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Tabu



Tabu (Tapu), nach einem aus der Sprache der Südseeinsulaner (Tonga) herrührenden Wort, heißt so viel wie unverletzlich.

So gelten bei Naturvölkern die Person des Häuptlings, Begräbnisplätze, Kultstätten etc. an sich als tabu; aber man wusste auch jede beliebige andere Örtlichkeit, einen Baum, verlassene Wohnungen, ja ein einzelnes Besitzstück, vor Annäherung, Berührung oder Wegnahme zu schützen, indem man sie mit einem einfachen Faden, in den unter bestimmten Zeremonien einige Knoten mit oder ohne Fetische eingeknüpft worden waren, umgrenzte oder umband (siehe Knotenknüpfen). Tabus können sich auch auf Nahrung beziehen, dass z.B. einer Sippe nicht erlaubt ist, ihr Totemtier zu jagen oder zu essen; es gibt in Afrika auch spezielle, teils sehr weitreichende Nahrungstabus für schwangere Fauen.

Die Angehörigen der gleichen Ethnie waren überzeugt, dass bei Verletzung dieses Fadens alle Übel, die der Knotenschürzer hineingeknüpft hatte, unfehlbar auf sie fallen würden, und so ersetzte dieser Glaube die Sicherheitspolizei bei den verschiedensten Naturvölkern, denn in verschiedenen Formen findet oder fand sich das Tabu in allen Erdteilen.

Die verbale Missachtung von Tabus dient in vielen Kulturen als Anknüpfungspunkt für Witze und Schimpfwörter, da die direkte Erwähnung eines Tabus eine Spannung im Zuhörer erzeugt.


Textvorlage aus Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888/89


Tabu und Machterhalt

Der Begriff Tabu ist aus sozialpsychologischer Sicht von besonderer Bedeutung. Tabus schützen ein Thema vor dem Diskurs in einer Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft ("Darüber spricht man nicht !"). Dem Thema wird kein Platz, kein "Ort" im öffentlichen "Raum" des Bezugssystems gewährt.

Je mehr Mitglieder des Bezugssystems sich an dieser Form der Ausgrenzung eines Themas beteiligen, desto mehr "Macht" hat das Tabu über den Einzelnen. Kollektive Verdrängungsmechanismen werden wirksam ("Das darfst du noch nicht einmal denken!"). Diese starke emotionale Aufladung ist der Grund dafür, dass "die direkte Erwähnung eines Tabus eine Spannung im Zuhörer erzeugt" (siehe oben).

Gemeinsame Tabus stabilisieren die Bezugssysteme von Menschen, insbesondere aufgrund ihrer emotionalen Aufladung. Mitglieder, die einen Tabubruch wagen, sind daher in der Regel schweren Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft ausgesetzt. Wenn der Zusammenhalt des Bezugssystems aber aus anderen Gründen gefährdet ist, können wiederholte Tabubrüche den Niedergang des Bezugssystems beschleunigen.

Tabubruch und Christentum

Am Beispiel des "christlichen Abendlandes" wird der Zusammenhang zwischen Tabubruch und Niedergang des Bezugssystems besonders deutlich: Die Säkularisierung, also die Abkehr von der Religion als gesellschaftlichem Normgeber, geht einher mit der Auflösung religiös motivierter Tabus. Besonders davon betroffen ist die Sexualmoral der christlichen Kirchen. Je mehr die in diesem Kontext errichteten Tabus aufbrechen, desto deutlicher werden die Kirchen und das Christentum kritisch angefragt.


Auch Titel eines Films von Friedrich Murnau und Robert Flaherty (1929/31)



     
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