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Ulrich Zwingli



Ulrich Zwingli (* 1. Januar 1484 in Wildhaus, Schweiz, † 11. Oktober 1531 in Kappel am Albis, Schweiz) ist Gründer der reformierten Kirche.

Im Gegensatz zu manch volkstümlichen Annahmen lautet sein Taufname "Ulrich" (im Gedenken an den Heiligen Ulrich von Augsburg). Erst mit der Zeit begann Zwingli selbst, seinen Vornamen zu Huldrych ("Huldreich") zu verändern; dies wohl als humanistisch-volksetymologische Spielerei (Ulrich kommt von althochdeutsch uodal "Erbbesitz" + rich "mächtig"). Erst nach seinem Tode wurde "Huldrych" bei Reformierten anstelle des als katholisch unbrauchbar gewordenen Heiligennamens "Ulrich" populär.

Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Johannes Calvin weitergetragen, wobei sich Calvin an das Luthertum annähert.

Zwingli machte seine philosophischen und humanistischen Studien in Bern und Wien und brachte es zu einem ausgezeichneten Humanisten, absolvierte dann seit 1502 das theologische Studium zu Basel als Schüler von Thomas Wyttenbach und wurde 1506 Pfarrer in Glarus. Als solcher nahm er teil an den Feldzügen der Glarner für den Papst gegen die Franzosen in der Lombardei 1512-1515, wofür er bis 1517 vom Papst eine Pension von 50 Gulden jährlich bezog. Er beschäftigte sich mit humanistischen Studien und dann intensiv mit dem eben erschienenen griechischen Neuen Testament des Erasmus von Rotterdam, wobei er zum Schluss kam, dass die Lehre der Kirche in manchen Stücken nicht mit dem Neuen Testament übereinstimmt.

1516 berief ihn Diebold v. Geroldseck als Prediger in das durch Wallfahrten berühmte Kloster Maria-Einsiedeln. Auf solche Weise auf den Schauplatz des krassesten Aberglaubens versetzt, fing er bald an, wider Wallfahrten und andre Missbräuche, auch wider den 1518 in der Schweiz erschienenen päpstlichen Ablasskrämer Bernardin Samson zu predigen; er forderte sogar die Bischöfe zu Sitten und Konstanz auf, die Kirche nach Anleitung des göttlichen Wortes zu verbessern. Zu gleicher Zeit trat er aber auch aufgrund seiner Erfahrungen beim Italienfeldzug gegen die Demoralisation des Volkes durch das Reislaufen an, das heisst die Kriegsdienste der im Sold Frankreichs, Mailands, und des Papstes.

Da die Zürcher Regierung ebenfalls gegen das Söldnerwesen war, verschaffte ihm diese Haltung das einflussreiche Amt als Leutpriester am Grossmünster in Zürich, das er am 1. Januar 1519 antrat. In seinen kunstlosen, aber klaren, allgemein verständlichen Predigten legte er fortlaufend die Evangelien aus. Das Volk und der Rat von Zürich liessen sich überzeugen. Sämtliche Prediger in Stadt und Land wurden 1520 von der Obrigkeit angewiesen, dem Evangelium gemäss zu predigen.

1522 veröffentlichte Zwingli seine erste reformatorische Schrift gegen die Fasten der römischen Kirche. "Von Erkiesen und Freiheit der Speisen". Dieses Werk schrieb er aus Anlass des Fastenbrechens eines Freundes. Zwingli selbst war beim "Wurstessen" anwesend, aber nicht beteiligt. Mit der Schrift rechtfertigte er das Handeln, da das Fastenhalten gegen den christlichen Glauben verstosse. An den Bischof von Konstanz sandte er ein ebenso bescheidenes wie nachdrückliches Bittschreiben, in welchem er und zehn seiner Genossen erklärten, dass sie "mit Gott fest entschlossen seien, das Evangelium ohne Unterlass zu predigen", und um Aufhebung der Zölibatsgesetze nachsuchten. Damals bemühte sich Papst Hadrian VI, Zwingli durch einen die Frömmigkeit des Reformators anerkennenden Brief von weitern Schritten gegen die katholische Kirche abzuhalten.

Als nun die Dominikaner in Zürich Zwingli Ketzerei vorwarfen, lud der Grosse Rat alle Theologen, die Zwingli eines Bessern überführen könnten, auf 29. Januar 1523 zu einer Disputation (1. Zürcher Disputation) über die von Zwingli aufgestellten Thesen nach Zürich ein, und es wohnten derselben gegen 600 geistliche und weltliche Personen bei. Da die Abgeordneten des Bischofs, namentlich Johann Faber, gegen Zwinglis Thesen nur die Autorität der Tradition und der Konzile geltend zu machen wussten, erkannte der Rat von Zürich Zwingli den Sieg zu.

Auf einem zweiten, vom 26 bis 29. Oktober 1523 gehaltenen Religionsgespräch in Zürich wurde in Gegenwart von fast 900 Zeugen aus eidgenössischen Orten über Bilderdienst und Messe gestritten. Grund für die 2. Zürcher Disputation war die Predigt gegen Bilderverehrung und einem daraus resultierenden Bildersturm. Es wurde beschlossen, dass die Bilder entfernt werden, dies aber nicht sofort geschehe, sondern innerhalb eines halben Jahres, damit das Volk durch weitere Predigten auf diesen Einschnitt vorbereitet werden kann. Ein drittes Gespräch 13 und 14. Januar 1524 beseitigte auch die Messe.

Noch in demselben Jahr verheiratete sich Zwingli mit der 33jährigen Witwe Anna Meyer, geborene Reinhard, mit der er schon vorher in inoffizieller Ehe zusammengelebt hatte.

Die Reformation in Zürich betraf nicht nur die Religion - der Rat ordnete Schul-, Kirchen- und Ehewesen neu und gab Sittengesetze heraus, beraten von Zwingli. Zwingli hatte kein politisches Amt, aber grossen Einfluss - der Rat wusste, dass das Volk auf Zwinglis Predigten hörte.

1525 gab Zwingli sein Glaubensbekenntnis Von der wahren und falschen Religion heraus, das er dem König Franz I. von Frankreich überschickte. Mit Luther und den anderen deutschen Reformatoren in vielen Punkten einig, verfuhr Zwingli doch in liturgischer Beziehung radikaler und verwarf die leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl. Ab 1525 war die Reformation in Zürich und des Gottesdienstes abgeschlossen. Es wurde das Abendmahl in beiderlei Gestalt in Gedächtnis gefeiert. Die Bilder, Messen und das Zölibat waren abgeschafft und es gab eine geregelte Armenfürsorge. Diese finazierte sich aus Geldern, die durch Säkularisation frei wurden. Ebenfalls wurde 1525 die Propstei am Grossmünster gegründet. Dies war eine Art Ausbildungsstätte für angehende Theologen. Sie mussten Bibelexegese lernen und die gewonnenen Ergebnisse in deutschen Predigten dem Volk vortragen. Dadurch wurde die Theologen geschult, und das Volk sollte in der Bibel verwurzelt werden. Zwingli war als Antistes der Leiter der Zürcher Kirche.

Zwingli sah Kirche und Staat in enger Zusammenarbeit und sah darin für die Obrigkeiten eine ernste Verpflichtung. Er erklärte, dass die Obrigkeit, welche ausser der Schnur Christi fahren, das heisst die Vorschriften Christi sich nicht zum Massstab nehmen wolle, mit Gott entsetzt werden möge. Auf dem vom Landgrafen von Hessen, Philipp dem Grossmütigen, welcher Zwinglis weittragende politische Gesichtspunkte teilte, im Oktober 1529 zur Beilegung des Abendmahlsstreites zu Marburg im Schloss veranstalteten Marburger Religionsgesprächen ward Zwingli von Luther schroff zurückgestossen, und der Plan einer gemeinsamen protestantischen Unternehmung gegen Kaiser und Papst scheiterte an theologischen Bedenken.

Doch immer kühner wurden die Pläne der beiden innig verbundenen Freunde, des Landgrafen und Zwinglis. Dieser begeisterte 1530 jenen für den fast überkühnen Plan, durch einen Bund von der Adria bis zum Belt und zum Ozean die Welt aus der Umklammerung des Habsburgers zu retten. Damals hatte Zwingli schon im Januar 1528 bei einem Religionsgespräch zu Bern auch diesen Kanton für die Reformation gewonnen. Aber nachdem durch den ersten Kappeler Frieden 1529 die drohende Gefahr eines Glaubenskriegs zwischen Zürich und den fünf katholischen Urkantonen (freilich gegen Zwinglis Wunsch, der diese mit Gewalt der Waffen dem Evangelium öffnen wollte) beseitigt schien, kam es doch 1531 zum offenen Krieg zwischen Zürich und den katholischen Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug.

Als Bibelübersetzer übersetzte Ulrich Zwingli in enger Zusammenarbeit mit Leo Jud die Bibel, die Übersetzung ist heute als die "Zürcher Bibel" bekannt.

Am 11. Oktober 1531 unterlagen die Zürcher bei Kappel, und Zwingli selbst fand auf dem Schlachtfeld seinen Tod. Am folgenden Tag schleppte man den Leichnam zum Scheiterhaufen und streute die Asche in den Wind. Erst 1838 ward ihm zu Kappel, 1885 zu Zürich ein Denkmal errichtet.

Zwingli war ein edler, toleranter, frommer und uneigennütziger Mann, ausgezeichnet durch Kenntnisse wie Sinn für das Praktische, der ihn zu den umfassendsten politischen Kombinationen befähigte.

Zwinglis Reformation ging von anderen Voraussetzungen aus und hatte, bei vielen Gemeinsamkeiten mit Luther, auch deutliche Unterschiede zu diesem: Während Luther Missstände in der Kirche, die seinem Verständnis der Bibel widersprachen (beispielsweise Ablasshandel) entfernen wollte, akzeptierte Zwingli in der Kirche nur das, was ausdrücklich in der Bibel stand. Von daher sind die reformierten Kirchen noch ausgeprägter als die lutherischen, Kirchen des Wortes: kein Kirchenschmuck ausser Bibelsprüchen, keine Glaubensbekenntnisse, Liturgie ist nur das, was in der Bibel steht, sogar auf Musik im Gottesdienst wurde eine Zeitlang verzichtet - obwohl Zwingli selbst sehr musikalisch war.

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2 Literatur
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