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Angkor



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Angkor bezeichnet eine Region nahe der Stadt Siem Reap in Kambodscha die vom 9 bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja bildete.

Weltbekannt wurde Angkor durch die noch heute sichtbaren Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen - allen voran den Angkor Wat, dem größten Tempelkomplex der Welt.

Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² wurden nacheinander mehrere Haupstädte und in deren Zentrum jeweils ein großer Haupttempel errichtet. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 Tempel und Heiligtümer unterschiedlicher Größe entdeckt. In Angkor lebten am Höhepunkt des historischen Königreiches rund 1 Million Menschen, mehr als in jeder europäischen Stadt dieser Zeit.

Das Khmer-Wort Angkor (von Sanskrit: Nagara) bedeutet wörtlich Stadt. Heute bezeichnet "Angkor" vor allem das Gebiet in dem die damaligen Hauptstädte Kombujas erbaut wurden. Oft wird der Name aber auch für das gesamte historische Reich, während der Periode als der Königssitz in Angkor lag, verwendet. Die von den damaligen Bewohner verwendeten Bezeichnungen waren Kambuja für das Reich, und Yasodharapura für die Stadt - bzw. für die nacheinander in dem Gebiet erbauten Städte. Von Kambuja stammt auch der heutige Name des Landes: Kampuchea (dt. Kambodscha, en. Cambodia, fr. Cambodge).

Table of contents
1 Geschichte
2 Kultur
3 Weblinks
4 Literatur

Geschichte

Die Geschichte Angkors als dem zentralen Siedlungsgebiet des historischen Kambuja ist auch die Geschichte der Khmer vom 9 bis zum 15. Jahrhundert.

Aus Kambuja selbst - und somit auch der Region Angkor - sind außer Inschriften an Säulen keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten geblieben. So stammt das heutige Wissen über die historische Khmer-Zivilisation vor allem aus:

Prähistorische Epoche

Keramiken und Steinwerkzeuge, sowie durch Luftaufnahmen entdeckte prähistorische Siedlungen, belegen früheste menschliche Siedlungstätigkeit im Gebiet des späteren Kambuja und südlichen Vietnam bereits in der Jungsteinzeit ab etwa 5000 v. Chr.

Entwicklung vor Angkor

Funan

Während des
1. Jahrtausends v. Chr entwickelten sich aus den Siedlungen eine Reihe von frühen Staaten. Diese Reiche hatten noch keine festen Grenzen und die größeren und mächtigeren versuchten mit wechselndem Erfolg ihr Einflussgebiet auszuweiten. Im 1. Jahrhundert gewann dabei eines die Oberhand dessen Name, Funan, nur in der chinesischen Übersetzung überliefert ist. Vermutlich ist Funan die chinesische Transkription des Wortes bnam (phnom in heutigem Khmer), das Berg bedeutet. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Funan eine wichtige Station auf den Handels- und Pilgerrouten zwischen China im Norden und Indien im Westen war. In Oc Eo im heutigen Vietnam, zu Zeiten Funans ein bedeutender Hafen, wurden neben Gegenständen aus den großen asiatischen Zivilisationen der Zeit sogar solche aus dem Römischen Reich gefunden. Aus dieser Periode stammen auch frühe Einflüsse der indischen Kultur (Hinduismus und Mahâyâna-Buddhismus, Wissenschaft) auf die sich entwickelnde Zivilisation der Khmer, wobei die einheimische Bevölkerung aber auch ihre eigenen Traditionen in Architektur, Wasserregulation und Landwirtschaft beibehielt und weiter entwickelte.

Chenla

In chinesischen Chroniken wird erstmals Mitte des 1. Jahrhunderts ein weiterer Staat in der Nachbarschaft Funans erwähnt. Chenla war anfangs dem mächtigeren Funan untergeordnet, gewann aber im Jahr 550 seine Unabhängigkeit. In den darauf folgenden Jahrzehnten bis zum frühen 7. Jahrhundert übernahm Chenla die führende Rolle bis schließlich Funan in dem neuen Reich aufging. 615 wurde die neue Hauptstadt Isanapura gegründet (heute in der Provinz Kompong Thom, Kambodscha gelegen).
Bald darauf zerbrach Chenla in zwei Teile. Sie werden in chinesischen Chroniken als Chenla des Landes, dessen Zentrum sich im Gebiet der heutigen laotischen Provinz Champassak befand, und Chenla des Meeres, das im Gebiet des früheren Funan am Mekong-Delta und entlang der Küste lag, bezeichnet. Um das Jahr 715 zerfielen beide Länder in weitere kleinere Reiche.

Java

Während des 8. Jahrhunderts wurden die geschwächten kleinen Nachfolger Chenlas zunehmend von Java bedroht, einem Seereich das sich von den Inseln im Westen des heutigen Indonesien bis zur malaiischen Halbinsel erstreckte (aber nicht ident mit dem heutigen Java ist). Das javanische Reich eroberte schließlich die Küstenregionen der Folgestaaten Chenlas und deren Bewohner flohen landeinwärts nach Westen wo sie sich in der Ebene im Nordosten des Tonle Sap Sees niederließen - jenem Gebiet in dem wenig später das Reich Kambuja, mit seinem Zentrum im heute Angkor genannten Gebiet, entstand.

Angkor

Der Beginn der Ära des Khmer-Reiches von Angkor wird gewöhnlich mit dem Jahr 802 datiert. In diesem Jahr ließ König Jayavarman II sich zum Chakravartim ("Universeller Herrscher", "König der Könige") erheben.

Jayavarman II - der Gründer Angkors

Jayavarman II lebte als Prinz am Hof von Java. Ob als Gefangener oder zur Ausbildung (oder beides) ist noch nicht endgültig geklärt. Nachdem er schließlich in seine Heimat, das frühere Chenla, zurückkehrte baute er dort seinen Einfluß schnell aus, besiegte eine Reihe konkurrierender Könige und wurde 790 zum König des von den Khmer nun Kambuja genannten Landes. In den folgenden Jahren erweiterte er seinen Machtbereich und errichtete schließlich seine neue Hauptstadt Hariharalaya nahe dem heutigen Roluos. Damit legte er den Grundstein für Angkor, das etwa 15 km nordwestlich entstehen sollte. 802 erklärte er sich mit der Durchführung eines aus der indisch-hinduistischen Tradition übernommenen Rituals zum Chakravartim (mehr zu diesem Ritual weiter unten, siehe: Deva-raja). Damit wurde er nicht nur zum göttlich gesegneten und somit unangefochtenen Herrscher, sondern erklärte gleichzeitig auch die Unabhängigkeit seines Königreichs von Java.

In der Folge festigte Jayavarman II sein Reich, eroberte weite Gebiete des Umlandes und ließ unter anderem den Shiva geweihten Tempel am Phnom Kulen, einem Berg etwa 40 km nordöstlich des großen Sees, errichten. Dieser ist heute insbesondere für die in einem Flußbett unter dem fließenden Wasser liegenden Felsen mit Inschriften bekannt. Jayavarman II starb im Jahr 834.

Yasodharapura - die erste Stadt in Angkor

Die auf Jayavarman II folgenden Herrscher weiteten den Machtbereich Kambujas kontinuierlich aus. Indravarman I (regierte
877 - 889) gelang es das Königreich ohne Kriege zu vergrößern und er begann, dank des durch Handel und Landwirtschaft erworbenen Reichtums, mit umfangreichen Bautätigkeiten; vor allem dem Tempel Preah Ko und Bewässerungsanlagen. Ihm folgte sein Sohn Yasovarman I (regierte 889 - ca.915) der eine neue Hauptstadt, Yasodharapura, errichten ließ - die erste Stadt in Angkor.

Der Haupttempel der Stadt wurde auf dem Phnom Bakheng erbaut, einem Hügel der sich etwa 60 m aus der Ebene in der Angkor liegt erhebt. Unter Yasovarman I wurde auch der östliche Baray (Yasodharatataka) angelegt, ein gewaltiges Wasserreservoir von 7,5 km Länge und 1,8 km Breite.

Anfang des 10. Jahrhunderts kam es zur Teilung des Königreichs. Jayavarman IV errichtet eine zweite Hauptstadt in Koh Ker, etwa 40 km nordöstlich von Angkor. Erst Rajendravarman II (regierte 944 - 968) brachte den Königshof zurück nach Yasodharapura. Er nahm die umfangreichen Bauvorhaben früherer Könige wieder auf und ließ eine Reihe von Tempel im Gebiet von Angkor errichten; nicht zuletzt den östlichen Mebon auf einer Insel in der Mitte des östlichen Baray und mehrere buddhistische Tempel und Klöster. 950 kam es zu einer ersten kriegerischen Auseinandersetzung Kambujas mit dem Reich der Cham im Osten (im heutigen zentralen Vietnam).

Von 968 bis 1001 regierte der Sohn von Rajendravarman II, Jayavarman V. Seine Regentschaft war, nachdem er sich gegen die anderen Prinzen als neuer König durchgesetzt hatte, eine weitgehend friedliche Periode, geprägt von Wohlstand, und eine kulturelle Blütezeit. Er ließ in der unmittelbaren Nachbarschaft Yasodharapuras eine neue Hauptstadt errichten, Jayendanagari. Am Hof von Jayavarman V lebten Philosophen, Gelehrte und Künstler. Auch neue Tempel wurden errichtet; die bedeutendsten davon sind Banteay Srei, der als einer der schönsten und kunstvollsten von Angkor gilt, und Ta Keo, der erste ganz aus Sandstein gebaute Tempel Angkors.

Nach dem Tod Jayavarmans II. folgte ein Jahrzehnt der Unruhe. Könige regierten nur wenige Jahre und wurden nacheinander gewaltsam von ihren Nachfolgern vertrieben bis schließlich Suryavarman I (regierte 1010 - 1050) den Thron eroberte. Seine Regentschaft war bestimmt von wiederholten Versuchen seiner Widersacher ihn zu stürzen und von militärischen Eroberungen. Im Westen erweiterte er das Reich bis zum heutigen Lopburi (Thailand). In Angkor wurde unter Suryavarman I mit dem Bau des westlichen Baray begonnen, dem zweiten und noch größeren Wasserreservoir (8 km x 2,2 km) nach dem östlichen Baray. Der westliche Baray, der heute noch genutzt wird, wurde erst unter seinem Nachfolger Udayadityavarman II (regierte 1050 - 1066) vollendet.

Suryavarman II - Angkor Wat

Das 11. Jahrhundert war eine Zeit der Unruhen und brutaler Machtkämpfen gewesen. Erst Suryavarman II (regierte 1113 - ca. 1150) gelang es das Reich innen zu einen und nach außen zu erweitern. Unter seiner Regentschaft wurde in einer Bauzeit von 37 Jahren der größte Tempel Angkors erbaut, der dem Gott Vishnu geweihte Angkor Wat. Suryavarman II eroberte das westlich gelegene Mon-Königreich Haripunjaya (heute im zentralen Thailand) und das Gebiet weiter westlich bis zur Grenze des Reiches von Pagan (dem heutigen Myanmar), im Süden weite Teile der malaiischen Halbinsel bis hin zum Königreich Grahi (entspricht ungefähr der heutigen thailändische Provinz Nakhon Si Thammarat), im Osten mehrere Provinzen Champas und die Länder im Norden bis zur Südgrenze des heutigen Laos. Das Ende Suryavarmans II. ist nicht geklärt. Eine letzte Inschrift, die seinen Namen in Zusammenhang mit der geplanten Invasion Vietnams erwähnt, stammt aus dem Jahr 1145. Vermutlich starb er während eines Kriegszuges zwischen 1145 und 1150.
Wiederum folgte eine Periode in der Könige kurz regierten und von ihren Nachfolgern gewaltsam gestürzt wurden. Im Jahr 1177 schließlich unterlag Kambuja in einer Seeschlacht auf dem Tonle Sap See dem Heer der Cham und wurde Champa als Provinz eingegliedert.

Jayavarman VII - Angkor Thom

Als Prinz war der spätere König Jayavarman VII (regierte
1181 - ca. 1219) bereits unter früheren Königen Heerführer gewesen. Nachdem die Cham Angkor erobert hatten, sammelte er ein Heer um sich und es gelang ihm die Hauptstadt Yasodharapura zurückzuerobern. 1181 bestieg er den Thron und führte den Krieg gegen das östliche Nachbarreich noch 22 weitere Jahre, bis die Khmer im Jahr 1203 Champa schließlich besiegten und große Teile des Landes eroberten.
Als der letzte der großen Könige von Angkor gilt Jayavarman VII aber nicht nur wegen des erfolgreichen Krieges gegen die Cham, sondern auch weil er kein tyrannischer Herrscher war wie seine direkten Vorgänger, das Reich einte und schließlich vor allem wegen den unter seiner Regentschaft verwirklichten Bauvorhaben. Es entstand die, heute als Angkor Thom (wörtlich: Große Stadt) bekannte, neue Hauptstadt. In deren Zentrum ließ der König, selbst ein Anhänger des Mahâyâna-Buddhismus, als Haupttempel den Bayon mit seinen 49 Türmen mit meterhohen aus dem Stein gehauenen Gesichtern des Bodhisattva Lokeshvara (auch Avalokiteshvara) errichten. Weitere wichtige Tempel die unter Jayavarman VII gebaut wurden, sind Ta Prohm, Banteay Kdei und Neak Pean, sowie das Wasserreservoir Srah Srang. Daneben wurde ein umfangreiches Straßennetz angelegt das alle Städte des Reiches verband. Entlang dieser Straßen entstanden 121 Rasthäuser für Händler, Beamte und Reisende. Nicht zuletzt ließ er 102 Spitäler errichten.

Zhou Daguan - die letzte Blütezeit

Nach dem Tod Jayavarmans VII. bestieg sein Sohn Indravarman II (regierte 1219 - 1243) den Thron. Er war, wie sein Vater, Buddhist und ließ eine Reihe der unter dessen Herrschaft begonnenen Tempel vollenden. Als Kriegsherr war er weniger erfolgreich. Im Jahr 1220 zogen die Khmer sich aus vielen der zuvor eroberten Provinzen Champas zurück. Im Westen gewannen die Thai an Macht, schufen das erste Thai-Königreich Sukhothai und drängten die Khmer zurück. Die Thai wurden in den folgenden 200 Jahren zu Hauptgegnern Kambujas. Auf Indravarman II folgte Jayavarman VIII (regierte 1243 - 1295). Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war er Hinduist und ein aggressiver Gegner des Buddhismus. Er ließ die meisten Buddha-Statuen des Reiches zerstören (Archäologen schätzen deren Zahl auf über 10.000, von denen nur wenige erhalten blieben) und buddhistische in hinduistische Tempel umwandeln. Von außen wurde das Reich 1283 von den Mongolen unter Kublai Khan bedroht. Indem der König Tribut an den mächtigen Herrscher, der zu dieser Zeit über ganz China regierte, bezahlte konnte er einen Krieg mit dem übermächtigen Gegner vermeiden. Jayavarmans VIII. Herrschaft endete 1295 als er von seinem Schwiegersohn Srindravarman (regierte 1295 - 1309) gestürzt wurde. Der neue König war Anhänger des Theravâda Buddhismus, einer buddhistischen Schule die aus Sri Lanka nach Südostasien gekommen war und in der Folge in großen Teilen Südostasiens Verbreitung fand.

Im August 1296 kam der chinesische Botschafter Zhou Daguan (auch Chou Ta-Kuan) nach Angkor und blieb bis Juli 1297 am Hof König Srindravarmans. Er war nicht der erste und auch nicht der letzte chinesische Abgesandte der Kambuja besuchte. Einen besonderen Stellenwert nimmt sein Aufenthalt aber dadurch ein, dass Zhou Daguan danach einen detaillierten Bericht über das Leben in Angkor verfasste. Da außer Inschriften und Reliefs an Tempelwänden und Säulen keine texte aus Angkor überliefert sind, gelten seine Aufzeichnungen heute als eine der bedeutendsten Quellen zum Verständnis des historischen Angkor. Neben Beschreibungen einiger großer Tempel (Bayon, Baphuon, Angkor Wat), denen wir das Wissen, dass z.B. die Türme des Bayon mit Gold überzogen waren, verdanken, bietet der Text auch wertvolle Informationen über das Alltagsleben und die Gebräuche der Bewohner Angkors.

Ayutthaya - Abstieg und Ende Angkors

Aus der Zeit nach Srindravarmans Regentschaft gibt es nur wenige historische Aufzeichnungen. Die letzte bisher bekannte Inschrift auf einer Säule stammt aus dem Jahr 1327. Auch wurden keine großen Tempelanlagen mehr errichtet. Historiker vermuten einen Zusammenhang mit dem Umstand, dass die Könige nun Theravâda Buddhisten waren, also nicht mehr als Deva-rajas galten, und somit keine Notwendigkeit mehr bestand ihnen, oder vielmehr den Göttern unter deren Schutz sie standen, eigens riesige Tempel zu errichten. Daneben kann die Abkehr vom Konzept des Deva-raja auch zu einem Verlust von Autorität des Königs und somit zu einem Mangel an Arbeitskräften geführt haben. Zusehends verfielen auch die Anlagen zur Wasserregulierung was wiederum bedeutete, dass Ernten durch Überschwemmungen oder Wassermangel ausfielen. Waren bis dahin bis zu drei Reisernten pro Jahr möglich gewesen - ein wesentlicher Beitrag zu Wohlstand und Macht Kambujas - wurde das Reich durch die zurückgehenden Erträge weiter geschwächt.
Der westliche Nachbar, das erste Thai-Königreich Sukhothai, wurde 1350 von Ayutthaya, ebenfalls einem Reich der Thai, erobert. Ab 1352 kam es zu mehreren Angriffen auf Kambuja, die aber noch zurückgeschlagen werden konnten. 1431 schließlich war die Übermacht zu groß und das Heer der Thai eroberte Angkor.

Das Zentrum des verbliebenen Königreichs der Khmer wurde nach Süden, in die Regien des heutigen Phnom Penh verlegt. Es gibt allerdings auch Hinweise, dass Angkor nicht vollständig verlassen wurde. Demnach wäre eine Linie von Khmer-Königen dort verblieben und eine zweite nach Phnom Penh gegangen um dort ein konkurrierendes Khmer-Königreich zu etablieren. Der endgültige Niedergang Angkors wäre also vor allem eine Folge der Verschiebung der wirtschaftlichen - und damit politischen - Bedeutung gewesen, da Phnom Penh zu einem wichtigen Handelszentrum am Mekong wurde.

In jedem Fall gibt es Zeugnisse für eine weitere Nutzung Angkors. Unter der Herrschaft des Königs Barom Reachea I (regierte 1566 - 1576), dem es zeitweilig gelang die Thai zurückzudrängen, wurde der Königshof für kurze Zeit wieder nach Angkor verlegt. Aus dem 17. Jahrhundert stammen Inschriften die japanische Siedlungen, neben denen der Khmer die immer noch in dem Gebiet lebten, belegen. Die bekannteste erzählt von Ukondafu Kazufusa der dort 1632 das Neujahrsfest der Khmer feierte.

Bouillevaux, Mouhot ... - die "Entdeckung" Angkors

Die "Entdeckung" Angkors durch den französischen Forscher Henri Mouhot ist ein Mythos, der vielmehr die eurozentrische Perspektive des 19. Jahrhunderts, der Kolonialzeit, widerspiegelt als er der Wahrheit entspricht. Zum einen war Angkor nie verloren. Die Khmer wussten, auch nach dem Niedergang des historischen Reiches, immer um die Existenz der alten Tempel. Angkor Wat wurde, wie auch einige andere Bauten, durchgehend als Tempel benutzt und das Umland von Reisbauern und Fischern bewohnt. Zum andren war Henri Mouhot auch weder der erste Europäer der Angkor besuchte, noch der erste der darüber berichtete.

Bereits im 16. Jahrhundert erreichten portugiesische Forscher die Stadt und brachten Berichte darüber nach Europa. Eine Reihe europäischer Missionare, vor allem aus Portugal, Spanien und Frankreich, folgten und erwähnten in ihren Berichten ebenfalls eine "große ummauerte Stadt", womit wohl Angkor Thom gemeint war, und den Angkor Wat. Mouhot selbst erhob nie den Anspruch der Entdecker Angkors zu sein. In seinem berühmt gewordenen Buch Voyage à Siam et dans le Cambodge (1868) zitiert er auch selbst ausdrücklich aus dem Bericht des französischen Missionars Charles-Emile Bouvillevaux. Dieser war wenige Jahre bevor Mouhout nach Asian aufbrach, aus Kambodscha zurückgekehrt. Dass das "exotische Angkor" dennoch erst durch Mouhots Buch im Westen die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit und der Gelehrten auf sich zog, lag auch daran, dass er den Bericht mit einer Reihe detaillierter Zeichnungen illustriert hatte.

Angkor heute

In Folge der Popularität die Angkor durch Mouhots Buch erlangt hatte, wurde es zum Ziel einer Reihe von wissenschaftlichen Expeditionen. Es begann die Zeit der systematischen und wissenschaftlichen Erforschung. Eine Reihe meist französischer Expeditionen besuchten Angkor. Daneben reisten auch weitere Forscher, wie der deutsche Erdkundler Adolf Bastian, der als erster die indischen Enflüsse erkannte, und ein schottischer Fotograf, John Thomson, von dem die ersten Fotografien des Angkor Wat (1866) stammen, nach Kambodscha.

Kunstraub

Mit den zahlreicher werdenden Besuchern aus Europa wuchs das Wissen über das historische Khmer-Reich. Gleichzeitig begann aber auch der Diebstahl vieler der noch in Angkor verbleibenen Kunstwerke. Die wertvollsten waren schon im 15. Jahrhundert, nach der Niederlage Kambujas, nach Ayutthaya und von dort, nachdem das Thai-Königreich von den Burmesen erobert worden war, nach Pegu und schließlich Mandalay geschafft worden, wo sie sich heute noch befinden. Vierhundert Jahre später verpackten europäische Forscher, Abenteurer und Händler Statuen, Bronzeskulpturen und auch herausgebrochene Stücke von Reliefs in Kisten und verschifften sie nach Europa wo sie in Museen und privaten Sammlungen landeten. Heute finden sich in Angkor nur noch sehr wenige Statuen an ihrem ursprünglichen Platz. Was noch nicht gestohlen wurde befindet sich in den Archiven der Archäologen vor Ort oder im Staatsmuseum in Phnom Penh um zu verhindern, dass auch diese letzten Stücke gestohlen werden. Kunsträuber brechen auch heute noch Tafeln aus Reliefs und schlagen Apsaras die Köpfe ab, um sie am Schwarzmarkt in Europa, den USA oder Japan zu verkaufen. Sogar Abgüsse aus Beton, die manchmal an Stelle der Originale platziert wurden, werden immer wieder gestohlen.

Forschung und Restaurationen

Im späten 19. Jahrhundert nahm die neu gegründete Ecole française d’Extrême-Orient ihre Arbeit auf. Pläne des gesamten Areals wurden angefertigt, die mittlerweile fast 1000 bekannten Tempel und Heiligtümer katalogisiert und es wurde damit begonnen die ersten Tempel aus der tropischen Vegetation freizulegen und zu restaurieren.

Die Arbeit der Restauratoren musste während des 20. Jahrhunderts mehrfach unterbrochen werden. Der zweite Weltkrieg, der Indochinakrieg, das darauf folgende Ende der französischen Kolonialherrschaft in Indochina, der auf Kambodscha übergreifende Vietnamkrieg, schließlich die Herrschaft der Roten Khmer und der Bürgerkrieg nach der Entmachtung der Roten Khmer durch die vietnamisische Armee erschwerten und verhinderten die Arbeit der Wissenschafter in Angkor.

Erst seit den späten 1990er Jahren konnte die Ecole française d’Extrême-Orient und eine Reihe weiterer Organisationen, vor allem aus Frankreich, Japan und solche unter Schirmherrschaft der UNESCO, wieder ihre Arbeit aufnehmen. Neben der Forschungstätigkeit zur Geschichte Angkors liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Erhaltung und dem Wiederaufbau der Tempel. Manche, wie z.B. der Baphuon, werden Stein für Stein abgetragen und danach auf einem neu befestigten Fundament wieder aufgebaut. Dabei werden so weit wie möglich die originalen Materialien wiederverwendet und nur dort wo es aus statischen Gründen erforderlich ist ersatzweise und möglichst diskret aus Beton gefertigte Elemente eingefügt.

Tourismus

Nach dem Ende des Bürgerkrieges in Kambodscha und der Entwaffnung der letzten Roten Khmer entwickelte sich in Kambodscha unter der zeitweiligen Schirmherrschaft der UNO eine weitgehend stabile Demokratie. Seit den späten 1990er Jahren nimmt deshalb die Zahl der internationalen Touristen die Angkor besuchen stetig zu. In der nahegelegenen Stadt Siem Reap wurden alte Hotels aus dem frühen 20. Jahrhundert wieder eröffnet und eine Reihe neuer Hotels gebaut. Diese decken mittlerweile das gesamte touristische Spektrum ab - von 5-Sterne Luxushotels bis zu 5$-Zimmern. Der Zugang zum Areal von Angkor ist Touristen nur in Begleitung lokaler "Guides" (Führern, oft Taxifahrern, im Allgemeinen Einheimische mit sehr guter Kenntnis des Areals) erlaubt. Angesichts der Größe des Gebietes wäre ein Besuch zu Fuß allerdings ohnehin nicht ratsam. Zur Fortbewegung werden meist klimatisierte Autos, Mopeds und motorisierte Rikshas angeboten; seltener auch Fahrräder.
Um die Tempel besuchen zu dürfen, benötigen Touristen Pässe, die an der südlichen Zufahrtstraße gekauft werden können.

Kultur

Bereits Funan und Chenla, die Kambuja vorhergehenden Reiche, waren kulturell von indischen Einflüssen geprägt gewesen. Indische Religion, Philosophie und Kunst, von Händlern und Reisenden mitgebracht, konnten schon am Ende des 1. Jahrtausends v. Chr bei den Bewohnern der Gebiete um das Mekong-Delta, entlang der Küste und in der Ebene um den Tonle Sap See - also dem späteren Kerngebiet des Khmer-Reiches Kambuja - Fuß fassen und wurden mit eigenen Traditionen vermischt.

Religion

Die Khmer übernahmen schon früh sowohl Konzepte aus dem Hinduismus als auch dem Buddhismus die sie oft nicht nur mit eigenen Traditionen, sondern auch untereinander vermischten. Soweit bekannt ähnelte die Weltsicht der Khmer jener Indiens und es fiel ihnen deshalb leicht die neuen Götter in die eigene Vorstellung von der Götterwelt zu integrieren. Die eigenen Götter und Göttinnen, die Ahnen und zu Schutzgeistern gewordenen Helden wurden dabei aber nicht vergessen sondern blieben ein fester Bestandteil der Alltagskultur.

Hinduismus

Die Mehrzahl der Tempelanlagen in Angkor waren hinduistischen Göttern gewidmet, vor allem Shiva, seltener auch Vishnu und Brahma.

Shiva, der Zerstörer, der mit seinem Tanz die Weltzeitalter (Kalpas) beendet und wieder entstehen läßt, ist der Gott dem die meisten Tempel Angkors gewidmet waren. Am häufigsten finden sich zwei Darstellungen Shivas: als Linga (nach allgemeiner Definition eine symbolische Darstellung des eregierten männlichen Gliedes, möglicherweise aber auch in Indien aus früheren Kulten übernommen in deren Riten Steine eine zentrale Rolle spielten) in Form eines konischen Steines der in einem meist runden flachen Stein als Symbol für die weibliche Yoni ruht und als tanzender 10-armiger Gott der gemeinsam mit seiner Gefährtin Uma auf seinem Bullen Nandi reitet.

Neben den Heiligtümern die einzelnen Göttern geweiht waren, finden sich in Angkor eine Vielzahl von Reliefs mit Darstellungen verschiedener Szenen aus der hinduistischen Mythologie, insbesondere aus dem Ramayana.

Buddhismus

Neben den vorherrschenden
hinduistischen Glaubensvorstellungen war mit den indischen Händlern und Gesandten auch der Mahâyâna-Buddhismus schon in Funan bekannt geworden. Beide Glaubenssysteme koexistierten bei den Khmer, wobei die Dominanz des Hinduismus wahrscheinlich in dessen Ähnlichkeit mit eigenen Traditionen begründet war.

Die weiteste Verbreitung und die Erhebung zur 'Staatsreligion' erfuhr der Mahâyâna am Ende des 12. Jahrhunderts und zu Beginn des 13. Jahrhunderts unter der Regentschaft König Jayavarmans VII. Aus dieser Zeit stammen die eindrucksvollen Gesichter-Türme mit dem Antlitz des Bodhisattva Lokeshvara - verkürzt gesagt eines Erleuchteten, der anstatt selbst ins Nirvâna einzugehen unter den Menschen bleibt um diesen auf dem Weg zur Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu helfen - wie sie am Bayon, den Tor-Türmen (Gopuras) der großen Stadt, Angkor Thom, und einer Reihe weiterer Tempel dieser Zeit zu finden sind. Neben der Verehrung des Lokeshvara konzentrierte sich der Glaube des Königs auf den historischen Buddha Siddhartha Gautama, dem das zentrale Heiligtum des Bayon geweiht war, und Prajñaparamita (das buddhistische Konzept der "Perfektion der Weisheit/Tugend") dem er das Tempel-Kloster Ta Prohm widmete. Im Verlauf der Herrschaft Jayavarmans II gewann allmählich auch die tantrische Schule des Mahâyâna an Bedeutung, insbesondere in Form der Verehrung der Gottheit Hevajra.

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts kam es unter König Jayavarman VIII zu einer Rückkehr zum Shivaismus. Entgegen früherer Traditionen der Koexistenz ließ er buddhistische Tempel in hinduistische umwandeln und Buddha-Bildnisse im ganzen Reich zerstören.

1295 bestieg schließlich Srindravarman den Thron, der ein Anhänger des Theravâda Buddhismus war. Diese buddhistische Schule unterscheidet sich insbesondere dadurch vom Mahâyâna als sie keine Bodhisattvas kennt und Gläubige somit selbst, ohne deren Beistand, das Ziel der Buddhaschaft erreichen sollen. Der Theravâda war aus Sri Lanka nach Südostasien gekommen. Heute ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Kambodschas, Thailands, Myanmars und Laos Anhänger dieser Form des Buddhismus.

Synkretismus

Die Khmer des historischen Angkor kannten im Allgemeinen keine strikte Trennung zwischen verschiedenen religiösen Systemen. Die 'neuen' Götter, die von Händlern und Reisenden aus Indien in Südostasien bekannt gemacht wurden, konnten so sehr schnell ihren Platz neben den lokale Gottheiten, Ahnen, guten und bösen Geistern finden.

Synkretismus, also die Vermischung verschiedener Religionen, war auch ein wesentliches Merkmal in einem der wahrscheinlich wichtigsten Kulte Angkors. Im Mittelpunkt des Deva-raja-Kultes stand als zentrales Symbol, das in den innersten Heiligtümern der großen Haupttempel verehrt wurde, der Linga, ein konischer Stein der ursprünglich dem Gott Shiva zugeordnet gewesen war. In Angkor wurde der Linga zum Symbol des Deva-raja, des "Königs der Götter", der nicht zwangsläufig - wenn überhaupt, darüber sind die Forscher noch uneins - Shiva gewesen sein musste.

Eine Fortführung dieses Kultes entwickelte der buddhistische König Jayavarman VII indem er den Buddha im zentralen Heiligtum seines Haupttempels, des Bayon, als Buddha-raja verehrte.

Deva-raja

Der Deva-raja-Kult beschäftigt Historiker seit der Entdeckung der, nach dem Fundort benannten, Sdok Kok Thom Inschrift aus dem 11. Jahrhundert, die allerdings auch das einzige bisher bekannte Zeugnis für diesen Kult in Angkor ist. Fest steht, dass Jayavarman II im Jahr 802, zehn Jahre nachdem er zum König geworden war, dieses Ritual am Phnom Kulen (ca. 30 km nordöstlich des späteren Angkor) durch einen Brahmin, einen hinduistischen Priester, durchführen ließ.

Es gibt heute zwei Interpretationen zur Bedeutung:

Gesellschaft

Über die gesellschaftlichen Verhältnisse im historischen Angkor ist nur wenig bekannt. Manches kann aus Inschriften geschlossen werden, die allerdings meist ausschließlich die Taten der Könige beschreiben. Die bedeutendsten Quellen sind hier der Bericht des chinesischen Gesandten Zhou Daguan, der von 1296 bis 1297 ein Jahr in Angkor Thom verbrachte, und die Reliefs an den äußeren Galerien des Bayon (ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert) mit Darstellungen aus dem Alltagsleben der Bewohner.
An der Spitze der Hierarchie stand der König. Königinnen sind keine bekannt, jedoch war die Erbfolge oft an der Linie der Mutter bzw. der Gemahlin des Königs orientiert. Der Herrscher stand, dem Glauben der Khmer zu Folge, in einem besonderen Näheverhältnis zu 'seinem' Gott, dem er in der Regel einen großen Tempel weihte und der über den König und das Reich wachen sollte.

Wesentliche gesellschaftliche Gruppen waren Priester und Mönche, Soldaten, Bauern und Händler. Priester und Mönche bewohnten die Klöster (z.B. den buddhistischen Ta Prohm), berieten die Könige und besorgten die religiösen Rituale in den Tempeln. Da Kambuja sich fast durchgehend in kriegerischen Auseinandersetzungen mit Nachbarreichen befand - zu Beginn mit dem javanischen Reich, später lange Zeit mit Champa, schließlich mit den aufsteigenden Reichen der Thai (Sukhothai und Ayutthaya) - unterhielten die Könige ständig Streitkräfte. Ein wesentlicher Faktor, der zu Aufsteig und Macht des Reiches von Angkor beitrug, waren auch die landwirtschaftlichen Erträge. Dank umfangreicher Bewässerungsanlagen konnten jedes Jahr mehrere große Reisernten eingebracht werden. Es gibt Hinweise, dass es unter den Bauern auch Eigentümer größerer Ländereien gab, deren Spenden an Tempel und Klöster in Inschriften aufgezeichnet wurden. Der Handel auf den Marktplätzen lag, dem Bericht Zhou Daguans zu Folge, in den Händen der Frauen. Der gesellschaftliche Status der Frauen dürfte im Allgemeinen aber deutlich jenem der Männer untergeordnet gewesen sein. Zumindest der König hatte meist mehrere Frauen und eine Reihe von Konkubinen.

Neben den Khmer lebten in Angkor auch Chinesen und andere Fremde, meist Händler, mitunter auch Seefahrer, die sich hier niedergelassen hatten.

Kunst und Architektur

Aus Stein errichtete Gebäude waren in Angkor religiösen Zwecken vorbehalten. Auch die Könige lebten, wie der Großteil der Bevölkerung, in Gebäuden aus Holz und anderen Materialien, die dem tropischen Klima nicht lange Stand halten konnten. Deshalb sind, mit Ausnahme der Barays und Srahs, den Wasserreservoirs, die für Landwirtschaft und Wasserversorgung der Bewohner lebenswichtig waren, alle heute noch sichtbaren Bauten Tempel oder Teile von Tempelanlagen, wie Umgrenzungsmauern, Tore und ähnliches. Folglich sind auch die Merkmale der Bauten - der Grundriss, die Reliefs und Skulpturen, welche die Wände schmücken, die Formensprache und Symbolik - vor allem von religiöser Bedeutung.

Die religiösen Vorstellungen der Khmer, und damit auch Kunst und Architektur, waren stark von indischen Einflüssen mitbestimmt. Allerdings behielten und entwickelten sie auch eindeutig lokale Züge, die sie trotz vergleichbarer Inhalte deutlich von anderen Stilen Asiens unterscheidbar machen.

Im Folgenden einige der augenfälligsten Merkmale:

Gesichter-Türme

Eine der bemerkenwertesten Entwicklungen der Khmer-Architektur sind die Türme des Bayon und einer Reihe weiterer Bauten aus der Zeit Jayavarmans VII, eines Anhängers des Mahâyâna-Buddhismus, mit den oft mehrere Meter hohen Gesichtern des Bodhisattva Avalokiteshvara (auch Lokeshvara). Ob diese Abbildungen, die alle praktisch identisch sind, dem Gesicht des Königs nachempfunden wurden, ist nicht abschließend geklärt.

Apsaras und Devatas

Ab dem 12 und 13. Jahrhundert gewann die Darstellung von Apsaras, "himmlischen Tänzerinnen" (siehe Apsara), zunehmend Bedeutung in der Relief-Kunst der Khmer. Die Gesamtzahl der Apsaras an den Wänden der Tempel beträgt mehrere Tausend - alleine im Angkor Wat sind rund 1850 zu finden. Bemerkenswert ist dabei auch, dass keine Apsara einer anderen gleicht.

An vielen Tempeln finden sich auch andere Darstellungen weiblicher Figuren, meist neben Toren positioniert. Auch diese Devatas, weibliche Gottheiten, sind Bewohnerinnen der Götterhimmel der hinduistischen Mythologie. Sie leben im Palast Indras am Berg Meru. Von den Apsaras sind sie dadurch unterscheidbar, dass sie stehend, nicht tanzend, dargestellt wurden.

Tempel

Bis heute wurden in Angkor über 1000 Tempel und Heiligtümer entdeckt. Die Anzahl war zu Zeiten des historischen Reiches allerdings weit höher. Im tropischen Klima Südostasiens konnten nur aus Stein errichtete Gebäude die Jahrhunderte seit dem Niedergang Angkors überdauern. Aus Inschriften ist jedoch bekannt, dass oft Jahre oder Jahrzehnte vergingen, bis jene, die einen Schrein oder Tempel aus Stein errichten wollten, die dafür notwendigen Mittel hatten. In der Zwischenzeit wurden die Heiligtümer aus Holz gebaut und es wird angenommen, dass viele dieser Bauten nie durch solche aus Stein ersetzt wurden. Daneben gab es schon damals eine große Menge kleiner hölzerner Heiligtümer, die vor allem lokalen Gottheiten gewidmet waren und in ähnlicher Form auch heute noch in Südostasien zu finden sind.

Die großen Tempel wie der Angkor Wat oder auch der dem Buddha geweihte Bayon waren nicht als Versammlungsorte für Gläubige errichtet worden, sondern als Paläste der Götter. Es gibt also keine weiten offenen Flächen oder Räume, sondern ein zentrales Heiligtum für den Gott, dem der Tempel geweiht war, und oft eine Vielzahl kleinerer Nebenheiligtümer, verbunden durch Tore und Gänge.

Der Grundriss praktisch aller Tempel entspricht der Weltsicht des Hinduismus: Im Zentrum steht der höchste Turm (Prasat) mit dem zentralen Heiligtum als Repräsentation des Berges Meru (im Himalaya), auf dem die Götter wohnen. Der Hauptturm ist umgeben von vier kleineren Türmen, den Bergen neben dem Meru. Die äußere Begrenzung bildet schließlich ein Wassergraben, der den Ozean versinnbildlicht.

Übersichtskarte
Begriffserklärungen
Angkor (khmer): Stadt; von sanskrit: Nagara
Banteay (khmer): Zitadelle, ein Tempel mit Umgrenzungsmauer
Baray (khmer): Wasserreservoir; nicht gegraben, sondern durch Dämme angelegt
Phnom (khmer): Hügel, kleiner Berg
Prasat (khmer): Turm (eines Tempels); von sanskrit: prasada
Preah (khmer): heilig; von sanskrit: brah
Siem Reap (khmer): entspricht Niederlage Siams (der Siamesen/Thai), bezieht sich auf einen Krieg zwischen den Khmer und Ayutthaya im 13. oder 14. Jahrhundert
Srah (khmer): Wasserreservoir, gegraben, nicht aufgestaut, kleiner als ein Baray
Srei (khmer): Frau/en
Thom (khmer): groß, großartig
Varman (khmer): Brustpanzer, als Namenszusatz: beschützt durch, z.B. "Suryavarman": "beschützt durch (den Sonnengott) Surya"
Wat (khmer, thai): (buddhistischer)Tempel, von sanskrit: Vatthu

Einige der bedeutendsten Tempel und Bauwerke:


Baumaterialien

Alle weltlichen Bauten Angkors, vom Königspalast bis zu den Häusern der Einwohner, waren aus Holz gebaut. Funde von tönernen Dachziegeln weisen darauf hin, dass zumindest die Häuser der Wohlhabenderen damit bedeckt waren. Umgekehrt schließen Archäologen aus steinernen Imitationen hölzerner Dachgiebel und Fenster- und Türrahmen darauf, dass auch in den Tempeln hölzerne Strukturen verwendet wurden.

Die frühesten, heute noch stehenden Tempel Angkors wurden aus Lehmziegeln errichtet. Reliefs wurden oft direkt aus den Ziegelwänden herausgearbeitet (wie z.B. am Prasat Kravan), oder die Wände mit Stuck verziert. Die Ziegelbauweise fand auch in späteren Perioden in Angkor noch weiter Verwendung.

Laterit, ein durch Eisenoxid rotbraun gefärbter Bodentyp, der wenn er noch feucht ist gut formbar, nach dem Aushärten aber steinhart ist, wurde vor allem für nicht sichtbare, tragende Strukturen verwendet. Die Oberfläche wurde meist mit Stuck überzogen weil sie zu hart war um Reliefs direkt herauszuarbeiten. Laterit wurde vor allem in Provinzstädten des Reiches verwendet.

Zum bevorzugten Baumaterial der Architekten von Angkor wurde schließlich Sandstein. Zwar mussten die Felsen aus den Kulen Bergen, etwa 30 km nordöstlich von Angkor, geholt werden, aber die Vorteile in der Verarbeitung gegenüber Laterit trugen dazu bei, dass ab dem späten 10. Jahrhundert fast alle großen Tempel aus Sandstein gebaut wurden. Sandstein erlaubte neben der Konstruktion großer Tempelanlagen auch die künstlerische Bearbeitung der Oberfläche. Der Höhepunkt dieser Kunst ist der Angkor Wat, mit seinen fast 2000 Apsaras und knapp 2000 m² von mit Reliefs bedeckten Wänden.

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Literatur


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