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Titus Livius



Titus Livius (* wohl 59 v. Chr in Patavium, dem heutigen Padua; † ca. 17 n. Chr. in Patavium) war ein römischer Geschichtsschreiber zur Zeit des Augustus.

Table of contents
1 Leben
2 Werk
3 Quellen
4 Sprache und Stil
5 Nachwirkung
6 Literatur

Leben

Über Livius' Leben ist wenig bekannt. Er war anders als die meisten römischen Historiker (zum Beispiel Sallust oder Tacitus) nicht selbst politisch aktiv.

Geboren wurde er im Jahr 59 v. Chr – vielleicht auch schon 64 v. Chr – in Patavium, dem heutigen Padua. Mit 28 Jahren, das heißt wahrscheinlich nach dem Bürgerkrieg, begab er sich nach Rom, wo er einen Großteil seines Lebens zubrachte. In der Hauptstadt des Imperiums genoss er eine wissenschaftliche Ausbildung, war unter anderem als Lehrer des späteren Kaisers Claudius tätig und begann dort auch mit seiner literarischen Tätigkeit. Er bekleidete weder militärische noch öffentliche Ämter. Am Ende seines Lebens ging er zurück nach Padua, wo er im Jahr 17 starb.

Werk

Livius größtes und einzig uns bekanntes Werk ist das historische Hauptwerk Ab urbe condita libri CXLII (lat. »Von der Gründung der Stadt an – 142 Bücher«). Das in 142 Büchern unterteilte Lebenswerk behandelt die römische Geschichte von den Anfängen mit der Gründung Roms (der Legende nach im Jahr 753 v. Chr) bis zum Tode des Drusus im Jahre 9 v. Chr Von den ursprünglich 142 Büchern sind heute nur die Bücher 1–10 (Zeit von 753 v. Chr. bis 293 v. Chr.) und 21–45 (218 v. Chr. bis 167 v. Chr.) erhalten. Das Übrige – mehr als drei Viertel des Werkes – ist nur durch Inhaltsangaben (periochae), Auszüge oder Bruchstücke kenntlich. Was für eine gigantische Arbeit hinter dem Werk steckt und mit welcher Geschwindigkeit Livius gearbeitet haben muss, beweist eine einfache Rechnung, die einen Durchschnitt von drei bis vier Büchern im Jahr ergibt.

Die erhaltenen Teile des Werkes gliedern sich in zwei Gruppen zu je fünf Büchern, die sich ihrerseits zu Zehner- oder Fünfzehnergruppen zusammenschließen. Die ersten 45 Bücher teilen sich wie folgt auf:

Die verlorenen Teile waren sehr wahrscheinlich nach den Epochen dominierender Persönlichkeiten gegliedert, wobei immer fünf Bücher eine Einheit bildeten. Nicht vollständig geklärt werden kann, ob Livius sein Werk bewusst mit dem 142. Buch, das heißt mit dem Tode des Drusus, beendet hat, oder ob er es bis zum 150. Band und dem Tod des Augustus fortsetzen wollte.

Quellen

Livius musste für seine umfassende Darstellung der römischen Geschichte viele Vorlagen auswerten, war aber an ihrer kritischen Prüfung nicht besonders interessiert. Für die Ereignisse auf Sizilien und im Osten des Reiches war der griechische Historiker Polybios ein guter Gewährsmann, für jene in Rom, in Italien und für die Punischen Kriege folgte er römischen Geschichtsschreibern, die sich zum Teil als unzuverlässig erwiesen. Wenn er auch oft anmerkte, wo seine Vorlagen voneinander abwichen, so darf man hieraus doch nicht schließen, er habe ein kritisches Quellenstudium betrieben (wie alle antiken Historiker verstand sich Livius eher als Schriftsteller denn als Wissenschaftler). Oft begnügte er sich damit, bei verschiedenen Überlieferungen von Sachverhalten dem Leser die Entscheidung zu überlassen. Livius verwendete kaum Dokumente, sondern stützte sich vielmehr auf sekundäre Quellen. Diese nennt er nur ab und zu, besonders bei umstrittenen Tatsachen, und zwar an erster Stelle die Hauptvorlage, an zweiter den Gewährsmann der Variante.

Was die Art und Weise der Quellenbenutzung betrifft, so hält Livius treu an der Überlieferung fest und ist stets um Wahrheit bemüht. Die polybianischen Forderungen, das heißt ein kritisches Dokumentenstudium, Autopsie der Schauplätze und eigene politische Erfahrung, erfüllt er in den erhaltenen Teilen nicht. Wie er die Zeitgeschichte behandelte, ist nicht bekannt.

Sprache und Stil

Padua war zur Zeit des Livius eine der größten Städte des Imperiums, erhielt die Rechte eines Municipiums aber erst in der Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr

In seiner Darstellung verwendete Livius das Prinzip der Annalistik, die Ereignisse chronologisch darzustellen.

Livius strebte nach dramatischer Darstellung. Ein wichtiges Ziel dieser schriftstellerischen Methode ist es, den Leser zu erschüttern und sein Mitgefühl zu erwecken. Er verwendet die dramatische Technik maßvoll; zum Beispiel erfindet er keine neuen Situationen. Weitere wichtige Ziele des Autors sind Anschaulichkeit, er hebt oft Gespräche und Einzelleistungen hervor, Klarheit und Kürze. Letzteres dient vor allem im Wechsel mit Ausführlichkeit, der Hervorhebung großer Augenblicke.

Die direkte Rede spielt, wie generell in der antike Historiographie, eine große Rolle. Nach Livius ist Geschichtsschreiben eine Aufgabe für Redner. Daher betrachtete er den großen Redner Cicero auch als Vorbild.

Der Stil unterliegt innerhalb des Werkes einem Wandel. Am Anfang weist der Stil von Livius starke Eigentümlichkeiten auf, im Laufe der Zeit nimmt sein Stil jedoch immer mehr einen klassischen Charakter an. Der Stil verläuft vom hellenistisch-modernen zu Beginn zum klassischen am Ende. Allerdings verwendet der Schreiber auch innerhalb des Werkes verschiedene Stile. So verwendet er je nach Abschnitt, kurze oder lange Sätze, um entweder annalistisch oder ausgedehnt erzählend zu schreiben.

Nachwirkung

Die literarisch durchgearbeitete Darstellung des Livius hat fast alle seine Vorgänger verdrängt, aber der große Umfang gefährdete auch die Überlieferung von Livius' eigenem Werk. Schon im 1. Jahrhundert fertigte man Auszüge und Zusammenfassungen an.

Bis zum Untergang der antiken Welt wurde das Werk des Livius gern gelesen. Dann geriet es allmählich in Vergessenheit, und der größte Teil ging verloren. Seit der Renaissance hat Livius mit seinen Schilderungen der großen Vergangenheit Roms in Europa immer wieder Bewunderer gefunden und zu verschiedenartigen künstlerischen Nachgestaltungen angeregt, weil er große Gestalten und Schicksale der römischen Geschichte menschlich nah und zugleich typisierend zeichnete. Niccolò Machiavelli verfasste auf Basis der Erzählungen des Livius in seinem Hauptwerk "Discorsi sopra la prima decca di Tito Livio" (1513 ff.) die erste wissenschaftliche Analyse das Staatswesen.

Literatur

Quellenausgabe:




     
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