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Untergang der Weimarer Republik



Die Weimarer Republik war die erste deutsche Demokratie. Ihre Entstehung ist durch die unmittelbaren Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs geprägt. Gleichzeitig ist ihr Untergang auch immer mit dem Nationalsozialismus und damit auch dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Wie konnte es nun dazu kommen, dass Feinde der Demokratie auf legalem Wege deren Untergang erzwingen konnten? Dieser Frage, die sich nicht pauschal an einer Person oder Partei festmachen lässt, soll hier nachgegangen werden.

Table of contents
1 Anfänge
2 Die Konsolidierung
3 Das Ende
4 Zitat
5 Weblinks

Anfänge

Nicht einmal 15 Jahre, genauer vom 9. November 1918 („Zweifache Ausrufung der Republik“) bis zum 30. Januar 1933 (Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg), bestand die erste deutsche Demokratie. Ihre Anfänge waren geprägt vom verlorenen Weltkrieg und Richtungskämpfen über die generelle politische Ausrichtung des Staates.

Obwohl Ende 1918 der militärischen Führung des Deutschen Reiches die Niederlage bewusst war, war es ihr nicht so einfach möglich, einen Waffenstillstand mit den Alliierten zu vereinbaren, da diese nur bereit waren, mit demokratisch legitimierten Politikern zu verhandeln. Dieser Umstand führte dazu, dass die militärische Niederlage Deutschlands später in der instabilen Republik mit der Demokratie, zumindest aber mit ihren Vertretern, in Verbindung gebracht wurde. So wurde Ende 1918 von Hindenburg die Dolchstoßlegende formuliert, die später anti-demokratischen Gruppierungen wie der NSDAP als Grundlage diente.

Bei der Ausarbeitung und Ratifizierung der Weimarer Verfassung 1918/19 konnten sich letztlich die Demokraten unter der Führung von Reichskanzler Ebert (MSPD) gegen die Gegner einer Republik durchsetzen. Unmittelbar nach der Entmachtung Kaiser Wilhelms und der Ausrufung der Republik durch Ebert und Scheidemann hatten verschiedene Gruppen versucht, Einfluss zu gewinnen. So wurden die von den Fronten zurückströmenden Soldaten teils von ihren Offizieren in Freikorps, die der alten Ordnung verpflichtet waren, organisiert. Der Spartakusbund hingegen versuchte, eine Räterepublik nach russischem Vorbild zu schaffen. Straßenkämpfe waren die Folge. Obwohl die kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassene Rosa Luxemburg einen Aufstand des Spartakusbundes Ende 1918/Anfang 1919 für verfrüht hielt, kam es dazu. Als Nachfolger des Spartakusbundes gründete sie daraufhin mit Karl Liebknecht die KPD. Von Freikorps aus einem Hotel entführt wurden beide schließlich am 15. Januar 1919 ermordet. (Bereits im Kaiserreich hatten beide zu den wenigen Abgeordneten der großen sozialdemokratischen Fraktion gehört, die 1914 gegen die Kriegskredite Kaiser Wilhelms gestimmt hatten).

Die Konsolidierung

Trotz aller Spannungen und Konflikte, die die junge Republik zu meistern hatte, schien die Demokratie zu siegen. Immerhin überlebte sie die Inflation und den Ruhrkampf. 1923 besetzten französische und belgische Truppen das Rheinland, da das Deutsche Reich den Forderungen nach Reparationszahlungen nicht nachkam. Auch Hitlers Putschversuch in München (1923) brachte die Republik nicht zum Erliegen. Doch mit Beginn der Weltwirtschaftskrise veränderte sich diese Lage schlagartig.

Das Ende

Anders als bei der Inflation von 1923 war diese Wirtschaftskrise keine nationale, sondern eine internationale. Die Weltwirtschaftskrise wirkte sich in keinem anderen Land (außer den USA) so stark aus wie im Deutschen Reich. Die soziale Situation verschlechterte sich infolge der Massenarbeitslosigkeit dramatisch. Am Ende der Weimarer Republik im Jahr 1933 zählte man insgesamt 6 Millionen Arbeitslose. Viele Menschen lebten am Existenzminimum. Dies ging einher mit einer Dauerregierungskrise. Die Politik war unfähig, auf die Herausforderungen zu reagieren. Stattdessen brachen die Richtungskonflikte in neuer Schärfe auf und Parlament, Regierungen und Reichspräsident arbeiteten immer mehr gegeneinander. Die Folge waren immer instabiler werdende Regierungen ohne parlamentarische Mehrheiten und Neuwahlen in rascher Abfolge, bei denen die radikalen Parteien immer mehr Zulauf erhielten, was parlamentarische Mehrheiten erst recht unmöglich machte. So gehörte es zur Tagesordnung, dass Reichsregierungen mittels Notverordnungen am Parlament vorbei regierten.

Das Vertrauen in die Demokratie und die Republik sank immer mehr. Die Menschen machten die Staatsform Republik für die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich. Die Rufe nach einem "Starken Mann", der das Deutsche Reich wieder zu alter Größe und altem Ansehen bringen sollte, wurden immer lauter.

Auf diese Forderungen gingen besonders die Nationalsozialisten ein, die gezielt mittels Propaganda und der Personifikation Hitlers das Bild des "Starken Mannes" suggerierten. Sie verstanden es, die Massen durch Großveranstaltungen für sich zu gewinnen und nutzten modernste Formen des Wahlkampfes. Unter anderem emotionalisierten sie den Wahlkampf und konnten so gegenüber den anderen Parteien punkten. Hitler griff alles an, was mit der Demokratie in Verbindung gebracht wurde, vom Parteiensystem, bestehend aus verschiedenen relativ kleinen Parteien und Splitterparteien bis hin zum eigentlichen demokratischen Prinzip (Parlament, Reichsregierung,...).

Aber nicht nur der rechte Flügel Deutschlands erstarkte, sondern auch der linke. Die Republik-freundlichen Sozialdemokraten verloren im Gegensatz zu den Liberalen kaum Stimmen, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte sogar Stimmen gewinnen und wurde zu einer bedeutenden Macht im Parlament und auf der Straße. Denn längst hatte sich der Kampf, ausgehend von den Kampforganisationen der NSDAP (SA und SS) und der KPD (Roter Frontkämpferbund) auf die Straße verlagert, wo sich teilweise bürgerkriegsähnliche Szenen abspielten, an denen sich auch die republikanisch gesinnten Kräfte mit einem eigenen Kampfverband (Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, später Eiserne Front) beteiligten. Auch diese chaotischen Gewaltszenen spielten letztlich - obwohl diese oft ursächlich dafür verantwortlich waren - den Nationalsozialisten in die Hände, da Hitler immer häufiger als „letzte Karte“ ins Spiel gebracht wurde, die geordnete Verhältnisse wiederherstellen würde.

Die Konservativen und auch Reichspräsident Hindenburg unterschätzten den Machtwillen Hitlers und seiner NSDAP, als sie das Kabinett Hitler, bestehend aus den Konservativen unter Führung von Franz von Papen und den Nationalsozialisten ermöglichten, obwohl Hitler eine Regierungsbeteiligung unter anderen Umständen denn als Chef einer starken Regierung immer wieder strikt abgelehnt hatte. Von Papen wollte den Einfluss der Konservativen im Deutschen Reich stärken, die glaubten, sie könnten Hitler durch „Einrahmung“ zähmen.

Den Nationalsozialisten kamen die Ereignisse von 1933 sehr gelegen. Hitler wurde zu einer Zeit Reichskanzler, als seine Partei aufgrund von inneren Spannungen in einer ernsten Krise war. Was die Nationalsozialisten als "Machtergreifung" bezeichneten, um damit Stärke zu suggerieren, war in Wirklichkeit eine Art Machtübergabe. Ihr Kampf um die Regierungsgewalt, wie sie sie immer behaupteten, fand in der Form zu diesem Zeitpunkt nicht statt. Vielmehr war es eine Reihe von - aus ihrer Sicht - glücklichen Umständen, die es ihnen möglich machte, die Macht zu übernehmen.

Zitat

»Bei der Eroberung der Macht durch die Nationalsozialisten gab es ein Ineinandergreifen von Gewalt und Verführung. Der Terror gegenüber politisch Mißliebigen und Juden war eine Seite des Regimes. Die andere war ein Eingehen auf Sehnsüchte und Hoffnungen breiter Massen der Bevölkerung. Die Nationalsozialisten verstanden es offenkundig besser als ihre Konkurrenten, sich als Bollwerk gegen den umstürzenden gesellschaftlichen Wandel in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts darzustellen. Nur die Beachtung beider Aspekte des nationalsozialistischen Regimes bietet Ansätze für die Erklärung des Nationalsozialismus und seine dauerhafte Unterstützung bis zum Kriegsende durch große Teile der Bevölkerung.«
Aus dem Vorwort von Nationalsozialismus I

Weblinks




     
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