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Soziale Klasse



Gesellschaftliche Klassen sind die Bausteine eines vertikalen Gesellschaftsmodells, das ökonomische Gesichtspunkte in den Vordergrund stellt. Der Begriff ist aus der englischen Politischen Ökonomie durch Karl Marx in die gesellschaftswissenschaftliche Debatte eingeführt worden.

Ursprüngliche Bestimmungen der Klassenzugehörigkeit einer Person richteten sich im wesentlichen nach ihrer Stellung im Produktionsprozeß, insbesondere im Verhältnis zum Eigentum an Produktionsmitteln. Moderne Modelle berücksichtigen stärker die gesellschaftliche Mobilität und die sozialen Differenzen innerhalb gesellschaftlicher Milieus (Schichten).

Zur Einteilung einer Gesellschaft in soziale Klassen gibt es verschiedene Klassenschemata. Im folgenden Artikel sollen jedoch nur die unterschiedlichen Klassendefinitionen behandelt werden.

Table of contents
1 Der Klassenbegriff von Marx
2 Der Klassenbegriff von Weber
3 Der Klassenbegriff von Bourdieu
4 Modell nach Engel, Blackwell und Kollat
5 Aktuelle Debatte
6 Literatur
7 Weblinks

Der Klassenbegriff von Marx

Nach Marx sind Klassen durch die Stellung im Produktionsprozess definiert. Er unterscheidet analytisch zwei Klassen: Arbeit und Kapital.
Aus der Analyse der ökonomischen Verhältnisse wird deutlich, daß die Mitglieder der Gesellschaft, die allein ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben, diametral andere Interessen haben als diejenigen, die über Produktionsmittel verfügen, und Arbeitskräfte einstellen. Die einen wollen beispielsweise ihre Arbeitskraft möglichst teuer verkaufen, die anderen die eingekaufte Arbeitskaft möglichst lange schaffen lassen. Dieser grundsätzliche Antagonismus besteht unabhängig von den Vorstellungen der Menschen über ihre eigene Lage (siehe auch: Fetisch).
Sobald Mitglieder einer Klasse ihre gemeinsamen Interessen wahrnehmen spricht Marx von einem Übergang von der "Klasse an sich" (eine Klasse die nur durch die Stellung im Produktionsprozess gekennzeichnet ist) zur "Klasse für sich" (also eine Klasse die sich ihrer selbst bewusst wird und bereit ist für ihre Interessen gemeinsam einzutreten). Bewußt oder unbewußt befinden sich aber die beiden analytisch bestimmbaren Klassen Kapital und Arbeit in einem permanenten Aushandlungprozess, dem sog. Klassenkampf.

Der Klassenbegriff von Weber

Der Begriff der sozialen Klasse stammt ursprünglich von Weber, er definiert Klasse als die

"typische Chance ... ,welche aus Maß und Art der Verfügungsgewalt (oder des Fehlens solcher) über Güter und Leistungsqualifikationen und aus der gegebenen Art ihrerer Verwertbarkeit für die Erzielung von Einkommen und Einkünften innerhalb einer gegebenen Wirtschaftsordnung folgt"

er unterscheidet im folgenden 3-Klassen:
  1. Besitzklasse (wird durch den Besitz bestimmt)
  2. Erwerbsklasse (wird durch die Erwerbschancen bestimmt) und,
  3. soziale Klasse (Chance des sozialen Auf- und Abstiegs).

Der Klassenbegriff von Bourdieu

Nach Bourdieu unterscheiden sich die Klassen durch ihren Habitus (vergleiche: Humankapitaltheorie).

Modell nach Engel, Blackwell und Kollat

Ein weiteres Modell, das hauptsächlich zur Erklärung des Konsumentenverhaltens dient ist das Modell von Engel, Blackwell, Kollat, dieses Modell verwendet ein dem Begriff der sozialen Schicht ähnlichen Klassenbegriff.

1. Obere Oberklasse Diese soziale Klasse stellt eine soziale Elite dar, die aus international bekannten Familien stammt und von vererbtem Vermögen lebt. Charakteristisch sind mehrere Haushalte, internationale Wohnsitze und Ausbildungsprogramme für den Nachwuchs auf internationalen, streng zugangsbeschränkten Eliteschulen. Die hauptsächliche Beschäftigung besteht in der Verwaltung des umfangreichen Vermögens, sowie internationaler Verpflichtungen. Der Sozialstatus dieser Klasse erlaubt ihren Mitgliedern auch die Ausrichtung von gesellschaftlich bedeutenden und überregional bekannten Festen, Bällen oder Ausstellungen. Die Interessen innerhalb dieser Gruppe beziehen sich auf Selbstverwirklichung und Ästhetik, eine für den Klassenerhalt vorteilhafte Partnerwahl sowie erlesene Konsumgüter, Yachten, Flugzeuge und Immobilien. Sie sind das Vorbild der unteren sozialen Klassen und werden von diesen beobachtet und imitiert.

2. Untere Oberklasse Hier finden sich vor allem Menschen, die durch besondere berufliche Leistungen oder selbst gesteigertes Erbschaftsvermögen zu beachtlichem materiellen Reichtum gelangt sind. Oft entstammen sie der Mittelklasse oder sind "gefallene Superreiche", denen Fehler im Umgang mit ihrem Vermögen unterlaufen sind. Zu dieser Gruppe gehören auch die sog. "Neureichen", die durch Heirat oder Lotteriegewinn zu wirtschaftlichem Einfluss gelangt sind und die durch ein exzentrisches Konsumverhalten auffallen. Hier finden sich auch bekannte Musiker und Schauspieler, erfolgreiche Sportler oder Schriftsteller. Das Marktinteresse zielt vor allem auf teure Autos, schöne Boote, Immobilien, Schmuck und sehr individuelle Reisen oder Studienaufenthalte. In diesem Sozialstatus ist das Ziel verbreitet in die Schicht der oberen Oberklasse aufgenommen zu werden. Zudem ist ein verstärktes Interesse an gemeinnützigen Projekten festzustellen, für dass die Mitglieder der unteren Oberklasse gerne die Schirmherrschaft übernehmen bzw. spenden.

3. Obere Mittelklasse Dies ist die Karriereschicht. Menschen dieses Sozialstaus haben sich als Freiberufler verwirklicht, sind Lehrende oder Unternehmer mit mittelständischen Firmen oder sie sind durch Sparen über Generationen hinweg zu Immobilienbesitz gelangt. Häufig finden sich in dieser Schicht auch die Gewinner des Börsenbooms oder der Wiedervereinigung. Bildung ist für diese Schicht sehr wichtig. Bestimmte Statussymbole der Oberschicht gehören zum Selbstverständnis im äußeren Auftreten. Regelmäßige Urlaube sind selbstverständlich. Höheren Angestelltenn oder Beamten in besseren Positionen gelingt es in dieser Sozialschicht begrenzten Einfluss in Politik und Wirtschaft zu nehmen. Die Vermeidung eines sozialen Abstieges ist für diese Gruppe besonders wichtig.

4. Untere Mittelklasse In dieser Sozialschicht ist Fleiss besonders hoch angesehen, weniger die Selbstverwirklichung auf künstlerischer oder unternehmerischer Ebene. Die Angehörigen dieser Schicht leben in "gutbürgerlichen Verhältnissen", besitzen eine selbstgenutzte Wohnimmobilie und halten sich streng an gesellschaftliche Normen und Vorgaben. Die geordnete Haushaltsführung ist besonders wichtig, weniger die Erkundung fremder Länder und Sitten oder das Unterstützen sozialer Projekte. Die Möbel werden regelmäßig neu erworben, die Reparaturen am Haus hingegen möglichst selbst durchgeführt. Es gibt ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein bei Einkäufen, "Gelegenheiten" haben einen hohen Stellenwert. Das Interesse an Pauschalreisen ist groß, es werden häufig Neuwagen gekauft. In dieser Sozialschicht herrscht auch ein gewisses Markenbewusstsein vor, Sicherheit ist ein wichtiges Kaufargument. Ein Aufstieg in die untere Oberschicht wird häufig angestrebt, bleibt jedoch aus einem typischen Mangel an Risikobereitschaft eher die Ausnahme.

\'5. Obere Unterklasse' Hier finden sich vor allem einfache Angestellte und Facharbeiter, z.T. auch scheinselbständige Unternehmer ohne Mitarbeiter, "Arbeiteraristrokaten", sowie Künstler ohne überregionale Bedeutung. Die Wohnverhältnisse sind bescheiden, entweder zur Miete oder in sehr einfachen Eigenheimen, die überwiegend geerbt sind. Häufig bewohnen die Mitglieder dieser Schicht Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus. Ihre Kaufgewohnheiten sind gewohnheitsmäßig gleich, selten werden kulturelle oder gesellschaftliche Ereignisse wahrgenommen. Die Schulbildung der Mitglieder dieser sozialen Schicht ist einfach bis mittel, häufig hat die Ehefrau keine eigene berufliche Stellung. Halbtagsbeschäftigungen im Laden oder einfache Bürotätigkeiten bessern die Haushaltskasse auf, auf Urlaub wird schon mal verzichtet. Diese Gruppe der sozialen Gesellschaft bildet den wichigsten Markt für Gebrauchtwagen, Last-Minute-Reisen oder Sonderangebote im Möbelhandel. Markenware ist nicht von hoher Bedeutung. Häufig wird in Versandhauskatalogen auf Teilzahlung bestellt oder in Fernsehshows telefonisch gekauft. Die Bestrebungen zum Aufstieg in eine höhere soziale Schicht sind weniger stark ausgeprägt als die Vermeidungsstrategie eines Totalverlustes an Sicherheit.

6. Untere Unterschicht Zu den Angehörigen der unteren Unterschicht zählen vor allem Menschen ohne eigenes Einkommen, Angehörige des zweiten Arbeitsmarktes, Arbeitssuchende und Sozialhilfeempfänger, sowie Ausländer ohne berufliche Qualifikation. Geringe Schulbildung oder psychische bzw. gesundheitliche Probleme schränken die berufliche Betätigung ein. Rentner ohne ausreichende Versorgung, welche zusätzliche staatliche Unterstützung benötigen und "brotlose Künstler" bzw. Angehörige der Obdachlosenszene bestimmen das soziale Bild dieser Gruppe. Oft sind die der Mittelklasse entstammenden Werte und Normen verpönt. Häufig prägen Alkohol- und Drogenmissbrauch den Alltag dieser Menschen. Produktqualität ist nicht entscheidend für eine Kaufentscheidung, Impulskäufe und unregelmäßige Versorgung sind der Regelfall.

(Quelle auf europäische Verhältnisse adaptiert: Consumer Behavior, James F. Engel, Roger D. Blackwell, David T. Kollat, the Dryden Press, Holt-Verlag Rinehart und Winston U.S.A 1978)

Aktuelle Debatte

Literatur

Weblinks

I:
Von den Kapitalisten (Einleitung: "Überwindet die Demokratie die Klassengesellschaft?") II: Die Grundeigentümer III: Von der Arbeiterklasse




     
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