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Kaliningrad



Kaliningrad (russisch Калининград) ist die Hauptstadt der Kaliningrader Oblast, einer russischen Exklave zwischen Polen und Litauen mit Zugang zur Ostsee. Kaliningrad hat 434.700 Einwohner (Stand: 2004). Bis 1945 hieß die Stadt Königsberg und war die Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen. Die geographischen Koordinaten sind: 54,71° Nord, 20,50° Ost.

(Kaliningrad war außerdem der Name einer zweiten russischen Stadt, diese wurde 1995 in Koroljow umbenannt.)

Table of contents
1 Geschichte
2 Bildungseinrichtungen
3 Name
4 Geografie und Klima
5 Stadtbezirke
6 Wirtschaft und Verkehr
7 Sehenswürdigkeiten
8 Berühmte Personen der Stadt
9 Kulinarische Spezialitäten
10 Literatur
11 Weblinks

Geschichte

Das Land an der Ostsee war um das Jahr 1000 n. Chr. von den zu dem Balten gehörenden Pruzzen bewohnt. Hier wurde 1250 auf der Halbinsel Samland (Lateinisch Sambia) Königsberg im Zuge der Eroberungen des Deutschen Ordens gegründet, und wurde nach dem Verlust der Marienburg 1457 die Hauptstadt des Ordensstaates. Der Name der Stadt ehrt den König Ottokar II, welcher sich durch seinen Eifer bei der Christianisierung der Heiden auszeichnete. Der Märtyrer St. Adalbert von Prag wurde Hauptpatron des Königsberger Doms.

Zur selben Zeit gründete der Markgraf von Brandenburg, Otto, Sohn von Albrecht dem Bären, die Ortschaft Brandenburg nahe Königsberg. 1525 wandelte der Hochmeister Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum (Herzogtum Preußen) um und führte die lutherische Reformation im Lande ein. 1544 wurde die erste evangelische Universität in Königsberg ("Albertina") von Herzog Albrecht gegründet. Der Rektor des Gymnasiums in Elbing, Willem van de Voldersgraft, kam zur Königsberger Albertina und war gleichzeitig ein Rat des Herzogs. Der preußische Historiker Christoph Hartknoch beschrieb das Leben des Rates und Rektors in seiner Vita Guilielmi Gnaphei (Acta Borussica III).

1618 wurde durch Erbfolge Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg Herzog von Preußen. Wie auch seine Vorgänger musste er die polnische Lehnshoheit über das Herzogtum anerkennen. Durch geschicktes Larvieren zwischen den europäischen Mächten gelang es dem Kurfüsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (dem "grossen Kurfürsten") die volle Souveränität über das Herzogtum Preußen mit Königsberg zu erlangen (Verträge von Labiau 1656 und Wehlau 1657, Frieden von Oliva 1660). 1701 wurde das Herzogtum Preußen zum Königreich erhoben und Kurfürst Friedrich III. krönte sich am 16. Januar im Königsberger Dom zum König in Preußen.

Der Name des Landes wurde später auf alle Ländereien des Staates angewandt und das eigentliche, namensgebende Preußen wurde zur östlichsten Provinz, zu "Ostpreußen". Königsberg war Hauptstadt dieser Provinz und wurde vielfach als inoffizielle zweite Hauptstadt (nach Berlin) des Gesamtstaates gesehen. 1708-1710 hatte Ostpreußen große Bevölkerungsverluste durch die Pest. Diese wurden unter dem "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I durch eine forcierte Einwanderungs- und Wirtschaftspolitik größtenteils wieder ausgeglichen (z. B. 1732 Einwanderung der Salzburger "Exulanten", der letzten im Erzbistum Salzburg noch verbliebenen Protestanten, die durch Erzbischof Firmian vertrieben wurden). In den Kriegen Friedrichs des Großen 1740-1763 wurde Ostpreußen mit Königsberg wiederholt Kriegsschauplatz und von russischen Truppen besetzt. Am 22. April 1722 wurde in Königsberg, der wohl berühmteste Sohn der Stadt, der Philosoph Immanuel Kant geboren († 12. Februar 1804). Kant soll in seinem Leben kaum je seine Heimatstadt verlassen haben. Durch ihn wurde die Königsberger Universität zu einem Zentrum der deutschen idealistischen Philosophie. Um 1800 zählte Königsberg mit ca. 60 000 Ew. zu den größten deutschen Städten (Berlin ca. 170.000, Wien ca. 230.000, Hamburg ca. 130.000, Dresden und Breslau ca. 60.000, Köln und Frankfurt am Main 50.000, Leipzig 40.000, München 30.000).

Auch in den napoleonischen Kriegen war Ostpreußen mit Königsberg Kriegsschauplatz (Flucht- und Rückzugsgebiet der preußischen Armee und des Königs nach den Niederlagen gegen Napoleon 1807). Nach der Niederlage der "Grande Armee" Napoleons in Russland begann von Ostpreußen aus die organisierte Befreiungsbewegung gegen Napoleon (30. Dezember 1812 Militätkonvention von Tauroggen zwischen dem preußischen General Yorck und den russischen Befehlshabern).

1829-1878 waren die beiden Provinzen Ost- und Westpreußen als Provinz "Preußen" mit Königsberg als Provinzhauptstadt vereinigt. 1860 wurde der Bau der Preußischen Ostbahn, die Königsberg an Berlin anschloss und die Stadt zu einem wichtigen Knotenpunkt im innereuropäischen Verkehr machte, vollendet.

Königsberg wurde Teil des Norddeutschen Bundes, dann 1871 des Deutschen Reicheses. Im neugegründeten Deutschen Reich erlebte Königsberg einen wirtschaftlichen Aufschwung (im Jahr 1912 246.000 Einwohner).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die das Wachstum der Stadt behindernden Festungsanlagen geschleift. Durch den Versailler Friedensvertrag war Ostpreußen vom übrigen Reichsgebiet abgetrennt worden, was zu großen wirtschaftlichen Problemen führt, die aber durch eine gezielte Wirtschaftspolitik (z. B. Gründung der "Ostmesse" in Königsberg) gemildert werden konnten. 1934 hatte Königsberg etwa 300.000 Einwohner. Vor Ende des Zweiten Weltkriegeses wurde die im Jahre 1944 von britischen Bombern stark zerstörte, unsinnigerweise zur "Festung" erklärte Stadt von sowjetischen Truppen eingenommen und ergab sich im April 1945. Von den nach der Flucht etwa 150.000 zurückgebliebenen Königsbergern kamen viele um oder wurden zwangsumgesiedelt; es blieben nur etwa 20.000 zurück. Im Gegenzug erfolgte die meist geförderte Ansiedlung sowjetischer Bürger in die im Juni 1946 in Kaliningrad (nach dem kurz zuvor verstorbenen sowjetischen Politiker Michail Iwanowitsch Kalinin) umbenannte Stadt. Im Jahre 1969 wurden die Überreste des Schlosses in Königsberg durch Sprengung vollständig zerstört. Das neue Rathaus, das neben der Stelle des Schlosses erbaut werden sollte, blieb jedoch eine Baustelle.

Kaliningrad gehörte zu den von sowjetischen Truppen besetzten ehemals deutschen Ostgebieten, die von der Bundesrepublik Deutschland - jedoch nicht von der DDR - als unter sowjetischer Verwaltung stehend betrachtet wurden. Erst mit der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrages am 12. September 1990 verzichtete die Bundesrepublik Deutschland als Voraussetzung zur Genehmigung der Besatzungsmächte zur Wiedervereinigung auf alle Ansprüche östlich der Oder-Neiße-Linie und erkannte damit Kaliningrad als zur Sowjetunion gehörend an.

Während des Kalten Krieges war Kaliningrad Ort wichtiger sowjetischer Militäranlagen und für Besucher gesperrt. Als Resultat der Unabhängigkeit der Baltischen Staaten wurde das Gebiet zur russischen Exklave.

Viele Russen aus den Baltischen Staaten oder aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, wo sie nun umgekehrt eine unterdrückte entrechtete Minderheit bilden, haben sich seit 1992 in Kaliningrad angesiedelt. Russland-Deutsche, welche in die asiatischen Teile der Sowietunion verschleppt wurden, siedeln sich auch in Königsberg an, meistens jedoch wanderten diese weiter nach Deutschland.

Bildungseinrichtungen

Name

Der heutige Name der Stadt (wörtlich übersetzt: Kalininstadt) ist speziell in
Deutschland ein umstrittenes Thema: Häufig wird auf die Tradition verwiesen, gebräuchliche deutsche Namen auch für Städte zu verwenden, die schon seit langem nicht mehr deutsch sind oder niemals waren, etwa Moskau oder Peking. Dagegen wird argumentiert, diese Städte seien allerdings in der jüngeren Geschichte auch nicht in der lokalen Sprache umbenannt worden. Andererseits war trotz der Umbenennung in westdeutschen Publikationen die Verwendung des Namens Königsberg weit verbreitet. Vor dem Hintergrund der Flucht und Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg bestehen hauptsächlich deutsche Vertriebenenorganisationen auf der Bezeichnung als Königsberg, die zwischen 1255 und 1946 bestand.

Unter der russischen Bevölkerung ist der Name Kaliningrad teilweise umstritten; es sind die Bezeichnungen Kenigsberg, oder auch kurz Kenig, insbesondere in der Werbung und als Bezeichnung von touristischen/gastronomischen Einrichtungen manchmal gebräuchlich. Die Benennung der Stadt nach dem stalinistischen Funktionär Michail Iwanowitsch Kalinin, der die stalinistischen Verbrechen weitgehend mitgetragen hat, wird heute zunehmend als ungünstig empfunden.

Bewegungen in Kaliningrad, die sich für die Wiederverwendung des historischen Namens Königsberg oder eine Umbenennung in Kantgrad nach Immanuel Kant einsetzen, werden derzeit allerdings nur von kleinen Teilen der russischen Bevölkerung der Stadt mitgetragen. Gegner einer Rückbenennung nach Königsberg unterstellen revisionistische und revanchistische Hintergründe, die Umbennung solle vorwiegend die Eigentumsansprüche von Vertriebenen bekräftigen.

Am wahrscheinlichsten ist zur Zeit, dass zumindest für die nähere Zukunft der Name "Kaliningrad" weiter als offizieller Name benutzt wird, während "Kenig" bei einigen v.a. mit dem Tourismus in Zusammenhang stehenden Firmen als "Spitzname" für die Stadt verwendet wird.

Geografie und Klima

Kaliningrad ist die westlichste Großstadt Russlands. Es befindet sich im Westen der Kaliningrader Oblast am Pregel (Pregolja), der durch Kaliningrad fließt und direkt westlich davon ins Frische Haff mündet. Die Landschaft besteht aus Flachland, unterbrochen von Moränenhügeln. Im Norden und Westen grenzt die Stadt an die Halbinsel Samland, im Osten und Süden an die Pregelniederung. Kaliningrad befindet sich am Übergang von ozeanischem zu kontinentalem Klima (z.T. sehr kalte Winter). Insgesamt ist das Wetter aber eher unbeständig.

Stadtbezirke

Die Stadt wird heute in fünf Stadtbezirke eingeteilt:
Baltijskij (Baltisches Viertel)
Moskowskij (Moskauer Viertel)
Leningradskij (Leningrader Viertel)
Oktjabrskij (Oktoberviertel)
Zentralnij (Zentrum)

Wirtschaft und Verkehr

Kaliningrad ist als ganzjährig eisfreier
Seehafen ein wichtiger russischer Standort für die Werftenindustrie. Daneben ist es auch Basis einer großen Fischereiflotte und besitzt Möbel- und Autoindustrie.

Von Baltijsk bei Kaliningrad aus besteht eine regelmäßige Fährverbindung nach Sankt Petersburg, außerdem nach Kopenhagen, Riga und Kiel. Eisenbahnen verkehren nach Braniewo in Polen (Woiwodschaft Ermland-Masuren), nach Baltijsk, Swetlogorsk, Sowetsk, Litauen über Tschernjachowsk und nach Bagrationowsk. Die wichtigste Straßenverbindung zum russischen Kernland verläuft parallel zur Eisenbahn über Tschernjachowsk und Tschernyschewskoje, Litauen und Weißrussland. Bei Chrabrowo befindet sich ein Flughafen mit Verbindungen hauptsächlich ins russische Kernland, nach Polen und nach Nordeuropa.

Sehenswürdigkeiten

Das frühere dicht bebaute Stadtzentrum aus Vorkriegszeiten besteht heute aus Parks, breiten Straßen, dem Platz, an dem früher das Schloss stand und nur noch zwei Gebäuden: Neben dem Standort des ehemaligen Schlosses steht heute die Bauruine des Rätehauses (Dom Sowjetow), in die in den 1960er Jahren die Stadtverwaltung einziehen sollte, die aber aus statischen Gründen unbenutzbar geblieben ist. Auf der Kantinsel (früher Kneiphof) steht als zweites Gebäude der Königsberger Dom, der als einziges Gebäude von der alten Innenstadtbebauung erhalten geblieben ist. Das derzeitige Stadtzentrum befindet sich im Nordwesten der alten Stadtmitte am Pobedy Ploschtschad (früher Hansaplatz), an dem sich Theater, Nordbahnhof, Stadtverwaltung, viele Geschäfte und die orthodoxe Christ-Erlöser-Kathedrale befinden.

Berühmte Personen der Stadt

Im Jahre
1690 wurde der Mathematiker Christian Goldbach in Königsberg geboren. Königsberg war die Geburtsstadt des Philosophen Immanuel Kant, der auch in dieser Stadt lehrte; auch der philosophische Schriftsteller Johann Georg Hamann war in Königsberg zuhause; Johann Gottfried Herder lernte diese beiden hier als Student kennen. Im Jahr 1736 benutzte der Mathematiker Leonhard Euler die Brücken und Inseln in Königsberg als die Basis zur Lösung eines Problems, das Sieben-Brücken-Problem von Königsberg, welches zum mathematischen Zweig der Topologie führte. In Kaliningrad sind die Wallenrodt-Bibliothek und die Prussia-Sammlung zu Hause.

Weitere Bekannte Personen

Kulinarische Spezialitäten

Literatur

Weblinks




     
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