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Kelten



Die Kelten (lat: celti, griech: keltoi, galatoi) waren eine Gruppe von Stämmen und Völkern in Mitteleuropa (vom Norden Spaniens bis nach Böhmen) zur Zeit der jüngeren Eisenzeit (ca. 500 - etwa Christi Geburt).
Je nach Standpunkt werden mit dem Begriff "Kelten" entweder Gruppen bzw. Stämme mit einer ähnlichen materiellen Kultur (archäologische Definition) oder eine mittel- und westeuropäische Sprachengemeinschaft der Eisenzeit (sprachwissenschaftliche Definition) bezeichnet. Der archäologische Standpunkt kann zur Zeit auf eine bessere und gesicherte Datenbasis aufbauen und wird im Folgenden vertreten. Ob die Kelten ein Volk (Ethnie) bildeten, ist ungewiss.

Der Begriff "Kelten" geht auf griechische Überlieferungen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr zurück, die die "Keltoi" zum einem an den Quellen der Donau und zum anderen im Hinterland von Massilia (Marseille) identifizierten. Aufgrund der archäologischen Funde dieser Regionen werden die frühen Kelten mit der "Nordwestalpinen Hallstattkultur" gleichgesetzt. Dabei weisen die archäologischen Zeugnisse heute darauf hin, dass sich die "Keltische Kultur" aus der ansässigen Bronzezeitkultur bzw. der spätbronzezeitlichen Urnenfelderkultur im nordalpinen Mitteleuropa - unter Einfluss aus dem Mittelmeerraum und - im Osten (= Östlicher Hallstattkreis) aus Südrussland - entwickelt hat.

Im Süden grenzte zu dieser Zeit der griechisch-(römische) bzw. etruskischee Kulturkreis an, ihre Nachbarn nördlich der Mittelgebirge wurden erst einige Jahrhunderte später (erstmals von Caesar) als Germanen bezeichnet.

Als Zeit der "klassischen Kelten" ist die sog. La Tène-Kultur anzusehen, die im 5. - 1. Jh. v. Chr. weite Teile Mitteleuropas prägte. Der Name "La Tène" bezieht sich auf einen Fundort in der Nähe des Neuenburger Sees (Westschweiz), wo seit der Mitte des 19. Jahrhunderts reiche Funde gemacht wurden. In ihrer weitesten Ausprägung reichte die keltische Kultur von Südost-England, Nordspanien und Frankreich im Westen bis West-Ungarn im Osten, von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der Mittelgebirge, wobei es außerdem keltische Siedlungsgebiete in Kleinasien - der heutigen Türkei - gab (Galatien).

Die keltische Kultur war, nach einer ersten Blüte vom späten 6. bis zum 4. Jh. v. Chr., im 4. und 3. Jh. von Wanderungsbewegungen, die von kriegerischen Übergriffen z. B. gegen Rom und Griechenland begleitet wurden, geprägt. Ab der 2. H. des 3. Jh. wurden vom Osten ausgehend "Oppida", d. h. Städte gegründet. Die keltische Oppidakultur erlebt ab Ende des 2. bis ins 1. Jh. v. Chr. ihre Blüte, wobei sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Differenzierung, hochentwickelter Handwerks- und Kunstfertigkeit sowie Geldwirtschaft und Fernhandel beinahe die Stufe zur sog. "Hochkultur" erreichte. Lediglich das Fehlen einer allgemeinen Schriftlichkeit steht dieser Bezeichnung entgegen.

Im Osten ihrer Siedlungsgebiete - d. h. im weitesten Sinn "rechtsrheinisch" - verschwand die keltische Kultur in der ersten Hälfte des 1. vorchr. Jhs. weitgehend, was vielleicht mit dem Vorrücken germanischer Gruppen nach Süden zusammenhängen könnte. Dagegen überlebte die keltische Lebensart in Gallien und südlich der Donau in Rätien - u. a. auch im heutigen Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern- die Eroberung durch die Römer unter Caesar um einige Jahrzehnte und ging mit zunehmender Romanisierung etwa seit der Zeitenwende in der relativ eigenständigen gallo-römischen Kultur auf.

Reste einer mutmaßlich "keltischen" Kultur hielten sich als Inselkeltentum auf den britischen Inseln noch bis ins fünfte nachchristliche Jahrhundert. Dabei beruht das "Keltische" auf den britischen Inseln allein auf der linguistischen Zuordnung zum keltischen Sprachenkreis - mit Ausnahme von Südost-England, wo im ersten Jahrhundert v. Chr. auch archäologische Zeugnisse der "klassischen" kontinentalen keltischen Kultur nachzuweisen sind.

Table of contents
1 Allgemeines
2 Geschichte
3 Wirtschaft
4 Gesellschaft
5 Religion
6 Kunst und Kultur
7 Literatur
8 Weblinks

Allgemeines

Die Kelten vermieden es vermutlich bewusst, gesellschaftliche, religiöse oder ihre Tradition betreffende Inhalte schriftlich festzuhalten - wie z. B. Caesar berichtet. Es gibt aber sowohl eine Reihe Inschriften in griechischer Schrift als auch archäologische Nachweise von Schreibgerät aus den spätkeltischen Oppida, die Schriftlichkeit - besonders in wirtschaftlichen Belangen - und eventuelle Fremdsprachenkenntnisse, zumindest der Oberschicht, nahe legen. Trotzdem beruhen die Kenntnisse über die Kelten auf der Geschichtsschreibung ihrer mediterranen Nachbarn (antikes Griechenland, Römisches Reich) sowie auf archäologischen Funden. Die spätantike/frühmittelalterliche Ogham-Schrift, die z. B. von irischen Grab- und Grenzsteinen des 4. - 7- Jh. n. Chr. bekannt ist, scheint nur wenigen Eingeweihten bekannt gewesen zu sein und nur begrenzte Aussagemöglichkeiten gehabt zu haben.

Geschichte

Während des 6. Jh. v. Chr werden die Kelten erstmals erwähnt und können mit der eisenzeitlichen Späthallstattkultur in Mitteleuropa identifiziert werden. Diese Kultur hatte sich seit etwa 750 v. Chr in einer Region zwischen Ostfrankreich und der Schweiz über Süddeutschland und Österreich bis Slowenien aus den ansässigen spätbronzezeitlichen Kulturen entwickelt, wobei teilweise Kontakte zu der südeuropäischen Antike nachzuweisen sind. Sie ist berühmt für ihre reich ausgestatteten "Fürstengräber" aus Süddeutschland und der Bourgogne (z. B. Hochdorf und Vix). In der zweiten Hälfte des 6. Jh. gerieten die Gesellschaften am nördlichen und westlichen Rand der Hallstattkultur zunehmend unter ihren Einfluss, übernahmen einen Teil ihrer Sitten und wurden quasi ins hallstättische Beziehungsnetz eingebunden, wobei die Hunsrück-Eifel- und die Champagne-Marne-Region im Westen sowie die Gegend um den Dürrnberg in Österreich bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle einnahmen.

Der Hallstattkultur folgt die uneingeschränkt als "keltisch" bezeichnete La Tène-Kultur (ab ca. 475 - 40/20/0 v. Chr.- je nach Region), deren Kunststile durch mediterrane Vorbilder geprägt sind. Die La Tène-Zeit stellt die Blüteperiode keltischer Kultur dar, die mit der Eroberung fast aller keltischen Regionen durch das römische Reich und (möglicherweise) dem Vordringen der Germanen nach Süden ein Ende fand.

Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr ist die keltische Kultur auch in Nordspanien fassbar, wobei eine regelrechte "Einwanderung" aus Mitteleuropa oder ein "Verdrängen" dort bereits ansässiger Kulturen nicht nachgewiesen werden kann. Ein allmähliches Assimilieren mitteleuropäischer Kulturelemente durch die ansässige Gesellschaft ist weit wahrscheinlicher. Die in Nordspanien lebenden Menschen der späten Eisenzeit werden deshalb auch als Keltiberer bezeichnet.

Der Ursprung der "Kelten" auf den britischen Inseln ist umstritten. Spuren einer Einwanderung sind für den Großteil der Inseln unbekannt und bis auf den Südosten England auch wenig wahrscheinlich; eventuell waren die Britischen Inseln jedoch darüber hinaus sprachlich mit dem keltischen Festland verbunden.

Ab dem 5. Jh. v. Chr. fanden größere Wanderungen nach Osten und Süden statt, die von griechischen und römischen Geschichtsschreibern aufgezeichnet wurden und damit das klassische Bild der Kelten entscheidend prägten. Erste Kontakte mit Aufenthalten von Kelten im - damals u. a. etruskisch geprägten - Oberitalien dürften bereits im 6. Jh. v. Chr. vermehrt stattgefunden und die folgenden Wanderungswellen mit beeinflusst haben. In deren Folge ließen sich keltische Gruppen in Oberitalien und der Poebene nieder, von wo aus sie zu Beginn des 4. Jh. v. Chr u. a. Rom angriffen. Die Belagerung Roms unter dem keltischen Heerführer Brennus (wahrscheinlich 387/386 v. Chr.) hinterließ bei der späteren Weltmacht ein langanhaltendes Trauma. Andere Stämme drangen über Südosteuropa und den Balkan nach Griechenland und Kleinasien vor, begegneten Alexander dem Großen und plünderten Delphi. Ein Stammesteil ließ sich schließlich in Zentralanatolien nieder und wurde als Galater noch Jahrhunderte später im "Neuen Testament" erwähnt.

Die größte Ausbreitung erreichten die Kelten um 200 v. Chr. Danach wurden sie vom aufstrebenden römischen Reich im Süden und den germanischen Stämmen im Osten bedrängt und gingen letztendlich im römischen Reich auf: Der letzte Feldzug der Gallier gegen die Römer unter Vercingetorix im Jahr 52 v. Chr (Schlacht bei Alesia) endet in der Niederlage der Kelten auf dem europäischen Festland; auf den britischen Inseln bestanden in Irland und Wales noch bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. eigenständige keltische Kulturen, die sich im Zuge der folgenden Christianisierung wandelten.

Wirtschaft

Die keltische Wirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht. Auf kleinen, umzäunten Äckern wurden Getreide (Emmer, Dinkel, Gerste, Hirse) und Leguminosen (Saubohnen, Erbsen, Linsen) angebaut. Bekannt waren Löwenzahn, Brennnessel, Rübe, Rettich, Sellerie, Zwiebel, Kohl u.a. Aus archäologischen Funden (Speiseresten) in Hallstatt lässt sich etwa ablesen, dass die Kelten ein noch heute in Österreich übliches Gericht gegessen haben, "Ritschert", einen Eintopf aus Rollgerste und Bohnen.

Da das lateinische Wort für Bier (cervisia) ein keltisches Lehnwort ist, wird vermutet, dass die Kelten das Brauen beherrschten. Aus archäologischen Funden, z. B. von Hochdorf und dem Glauberg, ist Honigmet als alkoholisches Getränk nachgewiesen.

Wichtigstes Haustier war das Rind, welches neben Fleisch, Milch (Käse) und Leder auch unabdingbar bei der Ackerbestellung war. Der Reichtum eines Kelten wurde in der Anzahl seiner Rinder gemessen. Daneben wurden Schafe (Wolle) und Schweine gehalten; Hunde kannte man ebenfalls als Nutztiere (Hütehunde). Pferde waren ein Statussymbol und bei Kriegszügen wichtig und wurden wahrscheinlich von einigen Stämmen intensiver gezüchtet. Von Bedeutung für die keltische Wirtschaft war auch der Bergbau. Dabei ist die Gewinnung von Salz aus Bergwerken hinreichend nachgewiesen. Die Eisengewinnung und -verhüttung ist zu vermuten. Es fehlen hier aber aus den Mittelgebirgen meist die letzten Beweise eines eisenzeitlichen Eisenabbaus.

Aufgrund der reich ausgestatteten Hügelgräbern der späten Hallstatt-Zeit ("Fürstengräber") kann vermutet werden, dass die Gesellschaft auf lokaler Ebene einem "Fürsten" unterstand. In der späten La Tène-Zeit hatten sich weiträumige politische Strukturen entwickelt.

Die keltischen Stämme auf dem Kontinent übernahmen das Geldwesen von Griechen und Römern, prägten aber eigene Münzen lediglich zum Informationsaustausch, wie heute vermutet wird. Grabfunde zeugen noch heute von dem ausgedehnten Handel der Kelten mit allen Völkern des antiken Europa. Exportiert wurden u.a. Eisen, Zinn, Salz, Holz, Flachs, Wolle, Waffen, Werkzeuge, Prunkwagen, Textilien, Schuhe. Importiert wurden vor allem Glas, Wein und andere Luxusgüter aus dem Mittelmeerraum. Entlang der wichtigsten Handelsstraßen entstanden keltische "Oppida", befestigte, städtische Siedlungen. Durch jahrzehntelange Ausgrabungen in mehreren Ländern sind einige Oppida heute besser bekannt. Einige der besterforschten Oppida von Ost nach West: Tschechien: Stradonice, Zavist, Österreich: Magdalensberg, Deutschland: Manching, Martberg, Wallendorf, Schweiz: Bern-Enge, Basel-Münsterhügel, La Tène, Luxemburg: Titelberg, Frankreich: Bibracte, Alesia. In einigen dieser Oppida dauern die Ausgrabungen weiterhin an. Aus zahlreichen weiteren Oppida liegen Ergebnisse aus kleineren Grabungskampagnen vor. Das populäre Bild eines keltischen Oppidiums wird jedoch im wesentlichen durch die Ergebnisse in Tschechien, Manching und Bibracte geprägt.

Gesellschaft

Die Einblicke historischer Schreiber in den Aufbau der keltischen Gesellschaft sind gering.

Julius Cäsar gibt im "Gallischen Krieg" (De bello Gallico) einen Einblick in die Gesellschaft der Kelten. Demnach gab es die Oberschicht der Fürsten, mit einer politischen und militärischen Führungsrolle. Aus den oberen Gesellschaftsschichten stammten wahrscheinlich auch die Druiden, mit Verantwortung des Kultus, der keltischen Religion.

Obwohl Frauen in hohem Ansehen standen und auch hohe Ränge einnehmen konnten, war die keltische Gesellschaft insgesamt patriarchal organisiert. Die bekannteste keltische Kriegerin war Boudicca, Anführerin der Icenier (Britannien) im Aufstand gegen die römische Besatzung im Jahre 61 n. Chr sowie Cartismandua, Königin der Briganten, die 77 n. Chr von Agricola besiegt wurde.

So genannte Fürstengräber zeigen in den Grabstätten männlicher Toter meist reichere Grabbeigaben, wobei allerdings in die letzten, bekannten - ausgesprochen reichen - "Fürsten"gräber des 4. Jh. ausschließlich Frauen bestattet wurden. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in einfacheren Gräbern geringer; die Ausnahme ist, dass Frauen im allgemeinen keine Waffen mit ins Grab bekamen.

Siehe auch:

Hügelgrab bei Thomm (Fürstengrab)

Religion

Über die Religion der Kelten ist nur sehr wenig bekannt. Hauptgründe dafür sind die geringe Verbreitung bzw. Nutzung von Schrift sowie die Tradition der mündlichen Überlieferung des Druidentums, welches bei den Kelten einen hohen Stellenwert einnahm.

Caesar (VI 16) bescheinigt den Kelten eine tiefe Religiosität. Diesem Wesen der Religiosität kann man sich auch heute noch nähern, wenn man sich die Namen und die Symbole der keltischen Göttinnen und Götter genauer anschaut. In einer Tabelle habe ich 475 kelt. Götter/innen + 324 irische/ wallisische/ nördliche Halbgötter / mytholog. Helden (= 797) + 245 Gestalten, die die Götter auf ihren Abenteuern begleiteten (=1042!)zusammengestellt (verfügbar auf Anforderung).

Tatsächlich glichen die Römer die keltischen Götter und Kulte nach der üblichen Interpretatio Romana den eigenen an. Das heißt, dass den keltischen Göttern, je nach ihrer "Zuständigkeit" römische Interpretationen und Götternamen gleichgeordnet wurden. Teutates (u.a.) wurde z. B. Merkur, Cernunnos Pluto, Grannus dem Apollo und Lenus dem Mars gleich geordnet, usw. Durch die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen konnten diese Interpretationen zuweilen von den römischen "Patengöttern" abweichen, wodurch dieselben römischen Götter in unterschiedlichen Regionen mit verschiedenen keltischen Beinamen erscheinen. Gleich-zeitig muß man neben der "interpretation romana" noch die "interpretatio moderna" (= neuzeitliches Wissen als Brille der Interpretation), die "interpretatio christiana" (= Umdeutung durch kath. Kirche (Brigit  Hl. Brigit)), die "interpretatio chrétiensia" (= mittelalterliche, höfische Umdeutung (Parzival))und die "interpretatio celtica" (=Adaption vorkeltischer Götter bei der Eroberung Europas) berücksichtigen, die für den Neuling den Blick verstellen.

Zentral in der keltischen Religion und Mythologie waren - nach Caesar - die Druiden, der keltische Priesterstand. Dies war eine besondere Eigenheit der Kelten, da sonst weder Römer, Griechen oder Germanen hauptamtliche Priester kannten. Um das Druidentum ohne moderne (verstellende) Esoterik zu beschreiben, soll hier der Originaltext verwendet werden. Caesar schreibt u. a. : "Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen bei den Galliern in großen Ehren." (Caesar: De bello gallico, VI, 13)

Die Ausbildung zum Druiden dauerte lange, nach Caesar gelegentlich bis zu zwanzig Jahre: "Die Druiden nehmen in der Regel nicht am Krieg teil und zahlen auch nicht wie die übrigen Steuern. ... Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandte schicken sie zu den Druiden. Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht." (Caesar, De bello gallico, VI, 14)

Neben ihren priesterlichen Funktionen hatten die Druiden aber auch durchaus weltliche Pflichten und Privilegien. So hatten sie in allen Streitfragen, öffentlichen wie privaten, zu entscheiden, seien es nun Erbstreitigkeiten, Grenzkonflikte oder sogar Mord. Die Druiden legten auch die Strafen fest, laut Caesar (VII 33,3) war die Exkommunikation (d. h. der Ausschluss von den Opferbräuchen) die schwerste der denkbaren Strafen. Die Druiden wären für ihre Gerechtigkeit bekannt, rühmte Strabon (IV, 4,4).

Allem Anschein nach könnte es vielleicht auch weibliche Druiden, zumindest in Wales gegeben haben, wobei die Quellen wesentlich jünger sind und sich nur auf die britischen Inseln beziehen, die nur eingeschränkt als "keltisch" gelten können. Was Caesar und auch Strabon noch nicht wissen konnten: bei aller religiösen Toleranz und Adoption nicht-römischer Gottheiten - die Druiden waren die einzige religiöse Gruppierung, die von den Römern erbarmungslos verfolgt und ausgerottet wurden: sie entsprachen nicht der römischen Ordnung, die auf Schriftlichkeit und Kommunikation basierte!

Anmerkung: Bei Fragen der "keltischen Religion" ist bei modernen Veröffentlichungen (wenn sie nicht archäologisch ausgerichtet sind) große Vorsicht geboten, da moderne esotherische Bewegungen sich allzu gern mit dem Prädikat "keltisch" schmücken, ohne dass irgendwelche tatsächlichen "keltischen" Bezüge bestehen. Eine Religion ohne schriftliche Tradition ist gut auszunutzen. Man kann quasi "Alles" hinein interpretieren, was leider auch allzu oft getan wird.

Vgl. auch Keltische_Kirche

Kunst und Kultur

Sprache

Die keltischen Sprachen werden von der Sprachwissenschaft der westlichen Gruppe der indoeuropäischen Sprachen zugerechnet. Keltische Sprachen werden heute noch in Wales (Walisisch) sowie in Resten in Irland (Irisch; dort ist es seit 1920 offiziell erste Amtssprache neben dem Englischen), in Schottland (Gälisch in den Highlands) und der Bretagne (Bretonisch; beruht auf Auswanderer von den britischen Inseln des 5. Jhs.) gesprochen. Das Manx auf Man ist in den 70er Jahren ausgestorben, das Kornische in Cornwall im 17. Jh., hier gibt es aber in jüngster Zeit Bestrebungen, das Kornische wieder zu einer lebendigen Umgangssprache zu machen.

Darstellende Kunst

Als uneingeschränkt "keltisch", d. h. auf die historisch belegten Kelten zurückzuführen, sind die Kunststile der La Tène-Zeit, deren Erforschung besonders mit den Namen der beiden Archäologen Paul Jacobsthal und Otto-Herman Frey verbunden ist. Sie entwickelten sich ab Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr aus mediterranen Vorbildern, die von den keltischen Kunstschaffenden relativ frei interpretiert, zerlegt und zu einem ganz eigenen Form- und Kunstausdruck synthetisiert wurden. Ein gewisser Einfluss der Kimmerer und Skythen könnte bestanden haben, wobei die deutlichsten Vorbilder aber in der sog. orientalisierenden Kunst der Griechen und Etrusker zu finden sind, die ihrerseits Vorbilder im Orient, z. B. dem Iran gehabt zu haben scheinen.

Siehe auch: Keltische Kunst, Keltische Muster

Literatur

Die Literatur und Mythologie der eisenzeitlichen Kelten ist unbekannt. Es wird gelegentlich - nur selten von archäologischer Seite - die These vertreten, dass Reste festlandkeltischer Überlieferungen in die britischen Erzählungen des frühen und hohen Mittelalters eingegangen sein könnten, darunter vielleicht auch Teile der Artus-Sage.

Musik

Keltische Musik ist zwar durch Texte griechischer Schriftsteller belegt, ihre Art, Harmonie und Klang usw. ist jedoch verloren gegangen. Die heute als "keltisch" bezeichnete Musik wurde erst ab dem 17. Jahrhundert niedergeschrieben und bezeichnete die traditionelle Musik Irlands, Schottlands und der Bretagne.

Gallien

Die gallischen Stämme, zusammenfassend unter Gallier geführt, besiedelten das heutige Frankreich,Teile der Schweiz, Luxemburg, das südöstliche Belgien, das Saarland und Teilen des linksrheinischen Rheinland-Pfalz. Dabei werden die nördlichen Stämme bei Caesar als Belger bezeichnet, wobei insbesondere Gebiete im heutigen Belgien sowie in der Eifel hier in Frage kommen.

Im heutigen Frankreich und den angrenzenden Gebieten Belgiens und Deutschlands waren es insbesondere die Allobroger (Savoyen und Dauphiné), die Ambianer (bei Amiens), die Arverner (Auvergne), die Bituriger (bei Bourges), die Cenomanen (Seine-Loire-Gebiet, sowie teilweise in Norditalien), die Eburonen (Eifel, Ardennen), die Häduer (Bourgogne, um Autun und Mont Beuvray (Bibracte)), die Mediomatriker (Region um Metz, Teile des Saarlandes),die Menapier, die Moriner, die Parisier (Zentralbritannien und Gallien/Paris?), die Senonen (bei Sens, sowie in Norditalien),die Sequaner, die Remer, die Treverer (im Moselraum, ab der Maas über Trier bis zum Rhein), die Veneter (an der Loire-Mündung), die Viromanduer (bei Vermandois), un eine Reihe anderer Stämme,die bei Caesar genannt wurden.

In Bayern, Baden-Württemberg und der heutigen Schweiz fand sich die Gruppe der Helvetier, u. a. mit den Gauen? der Tiguriner und Toygener, außerdem der Stamm der Vindeliker im heutigen Oberbayern und Bayrisch-Schwaben (Augsburg = Augusta Vindelicum als römische Stadt: Hauptort der Vindeliker) und um Manching, sowie die Boier in Ober-und Niederbayern. Die Noriker im Südostlichsten Oberbayern, südlich des Inns. Die Likater um den Lech in Oberbayern und Schwaben.

Im Süden des gallischen Gebietes, in Norditalien, saßen die Insubrer, im Norden die Nervier und Belger, die teilweise auch bis Britannien vorzufinden waren.

Literatur

Quellentexte

Allgemeine Literatur

Siehe auch Neue Literatur zu "den" Kelten.

Comics

Weblinks




     
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