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Neozoen



Als Neozoen (Einzahl: Neozoon, Mehrzahl: Neozoa, eingedeutscht Neozoen, aus dem Griechischen mit der Bedeutung "Neutier"), auch: Allochton (griech für: "Ausländisch"), bezeichnet man Tierarten, die vom Menschen in andere Gebiete verbracht worden sind und sich dort fest etabliert haben. Bei eingeschleppten Pflanzen spricht man entsprechend von Neophyten, bei Organismen allgemein von Neobiota. Drei Kriterien müssen erfüllt sein, um von einer Neozoe zu sprechen: (1) direkte oder indirekte Einführung durch Menschen; (2) nach 1492 und (3) sich selbst reproduzierende Populationen die ohne menschliche Hilfe auskommen. Das Jahr der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, 1492, symbolisiert den Beginn des Zeitalters der Kolonialisierung und damit der intensiven Vernetzung der Länder der Welt. Damit waren dem ungehinderten Austausch von Tier- und Pflanzenarten zwischen den Kontinenten Tür und Tor geöffnet. Der Handhabarkeit halber werden hier 3 Generationen oder 25 Jahre als Hilfskriterium verwendet. Tierarten die vor 1492 eingeführt wurden, die sogenannten Archäozoen (z.B. die Hausmaus und das Heimchen), werden gesondert betrachtet. Die Wissenschaft die sich mit Neozoa beschäftigt heißt Invasionsbiologie.

Als Daumenregel gilt die 'Zehnerregel'. Von 100 eingeschleppen Arten schaffen 10 Arten die Etablierung, von diesen besitzt 1 Art ein Gefährdungspotential.

Allein in Deutschland sind mittlerweile fast 700 Neozoen aus den unterschiedlichsten Tiergruppen heimisch geworden. Hierbei sind die marinen Neuansiedler noch nicht berücksichtigt.

Table of contents
1 Einfluss auf die Natur
2 Beispiele
3 Unterschiedliche Sichtweisen
4 Synonyme
5 Links

Einfluss auf die Natur

Vorallen auf isolierten Inseln, in Neuseeland und Australien und in geringerem Maße auf dem gesamten amerikanischen Doppelkontinent haben Neozoen zu einer nicht reversiblen Umgestaltung der Natur geführt, wobei sie zum Teil erheblichen Anteil am Aussterben der einheimischen Tierarten hatten. In Europa, Asien und Afrika kam es dagegen nur selten zu dramatischen Veränderungen.

Bei der Identifizierung von Neozoen als Ursache für Schäden an heimischer Flora und Fauna ist zu beachten, das dass Einschleppen bzw. Einführen von Neozoen oft mit umfangreichen Habitatveränderungen einhergeht und die Sicht auf die Schäden oft wirtschaftlichen Erwägungen folgt. In Australien werden zwar zahlreiche Neozoen verfolgt aber wichtige Nutztiere wie Schafe, deren Produktion umfangreiche Eingriffe in die Natur erfordert (z.B. Anlage von Wasserstellen) bzw. hervorrufen fallen nicht darunter.

Beispiele

Beispiele aus aller Welt

Beispiele aus Deutschland

Hier eine Auswahl von weiteren in Deutschland vorkommenden Neozoen, die oben noch nicht aufgeführt wurden:

Die oben aufgeführten Arten sind nicht exklusiv in Deutschland, sondern größtenteils auch in anderen eurasischen Ländern vertreten.

Unterschiedliche Sichtweisen

Da viele der besonders betroffenen Gebiete heute englischsprachig sind, ist die negative Einstellung gegenüber Neozoen im englischen Sprachraum besonders ausgeprägt, was sich in Bezeichnungen wie "animal pests" und "invader species" ausdrückt. In Kontinentaleuropa sieht man das Phänomen meist wesentlich gelassener, einige Experten sehen in der Neuansiedlung von Neozoen sogar eine positive Bereicherung der Fauna.

Synonyme

Allochthone bzw. nicht autochthone Arten, Exoten, Eingeschleppte, Eindringlinge, Einwanderer und Fremdlinge, weiterhin aus dem Englischen intruder, invader und Invasoren.

Manche dieser Begriffe werden wegen ihres aggressiv-abwehrenden Beiklangs nicht mehr verwendet.

Links

Siehe auch: Lesseps'sche Migration. Ähnlich wie die Lesseps'sche Migration sorgt auch der Rhein-Main-Donaukanal für einen erheblichen Faunenaustausch.




     
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