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Feuerland



Feuerland (span.: Tierra del fuego) ist eine Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas mit gleichnamiger Hauptinsel. Vom Festland ist sie durch die Magellanstraße getrennt. Die Inselgruppe wurde 1881 zwischen Argentinien und Chile aufgeteilt. Insgesamt ist sie 71.500 km2 groß und hat ca. 140.500 Einwohner (Stand: ?) (wobei im östlichen, argentinischen Teil etwa 133.000 und im westlichen, chilenischen Teil etwa 7.500 Menschen leben). Der argentinische Teil bildet die Provinz Tierra del Fuego.

Table of contents
1 Orte auf Feuerland
2 Geschichte Feuerlands
2.1 Vorbemerkung
2.2 Feuerland vor der Ankunft der Europäer (9.800 v.Chr. - 1520 n.Chr.)
2.3 Feuerland am Rande der europäischen Entdeckungen (16. - 19. Jh.)
2.4 Kolonisierung (1848 - 1906)
2.5 Wirtschaftliche Blütezeit (1906 - 1920)

Orte auf Feuerland

Wichtige Orte auf Feuerland: Porvenir, Río Grande, Ushuaia (Argentinien) und Puerto Williams (Chile). Mehrere Orte behaupten von sich, südlichste Stadt der Welt zu sein. Sie alle liegen in Feuerland, darunter Ushuaia, Puerto Williams (knapp 2.000 Einwohner) und Punta Arenas.

Geschichte Feuerlands

siehe auch: Geschichte_Argentiniens, Geschichte_Chiles

Verwendete Literatur:
(1) Cizmic, Ivan: Emigration and emigrants from Croatia between 1880 and 1980. Zagreb, 1996.

(2) Galeano, Eduardo: Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents. Wuppertal, 1988.

(3) Historia de Tierra del Fuego República Argentina.

(3) Hosne, Roberto: Patagonia. History, Myths and Legends. Buenos Aires, 2003.

(4) Martinic, Mateo: Brief History of the Land of Magellan. Punta Arenas, 2002.

(5) www.patbrit.com: Gold Rush, Tierra del Fuego 1880-1910.

Vorbemerkung

Die Geschichte Feuerlands ist eng mit der Entdeckung und Kolonisierung der Regionen rund um die Magellanstraße verbunden. Eine isolierte Geschichte Feuerlands ist daher nicht zu rechtfertigen, sondern bezieht immer die Regionen nördlich und südlich dieser Wasserstraße in ihre Beschreibung mit ein. Erst 1881 teilte die Grenzziehung zwischen Argentinien und Chile auch diese Region und damit auch Feuerland in zwei getrennte und sich unterschiedlich entwickelnde Regionen.

Feuerland vor der Ankunft der Europäer (9.800 v.Chr. - 1520 n.Chr.)

Paläo-Indianer

Zwischen 9800 v.Chr. und 8280 v.Chr. wurde Feuerland erstmals von Jägergruppen vom amerikanischen Kontinent aus besiedelt. Man nimmt an, dass die Ankunft dieser "Paläo-Indianer" im Zuge des Rückgangs der Vergletscherung im Pleistozän über noch bestehende Landbrücken erfolgte, bevor die Magellanstraße endgültig von Wasser geflutet war. Archäologische Spuren dieser Indianergruppen finden sich beiderseits der Magellanstraße: auf dem amerikanischen Festland in der Cueva Mylodón bei Puerto Natales oder nördlich von Punta Delgada in Pali Aike und auf Feuerland in Tres Arroyos und Alero Marazzi etwa 20 km südwestlich von San Sebastian. Maritime Fundstätten finden sich am Beagle-Kanal (Tunel und Lancha Packeweia) und im Süden der Isla Navarino (Seno Grandi). Der älteste Skelettfund wurde 2004 im argentinischen Teil der Nordküste Feuerlands entdeckt (siehe: [1]).
In dieser ersten Phase der Besiedelung herrschten besondere klimatische Bedingungen, die eine Fauna hervorbrachte, die schon 3000 Jahre nach dem ersten Erscheinen der Paläo-Indianer verschwand: amerikanischen Wildpferde, Riesenfaultiere (Mylodón) und andere Grasfresser bildeten die Ernährungsgrundlage.

Ureinwohner im 17. Jahrhundert

Zur Zeit der Ankunft der ersten Europäer in Feuerland können 4 Gruppen von Ureinwohnern unterschieden werden: die Landnomaden der Selk'nam (Onas) und der Haush (oder: Manek'enk), die im Landesinneren bzw. im Südwesten der Hauptinsel siedelten und die Seenomaden der Alakaluf und der Yámana (Yaghan), die am westlichen und südlichen Küstenstreifen lebten. Die genaue Zahl der einzelnen Bevölkerungsgruppen kann aufgrund ihrer Lebensweise als Jäger und Sammler für das 17. Jahrhundert auf insgesamt 12.000 geschätzt werden.

Feuerland am Rande der europäischen Entdeckungen (16. - 19. Jh.)

Die Entdeckung der Magellanstraße

Erste Berichte über Feuerland stammen von der Expedition Magellans, der im Oktober 1520 als erster Europäer die nach ihm benannte Magellanstraße entdeckte und mit drei Schiffen auf dem Weg zu den Gewürzinseln (Molukken) durchfuhr. Der von ihm während der über 20 Tage dauernden Passage beobachteten Schein der Lagerfeuer der Ureinwohner gab der Inselgruppe den Namen. Magellan selbst nannte den Seeweg estrecho de todos santos. Es gibt jedoch keine gesicherten Nachweise, dass Magellan Feuerland tatsächlich betreten hat.

Spanischer Herrschaftsanspruch

In weiterer Folge gewann die Magellanstrasse vor allem als Verkehrsweg nach Asien und zu den Gold- und Silbervorkommen in Peru an Bedeutung. Als im Zuge der Zweiten Weltumseglung (1577 - 1580) Francis Drake in nur 16 Tagen die Magellanstrasse durchfuhr, wurde der spanischen Krone sehr rasch die Bedeutung der Sicherung dieses Seeweges für die spanische Krone gegen holländische, britische und französische Freibeuter klar. Mit der Verleihung von Patagonien und Feuerland als Nueva Extremadura an Jeronimo der Alderete 1555 wurde erstmals der Herrschaftsanspruch Spaniens dokumentiert. Dessen Nachfolger Hurtado de Mendoza beauftragte Juan Ladrillero 1560 mit der Erforschung und Landnahme der Gebiete beiderseits der Seestrasse. Ladrillero begann somit als erster Europäer mit der systematischen Erforschung von Gebieten auf Feuerland. Versuche des Vizekönigs von Perú zur Errichtung von Befestigungen entlang der Magellanstraße (etwa ab 1581 durch Sarmiento Gamboa) scheiterten jedoch zunächst.

Erste Entdeckungsreisen

War die Magellanstraße bislang die einzige Passage um den amerikanischen Kontinent gewesen, so entdeckten holländischen Freibeuter unter dem Kommando von Guillermo Schouten 1615 bei der Umsegelung von Feuerland die Isla de los Estados und die die Passage um das Kap Hoorn. Diese Entdeckung wurde schon wenig später von einer spanischen Expedition unter Bartolomé und Gonzalo de Nodal bestätigt, denen die erste Umsegelung von Feuerland (1618 - 1619) gelang und die von ihrer Reise wertvolles Kartenmaterial mitbrachten. Immer detailliertere Kenntnisse der Region erwarben die nachfogenden Expeditionen: etwa jene des Engländers John Narborough in den Jahren 1669 bis 1670 und gegen Ende des Jahrhunderts der Franzosen De Gennes und De Beachesne. Von großer Tragweite für die wissenschaftliche Erkundung Feuerlands sind in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Expeditionen von John Byron, der von 1774 bis 1766 nicht nur die Falkland-Inseln und die Magellanstrasse erforschte sondern auch Feuerland umsegelte. Von ihm stammt der ursprüngliche Name von Punta Arenas: Sandy Point. Auch James Cook steuerte auf seiner Weltumsegelung zu Neujahr 1769 Kap Hoorn an und entdeckte als erster den Südpolarkreis. In seinen insgesamt drei Reisen sollte er endgültig den Nachweis erbringen, dass ein sgn. Südland (terra australis), das mit dem amerikanischen Festland verbunden war, nicht existierte.

Die Expeditionen von Parker King und Fitz Roy (1826 - 1836)

Die beiden englische Expeditionen unter Philip Parker King (1826 - 1830) und Robert Fitz Roy (1832 - 1836) sind für Feuerland (aber auch für Patagonien) von großer Bedeutsamkeit, handelte es sich dabei doch um die erste intensive Auseinandersetzung von Europäern mit Feuerland. Beide Expeditionen beschäftigten sich insbesondere mit der genauen kartographischen Erfassung der hydrographischen Gegebenheiten der Küstenlinie Südpatagoniens und Feuerlands. So wurde während der fast dreijährigen Anwesenheit der Expedition Parker Kings etwa der Beagle Kanal entdeckt. Fitz Roy begleitete der damals noch junge Wissenschafter Charles Darwin, der sich zwar intensiv mit der Naturgeschichte der Region auseinandersetzte, aber für die Ureinwohner dieser Region kaum freundliche Worte fand (vgl. dazu seinen 1839 erschienenen Reisebericht Diary of a Naturalist Around the World). Kulturhistorisch interessant sind in diesem Zusammenhang die Ereignisse rund um die Entführung von vier Personen aus dem Stamm der Yámana nach England, die als Geschichte von Jemmy Button in die Literatur einging.

Kolonisierung (1848 - 1906)

Die spanischen Bemühungen um die Integration Feuerlands in sein Herrschaftsgebiet waren allein auf die (wenig erfolgreiche) Sicherung der strategisch wichtigen Magellanstraße nicht jedoch auf eine konkrete Landnahme ausgerichtet gewesen. Erste systematische Versuche zur Besiedelung Feuerlands lassen sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts feststellen. Bis 1840 hatte man Feuerland, auch aufgrund der fehlenden natürlichen Häfen nur aus der Distanz betrachtet. Auch am Nordufer der Magellanstraße hatten nur zwei Orte Bedeutung für die Seeleute: San Gregorio für den Handel mit den Indianern Patagoniens und Puerto Hambre für die Aufnahme von Wasser und Holz. Auf Feuerland selbst gab es keine derartigen Stützpunkte.

Die Bemühungen Chiles um Feuerland

Der junge Staat Chile, der 1818 seine Unabhängigkeit von Spanien proklamiert hatte, zielte jedoch schon bald auf eine nachhaltige Absicherung seiner Herrschaftsansprüche in diesem Raum. Als bekannt wurde, dass Frankreich unter König Louis Philipp eine Expedition ins südliche Patagonien plante, um territoriale Ansprüche zu stellen, würde Chile 1843 aktiv. Die Initiative ging auf die Bemühungen des Begründers der chilenischen Republik, Bernardo O'Higgins, zurück, der in den Dreissigerjahren des 19. Jahrhunderts ein Konzept zur nachhaltigen Integration Patagoniens und Feuerlands unter dem Schlagwort von Neu-Chile verfolgt hatte. Dieses Konzept zielte auf die (1) die militärische Absicherung der Magellanstraße und der angrenzenden Gebiete; (2) die Kolonisierung von Feuerland und Patagonien mit militärischen, wirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Mitteln und (3) die Inkorporation des Territoriums der Antarktis. Auf Basis dieser konzeptiven Vorarbeiten entwickelte die Regierung Bulnes dann jene konkreten Massnahmen, die zu einer nachhaltigen Kolonisation von Neu-Chile führen sollte.

Die chilenische Expedition von 1843

Mit der organisatorischen Verantwortung für die Unternehmung wurde der höchste Verwaltungsbeamte von Chiloe, Domingo Espineira, beauftragt. Nach vier Monaten landete am 21. September 1843 landete der chilenische Schoner Ancud vor der Halbinsel Brunswick in Südpatagonien. Der Kapitän der 23 köpfigen Mannschaft, Juan Williams, nahm an diesem Tag offiziell die Region rund um die Magellanstraße in den Besitz der chilenischen Republik. Einen Monat später, nach einer erfolglosen Suche nach einer geeigneten Stelle für eine Befestigung, kehrte die Expedition an den ursprünglichen Landepunkt, den Punta Santa Ana zurück und gründeten am 30. Oktober 1843 Fuerte Bulnes.

Gründung von Punta Arenas 1848

Aufgrund der exponierten Lage des Forts hatte dieses Fort jedoch nur kurzen Bestand. Schon 1848 wurde 50 Kilometer weiter nördlich Punta Arenas gegründet, das eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung der Region spielen sollte. Formal wurde die Stadt am 18. Dezember 1848 gegründet und zum Sitz des Gouverneurs von Magallanes bestimmt. (Der Begriff magallanes (Land Magellans) bezeichnet die Gebiete beiderseits der Magellanstraße, also im wesentlichen die heutige 11. Region Chiles, sowie den Süden der heutigen argentischen Provinzen Santa Cruz und Tierra del Fuego).

Jedoch sollte die Entwicklung der Stadt schon drei Jahre später durch eine Meuterei eines Teils der Armeee gefährdet werden, sodass Punta Arenas 1852 neu angelegt werden musste. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens bestand die Ansiedlung aus kaum mehr als 200 Personen, die sich wirtschaftlich kaum entwickeln konnte. Der Status von Punta Arenas als Strafkolonie erschwerte ihre Entwicklung zusätzlich.

Erst mit der Bestellung von Oscar Viel zum Gouverneur von Magallanes 1867 und mit der Verleihung von zahlreichen Privilegien an die Stadt (Status eines Zollfreihafens, Anreize für die Ansiedlung von Immigranten) begann sich Punta Arenas schnell zu entwickeln. Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang war auch die Pacific Steam Navigation Company, die ab 1868 auf der Strecke Liverpool - Valparaiso auch in Punta Arenas anlegte. Für die weitere Entwicklung der Stadt, die sich ab nun zum Zentrum für die Kolonisierung der Region beiderseits der Magellanstraße entwickeln sollte, waren jedoch noch weitere Faktoren verantwortlich: (1) die Entdeckung von Steinkohlevorkommen und goldhaltigen Sanden in den Flüssen, (2) die Gründung einer Sägemühle zur Holzverarbeitung in der Region und (3) die Aufteilung von Land zur landwirtschaftlichen Nutzung durch die kontinuierlich nach Südpatagonien strömenden Immigranten. 1871 war die Einwohnerzahl von Punta Arenas auf 800 Personen angewachsen.

Anfänge regionaler Entwicklung 1870 - 1881

Nur langsam ging die Kolonisierung der Region über den engeren Raum von Punta Arenas hinaus. Die Besiedelung der Halbinsel Brunswick erfolgte entlang der Küste und es entstanden erste Estancias, die sich in ihrer Anfangsphase hauptsächlich der Rinderzucht widmeten. Fell- und Federnhändler expandierten Richtung Norden und entlang der Atlantikküste bis Sanza Cruz und darüber hinaus. Robbenjäger wiederum erbeuteten die Felle schon bald in den Kanälen Feuerlands und Patagoniens. Ebenso waren um 1870 erste Gruppen von europäischen Emigranten in Punta Arenas gelandet. Der Gouverneur von Magallanes unterstützte die Immigration auch angesichts der zunehmenden Konflikte mit Argentinien nachhaltig. Um 1874 gelangten die ersten Briten, Franzosen, Deutsche und Schweizer in dieser Region, darunter auch Personen wie der Spanier José Menendez, der gebürtige Russe Elias Braun oder der Portugiese José Nogueira, die die Wirtschaft der Region nachhaltig beeinflussen sollten.

Gleichzeitig mit der Ankunft dieser Immigranten wurden die ersten Erkundungen der Gebiete nördlich von Punta Arenas durchgeführt, etwa jene des chilenischen Miliärs Juan Tomas Rogers 1877/1879. Ebenso kam es zu einer Forschungsexpedition nach Feuerland durch Ramón Serrano. Die Nachricht von den Grasländern, die für die Schafzucht sehr geeignet erschienen, führte unter Gouverneur Diego Duble Almeyda zum Ankauf von 300 Schafen, die eigens von den Falkland-Inseln nach Punta Arenas gebracht wurden. Der englische Händler Henry Reynard kaufte die Tiere und führte 1877 auf Isabel Island erste Zuchtversuche durch. Andere Kolonisten führten ähnliche Projekte (wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg)durch: Cruz Daniel Ramírez auf der Isla Magdalena und Marius Andrieu in der Nähe von San Gregorio. Schließlich wurde zwischen 1878 und 1883 Schafzucht im Norden der Halbinsel Brunswick, an den Küsten von Skyring und an der Nordküste der Magellanstraße Schafzucht betrieben.

Allerdings kam es 1877 erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, als sich Teile des Militärs, das zur Bewachung der Strafgefangenen abgestellt war. erhob. Nur mit Mühe konnte Gouverneur Almeyda diesen Aufstand niederschlagen.
Von unschätzbarer Bedeutung für die Kolonisierung der Region und hier insbesondere für die sprunghafte Entwicklung der Schafzucht war das Grenzabkommen zwischen Argentinien und Chile 1881, das im wesentlichen die heutigen Grenzen in ihren Grundzügen festschrieb. Allerdings sollten Grenzkonflikte (auch um Feuerland) erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelöst werden.

Schafzucht und Handel als Motoren der Entwicklung (1881 - 1906)

Die Zahlen in Tabelle 1 und 2 sind entnommen aus Martinic, Mateo: Brief History of the Land of Magellan

Schafe auf Magallanes
1877
300
1885
40.000
1889
300.000
1906
1.800.000
+Tabelle 1

Für die weitere Entwicklung Feuerlands war die zunehmende Nutzung der ausgedehnten Grasflächen im Nordwesten des Landes von großer Bedeutung. Nach den ersten erfolgreichen Pilotprojekten nördlich der Magellanstraße wurde auch Feuerland für die Viehzucht erschlossen. Die Regierung verlieh in den Jahren 1889 bzw. 1890 große Landflächen als Konzessionen an bereits erfolgreiche Züchter wie José Noguueira und Mauricio Braun. Mit der Gründung der Sociedad Explotadora de Tierra del Fuego 1893 wurde der Prozess der Monopolisierung der dieser Wirtschaftszweiges weiter beschleunigt, mit all seinen katastrophalen Folgen für die Urbevölkerung Feuerlands, ein Phänomen, das keineswegs auf Feuerland beschränkt war. In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Konzessionen an Viehzüchter in ganz Patagonien erteilt. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung und Reichtum der Region am Beginn des 20. Jahrhunderts war die Monopolisierung des Bodens jedoch in weiterer Folge auch die Grundlage für wirtschaftliche Strukturprobleme und soziale Unruhen.

Hand in Hand mit der aufstrebenden Schafzucht ging auch die Notwendigkeit der Erschließung der Region durch ein leistungsfähiges Verkehrsnetz. Aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Landes war deshalb der Ausbau der Schifverbindungen von großer Bedeutung. Nicht nur die landwirtschaftlichen Rohstoffe wie Wolle und Fleisch erforderten eine kontinuierliche Anbindung an große Häfen wie Valparaiso oder Buenos Aires, auch die Einfuhr landwirtschaftlicher Geräte und anderer Waren sowie die notwendige Ansiedelung von Siedlern aus Europa und Chile/Argentinien. Binnen kurzem wurde Punta Arenas zum bedeutenden Seefahrtshafen. Gingen 1867 noch 27 Schiffe in der Bucht von Punta Arenas vor Anker, so waren es im Jahre 1906 schon 901 Handelsschiffe mit einer Gesamtlast von 1.100.000 BRT. Damit näherte sich die Stadt schon der Kapazität des chilenischen Haupthafens Valparaiso. Mit der Gründung weiterer Schiffahrtslinien durch José Menendez und Braun&Blanchard wurde die Südküste des amerikanischen Kontinents auch schon bald mit einem leistungsfähigen lokalen Verkehrsnetz versorgt.

Goldrausch auf Feuerland (1880-1910)

Einwohner auf Magallanes
1867
200
1874
800
1885
2.000
1907
17.330
+Tabelle 2

Feuerland rückte jedoch nicht allein durch die hervorragenden Möglichkeiten zur Schafzucht ins Zentrum des Interesses. Schon 1879 hatte der Leutnant der chilenischen Marine, Ramón Serrano Montaner während seiner Expedition nach Feuerland Gold an der Nordwestküste gefunden. Innerhalb von 2 Jahren wurden über 100 Claims im Gebiet der Sierra Boquerón abgesteckt. Schon bald darauf betrieben finanzkräftige Investoren die Ausbeutung bzw. verliehen Konzessionen. Das Gold wurde über Mittelsmänner an Handelshäuser in Punta Arenas verkauft, die wiederum die Märkte von Santiago de Chile, Montevideo und Europa belieferten. Aber schon um 1890 gingen die Goldfunde stark zurück. Trotzdem arbeiteten 1898 noch immer mehr als 200 Männer, einige von ihnen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein. 1902 unternahm man erste Versuche der Mechanisierung (Schaufelbagger, Pumpen) und errichtete Waschanlagen. So waren in den Jahren von 1906 bis 1907 wiederum 300 bis 400 Arbeiter an 12 Waschanlagen im Westen und Nordwesten des Landes beschäftigt. Trotz deutlich gesteigerter Produktivität überstiegen die jährliche Ausbeute nie mehr als 500 Kilogramm. Schließlich wurden alle diesbezüglichen Aktivitäten um 1910 eingestellt.

Auch an der Östküste Feuerlands fand man 1884 bei Cabo Virgenes Gold. Der rumänische Ingenieur Julio Popper führte, aus Buenos Aires anreisend, 1886 eine erste Prospektion an, entdeckte weitere Vorkommen nördlich des heutigen Rio Grande (Argentinien) und erwarb auch die Schürfrechte in El Páramo.

Die produktivsten Vorkommen auf Feuerland befanden sich im Süden Feuerlands auf den Inseln Navarino, Picton, Lennox und Nueva: sie wurden ab 1888 aufgeschlossen. Schon zwei Jahre später arbeiteten auf diesen Inseln rund 300 Männer, 1891 über 500 und 1893 über 1000. Die Suche wurde auf die Inseln Wollaston und Barnevelt ausgedehnt. Trotz vielversprechender Anfänge waren aber auch hier, an der rauhen Südküste Feuerlands,die Vorräte schon bald erschöpft. Obwohl zwischen 1905 und 1907 die ersten Goldabbaugesellschaften gegründet wurden, mußte man den Bergbau schon 1910 wegen mangelnder Rentabilität einstellen.

Das vorhandene staatliche Machtvakuum auf Feuerland, das am Beginn seiner Besiedelung durch Immigranten aus Europa stand, förderte in diesem Zusammenhang auch semilegale Aktionen verschiedenster Abenteurer, so etwa auch jene des oben erwähnten Julio Popper, der mit einer Truppe aus bewaffneten Abenteuern die Goldausbeutung bei Paramo betrieb und sogar eigene Münzen prägen ließ.

Immigration

In engen Zusammenhang mit den Goldfunden ist auch die Gründung des Städtchens Porvenir im chilenischen Teil Feuerlands im Jahr 1894 zu sehen, welches hauptsächlich von kroatischen Immigranten besiedelt wurde. Der deutliche Bevölkerungszuwachs auf den gesamten Magellanes speiste sich aus zwei Quellen: Zusiedlern von der chilenischen Insel Chiloe und europäische Immigranten. Für 1885 zählte man unter den europäische Immigranten rund 30 % Kroaten, daneben aber auch Engländer, Schotten, Spanier, Italiener, Deutsche und Franzosen.

Zum Beispiel: Die Immigration aus Kroatien

Für die Emigration von Kroaten und Kroatinnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die ja insbesondere Punta Arenas und Porvenir betroffen hatte, darüber aber für die gesamte Region von besonderer Bedeutung war, nennt Ivan Cicmic in einer Untersuchung aus dem Jahr 1996 hauptsächlich ökonomische Gründe. Missernten, Hungersnöte, der Niedergang der Fischerei aber auch die Flucht vor dem Militärdienst waren Gründe, die vor allem junge Bauern aus den Küstengebieten Dalmatiens veranlaßte, auszuwandern. Ein Teil landete davon im südlichen Patagonien; der Einfluß kroatischer Sprache und Kultur ist bis heute in der Region spürbar.

Der Genozid an der indianischen Bevölkerung Feuerlands

Im Zuge der dauerhaften Besiedelung der Region um Punta Arenas und des einsetzenden Handels mit Tierhäuten, erkundeten immer mehr weisse Jäger die Kanäle und Buchten Feuerlands auf der Suche nach den begehrten Fellen. Blutige Konflikte mit den Seenomaden der Alakaluf und Yámana waren an der Tagesordnung und führten zu einer zunehmenden Verdrängung der der indianischen Bevölkerung binnen weniger Jahrzehnte. Der Genozid an den Ureinwohnern Feuerlands sollte jedoch auch die Landnomaden der Selk'nam und Haush betreffen, insbesondere in Zusammenhang mit Goldfunden und der einsetzenden Schafzucht. Von europäischen Immigranten eingeschleppte Krankheiten und eine rigorose Verdrängungspolitik führten schliesslich dazu, dass 1910 die indianische Urbevölkerung fast völlig ausgerottet war. Große Verdienste um die Erforschung der aussterbenden Indianerkulturen erwarb sich der österreichische Geistliche Martin Gusinde, der in Forschungsreisen ab 1917 die Kultur der Feuerland - Indianer erforschte.

Missionierung

Hand in Hand mit der Kolonisierung des Landes und dem Genozid an der indianischen Urbevölkerung ging die Missionierung des Landes. Zwei Orden taten sich insbesondere auf Feuerland besonders hervor: (1) die Salesianer unter dem italienischen Priester Jose Fagnano, die ab 1887 Feuerland von Punta Arenas und einer Mission nördlich von Rio Grande (Argentinien) aus missionierten und (2) die Anglican South American Missionary Society mit ihrem Hauptquartier auf den Falkland Inseln, die hauptsächlich entlang des Beagle-Kanals tätig waren. Insbesondere die Tätigkeit von Lucas Bridges ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Allerdings wurde die ursprüngliche Absicht dieser beiden Kirchenmissionen, die indianische Urbevölkerung zu christianisieren und (in weiterer Folge) vor den Übergriffen der weißen Siedler zu schützen, schon rasch obsolet. So wurden die diesbezüglichen Aktivitäten der anglikanischen Mission 1916 eingestellt.

Wirtschaftliche Blütezeit (1906 - 1920)

Unbestreitbar trug die rasche Ausweitung der Schafzucht viel zur Entwicklung der Region bei. Während die Goldfunde auf Feuerland zwar anfangs für einen beachtlichen Zuzug an Immigranten gesorgt hatte, so erwiesen sich die Goldreserven als rasch erschöpft und trugen nicht weiter zum wirtschaftlichen Aufschwung der Region bei. Die Wirtschaft Feuerlands blieb auch weiterhin stark auf Punta Arenas ausgerichtet, das seine Stellung als Entwicklungsmotor für die Gesamtregion (also auch für den argentinischen Teil Patagoniens) weiterhin ausbaute.

wird fortgesetzt




     
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