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Jean-Baptiste de Lamarck



Jean-Baptiste Pierre Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck (* 1. August 1744 in Bazentin-le-Petit, † 28. Dezember 1829 in Paris) war nicht nur einer der bedeutenden Biologen des 19. Jahrhunderts, er prägte auch den Begriff Biologie.

Besonders bekannt wurde seine Evolutionstheorie, mit der er die Konstanz der Arten negierte und ihre Entwicklung auf Anpassung zurückführte. Zwar hat sich diese Theorie als falsch erwiesen, sie inspirierte jedoch die späteren Vorstellungen von Charles Darwin, auf denen die heutige Evolutionstheorie fußt.

Lamarck war das 11. Kind eines verarmten Adligen ('Chevalier') und genoss seine Schulbildung an der Jesuitenschule von Amiens in Frankreich. Nach dem Tod seines Vaters ging er in den Armeedienst, den er nach 5 Jahren verletzungsbedingt quittieren musste. Nachdem er ein Jahr als Bankkaufmann arbeitete, begann er 1766 ein fünfjähriges Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Paris. Zunächst befasste er sich mit der Meteorologie, später mehr mit Botanik. Jean-Jacques Rousseau ermutigte ihn, eine vielbändige Flora von Frankreich herauszugeben. Diese erregte die Aufmerksamkeit des Comte de Buffon, der für Lamarck eine Anstellung am Musée d'Histoire Naturelle in Paris arrangierte. Nach Jahren der botanischen Arbeit wurde er Kurator für wirbellose Tiere (ein anderer Begriff, den er prägte). Er begann eine Serie von öffentlichen Vorlesungen. Vor 1800 war er der Überzeugung, dass die Arten konstant seien. Nach Arbeiten über die fossilen Weichtiere des Pariser Beckens kam er zur Überzeugung, dass es über lange Zeit gesehen eine Veränderung von Arten gab. Daraus resultierende Überlegungen veröffentlichte er 1809 in seinem Buch Philosophie Zoologique.

Seine Theorie beruhte auf zwei "Beobachtungen", die von vielen Wissenschaftlern seiner Zeit akzeptiert wurden:

  1. Gebrauch und Nichtgebrauch von Organen - Lebewesen verlieren Merkmale, die sie nicht benötigen und entwickeln (infolge der Stärkung des betreffenden Organs durch konstanten Gebrauch) Merkmale, die sie benötigen.
  2. Vererbung erworbener Eigenschaften - Lebewesen vererben ihre durch Gebrauch erworbenen Eigenschaften an ihre Nachkommen.

Beispiele dafür sind nach Lamarck der Giraffenhals und die Muskelentwicklung. Giraffen strecken ihren Hals, wodurch er länger wird. Dieser längere Hals wird an die Kinder vererbt. Ein Schmied bekommt stärkere Arme durch seine Arbeit. Dies vererbt er an seine Söhne. Lamarck sah die Entwicklung als teleologisch (auf ein Ziel gerichtet an).

Ein erklärter Gegner der Evolutionstheorie von Lamarck war der einflussreiche Naturforscher Georges Cuvier. Er hielt an der Vorstellung der Konstanz der Arten fest und glaubte, dass größere Veränderungen im Artenbestand allein darauf zurückzuführen sind, dass Gott sintflutartige Katastrophen auslöse, um alle bis dato erschaffenen Lebewesen zu töten, so dass Platz für seine Neuschöpfungen entsteht.

Zur Prüfung von Lamarcks Thesen wurden experimentelle Befunde herangezogen. August Weismann schnitt Mäusen die Schwänze ab. Die Nachkommen hatten gleichwohl wieder Schwänze. Die seit Jahrtausenden praktizerte Beschneidung bei Juden und anderen Völkern führte keineswegs zu einer Reduzierung der Vorhaut. Gleichwohl waren dies keine Beweise gegen Lamarck, denn Lamarck bezog sich nur auf natürliche Veränderungen, nicht auf künstlich beigefügte Verletzungen. Durch die Entdeckung der Vererbungsgesetze und Darwins Evolutionstheorie waren Lamarcks Thesen jedoch bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts überholt. Den endgültigen Nachweis führte wider Willen Trofim Denissowitsch Lyssenko, ein ukrainischer Biologe in der UdSSR zur Zeit von Josef Stalin, der mit großen Aufwand versuchte, die Vererbung erworbener Eigenschaften nachzuweisen und dadurch zahlreiche Missernten verursachte. Seine Ergebnisse waren so katastrophal, dass er sein Lehrgebäude nur durch seine guten Beziehungen zum NKWD, der Kritiker in Lysenkos Auftrag zum Schweigen brachte, aufrecht erhalten konnte.

Obwohl falsch, war Lamarcks Theorie von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Evolutionstheorie.

Hauptwerke

Siehe auch:
Lamarckismus

Weblinks




     
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