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Psychosomatik



Psyche (griechisch: die Seele) Soma (griechisch: der Körper)

Unter Psychosomatik - abgeleitet vom griechischen psyche (Atem, Hauch, Seele; Schmetterling) und soma (Körper, Leib) - versteht man die Lehre von den Zusammenhängen und der gegenseitigen Beeinflussung von Seele und Körper des Menschen.

In der Medizin spricht man von psychosomatischen Krankheiten, wenn (körperliche) Beschwerden ausschließlich oder überwiegend durch seelische Ursachen bedingt sind, z. B. Stress, Partnerschaftskonflikte, familiäre oder soziale Probleme, Neurosen etc.

Table of contents
1 Beispiele
2 Stellenwert
3 Siehe auch
4 Weblinks

Beispiele

Angst beispielsweise führt dazu, dass im Körper Adrenalin ausgestoßen wird, was u.a. die Magen-Darm-Peristaltik hemmt und bei längerem Bestehen zu Verdauungsstörungen führen kann. In vielen Redewendungen des Alltags ist dieser Zusammenhang impliziert: Etwas liegt einem "schwer im Magen", eine Sache geht einem "an die Nieren", der Schreck "fährt einem in die Glieder", jemandem ist eine "Laus über die Leber gelaufen" u.s.w. Zudem leitet sich das Wort Hypochonder von der beidseits der Magengrube gelegenen Bauchregion unterhalb der Rippenbögen ab.

Häufig vorkommende Beschwerden, die als psychosomatisch angesehen werden, sind u.a. funktionelle Beschwerden des Magen-Darm-Bereiches und des Skelett- und Muskelsystems.

Stellenwert

Über die Bedeutung der Psychosomatik gibt es geteilte Meinungen. Im Extremfall wird angenommen, psychosomatische Erkrankungen seien "eingebildet oder würden simuliert. Daraus wird dann der Schluss gezogen, dem Betroffenen "würde in Wahrheit nichts fehlen". Befürworter der Psychosomatik halten dagegen, dass der Patient lediglich nicht in der Lage sei, sich seinen eigentlichen Problemen zu stellen, da diese z.B. als bedrohend bis lebensbedrohend erlebt werden. Der Patient müsse demzufolge zunächst dazu gebracht werden, eine psychotherapeutische Behandlung überhaupt anzunehmen.

Oft dauert es sehr lange, bis psychosomatische Krankheiten als solche erkannt werden. Studien zeigten, dass manche Patienten über 100 ärztliche Kontakte hinter sich hatten, ehe sie erstmals an einen Psychotherapeuten überwiesen wurden. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Patienten selbst die psychische Ursache ihrer Beschwerden nicht akzeptieren wollen und können. Vielen Ärzten fehlt allerdings auch die entsprechende Ausbildung oder Erfahrung, richtungsweisende Signale des Patienten richtig einzuordnen. Ein dritter Grund ist natürlich in der Tatsache zu sehen, dass in Zweifelsfällen immer eine körperliche Abklärung der Beschwerden zu erfolgen hat.

Über den Stellenwert der Psychosomatik besteht in der Medizin seit längerem ein Richtungsstreit. Dieser wird naturgemäß von Psychotherapeuten höher angesiedelt als von somatisch orientierten Ärzten (z.B. Internisten). Beispielsweise hat die Entdeckung, dass sich bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwürenen häufig der Erreger Helicobacter pylori in der erkrankten Schleimhaut findet, zu der Erkenntnis geführt, dass neben seelischen Auslösern auch körperliche Faktoren ursächlich eine Rolle spielen. Weiters werden heute viele Angsterkrankungen und Panikstörungen als unmittelbare Folge von sporadisch auftretenden Herzrythmusstörungen angesehen.

Unbestritten sollte allerdings sein, dass viele Erkrankungen wie Süchte, Adipositas (Übergewicht), Bluthochdruckerkrankungen, Diabetes mellitus und Rückenschmerzen wie überhaupt die meisten chronischen Erkrankungen durch die dabei oft mitbestehenden psychosomatischen Komponenten die Therapie erschweren und teils verunmöglichen.

Auch innerhalb der Psychosomatik bestehen weltanschauliche Differenzen zwischen eher schulmedizinisch orientierten Vertretern oder Esoterikern wie Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke. Bedeutende Experten sind etwa Medard Boss und Gion Condrau. Dem Psychoanalytiker Michael Balint gelang es in seinen Publikationen - u.a. mit Der Arzt, sein Patient und die Krankheit - den Blick der praktisch tätigen Mediziner für den Leidensdruck der Psychosomatiker zu schärfen.

Einen kritischen Blick auf psychosomatische Theoriebildung und Vorstellungen, auch unter der Perspektive von Definitionsmacht, wirft Detlev Kranz in dem Artikel 'Schwarze Psychosomatik'.

Siehe auch

Weblinks


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