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Finken



Finken
Buchfink ♂ (Fringilla coelebs)
Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilien
  • Edelfinken (Fringillinae)
  • Organisten (Euphoniinae)
  • Stieglitzartige (Carduelinae)
  • Kleidervögel (Drepanidinae)

Die Finken (Fringillidae) sind eine artenreiche Familie aus der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes).
Auch die Prachtfinken (Estrildidae) und einige Arten der Ammern (Emberizidae), Tangaren (Thraupidae), Kardinäle (Cardinalidae), Sperlinge (Passeridae) und Webervögel (Ploceidae) werden als "Finken" bezeichnet.
Von einigen Wissenschaftlern werden bei weiter Fassung der Familie die Stärlinge (Icteridae), Waldsänger (Parulidae), Ammern, Tangaren, Kardinäle, Trugwaldsänger (Peudedramidae) und Rosenschwanzgimpel (Urocynchramidae) in die Fringillidae einbezogen.

Die Familie der Finken enthält 40 Gattungen, davon 6 ausgestorben, und ca. 200 Arten, davon 14 ausgestorben.

Table of contents
1 Aussehen
2 Verbreitung
3 Lebensraum
4 Ernährung und Lebensweise
5 Stimme
6 Fortpflanzung
7 Gefährdung
8 Gattungen und Arten
9 Literatur
10 Weblinks

Aussehen

Finken sind kleine bis mittelgroße Vögel von 9-26 cm Länge. Sie besitzen einen kräftigen, meist kegelförmigen Schnabel, der bei den "Kernbeißern" sehr groß ist. Auffällig sind die Schnäbel der Kreuzschnäbel (Loxia), deren Spitzen überkreuzt sind. Alle Arten haben 12 Schwanzfedern und 9 Schwungfedern. Das Schwanzende ist meist eingekerbt.
Die Färbung des Gefieders variiert innerhalb der Familie stark. Die Bandbreite reicht von unauffällig grau, grünlich oder bräunlich gefärbten Vögeln bis zu Arten mit auffällig gelben, roten oder blauen Gefiederpartien, wie etwa bei Gimpel (Pyrrhula pyrrhula), Iiwi (Vestiaria coccinea) oder den Arten der tropische Unterfamilie der Organisten (Euphoniinae). Bei vielen Arten sind die Männchen auffälliger gefärbt als die Weibchen. Bei einigen ist das Winterkleid schlichter als das Brutkleid oder der Schnabel ist im Winter heller, so etwa beim Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes).

Verbreitung

Finken sind mit natürlichen Vorkommen fast weltweit verbreitet. Sie fehlen nur in der Antarktis, auf zahlreichen kleinen Ozeaninseln, sowie in Madagaskar, Neuguinea, Australien und Neuseeland. Die größte Vielfalt kommt mit 18 Gattungen und ca. 70 Arten in Asien vor. In Europa gibt es dagegen nur 20 Arten aus 8 Gattungen. Afrika besitzt ca. 50 Arten und ist mit 35 Arten das Entfaltungszentrum der Girlitze (Serinus). In Nord- und Südamerika zusammen sind ca. 60 Arten aus 8 Gattungen heimisch. Die Organisten (Euphoniinae) kommen ausschließlich hier vor, und die Zeisige (Carduelis) sind mit 19 Arten besonders reich vertreten. Auf den Hawaii-Inseln hat sich die Unterfamilie der Kleidervögel (Drepanidinae) mit ursprünglich 34 Arten sehr reich diversifiziert.
Einige Arten der Familie wurden über ihr ursprüngliches Areal hinaus eingebürgert, so etwa in Australien, Neuseeland und auf Hawaii.

Lebensraum

Die Finken besiedeln eine Vielzahl von Waldtypen, wie Nadelwälder, Laubwälder der gemäßigten Breiten oder tropische Bergregenwälder, sowie Waldränder und -lichtungen. Arten der Organisten (Euphoniinae) kommen auch in Tieflandsregenwäldern vor. Zahlreiche Arten bevorzugen eine offene Landschaft mit Bäumen und Gebüschen, wie sie in der Kulturlandschaft, etwa in Parks und Gärten, vorkommt. In den Tropen werden auch Savannen sowie Gras- und Buschland besiedelt. Randbereiche des Vorkommens von Finken sind felsiges Wüstengelände, strauchbestandene Tundra und tropische Papyrussümpfe. Einige Arten, etwa die Schneegimpel (Leucosticte), besiedeln Felshänge und Grasland oberhalb der Waldgrenze. In den Anden erreicht der Schwarzzeisig (Carduelis atrata) eine Seehöhe von 4500 m, im Himalaya der Mattenschneegimpel (Leucosticte brandti) sogar 5400 m.

Ernährung und Lebensweise

Fichtenkreuzschnabel ♂ (Loxia curvirostra)
Finken ernähren sich hauptsächlich von
Samen, Früchten und Knospen. Der Kernbeißer knackt mit seinem großen Schnabel sogar Kirschkerne auf. Die Kreuzschnäbel sind durch die Form ihres Schnabels darauf spezialisiert, Samen aus den Zapfen von Nadelbäumen zu holen. In der Brutzeit werden von manchen Arten auch Insekten, Spinnen und sogar Regenwürmer erbeutet und vor allem an die Jungvögel verfüttert.
Die meisten Arten sind Standvögel oder verlassen im Winter nur die nördlichsten Teile ihres Brutgebiets, nur wenige Arten ziehen aus ihrem gesamten Brutgebiet fort. Außerhalb der Brutzeit schließen sich viele Arten zu großen Gruppen zusammen. Der Flug ist meist hüpfend, bei einigen Arten auch wellenförmig.
Durchschnittlich werden Finken zwei bis drei Jahre alt; bei einigen Arten kann allerdings in Einzelfällen, insbesondere in Gefangenschaft, ein Alter von über 15 Jahren erreicht werden.

Stimme

Die Männchen tragen in der Brutzeit ihren zur Revierabgrenzung dienenden Gesang vor. Dabei sitzen sie meist auf Bäumen, seltener führen sie einen kurzen Balzflug aus. Unter den Finken gibt es sehr gute Sänger, wie den Buchfinken (Fringilla coelebs) oder den Kanarienvogel (Serinus canaria), aber auch Arten mit eintönigem Gesang, wie etwa den Bergfinken (Fringilla montifringilla).

Fortpflanzung

Die napfförmigen Nester werden vorwiegend vom Weibchen meist auf Bäumen oder in Sträuchern gebaut. Das Weibchen legt meist 3-5 Eier und bebrütet sie etwa zwei Wochen lang. Die Jungvögel werden von beiden Eltern gefüttert. Die Stieglitzartigen (Unterfamilie Carduelinae) füttern die Jungvögel aus dem Kropf, vorwiegend mit Samen und Früchten. Dagegen tragen die Edelfinken (Fringillinae) das Futter im Schnabel und verfüttern fast ausschließlich tierische Nahrung. Die Jungvögel verlassen nach etwa 11-28 Tagen das Nest. Meist kommt es zu zwei Bruten im Jahr, bei tropischen Arten auch zu mehr.

Gefährdung

Alle bisher ausgestorbenen Arten lebten einst jeweils nur auf einer einzigen kleinen Insel, 13 davon auf einzelnen der Hawaii-Inseln, eine auf den zu Japan gehörenden Bonin-Inseln. Nach wie vor sind 11 weitere der bisher auf Hawaii überlebenden Kleidervögel (Drepanidinae) vom Aussterben bedroht, die übrigen sind fast alle auf längere Sicht ebenfalls gefährdet.
Stark bedroht ist auch der Einfarbgimpel (Neospiza concolor) von der kleinen Insel São Tomé im Golf von Guinea. Die Art wurde erst 1991 wiederentdeckt, nachdem sie lange als ausgestorben galt; der heutige Bestand wird auf weniger als 50 Individuen geschätzt. Vom Aussterben bedroht sind weiters auch die auf der Insel Hispaniola beheimatete Kreuzschnabelart Loxia megaplaga, der Azorengimpel (Pyrrhula murina), der im Norden von Venezuela lebende Kapuzenzeisig (Carduelis cucullata), der Somalihänfling (Carduelis johannis) und der Ankobergirlitz (Serinus ankoberensis) aus Äthiopien. Drei weitere Arten der Stieglitzartigen (Carduelinae) gelten als gefährdet.
Die wichtigsten Gefährdungsursachen liegen oft im kleinen Verbreitungsgebiet der betroffenen Arten und den dadurch bedingten kleinen Populationen, was zur Folge hat, dass sich sowohl die Zerstörung ihres Lebensraums - durch direkte menschliche Eingriffe oder indirekt durch fremde Pflanzen- und Tierarten - als auch die Einschleppung von Tieren wie etwa verwilderte Hauskatzen oder Ratten, die entweder die Vögel selbst erbeuten oder deren Gelege plündern, besonders stark auswirken.
Im Fall der hawaiianischen Kleidervögel (Drepanidinae) spielen zusätzlich noch eingeschleppte Krankheiten, nämlich Vogelpocken und Vogelmalaria, eine wichtige Rolle. Die meisten Arten kommen nur in höheren Lagen - ober 1250 bis 1500 m Seehöhe - in ausreichenden Populationendichten vor, da in diesen Höhenlagen die Stechmücke Culex quinquefasciatus selten ist, die die Malaria überträgt. Besonders problematisch ist damit das Überleben der Kleidervögel auf den Inseln Kauai, Oahu, Molokai und Lanai, die diese Höhe nicht erreichen oder nur wenig überragen.
Für die Bedrohung des Kapuzenzeisigs (Carduelis cucullata) ist in erster Linie der illegale Fang und Handel verantwortlich. Ebenso hatte beim Aussterben des Mamo (Drepanis pacifica) von Hawaii die Bejagung durch die polynesischen Ureinwohner eine gewisse Bedeutung. Seine gelben Federn von den Unterschwanzdecken und vom Bürzel wurden in großer Zahl für zeremonielle Kleidungsstücke, etwa Federmäntel, verwendet. Daher kommt auch der Name "Kleidervögel" für die Unterfamilie.
Die in Mitteleuropa vorkommenden Finkenarten sind allesamt höchstens regional gefährdet. Auf den Roten Listen finden sich etwa der Bluthänfling (Carduelis cannabina) in Großbritannien und Nordirland oder der Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) mit seinen westlichsten Brutvorkommen in Österreich und in der Schweiz.

Gattungen und Arten

Unterfamilie Edelfinken (Fringillinae)

Unterfamilie Organisten (Euphoniinae)
Abendkernbeißer ♂ (Hesperiphona vespertina)
Unterfamilie Stieglitzartige (Carduelinae)
Palila (Loxioides bailleui)

Iiwi (Vestiaria coccinea)

Akohekohe (Palmeria dolei)
Unterfamilie Kleidervögel (Drepanidinae)

Literatur

Siehe auch: Darwinfinken, Schneefinken

Weblinks


Beurteilung:
Exzellenter Artikel




     
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