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Augustus



''Dieser Artikel befasst sich mit der Person des römischen Kaisers Augustus. Zum Begriff "Augustus" als Herrschertitel siehe: Kaiser.

Augustus (* 23. September 63 v. Chr in Rom oder Velitrae; † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel) gilt als erster römischer Kaiser.

Der Großneffe und Haupterbe Cäsars setzte sich in den Bürgerkriegen, die dessen Ermordung 44 v. Chr folgten, gegen alle Rivalen durch. Vom Jahr 31 v. Chr an war er Alleinherrscher Roms und begründete die julisch-claudische Dynastie. Unter der Devise der "Wiederherstellung der Republik" betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in eine Monarchie in Form des Prinzipats. Seine Herrschaft mündete in eine lang anhaltende Friedenszeit, die später als "Pax Augusta" verklärt wurde.

Augustus' Geburtsname lautete Gaius Octavius Thurinus. Nach der Adoption durch Caesar nahm er dessen Namen Gaius Julius Caesar an, wohl ohne den in solchen Fällen eigentlich üblichen Zusatz Octavianus. Dennoch wird er in der historischen Literatur - zur besseren Unterscheidung von Caesar - für die Zeit seines Aufstiegs als Octavian bezeichnet. Den Ehrennamen Augustus (Erhabener), der zum Bestandteil der Kaisertitulatur wurde, verlieh ihm der Senat im Jahr 27 v. Chr Zum Zeitpunkt seines Todes lautete sein vollständiger Titel Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Consul XIII, Imperator XXI, Tribuniciae potestatis XXXVII, Pater patriae

Table of contents
1 Biographie
2 Werke
3 Quellen
4 Literatur
5 Weblinks

Biographie

Die Lebensgeschichte des Kaisers Augustus handelt im Grunde von zwei vollkommen gegensätzlichen Persönlichkeiten: Einerseits von einem jungen, machtgierigen, mitunter grausamen Politiker, der weder Gesetz noch Skrupel kannte, solange es um die Erringung der absoluten Macht ging, andererseits von dem Kaiser, der - einmal im Besitz dieser Macht - äußerst klugen Gebrauch von ihr machte und mit dem Prinzipat eine neue, dauerhafte Staatsordnung an die Stelle der in 100 Jahren Bürgerkrieg gänzlich zerrütteten Republik setzte.

Herkunft und Jugend

Augustus war der Sohn des Geldverleihers Gaius Octavius und seiner Frau Atia, einer Nichte Julius Caesars. Die Familie seines Vaters gehörte den Equites, dem römischen Ritterstand an, also dem niederen Adel. Sie war wohlhabend, aber wenig bedeutend. Nach dem Tod des Vaters 58 v. Chr wuchs der junge Gaius zunächst auf dem Landgut seiner Großmutter Julia, der Schwester Caesars, in Velitrae auf, später im Haus seines Stiefvaters L. Marcius Philippus. Nach Sueton hielt er im Jahr 51 v. Chr die Leichenrede für seine Großmutter und legte 49 v. Chr die Männertoga (toga virilis) an.

Der kinderlose Caesar nahm sich seines Großneffen an und ließ ihn 46 v. Chr an dem Triumphzug anlässlich seines Sieges im Bürgerkrieg teilnehmen. Im Jahr darauf begleitete der junge Gaius Octavius seinen Großonkel auf dessen Kriegszug gegen die Söhne des Pompeius nach Spanien, wo er Caesar offenbar durch seine Tapferkeit beeindruckte. Er sollte auch als Reiterführer an dem geplanten Feldzug gegen die Parther teilnehmen und war mit seinen Freunden Marcus Vipsanius Agrippa und Salvidienus Rufus bereits nach Apollonia im heutigen Albanien vorausgeschickt worden. Dort erreichte ihn im Frühjahr 44 v. Chr. die Nachricht von Caesars Ermordung. Zugleich erfuhr er, dass der Diktator ihn durch Testamentsverfügung adoptiert und zum Haupterben seines Privatvermögens eingesetzt hatte.

Aufstieg zur Macht

Zurück in Rom, nahm Gaius Octavius das Testament sowie alle damit verbundenen Verpflichtungen an und nannte sich fortan nach seinem Adoptivvater Gaius Julius Caesar. In dem Konflikt zwischen dessen Anhängern - die sich um Marcus Antonius scharten - und den republikanisch gesinnten Caesarmördern um Cassius sowie Marcus und Decimus Iunius Brutus spielte er anfangs keine Rolle.

Marcus Antonius beanspruchte als Unterfeldherr Caesars und sein Mitkonsul für das Jahr 44 v. Chr die Führung der caesarianischen Partei für sich. So weigerte er sich zunächst, das Vermögen des Diktators an Octavian herauszugeben. Dieser zahlte dennoch die von Caesar ausgesetzten Legate an dessen Veteranen und die Bevölkerung Roms aus. Dafür nutzte er die in Apollonia beschlagnahmte, für den Partherkrieg vorgesehene Kriegskasse, versteigerte aber auch eigene Güter. Dieses Vorgehen brachte ihm rasch eine große Zahl von Anhängern ein und damit auch politisches Gewicht. Der einflussreiche Senator und Ex-Konsul Marcus Tullius Cicero, der nicht zu den Verschwörern gehört hatte, aber mit der republikanischen Sache sympathisierte, unterstützte den scheinbar unerfahrenen jungen Mann, in der Hoffnung, ihn als politisches Gegengewicht zu Marcus Antonius aufbauen zu können. Octavian ging darauf ein. Aber er stützte sich damals auch schon auf eigene, kenntnisreiche Ratgeber wie den wohlhabenden Gaius Cilnius Maecenas und verfolgte seine eigenen Pläne.

Bündnis mit den Caesarmördern

Während Antonius im Jahr 43 v. Chr in Gallien gegen Decimus Brutus vorging, baute Octavian in Italien ein Heer aus Veteranen Caesars auf und bemächtigte sich staatsstreichartig der Stadt Rom. Unter militärischem Druck und auf Antrag Ciceros bestätigte der Senat Octavians angemaßte militärische Befehlsgewalt, verlieh ihm die Rechte eines Senators und Konsularen und gestattete ihm die Übernahme aller Ämter 10 Jahre vor dem gesetzlich festgelegten Mindestalter. Octavian ging jetzt sogar ein Bündnis mit den Republikanern ein. Noch im selben Jahr besiegte er Antonius im Mutinensischen Krieg gemeinsam mit einem Senatsheer unter den Konsuln Hirtius und Pansa.

Beide Oberhäupter der Republik kamen in dem Krieg um, und Octavian verlangte nun eines der freigewordenen Konsulate für sich. Als der Senat sich weigerte, erzwang Octavian am 19. August 43 v. Chr mit Hilfe der Truppen seine Wahl zum Konsul und die Ächtung der Caesarmörder. Mittlerweile hatte Antonius wieder mehr Legionen unter seinen Befehl gebracht als vor seiner Niederlage. Daher - und weil Octavian auf der politischen Bühne Roms nun als "Rächer" seines Adoptivvaters auftrat - wechselte er die Seiten und ging mit den Führern der caesarianischen Partei ein Bündnis ein. Nach dem Vorbild Caesars, Pompeius' und Crassus' aus dem Jahr 60 v. Chr bildeten Octavian, Marcus Antonius und der Reiterführer Marcus Aemilius Lepidus im Oktober 43 v. Chr ein zweites Triumvirat. Zu dessen Bekräftigung heiratete Octavian Antonius' Stieftochter Clodia.

Das Zweite Triumvirat

Die „Dreimännerherrschaft zur Ordnung des Staates“, wie das Bündnis offiziell hieß, beruhte allein auf der militärischen Macht der Triumvirn, auf ihrer Verfügungsgewalt über die weitaus meisten römischen Legionen. Sie ließen sich vom Senat am 27. November 43 v. Chr diktatorische Machtbefugnisse auf fünf Jahre übertragen. Wie zur Zeit Sullas wurden nun Proskriptionslisten veröffentlicht, die alle darauf Verzeichneten für vogelfrei erklärten. Laut Sueton soll sich Octavian anfangs gegen die Proskriptionen gewehrt, sie dann aber unnachsichtiger durchgeführt haben als seine beiden Kollegen. Auf Antonius’ Betreiben fiel dem Massaker an den politischen Gegnern der Triumvirn auch Cicero zum Opfer.

Im Jahr darauf gingen Antonius und Octavian nach Griechenland, wo die Caesarenmörder Marcus Junius Brutus und Gaius Cassius Longinus ihre Streitkräfte gesammelt hatten. Deren Niederlage in der Schlacht von Philippi in Makedonien im Herbst 42 v. Chr bedeutete den endgültigen Untergang der Römischen Republik. Octavian ließ Brutus’ Kopf vor der Statue Caesars in Rom niederlegen. Da aber der Sieg im wesentlichen Antonius zu verdanken war, nahm dessen Gewicht innerhalb des Triumvirats noch weiter zu.

Als die Triumvirn nach Philippi ihre Einflusssphären absteckten, erhielt Antonius die wohlhabenden Ostprovinzen, Lepidus Nordafrika - damals die Kornkammer Roms - und Octavian den Nordwesten des Reichs und Italien. Mit dem römischen Kernland fiel ihm aber auch die undankbare Aufgabe zu, die Landverteilung an die Veteranen aller drei Machthaber zu organisieren. Dabei kam es zu brutalen Enteignungen und Vertreibungen nicht nur einzelner Landbesitzer, sondern sogar ganzer Stadtbevölkerungen. Octavian war damals allgemein verhasst. Überdies kam es wegen der Landverteilung zu schweren Differenzen mit Antonius’ Bruder Lucius, den Octavian aber im Perusinischen Krieg besiegte. Als Antonius daraufhin nach Italien zurückkehrte, verweigerten die Legionen beider Triumvirn jedoch den Kampf und zwangen sie zu einem erneuten Bündnis. Der Vertrag von Brundisium vom Herbst 40 v. Chr sah u.a. die Hochzeit Antonius’ mit Octavians Schwester Octavia vor.

Octavian hatte im selben Jahr - nach dem Tod seiner ersten Frau Clodia - Scribonia geheiratet, eine Verwandte von Pompeius' Sohn Sextus. Sie schenkte ihm eine Tochter, Julia, die sein einziges leibliches Kind bleiben sollte. Aber noch vor Julias Geburt verstieß er ihre Mutter wieder, um im Jahr 38 v. Chr. Livia Drusilla zu ehelichen. Der Skandal wurde noch dadurch vergrößert, dass er Livia in sein Haus aufnahm, noch bevor sie sich von ihrem bisherigen Mann, dem überzeugten Republikaner Tiberius Claudius Nero hatte scheiden lassen können. Die Frau, die zu seiner engsten Ratgeberin wurde, brachte die zwei Söhne Tiberius und Drusus mit in die Ehe. Tiberius sollte schließlich der Nachfolger seines Stiefvaters als Kaiser werden.

Der Kampf um die Alleinherrschaft

Am Vertrag von Brundisium war auch Sextus Pompeius beteiligt, der letzte politische Gegner der Triumvirn, der mit seiner Flotte noch über nennenswerte militärische Macht verfügte. Er kontrollierte Sizilien und gefährdete die Kornzufuhr nach Rom, was Octavians Autorität dort zusätzlich untergrub. Da Pompeius seine Blockadepolitik nicht aufgab, zerbrach das Bündnis schon 38 v. Chr. wieder. Im diesem Jahr war das Triumvirat um weitere 5 Jahre verlängert worden. Zwei Jahre später, 36 v. Chr, gelang es Octavians Feldherrn, Marcus Vipsanius Agrippa, Pompeius in der Seeschlacht bei Naulochos vor der Nordküste Siziliens zu besiegen. Als es Octavian kurz darauf gelang, Lepidus zu entmachten, dessen Truppen zu ihm übergelaufen waren, beherrschte er den gesamten Westen des Reichs. Im Kampf um die Alleinherrschaft stand ihm nur noch Antonius im Wege.

Während Octavian von Ende 35- 34 v. Chr bei kleineren Feldzügen in Dalmatien ein schlagkräftiges Heer in Form brachte, führte sein Rivale einen erfolglosen Krieg gegen die Parther. Zudem ging Antonius eine dauerhafte Beziehung mit Königin Kleopatra VII von Ägypten ein, deretwegen er im Jahr 32 v. Chr die in Rom äußerst populäre Octavia verstieß. Octavian nutzte das Verhalten Antonius’ propagandistisch geschickt aus. Als dieser im selben Jahr daran ging, Teile des römischen Ostens an Kleopatra und ihre gemeinsamen Kinder zu verschenken, verlor er in Rom fast jeden Rückhalt. Um ihm auch noch seine letzten Anhänger abspenstig zu machen, schreckte Octavian nicht einmal vor einem Sakrileg zurück: Er ließ das bei den Vestalinnen hinterlegte - womöglich aber auch gefälschte - Testament des Antonius veröffentlichen, in dem dieser Kleopatras Kinder als Erben einsetzte. Daraufhin erklärte der Senat Kleopatra den Krieg und Antonius zum Staatsfeind.

Octavian war es gelungen, den Kampf gegen einen innenpolitischen Gegner in einen Krieg Roms gegen einen äußeren Feind umzumünzen. Schon der erste Zusammenstoß der beiden Rivalen brachte die Entscheidung. In der Seeschlacht bei Actium – am Ausgang des Ambrakischen Golfs in Epirus – unterlagen Antonius und Kleopatra am 2. September 31 v. Chr. den Streitkräften Agrippas und Octavians, der während des gesamten Kampfs angeblich seekrank unter Deck lag. Mit der Einnahme Alexandrias, der Annexion Ägyptens als neue römische Provinz und dem Selbstmord von Antonius und Kleopatra im darauffolgenden Jahr endete der Krieg zweier Männer um die Macht in Rom und zugleich die 100 Jahre währende Epoche der römischen Bürgerkriege. Als Zeichen dafür, dass im ganzen Reich Frieden herrschte, wurde am 12. Januar 29 v. Chr. der Torbogen des Gottes Ianus auf dem Forum Romanum geschlossen. Dies geschah erst zum dritten Mal in der jahrhundertelangen Geschichte Roms.

Augustus als Kaiser

Am 13. Januar des Jahres 27 v. Chr begann in Rom ein mehrtägiger Staatsakt, der den Ausnahmezustand des Bürgerkriegs auch offiziell beendete. Formal wurde damit die alte Ordnung der Republik wiederhergestellt, tatsächlich aber eine völlig neue, monarchische Ordnung geschaffen: das römische Kaisertum in Gestalt des Prinzipats. Am 16. Januar verlieh der Senat Octavian den neugeschaffenen Ehrennamen Augustus.

In den Jahren nach Actium stand der Alleinherrscher vor drei großen Aufgaben: den Staat neu aufzubauen, das Reich nach innen und außen zu sichern und die Nachfolge zu regeln, um seinem Werk auch über seinen Tod hinaus Dauer zu verleihen. Da Augustus all das gelang, markiert der Staatsakt vom Januar 27 v. Chr. nicht nur den Beginn seiner 40-jährigen Regierungszeit als Kaiser, sondern auch den einer ganz neuen Epoche der römischen Geschichte.

Die Begründung des Prinzipats

Das Problem

Als Octavian im Sommer 29 v. Chr aus dem Osten nach Rom zurückkehrte, stand er vor dem gleichen Problem, an dem Julius Caesar 15 Jahre zuvor gescheitert war: Eine Staatsordnung zu schaffen, die für das in 400 Jahren gewachsene, republikanische Rechtsverständnis der Römer akzeptabel war und zugleich der Tatsache gerecht wurde, dass die tatsächliche Macht seit 70 Jahren nicht mehr beim Senat, den Konsuln und den anderen republikanischen Institutionen gelegen hatte, sondern bei den Befehlshabern der Legionen. Von Marius und Sulla über das 1. und das 2. Triumvirat hatten immer wieder Machthaber eine außerordentliche Gewalt errungen. Es ging nun darum, diese außerordentliche Gewalt der Militärdespoten in eine ordnungsgemäße umzuwandeln, sie also rechtlich in das bisherige Staatsgefüge einzubauen.

Die einfache Wiederherstellung der alten Adelsrepublik kam für Octavian aus zwei Gründen nicht in Frage: Zum einen war die staatstragende Bevölkerungsschicht der Republik, der Senatsadel, durch die Bürgerkriege weitgehend vernichtet worden. Zum anderen hätte die Ausdehnung des Reichs und die große Zahl von Legionen, die dies erforderte, immer wieder neue Militärbefehlshaber in die Lage versetzt, die Macht an sich zu reißen.

Die Lösung

Nach den Wirren der vorangegangenen Jahrzehnte waren auch die Römer - traditionell eher gegen jede Art von Alleinherrschaft eingestellt - bereit, die militärische Macht in die Hand eines Mannes zu legen. Octavian ging dabei aber so klug vor, nicht den Königstitel anzustreben, sondern sich von den bestehenden republikanischen Gewalten all jene übertragen zu lassen, die ihm in ihrer Bündelung zu einer monarchischen Stellung verhalfen, die es ihm aber zugleich ermöglichten, sich als Amtsträger der Republik darzustellen. Wie schon im Kampf gegen Antonius erwies sich Octavian auch bei dieser Aufgabe als Meister der politischen Propaganda.

Gegen Ende seines Lebens zeichnete er in seinem Tatenbericht folgendes Bild von seiner Handlungsweise:

„In meinem 6. und 7. Konsulat (d.h.: 28 und 27 v.Chr.), nachdem ich den Bürgerkriegen ein Ende gesetzt hatte, habe ich, der ich mit Zustimmung der Allgemeinheit zur höchsten Gewalt gelangt war, den Staat aus meinem Machtbereich wieder der freien Entscheidung des Senats und des römischen Volkes übertragen. Für dieses, mein Verdienst wurde ich auf Senatsbeschluss Augustus genannt. (...) Seit dieser Zeit überrage ich zwar alle an Einfluss und Ansehen; an Macht aber besaß ich hinfort nicht mehr als diejenigen, die auch ich als Kollegen im Amt gehabt habe.“

Realität und Propaganda

In der Tat suchte Octavian gleich nach seiner Rückkehr die Unterstützung der alten Adelsgeschlechter und ging daran, das Ansehen der republikanischen Institutionen zu stärken. So ließ er aus dem Senat 190 Mitglieder ausschließen, die als nicht standesgemäß galten. Gleichzeitig füllte er die gelichteten Reihen des Senatsadels wieder auf, indem er verdiente Personen in den Patrizierstand erhob. Er selbst nannte sich – betont bescheiden – princeps senatus, Erster des Senats, ein Titel den es früher schon gegeben hatte und lediglich einen primus inter pares meinte, einen Ersten unter Gleichen. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung Prinzipat für die augustäische Herrschaftsform, die etwa so viel bedeutet wie „Herrschaft des ersten Bürgers“. Großen Eindruck bei der Bevölkerung Roms machte der neue Princeps Ende des Jahres 28 v. Chr., als er alle Gesetze aus der Zeit des Triumvirats aufheben ließ.

Am 13. Januar 27 v. Chr schließlich, dem ersten Tag des Staatsakts, legte Octavian die gesamte außerordentliche Militärgewalt über die Provinzen zurück in die Hände des „gereinigten“ Senats. Damit bildete dieser wieder das zentrale Herrschaftsorgan. Die Republik war formal wiederhergestellt. Allgemein war von der res publica restituta die Rede. Soweit stimmten die Tatsachen mit Augustus’ propagandistischer Version überein. Gleich am nächsten Tag aber übertrug der Senat die Herrschaft über die Hälfte der Provinzen wieder an Octavian - und zwar die Hälfte derer, die an den Rändern des Imperiums lagen und in denen daher das Gros der Legionen stand. Da Octavian - vertreten durch Legaten - die Befehlsgewalt über sie behielt, blieb er also Militärmachthaber, nun aber im Rahmen der Gesetze. Das Reich gliederte sich fortan in kaiserliche und senatorische Provinzen. Doch mit der konsularischen Gewalt auf Lebenszeit erlangte Augutus 19 v. Chr auch gegenüber den Statthaltern der letzteren die Weisungsbefugnis.

Ein weiteres republikanisches Element der neuen Staatsordnung war die Rückkehr zur jährlichen Neubesetzung der Magistrate. Eines der zwei Konsulate allerdings nahm der Princeps in den nächsten Jahren regelmäßig für sich in Anspruch. Dies änderte sich mit der Revision der Prinzipatsverfassung am 1. Juli 23 v. Chr Bis auf zwei Jahre verzichtete Augustus von da an auf das Konsulat. Statt dessen ließ er sich auf Lebenszeit die tribunizische Gewalt übertragen, also nicht das Amt des Volkstribunen, sondern „nur“ dessen Amtsbefugnisse. Damit gewann er das Recht, Volksversammlungen einzuberufen, Gesetze vorzuschlagen und sein Veto gegen Senatsbeschlüsse einzulegen. Letztlich war der Prinzipat also eine verschleierte Monarchie, ein komplizierter, fein austarierter Kompromiss: Augustus verzichtete auf die absolute Macht, ließ vielmehr den Senatsadel daran teilhaben, behielt aber gleichzeitig alle wichtigen Funktionen in Staat und Militär in seiner Hand.

Name und Würde des Augustus

Der Ehrenname Augustus, der Erhabene, den der Senat Octavian am letzten Tag des Staatsakts vom Januar 27 v. Chr. verlieh, erinnerte an das augurium, eine Kulthandlung zur Deutung des Willens der Götter, die der Sage nach schon Romulus vorgenommen hatte. Der Name setzte seinen Träger also mit dem legendären Gründer der Stadt Rom gleich und verlieh der obersten politischen Gewalt im Staat eine sakrale Aura, wie sie die Konsuln zu Zeiten der Republik nie besessen hatten. Weiter verfestigt wurde diese Entwicklung als im Jahre 13 oder 12 v. Chr Marcus Aemilius Lepidus starb, Augustus' einstiger Kollege im Triumvirat, der nach seiner Entmachtung mit dem Amt des Pontifex Maximus abgefunden worden war. Augustus übernahm damals auch diese Funktion und war nun zugleich oberster Priester des römischen Staatskultes. Schließlich, im Jahre 2 v. Chr ernannte der Senat Augustus zum pater patriae, zum "Vater des Vaterlands", ein Titel, auf den er besonders stolz war. Denn er war mehr als eine bloße Ehrenbezeichnung. Vielmehr führte er jedermann vor Augen, dass dem Kaiser gegenüber allen Reichsangehörigen die gleiche Autorität zustand wie jedem römischen Familienoberhaupt, dem pater familias, über die Seinen.

Akzeptanz der neuen Ordnung

Die Neuordnung des Staatswesens wurde von den Römern nicht widerspruchslos hingenommen. Insbesondere die patrizischen Familien des alten Senatsadels, die Augustus als Emporkömmling ansahen, konnten sich mit ihrer Entmachtung nur schwer abfinden. Einige Quellen berichten, dass Augustus sich in der Zeit nach seiner Rückkehr aus dem Osten nur mit einem Brustpanzer unter der Toga in den Senat wagte und Senatoren nur einzeln und nach eingehender Leibesvisitation empfing. Verschwörungen wie die von Maecenas' Schwager A. Terentius Varro Murena und des Fannius Caepio, die im Jahr 23 oder 22 v. Chr aufgedeckt wurde, zeigen, dass Augustus' Politik noch lange Zeit erheblichen Widerstand hervorrief. Da der Zeitpunkt der Verschwörung nicht genau datiert werden kann, ist bis heute ungeklärt, ob sie auslösender Faktor oder Folge der im Jahr 23 erfolgten Neujustierung der Prinzipatsordnung war.

Dass das neue Herrschaftssystem schließlich doch akzeptiert wurde, lag sicher nur zum Teil daran, dass Augustus den republikanischen Institutionen und den althergebrachten Rechten und Sitten, dem mos maiorum, seinen Respekt erwies. Die Römer konnten sich zwar sagen, dass die alte Republik und ihre Institutionen der Form nach weiterhin bestanden, aber die politisch Interessierten dürften Augustus' Propaganda sicher durchschaut haben. Ausschlaggebend war am Ende die schlichte Tatsache, dass der Prinzipat funktionierte - ganz im Gegensatz etwa zu den Ordnungsmodellen Sullas oder Caesars - und dass es zu Augustus keine realistische Alternative gab. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor für den Erfolg der neuen Herrschaftsordnung war die Zeit: Augustus regierte nach der Erringung der Alleinherrschaft noch mehr als 40 Jahre, länger als jeder seiner Nachfolger. Die Römer gewöhnten sich in dieser langen Zeit an die Herrschaft des Ersten Bürgers. Als der Kaiser starb, waren kaum noch Römer am Leben, die die alte Republik noch bewusst erlebt hatten. So setzte mit der Errichtung des Prinzipats eine lange Periode des inneren Friedens und des Wohlstands ein. Augustus’ neue Ordnung sollte 300 Jahre - bis zur Herrschaft Diokletians - Bestand haben.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Neuordnung

Eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe wie der Umbau der Staatsverfassung war die innere und äußere Stabilisierung des Reichs, seine wirtschaftliche Erholung, die Wiederherstellung von Recht und Ordnung in Rom und den Provinzen und die Sicherung der Grenzen. Die Voraussetzungen für einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung waren nach Actium besser denn je in den vorangegangenen Jahrzehnten. Augustus konnte mehr als ein Drittel aller Legionen entlassen - insgesamt ca. 80.000 der 230.000 Mann die 31 v. Chr noch unter Waffen standen. Anders als 12 Jahre zuvor musste er für die Abfindung der Veteranen nicht auf Konfiskationen zurückgreifen, sondern konnte die ungeheure Beute, die ihm mit dem ägyptischen Staatsschatz in die Hände gefallen war, für Landkäufe nutzen. So entstand in Italien und den Provinzen eine breite Schicht ihm ergebener Bauern. Auch seine Anhänger in Rom - etwa im neuen Senat - wurden mit Geld und Posten bedacht. Augustus schuf selbst die neuen Gesellschaftsschichten, auf denen die Staatsordnung des Prinzipats ruhen sollte.

Neuordnung der Provinzen

In die Provinzen, die bis dahin immer wieder von durchziehenden Heeren, Kontributionen und Truppenaushebungen heimgesucht wurden, kehrte allmählich ein gewisser Wohlstand zurück, denn der Prinzipat stellte Rechtssicherheit her und verhinderte vor allem die bis dahin übliche Ausplünderung durch ehemalige Magistrate der Republik, die sich in den Provinzen stets für die Kosten schadlos gehalten hatten, die ihr politisches Engagement in Rom verursachte. Der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus drückte es wenige Jahre nach Augustus' Tod so aus: "Die Äcker fanden wieder Pflege, die Heiligtümer wurden geehrt, die Menschen genossen Ruhe und Frieden und waren sicher im Besitz ihres Eigentums". Selbst Tacitus, einer der schärfsten Kritiker der Prinzipatsordnung, sah darin ihr größtes Verdienst.

Anfangs übernahm der Kaiser die Neuordnung der Provinzen noch selbst. Bereits im Sommer des Jahres 27 v. Chr brach er zu einer mehrjährigen Inspektionsreise durch den Nordwesten des Reiches auf. Gallien war seit der Eroberung durch Caesar sich selbst überlassen geblieben. Nach der Ordnung der Verhältnisse dort, eroberte Augustus diejenigen Gebiete im Norden der iberischen Halbinsel, die bis dahin noch nicht zum Reich gehört hatten und gliederte sie der Provinz Hispania Tarraconensis ein. Auf der Rückreise nach Rom im Jahr 23 v. Chr erkrankte Augustus so schwer, dass seine Umgebung bereits mit seinem Tod rechnete. Er überlebte schließlich, entschloss sich aber, seine Legionen künftig nicht mehr persönlich zu führen.

Konservative Sittenpolitik

Zu einem Kennzeichen der Herrschaft des Augustus wurde auch eine Rückbesinnung auf althergebrachte Sitte und Moral. Im Jahr 19 v. Chr ließ sich Augustus vom Senat die cura morum, die Sittenaufsicht übertragen. Er selbst hatte in den Jahren seines Aufstiegs nicht eben ein Muster altrömischer Tugenden abgegeben - die erzwungene Scheidung seiner Frau Livia von ihrem früheren Mann war dafür nur das krasseste Beispiel. Nun aber sah er in der Betonung traditioneller Werte ein Mittel, die geistigen Verheerungen der Bürgerkriege zu heilen.

Würde und Autorität des Princeps erforderten natürlich, dass Augustus und seine Familie mit gutem Beispiel vorangingen. Dies führte schließlich zum Zerwürfnis mit seiner Tochter Julia, die sich der altväterlich-keuschen Moral nicht unterwerfen wollte. Im Jahr 2 v. Chr ließ ihr eigener Vater sie vor dem Senat des Ehebruchs anklagen und auf die kleine Insel Pandateria verbannen. Neun Jahre später, 8 n. Chr, ereilte den Dichter Ovid, den Autor der Ars Amatoria ("Liebeskunst"), das gleiche Schicksal.

Das propagandistische Bild des Princeps als treusorgendem altrömischen Patron, der über das Wohl der Seinen wacht, fand ihren sichtbaren Ausdruck in einem umfangreichen Bauprogramm in Rom. Dazu gehörten Zweckbauten wie Aquädukte und eine riesige Sonnenuhr, vor allem aber Repräsentationsbauten wie das Augustusforum, das Marcellustheater und zahlreiche Tempel, die dazu dienten den Römern Macht und Autorität des Augustus vor Augen zu führen. Der Kaiser spricht in seinem Tatenbericht von 82 Tempeln, die er in einem Jahr habe instand setzen, Vergil in der Aeneis von 300 Tempeln, die er insgesamt habe bauen lassen.

Außenpolitik und Grenzsicherung

Augustus Außenpolitik wurde lange als defensiv beurteilt. Historiker des 19. Jahrhunderts sahen in ihr nur eine Arrondierung und Sicherung der Reichsgrenzen. Zu dieser Sicht trug unter anderem die Tatsache bei, dass Augustus den Plan Caesars zu einem Feldzug gegen das Partherreich nicht wieder aufnahm. Eine militärische Machtdemonstration gegenüber dem Nachbarn im Südosten genügte, um diesen zu einer vertraglichen Grenzregelung und zur Herausgabe der in der Schlacht bei Carrhae 53 v. Chr erbeuteten Legionsadler zu veranlassen. In Rom wurde als großer militärischer Sieg propagiert, was in Wirklichkeit eine friedliche Lösung darstellte.

Die Eingliederung Ägyptens verlief weitgehend problemlos. Im Jahr 25 v. Chr gewann Rom die neue Provinz Galatia in Kleinasien aufgrund einer testamentarischen Verfügung des letzten Galater-Königs Amyntas. Zudem geriet eine Reihe neuer Klientelstaaten wie Armenien, Kappadokien und Mauretanien in Abhängigkeit von Rom.

Dennoch ließ sich die These von der prinzipiell friedlichen, defensiven Außenpolitik nicht aufrecht erhalten. Kein republikanischer Feldherr und kein Kaiser hat dem Römischen Reich so große Territorien einverleibt wie Augustus - und dies vor allem durch kriegerische Eroberungen. Nachdem 17 v. Chr bei den Saecularfeiern in Rom noch die Friedensordnung des Prinzipats gefeiert worden war, ging das Reich im darauffolgenden Jahr wieder zur Offensive über. Der Grund dafür ist bis heute ungeklärt. Womöglich fing als kleinere Grenzstreitigkeit mit germanischen Stämmen an, was mit ausgedehnten militärischen Operationen an den nordöstlichen Grenzen und der Eingliederung von nicht weniger als fünf neuen Provinzen endete.

Von der Ostgrenze Galliens, den Alpen und dem dalmatinischen Küstengebirge wurde die Reichsgrenze bis zu Donau und Rhein, zeitweise sogar bis zur Elbe vorgeschoben. Südlich der Donau entstanden die neuen Provinzen Raetia, Noricum, Pannonia, Illyricum und Moesia.

In einer militärischen Katastrophe endete allerdings die Eroberung des rechtsrheinischen Germanien. Diese Eroberung war schon unter Augustus' Stiefsohn Drusus weit gediehen und wurde nach dessen Tod in Mainz im Jahr 9 v. Chr von Tiberius erfolgreich weitergeführt. Im Jahr 9 aber vernichtete ein von dem Cheruskerfürsten Arminius initiiertes Bündnis germanischer Stämme in der Schlacht im Teutoburger Wald drei ganze römische Legionen unter dem Befehl des Publius Quinctilius Varus. Die schwerste Niederlage eines römischen Heeres seit Menschengedenken hatte zunächst einen verlustreichen Kleinkrieg und schließlich den Rückzug der Römer auf die Rhein-Donau-Linie und den Limes zur Folge.

Regelung der Nachfolge und Tod

Obwohl Augustus in fast allen Quellen zu seinem Leben als gutaussehender Mann geschildert wird, war er seit seiner Kindheit von schwacher Konstitution. Er überlebte mehrere schwere Krankheiten wie die im Jahre 23 v. Chr nur knapp und konnte nicht damit rechnen, das für die damalige Zeit sehr hohe Alter von fast 76 Jahren zu erreichen. Für sein Bestreben, der neugeschaffenen Herrschaftsordnung Dauer zu verleihen, stellte die Erbfolgeregelung daher eine zentrale Aufgabe dar. Während seine Frau Livia einen ihrer Söhne von Tiberius Claudius Nero auf dem Thron sehen wollte, verfolgte Augustus den Plan, die Nachfolge in der eigenen, julischen Familie zu sichern. Da der Kaiser keine Söhne hatte, zwang er seine Tochter Julia, nacheinander mehrere Nachfolgekandidaten zu heiraten.

Dies war im Jahr 25 v. Chr zunächst sein Neffe Marcellus, der Sohn seiner Schwester Octavia und deren erstem Mann. Die Bevorzugung des jungen Mannes führte offenbar zu zeitweisen Spannungen zwischen Augustus und seinem Feldherrn Agrippa, der sich selbst begründete Hoffnungen auf die Nachfolge machte. Doch Marcellus starb kaum 20-jährig Ende des Jahres 23 v. Chr und Agrippa galt nun als unumstrittener Nachfolgekandidat. Augustus drängte den alten Freund im Jahr 21 v. Chr, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und die 25 Jahre jüngere Julia zu heiraten. Die beiden hatten zwei Töchter und drei Söhne, Gaius Caesar, Lucius Caesar und der nachgeborene Agrippa Postumus. Als Agrippa 12 v. Chr starb, ruhten Augustus' Hoffnungen auf den beiden älteren Enkeln, die er durch Adoption an Sohnes statt angenommen hatte. Er befürchtete jedoch, dass Livia und sein Stiefsohn Tiberius die Kinder bei seinem Tod übergehen oder gar beseitigen könnten.

Daher zwang er nun auch Tiberius, sich von seiner Frau Vipsania, einer Tochter Agrippas, zu trennen, Julia zu heiraten und sich zum Schutz der beiden jungen Prinzen zu verpflichten. Augustus scheint sich damals weder Tiberius noch dessen Bruder Drusus, zu dem er ein besseres Verhältnis hatte, als Nachfolger gewünscht zu haben. Mit Tiberius, der die erzwungene Ehe mit Julia als Qual empfand, kam es schließlich zum Zerwürfnis. Der Stiefsohn legte 5 v. Chr alle Ämter nieder und ging nach Rhodos ins Exil. Zu einer halbherzigen Aussöhnung kam es erst, nachdem Lucius und Gaius Caesar kurz hintereinander, 2 und 4 n. Chr. gestorben und Julia wegen ihres Lebenswandels aus Rom verbannt worden war. Da Drusus bereits 9 v. Chr bei einem Kriegszug in Germanien umgekommen war, blieb nur noch Tiberius als Nachfolger übrig.

Augustus adoptierte ihn am 26. Juni des Jahres 4 gemeinsam mit seinem letzten noch lebenden Enkel Agrippa Postumus. Letzteren ließ er jedoch drei Jahre später aus nie ganz geklärten Gründen auf die Insel Planasia (heute: Pianosa bei Elba) verbannen, wo er unmittelbar nach Augustus' Tod ermordet wurde. Tiberius wiederum musste den Sohn seines verstorbenen Bruders Drusus adoptieren: Germanicus entstammte als Enkel der Octavia zugleich dem julischen und dem claudischen Familienzweig; sein Sohn Caligula sollte im Jahr 37 Tiberius auf den Thron folgen. Augustus übertrug Tiberius aber erst im Jahr 13 alle Befugnisse eines Princeps und erkannte ihn auch erst dann testamentarisch als seinen Nachfolger an.

Im Sommer des folgenden Jahres unternahm der Kaiser eine Reise, die ihn über Capri nach Benevent führen sollte. Er erkrankte aber bereits auf Capri an Diarrhoe, reiste jedoch weiter aufs Festland bei Neapel und ließ sich nach Nola bringen - angeblich in das selbe Haus, in dem 71 Jahre zuvor sein Vater Gaius Octavius gestorben war. Dort verstarb schließlich auch er in Gegenwart seiner Frau Livia und einer Reihe herbeigeeilter Würdenträger am 19. August des Jahres 14, am gleichen Tag, an dem er über 50 Jahre zuvor sein erstes Konsulat angetreten hatte. Laut Sueton verabschiedete sich der Mann, der in seinem Leben so viele Masken getragen hatte, mit einer Formel, die Komödianten am Ende eines Stückes sprachen: Wenn nun das Ganze Euch wohl gefallen hat, so klatscht Beifall, und entlasst uns alle mit Dank nach Hause.

Augustus' Leiche wurde auf dem Marsfeld in Rom verbrannt und die Asche in dem prachtvollen Mausoleum beigesetzt, das der Kaiser dort für sich und seine Familie hatte errichten lassen. Neben zahlreichen anderen Ehrungen beschloss der Senat, den Monat, in dem er erstmals Konsul geworden und gestorben war, von Sextilis in Augustus umzubenennen. Außerdem wurde dem Monat August ein zusätzlicher, 31. Tag angefügt. (Der Februar zählt seither nur noch 28 Tage.) Zudem wurde der Kaiser - wie von nun an alle römischen Caesaren nach ihrem Tod - zum Staatsgott erklärt.

Das augustäische Zeitalter

Schon Zeitgenossen des Augustus betrachteten ihre Gegenwart als "apollinische Epoche", geprägt von Apoll, dem Gott des Lichts, der Künste und der Musik, der Weisheit und der Weissagung, dem der Kaiser Heiligtümer bei Actium und bei seinem eigenen Wohnhaus auf dem palatinischen Hügel in Rom errichtete. Schon zu Lebzeiten und erst recht nach seinem Tod wurde die Regierungszeit des ersten Kaisers vollends unter dem Begriff der Pax Augusta verklärt. Ein Beispiel dafür ist ein Kultlied des Horaz, das die Regierung des Princeps verherrlicht:

"Nunmehr zieht seines Wegs sicher der Stier dahin,
Ceres segnet die Flur wieder mit reicher Saat,
Friedlich schaukelt das Schiff durch die versöhnte Flut,
Treu und Glauben sind neu erwacht (...)
Wen erfüllt noch mit Angst Parther und Skythe jetzt?
Wen Germaniens Brut, Söhne der rauhen Luft?
Wen, da Caesar uns lebt, kümmert des Krieges Dräun
fern im wilden Iberien? (...)"

Im Vergleich zum vorangegangenen Jahrhundert und zur Herrschaft vieler Nachfolger des ersten Kaisers brachte die augustäische Ära Rom, Italien und den meisten Provinzen in der Tat eine lange währende Zeit von innerem Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Nach den Verheerungen der Bürgerkriege, blühte die Wirtschaft nun ebenso auf wie Kunst und Kultur. Die Zeit brachte Dichter wie Vergil, Horaz, Ovid und Properz, Historiker wie Livius oder Architekten wie Vitruv hervor.
Rom wandelte sich, wie Augustus selbst meinte, von einer Stadt aus Ziegeln zu einer Stadt aus Marmor. Beeindruckende architektonische Zeugnisse dieser Zeit haben sich bis heute erhalten, etwa das Marcellus-Theater, das von Agrippa erbaute und unter Kaiser Hadrian erneuerte Pantheon und nicht zuletzt Augustus' Mausoleum und die  Ara Pacis, der Friedensaltar aus dem Jahre 9 v. Chr, der auf einem Relief eine Prozession der kaiserlichen Familie zeigt.

Das Bild, das der Kaiser mit solchen Bauten den Römern vermitteln wollte, kontrastierte aber spätestens seit dem Jahr 16 v. Chr wieder mit den unablässigen Kriegen, die an den Grenzen geführt wurden. Das Reich expandierte unter Augustus in einem Maß wie nie zuvor und nie wieder danach. Neben dem reichen Ägypten und Galatia wurden ihm Provinzen an Rhein und Donau hinzugefügt, deren Eroberung nur mit der Galliens durch Caesar vergleichbar war.

Von Krieg aber war im Inneren des Reichs und der Provinzen nach dem Jahr 31 v. Chr nur noch wenig zu spüren. Frieden und Wohlstand nahmen deshalb auch schon die Zeitgenossen als prägendes Kennzeichen der Epoche wahr. Dies war der Grund, warum sie sich letztlich mit der Einführung der Monarchie und dem Ende der Republik abfanden. Und es ist vielleicht kein Zufall dass der Gründer einer Religionsgemeinschaft, die ein Reich des Friedens verkündete, unter der Herrschaft des Augustus geboren wurde, den die Zeitgenossen als Retter und Friedensfürsten feierten.

Werke

Quellen

Literatur


Kein Vorgänger als Kaiser.
Als Alleinherrscher:
Caesar
(45-44 v. Chr.)
Liste der römischen Kaiser Nachfolger:
Tiberius
(14 - 37)

Weblinks


Beurteilung:
Exzellenter Artikel




     
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