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Weißwal



Weißwal
Systematik
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Überfamilie: Delfinartige (Delphinoidea)
Familie: Gründelwale (Monodontidae)
Gattung: Delphinapterus
Art: Beluga (Delphinapterus leucas)

Der Weißwal (Delphinapterus leucas) oder Beluga (vom russischen Wort für "weiß") ist eine drei bis maximal sechs Meter lange und 400 bis 1500 Kilogramm schwere Art der Gründelwale, die in arktischen und subarktischen Gewässern lebt. Wie die nahe verwandten Narwale besitzen sie keine Rückenfinne; auffällig ist ihre bläulich-weiße bis cremeweiße Färbung.

Table of contents
1 Aussehen der Weißwale
2 Verbreitung
3 Lebensweise der Weißwale
4 Fortpflanzung und Entwicklung
5 Verhalten
6 Der menschliche Einfluss
7 Literatur
8 Wissenschaftliche Literatur

Aussehen der Weißwale

Die Gesamtlänge der Wale liegt zwischen drei und maximal sechs Metern bei einem Gewicht von 400 bis maximal 1500 Kilogramm, dabei sind die Männchen in der Regel größer und schwerer als die Weibchen. Der Körper wirkt massig und ist besonders im Schulterbereich rechteckig ausladend. Der Kopf ist relativ kurz und trägt eine vorgewölbte Verdickung (Melone), die sich im Laufe des Lebens ausbildet. Der Hals ist meist gut durch einen Nackenabschnitt zu erkennen und der Kopf ist durch unverwachsene Halswirbel recht gut beweglich. Die Fluke ("Schwanzflosse") ist verhältnismäßig breit und wird mit dem Alter der Tiere zunehmend ginkgoförmig. Die Flipper ("Brustflossen") sind abgerundet rechteckig, der Außenrand rollt sich bei älteren Tieren auf. Die Augen sind sehr klein und liegen dicht hinter den Mundwinkeln, die Ohröffnung ist fast gar nicht sichtbar. Kurz vor dem Nacken liegt das halbmondförmige Blasloch.

Wie bei allen Walen ist die Haut unbehaart und besitzt eine ziemlich dicke Oberschicht. Diese Epidermis ist bei dem Weißwalen zwischen 5 und 12 Zentimeter dick und liegt damit auch für Wale über dem Durchschnitt, ebenso die darunter liegenden Schichten. Das Unterhautgewebe ist zu einer Fettschicht ausgebildet, die abhängig vom Ernährungszustand, dem Geschlecht und der Jahreszeit zwischen 2 und 22 Zentimeter dick ist. Die Zitzen der Weibchen liegen in speziellen Taschen und sind nur bei alten oder säugenden Tieren sichtbar.

Ihren Namen erhielten die Weißwale durch ihre Färbung, die sich im Laufe ihres Lebens ändert. So sind neugeborene Weißwale eher schiefergrau bis braun und erhalten nach etwa einem Jahr eine blaugraue Färbung, die sie bis zum fünften Lebensjahr behalten. In dieser Zeit werden sie als "blues" bezeichnet. Danach werden die Tiere gänzlich weiß, wobei ein bläulicher Schimmer vor allem bei Weibchen bleiben kann.

Ein wichtiges Merkmal der Weißwale sind die Zähne. Sie sind gleichmäßig kegelförmig und die vorderen Zähne sind besonders bei den Jungtieren vorn umgebogen. Von diesen Zähnen besitzen Weißwale im Oberkiefer 10 bis 22, im Unterkiefer 6 bis 22, eine Unterscheidung in verschiedene Zahntypen ist wie bei allen Zahnwalen nicht möglich.

Verbreitung

Der Beluga ist in den meisten polaren und subpolaren Gewässern anzutreffen, vor allem an den Küsten Alaskas, Kanadas und der ehemaligen Sowjetunion. Die südlichsten Vorkommen liegen im Ochotskischen Meer und der Japansee in Asien sowie im Bereich der St.-Lorenz-Mündung in Kanada. In Europa sind die Vorkommen ausschließlich auf den äußersten Norden Norwegens im Bereich des Varanger Fjord, in der Barentssee, an der Halbinsel Kola sowie um die Inselgruppen Franz-Joseph Land und Svalbard beschränkt. Sporadische Funde sind allerdings auch um Island, Großbritannien und sogar aus der Ostsee bekannt. Am 18. Mai 1966 wurde ein Einzeltier 400 km stromaufwärts sogar im Rhein gesichtet. Nachdem der Moby Dick genannte Wal über mehrere Wochen den Nachstellungen durch interessierte Biologen entkommen war, schwamm er am 16. Juni 1966 eskortiert von zwei Polizeifahrzeugen zurück ins Meer. [1]

Die Einwanderung in Flüsse wird beim Beluga sehr häufig beobachtet. So stieß man auch in der Loire, in der Elbe und in beinahe allen sibirischen Flüssen auf Einzeltiere oder kleinere Gruppen. Dieses Einwandern steht meist im Zusammenhang mit den jahreszeitlichen Wanderungen der Tiere oder ihren Versammlungen zur Paarung vor den Flussmündungen. Diese Wanderungen innerhalb ihres Gebietes können bei allen Populationen beobachtet werden. Sie dienen wahrscheinlich dem Auffinden von Nahrungsgründen, Paarungsplätzen oder Kalbungsorten.

Der Weltbestand der Belugas liegt wahrscheinlich bei etwa 80.000 bis 100.000 Tieren.

Lebensweise der Weißwale

Die Weißwale bevorzugen als Lebensraum ruhige Küstenbereiche mit mäßiger Tiefe, besonders Meeresbuchten oder den Mündungsbereich größerer Flüsse. Der Brandungsgürtel der Meere wird gemieden. Häufig sind sie auch im Treibeisbereich oder am Rande des Packeises zu finden, die offene See passieren sie wahrscheinlich nur während ihrer Wanderungen.

Weißwale ernähren sich beinahe ausschließlich von tierischer Nahrung. Dabei stellt ist die Zusammensetzung ihrer Nahrung unter den bislang untersuchten Walen die abwechslungsreichste. Insgesamt sind über hundert verschiedene Futtertiere bekannt, das Spektrum reicht von Hohltieren über Tintenfische, Muscheln, Krebstiere und Gliederwürmer bis hin zu größeren Knochenfischen wie Dorschen und Lachsen. Die Nahrung nehmen die Wale vor allem in flachen Meerestiefen von maximal zehn Metern auf, indem sie den Boden nach Organismen absuchen, daneben können sie jedoch auch im Freiwasser jagen. Die maximal dokumentierten Tauchtiefen liegen bei etwa 200 Metern, diese werden allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit eher selten erreicht. Die Nahrungszusammensetzung verändert sich bei den Weißwalen auch mit dem Alter. Besteht sie bei den Neugeborenen und den "blues" noch vor allem aus Krebsen wie den Sandgarnelen (Gattung Crangon), verschiebt sie sich mit zunehmendem Alter mehr in Richtung der Fische.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Männchen der Belugas werden mit etwa acht bis neun Jahren geschlechtsreif, die Weibchen mit etwa fünf Jahren. Bei den Männchen ist der Zeitpunkt des Erwachsenwerdens hormonell direkt mit einer vollständigen Weißfärbung und einer sprunghaften Vergrößerung der Hoden von etwa 130 Kubikzentimetern auf mindestens 360, durchschnittlich aber 900 Kubikzentimeter verbunden.

Die Paarung findet in den Monaten April bis Mai, nördlicher auch erst im Juli im Bereich der Kalbungsgründe statt. Dabei werden Flussmündungen bevorzugt, da das dortige Wasser in der Regel bis zu zehn Grad Celsius wärmer ist. Es kann dann zu Ansammlungen von mehreren tausend Tieren aus allen Altersbereichen kommen; so wurden im Jahr 1974 etwa im Delta des MacKenzie-River über 5.000 Belugas gezählt.

Paarungsbereite Weibchen locken meist mehrere Männchen an, die ihnen folgen. Die Kopulation beginnt mit einem Im-Kreis-Schwimmen der Paarungspartner mit der Bauchseite, worauf eine längere Begattung folgt. Nach der Paarung bildet das Weibchen einen Vaginalpfropf aus, der Eisprung (Ovulation) wird erst durch die Paarung ausgelöst.

Die Tragzeit dauert bei den Weißwalen etwa vierzehneinhalb Monate. Die Neugeborenen sind zwischen 1,40 und 1,70 Meter lang und wiegen zwischen 45 und 75 Kilogramm. Für die ersten Atemzüge werden sie von der Mutter mit der Schnauze über die Wasseroberfläche gebracht, danach bleiben sie immer in ihrer direkten Nähe, meist mit Körperkontakt. Der Zahndurchbruch beginnt zum Ende des zweiten Lebensjahres, bis zu diesem Zeitpunkt werden die Jungtiere von der Mutter gesäugt (Muttermilch mit ca. 23% Fett und 16% Eiweiß). Nach der Entwöhnung verpaart sich die Mutter neu, ihr Jungtier bleibt jedoch meist noch bis zu zwei Jahre bei ihr.

Verhalten

Die Belugas sind gesellige Tiere und leben meist in Familienverbänden oder kleinen Gruppen. Normalerweise findet man sie in kleineren Schulen von etwa zehn Individuen (über 50 Prozent der Beobachtungen), manchmal auch als Einzelschwimmer (etwa 16 Prozent der Beobachtungen), es werden aber auch vereinzelt Gruppen mit mehr als hundert Tieren beobachtet. Während der Paarungszeit bilden sich Großgruppen mit teilweise mehr als tausend Tieren, die allerdings eine Ausnahmeerscheinung während der saisonalen Zusammentreffen darstellen. Die Kommunikation der Weißwale erfolgt über akustische Signale, die im Bereich des Nasenganges zum Blasrohr gebildet werden. Das Repertoir ist bei den Weißwalen ausgesprochen groß und reicht von Brummgeräuschen über Quieklaute bis zu sehr hohen Zwitscherlauten. Der genutzte 
Frequenzbereich reicht dabei von 0,7 bis über 20 Kilohertz. Viele der Töne sollen offensichtlich Artgenossen herbeirufen und werden beispielsweise von gestrandeten Walen abgegeben.

Der menschliche Einfluss

Wie die meisten Wale wird und wurde der Weißwal bejagt, die Jagdzahlen sind jedoch in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Kommerziell wird der Wal nur noch im Norden Russlands gefangen, den Rest macht die Jagd durch Eingeborenenvölker wie die Inuit aus ("native hunt"). Diese nutzen das Fett und das Fleisch für ihre Ernährung, besonders beliebt ist die als Muktuk bezeichnete Haut der Wale. Außerdem gewinnen die Jäger Leder, Tran (etwa 180 Liter pro Wal) und Futter für ihre Schlittenhunde.

Stark eingeschränkt wurde die kommerzielle Jagd vor allem aufgrund sehr hoher Quecksilber-Konzentrationen im Fleisch und Fett der Wale. Diese lag bei Messungen im Jahr 1970 bereits bei über 0,5 ppm (Parts per Million).

Der Schutz der Weißwale kann aufgrund der nachlassenden Bejagung und der Anstrengungen für den Walschutz weltweit als ausreichend angesehen werden. Einen wesentlichen Beitrag liefert dabei auch der Tourismus, da besonders an leicht zugänglichen Küsten in Kanada und Alaska das Whale-Watching der Belugas sehr populär geworden ist. Problematisch sind dagegen die zunehmenden Gewinnungsaktivitäten für Erdöl in den polaren Gewässern, die zu einer zunehmenden Störung der Tiere und einer Verschmutzung der Gewässer führen.

Literatur

Wissenschaftliche Literatur


Beurteilung:
Exzellenter Artikel
 




     
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