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Alexander Graham Bell



Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh, Schottland, † 2. August 1922 auf Cape Breton Island, Nova Scotia, Kanada), war ein Sprechtherapeut, Erfinder und Großunternehmer, daneben durch seine Aktivitäten eine zwiespältig gesehene Figur in der Geschichte der Gehörlosen.

Table of contents
1 Lebenslauf
2 Bell als Sprechtherapeut und "Taubstummenlehrer"
3 Bell und das Telephon
4 Bell als Großunternehmer
5 Eugenik
6 Literarische Werke
7 Weblinks

Lebenslauf

Bell besuchte zunächst in Edinburgh und ab dem 14. Lebensjahr in London die Schule. Er studierte wiederum in Edinburgh Latein und Griechische Sprache. Bereits der Großvater Alexander und der Vater Alexander Melville Bell beschäftigten sich mit Sprechtechnik, wobei letzterer das erste universale phonetische Schriftsystem bzw. eine Lautschrift oder phonetisches Alphabet entwickelte, das er "Visible Speech" nannte, weil damit die Laute abgebildet würden.

Sohn Alexander, der in Bewunderung für einen Freund der Familie noch als Kind den Zunahmen "Graham", annahm, wurde dann auch Lehrer an der Weston House Academy für Sprechtechnik und Musik in Elgin. Er folgte danach seinem Vater nach London, wo dieser am University College als Lehrer für Sprechtechnik tätig war und seinen Sohn als Assistenten einstellte. Bell studierte bis 1870 Anatomie und Physiologie der menschlichen Stimme.

Da seine Brüder beide an Tuberkulose starben, siedelten seine Eltern mit ihm 1871 nach Kanada über, wo sein Vater ein besseres Klima erhoffte und dort eine Lehrtätigkeit aufnahm.

Die historisch nachhaltigste Wirkung hatte Bell 1876 mit der Entwicklung und Einführung des Telefons zu einem gebrauchsfähigen System. In der Folge entstand die Bell Telephone Company, die sich später zum weltweit größten Telekommunikationskonzern AT&T; entwickelte.

1876 heiratete er die taube Tochter Mabel seines Geschäftspartners Hubbard, die er an der Clarke-Schule kennenlernte, an der er als Taubstummenlehrer wirkte.

1882 erhielt Bell die Staatsbürgerschaft der USA

Bis zu seinem Tode 1922 beschäftigte sich Bell vor allem mit weiteren Entwicklungen und Erfindungen auf zahlreichen technischen Gebieten sowie auch mit Untersuchungen zur Eugenik der Taubheit.

Bell als Sprechtherapeut und "Taubstummenlehrer"

Bells Mutter war stark schwerhörig, Bell konnte sich jedoch mit ihr mit besonders tiefer Stimme unterhalten. Dies, sowie die familiär vorgeprägte berufliche Laufbahn veranlassten Bell offensichtlich, einer der engagiertesten Befürworter des lautsprachlich orientierten Erziehungsprinzips für "Taubstumme" im Gegensatz zu gebärdensprachlich orientierten Methoden zu werden.

1868 gab Bell in England Sprechunterricht für "taubstumme" Kinder. 1871 ging Bell als "Taubstummenlehrer" an die in Northampton eingerichtete spätere "Clarke School" in Massachusetts, USA. Er bleibt danach für den Rest seines Lebens Mitglied des Aufsishtsrats der Schule und wird in den letzten fünf Lebensjahren auch dessen Vorsitzender. An dieser Schule lernt er auch Mabel, seine spätere Frau kennen. Angeblich betrachtet Bell sich selbst in erster Linie immer als "Taubstummenlehrer" und weniger als Erfinder.

Von 1873 bis 1877 bekleidete er eine Professur für Sprechtechnik und Physiologie der Stimme an der Universität Boston.

Eine Ironie der Geschichte ist es, dass Bell, der stets vorgab, die Tauben fördern zu wollen, mit dem Telefon ein System verbreitete, das zum Standard-Instrument im Beruf, Geschäftsleben und Alltag wurde, jedoch durch seine Nicht-Nutzbarkeit für Taube diese ausgrenzte und ihre beruflichen Chancen jahrhundertelang minderte.

Bell und das Telephon

Bereits 1861 hatte der deutsche Lehrer Philipp Reis einen funktionsfähigen Fernsprecher erfunden, sich jedoch mit der Erfindung an sich begnügt, statt sie weiterzuentwickeln. Wenig später experimentieren auch Elisha Gray und Antonio Meucci in den USA an fortgeschritteneren Vorhaben, Töne über elektrische Leitungen zu übertragen.

Um 1873 versuchte Bell, einen "harmonischen Telegraphen" zu entwickeln, der durch Benutzung mehrerer isolierter musikalischer Tonlagen mehrere Nachrichten gleichzeitig senden können sollte, betrieb dies jedoch mit wenig Engagement.

Der prominente Bostoner Rechtsanwalt und gleichzeitige Direktor der "Clarke School for the Deaf" Gardiner Greene Hubbard und der wohlhabende Salemer Geschäftsmann Thomans Sanders, dessen tauben Sohn George Bell unterrichtete, erfuhren von Bells Experimenten und bewogen ihn, die Entwicklung am Harmonischen Telegraphen voranzutreiben. Die drei unterzeichneten eine Vereinbarung, nach der Bell finanzielle Unterstützung erhielt im Gegenzug für spätere Beteiligung von Hubbard und Sanders an den Erträgen.

Obwohl Bell zufällig entdeckte, dass statt der erwarteten Telegraphen-Impulse auch Tonfolgen übertragen werden können, gelang es ihm nicht, dies zu wiederholen. Gleichwohl meinte er, das Prinzip für die Übertragung von Tönen für einen Patentantrag beschreiben zu können. Zugute kommt ihm dabei, dass das Patentamt einige Jahre zuvor die Anforderung fallen ließ, mit dem Patentantrag ein funktionierendes Modell einzureichen. Am 14. Februar 1876 reicht Bells Anwalt den Patentantrag ein, nur Stunden bevor Elisha Gray gleiches tun konnte.

Mysterien umranken diesen Vorgang. So wird berichtet, dass Bell bei der späteren praktischen Ausführung einen Flüssigkeits-Übertrager benutzte, den er zuvor nie ausprobiert hatte und in seiner Patentschrifft nicht aufführte, dieser jedoch in Grays Antrag beschrieben war. Es wird auch berichtet, Bell sei in den Besitz von Teilen aus Meuccis Werkstatt gekommen, während dieser im Krankenhaus lag. Meucci hatte bereits von 1871 bis 1873 ein vorläufiges Patent angemeldet, konnte jedoch die Mittel für eine Aufrechterhaltung über diesen Zeitpunkt hinaus nicht aufbringen. Meucci beauftragte seinen Anwalt, gegen Bells Vorgehen zu protestieren, was jedoch nie ausgeführt wurde. Spätere Nachforschungen förderten illegale Verbindungen zwischen Angestellten des Patentamtes und Bells Gesellschaft zutage.

Das von Bells sachkundigen Mechaniker Thomas Watson gebaute erste funktionierende Telefon sah den Berichten zufolge merkwürdig aus. Eine säure-gefüllte Metalldose ist mit einer Scheibe bedeckt, die einen Draht hält, der in die Säure taucht. Außen an der Metalldose ist ein anderer Draht befestigt, der zum Empfänger-Telefon führt. Ein Hineinbrüllen in einen senkrecht darüber angeordneten Trichter bringt die Scheibe und den Draht zum Schwingen. Durch die Schwingungen verändert sich der Abstand und damit auch der Stromfluß durch Draht und Säure zum Empfängertelefon. Dort werden die Schwankungen des Stromes wieder in gleichartige Membran-Vibrationen umgesetzt, die dann Töne produzieren. Am 10. März 1876 führte Bell mit seinem Mitarbeiter Watson, der im Nebenraum saß, sein erstes Telefongespräch mit diesem Apparat.

Dieses Telephon war nicht sonderlich gebrauchstauglich, doch Bell verbesserte es bald, indem er sowohl für den Lautsprecher als auch das Mikrophon elektromagnetische Spulen und Permanentmagnete gebraucht. Später verwendet er für das Mikrophon Dosen mit Kohlekörnern und einer federnden Membran nach dem Patent des Engländers Blake. Dennoch dauerte es noch bis 1881, bis das Telefon praktisch einsatzfähig war.

Bell als Großunternehmer

Im Juli 1877 gründete Bell zusammen mit Thomas Sanders and Gardiner G. Hubbard unter Einschluss seines Assistenten Thomas Watson die Bell Telephone Company. Zwei Tage später heiratete er die taube Tochter Mabel seines Geschäftspartners Hubbard, die er zuvor schon im Lippenlesen und Sprechen geschult hatte.

Nicht ganz überraschend war der Bedarf an Telephonapparaten gering und Bell und seine Partner hatten zunächst Absatzschwierigkeiten. Es kam dabei soweit, dass sie die Patente der mächtigen Western Union Telegrafen-Gesellschaft - Elisha Grays Arbeitgebern - für $100.000 zum Kauf anboten. Die Western Union lehnte ab, was sich bald als große Fehlentscheidung herausstellen sollte.

Dennoch sahen Amerikas Telegraphengesellschaften voraus, dass Bells Telefon eine Bedrohung für ihr Geschäft darstellte und versuchten dem gegenzusteuern. Die Western Union Company ließ Thomas Alva Edison ein eigenes Telefon mit anderer Technik entwickeln. Bell verklagte daraufhin Western Union der Verletzung seiner Patentrechte. Diese versuchte zu argumentieren, dass eigentlich Elisha Gray das Telefon erfunden hätte, verlor jedoch diesen und zahlreiche weitere Prozesse.

Im März 1879 fusionierte die Bell Telephone Company mit der New England Telephone Company zur National Bell Telephone Company, deren Präsident William H. Forbes, Schwiegersohn von Ralph Waldo Emerson, wurde. Im April 1880 geschah eine weitere Fusion mit der American Speaking Telephone Company zur American Bell Telephone Company.

1885 wurde die American Telephone and Telegraph Company (AT&T) gegründet, um die Fernverbindungslinien quer durch die USA für das Bell'sche System zu erobern. Theodore Vail wurde der erste Präsident der Gesellschaft.

1925 wurden die Bell Telephone Laboratories aufgebaut, um die Forschungslaboratorien der AT&T und der Western Electric Company zusammenzufassen.

Vergleiche auch: Geschichte des Telefons.

Weiterhin erfand Bell, der sich nicht sonderlich für die Führung seiner Firmen interessierte, u.a. das Audiometer zum Messen der Gehörleistung, eine Induktionswaage zum Aufspüren metallischer Gegenstände im menschlichen Körper, einen Wachszylinder zum Aufzeichnen von Lauten und Verschiedenes auf dem Gebiet der Flugtechnik.

Zu seinen Ehren wurde die Lautstärke-Meßeinheit nach ihm mit "Bel" benannt. Siehe Dezibel.

Eugenik

A.G. Bell erforschte zwischen 1882 und 1892 die Häufung von Taubheit auf der Insel Martha's Vineyard nahe Boston, vermutete dahinter richtigerweise erbbedingte Anlagen. Die Zusammenhänge konnte er jedoch nicht beweisen, da ihn irritierte, dass nicht jedes Kind von anscheinend erblich veranlagten Eltern taub wurde. Ihm fehlten dazu die Kenntnisse, die erst ab 1900 durch Gregor Mendel formuliert wurden. Dennoch empfahl er in der Monographie "Memoir upon the Formation of a Deaf Variety of the Human Race" ein Eheverbot unter Taubstummen, warnte vor Internaten an den "Taubstummen"-Schulen als möglichen Brutstätten einer tauben Menschenrasse und empfahl die eugenischen Kontrolle von USA-Immigranten.

Spätere Arbeiten von Rassehygienikern stützten sich bis weit in das 20. Jahrhundert ungeprüft auf Bells Angaben. Als Folge wurden zahlreiche Taube ohne ihr Wissen und ohne ihr Einverständnis sterilisiert. Dabei soll Bell durchaus die methodischen Schwächen seiner Untersuchungen gekannt haben.

1921 war Bell Honorarpräsident des zweiten internationalen Eugenikkongresses unter der Schirmherrschaft des American Museum of Natural History in New York. Er arbeitete mit den Organisationen zusammen mit dem Ziel, Gesetze zur Verhinderung der Ausweitung von "defekten Rassen" einzuführen.

George Veditz, Präsident der "National Association of the Deaf" nannte Bell 1907 "den Feind, den die amerikanischen Tauben am meisten zu fürchten haben". Alexander Graham Bell haftet damit der Ruf an, die Entwicklung der Gemeinschaft der tauben Menschen und der Gebärdensprache massiv gestört zu haben mit Auswirkungen, die noch heute in vielen Ländern spürbar sind.

Literarische Werke

Weblinks




     
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