-311) endete damit dass Kaiser Galerian
311 das Toleranzedikt von Nikomedia herausgab, das die Christenverfolgungen im römischen Reich beendete. Zwei Jahre später erweiterte Kaiser Konstantin I dieses Edikt im Toleranzedikt von Mailand, das allen im römischen Reich freie Religionsausübung zusicherte.

In der Folge nahm die Zahl der Christen, die vor der Diokletianischen Verfolgung etwa 10% der römischen Einwohner umfasst hatten (im Osten eher mehr, im Westen eher weniger), stark zu - allerdings gab es in dieser Zeit auch Bekehrungen aus politischen Gründen, insbesondere in der Umgebung des Kaiserhofs, wo Christen von Konstantin und seinen Nachfolgern stark bevorzugt wurden - im vierten Jahrhundert allerdings meistens Christen der arianischen Richtungen.

Das Verhältnis der Kaiser zur Kirche war sehr unterschiedlich: Kaiser Theodosius I erklärte 380 das Christentum zur Staatsreligion, wurde aber wenige Jahre später von Ambrosius von Mailand unter Drohung der Exkommunikation zu einer mehrmonatigen öffentlichen Buße für das Massaker von Thessaloniki gezwungen. Sein Sohn Arkadius andererseits verbannte Johannes Chrysostomos, den Patriarchen von Konstantinopel, als dieser seiner Frau Vorhaltungen machte. Konstantius bedroht die Bischöfe am Konzil von Mailand (355) mit dem Schwert um einen Konzilsentscheid zu erreichen, Justinian I vertrat die Einheit und enge Zusammenarbeit von Kirche (die sich mit göttlichen Dingen befasst) und Reich (das über die Moral gebietet), ist ein Heiliger der orthodoxen Kirche und komponierte Hymnen, die noch heute in der orthodoxen Liturgie verwendet werden.

Struktur der Kirche

Während es in den Jahren der Verfolgung im Wesentlichen lokale Kirchen mit mehr oder weniger gleichberechtigten lokalen Bischöfen gab, die miteinander in Kommunion standen (oder bei starken Unterschieden in der Lehre diese Kommunion abbrachen) entwickelt sich jetzt eine Hierarchie von Bischöfen. Schon früh hatten die Bischöfe von bedeutenderen Kirchen eine gewisse Autorität gegenüber ihren Kollegen, aber im vierten Jahrhundert hatten dann die Bischöfe von Provinzhauptstädten, im ersten Konzil von Nicäa als Metropoliten bezeichnet, eine klare Führungsrolle, wobei die Bischöfe von Alexandria, Antiochia, und Rom besonders erwähnt werden. De facto war jedoch im 4. Jahrhundert war Persönlichkeit eines Metropoliten oft entscheidender als der Rang der Stadt - Bischöfe wie Hosius von Cordoba, Eusebius von Nikomedia, Basilius von Caesarea. Hilarius von Poitiers, Ambrosius von Mailand oder Augustinus von Hippo spielten in der Kirche des 4. Jahrhunderts theologisch und kirchenpolitisch eine bedeutendere Rolle als die meisten ihrer Kollegen in Antiochia, Rom und Alexandria.

Während schon im zweiten und dritten Jahrhundert in lokalen Synoden über Lehrfragen entschieden worden war, gab es im vierten Jahrhundert erstmals ökumenische Konzilien – das erste Konzil von Nicäa 325 und das erste Konzil von Konstantinopel 381 – denen nach damaliger Sicht die höchste Autorität in Fragen der Lehre und Kirchenorganisation zukam, wobei eine solche Autorität von der unterlegenen Seite längst nicht immer anerkannt wurde.

Mönchstum

Als Reaktion auf die zunehmende Verweltlichung des Christentums gab es im vierten Jahrhundert einen starken Zuwachs beim Mönchstum. Ein Schwerpunkt war Ägypten, wo Pachomius im 3. Jahrhundert die ersten Klöster gründete, andere bildeten sich in Kleinasien, stark gefördert durch Basilius von Caesarea im 3. Jahrhundert. Im Westen verbreitete sich das Mönchstum im 5. Jahrhundert durch Patrick von Irland in Irland und Schottland, im 6. Jahrhundert durch Benedikt von Nursia im Gebiet des römischen Reichs.

Theologische Fragen

Christologie und Trinität

Ekklesiologie

Nicht-chalcedonische Kirchen

Die Assyrische Kirche des Ostens hat sich beim nestorianischen Streit von den übrigen Kirchen getrennt, ohne jedoch tatsächlich den Nestorianismus zu vertreten.

Sowohl die Armenische orthodoxe Kirche, als auch die Assyrische Kirche des Ostens und die Monophysitischen Kirchen haben die Entscheidungen des ökumenischen Konzils von Chalcedon nicht anerkannt und sich zu diesem Zeitpunkt von der Kirchengemeinschaft mit den anderen Kirchen getrennt. Die Gründe dafür waren unterschiedlich - teils theologisch und teils politisch.

Die Patriarchate von Alexandria (einschließlich Äthiopien) und Jerusalem waren weitgehend monophysitisch und sagten sich von der Reichskirche los, wenn es auch überall parallel dazu Minderheiten gab, die bei der Reichskirche blieben.

Die Armenische Kirche bestand auch unter der Herrschaft der Sassaniden und Araber weiter und trug wesentlich zur armenischen Identität bei und hatte ihre eigene Literatur und Architektur, zahlreiche Klöster und Schulen und eine eigene Kunstrichtung. Sie verbreitete sich im wesentlichen durch armenische Kolonien und Händler.

Die Nestorianer waren die vorherrschende christliche Kirche im persischen Reich und unter den Abbassiden. Es waren nestorianische Christen, die an den Höfen der Kalifen die alten griechischen Philosophen ins Arabische übersetzten - die dann Jahrhunderte später von den Arabern ins europäische Mittelalter kamen. Die Nestorianer waren missionarisch sehr aktiv: es gab viele nestorianische Gemeinden und Bischöfe entlang der Seidenstraße und 635 kamen sie bis nach China, wo sie Klöster gründeten und einen Metropoliten einsetzten. Bis zum Jahr Tausend waren diese Gemeinden jedoch dem Islam und Buddhismus gewichen. Einzig in Südindien und Ceylon blieben nestorianische Gemeinden bestehen.

Mittelalter

Byzantinische Reichskirche

Hesychasmus

Christianisierung Osteuropas

Die Christianisierung Osteuropas geschah im Wesentlichen von Konstantinopel aus. Vom siebten bis neunten Jahrhundert wurden die Serben missioniert.

Im neunten Jahrhundert übersetzten die auf dem Balkan aufgewachsenen Brüder Method von Saloniki und Kyrill von Saloniki Teile des Neuen Testaments und der Liturgie ins Slawische und schrieben sie in der von Kyrill entwickelten kyrillischen Schrift nieder. Sie missionierten im Auftrag von Photius I in Böhmen und Mähren, wo sie in Streitigkeiten zwischen der Westkirche und der Ostkirche verwickelt wurden. Mähren bekannte sich zum Christentum, wurde aber nach dem Einfall der Ungarn wieder mehrheitlich heidnisch.

Die Übersetzungen von Kyrill und Method spielten eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung des Christentums in Bulgarien und nach 950 auch in Russland. 864 wurde Boris, der Khagan der Bulgaren getauft was bald zu einer Massenbekehrung führte. Bulgarien war das erste Land, das offiziell eine slawische Liturgie einführte. Und dem Sohn von Boris, Simeon wurde das Land vollständig christianisiert und 917 erklärte sich die Bulgarische Kirche als unabhängig (autokephal) und wurde ein eigenes Patriarchat. Die Kirche war in der Lehre orthodox, in der Verwaltung aber unabhängig - die erste von mehreren slawische Kirche, die nach diesem Muster selbständig wurden.

Photius sandte im neunten Jahrhundert auch die ersten Missionare nach Russland. In der Mitte des zehnten Jahrhunderts gab es in der Hauptstadt Kiew eine christliche Kirche und die Großfürstin Olga liess sich taufen. Erst unter ihrem Enkel Wladimir kam es jedoch zu einer Massenbekehrung von Kiew und der Umgebung. 991 wurde die Bevölkerung von Novgorod getauft. Beim Tod Wladimirs 1015 gab es drei Bistümer in Russland. Im zwölften Jahrhundert breitete sich das Christentum entlang der oberen Wolga aus. Die Mission geschah in erster Linie durch Mönche und es wurden zahlreiche Klöster gegründet.

Die Böhmen wurden in erster Linie von Deutschland her missioniert. Im 10. Jahrhundert war Wenzel von Böhmen ein christlicher Herrscher, der von seinem heidnischen Bruder Boleslav I ermordet wurde. Dessen Sohn, Boleslav II förderte allerdings wieder aktiv das Christentum, gründete Klöster und baute Kirchen, und vervollständigte die nominelle Christianisierung von Böhmen.

Ebenfalls im zehnten Jahrhundert wurde Polen von Deutschland her missioniert, aber es dauerte mehrere Generationen, bis sich das Christentum dort halbwegs durchsetzte.

Die Christianisierung Ungarns erfolgte im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert und wurde hauptsächlich durch das Königshaus erreicht, insbesondere durch Stephan I

Christianisierung Westeuropas

Die lateinischsprachigen Länder Westeuropas gehörten zum christianisierten römischen Reich. Auch nach dem Zusammenbruch des Westreichs blieb die Bevölkerung mehrheitlich beim katholisch-orthodoxen Glauben, auch dort, wo sie während der Völkerwanderung zeitenweise von arianischen germanischen Stämmen beherrscht wurden.

Irland wurde im 5. Jahrhundert von Patrick von Irland von England aus christianisiert. Dort bildete sich ein eigenständiges keltisches Christentum heraus, das nicht durch Bischöfe sondern durch Klöster geleitet wurde. In diesen Abteilen entwickelte sich eine hohe Kultur der Buchkunst mit reich verzierten Bibeln und anderen Büchern. Da Irland abseits der Ströme der Völkerwanderung lag, blieb hier ein grosser Teil des Wissens der Antike erhalten. Die irische Kirche war auch missionarisch sehr aktiv: im 6. Jahrhundert wurden nicht nur Schottland und Nordengland missioniert (Columban von Iona) sondern irische Mönche reisten auch nach Gallien, Süddeutschland und der Schweiz (Columban von Luxeuil, wo sie ebenfalls Klöster gründeten.

Im 7. Jahrhundert wurde England gleichzeitig von Iro-schottischen und römisch-katholischen Missionaren bearbeitet, was wegen des unterschiedlichen Kirchenverständnisses zu Konflikten führte. Am Konzil von Whitby wurde 664 zugunsten des römischen Ritus entschieden. Auch von England aus reisten zahlreiche Missionare auf den Kontinent, die sich insbesondere den mit den Angelsachsen verwandten germanischen Völkern widmeten. Die herausragende Figur dabei war Bonifatius, der insbesondere in Franken und Hessen zahlreiche Klöster gründete, aber auch in Thüringen und Friesland predigte.

Im Frankenreich, dessen einfache Bevölkerung seit der Römerzeit im wesentlichen christianisiert war, wurde 499 mit der Taufe Chlodwigs auch die bis dahin heidnische fränkische Oberschicht katholisch.

Die Sachsen wurden im 8. und 9. Jahrhundert durch Karl den Großen teilweise gewaltsam zum Christentum gebracht, das dennoch dort schnell Fuss fasste, wie das in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts entstandene Lied Heliand ebenso zeigt wie die Ottonen, die im 10. Jahrhunderts eine starke Stütze des weteuropäischen Christentums wurden.

Der Nordosten Deutschlands und die baltischen Länder, die Völker der Preussen, Wenden, Esten und Letten kamen erst im 10. bis 13. Jahrhundert zum Christentum, wobei Litauen sich erst Ende des 14. Jahrhunderts bekehrte.

Ost-West Schisma

Kirchenreform von Cluny

Papst, Kaiser und Könige

Kreuzzüge

Nichtkatholische und Protestbewegungen in Europa

Waldenser

Albigenser

Hussiten

Gescheiterte Unionen

Spätmittelalterliches Schisma

Reformationen

Lutheranische Reformation

Reformiert-Calvinistische Reformation

Anglikanische Reformation

Radikale Reformation (Täufer)

Täufer

Mennoniten

Hutterer

Katholische Reformation (Gegenreformation)

Koloniale Kirchen

Neuzeit

Hexenverfolgungen

Christen im Osmanischen Reich

Orthodoxie, Rationalismus und Pietismus

Erweckungsbewegungen und Freikirchen

Baptisten

Methodisten

Pfingstbewegung

Mission im 19. Jahrhundert

Westliche Einflüsse im christlichen Osten

Protestantische Theologie

Katholische Theologie

Orthodoxe Theologie

Moderne Christenverfolgungen

Ökumene und zwischenkirchliche Zusammenarbeit

Evangelische Allianz

Evangelische Allianz

Ökumenischer Rat der Kirchen

Weitere zwischenkirchliche Zusammenarbeit

Vereinigung evangelischer Freikirchen, Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland

Fundamentalismus

Weblinks

Literatur

Standardwerk für die Kirchengeschichte aus katholischer Sicht verfasst: Auch für interessierte Laien geeignet:

Siehe auch




     
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