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Kommunikation



Unter Kommunikation (lat: communicare = mitteilen) wird in der Technik, der Psychologie und der Biologie die Übertragung von Daten bzw. der Austausch von Information verstanden. Die Rollen Sender und Empfänger stehen für die Richtung des Daten- bzw. Informationsflusses.

Table of contents
1 Gültigkeitsbereiche
2 Zur Begriffsbestimmung
3 Entwicklung der Kommunikation
4 Kommunikation und Intelligenz
5 Zusammenspiel aus verbalen und nonverbalen Signalen
6 Kommunikationstheorie nach Luhmann
7 Probleme bei der Kommunikation
8 Zusammenfassung
9 Siehe auch
10 Weblinks
11 Literatur

Gültigkeitsbereiche

Kommunikation wird in verschiedenen Wissenschaften untersucht:

Gemeinsam ist allen Betrachtungsweisen die Verwendung eines "Sender-Empfänger-Modells", das die Übertragung einer Nachricht über einen bestimmten oder über unterschiedliche Kanäle beschreibt. Dabei spricht man beim Sender von "Kodierung" und beim Empfänger von "Dekodierung" und "Interpretation der Nachricht". Die Untersuchung wechselseitiger Abhängigkeiten bei diesem Vorgang, die Analyse möglicher Fehlerquellen sowie die Suche nach Möglichkeiten der verbesserten Kommunikation liegt den meisten o.g. Wissenschaften zugrunde.


Sender-Empfänger-Modell in der Kommunikation

Zitat: Metzler Lexikon Sprache: Dieses für den Prozess der Nachrichtenübertragung unmittelbar einleuchtende Modell wurde auf das menschl. Verständigungshandeln insgesamt übertragen und zum Teil als Grundmodell u. a. auch für die Literatur eingesetzt (Jakobson). Es weist gegenüber reduktionistischen linguistischen Grundkonzepten den Vorteil auf, dass nicht nur die Strukturen des sprachl. «Systems» thematisiert werden, sondern auch die Bedingungen seines Gebrauchs und die Einbeziehung der verschiedenen am Gebrauch beteiligten Instanzen. Als Sichtweise menschlicher Kommunikation kann in ihm auch eine unzulässige Verkürzung der menschlichen Sprache zu einer Verständigung mittels Signalen und Signalgebungen ("Code") gesehen werden. Karl Bühler weist auf die nachrichtentechnische, technizistischen bedingten Verkürzungen menschlicher Verständigung hin.

Im Folgenden wird der Vielschichtigkeit von Kommunikation im Allgemeinen und ihrer Komplexität beim Menschen im Besonderen Rechnung getragen.

Zur Begriffsbestimmung

Der Kommunikationsbegriff im zwischenmenschlichen Bereich korrespondiert auf vielfältige Weise mit den unterschiedlichen Erkenntnissen der Philosophie, der Systemtheorie, der Soziologie, der Kommunikationswissenschaft und der Sprachlehre, aber auch z.B. der Werbelehre in visueller und avokaler Kommunikation oder der Musik. Der folgende Artikel befasst sich nicht mit diesen Teilgebieten, sondern soll eine allgemeinverständliche Einführung in die gebräuchlichsten Begriffe und Zusammenhänge angewandter zwischenmenschlicher Kommunikation geben. Die Betrachtung linguistischer Kommunikationstheorien mag in diesem Eintrag daher ebenso außen vor bleiben wie die Textlinguistik mit ihren semantischen Aspekten oder Fragen zur Pragmatik und semiotische Überlegungen zur visuellen Kommunikation. Auch sind mathematische Gültigkeitsbeweise in Argumenten oder soziologische Kommunikationstheorie mit schwerpunktmäßig philosophischen Überlegungen den entsprechenden Fachartikeln vorbehalten. Ebenfalls nicht Bestandteil dieser Betrachtung sind paranormale Wahrnehmung und intrapersonelle psychoanalytische Kommunikation. In diesem Artikel liegt der Fokus auf alltäglichen interpersonellen Aspekten.

Der Versuch einer Begriffsklärung des Ausdrucks Kommunikation erweist sich als ebenso schwierig wie notwendig. Es gibt zwei vollkommen konträre Ansätze:

Vergleichbare Probleme der Begriffsbildung haben die Philosophie (beispielsweise Hegel und Martin Heidegger) beschäftigt, und sie werden insbesondere in der Nachfolge des Logikers Gotthard Günther sowie in den Grundannahmen der Kybernetik erneut aufgegriffen. Unter den vielen Theorieoptionen, die man zur Diskussion um Begriffsbildung unter differenzlogischem Aspekt heranziehen könnte, soll hier ein systemischer Ausgangspunkt gewählt werden, da dieser sicher bisher die elaborierteste Konzeption der Differenz von Kommunikation und Bewusstsein formuliert (siehe Oliver Jahraus: Kommunikation und Bewusstsein).

Ausgehend von den Begriffen Komplexität und Information baut der systemtheoretische Ansatz in der Kommunikation ein Bild der sich selbst reproduzierenden Systeme auf. Wichtige Grundidee ist, dass Informationen nicht von System zu System übertragen werden können, sondern nur im eigenen System gelten. Die Kommunikationstrainerin Vera F. Birkenbihl fasst diesen Ansatz plastisch im Modell der "Inseln" zusammen, auf denen jeder von uns lebt und ständig bemüht ist, andere Menschen davon zu überzeugen, dass die Welt auf der eigenen Insel die wahren Informationen enthalte. In den Vorannahmen zur Neurolinguistischen Programmierung wird hierbei von "Landkarten" gesprochen, die jeder Mensch in sich trägt und deren Kenntnis für andere Menschen bei systemübergreifendem Informationsaustausch wichtig ist.

Um überleben zu können, sind Personen (Systeme) immer bemüht, Informationen in anderen Personen entstehen zu lassen. Dazu packen sie diese in Mitteilungen (Schall, Licht, Berührung... ) und hoffen, dass diese Information korrekt decodiert wird. Die Frage des richtigen Codes (Sprache, Kleidung, Habitus... ) wird von dem Soziologen Niklas Luhmann (deutscher Vertreter und Begründer der Systemtheorie) durch den Begriff der doppelten Kontingenz (Unberechenbarkeit) erweitert. Ausgehend von der Erkenntnis der Neurowissenschaften, dass jedes Nervensystem informationell geschlossen ist, kann jeder Mensch nur nach und nach eine "Theorie" (Landkarte) der Umwelt aufbauen, die im sozialen System weiter abstrakt wird. Während Personen sich durch die Vorstellungen im Bewusstsein reproduzieren, wirkt Kommunikation im ständigen Bewältigen der doppelten Unsicherheit von Ausdruck und Verstehen. Verkürzt könnte man auch sagen:

Der Begriff der Kommunikation wird allerdings nicht nur im wissenschaftlich, sondern auch umgangssprachlich sehr extensiv verwendet und deckt mit unscharfen Begriffsgrenzen fast alle Bereiche des Lebens ab. Gerade jedoch die Grenzziehung in kommunikativer Handlung erlaubt, Person und Sache zu trennen und sich bewusst an sozialen Prozessen sowie an konstruktiver Gestaltung von Ergebnissen zu beteiligen.

Demgegenüber steht die Auffassung, dass Kommunikation nicht mit, sondern über Natur und Gesellschaft oder Technik stattfinde (siehe Kommunikationstheorie von Luhmann). Die Themenzentrierte Interaktion, als Hilfsmodell der sozialen Haltung im Umgang mit a) Menschen, b) einem Sachthema, c) der eigenen Person und d) der Situation, ist demgegenüber pragmatisch und handlungsorientiert (Interaktion mit Systemen).

Sich ein Bild machen hängt also von der Möglichkeit ab, zu unterscheiden (vgl. Joachim Castella: Zur Sprach- und Schriftkonzeption). Charles Sanders Peirce schlägt dazu vor:

Überlege, welche Wirkungen wir dem Gegenstand unseres Begriffs in der Vorstellung zuschreiben. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen, das Ganze unseres Begriffs des Gegenstandes (Gerhard Schönrich: Zeichenhandeln). Ziel ist die Einsicht, dass Kommunikation sich durch Kommunikation bestimmt. Zumindest laut Systemtheorie kann man nicht annehmen, ein psychisches System (ein Individuum) könne bestimmen, was Kommunikation sei.

<-- Anmerkung: Wenn "Sprache" zum einen lautliche / akustische Äußerungen, zum anderen Informationen mit einem vereinbarten verbindlichen Interpretationss-"Code" sein sollen, ist weder das eine noch das andere eine Besonderheit des Humankommunikation. Somit steht jetzt in Frage, ob ^2Humankommunikation" andere Besonderheiten hat (z.B. die hochgradige Kontextabhängigkeit und häufige Mehrdeutigkeit und demzufolge typische hohe Rate von Mißverständnissen?!) - oder aber als Unterscheidungsgruppe untauglich ist. -->

Entwicklung der Kommunikation

Mit der Entwicklung der Sprache tat der Mensch einen entscheidenden Schritt in seiner Evolution. Die vielen dadurch gewonnenen Informations-Chancen überdecken aber nicht die instinkthaften und nonverbal übertragenen Signale. Dies gilt auch in schriftlicher Kommunikation, die trotz der Sprache auch immer archetypisches Verhalten zeigt.

Große Bedeutung für die mentale Entwicklung der Menschheit hatte die Erfindung der Schrift. Diese erlaubt es, Information auch über die Zeit hinweg zu kommunizieren, also zu speichern. Dies ermöglicht eine Ansammlung von Wissen, auf der später aufgebaut werden kann, ohne dass sich die Menschen alles Wissen merken müssen. Die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg war zur Verbreitung von geschriebener Sprache entscheidend.

Gesprochenes oder Gebärdetes erlaubt die Kommunikation nur auf kurze Distanz. Über größere Entfernungen müssen Hilfsmittel eingesetzt werden. Sie reichen von Buschtrommeln und Rauchzeichen über Telegraphie, Telefon, Post und Funk bis zum Internet.

Mit der Erfindung des Computers ergab sich das Problem, ihm zu sagen, was er machen soll. Da Computer natürliche Sprachen (noch) nicht verstehen (im Bereich künstliche Intelligenz wird daran gearbeitet), und weil natürliche Sprachen für Programmee zu viele Mehrdeutigkeiten enthalten, wurden eigene Programmiersprachen entwickelt. Sie werden dann von Übersetzungsprogrammen (Assembler, Compiler oder Interpreter) in vom Computer ausführbare Form gebracht.

Die Computer-Vernetzung brachte außerdem das Problem der Kommunikation von Computern untereinander. Hierzu dienen die verschiedenen Protokolle, wie z.B. das TCP/IP, auf dem das Internet beruht.

Kommunikation über Medien, die einen Großteil der Bevölkerung erreichen (Massenmedien), nutzt insbesondere Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und das Internet. Man nennt sie wegen ihres großen Einflusses auf die öffentliche Meinung die "vierte Macht im Staat" (siehe Gewaltenteilung).

Kommunikation und Intelligenz

Natürliche Kommunikation versucht immer, die möglichst erfolgreiche Übertragung von gerichteter Information an bestimmte Empfänger zu ermöglichen. Da der Intelligenzbegriff in der Vergangenheit eine vielfache Erweiterung vom ursprünglich stark logisch- semantisch definierten Begriff (IQ) um systemtheoretische Aspekte (Morphogenetische Felder), technische Abbildung (KI) und emotionale Dimensionen (EQ) erfahren hat, wird zunehmend deutlich, dass Intelligenz und Kommunikation nicht wirklich getrennt voneinander zu erfassen sind. Intelligentes Verhalten zeigt auch immer eine kommunikative Seite auf, da eine Interaktion mit der Umwelt nicht ohne Intelligenz zu bewerkstelligen ist. So entwickeln bereits einfache Lebensformen und Insekten eine sog. kollektive Intelligenz, um sich untereinander abzustimmen und als Gruppe gegen Bedrohungen zu reagieren oder das eigene Überleben zu sichern.

Solches Verhalten ist z.B. bei Bienenvölkern oder Ameisenstaaten festzustellen, die ohne direkte zentrale Führung in der Lage sind Futterplätze auf günstigen Wegen zu finden oder Angreifer koordiniert zu bekämpfen. Solche Verhaltensweisen sind Bestandteil weiterführender Forschung geworden um mit Hilfe von Expertensystemen und durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz beispielsweise Fuhrparks besser zu koordinieren, das Verhalten von sozialen Systemen besser vorherzubestimmen oder um die Kommunikation durch Spracherkennungssysteme zu verbessern.

Die sog. Delphin-Strategie versucht in diesem Zusammenhang beispielsweise die soziale Kommunikation zwischen Tieren, mit bestimmten erfolgreichen Strategien, auf menschliche Kommunikations- und Verhaltensweisen zu übertragen und erlernbar zu machen. So betrachtet erweitert sich die monokausale Sicht einer simplen Sender-Empfänger-Theorie mehr und mehr um interdisziplinäre Intelligenz-Ansätze, wie sie in der Natur vorkommen und von Technikern oder Kybernetikern mit Hilfe von intelligenten Strategien im Ansatz bereits nachgebildet werden.

Zusammenspiel aus verbalen und nonverbalen Signalen

Man unterscheidet bei zwischenmenschlicher Begegnung zwischen ''verbaler und nonverbaler'\' (averbaler) Kommunikation.

Bereits die menschliche Eizelle kommuniziert mit den umgebenden Samenzellen durch elektromagnetische Impulse, die diesen die Orientierung erleichtern. Menschen kommunizieren untereinander teilweise genau wie Tiere, z.B. über Warnschreie, Gerüche oder bestimmte optische Reize. Doch finden sich bei Menschen mit sozial entwickelter Kommunikation überlappende oder mehrkanalige Formen.

Jedes Verhalten als Reaktion auf etwas und jemanden ist wegen des Mitteilungscharakters eine Kommunikationsweise. Da Verhalten kein Gegenteil hat - man "verhält" sich immer - schließt Paul Watzlawick "man kann nicht nicht kommunizieren"'' (Watzlawick, 1969). Kommunikation existiert aber erst, wenn jemand dieses Verhalten wahrnimmt, der die Möglichkeit zur Reaktion besitzt. Das "Schaffen von Tatsachen" markiert das andere Extrem der Kommunikation, die auf die Beteiligung eines Gegenüber verzichtet.

Im Alltag ist die "Kommunikation durch Nichtkommunikation" manchmal sogar besonders wichtig ("beredtes Schweigen", "stiller Impuls"). Eine gezielte Anwendung erhält diese Methode auch bei Gefahr, z. B. als deutsche Spione im zweiten Weltkrieg einen Geheimcode vor ihre Nachrichten setzten, den sie nach Enttarnung wegließen. Das Unterlassen der Kommunikation dieser Kennung hieß also "Meldung nicht ernstnehmen, kommt vom Gegner".

Kommunikation reicht also von gegenseitiger nonverbaler Wahrnehmung (Anwesenheit) bis nonverbale Handlung (Tatsachen schaffend). Dazwischen liegen alle beeinflussenden Kommunikationshandlungen in verbaler oder nonverbaler Form. Das Erlernen dieser Verhaltensweisen ist ein wichtiger Bestandteil der Sozialisation des Menschen. Da die 3 Arten (nonverbal, verbal, Handlung) unterschiedlich wirken, ist die bewusste Kommunikation einfacher, wenn man ihre Funktionen in Abhängigkeit voneinander betrachten lernt. Gerade Gestik ist mit einiger Berechtigung als gezielte Kommunikationskomponente zu verstehen, auch wenn sie nihct lautsprachlich ist.

Der Stellenwert nonverbaler Kommunikation

Im persönlichen Gespräch übertrifft (wie inzwischen bekannt) die nonverbale Komponente der Kommunikation die verbale bei weitem. Dazu kommt, dass die verbale Komponente unterstützt wird durch Gestik, die durchaus kommunikativ sind im Sinne von gezielt und auf das Verbale bezogen, auch wenn sie keine Sprache in dem Sinne darstellen. Nach Sigmund Freuds Eisbergtheorie trifft der Mensch mindestens 80% aller Entscheidungen „im Bauch“ und nicht „im Kopf“. Da die nonverbale Kommunikation eher die emotionalen Impulse des Menschen kommuniziert und die Sprache meist vom Verstand (kognitiv) gesteuert ist, wird die Sprache beim Menschen zum Beispiel unwichtiger als die nonverbale Kommunikation, wenn Gefahr droht oder Urtriebe angesprochen werden (siehe Neurobiologie und Verhaltensforschung)

Dieser Umstand ist evolutionsbedingt dadurch zu erklären, dass die überlebenswichtigen Informationsprozesse im Stammhirn ablaufen. Dieses enthält genetische Ur-Informationen aus einer wesentlich längeren Entwicklungszeit des Menschen als die im Großhirn (Verstand und Sprachzentrum) verankerten Informationen.

Dieses Prinzip vertieft David Goleman, der Begründer der Forschung zu emotionalen Intelligenz, (EQ), der nachgewiesen hat, dass dem ganzheitlich/sozialen Aspekt der Kommunikation mehr Bedeutung beikommt, als dem Informationsaspekt einer Botschaft. (siehe dazu Kommunikationspsychologie und Wahrnehmungspsychologie).

Fehlt die nonverbale Komponente, wird sie vom Gehirn vermutet und das Gesamtbild durch Erfahrung oder aus subjektiven Spontaneindrücken ergänzt. Professionelle Informationsvermittler legen denn auch großen Wert auf einen seriösen Eindruck im Rahmen nonverbaler Möglichkeiten, da dies von entscheidender Bedeutung für die Bewertung durch den Rezipienten sein kann.

Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun

Das 4-Ohren-Modell) benennt vier verschiedene Inhalte: Einen Sachinhalt, einen "Appell", eine Aussage über die Beziehung der Gesprächspartner sowie eine Mitteilung des Sprechers über sich.

Den Beziehungsaspekt einer Botschaft bestimmen v.a. Formulierung, Tonfall usw, also nonverbale Signale. Nonverbales begleitet auch alle anderen Inhalte einer Nachricht, um die Aussage zu "qualifizieren" (F. Schulz von Thun, 1981).

Kommunikation besteht aus folgenden Komponenten (nach Ellgring[Lasswell], 2000, siehe auch: Lasswell-Formel):

  1. wer (Kommunikator, Sender)
  2. sagt was (Nachricht, Botschaft, Information)
  3. zu wem (Empfänger, Adressat)
  4. womit (verbale und nonverbale Verhaltensweisen, Ausdruck, Signal)
  5. durch welches Medium (Kanal, Modalität)
  6. mit welcher Absicht (Intention, Motivation, Ziel)
  7. mit welchem Effekt (Eindruck, Informationsverarbeitung)

Vor allem die Punkte vier, sechs und sieben haben häufig nonverbalen Charakter, doch auch die Anderen können durch bestimmte nonverbale Signale eine, im Vergleich zum verbalen Inhalt, veränderte Aussage erhalten.

Als Ergebnis dieser Überlegungen kann festgehalten werden, dass weder digitale noch analoge Kommunikation unabhängig voneinander existieren und betrachtet werden können: „Die Körpersprache ist nicht nur eine wünschenswerte, zur Not aber entbehrliche Zutat zur Verbalsprache, sondern ihre umfassende leibliche Grundlage“ (Meyer, 1991).

Kommunikationstheorie nach Luhmann

Niklas Luhmann fasste 1990 die Glaubenssätze der europäischen Buchkultur über 'Kommunikation' zusammen. Er greift die systemtheoretische Grundidee auf, nämlich dass Informationen nicht von System zu System übertragen werden können, und kommt zu einem sehr speziellen, jedoch beachtetem Bild der Kommunikation: (Zitat Luhmann, Niklas. Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen? Opladen 3, 1990, S. 62/63:)

Damit könne, so Luhmann, direkt und ohne Umstände an soziologische Handlungstheorien und die perspektivische Wahrnehmungstheorie des Spätmittelalters angeknüpft werden. Eine derartige Definition von 'Kommunikation' ist anachronistisch, da sie wohl eine Antwort auf die Probleme der Vergesellschaftung im Industriezeitalter unter den Bedingungen der Massenmedien liefert, anderseits aber nicht auf die modernen interaktiven technischen und sozialen Kommunikationsformen eingeht. Sie kann unter kritischer Betrachtung auch nicht als funktional bezeichnet werden, da sie die ökologischen und interkulturellen Probleme der Gegenwart nicht behandeln kann. Dazu wären ja eine Kommunikation zwischen artverschiedenen Kommunikatoren erforderlich. Bei weiterer kritischer Betrachtung wirkt sie sektiererisch, da in vielen Bereichen der Gesellschaft der Begriff schon in anderen, zeitgemäßem Sinn Verwendung findet. Ökologische Kommunikation im Sinne artenübergreifender Kommunikation schließt Luhmann explizit aus. Seine Kernaussage ist, dass der Bürger der Buchkultur nicht mit sondern ausschließlich über die Umwelt kommuniziert.

Probleme bei der Kommunikation

Kommunikation kann aus verschiedenen Gründe fehlschlagen. Der offensichtlichste Grund ist die Störung der Übertragung (z.B. Lärm übertönt gesprochene Mitteilungen, Ausfall der Sendeanlage beim Rundfunk). Solch eine Störung kann die Übertragung von Information entweder unterbinden, oder aber die Information verfälschen (z.B., wenn beim Hotelzimmer 100 die 1 von der Tür fällt...). Gegen Verfälschung der Information hilft Redundanz. Die einfachste Form von Redundanz ist das Wiederholen einer Meldung, jedoch ist dies nur die offensichtlichste Form der Redundanz. Natürliche Sprachen haben stets einen gewissen Anteil an Redundanz.

Drei archetypische Verhaltensweisen

Durch das Analysieren der Kommunikationsmuster beim Menschen ist eine bessere Begegnung und ein verletzungsfreies, weil bewusst klareres Verhalten möglich. Nach Eric Berne gibt es drei archetypische Verhaltensmuster des Menschen, die ständig in uns (und nach außen) wirken:

Keine dieser Typisierungen ist schlecht oder gut. Es kommt für die eigene Verstandes- und Gefühlslage - und für die Kommunikation - nur darauf an, ob der jeweilige innere Standpunkt der Situation angemessen ist. Probleme innerhalb der Kommunikatoin lassen sich häufig auf gegenseitige Informationsverluste zwischen diesen Haltungen zurückführen.

Verfälschung und Lüge

Neben der unbeabsichtigten Verfälschung einer Nachricht existiert auch die bewusste Fälschung. Hierbei kann eine echte Nachricht eines Senders gezielt verändert werden, oder eine Nachricht neu erfunden werden (Lüge). Da diese Verfälschung gezielt eingesetzt wird, ist sie naturgemäß meist schwerer zu erkennen und zu vermeiden als die unabsichtliche Änderung der Nachricht. Dies führt zum Problemkreis der Authentifizierung von Nachrichten und deren Urheberschaft, sowie der Verifizierung oder Falsifizierung des Inhalts (Enttarnung der Lüge).

Umgekehrt will man zuweilen auch sicherstellen, dass nur der intendierte Empfänger einer Nachricht diese auch erhält. Dies wird dadurch erreicht, dass die Meldung verschlüsselt wird, und nur der intendierte Empfänger die notwendige Information hat, um sie wieder zu entschlüsseln. Im einfachsten Fall ist dies ein vereinbartes geheimes Zeichen. Für allgemeine Nachrichten existieren mathematisch begründete Ver-/Entschlüsselungsverfahren. Mit diesem Problemkreis beschäftigt sich die Kryptographie.

Missverständnis

Außerdem kann Kommunikation auch daran scheitern, dass auf beiden Seiten ein unterschiedlicher Code verwendet wird. Das kann auf einer offensichtlichen, niedrigen Ebene passieren (die meisten Europäer können z.B. mit chinesischen oder japanischen Schriftzeichen nichts anfangen), es kann aber auch auf einer höheren und damit subtileren Ebene passieren: In Deutschland gilt Kopfschütteln als "nein", in Griechenland hingegen als "ja". Wenn nun ein Deutscher einen Griechen etwas fragt und der Grieche den Kopf schüttelt, dann meint der Grieche vermutlich "ja", der Deutsche hingegen versteht "nein". Je subtiler der Unterschied zwischen gemeinter und verstandener Aussage ist, desto schwerer wird es, das Missverständnis als solches zu erkennen.

Bei der Kommunikation zwischen Menschen ist ein zusätzliches Problem, dass neben der offensichtlichen Botschaft auch noch andere Inhalte transportiert werden, die unter Umständen wesentlicher sind oder sogar die Bedeutung umkehren können. So bedeutet die Aussage "Das hast du wieder mal gut hingekriegt!" oft genau das Gegenteil dessen, was der Satz aussagt, wobei diese Umkehr der Bedeutung nur im Tonfall, oder gar (speziell in textbasierten Medien wie Briefen oder Usenet) nur aus dem Kontext heraus erkannt werden kann (Ironie, Sarkasmus).

Eine Kommunikationstechnik zur Vermeidung von Missverständnissen ist die sog. "Paraphrasierung" mit der es möglich ist, den Sachgehalt einer Botschaft zu klären und Missverständnisse aufgrund von emotionalen Anteilen zu vermeiden.

Im Usenet haben sich zur Übermittlung solcher nichtverbalen Informationen spezielle Marker wie z.B. Smilies herausgebildet; in formatierten Texten (z.B. Printmedien) wird oft Kursivdruck als Zeichen für die spezielle Betonung hergenommen ("Das hast du wieder gut hingekriegt!"). Ein verdeckter Grund (und viel häufiger die Ursache von Missverständnissen) ist also die Fehlinterpretation von Informationen aufgrund des individuell verschieden wahrgenommenen Kontextes einer bestimmten Situation. Beispielsweise erhält man ein Geschenk (nonverbal) und entwickelt Vorbehalte, weil man mit sich selbst (intrapersonell) im Dialog die Befürchtung entdeckt, mit dem Geschenk könnte eine Erwartung verknüpft sein. In der Folge sendet man eine doppelte Botschaft. Auf der verbalen Ebene drückt man Freude aus, während man auf der nonverbalen Ebene nicht in der Lage ist, seinen Unmut nicht zu kommunizieren. Die Folge ist i.d.R. eine gestörte Party.

Mit derartigen Überlagerungen in der menschlichen Kommunikation befasst sich aus therapeutischer Sicht die sog. Transaktionsanalyse, eine psychologische Therapieform, die das Sender- und Empfängerverhalten in sich entkoppeln und auf Kongruenz untersuchen kann. Man kennt dabei

Ausfall von Sender, Empfänger oder Medium

Gegen den Totalausfall von Botschaften kann man - neben der besten Lösung durch Beseitigung/Vermeidung der Störung (z.B. Abschalten der Lärmquelle) – auch mehrere Kanäle einsetzen. Dies läuft beim Menschen meist automatisch ab (nonverbalverbal), kann aber in Gruppen auch gezielt eingesetzt werden (z.B. wichtige aktuelle Mitteilungen auf allen Rundfunksendern, und zusätzlich per Megaphon auf einem durch die Stadt fahrenden Wagen).

Zusammenfassung

Ein durchgängig einheitlicher Kommunikationsbegriff existiert nicht. Obwohl allgemein Konsens darüber besteht, dass Kommunikation mit Informationsaustausch zwischen Sender und Empfänger abläuft, greifen die verschiedenen Geistes- und Naturwissenschaften sehr unterschiedliche Aspekte auf und stellen das zustande kommen von Kommunikation sowie die ihre innewohnende Systematik auf höchst unterschiedliche Weise dar. Im soziologischen Rahmen hat sich der systemtheoretische Ansatz weit verbreitet, nach dem Kommunikation sich durch Kommunikation bestimmt. Demnach kann man nicht annehmen, ein psychisches System (ein Individuum) könne bestimmen, was Kommunikation sei.

Ein zentrales Moment der Kommunikation wird durch die Erkenntnis bestimmt, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Bereits die bloße Anwesenheit in einem System enthält Information, da Verhalten kein Gegenteil hat. Daraus folgt, dass Informationen über die anwesenden Personen und den situativen Kontext wichtiger für die korrekte Umsetzung von Informationssignalen im beabsichtigen Sinn sein können, als die vermeintlich korrekte Absendung von Information ohne hinreichende Kenntnis des Empfängers. Es gibt heute eine Reihe von therapeutischen Hilfsmodellen, die sich mit der Bewusstmachung derartiger Wechselwirkung von Information und ihrer Wirkung befassen. Dabei stehen zwischen philosophischen Ansätzen („Das Wahre ist das Ganze“ von Hegel) bis zu handlungsorientierten Ansätzen („Wahr ist nicht was A gesagt, hat; wahr ist was B verstanden hat“ von Birkenbihl) eine Vielzahl von Maximen für den Einzelnen zur Verfügung.

Auf physischer Ebene (dem Austausch von elektromagnetischen Impulsen in Form von optischen, akustischen oder kinästhetischen Reizen) befasst sich die Kommunikation vor allem mit der Vermeidung von Informationsverlust. In technischer, semantischer und linguistischer Hinsicht achtet der Mensch hierbei auf Redundanz, um den Inhalt seiner Botschaft möglichst auch unter schwierigen Bedingungen reproduzierbar zu versenden. Diese Bemühungen finden ihren Niederschlag sowohl in technischer Detailarbeit als auch in systemtheoretischer Hinsicht.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Das Unbewußte in Psychoanalyse und Systemtheorie. Die Herrschaft der Verlautbarung und die Erreichbarkeit des Bewußtseins.
Peter Fuchs
  • Miteinander reden Kommunikationspsychologie für Führungskräfte.
    Friedemann Schulz von Thun
  • Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien.
    Paul Watzlawick, ISBN 345682825X
  • Gewaltfreie Kommunikation
    Marshall und B. Rosenberg
  • Zeichenhandeln
    Gerhard Schönrich
  • Kommunikation und Bewusstsein
    Oliver Jahraus
  • Ökologische Kommunikation. Kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?
    Niklas Luhmann
  • Der Gang an der Grenze. Einleitung in das Denken Gotthard Günthers.
    Joachim Castella




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