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Metaphysik



Metaphysik ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit Ursprung und Grund und Ziel allen Seins, aber auch einem möglichen höchsten Sein (Natürliche Theologie) befasst. Die Metaphysik ist dabei nicht als Gegensatz zur Physik (respektive Naturwissenschaft) zu verstehen. Sie stellt naturwissenschaftliche Gesetze nicht infrage, sondern befasst sich vielmehr mit Fragestellungen, die sich einer naturwissenschaftlichen Bearbeitung entziehen.

Table of contents
1 Metaphysikbegriff
2 Metaphysik und Naturwissenschaften
3 Metaphysikkritik
4 Literatur
5 Weblinks

Metaphysikbegriff

Metaphysik (~hinter der Physik) bezeichnet ursprünglich einen Teil der Lehren Aristoteles, die nach seinen Ausführungen über die Natur (Physik) geordnet waren und sich dem Geistigen, dem Nicht-Materiellen widmeten.

Der Begriff der Metaphysik entstand durch die Anordnung der Schriftrollen in den Bibliotheken der Antike. Dort wurden jene Schriftrollen, die sich mit Metaphysischem befassten, hinter - also nach - denen über die Physik gelagert.

"Metaphysik" entwickelte sich später zur allgemeinen Bezeichnung für die Lehre vom höchsten Sein. Sie beschäftigt sich mit Fragen nach dem Urgrund, der möglicherweise nicht nur menschliches Denken und Dasein, sondern auch jede andere Art von Seiendem tragen könnte. Siehe dazu auch in der engl. Wikipedia.

Die Metaphysik ist aber keine Philosophie über Gott, vielmehr stellt Gott bei vielen Philosophen und Theologen eine Antwort auf metaphysische Fragestellungen dar. siehe auch Gottesbeweis

Metaphysik und Naturwissenschaften

Die heute wahrnehmbare Trennung von Metaphysik und Naturwissenschaft hat sich erst seit der Renaissance durchgesetzt. Frühere Philosophen, insbesondere die griechischen Philosophen waren oft Universalgelehrte. So finden sich unter den Schriften des Aristoteles sowohl Schriften metaphysischen Inhalts, als auch Abhandlungen über Botanik und Zoologie. Für die Gelehrten der Antike war es nur konsequent, sich sowohl mit dem erfahrbaren Sein zu beschäftigen, als auch Fragen nach dem letzten (oder ersten) Grund für dieses Sein zu stellen.

Aus der Beschäftigung mit dem erfahrbaren Sein entstanden die sogenannten Naturwissenschaften. Diese beschreiben und erklären die vielfältigen Zustände und Wechselwirkungen innerhalb der von uns erkennbaren Natur.

Die Beschäftigung mit der Ursache der Natur selbst, mit der fast auch immer die Frage nach der menschlichen Seele verbunden wurde, findet heute in verschiedenen Bereichen statt:

Die Argumentationsformen der Metaphysik unterscheiden sich i.a. deutlich von denen der Naturwissenschaften. Als der naturwissenschaftlich sicherste Beweis wird das reproduzierbare Experiment angesehen, bei dem die Abhängigkeit einer messbaren Größe von einer variablen Größe unter Konstanthalten aller anderen Parameter untersucht wird. Solche Möglichkeiten bleiben natürlich verschlossen, wenn es um Fragen nach dem Ursprung der Welt oder des Seins geht. Hierauf beruht auch ein wesentlicher Punkt der Metaphysikkritik. Diese Kritik übersieht jedoch, dass jede Wissenschaft (auch die Naturwissenschaften) metaphysische Prämissen hat. Was ein Experiment, Beweis etc. ist, kann selbst nicht experimentell begründet werden. Ein Anti-Metaphysiker ist also jemand mit unreflektierten metaphysischen Vorentscheidungen.

Metaphysikkritik

Wegen ihrer (vermeintlich) unklaren Zielstellung, komplizierten Begriffsbildungen und Mangel an intersubjektiv überprüfbarem Erfahrungsbezug wurde die Metaphysik oft kritisiert, beispielsweise von Immanuel Kant (18 / 19. Jh) und durch Vertreter des Wiener Kreises in der ersten Hälfte des 20. Jh. Die Kritik beruht jedoch häufig auf einem Empirismus. Dieser ist aber selbstwidersprüchlich, denn dessen Grundsatz "Nur die Erfahrungserkenntnis ist wahr" kann selbst nicht durch die Erfahrung gewonnen werden.

Heutzutage ist in Fachkreisen der Naturwissenschaften von Metaphysik oft abwertend die Rede. Gelegentlich wird das Adjektiv metaphysisch ohne Wertung in einem Sinn verwendet, der in etwa "unabhängig von Erfahrung" (a priori) gleichkommt.

Hauptargument gegen Metaphysik bleibt das Problem der Russellschen Antinomie. Diese beschreibt das Problem von Mengen, die sich selber enthalten. Betrachtet man Metaphysik als absolut und die allem anderen übergeordnete Wissenschaft, so muß man jedoch einsehen, dass Metaphysik nicht ohne den Menschen, der Teil des Ganzen ist, gedacht werden kann. Metaphysik ist einerseits Teil der Welt, andererseits der Welt übergeordnet, ein innerer Widerspruch.

Das Zitat von Theodor W. Adorno (Maler) Dass keine Metaphysik möglich sei, wird zur letzten. beschreibt dabei einen, dem Agnostizismus verwandten Standpunkt recht treffend.

Literatur

Weblinks

Metaphysica Zeitschrift für Ontologie und Metaphysik

Siehe auch: Ontologie, Spiritualismus, Bedeutung, Portal Philosophie, Pataphysik




     
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