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Heinrich VI. (England)



Heinrich VI. (* 6. Dezember 1421 bei Windsor; † 20. Mai 1471 in London), König von England aus dem Haus Lancaster von 1437 bis 1461 und von 1470 bis 1471.

Heinrich war das einzige Kind und Erbe von König Heinrich V von England. Heinrich wurde am 6. Dezember 1421 bei Windsor geboren, sein Vater starb jedoch, als er erst ein paar Monate alt war. Seine Mutter, Katharina von Valois, war Französin und erst zwanzig Jahre alt. Wegen großem Argwohn ob ihrer Nationalität hatte sie nicht viel mit der Erziehung ihres Kindes zu tun. Das Land wurde von Regenten verwaltet, bis Heinrich volljährig war. Die einflussreichsten Regenten waren seine Onkel Humphrey, Herzog von Gloucester, und Johann, Herzog von Bedford, beides jüngere Brüder von Heinrich V. Humphrey übte die Regentschaft in England, Johann in Frankreich aus. 1437 übernahm Heinrich VI. die Regierungsgeschäfte; im selben Jahr starb auch seine Mutter. Seine Halbbrüder Edmund und Jasper Tudor, Söhne aus der zweiten Ehe seiner Mutter, wurden später Grafenwürden zuteil. Edmund war der Vater von Henry Tudor, später König Heinrich VII von England.

Die militärischen Erfolge Heinrichs V. hatten die seit rund 200 Jahren immer weiter geschrumpften Territorien der englischen Krone in Frankreich wieder deutlich anwachsen lassen. Zudem sorgten innere Außeinandersetzungen in Frankreich dafür, dass England während der Unmündigkeit Heinrichs VI. keinen ernstzunehmenden äußeren Gegner hatte. Kurz darauf schlug die Lage jedoch um. Die französische Offensive, verbunden mit dem Namen Jeanne d'Arc läutete den endgültigen Zerfall englischer Herrschaft auf französischem Boden ein. Vorerst konnte diese Entwicklung durch den Frieden von Tours 1444 aufgehalten werden. Wesentlicher Bestandteil dieses Vertrags war die Heirat Heinrichs mit Margaret von Anjou. Eine Geheimklausel sah den Verzicht auf die Grafschaft Maine vor. Das Bekanntwerden dieser Klausel führte dazu, dass Spannungen, die sich zuvor am Hof aufgebaut hatten, offen ausbrachen. Heinrich VI. hatte eine Reihe von Günstlingen um sich gesammelt, die zunehmend in Konflikt mit Gloucester und Bedford, den beiden ehemaligen Regenten, gerieten. 1441 gelang es der Hofpartei, Gloucesters zweite Frau in einem Hexereiprozess verurteilen zu lassen. Als der in Adel und Volk beliebte Gloucester sich offen gegen die Geheimklausel des Friedensvertrags aussprach, ließ ihn Wilhelm de la Pole, Herzog von Suffolk und wichtiges Mitglied der Hofpartei, 1447 inhaftiert. Gloucester starb wenige Tage später.

Nach einer kurzen Verschnaufpause setzten sich die Niederlagen in Frankreich fort. 1450 ging die Normandie verloren. Im gleichen Jahr musste Heinrich VI. auf Drängen des Parlaments seinen Vertrauten Suffolk verbannen. Auf der Überfahrt nach Frankreich starb er unter ungeklärten Umständen. Nur wenige Wochen später kam es in der Grafschaft Kent zu einem Bauernaufstand, der von Teilen des Landadels unterstützt wurde, aber im Sommer 1450 zusammenbrach. In dieser Krisenstimmung begann Richard Plantagenet, Herzog von York, politisch aktiv zu werden. Richard hatte ein begründetes Anrecht auf den englischen Thron, möglicherweise sogar ein größeres als Heinrich VI. selbst. Heinrichs VI. Großvater, Heinrich V., hatte den englischen Thron usurpiert, obwohl sein Cousin Edmund Mortimer das größere Anrecht auf die Thronfolgerschaft hatte. Richard Plantagenet war der Großenkel Edmunds. Nun trat Plantagenet als Gegner der Hofpartei auf, insbesondere ihres nach dem Tod Suffolks mächtigsten Anführers Edmund Beaufort, Herzog von Somerset. Richard Plantagenet war zuvor Statthalter der Normandie gewesen, hatte sich dort persönlich und finanziell stark engagiert, war dann aber von Somerset abgelöst worden, unter dem das Gebiet an Fankreich fiel. 1450 und 1452 versuchte York erfolglos, Somerset zu stürzen. Erst 1453 konnte er die Unterstützung der mächtigen und mit ihm verwandten Magnatenfamilie Neville erlangen, unter deren Protektion er den Vorsitz des Kronrats einnahm. Dieses Gremium wurde um so wichtiger, als es für den zwischenzeitig geisteskranken Heinrich VI. nahezu alle Amtsgeschäfts wahrnahm.

Kurz nach der Geburt seines ersten und einzigen Kindes, Eduard Prinz von Wales am 13. Oktober 1453 hatte der König, der schon zuvor ein zutiefst vergeistigter Mensch war, einen Nervenzusammenbruch, dem eine erste längere Phase der Geisteskrankheit folgte. Das Gerücht ging um, das Somerset der wahre Vater Eduards sei. Die Beliebtheit des Königs, um die es wegen seines mönchischen Gehabes, seiner Abneigung gegen das Reiten und Waffentragen sowie wegen seines Vertrauens in unpopuläre Berater bereits zuvor schlecht gestanden hatte, nahme weiter ab.

Während sich der Zustand des Königs vorübergehend besserte, schlug Richard Plantagenet 1455 in der Schlacht von St. Albans ein Aufgebot unter seinem Gegenspieler Somerset, der dabei den Tod fand. Die Schlacht wird allgemein als Anfang der Rosenkriege zwischen den Häusern Lancaster und York angesehen.

Richard Plantagenet machte nach dem Erfolg von St. Albans zunächst keine Anstalten, seinen Thronanspruch durchzusetzen. Während er sich in Irland befand, bemächtigte sich 1460 jedoch in der Schlacht von Northhampton Yorks Verbündeter, Richard Neville, Graf von Warwick, des handlungsunfähigen Königs. Nun wollte York seinen Anspruch auf den Thron durchsetzen, scheiterte jedoch sowohl mit dem Vorhaben, sich vom Parlament per Akklamation als auch mit einem formaljuristischen Verfahren als König einsetzen zu lassen. Schließlich kam es aber doch zu einem Kompromiss: Am 31. Oktober 1460 ernannte Heinrich VI. Richard von York zu seinem Erben und Nachfolger. Zusätzlich erhielt er augenblicklich den Titel und die rechte eines Prinzen von Wales. Heinrichs eigener Sohn Eduard wurde nicht berücksichtigt.

Königin Margaret übernahm für ihren im Londoner Tower gefangenen Mann und ihren Sohn die Führung des Hauses Lancaster im Kampf gegen den neuen König. Schon am 30. Dezember 1460 gelang es den Lancaster-Truppen in der Nähe von Sandal Castle, Richard in einer Schlacht zu schlagen und zu töten. Yorks zweiter Sohn Edmund, Graf von Rutland wurde wenig später hinterrücks ermordet, Richard Neville einen Tag später hingerichtet. Ihre drei Häupter zierten darauf Micklegate Bar in York. Der zu diesem Zeitpunkt 18-jährige Eduard von York übernahm an Stelle seines gefallenen Vaters die Führung des Hauses York. Auch das Haus Neville unterstützte unter Richard dem Jüngeren, dem kingmaker, weiter die Yorkisten. Dieser musste aber bei St. Albans eine Niederlage gegen lancastrische Truppen hinnehmen. Eduard konnte jedoch bei Mortimer's Cross und am Palmsonntag 1461 bei Towton glanzvollere Siege erfechten. Am 28. Juni wurde Eduard von York als Eduard IV zum englischen König gekrönt.

Das Haus Lancaster trat derweil unter der Führung Königin Margarets sein Exil in Schottland an. Durch die Heirat von Heinrich VI. Sohn Eduard mit der Tochter des schottischen Königs James III. banden sich die beiden Häuser eng aneinander. Margaret und ihr Sohn Edmund, der Prinz von Wales, sammelten Truppen für eine lancastrische Gegenoffensive. Der Zeitpunkt war gekommen, als Richard Neville, der Graf von Warwick, 1470 von York auf die Seite Lancasters wechselte, Eduard IV. kurzzeitig ins Exil zwang und Heinrich VI. ebenso kurzfristig wieder auf den Thron verhalf. Zwar fiel der kingmaker im April 1471 in der Schlacht von Barnet, das entscheidende Gefescht zwischen den Truppen Yorks und Lancasters sollte aber am 4. Mai bei Twekesbury stattfinden. Nicht zuletzt aufgrund der militärischen Unerfahrenheit des Prinzen von Wales wurde die Schlacht zu einer vernichtenden Niederlage für Lancaster. Der Prinz selbst wurde auf der Flucht erschlagen, wichtige lancastrische Anführer nach einem Schauprozess hingerichtet. Margarete geriet in die Gefangenschaft Eduards IV. Noch in der Nacht nachdem der Sieger in London einzog, wurde Heinrich VI. im Tower ermordet. Mit ihm erlosch die Linie der Lancasters.

König Heinrich VI. wurde zuerst in der Chertsey Abtei begraben, später wurde sein Körper ins Windsor Castle gebracht und dann in die Westminster Abbey.

Vorgänger:
Heinrich V
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Eduard IV


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