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Wissenssoziologie



Wissenssoziologie ist eine Disziplin der Soziologie und beschäftigt sich mit sozialen Prozessen, die zur Generierung, Verbreitung und Bewahrung von Wissen innerhalb von Gruppen, Gemeinschaften und Gesellschaften dienen. Sie steht damit u.a. der Kultursoziologie sehr nahe, da sich Kultur und Wissen sehr stark gegenseitig beeinflussen oder der Phänomenologie, die wie Scheler zeigt, Erkenntnis als keinen solitären Prozess ansieht.

Grundlegend stellt daher die Wissenssoziologie fest, dass Erkenntnis nicht im Individuum, sondern in einem sozialen Kontext verankert ist. Wissen ist demnach sozial bedingt.

Table of contents
1 Herkunft
2 Entwicklung
3 Verweise
4 Literatur
5 Weblinks

Herkunft

Auf drei Ursprünge rekurriert man bei der Entstehung der Wissenssoziologie.

Entwicklung

Das zentrale Anliegen der klassischen deutschen Wissenssoziologie (Karl Mannheim, Max Scheler, Theodor Geiger) war in dieser Tradition die Aufklärung der Beziehungen zwischen sozialem Sein und Bewusstsein durch die Zuordnung von kulturellen Objektivationen (Weltanschauungen, Wertvorstellungen, Denkformen) zu sozialen Strukturen. Hierbei erlangte der Ideologiebegriff eine wesentliche Bedeutung. Durch dieses Forschungsprogramm belastete sich die klassische Wissenssoziologie mit soziologisch nicht fassbaren erkenntnistheoretischen Problemen.

In der Fortführung der wissenssoziologischen Tradition, vor allem in der amerikanischen Soziologie, wurde diese Fragestellung weitgehend aufgegeben zugunsten einer allgemeineren Fassung des wissenssoziologischen Gegenstandsbereiches. Die "neuere Wissenssoziologie" beschäftigt sich mit allem, was in einer Gesellschaft als Wissen gilt, und vor allem mit der Erforschung der gesellschaftlichen Wissensbestände, die das Alltagswissen des Jedermann ausmachen, und von dem aus die "gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" verstanden werden kann. (Peter L. Berger, Thomas Luckmann).

Als Ort der Sinnstiftung wird nun die Alltagswelt zum Gegenstand der soziologischen Analyse. Im Rückgriff auf den von Edmund Husserl eingeführten Begriff der Lebenswelt entwickelten Berger und Luckmann ein Konzept der alltäglichen Lebenswelt, in der die handelnden Subjekte ihren Erfahrungen Sinn zuschreiben und alltagstaugliche Interpretationen, Deutungsschemata, Handlungslogiken und Rechtfertigungsstrategien entwickeln, die in einen Alltagswissensbestand eingehen. Der alltägliche Sinnbereich durchzieht alle Teilbereiche und Systeme einer Gesellschaft und ist somit konstitutiv für die gesellschaftliche Realität und jedes gesellschaftlich relevante Wissen.Die Wissenssoziologie wird so zu einer Grundlagenwissenschaft der Soziologie.

Ungeachtet dieses Anspruches befassten sich wissenssoziologische Analysen in den letzten 20 Jahren, beeinflusst vom symbolischen Interaktionismus und der phänomenologischen Soziologie, überwiegend mit mikrosoziologischen Fragestellungen und der Rekonstruktion spezieller und individualisierter Sonderwissensbestände. Durch den Wandel der modernen zur postmodernenen Wissens- und Mediengesellschaft erlangt die Fragestellung nach der Entstehung, der Relevanz und der gesellschaftlichen Legitimierung von Wissensbeständen eine neue Aktualität, die aber noch nicht zu einer deutlichen Neuformierung des wissenssoziologischen Paradigmas führte.

Verweise

Wissenschaftssoziologie, Phänomenologie, Informationssoziologie

Literatur

Weblinks




     
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