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Artus



Artus, auch Arthur, ist ein sagenhafter englischer König, der um 500 gegen die eindringenden Angeln und Sachsen gekämpft haben soll.

Die Geschichten um König Artus und seine Tafelrunde gehen teilweise auf keltische Märchen und Fabeln zurück, haben aber wahrscheinlich auch einen historischen Kern, zu dem es aber sehr unterschiedliche und nicht zweifelsfrei nachzuweisende oder auszuschließende Deutungsansätze gibt (siehe unten).

Erstmals erwähnt wurde er in der sagengeschichtlich ergiebigen „Historia Britonum“ des Nennius (Anfang 9. Jahrhundert). Artus wird besonders seit der Historia Regum Britanniae („Geschichte der Könige Britanniens“) des Geoffrey of Monmouth (um 1135) Stoff zahlreicher Epen.

König Artus ist eine wichtige Person in der Mythologie Britanniens. (Vergleichbar in der literarisch inspirierenden Bedeutung sind allenfalls die Geschichte um den Kreuzritter König Richard I. Löwenherz und Robin Hood.) Es wird aber bezweifelt, dass er überhaupt existierte; in den frühesten Erwähnungen und walisischen Texten wird ihm nie der Titel „König“ gegeben. Hochmittelalterliche walisische Texte bezeichneten ihn normalerweise als Amerauder „Imperator“.

Table of contents
1 Artus - Identifikationsversuche
2 Das Schwert aus dem Stein
3 Früheste Überlieferungen von Artus
4 Die Arturische Romantik
5 Literatur
6 Weblinks
7 Siehe auch

Artus - Identifikationsversuche

Es gibt mehrere Ansätze, mit denen die Figur des Artus oder zumindest einzelne Aspekte seiner Geschichte in die reale Geschichte eingebunden werden.

Das Motiv des aus dem Stein gezogenen Schwerts als Gottesurteil zur Erlangung der Königswürde steht möglicherweise in Verbindung mit dem Einsatz 5500 schwerer sarmatischer Lanzenreiter (Kataphrakte) in römischen Diensten in Britannien seit Kaiser Marc Aurel. Sie und möglicherweise ihre Nachfahren übten eigentümliche Riten (Verehrung eines im Boden steckenden Schwertes etc.) aus.

Historiker gehen heute davon aus, dass es den Namen „ARTUS“ als Eigenname gar nicht gab, sondern dass es sich dabei um eine Kombination aus lateinischen und keltischen Ehrennamen handelt. Bei keltischen Stammesführern oder berühmten Kriegern war es durchaus üblich, sich einen oder mehrere Beinamen zuzulegen, die sich auf spezielle Eigenarten oder Fähigkeiten der damit bezeichneten Person bezogen. Diese Tradition gab es auch noch im Mittelalter und sogar bis ins späte Barock und zwar in ganz Europa. Beim Namen ARTUS glaubt man heute, dass er sich aus dem keltischen ART (Bär) und dem lateinischen URSUS, das ebenfalls Bär bedeutet, zusammensetzt. Demnach lautete der Name ursprünglich also ARTURSUS und wurde irgendwann zum bekannten ARTUS abgekürzt. Diese Doppelbenennung war notwendig, um sowohl die Anhänger der alten keltischen Traditionen als auch die latinisierten Briten zufrieden zu stellen. Diese Interpretation würde auf die These hindeuten, dass Artus einer der letzten römischen Statthalter bzw. ein Keltenfürst war, der sich auf die römische Tradition berief.

Der Bär galt den Inselkelten als "Königstier", vergleichbar etwa dem Löwen als "König der Tiere" in der Fabel. Einen Titel "König" im Sinne eines Staatsoberhauptes kannte man noch nicht. Jeder Stammesfürst war König und sein eigener Herr. Lediglich zu Kriegszeiten, wenn es galt, mehrere Stammesverbände unter ein gemeinsames Kommando zu stellen, wurde einer zum Führer ausgerufen, der dann oft einen mythologischen Titel zugesprochen bekam.

Tatsächlich gibt es auch schriftliche Hinweise auf einen britischen Feldherrn im 5. Jahrhundert, den man als "den Bären" bezeichnete. Sein tatsächlicher Name lautete Enniaun Girt und er stammte aus Nordbritannien. Von ihm ist bekannt, dass es ihm gelang, genügend britische Krieger zusammenzurufen um den Sachsenfürst Hengest und seine Krieger zu besiegen. Den wenigen Chroniken, die aus dieser Zeit erhalten geblieben sind, ist zu entnehmen, dass Enniaun Girt niemals König war, da es zu dieser Zeit noch keinen britischen König gab. Stattdessen wurde Britannien gemeinsam vom Rat der Stämme und dem Comes Britanniarum (Gouverneur Britanniens) regiert, dessen Name ebenfalls überliefert ist: Ambrosius Aurelianus, ein latinisierter Brite hohen Ranges. Aus diesen beiden – historisch verbürgten – Figuren entstand höchstwahrscheinlich später die Sage von Artus Pendragon, Hochkönig von Britannien.

Andere Theorien siedeln das reale Vorbild für Artus nicht in Nordbritannien, sondern in Wales oder im Westen Englands an. Einige Anhänger dieser Lehre, vor allem Geoffrey Ashe und Fleuriot, setzen Artus mit einem Riothamus gleich, „König der Brettonen“, der während der Herrschaft des römischen Kaisers Anthemius aktiv war. Unglücklicherweise ist Riothamus eine Schattenfigur, von der wenig bekannt ist. Gelehrte sind nicht sicher, ob die Brettonen, die er anführte, Briten oder Bretonen waren. Die walisische Tourismusindustrie beansprucht Artus eindeutig für ihre Zwecke als touristische Besonderheit des Landes Wales.

Eine andere These geht davon aus, dass Artus am ehesten eine halb vergessene keltische Gottheit war, die sich in eine menschliche Person (hier wird die Wandlung des Seegottes Lir in König Lear zitiert) oder eine fiktive Gestalt wie Beowulf verwandelt hat. Anhänger dieser Richtung argumentieren, dass ein anderer Romano-Brite dieser Zeit die Truppen führte, die die Sachsen in der Schlacht von Mons Badonicus bekämpften, wie zum Beispiel Ambrosius Aurelianus.

Zur keltischen "Geschichtsschreibung"

Einen klaren und nachweislichen historischen Kontext herzustellen ist nicht zuletzt aufgrund der Abneigung der Kelten gegen das geschriebene Wort schwer bis unmöglich. Anstelle einer Geschichtsschreibung pflegten die als Wahrer von Tradition und Geschichte zuständigen Barden stets Historie mit Mythologie zu verweben und umgekehrt. Wichtig war nicht der präzise historische Ablauf von Ereignissen, sondern deren historische, ethische und nicht zuletzt mythologische Bedeutung.

So läßt sich erklären, wie in keltischen Sagen Göttergestalten als Menschen agieren, historische Personen hingegen zu Halbgöttern werden können. Auch war es nicht unüblich, mehrere Personen und Zeitgeschehen in ein und derselben dramaturgischen Person (Protagonist) zusammenzufassen. Der Barde und Zauberer Merlin, der in der Artussage eine zentrale Rolle spielt, aber auch in eigenständigen und anderen Sagenkreisen auftaucht, ist hierfür ein gutes Beispiel.

Das Schwert aus dem Stein

Die Sage vom Schwert aus dem Stein, das oft auch mit Excalibur gleichgesetzt wird (dem Schwert, mit dem Artus der Sage nach in seinem letzten Kampf seinen Sohn Mordred tötete), ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen. Frühmittelalterliche Schreiber ließen oft Konsonanten aus, die stattdessen mit einem ´ (Akut) über den Buchstaben gekennzeichnet wurden. Darum geht man heute davon aus, dass dieses Schwert nicht von einem Stein (ex Saxo) sondern von einem Sachsen (ex Saxone) stammt. Für diese Variante spricht auch eine Jütische Sage, nach der ein sächsischer Krieger das Wunderschwert des Schmieds Wieland, welches aus Sterneneisen geschmiedet war, an einen großen britischen König verloren haben soll, zusammen mit seinem Leben. Besagtes Schwert dürfte aus Meteoreisen bestanden haben, das sowohl von keltischen als auch germanischen Druidenschmieden als wunderkräftiges – weil vom Himmel gefallenes – Metall betrachtet wurde, das den Träger eines Schwertes aus diesem Material unbesiegbar machen sollte. Auch dürfte die Vorstellung von Excalibur als einem mittelalterlichen Kreuzfahrerschwert mehr als falsch sein. Viel eher dürfte es sich dabei um den Schwerttyp gehandelt haben, den die römischen Legionäre nach Germanien und Britannien mitbrachten, den Gladius, ein Schwert mit zweischneidiger, ca. 55-60 cm langer Klinge, das sowohl als Hieb- wie auch als dolchartig zu verwendende Stoßwaffe konzipiert war.

Früheste Überlieferungen von Artus

Artus wird das erste Mal in walisischer Literatur erwähnt. Im frühesten überdauerten walisischen Gedicht, dem Gododdin, schreibt der Dichter Aneirin (etwa 575 bis 600) über eine seiner Personen, dass sie "schwarze Raben über Wälle führte, obwohl sie nicht Artus war". Aber dieses Gedicht, wie es im Moment existiert, besteht aus vielen Interpolationen und es ist nicht möglich zu entscheiden, ob diese Passage nicht ein Einschub aus einer späteren Periode ist.

Eine andere frühe Referenz zu Artus ist die Historia Brittonum („Geschichte der Briten“), die dem walisischen Mönch Nennius zugeschrieben wird, über den gesagt wurde, dass er die frühe walisische Geschichte um das Jahr 830 erfasst hat. In seiner Arbeit wird Artus als 'Anführer von Schlachten' bezeichnet, nicht als König.

Artus erscheint auch in der walisischen Fabel Culhwch und Olwen, einer Erzählung, die üblicherweise mit dem Mabinogion assoziiert wird.

Später erwähnen Teile der Trioedd Ynys Prydein (walisische Triaden) Artus und legen seinen Hof nach Celliwig, das in Cornwall liegt. Celliwig wurde von älteren cornischen Altertumsforschern mit Callington identifiziert, aber Rachel Bromwich, der letzte Bearbeiter der walisichen Triaden, setzt es mit Kelly Rounds, einer Höhenbefestigung in der cornischen Gemeinde von Egloshayle gleich.

König Artus wird manchmal auch als Führer der Wilden Jagd bezeichnet, nicht nur auf den britischen Inseln, auch in der Bretagne, Frankreich und Deutschland.

Die Arturische Romantik

1133 erstellte Geoffrey von Monmouth ein Manuskript, die Historia Regum Britanniae. Dieses Werk war das mittelalterliche Äquivalent eines Bestsellers und half, die Aufmerksamkeit anderer Schriftsteller wie Robert Wace und Layamon auf diese Geschichten zu lenken, welche die Geschichten um Artus daraufhin erweiterten.

1191 gaben Mönche der Abtei Glastonbury bekannt, dass sie die Grabstätte von Artus und Guinevere gefunden hatten. Ihr Grab wurde vielen Leuten gezeigt und die vermeintlichen Überreste wurden 1278 in eine neue Gruft umgebettet. Diese Gruft wurde während der Reformation zerstört und die Gebeine gingen verloren. Der Antiquariat John Leland gab an, dass er das Kreuz, welches mit den Überresten gefunden worden war, sah und übersetzte seine Inschrift mit

Hic iacet sepultus inclitus rex Arturius in insula Avalonia – „Hier liegt der berühmte König Artus auf der Insel Avalon begraben“

Während viele Gelehrte glauben, dass Geoffrey die Quelle der mittelalterlichen Bedeutung Artus' ist, argumentiert mindestens einer, Roger S. Loomis, dass viele der Sagen um Artus eigentlich aus bretonischen mündlichen Überlieferungen stammen, die über die königlichen und adligen Höfe Europas durch professionelle Geschichtenerzähler verbreitet wurden. Der französische mittelalterliche Schriftsteller Chrétien de Troyes erzählte Geschichten aus dem Mythos während der Mitte des 12. Jahrhunderts, wie auch Marie de France es in ihren erzählerischen Gedichten tat, Lais genannt. Auf jeden Fall scheinen diese Geschichten dieser zwei und vieler anderer unabhängig von dem zu sein, was Geoffrey von Monmouth schrieb.

In diesen Versionen, die mit dem beginnenden 12. Jahrhundert populär wurden, rief Artus die Ritter der Tafelrunde zusammen (Iwein, Erec, Lancelot, Gawain, Galahad und andere). An seinem Hof, der am häufigsten in Camelot gehalten wurde, konnte auch der Zauberer Merlin und Parzival gefunden werden. Diese Ritter beschäftigten sich mit fabelhaften Suchen, wie zum Beispiel nach dem Heiligen Gral, oder der Jagd auf das "Questentier" Glatisant. Andere Geschichten aus der keltischen Welt wurden mit Artus assoziiert, wie die Sage von Tristan und Isolde. Die Romance zwischen Artus' Held Lancelot und der König Guinevere war der zentrale Grund für den Fall der Welt Artus'.

In Robert de Borons Merlin, später gefolgt von Thomas Malory, erhielt Artus den Thron, nachdem er ein Schwert aus einem Stein oder einem Amboss gezogen hatte. In diesem Bericht konnte diese Tat nur durch den „wahren König“ vollzogen werden, was den vorausgesagten König und wahren Erben von Uther Pendragon bedeutete. Dieses Schwert war vermutlich das berühmte Excalibur und seine Identität wurde später in der so genannten Vulgate Merlin beschrieben. In der Post-Vulgate Merlin's Continuation steht jedoch geschrieben, dass Excalibur von einer Hand, die aus einem See kam, entgegengenommen wurde und es Artus von einer jungfräulichen Zauberin kurz nach seinem Regierungsbeginn gegeben worden war. Diese, durch spätmittelalterliche Schriftsteller verfasste Geschichte von der Herrin vom See machte die Artuslegende noch konfuser. In dieser Post-Vulgata-Version konnte die Klinge durch jedes Material schneiden und seine Scheide machte den Träger unsichtbar, nach anderer Überlieferung unverwundbar.

Artus verunglückte in seinem letzten Kampf in der Schlacht von Camlann, in der seine Truppen gegen Mordred kämpften. Der prosaische Lancelot und Mordred sollen ebenfalls Ritter der Tafelrunde und die Kinder einer inzestuösen Verbindung zwischen Artus und seiner Schwester gewesen sein. In fast allen Erzählungen wird Artus als tödlich verwundet beschrieben, jedoch wurde er nach der Schlacht nach Avalon (manchmal mit Glastonbury identifiziert) in Somerset, England gebracht, wo seine Wunden geheilt wurden oder sein Körper in einer Kapelle bestattet wurde. In einigen Texten steht, dass Artus in der Zukunft zurückkehren wird (vergleiche Friedrich Barbarossa).

Der Artusmythos breitete sich weit über den Kontinent aus. Ein Bild von Artus und seinen Rittern, die eine Festung angreifen, wurde zwischen 1099 und 1120 über dem nördlichen Durchgang der Kathedrale in Modena, Italien, in einen Archivolt gehauen. Ein Mosaikpflaster in der Kathedrale von Otranto nahe Bari, auch Italien, wurde 1165 mit der rätselhaften Beschreibung Arturus Rex erstellt, der ein Zepter hält und eine Ziege reitet. Händler des 15. Jahrhunderts bauten zu Artus' Ehren den Artushof in Danzig, Polen.

Nacherzählungen beinhalten auch Arbeiten von Gottfried von Straßburg, Wolfram von Eschenbach, Sir Gawain und der Grüne Ritter und Thomas Malorys Le Morte d'Arthur.

Siehe auch: Medienliste zu Artus Merlin und dem Gral

Literatur

Weblinks

Siehe auch




     
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