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Geschichte Chinas



China gehört zu den ältesten Zivilisationen bzw. Hoch-Kulturen der Menschheit, als Träger dieser Kultur und als dominierende Volksgruppe haben sich in der chinesischen Geschichte die Han-Chinesen etabliert. Schriftliche Aufzeichnungen reichen über 3500 Jahre zurück. Im Mythos geht die chinesische Kultur ursprünglich auf die drei Urkaiser zurück: Fu-Xi, Shan-Nung und schließlich der Gelbe Kaiser Huang-Di als eigentlicher Kulturbringer - ihnen voran gingen 16 irdische und eine Reihe himmlischer Kaiser. Historische Belege für die Existenz dieser Persönlichkeiten gibt es allerdings keine, sie sollen laut Überlieferung vor 5000 bis 6000 Jahren gelebt haben.

Für eine schematische zeitliche Übersicht siehe Zeittafel der chinesischen Geschichte.

Table of contents
1 Vorgeschichte
2 Antike Geschichte
3 Kaiserzeit
3.1 Qin-Dynastie (221 - 207 v. Chr.): Einigung des Reiches
3.2 Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.): Konsolidierung des Kaiserreichs
3.3 Die Drei Königreiche (220 - 280 n. Chr.): Kampf um das Han-Erbe
3.4 Jin-Dynastie (265 - 420): Die kurze Vereinigung
3.5 Die Südlichen und Nördlichen Dynastien (420 - 589)
3.6 Sui-Dynastie (589-618): Ein kurzes Intermezzo
3.7 Tang-Dynastie (618-907): Der Höhepunkt der Kaiserzeit
3.8 Die Fünf Dynastien und Zehn Königreiche (907 - 960): Erneute Teilung des Landes
3.9 Der chinesische Dreibaum (960 - 1279): Song-Dynastie, Liao-Dynastie, Jin-Dynastie und die Westliche Xia-Dynastie
3.10 Yuan-Dynastie (1261 - 1368): Die Mongolen-Herrschaft
3.11 Ming-Dynastie (1368 - 1644): Ein Land schottete sich ab
3.12 Qing-Dynastie (1644 - 1911): Die letzte Dynastie
4 Republik (1912 - 1949)
5 Volksrepublik und Taiwan (seit 1949)
6 Literatur
7 Weblinks

Vorgeschichte

Die frühesten menschlichen Funde auf dem Gebiet des heutigen China sind zwei Zähne und Steinwerkzeuge, die in der Provinz Yunnan gefunden wurden (Yuanmou-Menschen); sie werden auf 1,7 Millionen Jahre vor unserer Zeit datiert. Diese frühen Menschen waren Angehörige der Hominiden Gattung Homo erectus. Auch die späteren Peking-Menschen, von denen zwei gut erhaltene Schädel gefunden wurden und die vor etwa 400.000 Jahren in der Nähe des heutigen Peking lebten, werden den Homo erectus Hominiden zugerechnet. Die gefundenen Schädel sind jedoch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen.

Der Homo sapiens, der anatomisch dem modernen Menschen entspricht, stieß nach der Out-of-Africa-Theorie etwa vor 65.000 Jahren ins heutige chinesische Gebiet vor. Viele chinesische Wissenschaftler bevorzugen aber die These, wonach sich der moderne Mensch weltweit gleichzeitig entwickelt habe.

Auffälligerweise wurden bei allen vorgeschichtlichen Funden relativ wenige Steinwerkzeuge gefunden. Es wird deshalb allgemein angenommen, dass in Asien das leichter zu bearbeitende, jedoch weniger haltbare Material Bambus für den Werkzeugbau verwendet wurde.

Archäologische Funde vor allem im mittleren Lauf des Gelben Flusses und des Yangtse zeigen, dass die Menschen vor etwa 8000 Jahren Landwirtschaft betrieben und unter anderem bereits Reis und Hirse anbauten und Keramik herstellten. Die vor kurzem noch in der Fachwelt vorherrschende Ansicht, dass der mittlere Lauf des Gelben Flusses das zentrale Kerngebiet der chinesischen Kultur sei, gerät angesichts der Ergebnisse neuerer Ausgrabungen am mittleren und unteren Lauf des Yangtse zusehends unter Druck. Mittlerweile geht die Mehrheit der Fachwelt eher von einer multizentralen Entstehungsgeschichte aus.

Antike Geschichte

Vor etwa 4000 Jahren existierte die Xia-Dynastie, die angeblich auf den Kaiser Yu zurückgeht. Da es aus dieser Zeit kein direktes, schriftliches Zeugnis gibt und die späteren Berichte nicht besonders zuverlässig sind, wurden die Existenz dieser Dynastie und die der überlieferten Kaiser für lange Zeit von einigen Gelehrten bezweifelt. Die archäologischen Funde scheinen jedoch ihre Existenz zu bestätigen. Es handelte sich bei dieser Dynastie wahrscheinlich um eine Art Stammeszusammenschluss.

Noch zur Zeit der Xia-Dynastie (ab 1766 v. Chr.) soll das Volk der späteren Hunnen entstanden sein: Kia, das 17. Mitglied dieses Herrscherhauses, wurde durch eine blutige Rebellion entthront und zog sich mit einer kleinen Schar in die nördlichen Gebiete zurück.

Abgelöst wurde die Xia-Dynastie von der Shang-Dynastie (ca. 1570 - 1066 v. Chr., auch Yin genannt). Aus dieser Zeit stammen die ersten Funde von Schriftzeugnissen; es wurde bereits Bronze verarbeitet, Wälle gebaut und es gab Pferde-Streitwagen. Die Shang-Dynastie verfügte über eine gut ausgebaute Bürokratie. Zu ihrer stärksten Zeit reichte ihr Einfluss bereits über das gesamte Gebiet des mittleren und unteren Laufs des Gelben Flusses, bis in das Gebiet der heutigen Provinz Liaoning hinein und bis zum Lauf des Yangtse.

Funde legen nahe, dass es parallel weitere eigenständige Kulturen gab. Am bekanntesten sind die aus Gold, Bronze und Jade gefertigten Objekte, die bei Sanxingdui (Chengdu) gefunden wurden.

Die Zhou-Dynastie (1045 - 221 v. Chr.) wird in die beiden Perioden Westliche Zhou-Dynastie und Östliche Zhou-Dynastie aufgeteilt. Letztere wiederum in die Periode des Frühlings und des Herbstes und die Periode der kämpfenden Staaten. Während aus der ersten Periode nur späte Überlieferungen vorhanden sind, gibt es aus der Östlichen Zhou-Zeit viele zeitgenössische Dokumente. Die Zhou-Dynastie war wahrscheinlich ein Zusammenschluss verschiedenener kleiner Stämme, die Kleinstaaten bildeten und deren Oberhaupt Zhou war. In der Östlichen Zhou-Zeit nannten sich nur die Zhou-Herrscher König (Wang 王), während sich die anderen Herrscher Gong (公, gewöhnlich als Herzog übersetzt) nannten. Erst in der Periode des Frühlings und des Herbstes begannen die übrigen Herrscher sich ebenfalls König zu nennen, was einen eindeutigen Hinweis auf den Autoritätsverlust der Zhou-Herrscher darstellt.

Ab der Zhou-Zeit ist es auch möglich, historischen Ereignissen eindeutige Jahreszahlen zuzuordnen. Durch den Machtverlust der Zhou-Herrscher fand gleichzeitig eine zunehmende Zentralisierung statt. Anfangs gab es etwa 170 kleine Königreiche, bei denen es zwar nur einen lockeren Zusammenhalt gab, die sich allerdings schon als ein Volk betrachteten - vor allem in Abgrenzung zu den 'Barbaren' der umliegenden Nomadenstämme.

Durch Kriege, Heirat und Diplomatie schlossen sich die Königreiche immer weiter zusammen. Zur Zeit der Periode der kämpfenden Staaten existierten nur noch sieben Königreiche. In jener Zeit wuchsen die Bevölkerungszahlen durch verbesserte landwirtschaftliche Anbaumethoden stark an. Es wurden Waffen aus Eisen benutzt. Die Zhou-Zeit war die Blütezeit der großen Philosophen Chinas.

Kaiserzeit

Die über 2000 Jahre währende Zeit der chinesischen Kaiserreiche ist sowohl geprägt von Zeiten relativer Stabilität als auch von heftigen Verwerfungen zwischen den Dynastien. Dabei kam es zu langandauernden Teilungen und zu Einfällen nomadischer Völker, vor allem aus den nördlichen Regionen.

Die traditionelle chinesische Geschichtsschreibung legt großen Wert auf die Beschreibung der jeweiligen Hauptdynastien, während die Zeiten der Teilung eher vernachlässigt werden. Nachfolgend findet sich eine Auflistung aller Epochen mit jeweils einer kurzen Beschreibung. Die detaillierte Beschreibungen der jeweiligen Dynastien, Perioden oder Staaten finden sich im ausführlichen Artikel.

Qin-Dynastie (221 - 207 v. Chr.): Einigung des Reiches

Das Reich Qin war eines der sieben Königreiche am Ende der Zhou-Dynastie. Es verfügte über eine effektive Verwaltung und eine äußerst restriktive Gesetzgebung, die das Leben der Bauern regelte. Durch Intrigen erreichte der Kaufmann Lü Buwei, dass der Prinz Zhuangxiang die Thronfolge erlangte. Dafür wurde Lü Buwei zum Kanzler ernannt.

Nach dem Tod des Prinzen wurde dessen Sohn Zhao Zheng neuer König. Er zeichnete sich durch eine besondere Brutalität aus. Es gab mehrere Attentatsversuche, die jedoch scheiterten. In mehreren Feldzügen unterwarf Zheng die anderen Reiche und führte dadurch 221 v. Chr die Reichseinigung herbei. Er ließ sich als erster Kaiser krönen und nannte sich Qin Shi Huangdi - 'Erster Gottkaiser Qin'. In der Folge wurden eine Reihe von Reformen durchgeführt. So wurde das effektive Verwaltungssystem des Reiches Qin auf ganz China übertragen. Außerdem wurden Maße und Gewichte standardisiert. Durch den Minister Li Si wurde die Schrift vereinheitlicht.

Gegen die Nomadenstämme im Norden und Westen (Hsiung-nu u.a.) ließ er in Zwangsarbeit die große chinesische Mauer durch die Verbindung bereits bestehender Mauern der sieben Reiche errichten. Auch erste Kanäle für den Transport von Waren wurden gebaut.

210 v. Chr starb Kaiser Qin Shi Huangdi. Er wurde in einer großen Anlage beigesetzt, die berühmte Terrakottaarmee ist eine seiner Grabbeigaben (und eine so "unbedeutende", dass sie in der Geschichtsschreibung nicht einmal Erwähnung fand!). Sein Grab ist bislang ungeöffnet, und die bisherige Erkundung ergab, dass es bislang nicht von Grabräubern angetastet wurde. Kurz nach seinem Tod kam es unter seinem Sohn zu Aufständen der Bauern, die in einem Bürgerkrieg zur Gründung der Han-Dynastie führten.

Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.): Konsolidierung des Kaiserreichs

Angesichts des desolaten Zustands des Landes versuchten die ersten Han-Kaiser, das Land durch niedrige Steuern und großzügige Landverteilung voranzubringen. Die erfolgreichen Maßnahmen machten die Han-Zeit zu einer der Blütezeiten der Kaiserperiode. In der Tat war die Han-Dynastie militärisch und wirtschaftlich so erfolgreich, dass man fortan das chinesische Volk auch Han-Chinesen nannte.

Zur Han-Zeit wurden auch die Volksgruppen im heutigen Südchina angegliedert (111 v. Chr Eroberung von Kanton).

Mit die Eroberung der Kleinstaaten entlang der Seidenstraße wurde eine, allerdings nicht direkte, Handelsbeziehung mit Rom hergestellt. Gleichzeitig erreichte der Buddhismus über die Seidenstraße China.

Die Han-Dynastie ist auch die erste Dynastie, die den Konfuzianismus als Staatsphilosophie einführte (eine Staatsphilosophie, die in den nächsten zwei Jahrtausenden Gültigkeit behalten sollte).

Die Han-Dynastie wird durch die knapp 15jährige Usurpation Wang Mangs in die Zeit der westlichen und der östlichen Han-Dynastie aufgeteilt. Am Ende der Han-Dynastie wurde die Herrschaft des Kaisers vor allem durch innere Machtkämpfe im Kaiserhaus und durch das Erstarken regionaler Militärmachthaber geschwächt. Der Aufstand der Gelben Turbane, angeführt von einer Sekte des Taoismus, stürzte das Land schließlich ins Chaos.

Die Drei Königreiche (220 - 280 n. Chr.): Kampf um das Han-Erbe

Noch lange bevor der letzte Han-Kaiser abgesetzt wurde, war er bereits ein Machtinstrument ambitionierter Warlords geworden, die ihn gefangen halten konnten. Das Land war längst in Teile zerbrochen, mit regionalen Kriegsfürsten, die kurzzeitige Bündnisse untereinander eingingen, nur um kurze Zeit später wieder gegeneinander zu kämpfen.

Im Jahre 220, als der Han-Kaiser abtreten musste, hatten sich drei regionale Mächte aus diesen Kämpfen herauskristallisiert: Cao Caos Wei kontrollierten das chinesische Kernland am mittleren und unteren Lauf des Gelben Flusses, Shu (Kanzler Zhuge Liang) hatte sich in der schwer zugänglichen Kesselprovinz Sichuan eingeigelt, während die Wu-Dynastie das fruchtbare Land südlich des Yangtse kontrollierte und den Strom als natürliche Grenze gegen die starken Wei behaupten konnte.

Durch einen sehr populären Roman (Die Geschichte der drei Königreiche) sowie unzählige Theaterstücke sind viele Geschichten und Helden aus dieser Periode unter den Chinesen so bekannt wie Adam und Eva in der westlichen Welt. Einige der Helden werden sogar als Götter verehrt oder wurden von späteren Kaisern zum Gottkaiser erhoben.

Schließlich konnte der Jin-Kaiser Sima Yan, der ursprünglich ein General der Wei war, den Wei-Kaiser absetzen. Er konnte auch die Schwäche der anderen beiden Reiche ausnutzen und das Land nach einer 60jährigen Teilung und noch längerer Unruhe wieder einen.

Jin-Dynastie (265 - 420): Die kurze Vereinigung

Die Jin-Dynastie wurde nach kurzer Zeit von inneren Machtkämpfen erschüttert, als zwischen den Brüdern des Kaisers bewaffnete Auseinandersetzungen ausbrachen. Diese Schwäche konnten die Nomaden aus dem Norden (Hsiung-nu) ausnutzen. Mit der Gefangennahme und Hinrichtung des Jin-Kaisers endete die Westliche Jin-Dynastie. Ein Verwandter des Kaisers flüchtete ins heutige Nanjing und gründete die östliche Jin-Dynastie, während das alte chinesische Kernland ins Chaos abdriftete. Die eingefallenen Nomaden konnten keine stabile Regierung errichten, so lösten sich sechs Königreiche in schneller Folge ab.

Die Südlichen und Nördlichen Dynastien (420 - 589)

Am Ende der Jin-Dynastie hatten sich zwei Machtblöcke etabliert: Am Lauf des Gelben Flusses die fremde Nördliche Dynastie und am Lauf des Yangtse eine nationalchinesische südliche Dynastie. Beide Machtblöcke kämpften miteinander mehr oder weniger intensiv um das ganze Land, keiner von beiden konnte jedoch das Land einen. Ein Ergebnis dieser Kämpfe war die große Macht der Militärbefehlshaber. So konnten im Süden innerhalb von knapp 150 Jahren vier Dynastien einander ersetzen, immer nach dem Muster, dass der Militärbefehlshaber den jeweils herrschenden Kaiser absetzte und sich selbst als Kaiser einsetzte. Im Norden konnten sich die Nördlichen Wei über längere Zeit behaupten, ihr Reich zerfiel aber schließlich in zwei Teile.

Ausgerechnet in dieser Periode der Unruhe erlebte eine fremde Religion in China ihre erste Blütezeit: der Buddhismus etablierte sich in dieser Periode in China. Im Norden waren einige Königreiche sogar dazu übergegangen, den Buddhismus als Staatsreligion zu installieren. Viele alte ehrwürdige Klöster entstanden zu dieser Zeit.

Sui-Dynastie (589-618): Ein kurzes Intermezzo

Die kurzlebige Sui-Dynastie stellte eine Vereinigung des Landes nach einer fast 300jährigen Teilung dar. Allerdings führten hohe Steuern und schwere Fronarbeiten, die der Sui-Kaiser den Bauern auferlegte, schnell zu Aufständen, die den Weg für die Tang-Dynastie ebneten. Diese profitierte von Reformen und Bauvorhaben der Sui. Das beste Beispiel hierfür ist der Kaiserkanal, der unter dem Sui-Kaiser Wen Di (581-604) begonnen wurde und bis heute das Yangtse-Delta mit Nordchina verbindet.

Tang-Dynastie (618-907): Der Höhepunkt der Kaiserzeit

Wie die Han-Dynastie stellt die Tang-Dynastie einen Höhepunkt der chinesischen Kaiserzeit dar. Die Chinatowns in amerikanischen Städten heißen auf Chinesisch Tang-Ren-Jie (Straßen der Tang-Menschen). Auch wenn die Glorifizierung durch die spätere Geschichtschreibung nicht immer zutrifft - so stellte z.B. die Heirat einer Tang-Prinzessin mit dem Herrscher von Tibet keineswegs einen Akt der Souveränität, sondern eher eine Beschwichtigungspolitik dar - so blieben die ersten 150 Jahre der Tang-Zeit eine friedliche und prosperierende Zeit. Die klassischen fünfsilbigen und siebensilbigen Gedichte erreichten ihre Blütezeit (Dichter Li Bo), auch der Handel mit dem Westen über die Seidenstraße florierte. Das Christentum erreichte zum ersten Mal China. Auch nach Japan und Korea pflegte man intensive Beziehungen. Über den Seeweg erreichte der Zen-Buddhismus Japan.

Eine Schwäche der Tang-Dynastie waren ihre inneren Machtkämpfe. So konnte die einzige Kaiserin in der chinesischen Geschichte, Kaiserin Wu Zetian (reg. 690-705) mit Intrigen und sehr brutalen Methoden an die Macht kommen. Auch der Rebell An Lushan war ein Adoptivsohn des Kaisers. Die Rebellion von An Lushan (756-763) stürzte Tang-China ins Chaos und schwächte die Dynastie auf Dauer.

Die Fünf Dynastien und Zehn Königreiche (907 - 960): Erneute Teilung des Landes

Der 907 an die Macht geputsche Kaiser der Späteren Liang-Dynastie konnte jedoch keineswegs die Situation kontrollieren. Nicht nur dass bereits sein Sohn von einem neuen Putsch gestürzt wurde, auch hatten sich überall in den fernen Provinzen regionale Militärführer eigenständig gemacht. Innerhalb von knapp 50 Jahren wechselten sich in rascher Folge fünf Dynastien in der Hauptstadt ab.

Der chinesische Dreibaum (960 - 1279): Song-Dynastie, Liao-Dynastie, Jin-Dynastie und die Westliche Xia-Dynastie

Der Song-Dynastie (960-1279) gelang zunächst die weitgehende Wiedervereinigung Chinas nach einer 53jährigen Periode innerer Kämpfe (Fünf Dynastien). Als Lehre aus dem Untergang der Tang-Dynastie wurde die Armee unter ein ziviles Oberkommando gestellt. Das ganze Reich, das die chinesischen Kernprovinzen umfasste, war mit Polizeistationen und Ämtern überzogen, die die Zentralmacht des Kaisers sicherstellten. Es wurde Papiergeld ausgegeben und der Seehandel gewann an Bedeutung. Die Song-Dynastie war, nicht zuletzt weil Erfinder vom Staat entlohnt wurden, eine Zeit der kulturellen Blüte und Erfindungen (um 1100 gab es große Eisengießereien, die ca. 150.000 t Eisen und Stahl verarbeiteten).

Die in der Song-Zeit zu ihrer Blüte entwickelte Gedichtform Ci durchbrach die einheitliche Silbenzahl der Tang-Gedichte, führte Rhythmik in den Vortrag ein und wirkte viel lebhafter und intensiver.

Ein radikalprogressiver Reformversuch des Wang An-schi, um die ungerechte Landverteilung und das korrupte Beamtensystem zu mildern, scheiterte am Widerstand der lokalen Beamten, die sich benachteiligt sahen (1069-85).

Militärisch war die Song-Dynastie eine unentschlossene Dynastie. Nicht nur dass sie den Selbstständigkeitsbestrebungen an ihren Grenzen (Tangutenreich, Nanchao) nichts entgegen zu setzen hatte, bedingt durch das zivile Oberkommando konnte die Nördliche Song-Dynastie auch nichts Wirksames gegen die Liao- und später die Jin-Dynastie in Nordchina unternehmen, so dass im Jahr 1126 die Hauptstadt Kaifeng fiel und der Kaiser Hui-tsung gefangen genommen wurde. Die von einem Verwandten des Kaisers gegründete Südliche Song-Dynastie konnte sich durch den Yangtse als natürliche Grenze und durch eine Beschwichtigungspolitik annähernd weitere 150 Jahre halten.

Obwohl China schon früher öfter von nördlichen Völkern regiert wurde, bildete sich in der Song-Zeit erstmals Nationalbewusstsein. Der Grund dafür lag wahrscheinlich in der Diskriminierungspolitik der Liao- und der Jin-Herrscher, die die Han-Chinesen im eroberten Nordchina zu Menschen zweiter Klasse degradierten. An dieser Stelle tauchte zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte der Begriff Nationalhelden (z.B. Yo-Fei) auf.

Yuan-Dynastie (1261 - 1368): Die Mongolen-Herrschaft

Dem mongolischen Heer, das den eurasischen Kontinent überrollte, fiel zuerst die Jin-Dynastie zum Opfer, wenig später die Westliche Xia-Dynastie und zum Schluss die Südlichen Song. Kublai Khan errichtete in China die Yuan-Dynastie. Die Yuan-Herrscher setzten die Politik der Rassentrennung fort, was dazu führte, dass sie in China nie richtig akzeptiert wurden. Von der traditionellen Geschichtsschreibung wurden die Yuan-Dynastie und ihre Herrscher allgemein sehr abschätzig beurteilt. Dessen ungeachtet erlebte der Handel mit Zentralasien und darüber hinaus eine Zeit der Blüte. Marco Polo gelangte über die Seidenstraße nach China. Den Plan einer Eroberung Japans machte ein Taifun zunichte.

Ming-Dynastie (1368 - 1644): Ein Land schottete sich ab

Das chinesische Volk war mit der Fremdherrschaft unzufrieden. Dies führte schließlich zu einer Bauernrevolte (Rote Turbane), durch die die Mongolen zurückgedrängt wurden. Die Ming-Dynastie übernahm 1368 die Herrschaft. China blühte wieder auf. Kunst und Kunsthandwerk, insbesondere die Porzellan-Herstellung (Ming-Vasen), erreichten neue Höhen.

Gründer der Dynastie war Zhu Yuanzhang (Hong Wu). Er legte - nicht zuletzt wohl aufgrund seiner bäuerlichen Abstammung - besonderen Wert auf die Landwirtschaft. Große Latifundien wurden vom Staat konfisziert, aufgeteilt und an Kleinbauern verpachtet. Private Sklaverei wurde verboten. Die Rolle des Kaisers wurde noch autokratischer. Fremde Kaufleute unterlagen den gleichen Restriktionen wie einheimische.

Während der Mongolenherrschaft hatte die Bevölkerung um 40 Prozent auf etwa 60 Millionen abgenommen. Zwei Jahrhunderte später hatte sie sich unter den Ming-Kaisern verdoppelt. Die Urbanisierung nahm zu. Große Städte wie Nanking und Peking trugen zum Wachstum des Handwerks bei.

Die Anfangszeit der Ming-Dynastie war eine Epoche besonderer seefahrerischer Leistungen unter Kaiser Zhu Di und seinem Admiral Zheng He, die China zur technologisch und nautisch führenden Seenation der damaligen Welt machten.

Die späteren Ming-Kaiser nahmen eine defensive Strategie ein. Gegen das aufkommende Piratentum an der Küste und die Emigration nach Südostasien verfügten sie ein Seeverbot, Schiffe durften nur noch einen Mast haben. Um sich gegen die Mongolen zu schützen, ließen sie die Große Mauer reparieren und auf den heutigen Stand bringen. Selbst im Land ließen sie mächtige Schutzwälle um die Städte aufziehen.

Gleichwohl legten die Reisen Zheng Hes den Grundstein für die folgende Besiedlung Südostasiens durch Chinesen und für weiteren Handel über See. 1550 wurde das Seefahrtsverbot (Hai jin) wieder gelockert.

Während der Ming-Zeit wurde der erste westliche Handelsposten von den Portugiesen in Macao eröffnet.

Nach innen errichteten die Ming-Kaiser ein in der chinesischen Geschichte beispielsloses Netzwerk von Geheimdiensten, bald angeführt von mächtigen Eunuchen. Als der letzte Ming-Kaiser Chongzhen an der Macht kam, versuchte er, die Macht der Eunuchen zu beschneiden und durch eine Landreform die Not der Landbevölkerung zu lindern. Dennoch kamen die Maßnahmen zu spät. Als in der Provinz Shaanxi die Bauern rebellierten, war die Situation nicht mehr unter Kontrolle zu bringen. Der Kaiser erhängte sich, als die Aufständischen in Peking einmaschierten.

Der General Wu Sangui, der die Chinesische Mauer nordöstlich von Peking bewachen sollte, rief die Mandschu zu Hilfe und öffnete die Tore der Mauer für die Qing-Armeen.

Qing-Dynastie (1644 - 1911): Die letzte Dynastie

Die letzte chinesische Dynastie wurde 1644 gegründet, als die Mandschu die Ming-Dynastie stürzten. Bis Ende des Jahrhunderts hatten sie ihre Macht im ganzen Territorium, das die Ming beherrscht hatten, konsolidiert und mit erheblichem Aufwand um Xinjiang, Tibet und die Mongolei erweitert. Der Schlüssel zum Erfolg war die Kombination aus kriegerischer Begabung der Mandschu und chinesischer Verwaltung.

Unter den Qing wurden einige herausragende kulturelle Leistungen vollbracht. Unter Kaiser Kangxi wurde das größte Wörterbuch zusammengestellt, und unter Kaiser Qianlong wurde ein Lexikon aller wichtigen kulturellen Arbeiten geschrieben. Das berühmte Buch "Der Traum der roten Kammer" stammt ebenfalls aus dieser Periode. Die in der Landwirtschaft erreichten Fortschritte ermöglichten zwischen 1700 und 1800 eine Verdoppelung der Bevölkerung von 180 Millionen auf 400 Millionen.

Trotzdem ist es eine verbreitete historische Ansicht, dass die Qing den Niedergang der Ming nur fortgesetzt haben. Um ihre Herrschaft zu festigen, setzten die frühen Qing-Kaiser gezielt Intellektuelle unter Druck. Grausame Strafen wie zum Beispiel die Vernichtung des gesamten Hauses wurden bereits wegen Verwendung bestimmter Wörter verhängt. Im 19. Jahrhundert erlebte China massive soziale Spannungen. Eine Wirtschaftsstagnation gepaart mit starkem Bevölkerungswachstum führte zur Verarmung der Massen.

Der Versuch, sich gegen das zunehmend übermächtige Ausland und seine Freihandelspolitik abzuschotten, schlug fehl. Großbritannien setzte im Ersten Opiumkrieg und im Zweiten Opiumkrieg das Recht durch, mit Opium handeln zu dürfen. China musste weitere "Konzessionen" an ausländische Mächte abgeben und im Vertrag von Nanjing 1842 Hongkong an Großbritannien abtreten.

Der Taiping-Aufstand und Nian-Aufstand sowie von Russland unterstützte islamische und separatistische Bestrebungen in der Mongolei und Xinjiang brachten die Qing-Dynastie in Bedrängnis und konnten teilweise nur mit ausländischer militärischer Hilfe niedergeschlagen werden. Damit geriet China mehr und mehr auf das Niveau einer Kolonie.

Zwar versuchten die Qing-Kaiser mit Modernisierungsbestrebungen gegenzusteuern, z.B. mit der sogenannten Kampagne zur Selbststärkung. Konservative Kräfte, allen voran Kaiserinwitwe Cixi vereiteln das, indem sie 1898 einen Militärputsch anzetteln und die Reformer ihrer Ämter entheben. Korruption lähmte die Armee; so wurden die modernisierten Truppen in mehreren Kriegen vernichtend geschlagen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die Qing-Dynastie in Trümmern. Das Kaiserhaus wurde von Kaiserinwitwe Cixi dominiert, die sich jeder tiefgreifenden Reform widersetzte. Am Tag vor ihrem Tod ließ sie den Kaiser Guang Xu vergiften. Damit stand China ohne wirkliche Führung da.

Republik (1912 - 1949)

1911 kam es zum Sturz der Qing-Dynastie und des letzten Kaisers, Pu Yi. Der gewiefte General Yuan Shikai verhandelte einerseits mit den Revolutionären unter Sun Yatsen, der am 1. Januar 1912 die Republik China ausrief, andererseits setzte er das Kaiserhaus unter Druck. Um einen Bürgerkrieg und unnötiges Blutvergiessen zu verhindern, verzichtete Sun auf das Präsidentenamt zugunsten Yuans, falls letzterer die Dynastie kampflos zum Verzicht bewegen konnte.

Yuan Shikai war ein Mann der Tradition. Von Demokratie und Republik hielt er nichts. Als bekannt wurde, dass er 1915 selbst den Kaiserthron besteigen wollte, rebellierten nicht nur die Provinzen, selbst seine eigene Generäle entsagten ihm die Unterstützung. Zutiefst enttäuscht und gekränkt starb Yuan kurz darauf (6. Juni 1916).

In der Folgezeit kam es zu diversen Aufständen. Die mächtige Beiyang Armee von Yuan Shikai zerfiel in mehreren Fraktionen, die einander bekämpften. Viele Südprovinzen erklärten sich für unabhängig. Sun Yatsen († 12.3.1925) versuchte, in Kanton eine eigene Machtbasis aufzubauen, um seine Ideale einer Republik wieder herzustellen (ab 1921).

Die ausländische Mächte versuchten die Situation auszunutzen, um ihre eigenen Privilegien im Land zu sichern. Vor allem Japan nutzte die Gelegenheit, um seinen Einfluss in China zu vergrößern. In Reaktion darauf entwickelte sich ein chinesischer Nationalismus, der in der Bewegung des vierten Mai ausbrach. Schließlich konnte sich der Nachfolger Sun Yatsens, Chiang Kai-shek, militärisch durchsetzen und das Land unter der Flagge der Republik vereinen.

Japan sah sich dadurch zur Aktion gezwungen, eroberte die Mandschurei und errichtete dort 1932 den Marionettenstaat Mandschuko. Später wurde auch das chinesische Kernland überfallen, der Krieg endete erst 1945. Der im Kampf gegen Japan ruhende Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalisten flammte danach wieder auf. 1949 besiegten die Truppen Mao Zedongs endgültig die Kuomintang unter Chiang Kai-shek. Die Nationalisten flohen auf das erst kürzlich von Japan zurückgewonnene Taiwan, wo die Republik bis heute fortbesteht. Auf dem Festland dagegen wurde die Volksrepublik China gegründet.

Volksrepublik und Taiwan (seit 1949)

Nach dem Sieg der Kommunisten über die Kuomintang im Bürgerkrieg wurde am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen. Die neue Regierung übernahm schnell die Kontrolle über das jahrzehntelang von Kriegen heimgesuchte Land und formte einen Staat nach dem Beispiel der Sowjetunion.

Erfolge bei der Bekämpfung der Inflation und dem Wiederaufbau der Infrastruktur bescherten der kommunistischen Führung große Popularität. Unter dem Slogan "Laßt hundert Blumen blühen wurden Vorschläge und Kritik von der Bevölkerung gefördert.

In einem Versuch, schnell die Industrie- und Landwirtschaftsproduktion zu steigern, wurde von Mao Zedong 1958 ein neues Wirtschaftsprogramm, der Große Sprung nach vorn verkündet. Diese Politik der Bildung landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften, der Volkskommunen, und der Errichtung Tausender industrieller Produktionsbetriebe auf dem Lande hatte allerdings gegenteilige Auswirkungen und endete in einer Hungersnot. Mao, der nach diesem Fehlschlag in die Defensive gegenüber pragmatischeren Parteigenossen geriet, inszenierte 1966 die Große Proletarische Kulturrevolution, die das Land in ein Jahrzehnt von Anarchie und Chaos stürzte.

Die Außenpolitik jener Zeit war von Isolation, besonders dem Zerwürfnis mit der Sowjetunion gekennzeichnet.

Mao starb 1976 und pragmatischere Politiker übernahmen die Macht, allen voran Deng Xiaoping. In dieser Phase wurden die Beziehungen zum Westen verbessert, die VR China wurde international anerkannt und das Land wurde auf den Weg zur sozialistischen Marktwirtschaft gebracht. Sonderwirtschaftszonen wurden versuchsweise an der Küste eingerichtet, um in eng begrenzten Räumen zu experimentieren; Chinas Wirtschaft gehört seitdem zu den am schnellsten wachsenden der Welt.

Innenpolitische Spannungen brachen vor allem in den Ereignissen rund um das Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989 auf.

Nach dem Tod Dengs 1997 hat eine jüngere Führungsgeneration die Aufgabe, den Balanceakt zwischen Marktwirtschaft und kommunistischer Staatsform zu schaffen. Diese "dritte Generation" trat 2003 "hinter den Bambusvorhang", d.h. in den Hintergrund, zurück und machte einer neuen, zumindest vorläufigen "vierten Generation" Platz. Ministerpräsident Wen hielt als Vertreter dieser Generation auf dem Volkskongress 2004 eine erstaunliche Rede, die, auf die neuen sozialen Spannungen im Land eingehend, eine Trendwende einläuten könnte. In der Zukunft könnte das reine Mengenwachstum der Volkswirtschaft durch eine Berücksichtigung auch ökologischer Aspekte abgelöst werden.

Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong chinesische Sonderverwaltungszone. Am 1. Dezember 1999 folgte das bis dahin portugiesische Macao als zweite Sonderverwaltungszone.

Literatur

Weblinks




     
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