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Tschetschenien



Tschetschenien ist eine autonome Republik in Russland.

Table of contents
1 Lage
2 Wirtschaft
3 Geschichte
4 Weblinks

Lage

Tschetschenien liegt im Generalgouvernement Nordkaukasus. Es grenzt im Süden an Georgien, im Osten an die autonome Republik Dagestan, im Westen an die autonome Republik Inguschetien und im Norden an die russische Region Stawropol.

Wirtschaft

Tschetschenien ist ein Agrarland. Es besitzt zudem circa 30 Millionen Tonnen Erdölvorräte. Früher gab es hier die unterirdische Schwermaschinenfabrik "Roter Hammer", wo unter anderem Panzer gebaut wurden. In den Tschetschenien-Kriegen seit 1990 sind alle Betriebe Tschetscheniens zerstört worden.

Geschichte

Nachdem zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert unter georgischem Einfluss die Christianisierung erfolgt war, verbreitete sich im 16. Jahrhundert der Islam, so dass die Sunniten heute die Mehrheit bilden.

Die russische Einflussnahme in Tschetschenien begann bereits im 16. Jahrhundert, als unter Iwan dem Schrecklichen 1559 die Kosakenfestung Tarki gegründet und 1587 das erste Kosakenheer stationiert wurde. Bis ins späte 18. Jahrhundert war das Gebiet allerdings durch das dazwischen liegende Krimkhanat vor einer Einnahme durch Russland relativ sicher. Erst als dieses Khanat 1783 an Russland gefallen war, begannen von russischer Seite die Bestrebungen den Nordkaukasus zu kolonisieren.

Die Bergvölker leisteten Widerstand. 1785 führten sie unter Mansur Uschurma einen heiligen Krieg gegen die Russen. In den so genannten Muriden-Kriegen von 1834 bis 1859 wurden sie von dem legendären Imam Schamil, einem Dagestaner, angeführt. Nach dessen Gefangennahme 1859 dauerte es noch bis 1864, bis die russischen Offiziere das Land unter ihre Verwaltung gebracht hatten. Allerdings erstreckte sich ihre Macht nur auf die militärischen Stützpunkte entlang der Heerstraßen. In den Bergen leistete ein Teil der Bevölkerung immer noch Widerstand. Während des türkisch-russischen Krieges 1877/1878 erhoben sich die Kaukasier erneut gegen Russland. Auch dieser Aufstand wurde niedergeschlagen.

Die russische Besatzung löste eine Emigrationswelle aus, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts anhielt. Tausende von Kaukasiern ließen sich in der Türkei und anderen Ländern des vorderen Orients nieder. In den eingenommenen Städten und Dörfern wurden Kosaken und Armenier angesiedelt.

1921 wurde Tschetschenien Teil der Gorskaja autonome sozialistische Sowjetrepublik und 1922 autonomes Gebiet, das seinerseits Mitte der 30er Jahre zur tschetscheno-inguschischen ASSR zusammengelegt wurde.

Anfang der 40er Jahre erfolgte auch hier die Kollektivierung und mit Kriegsbeginn Deportationen, in deren Folge 1944 die ASSR aufgelöst wurde, was erst 1957 rückgängig gemacht wurde.

General Dschochar Dudajew wurde im Oktober 1991 zum Präsidenten gewählt und leistet den Amtseid auf den Koran. Am 27. November erklärte er einseitig die Souveränität der tschetscheno-inguschischen ASSR und den Austritt aus der UdSSR. Daraufhin wurde der Ausnahmezustand über Tschetschenien verhängt. Truppen des Innenministeriums wurden zurückgeschlagen. Es erfolgte eine Trennung der Inguschen von Tschetschenien, worauf seitens Russlands ein umfangreicher Boykott Tschetscheniens eingeleitet wurde.

1993 kam es in Tschetschenien zu Konflikten zwischen Parlament und Dudajew. 1994 scheiterte ein letzter inner-tschetschenischer Umsturzversuch.

Zum ersten Tschetschenien-Krieg, der bis zum August 1996 andauerte, kam es am 11. Dezember 1994 mit der Invasion russischer Truppen.

Nachdem Dudajew im Frühling 1996 getötet worden war, wurde Aslan Maschadow 1997 bei Neuwahlen Präsident.

Am 7. August 1999 marschierten tschetschenische Rebellen in der zu Russlands Staatsgebiet zugehörigen Nachbarrepublik Dagestan ein, um es nach ihrer Aussage mit Tschetschenien zu vereinen. Es kam zu schweren Gefechten mit der russischen Armee. Fälschlicherweise wird in Medien oft von den Bombenanschlägen auf russische Wohnhäuser als Kriegsgrund gesprochen. Diese ereigneten sich in Wahrheit Wochen nach dem tschetschenischen Einfall in Dagestan. Bis Ende September 1999 wurden die Tschetschenen aus Dagestan vertrieben.

1999 kündigte Wladimir Putin eine gewaltsame Lösung des Tschetschenien-Konfliktes an, um es wieder unter die vollständige Kontrolle der russischen Zentralregierung zu stellen.

Am 1. Oktober 1999 marschierte die russische Armee in Tschetschenien ein. 2001 begann Russland mit einer breit angelegten so genannten 'Antiterror-Operation' den zweiten Tschetschenien-Krieg mit dem Ziel der Zerschlagung des tschetschenischen Widerstandes.

23. Oktober bis 26. Oktober 2002 Bei einer Geiselnahme in einem Moskauer Theater nahmen tschetschenische Selbstmordattentäter unter Führung von Mowsar Barajew etwa 700 Geiseln und forderten die Beendigung des Krieges und den sofortigen Abzug des russischen Militärs. Zur Beendigung des Dramas setzten die rusischen Behörden ein Betäubungsmittelgas ein. Dabei starben 41 Tschetschenen sowie 129 Geiseln; die Geiselnehmer durch Genickschüsse seitens des russischen Einsatzkommandos, die Theaterbesucher aufgrund der fehlenden medizinischen Versorgung vor dem Gebäude.

27. Dezember 2002. Ein Bombenanschlag auf das tschetschenische Regierungsbegäude in Grosny forderte 72 Todesopfer. Am 5. Oktober 2003 fanden in Tschetschenien Präsidentenwahlen statt. Wladimir Putin, der diese Wahlen angeordnet hattte, schaffte es, seinen Kandidaten Achmad Kadyrow, den Chef der Verwaltungsbehörde, durchzusetzen, indem er erwirkte, dass alle Kandidaten, die in Umfragen vor Kadyrow lagen, nicht kandidierten. Aslambek Alsachanow bekam als Gegenleistung für den Rückzug seiner Kandidatur einen Posten als Putins Beauftragter in Tschetschenien-Fragen, Malik Saidullajews Kandidatur wurde vom Obersten Gerichtshof für ungültig erklärt.

Die Wahl, zu der die OSZE nach offiziellen Angaben aus Sicherheitsgründen keine Beobachter entsandt hatte, wurde sowohl von westlichen Politikern als auch von Menschenrechtsorganisationen und vom bisherigen, von Russland nicht anerkannten Präsidenten Maschadow als Farce bezeichnet. Maschadow tauchte in den Untergrund ab und rief zum weiteren Kampf gegen die russische Okkupation auf. Kadyrow kündigte an, noch härter gegen seine Gegner vorzugehen.

Im Februar 2003 erließen die USA Sanktionen gegen tschetschenische Rebellengruppen und setzen sie auf ihre Liste terroristischer Organisationen, unter anderem infolge der Bombenattentate in Moskau. Außerdem wurden Bankkonten eingefroren. Bei Volksbefragung in Tschetschenien am 23. März 2003 stimmten laut offiziellem Ergebnis 95,5 % der Bevölkerung für den Verbleib in der russischen Föderation. Beobachter bezweifelten die Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses an.

Am 9. Mai 2004 wurde der tschetschenische Präsident Achmed Kadyrow bei einen Bombenanschlag getötet. Putin ernannte daraufhin den tschetschenischen Regierungschef Sergej Abramow zum provisorischen Präsidenten.

Nach einem Radiointerview des von Moskau nicht annerkannten Präsidenten Aslan Maschadow im Juni 2004
(Die Tschetschenen seien dabei, ihre Taktik zu ändern. Bislang haben wir uns auf Sabotageakte konzentriert, von nun an werden wir Großangriffe starten.)
griffen am 22. Juni 2004 tschetschenische Rebellen die Nachbarrepublik Inguschetien an, bei dem nach Augenzeugen etwa 100 bis 200 schwer bewaffneten Rebellen mehrere Polizeistationen, Posten der Verkehrspolizei und eine Kaserne von Grenzsoldaten umringt haben und alle anwesenden Polizisten, Soldaten sowie Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft und des Inlandsgeheimdienstes FSB erschossen. In dem Blutbad starben mindestens 57 Menschen, darunter 47 russische Sicherheitskräfte, der inguschetische Innenminister Abukar Kostojew, einer seiner Stellvertreter und der Gesundheitsminister.

Weblinks




     
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