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Heinrich II. (England)



Heinrich II. Plantagenet (* 25. März 11336. Juli 1189) war Herzog von Anjou und König von England (1154 - 1189) und beherrschte zeitweise Wales, Schottland, das östliche Irland und das westliche Frankreich. Seine Beinamen waren "Kurzmantel" (wegen der praktischen knapp geschnittenen Umhänge, die er trug), "Königin Fitz" und "Löwe der Gerechtigkeit", der auch von seinem Großvater Heinrich I getragen wurde. Er war der erste der Angeviner Könige, die auch als das Haus Plantagenet bezeichnet wurden.

Table of contents
1 Geschichte
2 Medien

Geschichte

Der Herzog der Normandie

Heinrich II. wurde am 25. März 1133 als ältester Sohn von Matilda, Tochter Heinrichs I von England und Witwe des deutschen Kaisers Heinrich V, und ihrem zweiten Gemahl Gottfried dem Schönen, Herzog von Anjou geboren. Heinrich wuchs in Anjou auf und besuchte England erstmals 1142, um den Anspruch seiner Mutter auf den englischen Thron zu unterstützen. 1149 wurde er von seinem Onkel König David von Schottland zum Ritter geschlagen. 1150 übernahm er das Herzogtum Normandie.


Henry II.
von England.
Grabbildnis in der
Fontrvrault Abtei

Schon vor seiner Thronbesteigung in England beherrschte er auf dem europäischen Kontinent die Normandie und Anjou. Seine Heirat mit Eleonore von Aquitanien am 18. Mai 1152 brachte weitere Ländereien in seinen Besitz, nämlich die Region um Tours (die Touraine), Aquitanien und die Gascogne. Somit war er mächtiger als sein Lehnsherr (für die kontinentalen Gebiete), der König von Frankreich, mit einem Reich oder besser einem Konglomerat verschiedenartiger Ländereien und Herrschaftsansprüche, das sich vom Solway Firth (zwischen Irland und Schottland) fast bis zum Mittelmeer, und von der Somme bis zu den Pyrenäen erstreckte. Nach seiner Thronbesteigung in England bedeutete diese Struktur unter anderem eine erneute Zusammenführung der normannischen und der britischen Reichsteile des englischen Königtums. 1155 konnte er durch Verhandlungen auch die Bretagne unter seine Kontrolle bringen. Man spricht auch vom so genannten Angevinischen Reich. Kein englischer König vor ihm verfügte über ein größeres Territorium. Allerdings war auch kein vorheriger König stärker in Auseinandersetzungen auf dem Kontinent und mit den Adligen in im eigenen Herrschaftsgebiet verstrickt. Heinrich kämpfte gegen den französischen König Ludwig VII, den geschiedenen Ehemann seiner Frau Eleonore von Aquitanien und dessen Verbündete. Heinrich stand in lebhafter Korrespondenz mit dem Kaiser von Byzanz, Manuel I Komnenos.

Der König von England

Heinrich wurde in England erst in der Spätphase des Bürgerkriegs zwischen seiner Mutter Mathilde und König Stephan aktiv. Der Bürgerkrieg, in dem keine von beiden Seiten den Sieg erringen konnte, wurde 1153 mit dem Vertrag von Wallingford beendet. Stephan adoptierte damit Heinrich II. und setzte ihn zum Nachfolger ein. Stephan regierte noch bis 1154. Anlässlich der Geburt seines ersten Sohnes Wilhelm, dem späteren Graf von Poitiers, kehrte Heinrich 1152 zu seiner Frau zurück. Nach dem Tod Stephans wurden Heinrich II. und Eleonore am 19. November 1154 in Westminster gekrönt.

Sofort versuchte Heinrich, die Auseinandersetzungen zu entschärfen, in die er auf dem Kontinent verwickelt war. Er schloss in Rouen Frieden mit Ludwig VII. und erkannte ihn als seinen Lehnsherren an. Heinrichs ältester Sohn, Heinrich der Jüngere, wurde mit Margarete, der Tochter Ludwigs, verlobt. An der Loire ging derweil der Krieg zwischen Heinrich und seinem Bruder Gottfried um die Herrschaft über Anjou weiter. Nach dem Sieg Heinrichs wurde Gottfried mit der Grafschaft Nantes abgefunden. Ein wichtiger Abschnitt der Expansion nach Süden in Richtung Toulouse war 1159 die Belagerung Nantes', die neue Kämpfe mit Ludwig VII. zur Folge hatte. Erst 1173 wurde der Graf von Toulouse Heinrichs Lehnsmann.

In England betrieb Heinrich zunächst Konsolidierungspolitik. Während der Herrschaft Stephans war die Vormachtstellung der Barone so stark geworden, dass der Monarch das Land kaum noch kontrollierte. Heinrich sah es als vordringlichste Aufgabe an, diese Macht wieder in seine Hände zurück zu verlagern. Festungen, die ohne die Erlaubnis in der Regierungszeit Stephans gebaut worden waren, wurden geschleift. In den 1170er Jahren gelang es einem walisisch-normannischen Ritterheer unter dem Kommando Richard Strongbows, Earl of Clare, die Osthälfte Irlands für Heinrich II. zu erobern.

Heinrich II. baute mehrere Pfalzen in seinen Ländereien und gab an seine Hofmeister die Macht ab, zivile Streitigkeiten im Namen der Krone zu regeln. Er selbst führte die Herrschaft in seinem weitläufigen Reich als klassischer Wanderkönig, vergleichbar mit den deutschen Herrschern. Unter seiner Herrschaft wurde das erste Rechtsbuch geschrieben, das eine Grundlage für das heute im angelsächsischen Rechtskreis stark verbreitete Common Law darstellt. Mit den Assisen von Clarendon (1166) wurde unter anderem das Geschworenengericht zur Regel. Beginnend mit dem Zeipunkt der Eroberung der Britischen Insel durch die Normannen waren die angelsächsischen Prozesse mit einer Jury durch Gottesurteile und "Recht durch Gefecht" - der Wette auf den Kampf (dessen Anwendung in England erst 1819 abgeschafft wurde) - ersetzt worden.

Diese Entscheidung, die Geschworenengerichte erneut einzuführen, war eine der wichtigsten Beiträge Heinrichs II. zur Sozialgeschichte Englands.

Der Konflikte mit Thomas Becket

Durch die Entwicklungen im Rechtssystem wurde die Macht der Kirchengerichte beschnitten. Die Kirche bekämpfte diese Entwicklung sowie darüber hinausgehende Versuche des Königs, Kontrolle über Geistliche auszuüben. Der wichtigste Vertreter der Kirche war Thomas Becket, der Erzbischof von Canterbury, früherer Freund und Kanzler Heinrichs II. Heinrich hatte Thomas Becket 1162 zum Erzbischof ernannt, um Konflikte zu verhindern. Heinrich versuchte Becket und seine Gefolgsleute zu unterwerfen, indem er sie per Eid dazu zwang, sich den "Sitten des Reiches" zu unterwerfen.

Es war und blieb umstritten, was diese Sitten sein sollten und die Kirche weigerte sich, sich dem König zu unterwerfen. Becket verließ England nach dem Konzil von Clarendon 1163, um sich der Unterstützung von Papst Alexander III in Rom und der des Königs von Frankreich zu versichern.

Nach der Beilegung der Zwistigkeiten zwischen Heinrich II. und Thomas Becket in der Normandie 1170 kehrte Becket nach England zurück. Becket überwarf sich erneut mit Heinrich in der Frage der Krönung des Prinzen Heinrich (vgl. unten). Die häufig zitierten Worte Heinrichs II. waren: "Wer erlöst mich von diesem störenden Priester?". Vier seiner Ritter nahmen ihn beim Wort (wie er es vielleicht auch wollte, obwohl er es später stets abstritt) und zogen sofort nach England, wo sie Becket in der Kathedrale von Canterbury am 29. Dezember 1170 ermordeten. Unabhängig von der tatsächlichen Schuld des Königs war sein Ansehen im gesamten Reich damit massiv beschädigt.

Das Drama der Plantagenets

Ein weiterer Konfliktherd ergab sich, als Heinrich in den 1160er Jahren daran ging, sein ausgedehntes Reich unter seinen Söhnen aufzuteilen. Der älteste überlebende Sohn, Heinrich der Jüngere, sollte das englisch-normannische Reich sowie Anjou erhalten, Richard Löwenherz Aquitanien und Gottfried die Bretagne. Für Johann Ohneland, den Jüngsten, blieben Savoyen (durch Heirat), die Grafschaft Mortain und die eroberten irischen Gebiete. Heinrich der Jüngere wurde zum König gekrönt, aber er regierte niemals das englische Festland, da er vor seinem Vater starb.

Diese Aufteilung umfasste zunächst allerdings nur die Titel. Heinrich II. war darauf bedacht, die Macht in allen Teilgebieten bis zu seinem Tod in der eigenen Hand zu behalten. Dieses Vorgehen führte 1172 zur Rebellion seiner Söhne, die durch ihre Mutter Eleonore unterstützt wurde. Ihr Ziel war es, die ihnen zugedachten Territorien sofort in Besitz zu nehmen. Hilfe erhofften sie sich bei m französischen König, einflussreichen französischen Fürsten sowie bei Wilhelm dem Löwen, König von Schottland. Als letzterer 1174 in Gefangenschaft geriet, brach der Aufstand zusammen. Heinrich II. nahm seine Söhne schnell wieder in seine Gunst auf, ließ aber Eleonore in Haft setzen. Gleichzeitig bemühte er sich um die Scheidung und erkannte Rosamund Clifford als Mätresse an, mit der er seit 1165, während einer seiner Feldzüge nach Wales bis zu ihrem Tod 1176 eine Beziehung hatte. Sofort begann Heinrich, eine Heirat mit Alice, die Tochter König Ludwigs VII, vorzubereiten, die bereits mit Heinrichs eigenem Sohn, Richard, verlobt war. Seine Beziehung zu ihr dauerte mehrere Jahre, vermutlich gebar ihm Alice zahlreiche illegitime Kinder.

Der Friede mit den Söhnen währte nicht lange. Bald befanden sie sich wieder in Rebellion gegen ihren Vater. Dem Tod von Heinrich, dem jungen König, 1183 während eines Feldzugs gegen Heinrich im Limousin folgte der Tod des nächsten in der Linie der Thronfolger, Gottfried, Herzog der Bretagne, der 1186 von einem Pferd niedergetrampelt wurde.

Heinrichs drittem Sohn, Richard Löwenherz, gelang es schließlich mit der Hilfe von Philippe II. Auguste und in Absprache mit seinem Bruder Johann Ohneland, Heinrich am 4. Juli 1189 anzugreifen und ihn zu besiegen. Heinrich musste Richard im Abkommen von Azay-le-Rideau als alleinigen Erben anerkennen. Heinrich starb zwei Tage später, am 7. Juli 1189, bei Chateau Chinon und wurde später im Kloster Fontevraud, in der Nähe von Chinon und Saumur in der Region Anjou, beigesetzt.

Somit wurde Richard Löwenherz zum König von England gekrönt. Als dieser an den Kreuzzügen teilnahm, folgte ihm Johann Ohneland, der jüngste Sohn Heinrichs. Die Ansprüche von Arthur, dem Sohn von Gottfried, dem Herzog der Bretagne, und dessen Tochter, Eleanor, wurden nicht berücksichtigt.

Heinrich II. und seine Frau Eleonore von Aquitanien hatten fünf Söhne und drei Töchter:

Heinrich II. soll etwa zehn weitere nichteheliche Kinder mit wenigstens vier anderen Frauen gehabt haben. Eleonore sorgte dafür, dass die meisten dieser Kinder am Hofe aufgezogen wurden. Einige dieser nichtehelichen Kinder verblieben am Hofe.

Medien

Die dramatischen Auseinandersetzungen innerhalb des Hauses Plantagenet haben immer wieder die Phantasie von Autoren, Historikern und Filmemachern herausgefordert. Bereits die Zeitgenosen versuchten Erklärungen für die ungewöhnlich heftigen Kämpfe in der Familie zu finden. So wurde angenommen, dass die Angeviner von einer bösen Fee oder gar dem Teufel abstammten, was der Ursprung für den ständigen Streit sei. Andere stellten Eleonore als "böse Mutter" dar, die die Söhne dem Vater entfremdet hätten. Wieder aAndere machten den fortgesetzten Ehebruch Heinrichs II. verantwortlich oder den Inzest, den Eleonore und Heinrich als, wenn auch entfernt, Verwandte begingen. Moderne Analysen beziehen psychologische Aspekte ein, so die ständige Abwesenheit des Wanderkönigs Heinrich II. von seinen Kindern oder eine mögliche psychische Störung des Königs. Wahrscheinlich waren die politischen Bedingungen ausschlaggebender. Das angevinische Reich umspannte ein riesiges, sehr heterogenes Gebiet. Es war erst vor kurzer Zeit entstanden und vor allem unter den Adligen existierte kein Zusammengehörigkeits- oder Reichsbewusstsein.

Das Filmdrama The Lion in Winter (Der Löwe im Winter), in den Hauptrollen Peter O'Toole und Katharine Hepburn (Nebenrolle: Anthony Hopkins), befasst sich mit den verräterischen Machenschaften um die Herrschaft des Thrones von England.

Ein Remake dieses Filmes, mit Patrick Stewart und Glenn Close in den Hauptrollen, erschien 2003. Heinrich II. und seine Söhne, König Richard Löwenherz und König John waren weiterhin ein Thema der BBC-Serie The Devil's Crown (Die Krone des Teufels).

1978 erschien ein Buch von Richard Barber mit dem gleichen Namen wie die BBC-Serie.

Vorgänger:
Stephan
Liste der Herrscher Englands Nachfolger:
Richard I


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