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Christentum



Das Christentum ist eine der sieben Weltreligionen. Den verschiedenen christlichen Kirchen und Bewegungen gemeinsam ist die Berufung auf Jesus Christus und der Glaube, dass dieser der Sohn Gottes und der Messias ist. Jesus Christus erlöst nach christlicher Lehre die Menschen von ihrer Sünde, wobei jedem Menschen schon von Geburt an die so genannte Erbsünde anhaftet. Diese geht auf den ersten Menschen Adam zurück und wird nach Lehre der verschiedenen katholischen Kirchen durch die Taufe getilgt. Der Sündenfall der Menschheit ist bereits Bestandteil des Alten Testaments (1. Buch Mose / Genesis) und auch dort wird bereits der Messias und seine Geburt angekündigt. Es wird gesagt, er werde "der Schlange den Kopf zertreten". Nach christlichem Glauben ist dies durch den Kreuzestod Jesu geschehen. Mit dem stellvertretenden Opfertod Jesu versöhnte sich Gott mit der gläubigen Menschheit, so dass sie in Ewigkeit in Gemeinschaft mit Gott sein kann (christliche Eschatologie). Die jüdische Mutterreligion erwartet nach wie vor einen Messias.

Die christliche Religion, alle Glaubensrichtungen zusammengenommen, ist gegenwärtig die zahlenmässig bedeutendste Weltreligion; es wird geschätzt, dass ungefähr ein Drittel aller Menschen auf der Welt einer der christlichen Kirchen angehören.

Ein Christ ist ein Gläubiger des Christentums. Im Regelfall wird man durch die Taufe als Kleinkind Christ und Mitglied einer Kirche. Die eigentliche Kirche selbst wird als Leib Christi bezeichnet mit Christus als Kirchenoberhaupt und jeder einzelne Christ stellt ein Glied dieses mystischen Leibes dar. Diese der Bibel entnommene Sichtweise ist von großer Wichtigkeit im Verhältnis der verschiedenen sichtbaren Kirchen, Freikirchen und Gemeinden untereinander. Denn alle Christen fühlen sich dem Leib Christi zugehörig und gestehen sich das - trotz zum Teil großer Unterschiede in der Glaubenspraxis - gegenseitig zu: Wer an Christus als Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit glaubt gehört zum Leib Christi, d.h. zur Kirche. Bezüglich der Eingliederung in den Leib Christi fangen allerdings schon die Unterschiede an. Zwar gibt es in jeder christlichen Denomination die Taufe, doch wird sie in jüngeren evangelischen Ablegern nicht mehr als Sakrament betrachtet. Viele evangelische Freikirchen lehnen die Kindstaufe ab mit der Begründung, erst sei der Glaube und dann die Taufe erforderlich um Christ zu sein (Wiedertäufer / Erwachsenentaufe). In freikirchlichen Kreisen wird auch von der so genannten Geisttaufe oder Wiedergeburt gesprochen, um sich von "Taufscheinchristen" abzugrenzen.

Christentum geht auf die Lehren des jüdischen Jesus Ben Joseph zurück, die im ersten Jahrhundert der (daher rührenden) christlichen Zeitrechnung (A.D = anno domini = Jahr des Herrn) von Urchristen entscheidend entwickelt und elaboriert wurde. Die Christen übernahmen die fünf Bücher Mose und andere alttestamentliche Schriften aus der jüdischen Tradition und viele grundsätzliche Lehren wie den Glauben an einen Messias oder Christus (aus dem griechischen: christos: Gesalbter). Von den Juden übernommen wurde auch die Art der Gottesverehrung; die Konzepte von heiligen Orten und heiligen Tagen; sowie das Gebet und die Verwendung der Psalmen. Nicht zu vergessen die Vorstellung von der leiblichen Auferstehung. Bei der Ausbreitung des Christentums auf alle Kontinente und in alle Kulturen nahm das Christentum die jeweils vorhandenen Riten auf, so dass es zu landestypischen Prägungen kam. Die Gemeinsamkeit mit dem Judentum besteht in der Anbetung des gleichen Schöpfergottes. Jedoch sehen die Christen Gott als einen dreifaltigen Gott an (Trinität): Den Vater, den Sohn (Christus) und den Heiligen Geist. Jesus Christus ist nach christlicher Lehre zugleich ganz Mensch und ganz Gott. Die ersten Christen waren Juden, die sich zum christlichen Glauben bekehrten. Dem Christentum wird oft der Vorwurf gemacht, eine Hauptschuld an der Judenverfolgung gehabt zu haben. So gibt es auch heute noch Diskussionen darüber, ob Christen Juden die Schuld am Kreuzestod Jesu geben, da es jüdische Schriftgelehrte bzw. Priester waren, die von Pontius Pilatus die Hinrichtung Jesu forderten. Die Kirchenlehre selbst sagt dazu, dass jeder Sünder die Schuld am Kreuzestod Jesu trägt und hierfür nicht eine bestimmte Gruppe verantwortlich sei.

Die Apostelgeschichte erzählt, dass die Nachfolger Christi den Namen Christen zuerst von den Ungläubigen der syrischen Stadt Antiochia erhielten, in welche sie nach den ersten Verfolgungen in Palästina (vermutlich wenige Jahre nach Jesus Auferstehung und Himmelfahrt) geflohen waren.

Table of contents
1 Die Lehre
2 Bibel
3 Konfessionen
4 Beziehungen zu anderen Glaubenssystemen
5 Christentum heute
6 Literatur
7 Weblinks
8 Bedeutende christliche Persönlichkeiten
9 siehe auch:

Die Lehre

Die zentralen Elemente der christlichen Lehre sind die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu sich selbst (christliche Ethik ); die Menschwerdung Gottes im Messias Jesus , sein Opfertod in Form der Kreuzigung sowie der Glaube an die leibliche Auferstehung nach dem Tode. Die Christen glauben, dass diese Ereignisse die Basis von Gottes Werk bilden, mit welchem die Menschheit mit ihm ausgesöhnt werden sollte, da alle Menschen, nach christlicher Lehre, als mit der sog. Erbsünde behaftet deklariert werden. Dies schloss die jüdischen Urchristen nach Jesu Kreutzestod, die diesen Glauben annahmen, von der Gemeinschaft der Juden aus, da diese es u.a. ablehnen, einen Menschen anzubeten, denn sie sahen in Jesus Christus nicht den verheißenen Messias und Sohn Gottes.

Während in der christlichen Lehre zahllose Varianten der zentralen Elemente der christlichen Lehre existieren, gibt es doch einige Punkte, die orthodoxe, katholische und evangelische Konfessionen über die meiste Zeit in den letzten 2000 Jahren für unverzichtbar für den christlichen Glauben gehalten und mehrfach offiziell bestätigt haben:

Bibel

Das Wort Bibel leitet sich vom griechischen "biblos" ab, das heißt "Schriften". Darunter werden die Schriften verstanden, die die Juden als Tenach haben, als Torarollen in ihren Synagogen bewahren und daraus ihre Schriftlesung unternehmen. Von diesen jüdischen Schriften, aus denen ja auch der beschnittene Jesus Ben Joseph las, rühren die christlichen Schriften, die die Kirchen als vom Heiligen Geist inspiriert betrachten, von dem sie selbst auch geleitet würden. Die christliche Bibel besteht aus zwei Teilen: der hebräischen Bibel (siehe:Fünf Bücher Moses, die weitläufig Altes Testament. Im Judentum wird für sie das Kunstwort Tanach verwendet, was aus den Anfangsbuchstaben ihrer drei großen Teile zusammengesetzt ist: Tora (5 Bücher Mose), Nebiim (Propheten) und Ketubim (Schriften). Da das Alte Testament auch in einer griechischen Übersetzung des hebräisch/aramäischen Originals, der Septuaginta, überliefert ist und diese mit dem hebräischen Textbestand nicht genau übereinstimmt, kommt es zwischen den einzelnen christlichen Konfessionen zu unterschiedlichen Auffassungen, welche Bücher diesem Teil der Bibel zuzurechnen sind. Man bezeichnet die Teile, die nur in der Septuaginta stehen, als deuterokanonische Schriften bzw. Apokryphen. Das "Neue" Testament ist der zweite Teil der christlichen Bibel und enthält Berichte vom Leben Jesu (Evangelien), der frühen Kirche (Urgemeinde), einige Briefe der Apostel an ihre Gemeinden, sowie die Offenbarung des Johannes. Es ist auf Griechisch überliefert, wichtig bei den Missionsreisen im hellenistischen Kulturraum (Ephesos, Thessaloniki, Sizilien u.a.). Die Begriffe "Alt" und "Neu" für die Testamente, bezeichnen den Tatbestand, dass es aus Sicht der Christen einen alten und einem neuen Bund zwischen Gott und den Menschen gibt.

Konfessionen

Die älteste bedeutende Kirchenspaltung entstand anlässlich des Konzils von Chalcedon über Fragen der Christologie (Trennung der monophysitischen Kirchen).

In den folgenden Jahrhunderten vertiefte sich in der Reichskirche die Entfremdung zwischen der östlichen und westlichen Tradition bis zum definitiven Bruch (gemeinhin auf 1054 datiert). Die westliche Tradition entwickelte sich im west-römischen Reich, während die östliche Tradition in Ägypten, Syrien und Kleinasien entstand. Die eigentlich dogmatischen Unterschiede blieben bis heute gering.

Die westliche Tradition (Römisch-katholische Kirche ohne unierte Ostkirchen) erfuhr durch die Reformation des 16. Jahrhunderts eine neue tiefgreifende Spaltung. Sie betraf vor allem das Kirchen- und Sakramentsverständnis, das im Osten und Westen außer in der Primatsfrage gleich geblieben war. Die reformatorische Bewegung führte zu mehreren parallelen Kirchenbildungen, von denen sich im weiteren Verlauf neue Gruppierungen lösten, die sich aber auch zu Unionen zusammenfanden.

Während die verschiedenen Traditionen sich früher gegenseitig exkommunizierten, sind sie heute bei einer gewissen Akzeptanz und Zusammenarbeit in der Ökumene angelangt und sehen Konfessionen, die die zentralen Elemente der christlichen Lehre ebenfalls bejahen, als christliche Schwesterkirchen an.

Geschichtliche Entwicklung

Das folgende ASCII-Diagramm zeigt die geschichtliche Entwicklung der traditionellen christlichen Gruppen:
                                  /----------------------Evangelische Tradition
Reformation ----------------> /
              Westliche Tradition -------------------Römisch katholisch (westliche Bräuche)
             /                           /---Griechisch katholisch (östliche Bräuche)
            /    Großes Schisma         /
Urgemeinde .....................
=/
                                      /
            \\
             \\
              Östliche Tradition -------------Östlich-Orthodoxe Kirche
Kontroverse ---------------> von Chalcedon \\ -----
Nestorianer ) Orientalisch-
                          \\-----Monophysiten ) Orthodoxe Kirche

Östliche Tradition

In der antiken Welt gab es fünf christliche Patriarchate, denen jeweils die lokalen Metropoliten, Erzbischöfe und Bischöfe unterstellt waren: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Der Patriarch von Rom (Papst) hatte traditionell den ersten Rang als primus inter pares, der Patriarch von Konstantinopel den zweiten.

War über wesentliche Lehrfragen zu entscheiden, wurde ein Konzil (eine Versammlung von Bischöfen) einberufen. Das höchste Ansehen genossen die ökumenischen Konzile, in denen Bischöfe aus allen Patriarchaten zusammenkamen; allerdings hatten auch diese nicht "das letzte Wort", denn mehreren Konzilen, die sich selbst als "ökumenisch" betrachteten, wurde dieser Status wegen mangelnder Zustimmung der Bevölkerung später aberkannt. Insgesamt gab es zwischen 321 und 787 sieben ökumenische Konzile, die bis heute von östlich-orthodoxen, katholischen und den meisten evangelischen Kirchen anerkannt werden; viele evangelische Kirchen erkennen allerdings das siebte Konzil nicht an wegen seiner Ikonenlehre.

Zu einer ersten Spaltung kam es 451 nach dem ökumenischen Konzil von Chalcedon, das die Natur Christi als sowohl menschlich als auch göttlich definierte. Die Patriarchate einschließlich Rom akzeptierten den Konzilsentscheid. Die monophysitischen Kirchen haben dagegen eine Auslegung gewählt, die nicht mit der des Konzils vereinbar ist. Die Koptische Kirche hält Jesus für fleischgewordenes Wort, d.h. er ist göttlich, jedoch in vollkommen fleischlicher Gestalt. Beide spalteten sich von ihren jeweiligen Patriarchaten Antiochia und Alexandria ab. Die Assyrische Kirche des Ostens vertrat eine dem Monophysitismus entgegengesetzte Position.

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends entwickelte dann die römische Kirche Lehren, die nicht von ökumenischen Konzilen abgesegnet worden waren, z.B. bezüglich Primat des Papsttums und Filioque und forderte Jurisdiktion über die übrigen Patriarchate, was diese verweigerten. Weitere Unterschiede bestanden seit langem bezüglich politischer Umgebung, Sprache und theologischen Ansätzen. Die Situation eskalierte und 1054 kam es zu einer gegenseitigen Exkommunikation zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel. Auf diesen Anlass wird üblicherweise das Morgenländische Schisma zwischen östlich-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche datiert. Trotz einiger Versöhnungsversuche blieben die Traditionen von da an getrennt.

Die Patriarchate von Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem und einige seither neu dazugekommene nationale Kirchen, haben bis heute die gleiche Theologie und Spiritualität, die sich, im Gegensatz zur protestantischen und katholischen Theologie kaum verändert hat, und sehen sich als Teil der ursprünglichen, von Christus gegründeten Kirche. Allen ist gemeinsam, dass sie Bibel und Liturgie in der jeweiligen Landessprache haben. Die größte orthodoxe Kirche ist heute die Russisch Orthodoxe Kirche. Heute haben die orthodoxen Patriarchate oft auch Kirchen im Ausland, die ihnen unterstellt sind. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen den Orthodoxen und den westlichen Kirchen - dazu gehören z.B die Interpretation der Dreieinigkeit und der Erlösungstat Christi, der Stellenwert der Liturgie, die Heiligungslehre, die Spiritualität, die Bedeutung von Ikonen, oder die Lehre über die Kirche. Die orthodoxen Kirchen haben ihre historischen Schwerpunkte in Osteuropa, im Balkan, im Mittleren Osten, in Indien und in Nordostafrika, sind heute als Auswandererkirchen in allen Teilen der Welt zu finden.

Westliche Tradition

Katholische Tradition

Ursprünglich gab es in der westlichen Tradition, nach innerkirchlichen Auseinandersetzungen zwischen den Päpsten (=urspr. Bischof) resultierned die katholische Kirche von Rom. Eine zentrale katholische Lehre besagt, dass der katholische
Papst eine Autorität besitzt, die direkt auf den Apostel Petrus zurückgeführt werden kann und die ihn zum Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Lehr- und Hirtenamts in der christlichen Kirche macht. Daraus hat sich eine spezifische Lehre von der Kirche und ausgeprägte Hierarchie entwickelt. Ebenso sieht sich die katholische Kirche - gemeinsam mit der orthodoxen Kirche - als alleinige Verwalterin aller Sakramente, da es nur in diesen beiden Kirchen die apsotolische Sukkzession gibt (Übergabe der Ämter durch Weihe mit Handauflegung in ununterbrochener Linie von den Aposteln an). Römisch-katholische Kirche und orthodoxe Kirchen unterscheiden sich also hauptsächlich darin, dass es in der orthodoxen Kirche keinen Papst gibt. In beiden Kirchen gibt es 7 heilige Sakramente (Taufe, Heilige Eucharistie/Kommunion, Sakrament der Versöhnung/Bußsakrament, Firmung, Priesterweihe, Ehe, Krankensalbung). In orthodoxen Kirchen werden die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung zusammen im Kindesalter gespendet, während dies in der römisch-katholischen Kirche zeitlich abgestuft wurde. Das Pflichtzölibat besteht in der orthodoxen Kirche nur für das Bischofsamt. Die Lehre beider Kirchen basiert auf der Bibel, deren Verständnis in der kirchlichen Tradition unter der Leitung des Heiligen Geistes fortschreiten kann.

Die römisch-katholische Kirche ist bei weitem die größte christliche Konfession und weltweit vertreten. Von ihr abgespalten haben sich einige wesentlich kleinere Gruppen, die sich ganz in der katholischen Tradition sehen aber mit den neuen Dogmen des ersten bzw. einigen Lehren des zweiten vatikanischen Konzils nicht übereinstimmen. Ein besonderer Fall ist die Anglikanische Kirche, die Großbritannien und im Commonwealth verbreitet ist und ein eigenes Kirchenoberhaupt hat. Auch sie sieht sich in der apostolischen Sukzession, was die römisch-katholische Kirche jedoch nur bei den orthodoxen Kirchen anerkennt. Die apostolische Sukzession spielt eine Rolle bei der Gültigkeit der Weihe von Bischöfen und daran anknüpfend Priestern. Die bereits früh abgespaltenen Altkatholiken lehnen den Papst als Oberhaupt ab und ebenso den Pflichtzölibat.

Katholischen Kirchen gemeinsam ist dass es für den Gottesdienst eine Liturgie gibt, d.h. einen genau festgelegten Ablauf / Ritus, bei dem die Gläubigen aktiv teilnehmen und bei dem bestimmte Teile nur von geweihten Priestern gesprochen und getan werden dürfen. Die Gottesdienste sind jedermann zugänglich, der Kommunion-Empfang ist jedoch nur nach Empfang der Erstkommunion möglich. Die Interkommunion ist untersagt. Eine weitere Gemeinsamkeit katholischer Kirchen ist die Bitte um Fürsprache bei den Personen, die man für in den Himmel aufgenommen hält (Maria, Heilige). In der katholischen Kirche gibt es über das Kirchenjahr verteilt sehr viele Feste und Gedenktage. Weiterhin ist das ausgeprägte Ordensleben der katholischen Kirchen zu erwähnen.

Evangelische Tradition

Eigentlich kann man schwerlich von evangelischer Tradition sprechen, da evangelische Kirchen weniger auf der altkirchlichen Tradition beruhen (diese in manchen Fällen sogar ablehnen), sondern sich fast ausnahmslos in der Reformationszeit oder später neu aus der Bibel definieren (Sola Scriptura = allein die Schrift). Vereinfacht kann man sagen: Die evangelischen Kirchen erklärt sich aus der biblischen Schrift heraus (Sola Scriptura), während sich die katholischen Kirchen aus der Schrift und der Überlieferung erklärt. Um die Mitte des zweiten Jahrtausends entwickelte sich an verschiedenen Orten im deutschen Sprachraum aus Protest gegen Missbräuche in der katholischen Kirche die Reformation. Die Lehre Luthers ist festgehalten in 95 Thesen und einem von ihm verfassten Katechismus. Luther selbst war noch Verfechter der Kindstaufe, des Bußsakraments und der Marienverehrung. Er verfasste allerdings eine neue Rechtfertigungslehre, die besagt, der "Glaube allein" (Sola Fide)würde den Menschen retten. Basierend auf dieser Rechtfertigungslehre, es würde nichts weiter erforderlich sein als allein der Glaube, legten die nachfolgenden evangelischen Zersplitterungen nach und nach alle Sakramente bis auf Taufe und Abendmahl ab. In allen anderen evangelischen Kirchen und Gemeinden stellt das Abendmahl ein rein symbolisches Gedächtnismahl dar (keine Realpräsenz Jesu in Brot und Wein) und das Bußsakrament wurde abgeschafft. Im freikirchlichen Bereich wurde die Kindstaufe oft durch die Erwachsenentaufe ersetzt, da man ja davon ausgeht, es müsse ein aktiver Glaube zur Errettung vorhanden sein (Sola Fide). Eine weitere Entwicklung sind so genannte Hauskreise in den Gruppierungen, wo man alles Institutionelle ablehnt. Die vielfältigen evangelischen Konfessionen sind völlig unabhängig voneinander und haben keine offizielle gemeinsame Lehre und kein gemeinsames Oberhaupt.

Gemeinsam ist den evangelischen Kirchen die "vier Solas": solus Jesus Christus, allein Jesus Christus als Herr der Kirche, sola scriptura allein die Bibel als Basis, sola gratia Erlösung allein durch Gnade, sola fide Rechtfertigung allein durch den Glauben.

Bezüglich Einstellung zur Kirchentradition gibt es alle Zwischenstufen von der Anglikanischen Kirche, die viele ursprünglich katholische Traditionen weiterführt bis zu den calvinistisch-reformierten Kirchen, die alle Kirchentradition außerhalb der Bibel ablehnen. Bezüglich Lehren über Taufe, Abendmahl, Sakramente und Kirchenstrukturen gibt es innerhalb der evangelischen Kirchen große Unterschiede. Über Lehre und Praxis wird in einigen Konfessionen durch Synoden oder Konferenzen auf internationaler Ebene entschieden, in anderen Konfessionen auf der Ebene der lokalen Kirche. Heute sind die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Flügeln innerhalb einer Konfession oft größer als die Unterschiede zwischen Liberalen resp. Konservativen aus verschiedenen Konfessionen.

Während die evangelischen Konfessionen früher sehr stark die Unterschiede betonten, gibt es heute einige Ansätze zur Annäherung: Viele evangelische Konfessionen in Europa haben sich in der Leuenberger Konkordie zusammengeschlossen, konservative Konfessionen arbeiten in der evangelischen Allianz zusammen, in einigen Fällen ist es sogar zu Wiedervereinigungen gekommen (United Church of Canada aus Lutheranern, Methodisten und Presbyterianern, Uniting Church of Australia aus Presbyterianern, Kongregationalisten und Methodisten, United Church of Christ aus sieben Konfessionen).

Andere Konfessionen

Verschiedene andere Konfessionen, für die Jesus Christus ebefalls eine zentrale Figur ist, sehen sich weder in der orthodoxen noch in der katholischen noch in der evangelischen Tradition. Gruppen die sich selbst so einordnen sind beispielsweise die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage Mormonen die Zeugen Jehovas und die Vereinigungskirche. Diese Gruppen haben in der Regel sehr speziellen Auslegungen oder Strukturen welche für Außenstehende oft nur schwer nachvollziehbar sind. Beispielsweise haben sie Ansichten über Dreieinigkeit, die nicht mit den ökumenischen Konzilen übereinstimmen oder gleichwertige Schriften neben der Bibel. Solche Gruppen haben oft die Tendenz, ihre eigene Sicht des Christentums absolut zu setzen und allen anderen Traditionen das Christsein abzusprechen und intern undemokratische Strukturen zu etablieren. Die Unitarier bezeichnen sich als Grenzchristen (borderline Christians), da Jesus Christus keine zentrale Rolle in ihrem Glaubenssystem spielt.

Siehe auch

Beziehungen zu anderen Glaubenssystemen

Das Christentum hat andere Religionen beeinflusst, deren Nachfolger sich zwar nicht als Christen ansehen, aber Jesus als Propheten Gottes anerkennen. Der
Islam ist die größte dieser Religionen, lehnt aber Jesus Christus als Erlöser ab und bestreitet dass er am Kreuz gestorben sei.

Dem Christentum werden positive wie negative Effekte zugesprochen. Positiv wird die Lehre der Nächstenliebe gesehen. Auch setzen sich Christen weltweit für den Frieden und für Konzepte gegen die Armut ein. Negativ werden gesehen die Kreuzzüge, die Hexenverfolgung und der Antisemitismus. Auch die Ablehnung von künstlicher Empfängnisverhütung, Homosexualität und Abtreibung durch manche Kirchen werden vielerorts kritisch gesehen.

Es ist ein Anliegen der christlichen Kirchen, sich untereinander zu versöhnen und eine gemeinsame Basis zu schaffen (Ökumene), als auch eine Aussöhnung mit anderen Religionen herbeizuführen. Dazu veranstaltet beispielsweise der Vatikan regelmäßig interreligiöse Treffen. Ziel ist ein friedliches Koexistieren der Religionen, denn sehr viele Kriege wurden aus religiösen Motiven heraus geführt. Nicht übersehen darf man, dass die frühen Christen stark verfolgt wurden und dass auch heute noch, vor allem in kommunistischen und islamischen Ländern, Christen verfolgt werden.

Christentum heute

Nicht alle Menschen, die sich als Christen verstehen, akzeptieren alle theologischen Positionen, die von ihren jeweiligen Kirchen vertreten werden, und nicht alle Menschen, die auf dem Papier Kirchenmitglieder sind, glauben tatsächlich an Gott.

Die Aufklärung hat das Christentum im 17. und frühen 18. Jahrhundert politisch in erheblichem Maße geschwächt. Der bedeutendste Wandel bestand in der Säkularisierung, d.h. der Trennung von Kirche und Staat, die das staatlich geförderte Christentum in den meisten europäischen Ländern beendete und der Demokratisierung Vorschub leistete. Seither ist es möglich, ein freies Mitglied der Gesellschaft zu sein und die Ansichten der jeweiligen Kirche in verschiedenen Bereichen abzulehnen oder sogar ungefährdet aus der Kirche auszutreten. Millionen beschritten diesen Weg und wurden zu Freidenkern und entwickelten komplett eigene Glaubenssysteme wie den Humanismus, Atheismus, Agnostizismus und Deismus oder das New Age; andere gründeten liberale Flügel der evangelischen Theologie, und auch der lange unterdrückte Trend der Wiedervereinigung von Konfessionen wurde wieder aktuell, hat in einigen Fällen sogar schon stattgefunden. Bei den östlichen und orientalischen Kirchen hinterließ die Aufklärung keinen so starken Eindruck.

Heirat zwischen Christen und Nicht-Christen oder zwischen Christen unterschiedlicher Konfessionen ist heutzutage kein Tabu mehr. Was das Glaubensleben betrifft, so kann man feststellen, dass es Länder und Gegenden mit stark ausgeprägtem Glaubensleben gibt (z.B. USA, Polen, Portugal, Kroatien) und Länder, wo der Kirchenbesuch am Sonntag nicht mehr bestimmend ist (z.B. Deutschland, Frankreich).

Parallel mit der zunehmenden Säkularisierung in Europa und Amerika des 20. Jahrhunderts kam es zu einem exponentiellen Wachstum des Christentums in der Dritten Welt, die heute die Mehrheit der Christen stellt. Um 1900 waren 16 % der Christen in Asien, Afrika und Lateinamerika – 1960 waren es bereits 35% und heute leben 60% der Christen in der so genannten Dritten Welt. Dieses Wachstum verteilt sich gleichermaßen auf die katholische Kirche, traditionelle evangelikale Konfessionen und lokale Kirchen der Pfingstbewegung.

Christentum weltweit in Zahlen (2000)

>
Kontinent Bevölkerung Christen Evangelikale Katholiken
in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum in Prozent in Mio. Wachstum
Europa 730 0,03 % 71,0 % 519,1 -0,4 % 2,4 % 17,2 1,8 % 33,1 % 241,6 -0,9 %
Deutschland 82 0,1 % 69,4 % 57,1 -1,0 % 2,9 % 2,3 2,1 % 32,8 % 27,0 -0,6 %
Schweiz 7 0,67 % 86,6 % 0,4 % 4,1 % 0,3 0,8 % 44,1 % 3,3 0,5 %
Österreich 8 0,52 % 89,7 % 7,3 0,2 % 0,4 % 0,0 1,3 % 71,3 % 5,8 1,8 %
Asien 3.691 1,41 % 8,5 % 316,5 3,7 % 3,6 % 133,1 7,6 % 2,6 % 95,8 1,0 %
Afrika 784 2,41 % 48,3 % 379,4 2,8 % 14,8 % 116,0 4,6 % 15,1 % 118,4 2,6 %
Nordamerika 309,6 0,85 % 81,5 % 259,0 0,7 % 30,3 % 93,8 2,0 % 22,8 % 70,6 -0,6 %
Lateinamerika 519 1,59 % 91,6 % 476,6 1,5 % 10,5 % 54,9 4,0 % 78,7 % 408,9 0,8 %
Pazifik 31 1,59 % 73,3 % 22,9 0,74 % 15,2 % 4,7 0,7 % 25,8 % 8,0 0,3 %
Weltweit 6.065 1,59 % 32,5 % 1.973,0 1,4 % 6,9 % 420,0 4,7 % 15,5% 943,5 0,5 %

Bevölkerungszahlen der UNO von 1998. Zahlen über Konfessionen aus Gebet für die Welt, Ausgabe 2003 (siehe unten). Die Daten stammen aus den Jahren 1998-2000. Die Wachstumsraten betreffen das durchschnittliche Wachstum von 1995-2000, beruhen jedoch z.T. auf einem Wechsel der Datenbasis. Die Zahlen für Evangelikale sind zu einem großen Teil Schätzungen. Die Definition für Evangelikale entspricht der des Artikels Evangelikal. David Barrett, Herausgeber der World Christian Encyclopedia (Oxford University Press 2001) beziffert für das Jahr 2000 die Gesamtzahl der Evangelikalen weltweit auf 210,6 Millionen, die der Katholiken auf 1057,3 Millionen, basiert jedoch seine Daten über Konfessionen weitgehend auf Hochrechnungen aus Angaben aus der Zeit von 1990-1995 (u.a. unter Verwendung der Datenbank von Gebet für die Welt, Ausgabe 1993).

http://www.adherents.com gibt für Katholiken einschließlich östlichem Ritus 1,050 Millionen an (ihre Quelle ist die katholischen Kirche, Datum unbekannt) - die Zahlen von Gebet für die Welt betreffen nur die römisch-katholische Kirche des lateinischen Ritus.

Siehe auch : Dogmatik, Geschichte des Christentums

Literatur

Zusammenfassend sei auf das, allerdings aus katholischer Sicht verfasste, Standardwerk von Jedin hingewiesen: Weitere Literatur:
Rezension: Was ist das Christentum? Was ist das wirklich Christliche? Was hält die so vielfältigen und in sich verschiedenen christlichen Kirchen... überhaupt zusammen?" Fragen, auf die die Kirchen klare Antworten finden müssen, wenn sie die augenblickliche große Krise des Christentums überwinden wollen. Küng liefert mit seinem Buch eine umfassende Analyse von 20 Jahrhunderten Kirchengeschichte und damit den Grundstock, auf dem sich eine fruchtbare Diskussion über die Zukunft des Christentums führen ließe. Das Buch behandelt Fragen die in der Geschichte des Christentums immer wieder zu Problemen führten. Evangelikal, zumindest was den Gebetsteil betrifft. Enthält detaillierte Informationen und Statistiken über die Religionen und christlichen Konfessionen für jedes Land der Erde. Dieses Standardwerk gibt eine fundierte Einführung in das Wesen des christlichen Glaubens aus katholischer Sicht.

Weblinks

Bedeutende christliche Persönlichkeiten

Jesus von Nazareth, Petrus, Maria von Magdala, Paulus, Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Mutter Teresa

siehe auch:

Judentum Islam Hinduismus Buddhismus Atheismus Kirchenkritik




     
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