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Emser Depesche



Die Affäre um die so genannte Emser Depesche löste im Sommer 1870 den deutsch-französischen Krieg 1870/71 aus.

Hintergrund

In den Jahren 1869 und 1870 wurde der katholischen Linie Hohenzollern-Sigmaringen, und damit dem Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen die spanische Krone angeboten. Insbesondere um Bündnisverhandlungen Frankreichs mit Österreich zu gefährden, drängte Bismarck auf die Annahme des Throns. Als dies bekannt wurde musste Kaiser Napoleon III reagieren.

Er befürchtete für den Fall der Thronbesteigung die Einkreisung Frankreichs durch preußische/deutsche Fürsten von Osten und Süden her. Dagegen protestierte er energisch und erreichte, dass der preußische König Wilhelm I Leopold zum Verzicht auf die Kandidatur veranlasste. Napoleon gab sich damit nicht zufrieden, sondern versuchte eine Demütigung Preußens zu erreichen, nicht zuletzt auf Grund seiner innenpolitischen Schwierigkeiten. Kaiser Napoleon III. forderte den Verzicht auf die Spanische Krone für alle Zeiten.

Wilhelm I. weilte gerade zu einem Kuraufenthalt in Bad Ems, als der französische Botschafter Vincent Benedetti auf Geheiß Napoleons dem Monarchen diese Forderung überbrachte. Wilhelm lehnte eine solche Garantie strikt ab. Heinrich Abeken verfasste am 13. Juli 1870 den Emser Depesche genannten Bericht über die Unterredung des Königs mit dem Botschafter und telegraphierte diesen dem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck.

Bismarck kürzte das Telegramm als Antwort auf die versuchte Demütigung, so dass es für Frankreich „wie eine Ohrfeige“ klingen mußte und ließ diese Version veröffentlichen. Die Aussage, der Kaiser wolle den Botschafter „im Augenblick“ in dieser Angelegenheit nicht mehr empfangen, da er sich „im Urlaub“ befände, sah nun ganz anders aus. „Der Kaiser empfängt den französischen Botschafter nicht mehr.“ Im damaligen nationalen Überschwang der beiden Staaten war die Veröffentlichung der Depesche eine ernste Brüskierung Frankreichs und eine Bloßstellung der französischen Diplomatie. Die einzige Antwort auf diese Demütigung war für Frankreich der Krieg.

Napoleon rechnete indes damit, dass sich die eher antipreußisch eingestellten süddeutschen Staaten (Württemberg, Bayern, Baden) gegen Preußen stellen würden, wie noch 1866 geschehen. Doch das Gegenteil war der Fall - die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen am 19. Juli 1870 wurde von allen deutschen Bündnisstaaten als Kriegserklärung an Deutschland verstanden. Damit begann der deutsch-französische Krieg, an dessen Ende die Niederlage Frankreichs und die Gründung eines neuen deutschen Reichs stand.

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