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Geschichte des Telefons



Zur Geschichte des Telefons wird meist die Erfindung des Telefons als interessantester Teil angesehen, während die organisatorischen und technischen Weiterentwicklungen von der Erfindung bis zur heutigen Zeit meist weniger Aufmerksamkeit finden. In seiner derzeitigen Struktur folgt der vorliegende Artikel dieser Prioritätenlage.

Table of contents
1 Die „Erfindung“ des Telefons
2 Vom Laborexperiment zum Telefonnetz
3 Weitere technische und organisatorische Entwicklung
4 Links

Die „Erfindung“ des Telefons

Wer war der Erste?

Betrachtet man die vielen kursierenden Geschichtenversionen zur Erfindung des Telefons, so läßt sich der Schluss ziehen, daß es für die Einführung des Telefons unwesentlich ist, wer das Telefon als erster erfunden hat. Genaugenommen wurde das Telefon sogar von niemandem wirklich erfunden, wenn man den Maßstab anlegt, daß eine Erfindung in der dargestellten Form und unter den vorgesehenen Gebrauchsbedingungen ihr Funktionsziel zuverlässig errreicht.

Erste Denkansätze zu einem Telefon gab es bereits um 1854, als von Seiten des Militärs der Wunsch nach schnelleren Kommunikationsmitteln aufkam und der Pariser Telegrafenbeamte Charles Bourseul (1829-1912) ein Referat über mögliche Techniken der elektrischen Sprachübertragung verfasste. Er schlug eine bewegliche Platte vor, die abwechselnd einen Stromkreis öffnete oder schloss. Allerdings erkannten weder die Wissenschaftler, noch die Öffentlichkeit der damaligen Zeit die Bedeutung von Bourseuls Idee; man bezeichnete ihn als Träumer und "harmlosen Irren". Von der Kritik entmutigt, gab Bourseul seine Pläne für die Umsetzung der Idee auf und sein Vorschlag geriet für lange Zeit in Vergessenheit.

Der von deutscher Seite gern als „wirklicher erster Erfinder“ des Telefons angeführte Philipp Reis bastelte 1860 eine Vorrichtung, die weiter unten beschrieben wird. Die Tonübertragung damit war nur bei sehr minimaler Berührung eines Platinblechstreifens durch eine Drahtfeder möglich. Diese überaus labile Einstellung konnte von jeder geringen mechanischen Erschütterung und Temperaturänderung zu Fall gebacht werden. Reis’ Erfindung war damit allenfalls eine Vorstufe zu einem funktionstauglichen Telefon. Auch die wohlwollenden Gönner, die der junge Reis offenbar hatte, konnten mit diesem offenbar nur fallweise funktionierenden Gerät nicht viel anfangen. Vergleichsweise war das später als Kinderspielzeug (von wem eigentlich?) erfundene Schnurtelefon, bei dem lediglich zwei Konservendosen mit einer Schnur verbunden werden, weit zuverlässiger als Reis’ Entwicklung, die in ihrer Form weder von nachfolgenden Erfindern aufgegriffen wurde, noch in späteren Entwicklungen Eingang fand. Es ist lediglich möglich, daß eine kurze zufällige Übertragung von Tönen statt von Impulsen bei Alexander Graham Bells Versuchen zu einem „harmonischen Telegraphen“ zur gleichzeitigen Übertragung mehrerer Informationen auf dem gleichen Effekt beruhte, wie bei dem von Reis gebauten Apparat. Bell gelang es offenbar nicht, diese Beobachtung richtig einzuordnen oder zu verwerten.

Der dennoch weit erfolgreichere Alexander Graham Bell beschrieb in seinem Patentantrag lediglich die Idee zu einem Telefon. Ihm kam dabei zugute, daß wenige Jahre zuvor das Patentamt den Verzicht auf die Vorlage eines funktionierenden Modells zum Patentantrag beschlossen hatte. Die Realisierung eines Telefons gemäß dem Patent gelang nicht, vielmehr musste Bell dazu später Ideen seines Konkurrenten Elisha Gray verwenden, der seinerseits am gleichen Tag, jedoch zwei Stunden nach Bell einen Patentantrag eingereicht hatte. Auch dann war dieses Telefon (mit einer säuregefüllten Metalldose!) noch nicht wirklich gebrauchstauglich, Bell musste von seinem fachkundigen Assistenten Thomas A. Watson, dem späteren ersten Präsidenten der IBM, erst noch weitere Änderungen vornehmen lassen sowie das Kohlemikrofon nach dem Patent des Engländers Blake benutzen, um seinen Telefonapparat anwendungsreif zu machen.

Das Patent, das Bell zugesprochen wurde, hatte jedoch den unschätzbaren und erfolgsträchtigen Nutzen, daß Bell damit allen anderen Konkurrenten die Aktivitäten auf dem Gebiet des Telefons mit staatlicher Rückendeckung untersagen konnte. Auch die mächtige Western Union Telegraph Company, die Elisha Gray unter Vertrag nahm und in Reaktion auf die Patenterteilung an Bell von Thomas Alva Edison ein anderes Gerät als das von Bell entwickeln ließ, scheiterte nach zahllosen Prozessen daran. Dabei war Edisons dann verbotenes Gerät möglicherweise technisch ausgereifter als Bells Entwicklungen.

Die Geschichte von Philipp Reis

Im Jahre
1860 nahm der Physikalische Verein in Frankfurt am Main einen Siebzehnjährigen auf, der wenig später eine der bedeutendsten Erfindungen des 19. Jahrhunderts machte: Der aus dem hessischen Gelnhausen stammende Bäckersohn Philipp Reis (1834-1874), der in Frankfurt und Friedrichsdorf eine höhere Ausbildung erhalten hatte und als Lehrer für Physik und Mathematik am Institut von Hofrat Garnier in Friedrichsdorf eingestellt worden war, baute 1860 das erste - wenn auch noch sehr primitive - Telefon der Welt. Grundlage war ein Holzmodell einer Ohrmuschel, das er für den Physikunterricht entwickelt hatte, um damit "Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung zu reproduzieren". Erst die kurz zuvor erlangten Erkenntnisse auf dem Gebiet des galvanischen Stroms in der Physik und Elektrotechnik ermöglichten die konstruktive Umsetzung dieses Gedankens. Reis simulierte das Trommelfell seines Ohrmodells, indem er daran ein Stück Wursthaut befestigte, deren Schwingungen von einem feinen Platinstreifen und einer Feder abgetastet wurden. Trafen Schallwellen auf das "Trommelfell", versetzten sie dieses in Schwingungen, die wiederum in gleicher Regelmäßigkeit den Stromkreis unterbrachen. Im Laufe seiner Versuche stellte er fest, dass er als Sender statt des komplexenen Ohrmodells auch einen mit einer Membran bespannten Schalltrichter verwenden konnte. Als Empfänger diente ihm eine um eine Stecknadel gewickelte Kupferdrahtspule, durch die der vom Sender ausgesandte, teils unterbrochene, Strom floss. Die Nadel übersetzte die Impulse durch Bewegung wieder in Schallwellen; zur Verstärkung der Töne setzte Reis ein Holzkästchen als Resonanzboden ein. Zwar war die Übertragung nur in eine Richtung möglich und die Leistungsfähigkeit sehr gering, aber bei 1947 von der Telefonfirma STC durchgeführten Tests mit dem von Reis entwickelten Telefon wurde festgestellt, dass es Sprache sehr gut übermittelte.

Trotz vieler Bemühungen konnte Reis seinem Apparat nicht zum Erfolg verhelfen. Zwar wurden einige Geräte von Laboratorien gekauft, viele bedeutende Wissenschaftler ließen sich aber nicht von Reis' Idee überzeugen. Philipp Reis war seiner Zeit schlichtweg voraus; als er sein Telefon bereits fertig gestellt hatte, war die Entwicklung des Telegrafen, die damals im Blickpunkt des wissenschaftlichen und öffentlichen Interesses stand, noch nicht abgeschlossen.

Die Geschichte von Bell, Gray und Meucci

Die Realisierung der Telefon-Idee gelang Alexander Graham Bell (1847-1922) sechzehn Jahre später: Der Taubstummenlehrernlehrer, der 1873 eine Privatschule für Stimmphysiologie eröffnet hatte, führte diverse Versuche zur Mehrfachtelegrafie durch. Dabei erkannte er, dass etwas dermaßen Komplexes wie Sprache nicht durch einfache Unterbrechungen eines Stromflusses transportiert werden kann, sondern dass hierzu eine fortdauernde Änderung des Stromes nötig ist. Bell hatte in den Erkenntnissen der "elektromagnetischen Induktion", die auf den Physiker Michael Faraday (1791-1867) zurückgehen, zwar schon eine Lösung für die Umsetzung gefunden. Es mangelte jedoch an den zur Durchführung notwendigen Fachkenntnissen. Erst durch einen Zwischenfall bei einem Versuch erkannte Bell, wie er die Stromänderung steuern konnte. Er machte sich sofort mit seinem Assistenten Thomas A. Watson daran, einen Apparat zu bauen, der - ähnlich dem Telefon des Philipp Reis - die Schwingungen einer Membran in elektrische Schwingungen umwandelte.

Nach etlichen Versuchen mit seinem Apparat ließ Bell im Februar 1876 seinen Anwalt ein Patent beantragen. Nur zwei Stunden später versuchte auch der Erfinder Elisha Gray, ein ähnliches Gerät anzumelden. Drei Wochen später, am 7. März, erhielt Alexander Graham Bell das Patent für sein Telefon. Wie oben schon erwähnt kam ihm dabei zugute, daß er nach neuestem Recht kein funktionierendes Modell vorlegen musste, ferner auch, dass zwar Antonio Meucci schon 1871 einen vorläufigen Patentantrag eingereicht hat, jedoch die Gebühren dafür nur bis 1874 zahlen konnte. Im Gegensatz zu der Erfindung von Gray, war Bells Apparat erst nach weiteren drei Tagen überhaupt betriebsbereit. Am 10. März 1876 übertrug Bell mit einem Notruf an seinen Assistenten Watson die ersten Worte über sein Telefon.

Wie schon Charles Bourseul hatte auch Bell Schwierigkeiten, die Öffentlichkeit für die Erfindung zu begeistern. Verweigerte man Bourseul 1854 nur das Interesse an seiner Idee, wurde Bell gar als Bauchredner und Betrüger bezeichnet. Doch der Erfinder schenkte dem keine Beachtung und arbeitete mit seinem Assistenten weiter an der Verbesserung des Apparates.

Die für den Erfolg seiner Erfindung notwendige Berühmtheit brachten schließlich bedeutende Wissenschaftler aus der Gefolgschaft des damaligen Kaisers von Brasilien, der das Telefon auf einer ersten Ausstellung im Juni 1876 entdeckt hatte. Die Wissenschaftler sahen in dem Apparat "das größte Wunder, das je auf dem Gebiet der Elektrizität vollbracht worden ist" und trugen so entscheidend zur Verbreitung in Europa bei. Bell selbst war die Bedeutsamkeit seiner Erfindung bewusst, und so gründete er 1877 die Bell Telephone Company, die in den Vereinigten Staaten den Bau eines Fernsprechnetzes übernehmen sollte. Elisha Gray verbündete sich mit der Western Union Telegraph Company, der damals größten Telegrafengesellschaft, die zuvor nicht am Kauf des Patents von Bell interessiert war, und fing ebenfalls an, ein Fernsprechnetz aufzubauen. Bald darauf begannen die ersten Patentprozesse, in denen festgestellt werden sollte, ob Bell tatsächlich der Erfinder des Telefons war. Bell konnte alle der insgesamt fast 600 Prozesse für sich entscheiden, da die Gerichte sich meist darauf beriefen, dass Bell als erster ein Patent erworben hatte. So wurde unter anderem nicht nur Elisha Gray und der Western Union, sondern sogar Philipp Reis der Status des Telefonerfinders verwehrt. Die Bell Telephone Company benannte sich 1885 in American Telephone and Telegraph Company (AT&T) um und ist heute der weltgrößte Telefonkonzern.

Vom Laborexperiment zum Telefonnetz

Entwicklung in den USA

Im Juli 1877 gründete Bell zusammen mit Thomas Sanders and Gardiner G. Hubbard unter Einschluss seines Assistenten Thomas Watson die Bell Telephone Company. Zwei Tage später heiratete er die Tochter Mabel seines Geschäftspartners Hubbard.

Wegen Absatzschwierigkeiten boten Bell und seine Compagnons die Patente der mächtigen Western Union Telegrafen-Gesellschaft - Elisha Grays Arbeitgebern - für $100.000 zum Kauf an. Die Western Union lehnte ab - was sie bald bitter bereuen sollte.

Dennoch sahen Amerikas Telegraphengesellschaften voraus, daß Bells Telefon eine Bedrohung für ihr Geschäft darstellte und sie versuchten dem gegenzusteuern. Die Western Union Company ließ Thomas Alva Edison ein eígenes Telefon mit anderer Technik entwickeln. Bell verklagte daraufhin Western Union der Verletzung seiner Patentrechte. Diese versuchte zu argumentieren, daß eigentlich Elisha Gray das Telefon erfunden hätte, verlor jedoch den Prozess.

Im März 1879 fusionierte die Bell Telephone Company mit der New England Telephone Company zur National Bell Telephone Company, deren Präsident William H. Forbes, Schwiegersohn von Ralph Waldo Emerson, wurde. Im April 1880 geschah eine weitere Fusion mit der American Speaking Telephone Company zur American Bell Telephone Company.

1885 wurde die American Telephone and Telegraph Company (AT&T) gegründet, um die Fernverbindungslinien quer durch die USA für das Bellsche System zu erobern. Theodore Vail wurde der erste Präsident der Gesellschaft.

1925 wurden die Bell Telephone Laboratories aufgebaut, um die Forschungslaboratorien der AT&T und der Western Electric Company zusammenzufassen. Die AT&T wurde in der Folgezeit der mächtigste Telekommunikationkonzern der Welt.

Erste Entwicklungsschritte in Deutschland

In Deutschland hatte seit der Erfindung durch Philipp Reis keine weitere Entwicklung des Telefons stattgefunden. Erst 1877, als die Bell Telephone Company mit dem Vertrieb des Bell-Telefons begonnen hatte, interessierte man sich vereinzelt wieder für die Übertragung von Tönen mit Hilfe der Elektroakustik, wie sie dem Telefon zugrunde liegt: Der Berliner Generalpostmeister Heinrich von Stephan führte von Oktober 1877 bis April 1878 Versuche mit zwei Bell-Telefonen durch und baute eine zwei Kilometer lange Telefonverbindung auf, die am 26. Oktober 1877 in Betrieb ging. Um die Grundlage für weitere Versuche zu schaffen, beauftragte man die Firma Siemens & Halske; mit Herstellung weiterer Apparate. Ab November 1877 produzierte Siemens & Halske täglich 200 Telefone, von denen ein Großteil bald auch an Privathaushalte verkauft wurde.

Ab 1881 wurden die Fernsprechnetze eingerichtet. Die Vermittlung geschah von Hand, das Fräulein vom Amt war erfunden. Die ersten Ortsnetze wurden in Berlin, Breslau, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Mannheim und München eröffnet.

Seit 1883 wurden auch Telefonleitungen zwischen größeren Städten verlegt. Die Telefonleitung zwischen Bremen und Bremerhaven war bei ihrer Inbetriebnahme am 15. Oktober 1883 die längste Telefonleitung Deutschlands. 1884 folgten die Telefonleitungen von Köln nach Düsseldorf und Bonn. Von Berlin aus konnte man bald danach Ferngespräche mit Hannover (1886), Hamburg (1887), Dresden (1888), Breslau (1889) und Königsberg (1895) führen.

Erst ab 1912 wurden unterirdische Fernkabel verlegt. Die ersten Ferngespräche liefen über das Rheinlandkabel, dass von Berlin über Magdeburg nach Köln verlief.

Seit den 1920er Jahren gab es in Deutschland auch den Selbstwählferndienst - das Fräulein vom Amt musste nicht mehr jedes Ferngespräch vermitteln.

Am 19. Februar 1955 wurde die erste selbst wählbare Verbindung ins Ausland eingerichtet, nämlich die Ortsverbindung Lörrach-Basel. Schon damals mussten die Lörracher für die Schweiz 0041 vorwählen.

Weitere technische und organisatorische Entwicklung

Um das Telefon gebrauchsfähig zu machen, war der Aufbau eines komplexen Systems nötig, das neben dem Telefonapparat auch Übertragungsleitungen und Einrichtungen für variable Verbindungen enthielt. Vorläufige Stichworte zur Abfolge der Entwicklungsschritte:

Entwicklung ab ca. 1965

Bis ins zweite Drittel des 20. Jahrhunderts änderte sich an der Funktionsweise der Telefone kaum etwas, lediglich die Umstellung von manueller auf automatische
Vermittlungstechnik bzw. Selbstwählferndienst führte zu leicht variierten Geräten. Erst in den siebziger Jahren, als das Telefon zur Grundausstattung fast jeden Haushaltes gehörte, kam mit zunehmendem Wohlstand der Wunsch nach neuen Farben und Designs auf. Die Entdeckungen auf dem Gebiet der Mikroelektronik ermöglichte 1974 die ersten Tastentelefone. Ab diesem Zeitpunkt wurden Telefone in immer kürzeren Abständen technisch erweitert, zunächst durch Rufnummernspeicher und Displayss, später unter anderem mit elektronischen Ruftönen und Freisprechfunktion. Auch wurden Mitte der achtziger Jahre die ersten schnurlosen Telefone auf den Markt gebracht. In jüngster Zeit kamen durch immer leistungsstärkere elektronische Bauteile noch Erweiterungen wie elektronische Telefonbücher und Benutzerführung über das Display hinzu.

BIGFON (Breitbandiges Integriertes Glasfaser-Fernmeldeortsnetz) war ein Systemversuch, den die Deutsche Bundespost von 1981 bis 1988 in sieben Städten durchgeführt hatte. Ziel war die praktische Erprobung von Glasfasertechnik für sämtliche Telekommunikationsdienste. Es war der erste technische Versuch für ein Integriertes Breitband Fernmeldenetz (IBFN), in dessen Rahmen auch ein Bildfernsprech-Versuchsnetz (Video Telephony Network) zur Übermittlung von Gebärdensprache für Gehörlose installiert wurde.

Das digitale Netz

Ein größer technische Umbruch in Deutschland erfolgte erst mit der Einführung von ISDN (Integrated Services Digital Network).
1979 beschloss die Deutsche Bundespost die bis dahin elektromechanischen Vermittlungstechniken zu digitalisieren. Das Ziel von ISDN war die bis dahin verteilten Dienste von Telefonie, Fax, Fernschreiber und anderen Datenübertragungen auf einem Netz zu vereinen.
Von 1980 bis 1987 wurde Anhand von Richtlinien und Empfehlungen der damaligen CCITT (heute ITU) die Pläne der Deutschen Bundespost zur Einführung von ISDN festgelegt. 1987 wurde dann in Deutschland das erste ISDN-Pilotprojekt in Mannheim und Stuttgart gestartet. Ab 1989 wurde ISDN bundesweit eingeführt und steht seit 1993 flächendeckend zur Verfügung.
Im Dezember 1993 unterzeichnete die Deutsche Telekom, als einer von 26 Unterzeichnern, das "Memorandum of Understanding on the Implementation of a European ISDN". Hierdurch wurden die Weichen gestellt, das bis dahin Nationale-ISDN (1TR6) gegen das heute als EURO-ISDN (E-DSS-1) bekannte System als europäischen Standard einzuführen. Im Mai 1994 waren die notwendigen Softwareänderungen in den digitalen Vermittlungsstellen der Deutschen Telekom abgeschlossen.

Durch eine Fördermaßnahme der Deutschen Telekom in den Jahren 1995 bis 1996 wurde die Anzahl der EURO-ISDN-Anschlüsse in Deutschland beträchtlich gesteigert. Heute ist Deutschland mit 20 % aller weltweit installierten ISDN-Anschlüsse führend was die Nutzung dieser Technik angeht.

Das mobile Netz

Im Jahre 1958 begann die Deutsche Bundespost, der zu dieser Zeit auch die Telekommunikation oblag, bundesweit ein öffentliches Mobilfunknetz aufzubauen. Innerhalb von zwölf Jahren gelang es, mit dem Funknetz vier Fünftel der Fläche der Bundesrepublik zu überziehen. Damit war das so genannte A1-Netz das größte zusammenhängende Mobilfunknetz der Welt. Um Gebiete mit hoher Verkehrsdichte zu entlasten, wurden zusätzlich noch A2- und A3-Netz aufgebaut. Um die bis zu elftausend Teilnehmer zu bewältigen, waren fast sechshundert Vermittlungskräfte nötig. Daher konzentrierte man sich auf eine Umstellung von manueller zur automatischen Vermittlung, die 1972 im B-Netz realisiert wurde. Da dieses nach sieben Jahren mit dreizehntausend Benutzern vollständig ausgelastet war, wurde 1980 das B2-Netz hinzugeschaltet und die Kapazität auf knapp 27.000 Teilnehmer erweitert. 1986 löste das C-Netz, das bis zu 400.000 Endbenutzer gleichzeitig bedienen konnte, die beiden Vorgänger ab. Neben tragbaren Endgeräten, die allerdings noch etwa siebenhundert Gramm wogen, war jetzt auch die Verbindung zu Mobilfunkteilnehmern möglich, deren Aufenthaltsort dem Anrufenden nicht bekannt war. Nach zwei Betriebsjahren zählte das C-Netz bereits über hunderttausend Nutzer. Für das Ende der neunziger Jahre rechnete man mit einer Million Teilnehmern im Mobilfunk.

Das D-Netz war 1992 schließlich die bislang letzte große Neuerung auf dem Gebiet der Mobilfunknetze in Deutschland. Im Vergleich zu den vorherigen Netzen gab es zwei wesentliche Unterschiede: Einerseits wurden die technischen Belange von einer europäischen Kommission festgelegt, sodass der Weg für ein einheitliche europäische Mobilfunk-Lösung geebnet war, andererseits erklärte sich die Deutsche Bundespost Telekom (DBPT) bereit, erstmalig mit Mannesmann Mobilfunk auch einen privaten Netzbetreiber zuzulassen. Mannesmann erhielt das D2-Netz, während das D1-Netz weiter von der DBPT betrieben wurde.

Als erstes deutsches Mobilfunknetz wurde das D-Netz vollständig digital übertragen, was unter anderem nicht nur die Sprachqualität deutlich verbesserte, sondern auch kleine und leichte Endgeräte ermöglichte. Mit Einführung des neuen Netzes erlangte der Mobilfunk zunehmend auch bei Privatpersonen Attraktivität, sodass bereits 1995 etwa 1,5 Millionen Benutzer verzeichnet werden konnten.

Links

http://handymuseum.de/




     
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