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Oghusen



Die Oghusen (Eigenbezeichnung: Oğuzlar) waren ein Stammesbund und zählten zu den älteren der Turkvölker. Andere Namensvarianten sind: Guzz und Usen. Seinen Namen bekam dieser Stammesbund vom legendären Heerführer Oghus Khagan, einem Feldherrn der hunnischststämmigen Turuken, der 201 v. Chr das alte Kirgisenreich unterworfen haben soll und nach Auffassung der modernen türkischen Geschichtsforschung mit Mete Khan identisch ist.

Table of contents
1 Namensherkunft
2 Die Oghusen und ihre Untergruppen
3 Geschichte
4 Flucht und Landnahme am Aralsee
5 Oghusen und Seldschuken
6 Sprachliche Assimilierung
7 Weblinks

Namensherkunft

Der Name oğuz stammt wohl von den alttürkischen Wörtern oq <=> "Pfeil" und uz <=> "gut" ab. Zusammen geben diese Wörter Oquz oder in der europäischen Form Oghus, die als "Gute Pfeile" <=> "die guten Stämme" übersetzt werden können.

Da die Oghusen einen Stammesbund bildeten, war es auch bei ihnen üblich, dem Stammesführer einen Pfeil, als sichtbares Zeichen seiner Macht über Leben und Tod, zu überreichen.

Eine andere Möglichkeit wäre, den Namen "Oghus" vom alttürkischen uq <=> "Sippe (Familie, Verwandtschaft)" und uz <=> "gut" abzuleiten. Demnach wären die Oghusen die "gute Familie" gewesen.

Die Oghusen und ihre Untergruppen

Ursprünglich siedelten die Oghusen in der Nähe des Kerulen und der Selenga, sie wurden damit zu Recht als "Osttürken" bezeichnet. (Als "Westtürken" galten die vor allem die Stammesgruppen der alten Oguren, die einer dünnen oghusischen Führungsschicht unterstanden.)

Die oghusischen Stämme führten sich im wesentlichen auf die Söhne Oghus Khagans zurück: Damit kam es zur Bildung zweier Hauptstämme mit insgesamt 24 Klans:

Die für die weitere Geschichte so bedeutenden Völkerschaften der Seldschuken und Osmanen führten sich a.) auf die Kinik (oder auch: Kynyk) und b.) auf die Kayi zurück.

Geschichte

Nach dem Ende des Hunnenreiches (216) gehörten auch die Oghus-Stämme zum Reich der Rouran. Sie begründeten unter Bumin Khagan, einem Fürsten des Turkuten-Stammes, schließlich 552 das erste Göktürken-Reich. Bumin führte die Fewldzüge gemeinsam mit seinem Bruder Istämi Khagan.

Noch zur Zeit des frühen Göktürkenreiches spalteten sich die Oghusen in zwei revalisierenden Stammesverbände:

Während die Dokuz die Herrscher über die Ostgebiete des Göktürkenreiches waren, so standen die Westgebiete unter der Herrschaft der Otuz. Beide Stämme waren schließlich miteinander verfeindet. Die Oghusen begannen mit der Aufteilung bzw. der Organisation dieses Reiches ein eigenständiges Herrschaftsgebiet aufzubauen.

Für die weitere Geschichte sollten vor allem die Otuz-Oghusen die größere Rolle spielen:

Ihr Fürst Istämi (und dessen Erben) beanspruchte schon bald den eigenständigen Titel Oghus-yabgu (Prinz der Oghusen). Kurz vor seinem Tode nahm Istämi erst den Titel des Syr-yabgu und ein wenig später den des "Oghus Khan" an. Er trat damit offensichtlich in die Tradition der Turuken. Istämi war es durchaus bewußt, daß er mit der Annahme eines eigenständigen Titels das junge Reich zerstören konnte und er nahm dessen Aufteilung in zwei de facto eigenständige Teilreiche hin, die nur noch formal einem gemeinsamen Obehrhaupt unterstanden.

Mit der Teilung des Göktürkenreiches drangen die Otuz-Oghusen in weit in westlicher Richtung vor und geriet damit in Grenzkriege mit verwandten Turkvölkern, die wie die Oguren, westtürkischer Herkunft waren. Infolge dessen, zogen auch diese wiederum nach Westen weiter: Es waren Nachfolgestämme der Hunnen und der Hunno-Bulgaren, auf die die Oghusen damals stießen.

Zum Schluss herrschten die Otuz-Oghusen mindestens über 30 Völkerschaften, die teilweise wie sie turkvölkischer und teilweise iranischer Herkunft waren. Die Otuz-Stämme gerieten nun unter persischem und die Dokuz-Oghusen fielen unter chinesischem Einfluss.

Im 8. Jahrhundert spaltete sich ein Volksstamm der Dokuz-Oghusen ab und zog in die Altai- und Sajanregionregion. Dort traten sie in die Söldnerdienste der Otuz-Stämme. Vor allem ihre Angehörigen ware es, die sich mit den Resten der Oguren vermischten und diese erhielten von der herrschenden Otuz-Schicht den Namen "Toguz-Oghusen".

Nach der Abwanderung der Toguz benannten sich die Oghusen, die weiterhin in der Stammheimat verblieben waren, in "Sekiz-Oghusen" um.

Ebenfalls im 8. Jahrhundert fand auf dem Gebiet der Otuz-Oghusen eine Stammesgründung statt, deren Stämme für die weitere Geschichte Asiens eine bedeutende Rolle spielen würden: die "Üch-Oghusen".

Flucht und Landnahme am Aralsee

Zur Zeit des zweiten Göktürkenreiches mußten vor allem 716-18 von Kül-Tegin (einem Sohn des Reichsgründers Ilteris) Aufstände der Sekiz-Oghusen in der heutigen Mongolei blutig niedergeschlagen werden.

Infolgedessen wurde 744/45 das zweite Göktürkenreich (681-745) von einer Allianz beseitigt: Dabei war es erstaunlich, das die eigentliche Revolution von Angehörigen der Karluken geplant wurde. Die Karluken fanden recht schnell Verbündete, indem sich die Stämme der Otuz-Oghusen und der Uyghuren an den Aufständen beteiligten. Doch war diese Allianz mehr als kurzfristig.

Es kam zwar noch zur Gründung des Uyghuren-Reicheses, das anfänglich noch von Karluken, Otuz-Oghusen und eigentlichen Uyghuren getragen wurde, aber binnen zweier Jahre kam es zu ernsten Konflikten, bei denen die Karluken schließlich geschlagen und fortan als Vasallen der Uyghuren betrachtet wurden. In drei Aufständen 747-750, 752-753, 757-759 erhoben sich auch die Sekiz-Oghusen in der Mongolei und am Altai erfolglos gegen die Vorherrschaft der Uyghuren.

Während die Karluken nun ihre Herrschaft am Altai und am Talas/Tschu begründeten, mußten die schwächern Otuz-Oghusen (vor ihnen und den Uyghuren) noch weiter nach Westen ausweichen und sich gegen 775 am Aralsee und dem unteren Syr-darja niederlassen. Dort gerieten sie um 889/93 mit dem Samaniden-Emir Ismael († 907) in Konflikt, der sowohl Otuz-Oghusen als auch Karluken schlug. Die Otuz-Oghusen verdrängten daraufhin 889 die Petschenegen am Ural-Fluss, während die Karluken nach ihrer Niederlage am Talas 893 ihren Druck auf das Samanidenreich schon bald wieder erhöhten.

Oghusen und Seldschuken

Ab dem 8. Jahrhundert wanderten die ersten Sekiz-Oghusen aus der späteren Mongolei ab und ließen sich schließlich westlich der Herrschaftsgebiete der Otuz nieder. Beide Völker verschmolzen schließlich miteinander, so dass man wieder von einem einheitlichen Oghusen-Volk sprechen konnte. Dort gründeten sie schließlich ein gemeinsames Reich: Dieses Reich etablierte sich seit dem im Ustplateau. Das ist die Region zwischen Aralsee und Kaspischen Meer. Reichshauptstadt war Yengi-Kent. Einige Oghusen lebten auch östlich des Aral und nördlich vom Jaxartes (Syrdarja). Die Oghusen führten weiterhin ein überwiegend unstetes Nomadenleben und ihre Behausung war seit alters her die Yurt - die Jurte. Doch sie hatten auch die Oberherrschaft über mehrere Städte: Yengi-Kent, Cend, Sabran, Atlih, Salic, Ordu und Balac waren die bedeutendsten von ihnen. Mit der Zeit wurde ein Teil der Oghusen sesshaft und zu Händlern.

Im 11. Jahrhundert zogen die nur lose organisierte Oghusen-Stämme über ein großes Gebiet, das sich von der Mongolei bis zum Kaspischen Meer erstreckte. Dabei kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn:

Doch bereits 997 verweigerte Seldschuk dem Oghus-yabgu seine Dienste und stellte auch die Steuerzahlungen ein. Darauf hin erwog der Oghus-yabgu um 998/99 einen Feldzug gegen seinen einstigen Zeihsohn.

Doch zu diesem Feldzug sollte es nicht mehr kommen, da Seldschuk um 1000 nach Cend flüchtete und sich außerhalb des Machtbereiches des Oghusen-Herrschers befand. Dort begründete seine eigene Dynastie - die späteren "Seldschuken" klinkten sich nun aus der gemeinsamen Oghus-Geschichte aus.

In der Folge der Geschichte drangen die Stämme der Oghusen vor allem in den Süden und Südwesten Asiens vor, so daß sie als Vorfahren der heutigen "Südtürken" gelten können.

Sprachliche Assimilierung

Bis zur Islamisierung der Oghusen war das vereinende Element die Sprache, obschon die Nomaden ein reines und die Stadtbewohner ein eher verderbtes Türkisch sprachen: Mit der Übernahme des Islam und der arabischen Schrift wurde die Sprache mit arabischen und persischen Lehnwörtern geradezu überflutet und es kam nun zu einer Art "Dreiteilung" im Stammesgebiet der Oghusen: Die Nomaden sprachen weiterhin reines Türkisch und wurden von den Stadtbewohnern als Türkmen (= Turkmenen) und die Halbsesshaften als Türk (= Türken) bezeichnet. Die Stadtbevölkerung nannte sich weiterhin Oghusen.

Wohl mit der fortschreitenden Islamisierung wurde "Türkmen" (Turkmenen) als Bezeichnung für die muslimischen Oghusen übernommen, während sich die Stadtbevölkerung nun selbst als "Türk" bezeichneten - nun waren die Nomaden und Halbsesshaften die Oghusen.

Weblinks




     
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