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Hinduismus



Hinduismus bezeichnet eine Gruppe von Religionen, die ihren Ursprung auf dem indischen Subkontinent haben. Angehörige dieser Religionen werden meist Hindu genannt.

"Hindu" bezeichnete ursprünglich den Fluss Indus, dann auch die umliegenden Regionen und ihre Bewohner: "Hindu" bedeutete früher einfach nur "Inder". Bereits der persische König Kyros (6. Jahrhundert v. Chr) und später Alexander der Große (ca. 300 v. Chr) haben die dort ansässige Bevölkerung nach dem Indus benannt. Das änderte sich mit der islamischen Eroberung Indiens zu Beginn des 8. Jahrhunderts. Die Muslime, die in Indien sesshaft wurden, bezeichneten sich selbst nicht als Hindus, also als Inder, sondern benutzten dieses Wort nur für die nicht-muslimischen Einwohner des Landes. Zum Islam bekehrte Inder nannte man "Hindustani". So bekam der ursprünglich rein geographische Begriff eine religiöse Bedeutung, jedoch lediglich eine negative: Hindu war man nicht, weil man etwas Bestimmtes glaubte oder tat, sondern wenn man nicht dem Islam angehörte.

Nach islamischem Recht müssen Nicht-Muslime eine Kopfsteuer zahlen; "Hindu" wurde somit auch zur Bezeichnung einer Steuerklasse. Das System überlebte die Jahrhunderte und wurde schließlich von den britischen Kolonialherren übernommen. Dabei herrschte das Missverständnis, "Hindu" sei der Name für Angehörige eines bestimmten Glaubens. Diese (vermeintliche) Religion, von den Briten seit etwa 1830 "Hinduismus" genannt, erschien den Kolonialherren verständlicherweise sehr wirr, unübersichtlich, sogar widersprüchlich. In der Religionswissenschaft bemüht man sich heute, genauer zwischen den einzelnen Hindu-Religionen zu unterscheiden, verwendet aber weiterhin den Sammelbegriff "Hinduismus", der sich im allgemeinen Sprachgebrauch eingebürgert hat.

In Indien gehören etwa 83 Prozent der Bevölkerung zum hinduistischen Glauben. Seit der britischen Herrschaft in Indien ist hinduistisches Gedankengut in Europa und Nordamerika bekannt geworden, und Migration hat zum Aufbau hinduistischer Tempel und Gemeinden in vielen Ländern geführt. Weltweit gibt es etwa 811 Millionen Anhänger.

Der Hinduismus kennt keine Gründerfigur (wie etwa Jesus im Christentum oder Buddha im Buddhismus). Es gibt auch keine wohldefinierte Schriftensammlung, die alleingültig ist oder als vollständig gilt. Dennoch gelten die Veden und die Bhagavad Gita als die grundlegenden Schriften des Hinduismus sowie hauptsächlich der Vedanta und die Upanischaden (Geheimlehren).

Gleichzeitig gibt es viele einander teilweise widersprechende Richtungen im Hinduismus, die aufgrund ihrer unterschiedlichen zugrundeliegenden Schriften, Traditionen und Gottesvorstellungen als eigenständige Religionen angesehen werden. Brahma, Vishnu, Shiva und Shakti sind jedoch in den meisten Richtungen verehrte Hauptgottheiten. Götter, Menschen und Tiere durchwandern nach hinduistischer Glaubensvorstellung in einem durch ewige Wiederkehr gekennzeichneten Kreislauf die Yuga genannten Weltzeitalter. Während des Lebens wird je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung von Handlungen beeinflusst nach hinduistischer Vorstellung zukünftige Reinkarnationen (Samsara) und die Erlösung (Nirvana), das Aufgehen der Einzelseele (Atman) in das "kosmische Bewusstsein" (Brahman). Die persönliche Erleuchtung ist der Endpunkt der Entwicklung des Geistes und je nach Realisation des Suchers kann diese durch viele Methoden (z.B. Yoga) erreicht werden. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hat für indische Hindus trotz Streichung des Kastensystems aus der Verfassung weiterhin große soziale Relevanz.

Indische Glaubensrichtungen wie Sikhismus oder Jainismus, die im letzteren Sprachgebrauch manchmal unter Hinduismus gefasst werden, sind ebenfalls im Westen bekannt.

Die Sikhs gehen auf den großen indischen Guru Nanak zurück. (1469 - 1539) Seine Erleuchtung erlangte Guru Nanak 1496.

Seine Anhänger sind heute meist durch den Turban und oft auch durch ein "Singh" im Namen erkennbar. Die Sikhs gelten als sehr wehrhaft und haben nach einem hinterhältigen Mordanschlag im 16. Jahrhundert, bei dem sie ihre geistigen Führer (Gurus) verloren haben, daraufhin zur Selbstverteidigung das Schwert getragen. Dadurch wurden sie zu Kriegern und dienen heute auch den indischen Politikern als Bodyguards.

Die Jains wiederum haben durch ihre vollkommene Gewaltlosigkeit Bekanntheit im Westen erlangt. Um kein Tier zu töten (zu zertreten) kehren sie die Straße, bevor sie einen Schritt gehen und tragen auch einen Mundschutz um keine Mücke einzuatmen. So versuchen sie auch den Tierseelen nicht zu schaden und dadurch gutes Karma zu schaffen.

Wieweit die "geheimen Lehren" der Hinduschriften, die Upanischaden, die westliche Philosophie beeinflussten, kann heute nur erahnt werden. Sicher ist, dass Arthur Schopenhauer sich immer darauf bezogen hat. Der Solipsismus von Johann Gottlieb Fichte ist auch ein Ausdruck davon und viele Hegelsche Ansätze.

Im Gegensatz zu den anderen großen Religionen, bei denen ein Mittler zwischen Gläubigen und göttlicher Kraft fungiert, wie zum Beispiel der Rabbi im Judentum oder der Priester im Christentum, ist dieses Konzept im Hinduismus nicht vorgesehen. Jedem Hindu ist im Rahmen komplexer Verhaltenskodi und gesellschaftlicher Differenzierungen (Kaste) der direkte Umgang mit seinem Gott möglich.

Gleichwohl ist das Konzept des Guru weit verbreitet. Jeder Guru bringt seine Realisation ein und hat Schüler, die ihm folgen. So haben viele spirituelle Lehrer (Gurus) in ihren Schriften ihre persönliche Lehre hinterlassen. Das führte bei vielen Menschen im Westen zu einer Missinterpretation der hinduistischen Religion.

Den weitreichenden Ansatz des Hinduismus kann man ebenfalls gut kennenlernen, wenn man das Leben ihrer Heiligen (Erleuchteten) studiert.

Ein Beispiel dafür ist Ramakrishna, ein großer Heiliger im 19. Jahrhundert. Sein Meisterschüler Swami Vivekananda brachte die Yogalehre des Vedanta und seine Auslegung dieser Schriften Ende des 19. Jahrhundert nach Europa und Amerika.

Seine Schriften für den Westen waren insbesondere:

Swami Vivekanada war der Wegbereiter von Paramahansa Yogananda, der 1920 in die USA kam und mit seiner "Autobiographie eines Yogi" nach mehr als 30 Jahren im Westen (Los Angeles) etwa 100.000 Schüler des Kriya-Yoga (ein spezieller Kundalini-Yoga seines Meisters Shri Yukteswar) in den USA und Europa hinterließ.

In den 1930er und 1940er Jahren zog Shri Ramana Maharishi (* 30. Dezember 1879 - † 14. April 1950), der große Weise vom Berg Arunachala (Morgenrot), in Südindien viele Suchende aus Ost und West an. Er ist für seine Anhänger auch heute noch der Beweis für die Realisation des "Ich bin". Prof. Heinrich Zimmer, Schwiegersohn von Hugo von Hofmannsthal, widmete dieser Suche ein Buch. Paul Brunton machte Shri Ramana Maharishi in Amerika bekannt und viele Schüler aus dem Westen reisten nach Indien. Auch heute ist Shri Ramana der Inbegriff für die Realisation im Jnana Yoga. (Was ist das in mir, das "Ich" sagt? Durch die langjährige innere Frage nach dem Ich löst sich dieses auf, und die wahre göttliche Natur des Menschen offenbart sich.)

Weitere Gurus folgten, so machte George Harrison von den Beatles seinen Guru Maharishi Mahesh Yogi, den Begründer der Transzendentalen Meditation (TM), im Westen bekannt.

Weiter ist Sathya Sai Baba im Westen bekannt. Sai Baba lebt mit seinen Schülern in Indien in seinem ashram Prashanti Nilayam, bzw. Whitefield bei Bangalore; er hat neben seinen angeblich 12 Millionen indischen Anhängern auch viele devotees aus dem Westen. Er lehrt einen Yoga des Herzens (Bhakti Yoga), aber er ist auch fest in der indischen Tradition verhaftet. Bekannt wurde er auch durch physische Manifestationen, deren Wahrheitsgehalt umstritten ist.

Für Schlagzeilen sorgte ein Tantra-Guru Bhagawan, später Osho in den 1980er Jahren in der Weltpresse. Seine Anhänger, die sich Sanyasins nannten, und zuerst in orangefarbener, später in roter/rosafarbener Robe gekleidet sind, haben besonders in Deutschland (etwa 50.000 Sanyasins) aber auch in vielen weiteren europäischen Ländern und in den USA die (esoterische) Seminarlandschaft in vielen Bereichen bis heute geprägt. Von seinen Anhängern werden zahlreiche Presseberichte, die Geschenke an den Guru - unter anderem zahlreiche Rolls Royce in verschiedenen Pastellfarben - als Sensation des religiösen Wahnsinns aufzuzeigen, zurückgewiesen.

Anmerkung:

In diesem Artikel ist die Schreibweise von Worten, die aus dem Sanskrit oder seinen modernen Formen Hindi und Bengali, sowie aus dem Drawidischen oder Tamil stammen, nicht notwendigerweise in Einklang mit etablierten Normen.

Siehe auch: Geschichte des Hinduismus, Religion

Rolle der Frau

Mutterschaft: Die Hauptaufgabe der Frau im Hinduismus ist die Mutterschaft. Frauen sollten möglichst viele Söhne bekommen und Töchter haben einen geringeren Wert, da bei der Hochzeit die Mädchen die Mitgift mitbringen müssen und die Familie durch zu viele Töchter auch verarmen kann. Diese Geringschätzung von Mädchen führt oft zur Abtreibung, denn oft treiben schwangere Frauen, die wissen, dass sie ein Mädchen bekommen, ab Diese hohe Abtreibungsrate ist ein Problem für das bisher aber noch keine Lösung gefunden worden ist.

Witwen: Die Aufgabe der Frau ist es auch nach dem Tod ihres Mannes ihm treu zu bleiben und ihn zu ehren. Manchmal kommt es sogar so weit, dass die Frau sich bei der Verbrennung ihres Mannes lebendig verbrennen lässt. Diese so genannte Witwenverbrennung gibt es teilweise auch heute noch und macht uns noch einmal deutlich wie festgefahren die Rolle der Frau im Hinduismus ist.

Religion: Die Frauen sind oft genau so religiös eventuell sogar religiöser als die Männer, alle wichtigen Ämter wie z.B. Priester werden jedoch von Männern ausgeübt. Es gibt auch sehr viel mehr männliche Jogis als weibliche.

Familie: In der Familie hat ganz klar der Vater das Sagen und Mutter und Töchter haben ihm zu dienen. Er trifft alle wichtigen Entscheidungen wie z.B. Geldangelegenheiten, Hochzeit usw. Hochzeit: Die Hochzeit ist von den Eltern arrangiert und eine eher wirtschaftliche Angelegenheit. Eine Liebeshochzeit gibt es nur in sehr wenigen Fällen. Ein wichtiger Punkt, um den es auch oft Streitigkeiten zwischen den Familien gibt, ist die Mitgift. Die Familie der Braut muss der anderen Familie eine Mitgift zahlen, diese nimmt die Tochter anschließen dafür in die Familie auf. Bis zur Geburt ihres ersten Sohnes hat die Braut ein schweres Leben, denn sie ist in jeglichen Beziehungen der Familie ihres Mannes untergeordnet und muss hart arbeiten und der Familie dienen. Zu ihren alten Freunden hat sie kaum noch Kontakt und sie beginnt praktisch ein vollkommen neues und nach ihrem Ehemann gerichtetes Leben. Diese Unterordnung ging in manchen Fällen sogar bis zur Verachtung, denn es manchmal wurden bzw. werden gerade verheiratete Mädchen von der Familie ihres Ehemannes verbrannt auf Grund von nichtgezahlter Mitgift. Das kommt nicht mehr so häufig vor, doch existieren diese geplanten Unfälle auch heute noch.

Literatur

Weblinks

siehe auch: Christentum, Islam, Judentum, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus

 




     
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