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Pferd



Dieser Artikel befasst sich mit dem Pferd als Tier, andere Bedeutungen unter Pferd (Begriffsklärung).
Hauspferd
Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)
Gattung: Equus
Art: Hauspferd (Equus caballus)
Das Hauspferd (Equus caballus) ist ein weit verbreitetes Haustier, das in zahlreichen Rassen auf der ganzen Welt gehalten wird.

Taxonomisch gehört das Hauspferd mit den Eseln, Halbeseln und Zebras zur Familie der Pferde (Einhufer, Equidae) innerhalb der Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla).

Table of contents
1 Merkmale
2 Verhalten
3 Domestikation und Haltung
4 Pferde in der Mythologie
5 Bezeichnungen, Rassen, Fellfarben

Merkmale

Äußeres

Wie alle Pferde ist das Hauspferd ein hochbeiniger Pflanzenfresser mit einem massiven Kopf und glattem, kurzen Fell, das bei allen Rassen an Nacken und Schwanz zu einer Mähne bzw. einem Schweif, dem sogenannten Langhaar, ausgebildet ist. Der Fuß endet in einem einzelnen Laufhuf, d.h. Pferde sind Zehenspitzengänger, die allein auf der dritten, mittleren Zehe laufen. Die restlichen Zehen sind zurueckgebildet. Weil die Augen seitlich am Kopf liegen, können Pferde fast rundum sehen. Was sich aber genau vor ihrer Nase befindet, bemerken sie erst, wenn sie den Kopf drehen. Pferde sind zwar nicht farbenblind, können aber nicht alle Farben voneinander unterscheiden.

Die beweglichen Ohrmuscheln können in alle Richtungen gestellt werden. Nach vorne gerichtet, zeigt das Pferd Aufmerksamkeit und Neugierde, werden sie aber nach hinten an den Kopf angelegt, ist es wütend und aggressiv. Hängen die Ohren schlapp zur Seite, so ist dies entweder ein Zeichen für Unwohlsein und/oder Müdigkeit oder ein Ausdruck von Unterwerfung bzw. Angst. Sind die Ohren nach hinten gerichtet, so ist dies ein Zeichen für Krankheit oder Langeweile.

Um in ihrem ursprünglichen Lebensraum vor Raubtieren sicher zu sein, entwickelten sich mit der Zeit verschiedene Fellfarben (siehe unten: Fellfarben_der_Pferde). Eine der ersten Fellfarben des Pferdes war falb.

Um ein Pferd äußerlich von anderen zu unterscheiden zu können, kann man sich die Abzeichen auf seinem Gesicht und seinen Beinen zunutze machen. Die häufigsten Abzeichen im Gesicht sind: Strich, Blesse (wobei diese schmal und breit sein kann), Stern, Schnippe, Laterne, Stern, Flocke, Laterne, usw. Neben diesen kann ein Pferd auch ein Krötenmaul oder Milchmaul haben. Letzteres ist besonderes häufig beim Mongolischen Wildpferd zu sehen.

An den Beinen unterscheidet man lediglich die Höhe des Abzeichens, wobei ein "hochweißer Fuß" das größte, und die "weiße Krone" die kleinste ist. Zur Identifiezierung von Sportpferden werden auch Fellwirbel und Kastanien (Hornreste auf der Innenseite der Beine, Reste der fuenften Zehe) herangezogen.

Größe, Alter, Fortpflanzung

Pferde erreichen je nach Rasse zwischen 70 und 210 cm Schulterhöhe (Widerrist). Pferde mit einer Widerristhöhe unter 148 cm bezeichnet man als Kleinpferde oder Ponys. Ihr Gewicht kann zwischen 90 kg (Falabella) und 1200 kg (Shire) liegen. Körperlich ausgewachsen sind Pferde mit 3 bis 6 Jahren, Ponys eher spät, Großpferde eher früher. Großpferde erreichen ein Alter von etwa 25 Jahren, Ponys werden mit 40 Jahren etwas älter. Das höchste für ein Großpferd belegte Alter sind 62 Jahre. Stuten werden mit 12 bis 18 Monaten geschlechtsreif, Hengste erreichen die Geschlechtsreife zwischen dem 12. und 20. Lebensmonat. Die Tragezeit beträgt bei allen Pferden rund 330 Tage. Der Sexualzyklus der Pferde unterliegt einer Brunstperiodik. Hierbei zeigen die Tiere im Zeitraum von etwa Dezember bis März keine sexuelle Aktivität. Der Brunstzyklus beginnt im Frühjahr und erreicht seinen Höhepunkt in den Sommermonaten.

Verhalten

Das Pferd ist ein typisches Herdentier. Innerhalb der Herde herrscht eine klar festgelegte Rangordnung, geführt wird die Herde meist von einer Leitstute. Der ranghöchste Hengst wird als Leithengst bezeichnet, nur er deckt die Stuten der Herde. Während die Leitstute die Herde anführt und die Aktivitäten und Wege bestimmt, ist der Leithengst in erster Linie für die Verteidigung zuständig. Auf der Flucht läuft er hinten, um langsamere Tiere anzutreiben und gegebenfalls die Herde gegen den Angreifer zu verteidigen.

Als Steppenbewohner ist das Pferd im Gegensatz zum Esel ein Fluchttier, das Gefahren zuallerst durch schnelle Flucht abzuwenden versucht.

In der Haltung als Haus- oder Nutztier sind vor allem Stuten und Wallache verbreitet, die sich in den meisten Fällen problemlos in einen mehr oder weniger großen Herdenverband einfügen. Hengste gelten wegen Ihres starken Geschlechtstriebs als schwer berechenbar. Wittert der Hengst eine rossige Stute, versucht er meist alles, um zu Ihr zu gelangen - bei unangepasster Einzäunung der Weide oder des Stalls ziehen sich Hengste dabei oftmals Verletzungen zu. Viele Hengste neigen im Herdenverband zu aggressiven Rangkämpfen, sie werden deshalb meist auf eigenen Weiden oder in abgetrennten Ställen gehalten.

Domestikation und Haltung

Abstammung

Pferde wurden wahrscheinlich um 3000 v. Chr erstmals in Zentralasien domestiziert. Es gibt einander widersprechende Theorien, wann und wo genau das Pferd vom Menschen nutzbar gemacht wurde. Letzte Untersuchungen. die auf der Auswertung der mitrochondialen DNA von heutigen Hauspferden und von Fossilien ausgestorbener Arten beruhen, deuten darauf hin, dass die Domestikation des Pferdes nicht an einem Ort, sondern unabhängig voneinander an mehreren Orten stattgefunden hat. Wesentliches Indiz hierfür ist die Breite der genetischen Variationen, die in beiden Testgruppen gleich groß ist. Bei nur einem Domestikationsort wäre bei den Hauspferden eine geringere genetische Variationsbreite zu erwarten gewesen. Zudem wurde bei diesen Tests festgestellt, dass einige der fossilen Funde näher mit heutigen Arten verwandt waren, als einige heutige Arten untereinander.

Untersuchungen an mitochondrialer DNA haben 2002 gezeigt, dass es zumindest 77 Stammtypen an Stuten gab, was darauf hindeutet, dass verschiedene Wildpferdepopulationen in unterschiedlichen Regionen der Erde unabhängig voneinander domestiziert worden sind; erheblich mehr als bei anderen Haustierarten.

Das wilde Przewalski-Pferd gehört offenbar nicht zu den Ahnen des Hauspferds, da sich die Ahnenreihen schon vor 120.000 bis 240.000 Jahren getrennt haben.

Geschichte des Hauspferds

Die frühen nomadischen Völker Zentralasiens erfanden bereits im dritten vorchristlichen Jahrtausend den Sattel und das Zaumzeug. Später berichtete der griechische Historiker Strabo über die außerordentlichen Reitkünste der Skythen, die vermutlich das Pferd nach Europa brachten.

Die Domestikation des Pferdes brachte den Völkern einen außerordentlichen Vorteil. Weite Strecken waren in viel kürzerer Zeit zu überwinden, was das Aufrechterhalten großer Reiche einfacher machte. Die frühen Großreiche der Assyrer und Hethiter profitierten von der Nutzbarmachung des Pferdes im Krieg. Um das Jahr 1700 v. Chr fielen die Hyksos in Ägypten ein, ein nomadisches Volk unbekannter Herkunft - den Ägyptern waren Pferde bis dahin unbekannt, und sie waren den Hyksos trotz ihrer hochstehenden Zivilisation im Kampf so weit unterlegen, dass Ägypten erobert werden konnte.

In "Tacitus Germania"(ca.90n.Chr.) ist folgendes über Pferde bei den Germanen vermerkt: "Und der verbreitete Brauch, Stimme und Flug von Vögeln zu befragen, ist auch hier bekannt; hingegen ist es eine germanische Besonderheit, auch auf Vorzeichen und Hinweise von Pferden zu achten. Auf Kosten der Allgemeinheit hält man in den erwähnten Hainen und Lichtungen Schimmel, die durch keinerlei Dienst für Sterbliche entweiht sind. Man spannt sie vor den heiligen Wagen; der Priester und der König oder das Oberhaupt des Stammes gehen neben ihnen und beobachten ihr Wiehern und Schnauben. Und keinem Zeichen schenkt man mehr Glauben, nicht etwa nur beim Volke: auch bei den Vornehmen, bei den Priestern; sich selbst halten sie nämlich nur für Diener der Götter, die Pferde hingegen für deren Vertraute."

Der griechische Historiker Xenophon schrieb im 4. Jahrhundert v. Chr das Werk Peri hippikes ("Über die Reitkunst"), in der er das Wissen über Pferde und Reiten zusammentrug. Die meisten Ratschläge aus diesem Werk haben auch heute noch Gültigkeit.

Während in der Antike im Krieg verwendete Pferde meistens vor Streitwagen gespannt wurden, wurde diese Methode während der Dominanz des Römischen Reiches zunehmend unüblich. Berittene Kämpfer erwiesen sich mit zunehmender Reitkunst als schneller und wendiger als Streitwagen.

Das Hufeisen wurde im 5. Jahrhundert während der Völkerwanderung nach Europa gebracht. Der genaue Ursprung dieser Erfindung ist unbekannt.

Der Einsatz des Pferdes als Arbeitstier wurde erst im Mittelalter durch die Erfindung des Kummets möglich. Vorher wurden in der Landwirtschaft vor allem Ochsen eingesetzt. Die bis dahin üblichen Joche schnitten den Pferden die Luft ab und waren für sie nicht geeignet. Durch das Kummet konnten Pferde zum Beispiel zum Ziehen eines Pfluges eingesetzt werden. Da ihre Arbeitsleistung bedeutend größer als die von Ochsen war, bedeutete dies eine landwirtschaftliche Revolution.

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent gab es keine domestizierten Pferde; zwar hatte es ursprünglich auch in Amerika Wildpferde gegeben, diese aber waren vor einer möglichen Domestikation ausgestorben. Erst die Europäer brachten das Pferd nach Amerika. In Nordamerika entliefen einige der Pferde und bildeten Herden freilaufender Mustangs. Hierdurch begegneten die Indianer erstmals Pferden; der Kontakt veränderte die Lebensweise mancher Völker radikal. Vor allem die Völker der Prärie konnten ihre Effizienz bei der Bisonjagd beträchtlich erhöhen.

Die Erfindung motorisierter Wagen machte am Anfang des 20. Jahrhunderts das Pferd als Transportmittel und als Arbeitstier weitgehend überflüssig.

Verwendung

Während Vollblüter und die etwas ruhigeren Warmblüter Reittiere sind und auch als Zugtiere vor leichten Kutschen verwendet werden, sind die eher massigen Kaltblüter von langsamerer Gangart und fast ausschließlich Zug- und Arbeitstiere, die früher zum Ziehen von schweren Fuhrwerken, zum Bestellen von Äckern und zum Schleppen von gefällten Bäumen (Rückepferd) sowie zu ähnlichen Kraftarbeiten eingesetzt wurden. Da moderne Forst- und Ackermaschinen die Pferde aus diesen Bereichen verdrängt haben, sind Kaltblüter heutzutage selten geworden. Mittlerweile werden Pferde zunehmend wieder bei Garten- und Forstarbeiten eingesetzt, da sie den Boden kaum verdichten und im Wald flexibler und bestandsschonender als Maschinen arbeiten. Die meisten Pferde werden heute als Sport- und Freizeitpferde gehalten. Als Freizeitpferde werden häufig auch größere Ponys wie Haflinger, Norweger oder Tinker gehalten, die sich vor allem durch Leichtfuttrigkeit und Anspruchslosigkeit auszeichnen. Als Gebrauchspferd dient heute noch das Polizeipferd, auch in Armeen sind Pferde noch vereinzelt zu finden.

Vor der Domestikation des Pferdes wurden die Tiere als Fleischlieferanten gejagt. Das Essen von Pferdefleisch hat, nachdem es zwischenzeitlich vollkommen unüblich geworden war, in jüngerer Zeit wieder zugenommen. 2001 wurden weltweit schätzungsweise 153.000 Tonnen Pferdefleisch gegessen.

Die Bedeutung des Pferdes als Fleischproduzent innerhalb der EU ist noch immer so hoch, dass eine Medikamentierung des Pferdes nur uneingeschränkt möglich ist, wenn der Besitzer einen Pferdepass hat, in dem er erklärt, dass das Tier nicht zur Fleischverwertung kommen wird und in dem jede medikamentöse Behandlung eingetragen wird. Falls nach einer Behandlung doch der Wunsch auftritt, den Schlachtpreis einzustreichen, muss der Halter eine Mindestfrist verstreichen lassen, bevor das Tier geschlachtet werden darf.

Die jüdische Religion verbietet den Genuss von Pferdefleisch. Ein solches ausdrückliches Verbot existiert zwar im Islam und im Christentum nicht, in beiden Kulturkreisen wurde das Essen von Pferdefleischen aber missbilligt. Von Papst Gregor III ist überliefert, dass er 732 das Essen von Pferden als heidnische Abscheulichkeit verurteilte, die es auszumerzen gelte.

Fütterung

Bei der Pferdefütterung sind die individuellen Bedürfnisse eines jeden Tieres zu berücksichtigen, so haben Fohlen und Jungpferde sowie tragende und säugende Stuten einen deutlichen erhöhten Eiweißbedarfbedarf, bei Sportpferden sollte hingegen auf den Einsatz von besonders energiereichen Futtermitteln geachtet werden und bei älteren Pferden muß auf die geringere Futterverwertbarkeit Rücksicht genommen werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Mineralstoffversorgung, da es hier oft zu Mangelerscheinungen kommt. Neben den traditionellen Futtermitteln Stroh, Heu und Hafer und der zunehmenden Verwendung von Fertigfuttermitteln kommen auch folgende Erzeugnisse zum Einsatz:

Pferde benötigen täglich Zugang zu frischem Wasser. Die benötigte Menge hängt in hohem Maß von Witterung, Fütterung und Gewicht des Pferdes ab und kann bis zu 50 Liter am Tag betragen.

Pferde in der Mythologie

Die enge Beziehung des Menschen zum Pferd hat dazu geführt, dass es in der Mythologie vieler Völker zahlreiche Pferdegestalten gibt, denen eine große Bedeutung zukommt.

Vor allem die Griechische Mythologie ist reich an Pferden und pferdeähnlichen Wesen:

Der Mythos vom legendären Einhorn, einem Pferd mit Ziegenhufen, dem Schwanz eines Löwen und mit einem Horn auf der Stirn, stammt wahrscheinlich aus Indien. Einhörner kamen nicht in der griechischen Mythologie vor, wohl aber in naturwissenschaftlichen Beschreibungen des Aristoteles und des Plinius.

In der nordischen Mythologie gibt es Sleipnir, das achtbeinige Pferd des Gottes Odin, sowie die Pferde Arvak und Alsvid, die den Wagen der Sonne über den Himmel zogen.

Bezeichnungen, Rassen, Fellfarben

Das männliche Pferd heißt entweder Hengst oder, falls es kastriert ist, Wallach, das weibliche Pferd nennt man Stute, Jungtiere werden Füllen oder Fohlen genannt.

Pferderassen

Die Pferderassen lassen sich nach der Größe in

einteilen. Eine andere mögliche Einteilung richtet sich nach dem Temperament der Pferde. So können unterschieden werden. Diese Nomenklatur bezieht sich auf das Temperament - die Bluttemperatur ist bei allen Pferden gleich und beträgt im Normalfall zwischen 37.5°C und 38°C.

Offizielle Dokumente enthalten hinter dem Pferdenamen oftmals Hinweise auf die Rasse: xx steht für englisches Vollblut, ox für Araber und x bedeutet, dass es sich um einen Anglo-Araber - einen englischen Vollblüter mit mindestens 25 prozentiger Arabereinkreuzung - handelt.

Fellfarben

Es gibt eine große Zahl verschiedener Pferdefarben und deren Bezeichnungen, die teilweise von Gegend zu Gegend variieren. Die wichtigesten Grundfärbungen sind Rappe, Brauner, Fuchs und Schimmel (Fellfarben_der_Pferde für nähere Informationen).

Siehe auch: Liste der Pferderassen, Pferdekrankheit, Pferdesprache, Pferdesport, Pferde, Wildpferd, Halbwildes Pferd, Pferdeäpfel, Zugpferde.




     
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