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Deutsche Demokratische Republik



Dieser Artikel befasst sich mit der Deutschen Demokratischen Republik. Für weitere Bedeutungen der Abkürzung DDR siehe DDR (Begriffsklärung).

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR, in der BRD bezeichnet als Mitteldeutschland [bis 1970], Ostdeutschland [ab 1970]) wurde 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und dem Ostsektor Berlins gegründet. Sie bezeichnete sich selbst als sozialistischer Staat und bestand vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990.

Table of contents
1 Daten
2 Flagge
3 Geschichte
4 Politik
5 Gesellschaftliches Leben
6 Geographie
7 Sprache
8 Wirtschaft
9 Nationalhymne
10 Siehe auch
11 Literatur
12 Weblinks

Daten

Flagge

Drei waagerechte Streifen in den traditionellen deutschen Farben Schwarz, Rot und Gold mit dem Wappen in der Mitte bestehend aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz als Symbol der Einheit von Arbeitern, Bauern und Intelligenzschicht.

Erste Entwürfe des Wappens beinhalteten noch lediglich Hammer und Ährenkranz, als Ausdruck des „Arbeiter- und Bauernstaates“. Mit Gesetz vom 26. September 1955 wurde das Staatswappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz bestimmt, als Staatsflagge aber weiter „nur“ Schwarz-Rot-Gold. Mit Gesetz vom 1. Oktober 1959 wurde nunmehr das Wappen in die Staatsflagge eingefügt. Das Zeigen dieser Zonenflagge wurde bis Ende der 1960er in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin als ein Verstoß gegen Verfassung und öffentliche Ordnung angesehen und durch polizeiliche Maßnahmen verhindert (vergleiche Erklärung der Innenminister von Bund und Ländern, Oktober 1959). Erst 1969 verfügte die Bundesregierung, „daß die Polizei nirgendwo mehr gegen die Verwendung von Flagge und Wappen der DDR einschreiten sollte.

Auf Antrag der DSU beschließt die erste frei gewählte Volkskammer der DDR am 31. Mai 1990, dass das DDR-Staatswappen innerhalb einer Woche in und an öffentlichen Gebäuden entfernt werden soll. Dennoch fand es bis zum offiziellen Ende der Republik beispielsweise auf Dokumenten weiter vielfältige Verwendung.

Geschichte

Siehe auch:

Die DDR wurde auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone und dem Sowjetischen Sektor Berlins am 7. Oktober 1949 als Reaktion auf die fünf Monate vorher erfolgte Gründung der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Sie stand von Anfang an unter der Herrschaft der SED und war Teil des unter der Hegemonie der Sowjetunion stehenden Ostblocks. Von 1949 bis 1971 war Walter Ulbricht als Generalsekretär der SED der faktische Machthaber, von 1971 bis 1989 Erich Honecker.

Zunächst betrieb die Sowjetunion die Angleichung der DDR an das zentralkommunistische System weniger voran, um die Chance auf eine politisch neutrale und vielleicht auch sowjetisch dominierte deutsche Einheit nicht zu verspielen. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit der Ablehnung der Stalinnote 1952. Die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Verstaatlichung der Betriebe wurden massiv vorangetrieben. Die Länder der DDR wurden 1952 aufgelöst und durch Bezirke ersetzt. Am 17. Juni 1953 kam es in Ost-Berlin zu Demonstrationen gegen erhöhte Arbeitsnormen, die sich zu einem Aufstand gegen die Parteidiktatur der SED ausweiteten. Dieser wurde militärisch von den in der DDR stationierten sowjetischen Truppen teilweise blutig niedergeschlagen.

Da die Wirtschaft der DDR sich aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen nach dem Krieg deutlich langsamer entwickelte als die der BRD und wesentliche Freiheiten nicht gewährt wurden, siedelten viele Menschen aus der DDR in die BRD über. Dies wurde für die DDR bedrohlich, da überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen den Staat verließen. „Republikflucht“ wurde daher in der DDR zur Straftat erklärt, die Grenze zur BRD durch Sperranlagen, lebensbedrohende Minensperren, Selbstschussanlagen und gezielt schießende Grenzsoldaten „gesichert“. Bei dem Versuch, dieses Sperrsystem zu überwinden, kamen sehr viele Menschen um. Die „Todesschützen“ der Grenztruppen erhielten Belobigungen oder Sonderurlaub. Diese und andere Menschenrechtsverletzungen wurden von der Bundesrepublik von einem eigens eingerichteten Dokumentationszentrums für DDR-Verbrechen in Salzgitter dokumentiert. Die noch offene Grenze in Berlin wurde ab dem 13. August 1961 durch die Berliner Mauer verschlossen, die damit zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas wurde.

Im Zuge der Ostpolitik der bundesdeutschen Regierungen seit 1966, die hauptsächlich von Willy Brandt (Außenminister 196669, Bundeskanzler 196974) formuliert wurde, kam es zur Annäherung an die Bundesrepublik Deutschland. Diese gab zwar ihren Alleinvertretungsanspruch auf, erreichte aber die Anerkenntnis, dass die Deutschen ein Volk sind, das lediglich in zwei Staaten lebte. Daraufhin wurden 1973 beide deutschen Staaten Mitglieder der UNO.

Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Bürger der DDR über Ungarn, das am 2. Mai 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte und ab dem 11. September 1989 auch DDR-Bürgern offiziell die Ausreise nach Österreich erlaubte, sowie über die Botschaften der BRD in ostmitteleuropäischen Staaten, vor allem in Prag. Da die DDR-Führung die Umgestaltungspolitik des sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow nicht nachvollziehen wollte, destabilisiert sie die DDR zunehmend von innen heraus.

Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die auf der sowjetischen Perestroika-Politik beruhenden, von Honecker aber enttäuschten Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen führten im Rahmen der Friedensgebete der Evangelischen Kirche 1989 zu regelmäßigen Protestdemonstrationen. Diese weiteten sich vor allem im Leipzig sehr schnell zu Großdemonstrationen aus, die friedlich blieben. (Zu trennen sind hiervon die Protestdemonstrationen wegen der erzwungenen Durchreise der Botschaftsflüchtlinge aus Prag und Warschau, die in Dresden am Hauptbahnhof zu wüsten Ausschreitungen führten.)

Am 18. Oktober 1989 musste Honecker unter dem Druck der Straße zurücktreten. Wenige Tage später trat die komplette DDR-Regierung zurück. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung führten schließlich zum friedlichen Sturz des SED-Regimes. Am 3. Oktober 1990 geschah gemäß Einigungsvertrag der Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes.

Politik

Die offiziellen staatlichen Institutionen übten zwar formell die Macht aus, konnten faktisch aber bis 1989 nur Beschlüsse der tatsächlichen Machthaber bestätigen:

Tatsächlich kontrolliert wurde der Staat durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) und die Sowjetunion. Der absolute Führungsanspruch der SED war seit 1968 auch offiziell in der Verfassung der DDR verankert. In Artikel 1 der Verfassung hieß es:

Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.

Ihre Führungsrolle setzte sie durch einen umfangreichen Überwachungs- und Spitzelapparat (MfS), durch die Zensur von Printmedien, Hörfunk und Fernsehen und Repressalien gegen politisch Andersdenkende durch. Unter dem Druck der friedlichen Revolution (Wende) wurde dieser Führungsanspruch noch im Dezember 1989 von der alten DDR-Volkskammer aus der Verfassung gestrichen.

Die DDR war international im Warschauer Pakt und im RGW eingebunden und seit 1973 Mitglied der Vereinten Nationen.

Bewaffnete Organe des Staatsapparates

Die GST (Gesellschaft für Sport und Technik) wurde auf Moskauer Geheiß von der SED 1952 gegründet und war eine von mehreren paramilitärischen Organisationen im Umfeld der NVA, die zu der Militarisierung der Gesellschaft beitrugen, indem sie die gesetzlich vorgeschriebene vormilitärische Ausbildung an Schulen, Universitäten und in den Betrieben durchführte. Ihre Bedeutung wuchs zunehmend vom bloßen Wehrsport zur «Schule des Soldaten von morgen». Sie betrieb Schießstände und führte Wehrausbildungslager sowie Wettkämpfe durch. Oftmals bot sie die einzige Möglichkeit, bestimmte Sportarten (z.B. Segelfliegen, Motorfliegen, Schießsport) legal auszuüben. Das attraktive Angebot derartiger Freizeitgestaltung wurde ab den 1970er Jahren mehr und mehr eingeschränkt, insbesondere nachdem wiederholt DDR-Bürgern mit Fluggeräten verschiedener Art die Flucht in die Bundesrepublik gelungen war.

Durch die erzwungene Teilnahme an vormilitärischen Wehrübungen, ohne sie war in der Regel der Zugang zu Studium und Berufsausbildung versperrt, kamen fast alle Bevölkerungsgruppen mit der GST in Kontakt, die diese «Übungen» organisierte. Etwa 1% der Ausgaben wurde aus dem offiziellen Verteidigungshaushalt bestritten, ebenso viel musste von anderen staatlichen Einrichtungen finanziert werden. Die GST wurde von hauptamtlichem Personal der Armee dominiert.

Die NVA war an den militärischen Aktionen zur Niederschlagung des Prager Frühlings beteiligt. Dies war der erste geplante Auslandseinsatz deutscher Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die 7. Panzerdivision und die 11. Motorisierte Schützendivision sollten ursprünglich mit in die CSSR einmarschieren. Wegen der zu erwartenden verheerenden Wirkungen außer- und innerhalb des Warschauer Pakts sind die Divisionen auf Weisung der UdSSR hin nicht „regulär“ eingesetzt worden, sondern leisteten „nur“ logistische Hilfe beim Einmarsch und standen direkt an der Grenze im Falle eines möglichen, den Sowjetunterdrückern außer Kontrolle geratenden Volksaufstandes. Diverse Verbindungsoffiziere, NVA-Nachrichtensoldaten und auch MfS-Offiziere waren direkt in der CSSR im verdeckten oder korrespondierenden Einsatz.

Parteien

Herrschende Partei der DDR war die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Ihr Führungsanspruch war seit 1968 in der Verfassung festgeschrieben und manifestierte sich auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens in der DDR.

Neben der SED gab es vier weitere Parteien, die mit der SED und einigen Massenorganisationen im sogenannten demokratischen Block (Nationale Front) zusammenarbeiteten, die sogenannten Blockparteien:

Sie waren zwar formal an den meisten Gremien und Organen der DDR beteiligt, hatten aber de facto keinen wirklichen Anteil an der Macht.

In der Zeit der Wende gründeten sich 1989 zahlreiche neue Parteien und Bürgerbewegungen. Dies waren unter anderem:

Zur einzigen freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 traten neben den alten DDR-Parteien, die meist inzwischen komplett andere Ziele vertraten, auch viele der neu gegründeten Parteien und Bürgerbewegungen an, teilweise in dazu gegründeten Wahlbündnissen.

Die SED änderte noch 1989 ihren Namen in SED/PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) und benannte sich Anfang 1990 in PDS um

Massenorganisationen

Neben den Parteien gehörte eine Reihe so genannter Massenorganisationen zur Nationalen Front. Sie waren teilweise mit eigenen Mandaten in den Volksvertretungen bis hin zur Volkskammer vertreten. Die überwiegende Mehrheit der DDR-Bürger im schulpflichtigen oder erwerbstätigen Alter war in einer oder mehreren dieser Organisationen Mitglied.

Gesellschaftliches Leben

Verbände

Sonstige Spezifika der DDR

Religionen

In der DDR gab es verschiedene Religionsgemeinschaften. Die größte Rolle spielten die christlichen Kirchen, insbesondere die seit 1969 im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR zusammengeschlossenen acht evangelischen Landeskirchen und die römisch-katholische Kirche, aber auch verschiedene Freikirchen. Daneben gab es jüdische Gemeinden, sowie vereinzelt ab den 1980er Jahren buddhistische, hinduistische und muslimische Gruppen. Die religiösen Organisationen waren die einzigen legalen vom Staat unabhängigen Organisationen.

Religionsfreiheit war auch in der DDR in der Verfassung festgeschrieben und wurde formal auch gewährt. Dennoch versuchte die DDR mit unterschiedlichen Methoden, den Einfluss vor allem der großen Kirchen zurückzudrängen und vor allem junge Menschen kirchlichem Einfluss zu entziehen. Folge auch dieser Politik war es, dass die Zahl religiös gebundener Menschen im Laufe der DDR-Geschichte erheblich abnahm. Die Politik der DDR konnte aber nicht verhindern, dass die christlichen Kirchen ein gewisser eigenständiger gesellschaftlicher Faktor blieben. Die Geschichte der Wende zeigte dann, dass sich gerade in den evangelischen Kirchen ein großer Teil der Menschen fand, teilweise ohne selber religiös zu sein, die zu den Trägern der Wende wurden.

Siehe auch: Christen und Kirche in der DDR

Geographie

Das Territorium der DDR bestand aus den heutigen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sowie dem Ostteil Berlins. Hinzu kam die Gemeinde Amt Neuhaus, die nach dem Zweiten Weltkrieg dem Land Mecklenburg zugeschlagen worden war und nach der Wiedervereinigung wieder niedersächsisch wurde.

Die DDR grenzte an die damalige Bundesrepublik Deutschland, die Tschechoslowakei und Polen sowie an die Ostsee. West-Berlin war eine Enklave inmitten der DDR.

Es gab neben der Hauptstadt Berlin noch 14 weitere (Verwaltungs-)Bezirke:

Autokennzeichen siehe Kfz-Kennzeichen (Deutschland).

Der nördlichste Punkt des ehemaligen DDR-Territoriums war das Kap Arkona auf der Ostsee-Insel Rügen, größter Binnensee die Müritz im Bezirk Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern),

Der Norden und die Mitte sind Teil der Norddeutschen Tiefebene. Charakteristisch für den Norden sind eiszeitlich geformte Moränenlandschaften und zahlreiche Seen (Mecklenburgische Seenplatte). Südlich davon erstrecken sich Hügelländer, in welche große Tieflandsbuchten (Leipziger Tieflandsbucht, Thüringer Becken) hineinragen. Der Süden wird von Mittelgebirgen eingenommen (Harz, Thüringer Wald, Rhön, Erzgebirge, Elbsandsteingebirge, Lausitzer Bergland)

Sprache

Deutsch, in der Lausitz auch Sorbisch, die Sprache einer kleinen slawischen Minderheit, im Norden auch Plattdeutsch. Sprachdialekte waren: Berlinerisch im Berliner Raum, Thüringisch, Westsächsisch und Meißnerisch (ganzer Großraum Dresden) im Süden, sowie Unterformen und andere Regionalitäten. Zu den kleineren Dialektgebieten gehörten der südliche Thüringer Wald mit oberfränkischen Dialekten oder die Lausitz mit Schlesisch entlang der Lausitzer Neiße und der Oberlausitzer Mundart im Oberlausitzer Bergland.

In den Schulen der DDR-Bürger war Russisch die zuerst gelehrte Fremdsprache. Zweite Fremdsprache war meist Englisch, sie wurde fakultativ gelehrt. Alternativen waren zum Beispiel Französisch, Spanisch und Lateinisch. Die Kenntnis einer zweiten Fremdsprache war Voraussetzung für die Hochschulreife.

Wirtschaft

Die DDR war trotz der ihr auferlegten Reparationsleistungen an die Sowjetunion das wirtschaftlich am weitesten entwickelte Land des RGW und hatte einen höheren materiellen Standard als viele der entwickelten Staaten der Erde. Sie litt jedoch trotzdem ständig unter Energieunsicherheit, Devisenknappheit und nicht nachhaltigen Wirtschaftsprozessen. Es herrschte teilweise eine Notlösungswirtschaft. Das vorherrschende Wirtschaftssystem war eine Planwirtschaft mit Fünfjahrplänen und staatlichen Betrieben und Großbetrieben (Kombinate). In sehr kleinem Umfang wurden auch privatwirtschaftliche Kleinstbetriebe geduldet, die nicht vollständig der Planung unterworfen waren.

Anfang der 1970er Jahre war die DDR für kurze Zeit das zehntgrößte Industrieland der Erde, gemessen an ihrer Produktionsleistung. Zur Zeit der Wende nahmen sie jedoch nur noch einen Platz unter den fünfundzwanzig stärksten Industrienationen ein.

Dennoch gab es in der DDR in einigen Bereichen fast immer eine Konsumgüterknappheit. Zum Beispiel musste man sich für einen Autokauf anmelden und dann je nach Modell etwa 15 Jahre warten. Ein "Schwarzmarkt" mit diesen Wartezeiten wurde teilweise geduldet, so dass die Wartezeit durch Zahlung eines höheren Preises umgangen werden konnte.

Preise und Löhne wurden überwiegend staatlich festgelegt. Der einheitliche Verkaufspreis subventionierte besonders grundlegende Dinge des täglichen Bedarfs. Technische Geräte und andere Waren, die auch gegen Devisen exportiert werden konnten, waren dagegen oft sehr teuer im Vergleich zur Kaufkraft der Menschen. Die Kaltmiete für eine Wohnung betrug je nach Ausstattung etwa 30 bis 80 Mark im Monat, ein Farbfernseher in den 1980er Jahren 7.000 Mark, ein Brötchen 5 Pfennige, ein typisches Auto 15.000 Mark oder 30.000 Mark ohne Wartezeit. Der Bau von Einfamilienhäusern wurde zunächst wegen Materialknappheit in nur engen Grenzen ermöglicht (es gab zum Beispiel Vorschriften zur verbauten Menge an Steinen und vorgeschriebene Haustypen in Abhängigkeit von der Familiengröße), erlebte aber durch den nicht ausreichenden staatlichen Wohnungsbau vor allem in den 1980er Jahren einen gewissen Aufschwung. Beliebt waren Schrebergärten und Datschen, sowie Reisen nach Kuba, Ungarn, Bulgarien und in die Sowjetunion.

Die Wohnviertel waren nicht so stark nach Einkommensgruppen heterogenisiert, wie es heute in vielen westlichen Ländern der Fall ist. Angehörige verschiedener sozialer Schichten wohnten oft dicht zusammen. Allerdings wurden die Parteinomenklatura und die Mitarbeiter vieler "Staatsorgane" in bestimmten Wohngebieten durch staatliche Wohnungszuteilungen konzentriert. Die Einkommensunterschiede zwischen einer Verkäuferin (mit etwa 600–800 Mark) und einem Ingenieur (etwa 900–1500 Mark) unterschieden sich in der Höhe und damit auch im Sparpotenzial (Residualeinkommen), die Einkommensschere klaffte aber nicht so stark auseinander wie in den westlichen Industrieländern. Gefragte Handwerker verdienten nicht selten mindestens so gut wie leitende Ärzte. Man konnte diese Unterschiede im täglichen Leben an Statusgegenständen kaum ausmachen, da diese wegen dauernden Mangels kaum erhältlich waren. Sie spielten daher eine weniger beachtete Rolle (Beispiel-Ausnahme: Ärzte, die bevorzugt Telefonanschlüsse erhielten). Trotzdem hoben sich viele, die es sich leisten konnten, durch häufige Reisen innerhalb des Ostblocks und teilweise durch westliche Konsumwaren aus der breiten Masse hervor.

Einige eher unbeliebte Berufe (zum Beispiel Müllmann oder Offizier) wurden besonders gefördert, die Lehrstellen- und Studienplatzvergabe wurde anhand des errechneten Bedarfs zentral geplant und über die Schulen als Lenkorgan realisiert. Die gesetzlich festgeschriebene Bildungsfreiheit war durch diese Voraussetzungen teilweise nur mit größeren Hindernissen für den Auszubildenden zu realisieren.

Die Versorgung mit knappen Gütern, zum Beispiel einem Telefonanschluss oder Baumaterial, war vielfach von Beziehungen und Zufall, nicht selten auch von der vorgegebenen politischen Einstellung abhängig.

Erich Honecker leitete zu Beginn seiner Amtszeit vor allem soziale Reformen ein, die so genannte Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, die auf dem VIII. Parteitag der SED 1971 beschlossen wurde. Er ließ etwas mehr politischen und kulturellen Freiraum, womit auch die Verhandlungen um eine internationale Anerkennung der DDR befördert werden sollten, und versuchte den staatlichen Betrieben mehr Freiräume zu lassen. Zugleich ließ er aber in zwei Wellen in den 1970er Jahren bis auf Kleinhandwerker alle Betriebe verstaatlichen, indem sie gezwungen wurden, eine staatliche Mehrheitsbeteiligung zu akzeptieren. Er galt daher anfangs als Hoffnungsträger.

Der anfängliche Reformschwung erlahmte jedoch, weil sich die Diskrepanzen zwischen politischer Unterdrückung und gewissen Freiräumen nicht dauerhaft überbrücken ließen. Als besonders misslich erwies sich die erste Ölkrise in den 1970er Jahren, da die DDR-Wirtschaft immer stärker von der Veredlung sowjetischen Erdöls profitierte und zugleich abhängig wurde. Zwar gab die Sowjetunion diese Preiserhöhungen nur verzögert weiter, kürzte aber wegen extremer wirtschaftlicher Probleme 1981/82 die Liefermengen erheblich und ließ die Ölpreise im RGW während des Ölpreissturzes 1985 weitgehend unverändert. Dadurch fehlten der Wirtschaft dringend benötigte Devisen für Investitionen. Zudem torpedierte Honeckers Sozialpolitik das wirtschaftliche Wachstum, weil die Sozialausgaben stetig stärker stiegen, als das Nationaleinkommen (vergleichbar dem Bruttosozialprodukt). So lebte die DDR zu ihrem Ende hin nur noch von der Substanz und Krediten (beispielsweise Kredit über 1 Milliarde DM von Bayern).

Mit der Währungsunion kurz vor der Wiedervereinigung brachen fast sämtliche Exportmärkte schlagartig ein, da das – nun freie – Umtauschverhältnis die Produktionskosten über Nacht extrem verteuerten, und die DDR-Betriebe damit oft nicht mehr konkurrenzfähig waren. Für den Absatz in entwickelten Staaten des Westens waren die Produkte oft nicht konkurrenzfähig genug oder sie waren, wenn sie konkurrenzfähig waren, wegen der ineffizienten Produktionsweise und der Währungsunion zu teuer geworden. Für die früheren Absatzmärkte in den Staaten des RGW waren sie aus den gleichen Gründen einfach nur zu teuer und diesen Staaten brachen selbst die Wirtschaftssysteme ein.

Nationalhymne

Der Text Auferstanden aus Ruinen der Nationalhymne der DDR stammt von Johannes R. Becher, die Melodie von Hanns Eisler. Seit Anfang der 1970er Jahre wurde der Text der Hymne aber nicht mehr gesungen.

Text

Auferstanden aus Ruinen

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt,
lasst uns Dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen, und wir zwingen sie vereint,
denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint, über Deutschland scheint.

Glück und Friede sei beschieden Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden, reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen, schlagen wir des Volkes Feind.
Lasst das Licht des Friedens scheinen, dass nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint, ihren Sohn beweint.

Lasst uns pflügen, lasst uns bauen, lernt und schafft wie nie zuvor,
und der eignen Kraft vertrauend steigt ein frei Geschlecht empor.
Deutsche Jugend, bestes Streben unsres Volks in dir vereint,
wirst du Deutschlands neues Leben. Und die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint, über Deutschland scheint.

Siehe auch

Literatur

Weblinks




     
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