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Reichskristallnacht - Novemberpogrome 1938



Als Reichskristallnacht (in den letzten Jahren wird in Deutschland zunehmend der Begriff Reichspogromnacht verwendet) wird die Nacht der nationalsozialistischen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung vom 9 auf den 10. November 1938 bezeichnet. Bereits ab dem 7. November hatten im Reichsgebiet jedoch Übergriffe gegen Juden und jüdische Einrichtungen stattgefunden.

Der Ursprung der (bis in die 1980er Jahre sowohl umgangssprachlichen als auch lexikalischen) Bezeichnung "Kristallnacht" ist nicht geklärt, vermutlich war dies eine 'volkstümliche' Anspielung auf die zertrümmerten Fensterscheiben; eine NS-'Sprachregelung' war es jedenfalls nicht. Historiker benutzen heute überwiegend die Bezeichnung Novemberpogrome bzw. Novemberpogrome 1938, da damit die Gesamtzusammenhänge zwischen dem 7. November und den folgenden Tagen treffender beschrieben werden. Siehe dazu auch den Abschnitt "Die Benennung der Novemberpogrome von 1938".

Table of contents
1 Vorgeschichte und vorgeblicher Anlass
2 7. November bis 9. November 1938
3 Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938
4 10. November 1938
5 Von den Novemberpogromen zum Holocaust
6 Heutige Nachbetrachtung: Die Benennung der Novemberpogrome von 1938
7 Literatur
8 Weblinks

Vorgeschichte und vorgeblicher Anlass

Am 7. November 1938 wurde in der deutschen Botschaft in Paris der deutsche Diplomat und NSDAP-Mitglied, Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath durch den siebzehnjährigen Juden Herschel Grynszpan angeschossen und schwer verletzt. Als Motiv von Grynszpan gilt das Leiden seiner Eltern bei deren gewaltsamer Abschiebung von Deutschland nach Polen im Oktober 1938. Bis heute nicht restlos geklärt ist die Frage, ob vom Rath nur ein zufälliges Opfer darstellte oder dem Täter schon früher bekannt war. Zwei Tage später, am 9. November 1938, starb der zwischenzeitlich von Adolf Hitler zum Gesandtschaftsrat I. Klasse beförderte Eduard vom Rath an seinen Verletzungen.

7. November bis 9. November 1938

Die Übergriffe gegen Juden, ihre Wohnungen und Synagogen als "Reaktion" auf das Attentat in Paris begannen keineswegs erst am 9. November 1938. Schon ab dem 7. November kam es zu Pogromen an mehreren Orten in den Gauen Kurhessen und Magdeburg-Anhalt. Täter waren Angehörige von SA und SS, die jedoch in Zivil auftraten. Dass all diese Aktionen zumindest auf Gau-Ebene zentral gelenkt waren, kann als sicher gelten. Als treibende Kraft in Kurhessen wird der Kasseler Gaupropagandaleiter Gernand genannt (1). Inwieweit das Propagandaministerium in Berlin eingeschaltet war, ist unklar, jedoch besteht die Vermutung, dass die Pogrome von dort über die zuständigen Gaupropagandaämter organisiert wurden.

Am Abend des 7. November wurden die Synagoge und andere jüdische Einrichtungen in Kassel verwüstet. Noch in der gleichen Nacht kam es in der Umgebung, in Zierenberg, Bebra und Sontra, zu weiteren Zerstörungen von Gebäuden.

Am Abend des 8. November brannte in Bad Hersfeld die erste jüdische Synagoge. Im Landkreis Fulda und im Landkreis Melsungen wurden Synagogen und Wohngebäude verwüstet. Im Laufe des Abends und der Nacht kam es zu zahlreichen Misshandlungen von Juden. In Felsberg gab es das erste Todesopfer der Pogrome in Kurhessen.

Am Nachmittag des 9. November begannen ab 15 Uhr Pogrome in Dessau, die Synagoge und das jüdische Gemeindehaus wurden angezündet. Ab 19 Uhr begannen die Ausschreitungen in Chemnitz.

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938

Am 9. November kam es zum jährlichen Treffen Hitlers und anderer hoher NSDAP-Funktionäre mit alten Kämpfern in München. Anlass war der Jahrestag des gescheiterten Hitler-Putsches am 9. November 1923.

Gegen 22 Uhr hielt Propagandaminister Joseph Goebbels eine Hetzrede, in der er "die Juden" am Tod vom Raths verantwortlich machte. Goebbels verwies auf die bereits stattgefundenen Pogrome in Kurhessen und Magdeburg-Anhalt und machte die Bemerkung, dass die Partei antijüdische Aktionen zwar nicht organisieren, aber dort, wo sie entstünden, auch nicht behindern werde. Die anwesenden Gauleiter und SA-Führer verstanden dies als Aufforderung zu Aktionen. Nach Goebbels' Rede telefonierten sie mit ihren örtlichen Dienststellen. Die wiederum gaben entsprechende Befehle an die Mannschaften weiter. Daraufhin setzten sich in Zivil gekleidete Mitglieder der SA in Marsch.

Im Rahmen der jetzt reichsweiten Pogrome in Deutschland und Österreich wurden mehrere hundert Synagogen verwüstet und teilweise in Brand gesteckt. Tausende jüdische Wohnungen und Geschäfte wurden zerstört und zum Teil geplündert. Juden wurden misshandelt, es kam zu Vergewaltigungen. Im Verlauf der Pogrome wurden mindestens 91 Menschen getötet.

10. November 1938

Die Pogrome dauerten weit in den 10. November hinein, speziell in den ländlichen Gebieten bis in den Nachmittag. Ab dem 10. November und in den Tagen darauf wurden insgesamt über 30.000 männliche Juden von der Gestapo und der SS inhaftiert und in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Die meisten kamen erst frei, nachdem sie sich zur "Auswanderung" bereit erklärt hatten. Mehrere Hundert starben in der Lagerhaft.

Von den Novemberpogromen zum Holocaust

Die Novemberpogrome 1938 waren keineswegs der Beginn der Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Bereits kurz nach der Machtergreifung erfolgte im April 1933 der Aufruf zum Judenboykott. 1935 folgten die Nürnberger Rassengesetze. Auf die eher "improvisierten" Judenpogrome um den 9. November 1938 folgten weitere, koordinierte Aktionen der Regierung mit dem Ziel, Deutschland "judenfrei" zu machen.

Die Ergebnisse der Pogrome

Unter den führenden NS-Funktionären galten die Pogrome bereits unmittelbar nach dem 9. November als Fehlschlag:
Die Gewaltexzesse der Sturmabteilungen gingen selbst einigen Parteifunktionären zu weit. Auch zahlreiche Plünderungen zum eigenen Vorteil der "Parteigenossen" stellte die
NSDAP vor Probleme. Innerparteilich besonders stark kritisiert wurde auch die "Volkswirtschaftlich unsinnige Zerstörung von Sachwerten".
Das Echo im Ausland auf die Ereignisse war verheerend, so zogen die USA ihren Botschafter "zur Berichterstattung" ab.
Aus dem Volk hatte es keine bis wenig spontane Beteiligung an den Pogromen gegeben - von Gaffern und vereinzelten Plünderern abgesehen. Die von der NS-Propaganda über die staatlich gelenkten Medien verbreitete Version von der "spontanen Volkserhebung gegen die Juden" wurde in der Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt ernst genommen. Proteste gegen die Pogrome waren unter den Bedingungen der Diktatur seltene Ausnahmefälle. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der öffentlich gezeigte Terror vom überwiegenden Teil der nichtjüdischen Bevölkerung nicht mitgetragen wurde und zumindest diejenigen, die die NSDAP bisher schon abgelehnt hatten, in ihrer Meinung noch bestärkte.

Die innerparteiliche Bewertung der Pogrome als Fehlschlag und wenig hilfreich - beim nach wie vor unumstrittenen Ziel - Deutschland "judenfrei" zu bekommen ist in zweierlei Hinsicht wichtig:

Es wird verständlich, warum sich viele beteiligte hohe Funktionäre unmittelbar nach dem 9. November von der Planung und Durchführung der Aktionen "distanzierten" und dem Reichspropagandaminister Joseph Goebbels die Rolle des alleinigen "Sündenbocks" zufiel, eine Sichtweise die sich nach 1945 nahtlos fortsetzte.
Neuere Forschungen zweifeln die These vom alleinverantwortliche Goebbels jedoch an (1). Bis heute ist unklar, inwieweit Hitler selbst im Vorfeld an der Planung der Pogrome beteiligt war. Als wahrscheinlich kann gelten, dass Hitler und andere hohe Funktionäre wie Hermann Göring und Heinrich Himmler wohl ab dem 7. November von den zum 9. November geplanten Aktionen wussten, möglicherweise auch an deren Planung aktiv beteiligt waren. Mit Himmler dürfte auch die SS stärker an der Vorbereitung und Durchführung der Pogrome beteiligt gewesen sein, als das kurz nach 1945 von Historikern angenommen wurde.

Die NS-Einschätzug des 9. November 1938 als Fehlschlag dürfte auch der Grund sein, warum die "Kristallnacht" ein einmaliges Ereignis blieb und nicht zum Beispiel am 9. November 1939 erneut organisiert wurde. Stattdessen wählte die NS-Führung einen anderen Weg: Öffentlich sichtbare Diskriminierung und Drangsalierung der deutschen Juden mit staatlichen Gesetzen und Verordnungen - Misshandlung und Mord zukünftig nur noch abgeschirmt in Lagern.

Die Konferenz vom 12. November 1938 und die Folgen

Am 12. November 1938 fand im Reichsluftfahrtministerium unter Vorsitz von Hermann Göring eine Konferenz mit über 100 Teilnehmern statt, in der das weitere staatliche Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung koordiniert wurde. Die Folge waren viele Maßnahmen, die eine konsequente Entfernung aller Juden aus dem deutschen Wirtschafts- und Kulturleben zur Folge hatten. Jüdische Unternehmen wurden geschlossen. Juden wurden enteignet beziehungsweise zum Verkauf ihres Eigentums gezwungen. Der Besuch von öffentlichen Veranstaltungen war ihnen verboten, vom Besuch von Schulen und Hochschulen waren sie ausgeschlossen. So blieb ihnen nichts weiter übrig, als ein eigenes jüdisches Schulwesen und eine jüdische Fürsorgeorganisation zu gründen. Zudem gab es Beschränkungen des Wohnrechts, in der öffentlichen Fürsorge, Entzug der Verfügungsrechte über Vermögenswerte und weitreichende Berufsverbote, alles mit dem Ziel, Juden jegliche Existenzgrundlage in Deutschland zu nehmen und sie zur Auswanderung zu bewegen.
Bereits am 26. August 1938 war in Wien die "Jüdische Zentralstelle für Auswanderung" unter Adolf Eichmann eingerichtet worden. Am 24. Januar 1939 wurde die "Reichszentrale für jüdische Auswanderung" unter Leitung von Reinhard Heydrich gegründet.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegeses steigerten sich die Repressionen zunehmend: Abgabe des Führerscheins und der Autos; Zwangsumsiedlung in "Judenhäuser"; eingeschränkte Einkaufszeiten; zeitliche Ausgehbeschränkungen; Einziehung von Fahrrädern, Elektrogeräten und Wollkleidung; Verbot der Benutzung von Straßenbahnen und Omnibussen; Verbot des Betretens von Krankenhäusern; Verbot von Telefonen und Fernsprechern; Verbot des Kaufes von Zeitungen, Büchern, Blumen und bestimmten Lebensmitteln; niedrige Lebensmittelzuteilungen u.s.w.
Als Brandmarkung in der Öffentlichkeit diente ab dem 1. September 1941 der "Judenstern". 1942 wurde den jüdischen Kindern auch der Besuch der verbliebenen eigenen Schulen verboten, auch der Privatunterricht wurde untersagt. Später wurde den Juden auch der Mieterschutz versagt und sie wurden unter Polizeirecht gestellt.
Die Zwangsmaßnahmen mündeten über die systematische Ghettoisierung und Deportierung der europäischen Juden schließlich im Holocaust.

Heutige Nachbetrachtung: Die Benennung der Novemberpogrome von 1938

Nach 1945 setzte sich in Westdeutschland für die Novemberpogrome 1938 der Begriff "Kristallnacht" bzw. "Reichskristallnacht" durch. Bis in die späten achtziger Jahre war der Name weitgehend unumstritten; in anderen Ländern ist er das heute noch (siehe Einträge in anderen Wikipedias). Unter Historikern wird diese Benennung auch heute noch verwendet. In Politik und Medien findet sich dagegen seit einigen Jahren zunehmend die Bezeichnung "Reichspogromnacht". Für beide Begriffe gibt es Argumente, ob jemand von "Reichskristallnacht" oder "Reichspogromnacht" spricht, deutet zunächst nicht auf eine politische Überzeugung oder Bewertung hin.

Die letztendliche Herkunft des Begriffs "Kristallnacht" bzw. "Reichskristallnacht" ist ungeklärt, als wahrscheinlich gilt eine Berliner Wortschöpfung aus dem Volk, angesichts der mit den Glasscherben der Pogromnacht bedeckten Straßen. Entgegen weitverbreiteter Vorurteile war das Wort definitiv keine NS-Wortschöpfung, es wird vereinzelt sogar als bewusste Absetzung von der offiziellen Sprachregelung interpretiert. Darauf deutet auch das vorangestellte Reichs- hin, mit dem im Volksmund der übertrieben häufige Gebrauch dieses Präfixes durch das NS-Regime ironisch karikiert wurde, indem man es auch auf unpassende Begriffe ausdehnte (vgl. die als Reichswasserleiche bezeichnete Schauspielerin Kristina Söderbaum).

Die NS-Dienststellen und von ihnen gelenkten Medien benutzten propagandistisch gefärbte Ausdrücke wie Judenaktion, Novemberaktion, Vergeltungsaktion, Sonderaktion und (Protest-)Kundgebungen.
In den Konzentrationslagern, in die die verhafteten Juden verschleppt wurden, sprach man unter Aufnahme des vorausgehenden Attentats von der Rathaktion, und aufgrund der exzessiven Gewalt gegen die eingelieferten Juden von einer Mordwoche.
Sowohl die Deutschland-Berichte der Exil-SPD als auch das KPD-Blatt Die Rote Fahne verwendeten den historisch bekannten, unmissverständlichen Begriff Judenpogrome.
In Tagebüchern ist unmittelbar nach dem Angriff auf die Juden von Grünspan-Affäre (Victor Klemperer) oder von Bartholomäusnacht (Walter Tausk) die Rede.
Viele Augenzeugen der Pogrome erinnerten sich aber auch an andere damals umlaufende Begriffe, etwa Glasnacht, Gläserner Donnerstag, Nacht der langen Messer, Zehnter November.
In Texten der ersten Nachkriegsjahre finden sich Ausdrücke wie Tag der (deutschen) Scherbe, Reichsscherbenwoche, (Reichs-)Kristallwoche, Judennacht, Pogromnacht, Novemberpogrom, Synagogensturm, Synagogenbrand, Reichstrümmertag, Reichskristalltag, Verfolgungswoche, Novembernacht, Synagogenstürmernacht.
In der DDR Sprachregelung hießen die Ereignisse faschistische Pogromnacht.

Argumente gegen den Begriff "Reichskristallnacht"

Der Begriff gilt als Euphemismus, da er nur die Sachbeschädigungen (Glasscherben) anspricht und die Misshandlungen und Ermordungen der Pogromopfer ausklammert. Dieser Vorwurf entstand keineswegs erst in den letzten Jahren: Schon am zehnten Jahrestag 1948 kritisierte die "Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen" (eine Verfolgtenorganisation): Ehe es soweit ist, dass sich dieses falsche Wort im allgemeinen Sprachgebrauch so eingebürgert hat, dass es nicht mehr wegzubringen ist, möchten wir darauf hinweisen, welche Entstellung mit der Benutzung dieses Wortes verbunden ist. Das Wort ›Kristallnacht‹ ist nicht von den früher Verfolgten erdacht und in den Sprachgebrauch gebracht worden.

Argumente gegen den Begriff "Reichspogromnacht"

Auch diese Wortschöpfung könnte als Euphemismus verstanden werden, da sie, sicher meist ungewollt, weiterhin einen Teil der NS-Propaganda transportiert, es habe sich um die angeblich spontanen Ereignisse nur einer Nacht gehandelt. Historisch gesehen aber ist es unhaltbar, die Novemberpogrome auf die Nacht vom 9. auf den 10. November zu reduzieren, so forderte unter anderem die Verhaftungswelle ab dem 10. November mehr Todesopfer als die eigentliche Pogromnacht.

Eine Umbenennung der Ereignisse allein bedeutet noch keine Aufarbeitung der Novemberpogrome oder Vergangenheitsbewältigung, könnte sie jedoch vortäuschen.

Der neue Begriff verdeckt die Einmaligkeit der Reichskristallnacht als ein so nie vorher dagewesenes Ereignis. Wird diesem Ereignis der Eigenname genommen und ihm eine Kategoriebezeichnung wie Reichspogromnacht gegeben, so könnte daraus folgen, dass dessen Singularität geleugnet würde - im Reich gab es seit den Kreuzzügen viele Pogrome, aber keiner davon war die Reichskristallnacht.

Die Umbenennung - die nur im deutschen Sprachraum stattfand - kann die Wissensfindung über die in vielerlei in- und ausländischer Literatur auch heute noch so benannte Reichskristallnacht erschweren.

Zitat zum Begriff "Reichskristallnacht"

Im Schlusswort eines Aufsatzes aus dem November 2002 (vollständiger Artikel siehe Weblinks) macht der Politologe Harald Schmid darauf aufmerksam, dass die dem Begriff "Reichskristallnacht" scheinbar oder tatsächlich innewohnende Verharmlosung auch als konstruktives Element zum Aufrechterhalten einer Debatte zu diesem Thema verstanden werden kann.
..Gewiss, in politischer Hinsicht bleibt "Reichskristallnacht" dubios: Versteht man den Begriff als Bestandteil des "Wörterbuchs des Unmenschen", so verbietet sich eine distanzlose Übernahme ohnehin; nimmt man ihn als historischen Ausdruck, der er ja tatsächlich ist, so ist er zwar wissenschaftlich unverzichtbar, doch stellt sich das Problem, dass er jedenfalls für Nachlebende das Ereignis selbst eher verdeckt. Doch das Wort bleibt auch ein nützlicher sprachlicher Stolperstein. Denn die scheinbar bloß etymologische und semantische Kontroverse führt geradewegs zum Gespräch über die ganze NS-Vergangenheit, den kritischen Umgang mit ihr und das Bemühen um moralische Genauigkeit - auch in der heutigen Benennung politischer Verbrechen. So wird uns dieser Sprachstreit im "Novemberland" (Günter Grass) weiter begleiten.

Literatur

Weblinks

 




     
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