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Schwarzer Holunder



Schwarzer Holunder

Schwarzer Holunder (S. nigra)
Systematik
Unterklasse: Cornidae
Überordnung: Dipsacanae
Ordnung: Dipsacales
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Gattung: Holunder (Sambucus)
Art: Schwarzer Holunder (S. nigra)
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra), auch Alhorn, Elder, Ellhorn, Eller, Flieder, Hölder, Holder, Holderbaum, Holderbusch, Holler, Kelkenbusch genannt, ist ein Strauch aus der Gattung der Holunder (Sambucus).

Seine Früchte bezeichnet man auch als Fliederbeeren, was auf seinen ursprünglichen deutschen Namen Flieder zurückzuführen ist, der erst später auf den heutigen Flieder (Syringa) überging.

Table of contents
1 Beschreibung
2 Vorkommen
3 Verwendung
4 Schädlinge
5 Unterarten
6 Literatur
7 Weblinks

Beschreibung

Der Schwarze Holunder ist ein zwei bis sieben Meter hoher Strauch mit starker Verzweigung, das fein gesägte Laub ist gegenständig und unpaarig gefiedert . Die einzelnen Blattfieder sind etwa 30 Zentimeter lang und bestehen aus meist fünf oder sieben Einzelblättern, die elliptisch und am Rand gesägt sind. Diese sind jeweils bis etwa 12 Zentimeter lang. Die Blätter entwickeln sich etwa im März oder April des Jahres.

Die Zweige des Holunders sind oftmals bogenartig ausladend und von graubrauner Farbe. Sie sind übersät mit Lentizellen, die als hellere Erhebungen ins Auge fallen, und ausgefüllt mit weißem, fast styroporartigem Mark. Die dickeren Äste sowie der Stamm haben eine längsgefurchte Borke.

Ab Juni bis in den Juli erscheinen am jungen Holz weiße Blüten an bis zu 30 cm großen flachen Dolden, ihr frischer, fruchtiger Duft ist unverwechselbar und typisch für den Holunder. Die Dolde besteht aus weißen oder leicht gelblichen Einzelblüten, die in der Regel fünfzählig sind. Sie besitzen entsprechend jeweils fünf Kelchblätter, fünf miteinander verwachsene Kronblätter und fünf freie Staubblätter mit gelben Staubbeuteln. Hinzu kommen drei miteinander verwachsene Griffel, die später in der Frucht drei Kerne bilden. Ein kleinerer Teil der Blüten ist jedoch auch vierzählig.

Aus ihnen bilden sich im August und September die anfangs roten, später schwarzen Vitamin-C-reichen, ungefähr sechs Millimeter großen Beeren (eigentlich Steinfrüchte), mit jeweils drei Samen und burgunderrotem Saft. Während diese Früchte reifen, färben sich auch die Stiele, an denen sie sitzen, rötlich. Die Beeren sind nach dem Abkochen oder Vergären essbar, da das vor allem in den grünen Teilen der Pflanze enthaltene Sambunigrin, das Blausäure abspaltet, so abgebaut wird.

Vorkommen

Der Schwarze Holunder ist eigentlich in Mitteleuropa beheimatet, hat sich jedoch als häufige Kulturpflanze von Skandinavien bis nach Nordafrika ausgebreitet. Ebenfalls anzutreffen ist er in Westsibirien, dem Kaukasus und Kleinasien. Von Vorteil dafür ist sicher seine Robustheit und Anspruchslosigkeit. Holunder ist ausgesprochen frosthart und gedeiht gut im Halbschatten auf Unkrautfluren, Waldlichtungen oder an Wegrändern, schätzt jedoch insbesondere mittelschwere bis sandige, stickstoffreiche und frische, schwach saure Lehmböden. In den Alpen ist er bis in die mittlere Gebirgslage von etwa 1500 Metern anzutreffen.

Neben wilden Vorkommen findet sich der Holunder seit Mitte der 1980er Jahre zunehmend in Kultur, es existieren einige Sorten, die zu unterschiedlichen Zwecken selektiert wurden.

Verwendung

Holunder findet vielfach Verwendung in der Küche wie in der Kräuterheilkunde.

Holunder als Heilmittel

Holundersaft und die Holunderbeeren, aber auch Tees aus Rinde und Blütenständen gelten als probate Hausmittel gegen Erkältung und finden bis heute Anwendung. Als Faktoren dieser Wirkung gelten die in den Früchten enthaltenen Vitamine C und B, Fruchtsäuren, ätherische Öle, die auch in den Blüten enthalten sind, Flavonoide und vor allem das farbgebende Anthocyan. Dieses Antioxidativ schützt die Zellmembranen vor Veränderungen durch freie Radikale und verlangsamt so den Alterungsprozess der Pflanzenzellen wie auch der Zellen des menschlichen Konsumenten.

Die ätherischen Öle mit ihren Aromakomplexen wirken leicht schweißtreibend und schleimlösend. Auch bei Magenbeschwerden wird Fliedertee in der Hausmedizin erfolgreich angewandt.

Holunder als Farbstoff

Nicht nur für Süßigkeiten oder Molkereiprodukte in der Lebensmittelindustrie, sondern auch in der Textilindustrie wird Holunder als natürlicher Farbstoff verwendet.

Holunder als Lebensmittel

Bereits die Blütendolden lassen sich als Lebensmittel verwenden, bekannteste Zubereitungsform sind die sogenannten Hollerküchel, Holunderküchle oder Hollerschöberl. Dabei werden die Dolden des Holunders in Pfannkuchenteig getaucht und in Fett oder Olivenöl auf einer Pfanne ausgebraten. Aber auch zur Sektbereitung lassen sich Holunderblüten verwenden.

Da die Beeren des Holunders schwach giftig sind, können sie nicht roh verzehrt werden - erst nach Erhitzen können Sie bedenkenlos verwendet werden. Die geeignetste und verbreitetste Form dazu sind Gelees oder Mus. In Norddeutschland kocht man aus den Beeren eine Fliedersuppe, aber auch zum Backen finden sie Verwendung. Der Saft der Beeren ist zwar genießbar, aber sehr herb. Daher wird er oft mit Apfelsaft oder anderen süßen Fruchtsäften gemischt.

Holunderbeeren werden auch gerne zur Herstellung von Spirituosen verwendet. Am bekanntesten ist dabei sicher der italienische Sambuca, aber auch andere Beerenbrände werden aus Holunder destilliert.

In der Schweiz und Österreich wird sowohl aus Blüten als auch aus den Beeren des Schwarzen Holunders Sirup hergestellt.

Traditionelle Rezepte

Holunderblütensekt

Man setzt Ende Mai ungefähr 10 mittelgroße, voll aufgeblühte Blütenstände mit fünf Litern Wasser, 500 Gramm (braunem) Zucker und zwei in Scheiben geschnittenen, ungespritzten Zitronen an, am besten in einem Glasballon und verschließt diesen mit einem Wattepfropf. Den Ansatz lässt man zwei bis drei Wochen an einem hellen, warmen Ort stehen und gären. Die Gärung sollte normalerweise nach ca. vier Tagen spontan durch die auf den Blüten ohnehin vorhandenen Hefesporen einsetzen, falls nicht, kann man noch als Starter auch eine kleine Messerspitze Weinhefe zugeben. (Falls man die Gärung nicht abwarten kann oder will, kann man auch bei der Holunderblütenlimonade stoppen). Wenn die stärkste Kohlendioxid-Entwicklung abklingt, ist es Zeit, den jungen Sekt abzuseihen, wobei eine Kaskade von Seihe, Sieb und ausgekochter Baumwollwindel sich bewährt hat, und in starkwandigen Flaschen, am besten eben Sektflaschen, abzufüllen. Diese müssen auch fest verkorkt und der Korken sinnvollerweise mit einem Korkendraht gesichert werden, da die Gärung in den Flaschen nicht augenblicklich stoppt und die dabei entstehenden Drücke erheblich sind. Man lagert die abgefüllten Flaschen aufrecht, kühl und dunkel. Am besten schmeckt der Sekt innerhalb der ersten vier Monate, er kann sich aber, wenn man hygienisch gearbeitet hat, auch länger halten.

Hollerküchle

Aus 200 Gramm Weizenvollkornmehl, einer Prise Salz, zwei Eigelb, einem Viertel Liter Milch und einem Esslöffel Honig rührt man einen Teig, die zwei Eiweiße werden steif geschlagen und untergehoben. Viel Butter in einem Topf erhitzen, zehn bis fünfzehn Holunderblütendolden nacheinander am Stiel anfassen und in den Teig tauchen und sofort mit dem Stiel nach oben ins heiße Fett legen und ca. zwei Minuten schwimmend ausbacken. Dann herausnehmen, kurz abtropfen lassen und heiß servieren.

Norddeutsche Fliedersuppe

Ein Pfund Beeren mit der Gabel von der Dolde abstreifen und mit der Schale einer halben Zitrone in einem Liter Wasser halb gar kochen. Danach durch ein Sieb streichen und 40 Gramm Zucker einrühren. Etwas Speisestärke und Milch anrühren und als Bindung zur Suppe giessen. Nun mit etwas Zitrone und Zucker abschmecken, ein Eiweiß steif schlagen, portionsweise abstechen, auf die Suppe geben und drei bis fünf Minuten ziehen lassen.

Schädlinge

Unterarten

Neben dem Typ existiert die Unterart S. n. palmensis, die endemisch in den Lorbeerwäldern der Kanarischen Inseln vorkommt und vom Aussterben bedroht ist.

Literatur

Weblinks


Beurteilung:
Exzellenter Artikel




     
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