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Religion während des Nationalsozialismus



Das Thema Religion während des Nationalsozialismus wird in diesem Beitrag nach Religionen und Konfessionen differenziert. Auch religiöse Formen des Nationalsozialismus werden betrachtet.
		

Table of contents
1 Jüdische Religion
2 Evangelische Kirche
3 Katholische Kirche
4 Zeugen Jehovas
5 Religiös anmutende Formen der Nationalsozialisten
6 Ambivalenz der christlichen Haltung zu den Juden

Jüdische Religion

Die jüdische Religion wurde von der nationalsozialistischen Regierung hart verfolgt. Die jüdischen Gotteshäuser wurden während der "Reichspogromnacht" ("Kristallnacht") zerstört. Viele Synagogen wurden von der SA in Brand gesteckt, Bibelrollen geschändet und zerstört, jüdische Männer in KZs verfrachtet. Als Mitglieder einer so genannten jüdischen Rasse wurden von den Nazis auch Christen gesehen, wenn sie aufgrund der Nürnberger Gesetze als jüdisch galten. Schließlich ermordete der deutsche Staat der Nationalsozialisten die meisten Juden Europas (Shoa, Holocaust). "Wo ist Gott? ... Dort hängt er, dort am Galgen!" (Elie Wiesel)

Evangelische Kirche

Unter den evangelischen Christen Deutschlands gab es stramme Befürworter des Nationalsozialismus. Die so genannten Deutschen Christen vereinbarten ihre nationale Sicht vom Christentum mit dem Nationalsozialismus und gingen so weit, beweisen zu wollen, dass Jesus "Arier" war (dabei war Jesus Jude). Als Mitbruder, oder eher Kamerad, sahen sie nur "Volksgenossen" an. So genannte Nichtarier unter ihren Priestern wurden von evangelischen Gemeinden sofort entlassen (z.B: Pfarrer Katz, Hechingen). Die Kirchenbücher wurden für die "Ariernachweise" zur Verfügung gestellt. Für den Krieg gab es Segnungen und Bestärkungen. Auf den Koppelschlössern der Deutschen Wehrmacht stand "Gott mit uns". Für die jüdische Mutterreligion setzte man sich von offizieller Seite nicht ein, oftmals nur für die "nichtarischen", getauften Mitarbeiter, mitunter nicht einmal für diese.

Auf der anderen Seite leisteten Vertreter der "Bekennenden Kirche" oftmals Widerstand, indem sie beispielsweise christliche Jugendarbeit weiter betrieben, gegen die Pogromnacht protestierten (Julius von Jan, Oberlenningen) oder unter Lebensgefahr Juden versteckten. So wurde das jüdische Ehepaar Krakauer in zahlreichen Pfarrhäusern verborgen gehalten. Die HJ behinderte die Kirchen- und Gemeindearbeit. Einzelne Mitglieder der Kirchen verhielten sich mitunter tapfer, im Gegensatz zur Mehrheit und zu den meisten führenden Vertretern.

Katholische Kirche

Die römisch-katholischee Kirche Deutschlands versuchte anfangs, sich mit den Nazis zu arrangieren. Es gab Bischöfe, die Adolf Hitler zur Wahl gratulierten. Kardinal Faulhaber, München, kabelte hierzu: "Uns kommt es aufrichtig aus der Seele: Gott erhalte unserem Volk unseren Reichskanzler." Das Reichskonkordat ist beredtes Beispiel für den Versuch, mit den Nazis sich zu arrangiern. Im Laufe der Zeit wurde die katholische Kirche mehr und mehr behindert. Neben den Kommunisten, Sozialdemokraten (den "Roten") und den Juden und anderen so genannten Nichtariern galten die "Schwarzen", "Pfaffen" auch schnell als Feinde des NS. Die katholische Jugendarbeit wurde erst behindert, dann verboten. Die Enzyklika Mit brennender Sorge prangerte den von den Nazis nicht erfüllten Teil der Abmachungen gegenüber der katholischen Kirche an. Sie enthielt auch eine Verurteilung der Rassen- und Staatsideologie des Dritten Reiches. Katholische Pfarrer waren auch in den KZs zu finden. Sehr umstritten ist die Haltung des Papstes Pius XII zur Judenermordung. Ihm wurde postum vorgeworfen, zu dieser Katastrophe geschwiegen zu haben.

Zeugen Jehovas

Angefangen von der Verweigerung des Hitlergrußes über die Ablehnung, an Wahlen teilzunehmen, bis hin zur Kriegsdienstverweigerung gerieten die Zeugen Jehovas in Konflikt mit dem NS-Regime. Als "Bibelforscher" wurden sie deswegen in die KZs eingeliefert und dort durch einen Lila-Winkel auf der Häftlingskleidung als Gruppe gekennzeichnet. (siehe auch Nationalsozialismus und Zeugen Jehovas)

Religiös anmutende Formen der Nationalsozialisten

Der Nationalsozialismus selbst nahm manchmal religiöse Formen an. So gab es statt des Herrgottswinkels bald das blumengeschmückte Bild des "Führers". Weiterhin gab es Gebete, die den Führer mit dem Erlöser Jesus oder mit Gott gleichsetzten und von ihm das tägliche Brot erbaten. "Führer, mein Führer, von Gott mir gegeben, beschütz und erhalte noch lange mein Leben / Du hast Deutschland errettet aus tiefster Not, Dir verdank ich mein täglich Brot / Führer, mein Führer, mein Glaube, mein Licht / Führer mein Führer, verlasse mich nicht" -- so ein Gebet aus einem Waisenhaus. Auch die SS unter dem Einfluss Heinrich Himmlers hatte manchmal obskure, kultische Formen, die sich recht unsystematisch beim germanischen Glauben sowie beim Okkultismus, Hinduismus und Buddhismus bedienten, teilweise auch Himmlers eigenen Theorien entsprangen. Hitler selbst hielt dagegen sehr wenig von Religion im allgemeinen, obwohl er sich anfänglich gerne als Katholik gab. Das Gewissen wurde in den NS-Kulten als "jüdische Erfindung" bekämpft.

Die Rückbindung (lat. religio = "Rückbindung" an etwas Größeres) war allerdings hier nicht eine Rückbindung an Gott oder an das Nirwana wie bei den richtigen Religionen, sondern an einen Diktator. "Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen!" - diese biblische Maxime war hier ad absurdum geführt. Ebenso die Gottesliebe und die Nächstenliebe, wesentliche Elemente jüdischer und christlicher Religion.

Ambivalenz der christlichen Haltung zu den Juden

Der christliche Antijudaismus, der damals nicht aufgearbeitet worden war, oft noch am Werke war, hat dem Antisemitismus und dem Nationalsozialismus den Boden bereitet. Schon Martin Luther wünschte, dass die Synagogen brennen, auf dass kein Schlack übrig bliebe. Auf der anderen Seite begründeten manche mutige Einzelpersonen ihren Widerstand auf ihrem Glauben: "Liebe Deinen Nächsten, denn er ist wie Du!".




     
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