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Edelweißpiraten



Die Edelweißpiraten waren während der deutschen NS-Diktatur oppositionelle Jugendgruppen aus der Rhein-Ruhr-Region. Der Justiz wurde der Name erstmals im Regierungsbezirk Düsseldorf bekannt, von wo aus er sich schnell in den Kölner Raum ausbreitete, wo die Edelweißpiraten besonders aktiv wurden. Die Kölner Gestapo legte z.B. etwa 3.000 Akten allein über die Kölner Gruppe an. Auch in anderen deutschen Städten gab es derartige Jugendgruppen, teilweise unter anderen Namen aber zumeist proletarisch geprägt. Dazu gehörten z.B. die Städte Dresden, Leipzig ("Meuten"), Hamburg ("Swings"), Düsseldorf ("Fahrtenjungs, Ruhrpiraten, Kittelbachpiraten"), Essen, Dortmund und Duisburg. Die Bezeichnung Edelweißpiraten setzte sich im Laufe des Zweiten Weltkrieges in der gesamten Rhein-Ruhr-Region durch.

Sie wandten sich zuerst gegen die Hitlerjugend (HJ), weil sie die Freizeit nicht auf deren Art verbringen wollten. Später kam Widerstand gegen das NS-Regime dazu. Sie übernahmen die Nazilieder, aber dichteten sie um, um damit gegen die Gleichschaltung und die Naziideen zu protestieren.

Die Edelweißpiraten gingen vor allem aus der Bündischen Jugend her. Von den Einheitsuniformen der Hitlerjugend hoben sie sich durch einen eigenen Stil - oft Skihemden, Wanderschuhe, Halstuch und kurze Lederhosen - ab. Ihr Erkennungszeichen war ein Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag oder eine edelweißfarbene Stecknadel. Oft trug man auch Fantasiekluften, Totenkopfringe und mit Nägeln beschlagene Gürtel. Auf ihren Wochenendausflügen, Fahrten und Wanderungen in das Umland der Großstädte kam es nicht selten zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit der Hitlerjugend.

Sie klebten Plakate gegen Hitler und für die Freiheit, und verübten wohl auch in bescheidenem Rahmen Sabotage. Einzelne Edelweißgruppen gingen so weit, Attentate auf nationalsozialistische Funktionäre durchzuführen, insbesondere auf die verhassten HJ-Führer. Rund ein Dutzend HJ-Führer wurden im Dritten Reich Opfer dieser Anschläge.

Besonders entschiedener Widerstand kam von der Ehrenfelder Gruppe, die über 100 Mitglieder umfasste. Es handelte sich hier um Edelweißpiraten aus dem Kölner Arbeiterstadtteil Ehrenfeld. Diese Gruppe bestand aus geflohenen Häftlingen, Zwangsarbeitern, Russen, Juden, Deserteuren und Jugendlichen.

Bartholomäus Schink, einer der Edelweißpiraten, war am 10. November 1944 erst 16 Jahre alt, aber er wurde öffentlich zusammen mit 5 Kameraden im Kölner Stadtteil Ehrenfeld gehängt.

Bruno Bachler, einer der überlebenden Edelweißpiraten, erzählt, wie er nach Verbüßung einer Haft im Konzentrationslager einer Strafkompanie an der Ostfront zugeteilt wurde, die zum Räumen von Minenfeldern benutzt wurde. Das geschah so, dass die Sträflinge Hand in Hand über ein Minenfeld marschieren mussten, wobei einige von ihnen das Leben verloren.

Kurt Piehl ist ein überlebender Edelweißpirat aus Dortmund, der in seinem Buch "Latscher, Pimpfe und Gestapo" ausführlich das Leben eines Edelweißpiraten beschrieben hat.

In Ehrenfeld erinnert seit dem 9. November 2003 eine Gedenktafel an die gehenkten Edelweißpiraten. Die Tafel ist an den Bögen der Bahnunterführung in der Schönsteinstraße, Nähe Venloer Straße, angebracht - hier war die Hinrichtung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff Edelweißpiraten von einigen fanatischen nationalsozialistisch geprägten Jugendlichen weiter verwendet, die in der sowjetischen Besatzungszone teilweise gewaltsamen und bewaffneten Widerstand gegen die Besatzer leisteten. Die Edelweißpiraten an Rhein und Ruhr existierten noch bis etwa 1947.

Siehe auch: Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Erziehung im Nationalsozialismus

Literatur




     
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