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Gesellschaftsphilosophie



Die Gesellschaftsphilosophie grenzt sich von der Kulturphilosophie dadurch ab, dass Zweitere eine Unterscheidung macht zwischen Mensch und Kultur: hie der Mensch als biologisch fast unveränderliches Wesen, dort dessen kulturelle Betätigung. Die Gesellschaftsphilosophie sieht den Menschen als Produkt seiner eigenen Kultur, das wiederum Kultur "produziert" etc. Es besteht ein Autopoietisches System. Der Mensch erschafft sich selbst in einer Wechselwirkung aus Mensch und Kultur.

Gesellschaftsphilosophie ist die philosophische Durchleuchtung der Gesellschaft. Sie will die bestehende Gesellschaft beschreiben, jedoch im Wissen, daß eine jede Beschreibung, sei sie auch noch so neutral beabsichtigt, eine individuelle Interpretation ist. Da eine phil. Analyse der Gesellschaft zugleich eine Selbstanalyse ist - jeder Analysist ist ein Mitglied der Gesellschaft - ist jede Analyse nicht nur Beschreibung und Interpretation, sondern zusätzlich eine Veränderung der Gesellschaft, besonders dann, wenn die Analyse einer Mehrheit (der Elite?) plausibel erscheint.

Diese Einleitung zeigt bereits, daß es womöglich nicht die Gesellschaft gibt, sondern immer nur Interpretationen. Jetzt kommen die Ausbildungsstätten und Massenmedien ins Spiel: Sie sind Institutionen, die maßgeblich die Selbstdeutung der Gesellschaft steuern: Steuerungshierarchie. Es gibt kaum eine Nachricht, die nicht sofort von einem "Experten" gedeutet wird, und da unser Erleben von unserem Deuten abhängt, wird sogar gesteuert, was wir glauben, mit unseren eigenen Augen zu sehen.

Haben die modernen Massenmedien, Schulen und Elternhaus die Deutungshoheit über unsere Erlebnisse, sind wir fremdbestimmt. Unser Erleben ist fortan nur noch bedingt unser Erleben! Im Glauben an eine objektive Welt (wie ihn die Naturwissenschaft verbreitet) gewinnen Fremdbestimmungen die Oberhand. Unser subjektives Bewusstsein wird dann zwar immer noch subjektiv erlebt, aber die Inhalte sind fremdbestimmt. Selbstbewußtsein schwindet zugunsten eines kollektiven Bewußtseins. Der Kollektivbewußte wird berechenbar, steuerbar: Er ist Mitglied der Gesellschaft. Menschliche Kollektive (Familien, Gesellschaften, Staaten, Kulturen) sind ohne Aufgabe des individuellen Selbstbewußtseins der Mehrheit der Menschen nicht möglich.

Allerdings muß eine Minderheit über Selbstbewußtheit verfügen, damit es eine Elite gibt, die die Gesellschaft zu steuern imstande ist. Da die Ziele für die elitäre Regierung und die zu führende Gesellschaft unterschiedlich sind, entsteht für die Regierungen der Zwang zur Lüge, zur Manipulation, zur "Inszenierung" auf der "Politischen Bühne". Allerdings braucht die Elite Nachwuchs. Aus diesem Grund muß sie Sorge dafür tragen, daß es einzelnen, willensstarken Menschen möglich bleibt, das System zu durchschauen und gegen die gesellschaftlichen Widerstände ihr individuelles Selbstbewußtsein zu erlangen. Die Hierarchie des Bewußtseins muß also durchlässig sein. Alle zur Selbstbewußtwerdung eines Individuums nötigen Informationen müssen öffentlich zugänglich sein; sie müssen jedoch verdeckt werden durch einen "Berg aus Nichtigkeiten". Realisiert ist diese Philosophie in der Demokratie. Sie bietet jedem Menschen das Maß an Wahrheit, das er erträgt (bewußt verarbeiten kann). Sie bietet jedem Charakter eine Existenzgrundlage: dem Mitläufer wie dem Vorreiter, dem Passiven wie dem Aktiven. Geführte arbeiten am Objekt (und sind in Gefahr, selber zum Objekt zu werden); Führer arbeiten (im Idealfall) am Subjekt und am Objekt, um sich die Kompetenz zu erarbeiten, effektiver am Objekt arbeiten zu können. Bewusstseinsarbeit ist Arbeit am Aufwachen aus dem Schlaf der Unbewußtheit, sprich: Unmündigkeit. Wer sie selbst nicht leistet, an dem wird sie geleistet!

Die Philosophie des Bewusstseins ist der Versuch, selbst bewußter zu werden; die Wissenschaft des Bewusstseins untersucht die Äußerungen bewußter Menschen, um Computersimulationen des Bewußtseins zu erzeugen. Sie nimmt jedoch die persönliche Perspektive (zugunsten einer Methode) aus der Beobachtung heraus, was zu Fehlschlüssen führt, die die wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins trotz aller Bemühungen bisher verunmöglichten.

Diese gesellschaftsphilosophische Sichtweise wird von Vertretern des mehr oder weniger Radikalen Materialismus und der Evolutionstheorie geleugnet, da es nach deren Theorien nicht auf Interpretation, sondern ausschließlich auf physikalische (und biologische) Sachverhalte ankommt (freilich ohne zu bedenken, daß Physik und Biologie auch bloß Interpretationen von in einer Gesellschaft lebenden Menschen sind). In materialistischen Theorien/Philosophien gibt es keine Steuerung, sondern ausschließlich naturgesetzliche, physikalische Notwendigkeit.




     
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