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Webspinnen



Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Tiergruppe der Webspinnen. Für manchmal ähnlich genannte Suchprogramme des Internet siehe Webcrawler.
Webspinnen
Systematik
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Stammgruppe: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnungen
  • Gliederspinnen (Mesothelae)
  • Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
  • Echte Webspinnen (Araneomorphae)

Die Webspinnen (Araneae), häufig auch als echte Spinnen bezeichnet, sind die bekannteste Ordnung der Spinnentiere (Arachnida), einer Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda). Mit etwa 34.000 Arten stellen sie zugleich neben den Milben (Acari) die artenreichste Ordnung der Spinnentiere dar.

Table of contents
1 Bau der Webspinnen
2 Fortpflanzung und Entwicklung
3 Lebensweise der Webspinnen
4 Systematik der Webspinnen
5 Spinnen und Menschen
6 Literatur
7 Weblinks

Bau der Webspinnen

Äußere Anatomie

Webspinnen haben acht Beine, im Gegensatz z. B. zu den Insekten (Insecta), die nur sechs Beine haben. Kopf und Brust sind bei ihnen zu einem Stück, dem so genannten Prosoma (Cephalothorax) verschmolzen. Darauf folgt der ungegliederte, gestielte und stark hervortretende Hinterleib (Opisthosoma).

Die vorderen Gliedmaßen des Kopfes, die großen Kieferklauen (Cheliceren), dienen als Kiefer zum Ergreifen der Beutetiere. Sie enden mit einer wie die Klinge eines Taschenmessers einschlagbaren Klaue, an deren Spitze der Ausführungsgang einer Giftdrüse mündet. Das Gift fließt in die durch die Klaue geschlagene Wunde und tötet kleinere Beutetiere fast augenblicklich. Auch die beiden anderen Kopfgliedmaßen, die Kiefertaster (Pedipalpen), haben im allgemeinen einen ähnlichen Bau und eine ähnliche Verwendung. Als Unterkiefer tragen sie einen mehrgliedrigen Taster, beim Weibchen von der Form eines verkürzten Beins, beim Männchen mit aufgetriebenem, als Begattungsorgan dienendem Endglied. Es folgen dann am Prosoma vier Paar Laufbeine. Diese Beine bestehen aus je sechs oder sieben Gliedern. Die meist langen, bei den einzelnen Gattungen sehr verschieden gebauten Beinpaare enden mit zwei kammartig gezahnten Krallen, oft noch mit kleiner unpaarer Afterkralle oder einem Büschel gefiederter Haare.

Der Hinterleib ist rundlich und durch einen dünnen Stiel (Petiolus, gebildet aus dem ersten Hinterleibssegment) mit dem Prosoma verbunden. Er trägt keine Beine. An seiner Bauchseite liegt die Geschlechtsöffnung, und seitlich von ihr befinden sich die beiden Stigmen (Spaltöffnungen) der so genannten Lungensäckchen, öfters auch noch ein zweites Stigmenpaar. Den After umgeben am Ende des Hinterleibs vier oder sechs Spinnwarzen, aus denen die Absonderung der Spinndrüsen hervortritt. Letztere sind birnförmige, zylindrische oder gelappte Schläuche. Ihr proteinhaltigeshaltiges Sekret gelangt durch Hunderte feiner Röhrchen nach außen, erhärtet an der Luft schnell zu einem Spinnfaden und wird unter Mithilfe der Fußklauen zu dem bekannten Gespinst verwebt.

Innere Anatomie

Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn und einer Brustganglienmasse. Die Augen sind unbeweglich und befinden sich auf der Oberseite des Prosoma. Hinter dem Stirnrand stehen acht, seltener sechs kleine Punktaugen in einer nach den Gattungen und Arten verschiedenen Anordnung. Zu den Sinnesorganen gehört das lyriforme Organ.

Der Darmkanal läuft relativ geradlinig vom Mund zum After. Er ist in die Speiseröhre, den Magen mit fünf Paar Blindschläuchen und den Darm untergliedert. In den Darm münden die Lebergänge und zwei verästelte Harnkanäle. Der Lebersaft wirkt ähnlich dem der Bauchspeicheldrüse der höheren Wirbeltiere.

Die Atmungsorgane sind meist eigentümliche so genannte Fächertracheen oder Tracheenlungen, auch Lungensäckchen genannt; doch finden sich außerdem auch noch gewöhnliche Tracheen, in welche die Luft durch Luftlöcher (Stigmen) eintritt.

Das Herz liegt gewöhnlich als mehrkammeriges Rückengefäß im Hinterleib; es besitzt seitliche Spaltöffnungen zum Eintritt des Bluts und häufig Arterienstämme am vorderen und hinteren Ende. Das Blut fließt aus einem pulsierenden, im Hinterleib gelegenen Rückengefäß durch Arterien zu den Gliedmaßen und zum Kopf, umspült zurückkehrend die Lungensäckchen und tritt durch drei Paar seitliche Spaltöffnungen in das Rückengefäß zurück.

Fortpflanzung und Entwicklung

Webspinnen sind getrenntgeschlechtlich. Die Männchen, oft durch äußere Merkmale erkennbar und kleiner als die Weibchen, haben einen Hinterleib von geringerem Umfang als die Weibchen und besitzen paarige Hodenschläuche, aber in der Regel keine eigenen Begattungsorgane, so dass mitunter so entfernt gelegene Gliedmaßen wie die Kiefertaster die Übertragung der Spermien auf das Weibchen übernehmen. Das verdickte Endglied der Kiefertaster ist dazu löffelförmig ausgehöhlt und enthält einen spiralig gebogenen Faden nebst hervorstreckbaren Anhängen. Bei der Begattung füllt das Männchen dieses Glied mit Spermien und führt es in die weibliche Geschlechtsöffnung ein, wo sich ein besonderes Behältnis zur Aufbewahrung der Spermien (die Samentasche) befindet. Die Weibchen besitzen unpaare oder paarige Eierstöcke, deren Eileiter meist gemeinschaftlich am Anfang des Hinterleibs ausmünden. Zuweilen leben beide Geschlechter friedlich nebeneinander in benachbarten Gespinsten oder selbst eine Zeit lang in demselben Gespinst; in anderen Fällen stellt das stärkere Weibchen dem schwächeren Männchen wie jedem anderen Beutetier nach und selbst bei der Begattung ist das Männchen gefährdet, dem Weibchen als Beutetier zu dienen.

Bei Webspinnen ist das Verhalten des männlichen Tieres wichtig für eine erfolgreiche Befruchtung des weiblichen: Wenn das Männchen nicht das artspezifische Ritual einhält, kann es vom Weibchen nicht als Geschlechtspartner erkannt werden und wird nicht selten Opfer desselben (Kannibalismus).

Alle Webspinnen legen Eier. Die Entwicklung im Ei ist insofern interessant, als der Embryo eine Zeitlang einen deutlich aus zehn bis zwölf Segmenten bestehenden Hinterleib besitzt, an dem sich auch die Anlagen von Gliedmaßen zeigen, die aber im weiteren Verlauf samt der Gliederung wieder verschwinden. Die Weibchen tragen die Jungen häufig in besonderen Gespinsten bis zu ihrem Ausschlüpfen in einem Eikokon mit sich herum. Die ausschlüpfenden Jungen erleiden keine Metamorphose, haben also meist schon die Form der ausgewachsenen Tiere, bleiben aber bis nach der ersten Häutung im Gespinst der Eihüllen.

Junge Webspinnen verschiedener Arten erzeugen im Herbst lange Fäden (siehe Altweibersommer), mittels welcher sie sich hoch in die Luft erheben, um sich an andere Orte tragen zu lassen.

Die Lebensdauer der Webspinnen ist nicht wie bei den Insekten beschränkt; Weibchen häuten sich auch als erwachsene Tiere noch in bestimmten Zeiträumen und sind wiederholt fortpflanzungsfähig. Sie besitzen ein zähes Leben, so dass manche monatelang ohne Nahrung existieren können. Ihre Regenerationsfähigkeit ist enorm. Verlorene Gliedmaßen können z.B. wieder ersetzt werden.


Lebensweise der Webspinnen

Webspinnen leben räuberisch und ernähren sich meist von erbeuteten anderen Gliedertieren, besonders Insekten, die sie aussaugen. Hierzu werden die Beutetiere zunächst mit einem enzymhaltigen Verdauungssaft aufgelöst, welchen die Spinne in ihr getötetes Opfer einbringt (siehe extraintestinale Verdauung). Viele Spinnenarten bauen Netzee, um ihre Beute einzufangen. Die Gespinste weichen bei den verschiedenen Gattungen im Aussehen stark voneinander ab. Oft halten sich die Spinnen in der Nähe der Netze in röhren- oder trichterartigen Verstecken auf. Es gibt aber auch viele Spinnen, die vagabundieren und ihre Beute im Lauf oder Sprung überfallen.

Fast sämtliche Webspinnen sind Landtiere, die sich am Tage oft verborgen halten und nur in der Dämmerung oder nachts aktiv sind. Sie sind über den ganzen Erdkreis verbreitet, doch finden sich in den heißeren Zonen die meisten und größten Arten. Die einzige Spinnenart, welche im Wasser lebt, ist die Wasserspinne (Argyroneta aquatica). Allerdings gibt es eine Reihe von Arten, die auf der Wasseroberfläche jagen.

Systematik der Webspinnen

Die Arten der Webspinnen werden aktuell in 105 Familien aufgeteilt, wobei die Einteilung vor allem aufgrund der Form und Größe der Spinndrüsen, der Anordnung der Augen, dem Bau der Cheliceren und der Pedipalpen sowie dem Vorhandensein eines Cribellum erfolgt. Auf diese Weise ergeben sich drei als Unterordnungen eingestufte Gruppen:

Fossile Arten finden sich z. B. in Bernstein eingeschlossen vor. Ein bekannter ausgestorbener Vertreter der Spinnen ist die Megarachne.

Die weitere Unterteilung der Gruppen wird in den jeweiligen Artikeln angesprochen.

Spinnen und Menschen

Einige Webspinnen können durch ihr Gift auch dem Menschen gefährlich werden, so die in Nord- und Südamerika beheimatete Schwarze Witwe, deren Biss tödlich wirken kann, oder die in Australien beheimatete Atrax robustus. Europäische Webspinnen wie die Kreuzspinne oder die italienischee Tarantel dagegen sind harmlos. Dies gilt auch für die manchmal in Bananenkisten eingeschleppte Vogelspinne. Die einzige in Deutschland beheimatete Giftspinne, deren Biss unangenehme Begleiterscheinungen hervorrufen kann, ist der Dornfinger (Cheiracanthium punctorium).

Die Angst vor Spinnen nennt man Arachnophobie.

Siehe auch: Spinne des Jahres, Portal Lebewesen,

Literatur

Weblinks


Beurteilung:

Exzellenter Artikel



     
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