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Römische Marine



Als römische Marine oder römische Flotte bezeichnet man die Kriegsflotte der römischen Republik und des Kaiserreichs. Sie stellte neben den Legionen und den Auxiliartruppen den dritten Teil des römischen Militärs dar, der sich aus diversen Seeflotten und eigenen Marineinfanterieeinheiten zusammensetzte.

Table of contents
1 Organisation
2 Geschichte
3 Schiffsausrüstung und Schiffstypen
4 Römische Landeskenntnisse
5 Literatur

Organisation

Im Gegensatz zu heutigen Zeiten wurde die Marine nicht als eigenständiger Teil des Militärs angesehen und zusammen mit dem Heer verwaltet.

Die Organisationsstruktur der römischen Marine lässt sich in drei Teile aufteilen: Zunächst wären da die beiden strategischen Hauptflotten, die Provinzflotten und die sog. "Flottillen".

Die beiden Hauptflotten waren dazu gedacht, das Mittelmeer abzusichern und v.a. die italienische Küste gegen eventuelle Angreifer abzuriegeln. Die beiden Flotten wurden jeweils von einem ducenaren Präfekten kommandiert und waren in Misenum im Golf von Neapel bzw. bei Ravenna stationiert. Diese beiden Flotten waren trotz ihrer Größe aufgrund der totalen römischen Dominanz im Mittelmeer eher unterbeschäftigt und waren in der Kaiserzeit hauptsächlich nur noch mit der Bekämpfung von Seeräuberei und Schmugglertum beschäftigt. Ab 330 wurden die Stützpunkte der Hauptflotten aufgelöst; die Einheiten wurden nach Byzanz verlegt und bildeten später die Grundlage der byzantinischen Flotte.

Wichtiger für militärische Operationen waren die in den Provinzen stationierten Flotten: Sie versorgten und transportierten die kämpfenden Einheiten und ermöglichten eine größere Mobilität. Auch in Friedenszeiten stellten sie einen wichtigen Aspekt für die Provinzialen dar, da ein Großteil der öffentlichen Transporte - vor allem die Versorgung mit Getreide - über sie lief. Mit ihrer ständigen Präsenz sicherten die Provinzflotten private Transportunternehmen vor Piraten und begünstigte somit die wirtschaftliche Entwicklung entlang wichtiger Wasserwege wie. z.B. der Donau. Beispiele für die Provinzflotten sind z.B. die classis Germanica, die auf dem Rhein, dessen Nebenflüssen und auch in der Nordsee aktiv war, oder auch die classis Pontica, die das Schwarze Meer absicherte.

Zuletzt gab es noch die Flottillen; kleine Schiffsverbände, die hauptsächlich auf größeren Binnengewässern eingesetzt wurde. Ab 15 v. Chr ist etwa eine eigene Flottille auf dem Bodensee überliefert. Ab dem 4. Jahrhundert wurde aufgrund des steigenden Bedarfes an Sicherung der innereuropäischen Flüsse und Seen die Zahl der Flottillen erhöht; so wurde z.B. auf dem Comer See eine Flottille eingerichtet, und der Hafen von Marseille erhielt einen eigenen Kriegsschiffsverbund zur Verteidigung.

Geschichte

Vor dem 1. Punischen Krieg bestand die römische Marine lediglich aus ein paar Schiffen, die entlang der italienischen Meeresküsten und Flüsse patrouillierten. Als im Konflikt mit Karthago plötzlich der Kampf zu Wasser entscheidend wurde, sahen sich die Römer zunächst wehrlos gegen die technologisch viel besser ausgerüsteten Karthager. Erst als das Militär einige Kriegsschiffe der Karthager in die Hand bekam, wurden massive Anstrengungen zum Ausbau der Marine nach karthagischem Vorbild unternommen. Schlussendlich sah sich die feindliche Flotte gezwungen, den römischen, nach eigenem Vorbild erbauten und perfektionierten Schiffen nachzugeben. Auch in den beiden anderen Punischen Kriegen spielte die Marine eine wichtige Rolle, und bei anderen Eroberung besonders im östlichen Mittelmeerraum war den Flotten eine herausragende Bedeutung beschieden. Als aber das Mittelmeer erst einmal größtenteils unter römischer Kontrolle stand (später wurde es von den Römern sogar als mare nostrum, "unser Meer", bezeichnet) blieb den Marinestrategen nichts anderes übrig, als sich auf die wild wuchernde Piraterie zu konzentrieren, die vor allem von Kilikien aus eine zunehmende Bedrohung für die römische Wirtschaft darstellte. Doch als Pompeius schließlich in einem konzertierten Schlag auch diese regelrecht hinwegfegte, blieb im Mittelmeerraum nur noch wenig zu tun. Vor allem in den Provinzen spielten sich nun die wesentlichen Marineoperationen ab. Große Teile der römischen Flotte während der Republik wurden von seefahrtgewohnten Bundesgenossen gestellt.

Augustus

Unter Augustus gab es nach der Eroberung Ägyptens vermehrt Forderungen in der römischen Wirtschaft, den Handel nach Indien auszuweiten. Hinderlich dabei war jedoch die arabische Kontrolle über jeden Seeweg nach Indien. Eine der ersten Marineoperationen unter Augustus bestand also aus der Vorbereitung eines Feldzuges auf der panarabischen Halbinsel: Der Befehslhaber Aelius Gallus ließ ca. 130 Transporter erbauen und verfrachtete so rund 10000 Soldaten nach Arabien. Der anschließende Marsch durch die Wüste auf den Jemen zu scheiterte jedoch, und die Pläne der Kontrolle über die arabische Halbinsel mussten aufgegeben werden.

Am anderen Ende des Reichs, in Germanien, kam der Marine eine wichtige Rolle bei der Versorung und dem Transport der Legionen zu. 15 v. Chr wurde eine eigene Bodenseeflottille eingerichtet. Später nutzten die Militärs Drusus und Tiberius die Marine ausgiebig, als sie versuchten, den römischen Plan einer Ausdehnung der Grenzen bis an die Elbe zu verwirklichen. 12 v. Chr ließ Drusus eine große Flotte von über 1000 Schiffen erbauen und über den Rhein in die Nordsee segeln. Der überlegenen Zahl, Taktik und Technik der Römer hatten die Friesen und Chauken nichts entgegenzusetzen, als die Römer in die Mündungen von Weser und Ems vordrangen. Die dort ansässigen Stämme mussten sich ergeben.

5 v. Chr konnten die römischen Kenntnisse über die Nord- und Ostsee im Rahme eines militärischen Vorstoßes unter Tiberius bis hin zur Elbe deutlich erweitert werden: Plinius beschreibt, dass römische Seeverbände an Helgoland vorbeikamen und sich bis an die Nordostküste Dänemarks vorwagten. Die vielfältigen Meeresoperationen nördlich Germaniens mussten nach der Schlacht am Teutoburger Wald im Jahre 9 größtenteils eingestellt werden.

Julisch-claudische Dynastie

In den Jahren 15 und 16 unternahm Germanicus im Rahmen seiner Germanienfeldzüge mehrere Flottenoperationen entlang des Rheins und bis zur Ems, die jedoch aufgrund des erbitterten germanischen Widerstandes und eines verheerenden Sturmes eingestellt wurden. 28 verloren die Römer zusätzlich noch die Kontrolle über die Rheinmündung infolge eines Aufstandes der Friesen.

Von 37 bis 85 spielte die römische Marine eine eminent wichtige Rolle bei der Eroberung Britanniens. Vor allem machte sich die classis Germanica durch zahlreiche Landeoperationen verdient.

46 unternahm das Militär einen Vorstoß tief ins Schwarze Meer hinein und befuhr sogar den Don. 57 erreichte ein Expeditionskorps Sewastopol.

Unter Nero gelang es der Marine scheinbar, einige wichtige strategische Punkte für den Indienhandel zu erobern; es ist jedoch keine eigene Flotte im Roten Meer bekannt. Vielleicht waren für die Sicherung des Indienhandels Teile der alexandrinischen Flotte tätig.

Im jüdischen Aufstand von 66 bis 70 sahen sich die Römer gezwungen, jüdische Kriegsschiffe, die von einem Hafen im Gebiet des heutigen Tel Aviv aus operierten, an der israelischen Mittelmeerküste bekämpfen zu müssen. Gleichzeitig kam es zu mehreren Flottillengefechten auf dem See Genezareth.

Flavische Dynastie, Adoptivkaiser und Severer

Während des Bataveraufstandes des Iulius Civilis (70 - 71) geriet ein Geschwader der Rheinflotte durch Verrat in die Hände der Rebellen, konnte sie jedoch nicht zu einem entscheidenen Schlag gegen die feindlichen Flotten einsetzen. Die noch vorhandenen Schiffe gingen in kaiserliche Hand zurück, als Civilis auf offenem Feld geschlagen worden war.

In den Jahren 82 bis 85 unternahmen die Römer einen Feldzug gegen die Kaledonier im heutigen Schottland. In diesem Rahmen erhöhte die römische Marine ihre Aktivität an der schottischen Ostküste deutlich. Gleichzeitig wurden zahlreiche Expeditions- und Aufklärungsreisen gestartet. Bei diesen konnten die Römer kurzzeitig die Orkneyinseln erobern und erlangte Kenntnisse über die Shetlandinseln. Wahrscheinlich landeten die Römer sogar auf den Hebriden und in Irland.

Unter den Adoptivkaisern operierte die Marine hauptsächlich auf Flüssen; so spielte sie eine wichtige Rolle bei den Eroberungen Trajans in Dakien, und es wurde zeitweise eine eigene Flotte für Euphrat und Tigris gegründet. Auch in den Markomannenkriegen unter Mark Aurel fanden zahlreiche Kämpfe etwa auf der Donau und der Theiss statt.

In der Ägide der Severer fanden die einzigen bekannte militärischen Operationen der Marine unter Septimius Severus statt, der sie bei seinen Feldzügen entlang Euphrat und Tigris sowie in Schottland benutzte. Dabei gelangen römische Schiffe u.a. in den Persischen Golf und an die Spitze der Britischen Inselgruppe.

Krise unter den Soldatenkaisern und den Tetrarchen

Unter den Soldatenkaisern erlebte die Marine eine handfeste Krise, als unter Trebonianus Gallus erstmals Germanen am Schwarzen Meer eine eigene, schlagkräftige Flotte aufbauten. Durch zwei Überraschungsangriffe (256) auf römische Stützpunkte am Kaukasus und an der Donau gelangten zahlreiche Schiffe in die Hände der Germanen. Daraufhin wurden die Angriffe bis auf die Ägäis ausgeweitet; Byzanz, Sparta, Athen und andere Städte wurden geplündert und die dort zuständigen Provinzflotten stark geschwächt. Erst durch einen taktischen Fehler der Angreifer konnte der Ansturm aufgehalten werden.

268 erfolgte ein weiterer, um ein vielfaches heftigerer Angriff der Germanen. Ein Teil der Invasionsflotte griff die Mittelmeerinseln Kreta, Rhodos und Zypern an, der andere machte Kurs auf Griechenland. Erneut hatten die Römer diesem Ansturm nichts entgegenzuhalten. Erst als sich die Germanen auf den Weg ins Landesinnere machten, konnte Claudius II sie besiegen.

286 sah sich das Römische Reich erneut einer großen Bedrohung ausgesetzt, als der aufständische Oberkommandeur der Britannischen Flotte Carausius Britannien und die gallischen Küstengebiete unter seine Gewalt brachte. Da nun mit einem Schlag die gesamte römische Kontrolle über Ärmelkanal und Nordsee verlorengegangen war, sah sich Kaiser Maximian gezwungen, eine komplett neue Nordflotte auszuheben, die jedoch aufgrund mangelnder Übung fast sofort durch einen Sturm vernichtet wurde. Erst unter Constantius Chlorus sah sich die Marine wieder in der Lage, römische Truppen nach Britannien zu befördern. Durch einen Zangenangriff auf London konnte die abtrünnige Provinz wiedergewonnen werden.

Ende des Römischen Reiches

Wie weiter oben schon beschrieben, wurden ab 330 die beiden Hauptflotten nach Byzanz verlegt. Als im Norden später die Völkerwanderung mit voller Wucht auf die römischen Grenzen prallte, konnten die Bemühungen der Marine kaum noch etwas ausrichten. Die römischen Kriegsschiffe wurden bis zum Zusammenbruch des weströmischen Reiches 476 größtenteils nur noch gebraucht, um römische Bürger aus den Krisengebieten zu evakuieren. Die in Ostrom stationierten Flotten wurden zum Grundstock der Marine von Byzanz.

Schiffsausrüstung und Schiffstypen

Im Vergleich zu den Schiffen der Griechen und Karthager waren die Römer keine großen Schiffebauer; sie übernahmen lediglich deren Ideen und Konstruktionen und perfektionierten diese. Das die Stärke des römischen Militärs im Landkampf zu suchen war, offenbart sich in der einzig echten Neuerung, die die römischen Techniker während der Punischen Kriege ersonnen: Die sog. "Entertriereme", ein Schiff, auf dem ein 8 m hoher Pfahl befestigt war, an dem wiederum eine schwenkbare, 12 m lange Brücke hing. Sobald die Triereme nahe genug an ein feindliches Schiff kam, ließ die Schiffsmannschaft die Brücke auf jenes fallen, sodass die bewaffneten Soldaten das gegnerische Schiff stürmen und entern konnten. Dadurch konnten die Römer ihren Flottenbestand auch ständig aufstocken, da sie die Schiffe der Gegner nicht etwa zerstörten, sondern zu entern versuchten.

Eine andere Besonderheit der Römer waren die Großkampfschiffe, extrem stabile und hochgebaute Schiffe, die allerdings nicht für den Seekampf gebaut waren. Mit diesen Schiffen, die nur schwer zu rammen und kaum zu entern waren, konnten große Massen an Soldaten und schwerem Kriegsgerät transportiert werden. Die auf diesen Schiffen montierten Katapulte vermochten feindlichen Einheiten schwere Schäden zuzufügen.

In der Kaiserzeit bestand die römische Flotte vor allem aus folgenden Schiffstypen:

Römische Landeskenntnisse

Generell waren die Römer ebensowenig Entdecker wie Schiffsbauer; sie erkundeten Gebiete nur dann, wenn sie sich davon irgendeinen militärischen oder wirtschaftlichen Vorteil versprachen. So kümmerten sie sich nie um Irland oder Skandinavien, obwohl diese leicht zu erreichen gewesen wären.

Literatur

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