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Reformation



Die Reformation ist eine Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts, in deren Verlauf es zur Entstehung der reformierten, lutherischen und anglikanischen Kirchen sowie einiger Freikirchen kam. Die gemeinsame Grundlage sehen die ersten beiden Strömungen in der Rückbesinnung auf die Bibel und der Abkehr von bestimmten Auswüchsen der katholischen Kirche.

Eine Trennung von der katholischen Kirche war zunächst nicht die Absicht der Reformatoren. Die re-Formation ("Wieder-Formierung") sollte die ursprüngliche christliche Lehre in der katholischen Kirche wiederherstellen.

Table of contents
1 Ausgangssituation
2 Der lutherische Ansatz
3 Der reformierte Ansatz
4 Grundgedanken
5 Unmittelbare politische Entwicklungen
6 Die radikalen Ansätze
7 Kirchenspaltung in England
8 Gegenreformation
9 Ausbreitung in Europa
10 Literatur
11 Siehe auch
12 Weblinks

Ausgangssituation

Die Reformation entstand nicht an einem Ort durch einen Menschen - es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren, die von unterschiedlichen Voraussetzungen her kamen und in unterschiedlichen politischen Verhältnissen arbeiteten.

Eine Vielzahl von Faktoren bereitete zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Nährboden für die Reformation.

Die Auseinandersetzung mit den bestehenden Strukturen hatte dabei zunächst den Charakter eines wissenschaftlichen Disputes der Theologischen Fakultäten; die Disputationen der mittelalterlichen Universitäten trugen wesentlich zur Differenzierung, Festigung und Ausbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Schnell wurden auch die Möglichkeiten des Buchdruckes genutzt. Viele Reformatoren veröffentlichten Streitschriften in hoher Auflage. Lucas Cranach der Ältere illustrierte meisterhaft die Streitschriften Luthers und Philipp Melanchthons.

Der lutherische Ansatz

Der Augustinermmönch Martin Luther litt und rang damit, sich Gottes Gnade durch eigene Anstrengungen verdienen zu müssen, bis er im Bibelstudium Römer 3, 28 entdeckte: ''So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Die oft in den Vordergrund gerückten Missstände der römischen Kirche waren für Luther nicht der Auslöser der Reformation. Sein Problem war allein theologischer Natur. Seine Verwerfung des sich in Deutschland durch den Prediger Tetzel verbreitenden Ablasshandels und vieler anderer Traditionen der Kirche war die für ihn notwendige Folge seiner Auslegung der bereits von Paulus diskutierten Gerechtigkeit allein aus Glauben (Römer 1, 17: Sintemalen darin offenbart wird die Gerechtigkeit, welche kommt aus Glauben in den Glauben, wie denn geschrieben steht: Der Gerechte wird seines Glaubens leben).

Der reformierte Ansatz

Der humanistisch gebildete Leutpriester Ulrich Zwingli studierte und predigte nach der Bibel und gegen Kirchenlehren, die nicht in der Bibel begründet waren.

Grundgedanken

Die wesentlichen Punkte der Reformation, die auch heute noch gemeinsamer Nenner der protestantischen Kirchen sind, werden oft mit dem vierfachen "solus" (allein) ausgedrückt:

Bibelübersetzungen

Luthers
Bibelübersetzung war ebenfalls grundlegend und neu. Die zu seiner Zeit verbreiteten Bibelübersetzungen fußten auf der Vulgata, der von Hieronymus geschaffenen lateinischen Bibel, die ihrerseits auf der griechischen Septuaginta beruhte (Altes Testament). Die ursprünglich hebräischen und aramäischen Texte des Alten Testamentes hatten also mindestens drei Übersetzungsvorgänge, die des Neuen Testamentes zwei hinter sich, bevor sie in Deutscher Sprache zu lesen waren. Luther bemühte sich um direktere Übersetzungen aus dem Hebräischen bzw. Griechischen. Dabei bediente er sich einer volkstümlichen und verständlichen Sprache, die für lange Zeit zum Maßstab deutscher Bibelübersetzungen wurde.

Kritik an bestehenden Traditionen

Dabei gibt es zwei Ansätze: Beiden Richtungen gemeinsam war die massive Kritik am Papsttum. Zugrunde liegt wieder ein theologisches Problem. Die Sonderstellung des römisches Bischofes wird traditionell begründet mit Matthäus 16,18. Christus bezeichet Petrus als Fundament der Kirche (gr: ekklesia). Petrus wird später Bischof von Rom. Das wird ausgelegt als Einsetzung des Papstes durch Christus. Dieser wiederum hat stellvertretend für Christus die Vollmacht, weitere Priester zu ernennen. Dem stellt Luther Matthäus 18,19 gegenüber, wo die Gemeinde Christi als Versammlung von mindestens zwei Menschen unter dem Namen Christi definiert wird. In Verbindung mit Kapitel 12 des 1. Korintherbrief wird die Vorstellung vom Laienpriestertum entwickelt. Der Pfarrer ist dann nicht mehr Nachfolger des von Christus eingesetzten Petrus, sondern das Glied der Gemeinde, das es am besten versteht, die Aufgaben des Pfarrers wie Predigt und Seelsorge wahrzunehmen. Dieses Gemeindemitglied hat seine Sonderstellung nicht aufgrund seiner Weihe sondern aufgrund seiner Ausbildung.

Neue Gottesdienstordnungen

Verschiedene Reformatoren (allen voran Thomas Müntzer mit der ersten deutschsprachigen Gottesdienstordnung 1523, auch Karlstadt oder Luther) bemühten sich um die Schaffung von Gottesdienstordnungen in der Landessprache. Diese ersetzten in den protestantischen Gebieten zunehmend die Liturgie der lateinischen Messe. Im Zentrum dieser Ordnungen standen Schriftlesung und Predigt (Wortgottesdienst). Die deutsche Bibelübersetzung ermöglichte es jedem Gemeindemitglied, die Auslegung des Pfarrers (Predigt) mit dem Wort der Bibel zu vergleichen.

Unmittelbare politische Entwicklungen

Die Grundlagen der Reformation waren im Gegensatz zu späteren Interpretationen nicht die politischen und sozialen Missstände der Kirche. Diese waren lediglich der Nährboden für die neuen theologischen Gedanken der Reformatoren. Luther versuchte zuerst ein theologisches Problem zu lösen. Die protestantischen Reichsfürsten hingegen versuchten mit der Reformation einige ihrer politischen Probleme mit Kaiser und Papst zu lösen.

Zum theologischen Ringen um die richtige Auslegung der Bibel traten auch bald politische Aspekte hinzu. Die neuen Gedanken gaben den Reichsfürsten eine theologische Begründung, die von Rom auferlegte Abgabenlast reduzieren zu können. Das Entstehen der protestantischen Landeskirchen stärkte ebenfalls die Autonomie der Fürstentümer. Bedeutende protestantische Territorien im Deutschen Reich waren Hessen, die Pfalz, Sachsen und Württemberg.

Es kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu verschiedenen Kriegen zwischen Katholiken und Protestanten innerhalb von Deutschland und der Schweiz, die in Deutschland 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden und in der Schweiz 1531 mit dem 2. Landfrieden von Kappel endeten. Bei beiden kam es auf "cuius regio, eius religio" (wessen Land, dessen Glaube) heraus. In Deutschland bestimmte der jeweilige Fürst die Konfession seines Landes, in den Schweizer Kantonen die jeweiligen republikanischen Regierungen.

Die radikalen Ansätze

Für radikale Reformatoren wie Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein von Karlstadt, Menno Simons oder Jakob Hutter stand die Zeit unter apokalyptischen Vorzeichen. Sie deuteten die Ereignisse spiritualistisch und sahen ihre Aufgabe darin, dem in ihren Augen real hereinbrechenden Reich Gottes als einer endzeitlichen Herrschaft der Gerechtigkeit die Bahn zu ebnen.

Sie suchten enthusiastisch die Schaffung endzeitlicher Strukturen. Die Gemeinden sollten aus in wahrhaftigem Glauben Getauften bestehen (Täufer), sie wirkten bis in die politischen Strukturen hinein und kehrten die sozialen und politischen Verhältnisse teilweise revolutionär um (Bauernkrieg).

Dies stieß nicht nur auf seiten der sozialen Oberschicht und der katholischen Kirche auf heftigen Widerstand. Auch die Protestanten mit Luther an der Spitze riefen zur gewaltsamen Beendigung der Unruhen auf. Mit Waffengewalt bereiteten die fürstlichen Truppen den Aufständen ein Ende - die Täufer fanden erst als Auswanderer in Amerika religiöse Freiheit.

Kirchenspaltung in England

Die Kirchenspaltung in England hatte vor allem politische Gründe, siehe hierzu: Geschichte der Anglikanischen Kirche.

Gegenreformation

Die katholische Kirche versuchte zuerst zu überzeugen, dann verlegte sie sich auf politischen und kirchlichen Druck. Luther musste fliehen und überlebte nur durch fürstlichen Schutz, Zwingli gelang es, den Rat von Zürich von der Richtigkeit seiner Lehre zu überzeugen. Die Ideen der Reformation breiteten sich wie ein Lauffeuer aus - die Bevölkerung strömte zum neuen Glauben, Reichsstädte und Fürsten gingen auf die Seite der Reformation über.

Der damalige Kaiser Karl V blieb katholisch, konnte sich jedoch nicht auf die Niederschlagung der Reformation konzentrieren, da ihn die Außenpolitik stark beanspruchte (Türken, Frankreich).

In der Folge leitete der von Ignatius von Loyola gegründete Orden der Jesuiten die Gegenreformation ein.

Ausbreitung in Europa

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam eine zweite Generation von Reformatoren zum Zug. In Genf Calvin, in Zürich Heinrich Bullinger. Deren Beitrag war es, die Reformation theologisch zu konsolidieren - Calvin mit seiner "Institutio", Bullinger mit dem "Zweiten Helvetischen Bekenntnis". Beide übten einen europaweiten Einfluss auf den Protestantismus aus.

Theologisch wie auch politisch gipfelte die Reformation in den Bekenntnisschriften der protestantischen Kirchen:

Literatur

Siehe auch

Protestantismus, Liste der Reformatoren, Marburger Religionsgespräche, Geschichte des Christentums

Weblinks








     
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