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Reinheitsgebot



Das Reinheitsgebot ist eine gesetzliche Regelung über erlaubte Inhaltsstoffe im Bier, vorwiegend im deutschsprachigen Raum. Das Reinheitsgebot lässt sich im Wesentlichen auf folgenden Nenner bringen: "Ins Bier gehören nur Hopfen, Malz und Wasser"

Table of contents
1 Geschichte
2 Weblinks

Geschichte

Das Reinheitsgebot hat eine mittlerweile gut fünfhundert Jahre alte Geschichte. Im Laufe dieser Zeit hat es drei wesentliche Ausprägungen durchlebt.

Zum Leidwesen der Bayern wurde das älteste Reinheitsgebot in Thüringen gefunden, es ist ganze 82 Jahre älter als das bis dahin älteste Reinheitsgebot, das in Bayern erlassen wurde. Bereits 1351 hielt ein Innungsartikel der Stadt Erfurt fest, dass "nyemant mit Rysich noch Stro bruwen sall". Der Münchner Stadtrat übernahm die Aufsicht übers Bier erst 1363. Der erste bayerische Hinweis auf die Verwendung von Gerste, Hopfen und Wasser stammt aus dem Jahr 1453. Da war die Thüringer Verordnung schon fast 20 Jahre in Kraft. Sie wurde 1434 in der damaligen Landgrafenstadt Weißensee (Thüringen) verfasst und war Bestandteil einer Statuta thaberna (Wirtshausgesetz) genannten Verordnung. Deren 12. Artikel legt unter anderem fest, dass zum Brauen lediglich Hopfen, Malz und Wasser zu verwenden sind. Für den Fall der Zuwiderhandlung werden 2 Mark Strafe und ein vierwöchiges Verbot, die Stadt zu betreten, angedroht. Das Schriftstück wurde 1998 bei den Vorbereitungen für den 800. Jahrestag des Weißenseer Marktrechts in Archiven der mittelalterlichen Runneburg gefunden, die vorübergehend nach Wernigerode ausgelagert worden waren.

Brauordnungen

Noch vor dem ersten "richtigen" Reinheitsgebot gab es in vielen Städten Brauordnungen, die die Bierherstellung und den Bierausschank regelten.

So zum Beispiel eine Verordnung der freien Reichsstadt Nürnberg von 1290, die allerdings auf das Sparen von wertvollem, zu Brot verarbeitbaren Getreide und nicht auf die Reinheit des Bieres abzielte. 1409 erließ Landshut eine Brauordnung. Erst vor wenigen Jahren entdeckt wurde eine Stadtverordnung aus dem thüringschen Weißensee: Diese Wirtshausverordnung von 1434 definiert bereits Hopfen, Malz und Wasser als die alleinigen Inhaltsstoffe für Bier. Aus Regensburg stammt eine Brauordnung von 1453, die allerdings nur feststellt, was nichts im Bier verloren hatte: Samen, Gewürz, Gestrüpp, und dergleichen. München wurde 1447 aktiv, 1453 legte es zum erstenmal die alleinigen Inhaltsstoffe Gerste, Hopfen und Wasser fest. Die Brauer sollten prewen nur allein von gersten, hopfen und wasser und sonst nichts darein oder darunter thun noch sieden oder man straffte es.

Zwischen diesen Stadtverordnungen und dem bald folgenden "bayerischen" Reinheitsgebot gibt es noch einen wichtigen Zwischenschritt: Herzog Georg der Reiche erließ für das Herzogtum Bayern-Landshut, das alte bayerische Kerngebiet, die Vorschrift, dass die Brauer nur Malz, Hopfen und Wasser verwenden durften - "bei Vermeidung von Strafe an Leib und Gut".

Das Bayerische Reinheitsgebot

Das bayerische Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 von dem bayerischen Herzog Wilhelm IV. (Bayern) in Ingolstadt erlassen. Dieser Erlass regulierte einerseits die Preise, andererseits die Inhaltsstoffe des Bieres. Es gilt als das älteste Lebensmittelgesetz:

Übersetzung:

Einer der Gründe für die Verordnung war neben der Preisregelung wohl wieder die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung: Der wertvollere Weizen oder Roggen war den Bäckern vorbehalten. Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer sieht einen weiteren Grund darin, den beruhigenden und zugleich konservierenden Hopfen zum Brauen zu verwenden und andere "aufmüpfige" Zutaten, etwa Rosmarin, zu verbieten.

Die Freunde des Gerstensafts waren, wie aus anderen Quellen bekannt, im Mittelalter auf abenteuerliche Ideen gekommen, um ihrem Gebräu einen besonderen Geschmack zu verpassen oder es haltbarer zu machen. Um dunkles Bier zu erhalten, wurde kurzerhand Ruß zugegeben. Auch Kreidemehl kam zum Einsatz, um sauer gewordenes Bier wieder genießbar zu machen. Sogar Fliegenpilze zur "besonderen" Verfeinerung werden überliefert.

Interessanterweise ist bis hier nirgends von Hefe die Rede, obwohl sie für den Brauprozesses unabdingbar ist. Als Grund dafür wird häufig angenommen, dass die Existenz derartiger Mikrooragnismen schlicht noch unbekannt war. Dies stimmt nur insoferne, als die genaue Wirkungsweise der Hefe bei der alkoholischen Gärung unbekannt war. Hefe an sich war bekannt, Brauer gaben einfach das "Zeug" vom letzten Gärvorgang der neu zu vergärenden Bier-Würze zu. Im Münchner Bäcker- und Brauerstreit war es bereits 1481 darum gegangen, ob die Bäcker den Brauern deren bei der Gärung gebildete Überschusshefe nach altem Brauch abkaufen müssen.

Deutsches Biersteuergesetz

Das "Deutsche Biersteuergesetz" regelte mit seinem Paragraph 9 das Reinheitsgebot für die Bundesrepublik Deutschland von 1952 ab. Für untergäriges Bier waren Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser als Zutaten zugelassen, für obergäriges Bier waren auch andere Malzsorten sowie definierten Zuckerarten und Farbstoffe erlaubt. Ausgenommen von diesen Regelungen waren schon hier die Hobbybrauer, die Bier nur in ganz geringen Mengen herstellen. Außerdem konnten Ausnahmen gestattet werden für die Bereitung besonderer Biere und für Biere, die zum Export bestimmt waren.

Das Biersteuergesetz regelte weiterhin, zu welchem Zeitpunkten im Brauprozess bestimmte Schritte (zum Beispiel die Zugabe von Wasser) erlaubt waren, und wann nicht.

Weblinks

http://www.weissenseer-reinheitsgebot.de




     
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