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Untergang des Römischen Reiches



Der Untergang des Römischen Reiches ist das wohl meistdiskutierte Thema der Altertumswissenschaft. Es geht um die Gründe für den Fall des Römischen Reiches, wobei höchst unterschiedliche Theorien entworfen wurden. Im folgenden kann das komplexe Thema nur skizziert werden.

Table of contents
1 Ältere Forschungsmeinung
2 Neuere Forschungsmeinung
3 Fazit
4 Literatur in Auswahl
5 Weblinks

Ältere Forschungsmeinung

In der älteren Forschung gab vor allem Edward Gibbon den Ton an. In seinem fulminanten Werk postulierte Gibbon die Meinung, Rom sei vor allem an strukturellen Schwächen untergegangen. Dabei gab er zu einem nicht geringen Teil dem Christentum die Schuld. Dies habe die alten Kräfte des Römischen Reiches geschwächt. Er schloss sich auch der Dekadenztheorie Montesquieus an, während seine Christentum-Theorie den Theorien Voltaires folgen.

Noch im 19. Jahrhundert gab man dem Christentum und dem äußeren Druck durch die Germanen die Schuld am Fall Roms. Es muss in diesem Kontext betont werden, dass jede Zeit versuchte, ihre eignenen Antworten zu finden - und damit nicht immer sehr glücklich lag. Oswald Spengler sah einen zyklischen Verlauf: Auf den Aufstieg eines Großreiches folge der Niedergang (Niedergang des Abendlandes). Diese zyklische Schule findet auch heute noch Anhänger. Arnold Joseph Toynbee sah ein Versagen der moralischen Instanzen, aber auch den Zufall, der eine Rolle spielte. Die Spätantike wird in diesem Sinne oft als Spiegelbild der eigenen Gesellschaft gedeutet. So kann es dazu kommen, dass der Historiker seine eigene Zeit oft zu stark miteinbezieht (wie Spengler).

Neuere Forschungsmeinung

Heute wird die Spätantike, in deren Zeitraum der Fall Roms fiel, differenzierter gedeutet. Die Dekadenztheorie wird als obsolet betrachtet. Die Spätantike trug wohl manche Züge der Dekadenz, doch trifft dies auf mehrere Epochen der Geschichte zu. Auch der wirtschaftliche Niedergang ist nur bedingt gültig. Im Gegenteil: Vielmehr war die Spätantike nicht eine erstarrende Zeit, sondern eine Zeit des Umbruchs und der ungebrochenen wirtschaftlichen Vitalität, vor allem, aber nicht nur, im Osten (vgl. Demandt, Spätantike, S. 453), auch wenn es in gewissen Regionen zu einem Bevölkerungsrückgang kam (Jones, Later Roman Empire, Bd. 2, S. 1038 ff.).

Das gleiche trifft auf die abwertende Bezeichnung Dominat zu, die eher der Haltung mancher liberalen Historiker des 19. Jahrhunderts entspricht (wie Theodor Mommsen), die im spätrömischen Reich eine Militärdiktatur erblicken wollten. Doch waren viele Züge dieser Entwicklung bereits viel früher feststellbar. Vielmehr war das Heer eben viel zu schwach, um noch die Grenzverteidigung wahrnehemen zu können. Zudem entzog sich das Heer oft der Kontrolle des Kaisers, ebenso wie die Kirche und Teile des Adels. Ironischerweise fällt in jene Zeit ein deutlicher Rückgang der Sklaverei (vgl. Demnadt, Spätantike, S. 454).

Die Schuld, die dem Christentum gegeben wurde. ist ebenfalls differenzierter zu betrachten. Oft wurde die Schuld dem Christentum von Agnostikern gegeben. Doch auch objektiv mag einige richtig sein, wenn auch in einem anderen Zusammenhang: So wandten sich viele Männer von höchster Integrität dem Christentum zu und verbrachten ihr Leben im Dienst der Kirche, gingen so aber dem Staat verloren, dessen Bürokratie sich oft mit Korruption rumschlagen musste, wenn diese aber wohl auch nicht so weit verbreitet war, wie manch einer meint (vgl. Jones, Later Roman Empire, Bd. 2, S. 1063 f.).

Diese systemimmanenten Erklärungsversuche, steht die Theorie der äußeren Einflussnahme gegenüber. Und hier kommt man auf ein Kernproblem des spätrömischen Staates zu sprechen: die Armee. Diese war längst nicht mehr in der Lage, eben aufgrund zu geringer Mannschaftsstärke, die Grenzen zu schützen. Immer mehr römische Bürger umgingen den Dienst in der Armee, die bereits in der frühen Kaiserzeit Söldner angeworben hatte. Nun nahm diese Anwerbung zu. Germanen und andere dienten in der Armee, die immer mehr barbarisiert wurde. Hinzu kam ein starker Druck von den Grenzen. Den Römern gelang es nicht, die Germanen in den Reichsverband einzubinden (Demandt, Spätantike, S. 471). Das Problem mit unzuverlässigen Barbaren tauchte jedoch nach den Quellen nur bei den Föderati auf, also den als Bundesgenossen dienenden Germanen, nicht aber bei den ins Heer integrierten Germanen (Jones, Later Roman Empire, Bd. 2, S. 1038).

Fazit

Es ist schwer eine eindeutige Antwort zu formulieren, warum das weströmische Reich unterging. Dem Christentum und der angeblichen Dekadenz kann aber nicht die (alleinige) Schuld gegeben werden. Im Osten erwies sich das Christentum als einigendes Band, im Westen hatte sich das Heidentum längst überlebt. Schuld war jedoch sicherlich gewisse systemimmanente Mängel in der Verwaltung und der Armee, vor allem aber war der Westen nicht stark genug. Der Westen wurde von der Wucht der Völkerwanderung mit ganzer Härte getroffen. Hier lagen weniger Truppen als an Donau und Euphrat. Der Westen verfügte auch nicht über die Bevölkerung und Wirtschaftskraft des Ostens. Die wohl fehlgeleitete Ansiedlungspolitik der Germanen tat ihr übriges dazu. Eine monokausale Betrachtungsweise wird aber niemals allen diffizilen Problemen gerecht werden. Sicher ist nur eins: Rom lebte kulturell fort - und die Spätantike, so schlimm gewisse Ereignisse für Teile der Bevölkerung gewesen sein mögen, formte das zukünftige Europa und aktivierte auch dynamische Kräfte.

Literatur in Auswahl

Weblinks

Der Untergang Roms, oder: warum es Historikern so schwer fällt. Von einem Mitarbeiter des Lehrstuhls Geschichte an der Uni Frankfurt (PDF)]



     
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