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Türkische Literatur



türkische Literatur bezeichnet die türkischsprachige Literatur des Osmanischen Reiches und der türkischen Republik und – weiter gefasst auch die türkischsprachige Literatur, die außerhalb der Türkei entsteht.

Osmanische Zeit

Noch aus vorosmanischer Zeit stammt der Epos von Gesser Chan, der als größter zentralasiatischer Epenzyklus in tibetischer, mongolischer, und türkischer Sprache bekannt ist. Das große türkische Volksepos ist "Dede Korkut", das von dem Kampf der Turkstämme gegeneinander und gegen das christliche oströmische Reich berichtet. Es wurde vermutlich im 15. Jahrhundert niedergeschrieben. Diesem Werk ähnelt auch der "Volksroman" Sajjid Battal aus dem 13. Jahrhundert, der neben türkischen auch arabische und persische Einflüsse enthält und in märchenhafter Weise Epen aus der Frühgeschichte des osmanischen Reiches wiedergibt.

Einer der ersten bekannten Vertreter türkischer Literatur war der Mystiker Yunus Emre, der im 13. Jahrhundert die Derwisch-Dichtung begründete und sowohl die höfische als auch die Volkskultur inspirierte. Ihm werden eine Vielzahl von Volksliedern zugeschrieben. Die Literatur des osmanischen Reiches war von islamischen Mystikern dominiert und orientierte sich besonders an der persischen Literatur. So zum Beispiel die Ghasel-Dichtung von Fuzûlî im 16. Jahrhundert. Die Inhalte sind vor allem Lobpreisungen weltlicher und geistlicher Autoritäten und Liebeslyrik. Dabei ist die Sprache vom Vokabular und dem Versmaß ausgefeilt – und gleichermaßen festgefügt. In dieser Form waren sie nur den gebildeten Schichten des osmanischen Reiches zugänglich.

Daneben entwickelt sich eine Volksliteratur, die besonders aus Volksliedern und Geschichten von volkstümlichen Helden wie Keloğlan und Nasreddin Hoca besteht (eingeschränkt vergleichbar mit Till Eulenspiegel). Eine besondere Bedeutung hatten auch die Reiseschilderungen Evliya Çelebis (1611 - 1682), die zu den großen Reiseberichten der Weltliteratur gehören.

Mit der Tanzimat-Periode Mitte des 19. Jahrhunderts werden wie in der Politik auch in der Literatur westliche Einflüsse stärker. Nachdem westliche Literatur verstärkt ins Türkische übersetzt wurden, erscheinen in den 1870er Jahren die ersten türkischen Romane. Eine besondere Rolle nahm bei der Modernisierung die Zeitung "Servet-i fünûn" ("Schatz des Wissens") mit dem Dichter Tevfik Fikret und dem Romancier Halit Ziya Uşakligil; ein. Zugleich kommt auch eine nationalistische und patriotistische Dichtung auf.

Türkische Republik

Mit der Ausrufung der Republik und der atatürkschen Reformen, besonders der Einführung der lateinischen Schrift 1928 und der großen Sprachreformen ab 1932 kommt es zu revolutionären Veränderungen in der türkischen Literatur. Die neuen SchriftstellerInnen wenden sich von der herkömmlichen festgefügten Stilistik und Sprache ab. Dieses wird besonders von den Garip-Dichtern um Orhan Veli propagiert.

Mit der Form verändern sich auch die Inhalte der türkischen Literatur zunehmend. Fakir Baykurt, Sabahattin Ali und Yaşar Kemal stellen die Dorfbevölkerung in den Mittelpunkt, Sait Faik Abasıyanık die einfachen Stadtmenschen. Mit der Hinwendung zur Schilderung der Lebensumstände bleibt soziale und politische Kritik am Staat nicht aus. Der Staat reagiert mit Zensur und politischer Gewalt. Autoren wie Nâzım Hîkmet, Yaşar Kemal oder Aziz Nesin verbrachten wegen der Verfolgung ihrer Publikationen viele Jahre in türkischen Gefängnissen. Kemal bezeichnete das Gefängnis deshalb als "Schule der türkischen Literatur".

Mit den ArbeitsmigrantInnen kommen in den 60er Jahren türkische Literatur und türkischstämmige SchriftstellerInnen auch nach Westeuropa. Bücher werden verstärkt übersetzt. Aras Ören, Yüksel Pazarkaya oder Emine Sevgi Özdamar befassen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Leben in Deutschland. Teilweise wird diese Literatur auch wieder in die Türkei zurückgetragen.

Während die Zensur und die drei Militärputsche (1960, 1971 und 1980) die Entwicklung der türkischen Literatur hemmen, tragen SchriftstellerInnen auf dem Umweg dieser migranten Literatur mit dazu bei, dass es heute eine sehr vielfältige und eigenständige türkische Literatur gibt. Ein bekannter Vertreter aktueller türkischer Literatur ist Orhan Pamuk.

siehe auch: Liste türkischsprachiger Künstlerinnen und Künstler, mongolische Literatur, tibetanische Literatur




     
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